Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Connect

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Suspense / P18 / Gen
OC (Own Character)
08.05.2020
22.09.2022
3
16.232
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
08.05.2020 6.518
 
#01 <contact>


„Gerechtigkeit bestimmte meinen Schöpfer,
Geschaffen ward durch die Allmacht Gottes,
Durch höchste Weisheit und durch erste Liebe.“

-     Dante Alighieri, die Göttliche Komödie



Cyberse. Eine digitale Welt, beheimatet von sechs außergewöhnlichen digitalen Lebensformen. Einst ein friedlicher Ort, fiel sie der Zerstörung durch einen  Eindringling anheim. Eine dieser Lebensformen jedoch stellte sich dem Angreifer mutig entgegen, doch letztendlich konnte nicht einmal er etwas ausrichten und  seine Überreste sollten  für  lange  Zeit irgendwo in den Weiten des unendlichen Networks verstreut bleiben.

Fünf Jahre lang.
Bis zum  heutigen Tage…

Der Unterricht hatte schon vor einer Weile geendet, aber Urushibara Kimiko stand noch immer an ihrem Platz und  tat so, als würde sie noch ihre Schultasche packen. Dabei glitten ihre Augen immer wieder zu einem ihrer Mitschüler, der während des Unterrichts mal wieder eingeschlafen war.
Fujiki Yuusaku war ein sonderbarer Kerl. Er redete nie viel und wirkte oft eher so, als würde er in Gedanken hängen. Auch schien er allgemein eher den Kontakt zu seinen Mitschülern zu meiden und obwohl das erste Schuljahr an der  Den City High schon vor über einem  Monat begonnen hatte, kannte er die Namen seiner Mitschüler so gut wie gar nicht. Selbst ihren nicht. Kimiko seufzte ernüchternd.  Was erwartete sie auch?  Mit ihm geredet hatte sie bisher kaum. Mal ein schüchternes  „Guten Morgen, Fujiki-kun“, auf das keine wirkliche Antwort gefolgt war. Dennoch mochte sie ihn. Sehr sogar.
Neben ihr und Yuusaku war noch Shima Naoki in dem sonst leeren Klassenraum anwesend  und Kimiko beobachtete, wie Shima gerade an Yuusaku vorbeilaufen wollte, als dieser plötzlich den Kopf  hob.  Kimiko konnte nicht umgehen, für Sekunden in Yuusakus smaragdgrüne Augen zu starren, doch Shima, der mit Yuusakus Erwachen nicht gerechnet hatte, schrak zusammen.
„Whoa! Du bist ja wach!?  Du bist Fujiki, richtig? Der Unterricht ist schon eine Weile zu Ende“,  sagte er.
Yuusaku, der noch leicht schlaftrunken wirkte, blickte Shima fragend an. „Und du bist wer nochmal?“
„Hey! Meinst du das ernst?  Die Schule hat vor über einem Monat angefangen und du hast immer noch nicht die  Namen deiner Klassenkameraden auf dem Schirm? Du hast wohl wirklich nicht viele Freunde, kann das sein?“
Kimiko verspürte den  Drang,  Shima am Ohr zu packen und von Yuusaku wegzuziehen. Musste der Kerl so direkt sein. Was ging ihn das überhaupt an?
Doch Yuusaku  zeigte sich eher unbeeindruckt. „Danke, fürs  Anmerken“, war seine trockene Antwort.
Doch Shima schien das nicht zu beeindrucken. „Ich bin Shima Naoki.“ Und obwohl Yuusaku nicht gefragt hatte, war Shima ganz erpicht darauf, seine neue Duel Disk Yuusaku vor die Nase zu halten. „Na, was hast du dazu zu sagen?“
„Nichts, wirklich.“, war Yuusakus  schlichte Antwort. Er sah Shima nicht einmal wirklich an und Kimiko stellte fest, dass Yuusaku wohl nicht einmal wusste, was Shima ihm sagen wollte.
Erst als Shima  seinen Arm mit der Duel Disk direkt vor Yuusakus  Augen hielt, riskierte dieser einen  desinteressierten Blick. „Ich meine das!“
„Oh, ach das. Das ist die neue Duel Disk, die von SOL Technologies entwickelt wurde?“
Damit leuchteten Shimas Augen. „Oh, du hast es also doch bemerkt!“
Kimiko verdrehte die Augen. Shima konnte wirklich verdammt nerven. Sie strich sich einige bläuliche-violette Ponysträhnen aus dem Gesicht, die aus ihrer Haarspange gerutscht waren.  
Nun hatte  Shima auch Yuusakus Duel Disk bemerkt, die auf seinem Tisch lag.
„Ah, deine Duel Disk ist noch ein älteres Modell, welches echte Karten benötigt.“ Damit zeigte er wieder  auf seine eigene. „Meine hat ein A.I Programm installiert, welches mir beim Duellieren hilft.“
Und wie auf Knopfdruck sprach eine Computerstimme aus seiner Duel Disk und begrüßte Yuusaku mit einem  „Guten  Tag.“
Doch Yuusaku  sah wieder gelangweilt  zur Seite. „Ja, guten  Tag auch“, sagte er nur monoton.
Kimiko  nahm langsam ihre Tasche. Shima  schien sie gar nicht zu bemerken. Viel  zu beschäftigt  war er damit, Yuusaku nun lang und breit zu erklären, dass die A.I  seiner  Duel Disk sich direkt mit SOL Technologies Cloud Server verbinden konnte und es möglich machte, digitale Karten zu benutzen und dass er damit Zugang zu Link VRAINS hatte. Einem Virtual Reality Network Space.
Link VRAINS war seit einiger Zeit nun schon in aller Munde und sehr beliebt. Eine eigene digitale Welt, in der ein jeder sein konnte, wer er wollte. Wie in einem MMORPG, nur noch besser. Duellanten konnten sich dort treffen und Duelle austragen, während sie im realen Leben gemütlich auf der Couch  zuhause liegen konnten. Es gab sogar richtige  Idole,  so genannte Charisma Duellanten.
