Maggie Prewett: Erbin zweier Helden

GeschichteHumor, Fantasy / P12
Fred Weasley George Weasley Ginevra Molly "Ginny" Weasley Luna Lovegood OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin
08.05.2020
24.05.2020
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23.05.2020 2.268
 
Es war ein offenes Geheimnis, dass Harry sich von Lupin den Patronuszauber beibringen ließ. Bei Harry war so vieles ein offenes Geheimnis, während es bei Maggie oftmals nicht so war. Ihr lief aber auch nicht ein Colin Creevey hinterher, der sie um ein Autogramm anbettelte und ihr nicht von der Seite wich. Darüber war sie auch recht froh, aber schuldig fühlte sie sich dennoch Harry gegenüber. Sie behielt es schon wieder für sich. Und sie hatte das unwohle Gefühl, dass sich das wie in ihrem ersten Jahr bereits sehr bald rächen würde.  Sie war doch mehr in Harrys verzwicktes Leben verwickelt als sie es zugeben wollte, auch wenn sie noch nicht so recht wusste was sie tun sollte. Sirius Black war dort draußen und lauerte wahrscheinlich schon auf die beiden und keiner wusste so recht was er tun sollte. Harry verhielt sich ohnehin seit ein paar Wochen komisch und Maggie wusste nicht so recht was er vor ihr versteckte, aber sie war sich sicher, dass sie es eigentlich wissen sollte. Aber auch sie bewahrte schließlich Geheimnisse vor ihm, weshalb sie es im Grunde ja gar nicht besser wissen konnte und sollte.

So führte es sie doch nach den Weihnachtsferien, die sie bei den Weasley -ohne Ron- verbracht hatte zu Remus Lupin. Sie war müde und der Weihnachtspullover Molly Weasleys kratzte ihr auf der Haut. Das große M war in Bronze auf einen blauen Pullover gestrickt worden. Molly hatte Maggie vorher sogar noch extra gefragt, ob sie nicht einen Pullover in den Farben Ravenclaws haben wollte. Maggie war selten so glücklich gewesen. Tatsächlich war es ihr im ersten Schuljahr keinesfalls leicht gefallen Teil des Hauses Ravenclaw zu sein anstatt Gryffindors, dem schließlich ihre Geschwister, Zieheltern wie auch ihre leiblichen Eltern angehörten und angehört hatten. Inzwischen hatte sie sich in Ravenclaw allerdings sehr gut eingelebt, nicht nur wegen ihren Freundinnen Luna, Padma und Cho, sondern auch weil es Percy tatsächlich gelungen war die "Tischwechsel"-Regel durchzusetzen, auch wenn sich Snape dagegen eisern gewehrt hatte, mit dem es sich Maggie Ende des letzten Jahres nun letztendlich auch verscherzt hatte. Jetzt sprach er sie auch immer mit "Miss Weasley" an und zog ihr immer wieder Punkte wegen jedem noch so fadenscheinigen Grund ab. So viel zum Thema "ich möchte, dass Sie eine möglichst normale Schulzeit haben".

Aber all das war nebensächlich, als sie die goldenen Planeten über ihrem Kopf schweben sah und noch immer müde vom Freitagabend, an dem sie Snape mit einem zwölf Zoll langen Aufsatz über Wolfswurz gequält hatte, der bis Samstag fällig gewesen war.

"So, müde?", fragte Remus das junge Mädchen, als sie zur zweiten Privatunterrichtsstunde auftauchte und bei dieser wesentlich müder aussah als bei der vorherigen.

"Snape...", gab Maggie zerknirscht von sich, die inzwischen gelernt hatte ihre Höflichkeit in Lupins Nähe zumindest ein wenig ablegen zu können. Bei Snape oder irgendeinem anderen Professor würde sie das nicht wagen, sonst würde sie sich nur das Abziehen von Hauspunkten einhandeln und darauf konnte sie verzichten, hatte sie den Hauspokal doch im letzten Jahr freiwillig abgegeben. "...und Cho hat für heute auch noch Quidditchtraining angesetzt."