Kimiko blickte nur kurz zu dem Screenboard, was der  Klasse als Tafel diente und nun von Shima verwendet wurde um Yuusaku  Bilder aus Link VRAINS  zu zeigen.
„Also warst du schon mal in Link VRAINS?“, fragte Yuusaku eher beiläufig.
„Natürlich nicht, du Depp!“, rief Shima direkt, während seine Duel Disk A.I sich darüber beschwerte, dass „Depp“ ein verbotenes Wort sei. „Link VRAINS ist ein heiliger Ort wo nur die absoluten Profi-Duellanten sich treffen! Auch diese Charisma-Duellanten…! Da kann man doch nicht einfach so reingehen!“
„Verstehe“, war Yuusakus trockene Antwort. Mittlerweile war er aufgestanden und  hatte sich schon seine Schultasche umgehängt.
„Aber ich wette, wenn du reingehen würdest, vielleicht hast du dann ja die Gelegenheit, einen Charisma-Duellanten zu treffen oder gar DEN Playmaker.“
„Playmaker?“, fragte Yuusaku immer noch gelangweilt klingend, aber Kimiko wäre  fast über die Treppenstufen gestolpert als der Name in ihren Ohren ankam.
Playmaker, das war der Account Name eines mysteriösen Duellanten, der seit einiger Zeit nun schon sein Unwesen in Link VRAINS trieb und mittlerweile sich einen Namen als eine Art mysteriöser Held gemacht hatte, der die ominöse Hackergruppe Knights of Hanoi im Alleingang bekämpfte.
Kimiko fiepte innerlich. Das Erscheinen von Playmaker hatte ihre gesamte Welt auf den Kopf gestellt und sie musste sich zugestehen, dass sie schon ziemlich verknallt in diesen mysteriösen Duellanten war. Manchmal, wenn sie Yuusaku ansah, dachte sie sogar, eine gewisse  Ähnlichkeit zu erkennen, aber vermutlich war das nur Einbildung oder Wunschdenken. Wie konnte sie auch zu jenem Zeitpunkt schon wissen, dass sie der Wahrheit extrem nahe war.
„Warte, sag bloß, du hast Footage-Material von diesem Playmaker?“, fragte Yuusaku wieder eher beiläufig.
„Als ob! Er ist doch gerade deswegen so cool, weil er so mysteriös ist. Ich möchte auch so ein Duellant der Gerechtigkeit wie Playmaker werden!“ Dabei machte Shima eine  dämliche Superheldenpose und Kimiko  verdrehte erneut die Augen.  
Auch Yuusaku schien nun genug zu haben.
„Viel Glück dabei“, sagte er nur und war schon drauf und dran, das Klassenzimmer zu verlassen, aber  Shima hielt ihn auf.  
„Warte, hast du nicht Lust, das ich dir das Duellieren beibringe?"
Yuusaku aber, drehte sich nicht einmal  direkt um. „Nein, danke. Ich habe dich genug analysiert und genau drei Gründe gefunden, warum du nicht sehr stark wirkst.“ Dabei hob er seine rechte Hand und zeigte  drei Finger. Langsam drehte er sich zu  Shima um. „Erstens: Du gibst wegen deiner Duel Disk an, aber  scheinst dich nicht darum zu kümmern, welche Karten du in deinem Deck hast. Zweitens: Du hast dich bist jetzt noch nicht getraut, in Link VRAINS  einzuloggen, aufgrund mangelndem Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten. Und Drittens: Wie kannst du dich selbst als Duellant bezeichnen, wenn du die  Fähigkeiten von Jemandem nur anhand seiner  Erscheinung ausmachst?“
Shima klappte der Mund auf und Kimiko konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Das war hart, aber ehrlich.
Shima  schien nun auch sie zu bemerken. „O-Oi,  was gibt’s  da zu kichern Urushibara-san!?“
Kimiko grinste nur leicht. „Jemand muss dir ja mal die Wahrheit sagen, Shima-kun.“
Dann  sah sie wieder zu Yuusaku, der zwar kurz zu ihr sah, als er sie bemerkt hatte, aber dann sich eher wieder Shima zuwandte. „Aber dennoch hast du auch drei gute Punkte an dir. Erstens: Jemand, der so viel über seine Duel Disk und über Duelle redet, muss das Spiel wirklich lieben. Zweitens: Dass du dir immer die neuesten Duel Disk Modelle zulegst, heißt, dass du immer auf dem Laufenden sein willst. Drittens: Du hast dich dazu entschieden, mit einer isolierten und scheinbar einsamen Person wie mir zu sprechen, was darauf schließen lässt, dass du kein schlechter Kerl bist.“
„W-was redest du da?“,  rief Shima, der aufgrund dieser Vorführung vor Scham rot geworden war.  „Warum kritisierst du mich jetzt  durch diese drei Dinge oder so?! Verdammt, dann duellier dich doch allein!“, rief er nur und rannte aus dem Klassenzimmer.
Kimiko sah ihm  nach und  dann zu  Yuusaku. Eine isolierte und einsame Person? Sah er sich selbst denn wirklich so?
Yuusaku selbst schien wieder in Gedanken zu versinken, weswegen Kimiko es sich nicht wagte,  ihn anzusprechen.
„Ich habe nie darüber nachgedacht…“, murmelte er vor sich hin. „Waren da nicht auch drei bestimmte Regeln zur Main Monster Zone? … Na ja. Wie auch immer….“
Damit verließ er langsam selbst den Klassenraum.  Kimiko  beobachte  ihn noch und sah ihm nach.  Nichtsahnend, dass nicht nur sie Yuusaku all die Zeit beobachtet hatte, sondern noch zwei  andere  Lebensformen.
Eine davon  war ein Mädchen mit  Po-langen  roten  Haaren, welche von blonden Strähnen im Pony und an  den Seiten des Haupthaares  durchzogen waren.  