"Ja, das hat deine Mutter auch immer fertig gemacht.", merkte Lupin schmunzelnd an. "Also, probieren wir es heute nochmal? Wie gesagt, bei dir müssen wir es ohne Irrwicht versuchen. Erstens, bist du mit zwölf wirklich zu jung dafür und ich weiß, dass du einen Dickschädel hast, der dir sagt du könntest das, den hatte dein Vater nämlich auch. Und zweitens, ich habe keine Ahnung was dann vor mir steht und ich bin noch nicht bereit das jetzt in Erfahrung bringen zu wollen, vielleicht im nächsten Jahr."

Maggie schnaubte auf, was ihren Lieblingslehrer allerdings nur zum Schmunzeln brachte.

"Sag ich ja.", gab er von sich und schmunzelte kurz, bevor er sie wieder durchblickend ansah und ihm sehr wohl bewusst war, dass sich unter dieser vorlauten, verschränkten Hülle im Grunde ein schüchternes, sich vor sich selbst fürchtendes, zwölfjähriges Mädchen versteckte. "Also, wo setzen wir an? Eine glückliche Erinnerung. Eine Erinnerung, die dir viel bedeutet, die deinen Alltag direkt mit Freude erfüllt und dann sprich es deutlich aus: Ex-pec-to Pa-tro-num. Schließ die Augen und such nochmal nach einer Erinnerung."

Maggie zögerte zunächst, aber durchforstete dann ihre Erinnerungen. Da waren viele glückliche, was sie ganz eindeutig von Harry unterschied. Doch auch ihr fiel es schwer eine zu finden, die das Potential hatte einen gestaltlichen Patronus oder zumindest einen Schild-Patronus zu erzeugen. Sie fand nichts, aber dann blieben Maggies Gedanken doch an einer glücklichen Erinnerung hängen.



Fred und George, die in ihrem Zimmer auftauchten und laut grölten: "Alles Gute zum Geburtstag!"

Rons Schokofrosch, der ihm mal wieder aus der goldblauen Box entsprungen war, sprang unaufhaltsam durchs Zimmer. Er sprintete ihm nach wie Neville sonst immer seiner Kröte Trevor nachsprintete. Tollpatschig wie er war, fiel er vor Maggie auf die Füße und stopfte sich den Frosch so schnell wie er konnte in den Mund, bevor er noch ein paar Sekunden wild umherhüpfte und Ron ihn im vollen Umfang herunterschluckte.

"Is' was?", brabbelte er.

"Deine Schwester hat heute Geburtstag, du Schwachmat.", stellte Fred klar und lachte dabei auf.



Maggie lachte bei dem Gedanken an ihren letzten Geburtstag auf.

Das schien auch Lupin aufzufallen, der sie fragte: "Bereit?"

Maggie nickte und hielt ihre Augen geschlossen und nahm das Gefühl der Erinnerung tief in sich auf, bevor sie den Zauberstab zu schwingen begann. Mit Stärke brachte sie die Worte heraus und öffnete die Augen. Ein weißer Schimmer umgab den ganzen Raum und auch die Tatzen eines Tieres waren zu entdecken, das anschließend allerdings weiter unscheinbar war. Es hatte nur an gewissen Stellen eine Gestalt aufzuweisen. Es erschlaffte schnell wieder und der weiße Nebel verschwand mit ihm.

"Das war schon sehr gut.", stellte Lupin klar und schenkte Maggie ein Lächeln. "Woran hast du gedacht? Komm, setz dich, ich kann nicht von dir erwarten direkt einen ganzen Patronus zu erzeugen. Dass du schon Ansätze hinbekommst, ist für dein Alter schon sehr bemerkenswert."

Lupin klopfte neben sich auf die drei kurzen Stufen, die in einen höhergelegenen Teil seines Büros führten, wo Wesen in ein paar Käfigen steckten, die meisten von ihnen schlummerten. Auch sein unordentlicher Schreibtisch war dort vorzufinden, was ihn der jungen Ravenclaw umso sympathischer machte.