Tsukiko sah Kimiko nach, nachdem diese auch das Klassenzimmer verlassen hatte.  Eine Weile starrte sie noch in den Flur und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie war sich sicher, dass sie bei Fujiki auf der richtigen Spur sein musste. Aber noch war es zu früh um ihre Vermutungen mitzuteilen. Was sie brauchte, waren handfeste Beweise und genau diese zu bekommen, war dabei die Schwierigkeit.  
Sie wollte gerade Yuusaku hinterher, als ihr Handy vibrierte. Mit einem Seufzen nahm sie es aus ihrer Schultasche und rollte mit den Augen, als sie die Nachricht las.
„Ja, ja. Schon gut. Kommandier' mich nicht herum. Immerhin bist DU nicht der Chef!“, murmelte sie vor sich hin und steckte das Handy wieder weg. Sie hängte sich ihre  Schultasche um, die sie kurz  abgelegt hatte und  warf einen Blick auf ihre Duel Disk. Es war an der Zeit, sich einzuloggen.  

Fujiwara Minami ließ ihren Kopf auf dem großen Schreibtisch sinken und stieß einen lauten Seufzer aus.  Am liebsten wäre sie ihrem Chef gefolgt, aber wenn Zaizen Akira mit den hohen Tieren von SOL Technology sprach, hatte Minami brav an ihrem Platz  zu bleiben und zu warten. Alles war in Aufregung, seit die Lebensform namens „Ignis“ im Network gesichtet worden war. Minami wusste, dass SOL schon lange hinter dieser digitalen Lebensform her war. Immerhin war SOL ja auch die führende Kraft hinter Link VRAINS. Alles dank all dem Daten-Material, das durch die  Cyberse-Welt erschaffen worden war. Doch 5 Jahre zuvor hatte es diesen verheerenden Angriff durch die Knights of Hanoi auf die Cyberse-Welt  gegeben. Und eine dieser A.I-Lebensformen namens  Ignis  hatte es gerade so noch geschafft, die Cyberse-Welt irgendwo im  Network zu verstecken. Doch durch das Verschwinden dieser Welt, konnte immer weniger Daten-Material überliefert werden und die Performance des Networks war um 30% gesunken. Und das bedeutete, je länger die Überreste der  Cyberse-Welt unentdeckt  blieben, umso schlimmer würde es werden. Und sollte dies geschehen, stand es sehr schlecht um die Zukunft dieses riesigen Konzerns.
Genau aus diesem Grund musste dieser eine gewisse Ignis gefunden werden,  um herauszufinden, wo die Cyberse-Welt versteckt lag. Und all das herauszufinden lag an ihrem Chef, SOLs Security Manager, Zaizen Akira. Und Minami als seine Sekretärin würde ihr Bestes geben, ihrem Vorgesetzten zu helfen.

Irgendwo an einem unbekannten Ort innerhalb von Link VRAINS erschien ein jung wirkender Mann, mit roten, abstehenden Haaren vor einem großen, hellen Bildschirm. Er trug eine Art Helm mit einem vollständig das Gesicht bedeckenden, gläsernen Visier, der seine Augen gelb leuchten ließ. Seine restliche Kleidung war, wie für Link VRAINS Avatare oft üblich, eng anliegend und weiß mit gelben, grünen, roten und schwarzen Akzenten und im Stile eines Mantels.
Hinter dem jungen Mann erschien ein weiterer junger Mann, jedoch eher schlicht in einem weißen Anzug gekleidet, der aber ebenso gelbe und schwarze Akzente besaß, wie der Mantel des anderen. Er hatte grau-blondes Haar und helle, aquamarinblaue Auge. Neben ihm erschien auch eine junge Frau mit langen, weißblonden Haaren, die von silbernen Strähnen geziert wurden und deren Pony ein wenig an eine Mondsichel erinnerte. Ihr linkes Auge wurde von einer goldenen Maske mit mondförmigen Verzierungen verdeckt und sie trug ebenso dieselbe, weiße Kleidung.
„Revolver-sama“, sprach sie, doch kam zu keinem weiteren Wort weil der andere junge Mann mit den grau-blonden Haaren sie unterbrach.
„Revolver-sama. Wir haben Spuren des Ignis gefunden. Allerdings, wenn SOL Technology vor uns den Ignis in ihren Besitz bringen sollte, würde das bedeuten, dass die Cyberse-Welt wiederhergestellt wird.
Die junge Frau zog eine beleidigte Schnute, doch blickte direkt wieder nach vorne zu Revolver, dem jungen Mann mit den roten Haaren und Anführer der Knights of Hanoi.
„Wenn dies passieren sollte, dann waren all unsere Bemühungen umsonst. Wir müssen ihn vor SOL Technologies finden“, antwortete Revolver, ohne sich von dem Bildschirm abzuwenden.
Die junge Frau öffnete erneut ihren Mund, um auch etwas zu sagen, aber wieder kam ihr ihr Kollege zuvor.
„Nicht nur das. Es gibt noch eine weitere Sorge. Dieses Individuum namens Playmaker, dass immerzu unsere Bemühungen behindert.“
„Darf ich vielleicht auch mal etwas sagen, Spectre?!“, warf die junge Frau ungehalten ein und stemmte die Hände in die Hüften.
Spectre sah zu ihr. „Du kannst reden, wenn ich fertig mit Reden bin.“
„Du nimmst mir permanent die Worte aus dem Mund!“, keifte sie zurück.
„Das ist nicht mein Problem“, kam es zurück und beide starrten sich lange an. Man konnte die Spannungen sichtlich spüren.
Der Todesblick-Starr-Wettbewerb wurde aber zeitig von Revolver unterbrochen.
„Crescent. Was machen deine Untersuchungen im Fall Playmaker?“
Crescent durchfuhr ein angenehmes Schaudern beim Klang von Revolvers tiefer und in ihren Ohren absolut erotischer Stimme, als er ihren Namen sagte.
„Ich arbeite immer noch daran, mehr herauszufinden, aber es ist fast unmöglich, ihm auf die Schliche zu kommen“, sagte sie und versuchte ihre Tonlage in einer normalen Höhe zu halten.
„Verstehe. Womöglich ist er ein Agent von SOL?“, murmelte Revolver fragend und revidierte seine Frage direkt wieder. „Andererseits, so wie wir sie kennen, würden sie jegliche Schritte gegen uns Publik machen.“
„Ich denke auch nicht, dass hinter Playmaker jemand von SOL steht“, murmelte Crescent und blickte zu dem jungen Mann, namens Spectre, der sich nun wieder zu Wort meldete.
„Das denke ich auch nicht. Aber er hat es geschickt geschafft, all unsere Tracking-Methoden zu blockieren und seine Aktivitäten von den Link VRAINS Logs zu löschen. Wer auch immer er ist, er muss ein wahrlich talentierter Hacker sein.“
„In der Tat, ja“, sagte Revolver. „Aber belassen wir es für jetzt dabei. Die Suche nach dem Ignis ist unsere oberste Priorität.“

Der Himmel über Den City war bereits in ein helles Orangerot übergegangen und kündigte die kommende Nacht an.
Kimiko, die gerade vom Duell-Club kam und sich nun auf dem Weg nach Hause befand, blickte auf, als sie den ihr bekannten Imbisswagen sah, der am Rande des Plazas geparkt hatte. Kimiko verspürte sowieso Hunger und die Hotdogs, die der freundliche Besitzer von „Café Nagi“, Kusanagi Shouichi, zubereitete, schmeckten ihr immer noch am besten. Und als wollte es das Schicksal, erblickte sie auch ebenso Yuusaku, der auf einem Klappstuhl vor dem Café saß und die großen Bildschirme an den Hochhäusern ansah, während er gemütlich ein Hotdog aß. Auf den Bildschirmen war zum einen ein muskulöser, eher dunkelhäutiger junger Mann in Wrestling-Kleidung, abgebildet, sowie ein Mädchen mit blauen Zöpfen und einem blauen Kleid, welches stark an ein Magical Girl erinnerte und ein anderes Mädchen mit sehr, sehr hellen, blonden Haaren, die zu einem kunstvollen Pferdeschwanz hochgesteckt waren und welches eine halbmondförmige, kunstvolle Maske über ihren Augen trug, ähnlich wie jene auf einem Maskenball. Auch sie trug ein nahezu pompöses Kostüm dessen Farben vorrangig aus weiß und Nachtblau bestanden.
Vorsichtig näherte sich Kimiko dem Imbisswagen. Sie hatte Yuusaku schon öfters nach der Schule dort gesehen. Offensichtlich war dieser mit Kusanagi-san befreundet und half auch ab und an dort nach der Schule aus.
Doch als sie angekommen war, wusste sie kaum, was sie sagen sollte.
„G-Guten Abend Fujiki-kun“, brachte sie nur schnell hervor und wandte sich mit roten Wangen lieber direkt dem Verkäufer zu, um sich ein Hotdog und eine Cola zu bestellen.
Yuusaku selbst sah nur für einen Moment zu ihr auf. „Guten Abend, uhm...“, kam es von ihm leicht fragend.
Kimiko, die nachdem sie gezahlt und ihre Bestellung an sich genommen hatte, wieder zu ihm blickte, schüttelte nur verlegen den Kopf. „Sch-Schon gut. Wir sehen uns morgen in der Schule!“
Danach lief sie mit hochrotem Kopf lieber nach Hause.