Sie ließ sich neben ihn fallen und schloss die Augen, bevor sie antwortete: "An meine Brüder. An einen Tag, an dem es mir nicht vorkam, als ob ich das dämliche Kind wäre, das nicht so recht ins Bild passt. Es war ein Tag, an dem ich einfach nur ich war und an dem ich nicht an meine Haarfarbe oder meine Augen gedacht habe. Ein Tag, an dem es einfach egal war, dass ich eine Prewett bin und keine Weasley."

"Das zählt doch für Molly nicht.", stellte Lupin grinsend klar. "Wir kennen uns doch, wenn auch nur in einer entfernten Zeit. Ich habe sie damals kennengelernt, als Du-weißt-schon-wer erstmals an die Macht gekommen ist. Fünf kleine Kinder hatte sie am Anfang des Krieges zu versorgen, deshalb hat sie sich nicht an den Kämpfen gegen ihn und seine Anhänger beteiligt. Dann kam Ron und dann kam deine Schwester Ginny zur Welt und na ja, den Rest der Geschichte müsstest du kennen. Aber wie ich Molly vor all diesen Jahren kennengelernt habe, wird sie auch bald Harry bei euch aufnehmen. Dann bist du nicht die Einzige mit diesen schwarzen Haaren."

Maggie konnte ihr Lachen nicht mehr verstecken und verdeckte ihr rotwerdendes Gesicht mit ihren Händen. Es war ihr peinlich, war es wirklich. Sie konnte nicht verhindern, dass sie rot wurde. Es tat ihr aber gut, dass Lupin ihr so viel erzählte, ohne dass sie groß nachfragen musste. Molly sprach fast nie über die Dinge, die gewesen waren, bevor Maggie zu ihnen gebracht worden war und Arthur sprach nur darüber, wenn seine Frau eben nicht anwesend war.

"Hast du noch eine stärkere Erinnerung?", fragte Remus seine Schülerin, in der er wirklich zwei Helden wiedererkannte. Zwei Helden, die er viel zu kurz kannte. Marlene hatte er erst richtig kennengelernt, nachdem Lily und James sich ihre Gefühle füreinander eingestanden hatten, was erst in ihrem sechsten Jahr in Hogwarts der Fall gewesen war. Gideon traf er erst fast zwei Jahre später, nachdem Marlene ihn ihrer Freundesgruppe vorgestellt hatte. Fabian traf er erst widerum ein halbes Jahr später und die Zwillingsbrüder Prewett hatten es wirklich wie Fred und George draufgehabt die Leute um sie herum darüber hinweg zu täuschen wer, wer war. Aus Fred und George wurden Gred und Forge und aus Gideon und Fabian eben Gabian und Fideon, was sich wesentlich idiotischer anhörte.

"Nur eine einzige.", erwiderte Maggie allerdings nun und holte den Professor nun aus seinen Erinnerungen zurück, in denen er soeben zu schwelgen begonnen hatte.

Remus sprang freudig auf und zog Maggie an der Hand hinter sich wieder auf die Beine. Sie nahmen ihre Plätze wieder ein und er meinte: "Also, gut. Dann zeig mir mal deine Erinnerung. Augen schließen, Gefühle spüren und dann klar und deutlich."



Maggie sah sich wieder im Zug vor sich. Sie trat gerade aufs Gleis hinaus.

Ihre Mutter erdrückte sie augenblicklich in einer Mollyumarmung, Arthur nahm sie ebenfalls fest in den Arm.

Fred und George ließen Toffees zu Lee wandern, was von ihrer Mutter natürlich nicht unentdeckt blieb.

Neville erfuhr von seiner Großmutter zum ersten Mal seit einer langen Zeit wieder Lob. Das Lachen, in dem Moment, in dem sie ihn mit seinem Vater verglich und ihm Küsse auf die Wangen hauchte.

Harry verabschiedete sich von Ron und Hermine, bevor er sich zu seinem Onkel fortquälte.

Hermine, die für einen kurzen Moment mit Luna diskutierte, ob es dieses oder jenes Wesen gab. Percy, der es noch viel besser wusste und sich nur mit Mühe von Penelope trennen konnte, von der die Eltern bis eben noch gar nichts gewusst hatten.

Krätze, der sich mit Trevor ein Wettrennen über den Bahnsteig lieferte.