„Oh, du hast eine Freundin, Yuusaku?“, fragte Kusanagi grinsend, als er Kimiko noch hinterher sah. Doch Yuusaku wirkte nur fragend und so, als wüsste er nicht, worauf Kusanagi hinauswollte. Stattdessen blickte er wieder zu den Bildschirmen.
„Wer waren die drei gleich noch einmal?“, fragte er, während Kusanagi die Würstchen hinter ihm auf der Bratfläche wieder wendete.
„Die? Die Charisma-Duellanten Go Onizuka, Blue Angel und  Éclipse“, antwortete Kusanagi.
„Charisma, huh?“, war Yuusakus Antwort.
„Ist schon seltsam mit diesen Charisma-Duellanten, nicht wahr, Yuusaku-chan?“, kam es von einer jungen Frau, die mit  den  Ellenbogen auf der Verkaufsfläche des Imbisswagens lehnte und an ihrem Kaffee nippte. Dabei machte sie ein noch recht amüsiertes Gesicht wegen Kimikos Reaktion und Kusanagis Frage.
Sumeragi Ayaka sah ebenso zu den großen Bildschirmen. „Sie sind mittlerweile genauso berühmt und begehrt wie manch singende Idols und haben ebenso eine riesige Fanbase.“ Sie strich sich durch einige Strähnen ihrer hellblauen, nach außen abstehenden, etwas über schulterlangen Haare, die von einigen und hell- und dunkelvioletten Strähnen geziert wurden und seufzte kurz. „Wobei es noch wesentlich seltsameres gibt, oder  Shou-chan?“
Damit sah sie zu Kusanagi.
Auch Yuusaku  hatte einen kurzen  Blick zu Ayaka geworfen, ehe er wieder in  Richtung der Bildschirme sah.
Kusanagi nickte. „ Das stimmt.“ Dann sah er zu Yuusaku. „Hey, sag mal, hast du eigentlich schon von einem Data Storm gehört?“
„Nein“, war Yuusakus schlichte Antwort.
„Vor längerer Zeit gab es einen Wind, der innerhalb von  Link VRAINS blies. Ein sogenannter Data Storm. Damals gab es einige Duellanten, die auf diesem Data Storm Duelle auf einem speziellen Board ausgetragen haben. Man nannte dies Speed Duels.“
Ayaka nickte. „Das stimmt. Ich erinnere mich noch an diese Zeit damals.“ Kurz kicherte sie und hielt sich die Hand vor den Mund. „Jetzt klinge ich wie eine alte  Frau!“ Dann grinste sie. „Und Shou-chan wie ein alter Mann.“
Kusanagi sah zu ihr mit weniger amüsiertem Blick. „Danke auch. Wann hörst du mal auf damit, mich zu ärgern?“
Ayaka zog eine Braue hoch. „An dem Tag an dem du mir endlich Tofu-Hotdogs verkaufst?“
Kusanagi schnaubte und hielt ihr die Wurstzange vor die Nase. „Wer, außer dir, will bitte  Tofu-Hotdogs essen?!“
Ayaka wich etwas zurück. „Hey, pass auf mit dem Ding! Sonst vergraulst du noch deine beste Kundin, Shou-chan.“ Dabei grinste sie  erneut und zwinkerte ihm zu.
„Du bist immer noch so ein Aas wie früher!“, schnaubte Kusanagi, jedoch nicht ohne leicht zu erröten.
Yuusaku ignorierte das Gespräch der Erwachsenen für einen Moment. „Speed Duel...“, murmelte er nachdenklich vor sich hin, ehe Kusanagi wieder zu ihm sah.
„Es gab Gerüchte über tausende von Monstern, die innerhalb dieses Windes leben sollten und das dieser Wind zu einer völlig neuen Welt führen sollte. Aber dieser Wind ist längst verschwunden.“ Er drehte wieder einige Würstchen mit seiner  Zange um und sah nach vorne zu den großen Bildschirmen. „Vielleicht, wenn du einem Data Storm begegnen solltest,  vielleicht würdest du dann auch anfangen, wieder Spaß am Duellieren zu haben, Yuusaku.“
Yuusaku  starrte vor sich hin.
„Es tut mir wirklich leid für dich und auch, dass ich dich da in alles mit hineingezogen habe“, fügte Kusanagi mitfühlend hinzu und auch Ayaka blickte  mitfühlend zu dem Teenager-Jungen den sie in all den Monaten seit sie ihn kennengelernt hatte, ebenso ins Herz geschlossen hatte.  Mit sechzehn sollte man Spaß im Leben haben, mit seinen Freunden das Leben genießen können, seine erste Beziehung haben. Eben all das, was andere Jugendliche in seinem Alter hatten. Aber bei Yuusaku war alles anders. Und Ayaka kannte den Grund genauso sehr, wie Kusanagi.  
„Ich tue das aus freien Stücken“, sagte Yuusaku. „Ich werde an jenen Rache üben, die deinem kleinen Bruder und mir unsere Kindheit und Jugend geraubt haben!“
Nun glitt Ayakas Blick auch wieder zu Kusanagi und sie sah auch ihn mitfühlend an.
Yuusaku stand langsam auf, immer noch das halbe Hotdog in der Hand und drehte sich zu den beiden. „Aber das mal beiseite, gab es irgendwelche aktuellen Aktivitäten?“, fragte er.
Ayaka sah zu Kusanagi.
„Nun, die Security im Network wurde verstärkt. Scheinbar sucht SOL Technologies nach etwas.“
Ayaka nickte. „Genau.“
„Und nach was genau?“, fragte Yuusaku.
„Laut meinen Informationen handelt es sich dabei um ein A.I Programm.“
„Ich habe noch nie von einem auf der Flucht gehört“, gab Yuusaku zurück. „Es kann nicht sein, dass es empfindungsfähig wie ein Mensch ist...“
„Nicht wahr?“, sagte  Ayaka. „Das klingt ziemlich verrückt.“
„Ich schätze, um es zu finden, werden sie einen weitreichenden Scan durchführen“, fuhr Kusanagi fort.
„Aber wenn sie so etwas machen, werden sie zu einem leichten Ziel für die Knights of Hanoi!“, sagte Yuusaku und schwieg kurz, als er sich scheinbar an etwas zurückerinnerte.
„Ah warte. Das war es!“, rief er plötzlich. „Kusanagi-san! Sumeragi-san! Jetzt geht es erst richtig los!“ Damit rannte er zur Ladefläche des Trucks, öffnete die Türen und trat ein. Auch Ayaka folgte ohne Umschweife in das Wageninnere.
„Nun ja, selbst ein Imbissstand wie dieser hier, hat des Nachts seine festen Kunden...“, fing Kusanagi noch leicht verwirrt an.
„Das ist nicht das, was ich meinte!“, gab Yuusaku direkt zurück und Ayaka kicherte, während sie Yuusaku half, den Laden wortwörtlich dicht zu machen.
„H-Hey, ich habe mich extra schon auf heute Nacht vorbereitet...“, fing Kusanagi ein weiteres Mal an und wurde von Yuusaku im selben Moment schon auf den Stuhl hinter dem Tresen gedrückt. Kaum hatte er das getan, aktivierte Yuusaku die geheime Touchpad Tastatur auf der Arbeitsfläche und die geheimen Bildschirme, die an den  Glasvitrinen angebracht waren.
„Stell eine Falle für mich auf. Wir fangen diese A.I!“
„Hä?“ Kusanagi sah fragend drein und auch Ayaka blickte ebenso fragend zu Yuusaku.
„Nicht nur SOL Technology ist  hinter ihr her, sondern auch die Knights of Hanoi. Wenn wir es schaffen, diese  A.I  zu fangen, dann können wir sie als Trumpfkarte gegen die Knights of Hanoi verwenden“, erklärte  Yuusaku und setzte sich neben Kusanagi auf den zweiten, freien Stuhl. Kaum hatte er das getan, fing er schon an, auf der Tastatur herum zu tippen.
„Ist das dein ernst?“, kam es von Kusanagi und Ayaka, die ihre Hände  nun auf der Lehne von Kusanagis Sessel gestützt hatte, fast zeitgleich.
„Weder SOL Technology noch die Knights of Hanoi haben sie bisher fangen können!“, rief Kusanagi.
„Spezifischer ausgedrückt werden wir es auch nicht direkt fangen, sondern eine Fluchtroute für es schaffen. Dieser weitreichende Scan ist die perfekte Voraussetzung dafür. Und währenddessen wird diese A.I keine Chance dazu haben, irgendwo anders hin zu flüchten. Und genau dann werden wir eine Fluchtroute in der Firewall erschaffen“, antworte Yuusaku und hielt Kusanagi seine Duel Disk vor. „Und diese wird genau hier hin führen.“
„Das ist unmöglich“, antworte Kusanagi. „Wir haben gar nicht genug Zeit.“
Auch Ayaka nickte. „Wie stellst du dir das vor?“
Aber Yuusaku wirkte ungewohnt optimistisch und zeigte gar den Ansatz eines minimalen Lächelns. „Es ist möglich! Wenn wir alle zusammenarbeiten!“
Nun grinste auch Kusanagi und auch Ayaka lächelte. „Du hast Recht. Dann auf ans Werk, Jungs!“, rief sie, vom Elan nun auch gepackt.  Und so gleich machten sie sich an die Arbeit.

Derweil waren bei SOL soweit alle Vorbereitungen für den Scan schon so gut wie erledigt.
Minami saß immer noch an ihrem Schreibtisch und arbeitete sich die Finger wund, während Akira wieder zu Bishop beordert worden war. Der Obrigkeit konnte es nicht schnell genug gehen, aber Fakt war nun einmal, dass das Sicherheitslevel während des Scans stark abnehmen würde und was dazu führen könnte, dass die Knights of Hanoi leichter angreifen konnten, was großen Schaden zur Folge hätte. Andererseits gab es aber auch keine andere Methode um den Ignis zu finden. Das wusste Minami.

Mittlerweile war die Sonne untergegangen und das Nachtleben hatte in Den City seinen Lauf genommen.
Kimiko hatte sich ein wenig von dem peinlichen Treffen mit Yuusaku erholt und nach dem sie sich zu Hause noch einmal frisch gemacht hatte,  war sie nun wieder auf Achse. Es war  die Zeit des Tages, die sie immer zum Plaza zog. Da hin wo die wichtigsten Duelle in Link VRAINS auf den großen Bildschirmen ausgestrahlt wurden.
Menschen sammelten sich vor dem großen Platz, der einer  freien Bühne nicht unähnlich war und wo ein Moderator aufgekratzt in sein Mikrofon brüllte.
„Aufregende Duelle der Charisma-Duellanten werden jeden Moment in Link VRAINS beginnen!“
Kimiko sah auf die Bildschirme, wo Go Onizuka und Blue Angel ihren Fans entgegen winkten und auch die noch etwas neuere Charisma-Duellantin Éclipse ihren treuen Anhängern einen Luftkuss zuwarf.
„In unserem ersten Bereich, wie üblich sein Gouki-Deck benutzend, Link VRAINS' Nummer Eins Haudegen Go Onizuka!“, rief der Moderator und die Kamera schwenkte zu Go Onizuka, der seinem  Gegner in einem Bereich gegenüber trat, der  ein wenig an den Eiffelturm und die Umgebung von Paris erinnerte.
„Und in unserem  zweiten Gebiet haben wir ihr  Trickstar-Deck benutzend, Link VRAINS' Cover-Girl Blue Angel!“
Und die Kamera schwenkte zu einem Bereich mit Häusern mit roten Dächern die an Spanien oder Italien denken ließen und auf denen Blue Angel ihrer Gegnerin entgegen trat.
Blue Angel winkte ihren Fans und lächelte strahlend.
„Und in unserem dritten Bereich, ihr Moonlight Witch-Deck benutzend, haben wir unsere neue, geheimnisvolle Link VRAINS' Schönheit,  Éclipse!“
Diese stand in einem Bereich im Fensterrahmen eines Kirchturms, während ihr Gegner im Fenster eines anderen Turms stand und am Himmel die Sterne funkelten. Éclipse zwinkerte ihren Fans zu und warf einen erneuten Luftkuss.
Kimiko verdrehte die Augen. Auf Éclipse und Blue Angel konnte sie recht getrost verzichten. Da war das Duell von Go Onizuka schon eher etwas für sie. Auch wenn sie eher darauf hoffte, jemand anderen Mal wieder in Link VRAINS zu sehen.
„Alle, die sich einloggen können, sollten nach Link VRAINS kommen!“, rief der Moderator. „Und all jene, die sich hier versammelt haben, behaltet die Bildschirme im Auge!“
„Los Go-sama! Zeig‘s allen, Blue Angel!“,  hörte Kimiko Shima rufen, der direkt  mit zwei Fan-Fächern, einem von Go Onizuka und einem von Blue Angel, da stand und sich nicht entscheiden konnte, welches Duell er mehr sehen wollte.
„Éclipse,  strahle heller als der Mond!“, rief jemand hinter ihm und Kimiko wurde fast von einem Drop erschlagen. Es war abzusehen gewesen, dass Shima und  andere Mitglieder des Duell-Clubs auch hier sein würden.
„Also ich würde ja lieber ein Duell von Playmaker-sama sehen“, sagte sie und stellte sich neben Shima.
Dieser sah zu ihr. „Urushibara-san?“ Er  grinste kurz. „Du stehst wohl auf ihn, huh?“
Kimiko wurde rot. „Eh? N-Na ja. Er sieht schon gut aus, ja!“ Dann drehte sie sich zur Seite. „Aber man weiß ja nie wie die Menschen in echt  aussehen. Vielleicht ist er in echt ja gar nicht  so a-attraktiv.“ Sie  verschränkte die Arme, während Shima noch mehr grinste.
„Wusste ich's doch.  Aber ja, schade dass Playmaker immer nur dann auftaucht, wenn die Knights of Hanoi Ärger machen.“
Kimiko nickte und sah wieder zu ihm. „Das stimmt. Ich frage mich, ob er überhaupt Interesse an normalen Duellen aus Spaß hätte...“

„MSD Version 99671 ist vollständig auf dem aktuellsten Stand.“
„Geschätzte Zeit bis zur Vollendung des Tasks, sind bei 3657 Sekunden. Scan Programm ist nun aktiviert.“
Minami stand neben dem Pult von Zaizen Akira und beobachtete genau das Treiben der Mitarbeiter. Hin und wieder gab sie Anweisungen von Akira weiter. Der große Scan und damit die Suche nach dem Ignis, hatten trotz aller Bedenken angefangen.