Hedwig, die man noch hörte, als Onkel Vernon mit Harry grimmig hinfortging.

Und inmitten all ihrer Lieben sie selbst, mit einem Lächeln auf den Lippen und ihrer Schwester, die sie von der Seite umarmte. Sie hatte ihre Schwester wieder gehabt, nach einem Jahr voller Leid und Streit und Zweifel. Ein Jahr, in dem sie so weit voneinander entfernt gewesen waren wie schon lange nicht mehr.

Nach einem Jahr voller Angst vor der Zukunft hatte Maggie sich so gefühlt, als ob sie irgendwo hingehörte. Sie gehörte dazu, ganz egal welches Geschlecht sie mochte oder welche Haarfarbe sie hatte oder welche Farbe ihre Augen hatten. Es war egal wie viele Sommersprossen sich um ihre Nase kräuselten oder dass sie nicht Arthur und Mollys leibliche Tochter war. Für einen Moment, einen ganz kleinen, war sie einfach nur Maggie, nichts weiter, nur Maggie.



Maggie riss die Augen auf und rief mit starker Stimme: "Expecto Patronum!"

Und da geschah es. Ein starker weißer Nebel ummantelte den Raum und tauchte ihn in ein grauweißes, durchsichtiges Durcheinander. Doch in dem Durcheinander erschien ein edler, tollfüßiger Fuchs, der scharf und ohne Fehler zu erkennen war. Vorsichtig tapste sich das Tier hervor und lief nun wie auf den Stufen einer Treppe hinauf. Eine Pfote folgte auf die nächste. Es kitzelte, als er seine Nase an Maggies legte.

Sie streckte die Hand nach dem Tier aus und langsam verschwand es wieder in den Tag hinein, der langsam anbrach. Nun hatte die Sonne draußen vor den Fenster ihren höchsten Standpunkt erreicht, es war bereits Mittag geworden.

"Ein Fuchs.", stellte Lupin verblüfft fest. Maggie hätte gedacht er würde explodieren, wenn sie es wirklich schaffen würde, doch der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künsten musterte sie mit viel Anerkennung. Er und auch Maggie selbst schienen noch nicht so recht verarbeitet zu haben was soeben geschehen war. "Die Kombination aus Stärke und Cleverness, die sie beide an dich weitergegeben haben. Ein gestaltlicher Patronus mit zwölf. Ich kann's nicht glauben-"

Er brach ab und ließ sich wieder auf den Stufen nieder. Einen Moment lang starrte er auf den Boden vor sich und dann blickte er zu Maggie auf, die gar nicht mehr aus dem Lachen heraus kam. Sie wollte es in diesem Moment aber auch gar nicht verstecken.

"Welche Erinnerung?", fragte er mit einer Sänfte, die Maggie sehr beruhigte.

Maggie schmunzelte, bevor sie lächeln und mit dein paar Freudentränen in den Augen erwiderte: "Ende des letzten Schuljahrs, als wir wieder auf dem Gleis standen. Ich war bei meinen Eltern und meinen Geschwistern. Um mich herum haben meine Freunde allen möglichen Mist getrieben. So idiotische Dinge wie Scherztoffees oder Krötenwettrennen. Aber in dem Moment habe ich auch meine Schwester zurückbekommen. Ich denke Dumbledore hat Ihnen erzählt was letztes Jahr geschehen ist."

"Maggie, ich sage das jetzt ganz ehrlich: Du hast genau so ein großes Herz wie deine Mutter. Du hast genau so ein großes Herz wie Molly Weasley es hat und auch immer haben wird und ich glaube deine größte Angst wird es sein eben diese Dinge, diese Menschen, zu verlieren, aber bis dahin ist noch Zeit. Es ist noch Zeit, bis du dich einer Welt stellen wirst, die deine größten Ängste hervorbringen wird. Aber bis dahin: Sei einfach ein normales, zwölfjähriges Mädchen." Er verstummte und erhob sich von den steinernen Stufen. "Viel Glück beim Spiel gegen Gryffindor und falls ein paar Idioten unten am Spielfeld Dementor spielen: Lass deinen verdammten Fuchs auf sie los!"
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