Und auch bei Ayaka, Kusanagi und Yuusaku ging es nun um Sekunden.
„Beeil dich!“, rief Kusanagi Yuusaku zu. „SOL Technologies Scan hat gestartet!“

Doch auch die Knights of Hanoi in Form von Revolver und Spectre beobachteten das Treiben.
Es war genau der Moment auf den sie gewartet hatten.
Hinter  Revolver tauchte einer der Rangniedrigen Mitglieder der Knights of Hanoi auf und Revolver wies ihn an, egal welche Methode auch immer, anzuwenden, um den Ignis zu fangen, worauf hin dieser Verschwand
„Damit ist alles in Position“, murmelte Revolver, während er weiter auf den Bildschirm sah.
„Crescent hat immerhin auch ihre Aufgabe...“

„IPA 078388, da ist ein Eindringling im System!“, rief einer der Mitarbeiter des Security-Bereichs wenig später.
Minami hatte es geahnt.
„Die Firewall wird brechen!“
Und kaum war dieser  Satz gesagt, so riss eine  Wand in  Link VRAINS auf und ein riesiger, metallener  Drache kam hindurchgeflogen.
Akira knirschte mit denen Zähnen. Die Knights of Hanoi nutzten diesen Moment tatsächlich für einen Angriff.
„Chef!“, rief Minami bestürzt. Hier ging es nicht nur einzig und allein um die Sicherheit des Networks  sondern um mehr als das.

Auch Kimiko wunderte sich, als die Bildschirmübertragung auf dem Plaza plötzlich zu kriseln begann.
Was war da los? War das ein Hacker-Angriff?!

„Dieses Programm... Das sind die Knights of Hanoi!“, stellte Kusanagi fest.
„Sie sind also da, huh?“, murmelte Yuusaku und sein Blick wurde ernster.
„Wie zu erwarten“, sagte Ayaka und beobachtete Yuusaku, der plötzlich etwas gespürt haben musste.
„Was... ist das für ein Gefühl?“, murmelte er. Irgendetwas ging da vor sich.

Und tatsächlich zeigte der Angriff der Knights of Hanoi seine Ausmaße, als auch Go Onizuka und Blue Angel die Ankunft des metallenen Drachenmonsters bemerkten, auf dessen Rücken das niederrangige Mitglied der Knights of Hanoi stand und nach dem Ignis suchte.
In der realen Welt zersprangen die Bildschirme auf dem Plaza  einer nach dem anderen und die Menschen rannten in Panik davon.
Auch Éclipse beobachte das  Treiben von dem Kirchturm aus. Doch während ihr  Gegner in Panik davonrannte,  blieb sie für einen Moment noch stehen.

Auch die Menschen innerhalb von Link VRAINS stoben auseinander und rannten in alle Richtungen, weg von dem Ungetüm, dass alles mit seinen heißen Flammen vernichtete, was ihm vors Maul lief oder im Weg stand.
Yuusaku und Kusanagi mussten sich nun wirklich ran halten.
„Ich bin fast soweit. Wenn wir diese A.I bekommen, wird sie unsere Rettung sein!“, sagte Yuusaku und seine Finger huschten nur so über die  Tasten.
„Werden wir es wirklich schaffen, sie einzufangen?“
Yuusaku nickte. „Ich weiß es...! Ich kann seine Präsenz fühlen!“
Ayaka sah zu ihm.
Und während Yuusaku das sagte und die letzte Taste drückte, versuchte der Ignis innerhalb von  Link VRAINS wirklich verzweifelt dem Knight of Hanoi auf seinem Cracking Dragon zu entkommen.
Und diese Möglichkeit bot sich ihm in jenem Moment als die Fluchtroute vor ihm erschien.

Doch die Alarmstufe Rot war immer noch präsent.
Ein Link VRAINS Account nach dem anderen wurde durch den Angriff der Knights of Hanoi vernichtet.
„Können wir Hanoi nicht vom System tilgen?“, rief Akira.
„Leider nicht, Sir! Wenn das so weiter geht, wird Link VRAINS kollabieren.“
Minami blickte zu Akira und dann wieder zu den anderen Mitarbeitern. „Macht weiter! Wir müssen alles tun, was in unserer Macht steht, um das abzuwenden!“

Yuusaku indes war inzwischen aufgesprungen und aus dem Wageninneren gerannt, während immer noch Menschen in Angst und Schrecken davon liefen.
Ayaka folgte ihm und sah zu wie Yuusaku seinen Arm mit der  Duel Disk in die Luft hob und „Komm her zu mir!“, rief. Um die Duel Disk herum bildeten sich leichte, blaue Blitze, die immer  größer wurden und schließlich Yuusaku komplett einhüllten, was ihm aber nichts auszumachen schien.
Auch Kusanagi war nun bei Ayaka und sah zu. Dann plötzlich hörten die Blitze auf und Yuusakus Duel Disk leuchtete auf. Und da auf dem gläsernen Bereich der Duel Disk, der normalerweise leuchtete, wenn diese aktiviert war, erschien plötzlich ein einzelnes Auge. Es wirkte wie eine schwarze Kugel mit violetter Verzierung und als es sich öffnete, starrte es aus einer violetten Pupille umgeben von einer gelben Iris, Yuusaku entgegen.
„Sehr nett von dir, uns beizuwohnen“, sagte Yuusaku direkt. „Ich will, dass du hier unser Retter wirst.“
Das Auge wirkte erschrocken.
„D-Das ist diese A.I?“, fragte Ayaka mit gehobener Braue.
„Hä? Wie? Was?“, erklang eine männliche, leicht blechend wirkende Stimme, die von dem Auge kam.
„Es hat keinen Zweck. Ich habe alles so präpariert, dass du keines der Programme in der Duel Disk verändern kannst.“
Der Ignis erschrak noch etwas mehr. „Warte? Ich bin gefangen?!“
Ayaka grinste. „So sieht's aus, Schätzchen.“
Die A.I richtete seinen Blick auf sie. „Wenigstens eine Person, die nicht so harsch ist“, jammerte er.
„Du bist doch die A.I  nach der alle suchen, oder?“, fragte Kusanagi nun auch.
Das Auge wurde weinerlich. „Ich bin doch nur eine alte, zufällig vorbei gekommene A.I“, heulte der Ignis mit bitteren Krokodils Tränen.
„Also Schauspielern kann er zumindest“, kommentierte Ayaka.
Aber Zeit um weiter zu plauschen hatten sie nun wirklich nicht mehr.
Innerhalb von Link VRAINS wurde gerade Blue Angel von dem Hanoi auf dem Drachen verfolgt, was auf einem der letzten verbliebenen Bildschirme noch zu sehen war.
Yuusaku lief los. „Wir verlieren zu viel Zeit! Los jetzt!“, rief er und rannte in den Wagen zurück.
„Wie? Wohin?!“, fragte der Ignis leicht panisch.
„In Link VRAINS!“,  war Yuusakus knappe Antwort.
„Aber ich bin doch gerade erst von da entkommen!“, beschwerte sich die A.I.
„Ich habe dich aber nicht nach deiner Meinung gefragt!“
Damit verschwand Yuusaku mit dem Ignis in der geheimen Kabine von Kusanagis Wagen, die er immer zum Einloggen benutze.
Ayaka und  Kusanagi sahen ihm noch nach.

Kimiko war von der Menge an panischen Leuten fast überrollt worden.
Irgendwie hatte sie es geschafft, nicht zertrampelt zu werden und trotzdem richtete sie sich benommen vom Boden auf. Sie war ausgewichen, aber dennoch so blöde zur Seite geschubst worden, dass sie hingefallen war.  Ihr war immer noch etwas  schwindelig und sie griff sich an den Kopf.
Was war passiert?  Die Knights of Hanoi hatten Link VRAINS angegriffen und dann war Panik ausgebrochen, sie war auf dem  Boden gelandet und hatte plötzlich nur noch blau zuckende  Blitze wahrgenommen und war sich sicher, noch die Stimme von Yuusaku gehört zu haben. Aber sehen konnte sie ihn nun nirgends.
Dafür sah sie nun wieder hoch zu dem Bildschirm, wo Blue Angel gerade versuchte, dem Feueratem des Cracking Dragon zu entkommen und dann, plötzlich, als sie fast von einem Feuerstoß getroffen wurde, war ER da.
Playmaker!
Er hatte sie noch rechtzeitig aus der Ziellinie weggezogen und Kimiko verspürte ein neidisches Stechen in ihrer Brust.
„Wer bist du?“, hörte sie Blue Angel erstaunt fragen und auch der Hanoi hatte ihn nun bemerkt und fragte dasselbe.
Playmaker blickte zu ihm hoch. „Mein Name ist Playmaker und  das Ding wonach ihr sucht ist genau hier!“ Damit hielt er seine  Duel Disk hoch.
Kimiko verstand noch nicht so recht was genau  Sache war, aber sie war froh, Playmaker zu sehen.

Crescent derweil beobachtete die Situation von einem Hochhaus aus. Er war also wirklich gekommen. Playmaker. Vielleicht würde es ihr nun mal gelingen, herauszufinden, wer hinter diesem ominösen Rächer steckte.
„Stoppt  euren Angriff auf Link VRAINS oder ich lösche  dieses A.I Programm hier und jetzt!“, drohte Playmaker dem anderen Hanoi und Crescent konnte den Ignis sich beschweren hören. Playmaker hatte es also geschafft, den Ignis nach dem sie  so lange gesucht hatten, einzufangen.
Sie biss sich auf die Unterlippe. Das war tatsächlich ein Ärgernis, das Revolver überhaupt nicht gefallen würde.
„Dieses Programm habe ich in ein Duell-Programm abgeändert. Wenn du es haben willst, dann musst du mich erst in einem Duell schlagen!“, hörte sie Playmaker weiter sagen, der die Beschwerden des Ignis glatt ignorierte.
Auch wenn es ärgerlich war, aber  Crescent wollte das Duell beobachten, und versuchen, so zumindest einige  Informationen über Playmaker zu bekommen. Und seien es auch nur seine Strategien. Alles konnte  für Revolver von Nutzen sein.

Auch Akira und Minami sahen geschockt auf den Bildschirm im Security-Raum.
Dieser Playmaker hatte tatsächlich den Ignis bei sich in seiner Duel Disk.

Der  Hanoi  grinste siegessicher. „Wie du willst. Ich werde dich lehren, was es bedeutet, sich die Knights of Hanoi zum Feind zu machen!“
„Dann zeig es mir!“, antwortete Playmaker kühl.
Kimiko sah immer noch zum Bildschirm auf.
Mittlerweile waren wieder mehr Leute dazu gekommen und staunten nicht schlecht.
Der Hanoi sprang vom Rücken des Drachens hinab.
„Aber  das sieht echt nicht gut aus. Sein Drache sieht wirklich stark aus. Ich denke nicht, dass du ihn mit deinem Deck schlagen kannst“, hörte Kimiko eine Stimme aus Playmaker  Duel Disk zu  ihm sagen und  sie erkannte das seltsame Auge, was bei vorherigen  Duellen definitiv noch nicht da gewesen war. Seit wann hatte Playmaker eine Duel-A.I?
„Das sagst du. Bedenke, wenn ich verlieren sollte, wirst du in die Hände der Knights of Hanoi  fallen.“, hörte sie Playmaker antworten. „Du solltest besser dafür beten, dass ich gewinne.“
„A.I's beten aber nicht. Sie machen nur Kalkulationen um zu gewinnen“, kam es aus Playmakers Duel Disk zurück.

Damit leuchtete das  Auge auf. „Cyberse! Daten-Material: Unlocked!“, sprach die Stimme und ein grell-violettes Licht schoss  plötzlich aus der Duel Disk hervor in den Himmel von Link VRAINS. Und mit einem  Mal war Link VRAINS von einem  plötzlichen, starken Windstrom durchdrungen und ein  Board kam wie aus dem Nichts auf Playmaker zu gerauscht.
„Spring auf, Playmaker!“, rief der Ignis und Playmaker tat wie geheißen und sprang auf. Das Board fegte mit seinem Besitzer über den Windstrom.
Und  Crescents Augen weiteten sich. „Das kann doch nicht...?“

Doch nicht nur ihre. Auch Ayakas Augen in der realen Welt wurden groß und größer.
„Das...  Ist...?!“
„Unmöglich! Ein Data Storm?!“, rief auch Kusanagi.
Doch es war wahr. Die Data Storms waren zurückgekehrt.
Und Playmaker war drauf und dran sein erstes Speed Duel zu bestreiten.
Würde er es wirklich schaffen, den Ignis vor den Knights of Hanoi zu bewahren?
Und was würde dieser Kontakt für Veränderungen mit sich bringen?
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast