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I'm always there for you...

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Darkwing Duck / Eddie Erpel Megavolt Meister Bananengrips OC (Own Character) Quackerjack
08.05.2020
14.10.2020
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10.05.2020 1.364
 
26 Jahre später…

Erneut durchzuckte ein Blitz den dunkelgrauen Gewitterhimmel außerhalb des Großraumbüros und ich zählte die Sekunden bis der Donner folgte.
Unnötig, da der gewaltige Krach beinahe augenblicklich erfolgte.
Bei der Nähe des Unwetters hatten wir noch Glück, dass in den Quackwerken noch nicht der Strom ausgefallen war.
Oder eher das Unglück…
Frustriert wandte ich mich wieder meinem Computerbildschirm zu und der somit verbundenen monotonen Arbeit – dem Ausfüllen von unnötigen Formularen und Aufträgen.
Eine Arbeit die ich verabscheute, was ab und zu meine ungeliebten und unfreundlichen Kollegen ausbaden mussten.
Jedenfalls solange bis man mir Büroklammern und Locher weggenommen hatte.
Ich schnaubte genervt und hämmerte ein paar Daten auf meine Tastatur.
Eigentlich war es mein Plan gewesen auf der Theaterbühne groß heraus zu kommen, oder aber auch als Autorin, aber das Leben hatte mir einen miesen Streich gespielt.
Ich hatte noch keines meiner Werke vervollständigen können und die Schauspielerei brachte bei weitem nicht mehr so viel ein, wie ich es mir erwartet hatte…
Und nachdem auch noch mein Vater an Krebs gestorben war und ich das Haus hätte alleine zahlen müssen, blieb mir keine andere Wahl als diesen gehirnverblödenden Job anzunehmen.
Das Haus hatte ich dennoch nicht behalten können…
Eine weitere Kleinigkeit auf der Liste der Dinge, die mir Schwierigkeiten bereiteten.
Aber den ersten Platz belegte diese Unannehmlichkeit nicht, niemand konnte es mit meinem Chef auch nur annähernd aufnehmen.
„Miss Winter! In mein Büro, sofort!“
Wenn man vom Teufel spricht…
Ich schloss kurz die Augen, atmete tief durch und stand dann auf.
Die Bürotür lag am anderen Ende des Raumes und mit gestraften Schultern und festem Schritt durchquerte ich die Schreibtischreihen.
Was erwartete mich jetzt schon wieder?
Weitere unbezahlte Überstunden? Erneutes ungebührliches Verhalten, weitere Beleidigungen oder wurde ich noch weiter degradiert?
Nach einem kurzen Klopfen betrat ich das geräumige Büro.
Mein Chef, ein alter Silberfuchs in Anzug und mit altmodischer Brille, saß in seinem hohen Schreibtischstuhl und hatte die Hände erwartungsvoll aneinander gelegt.
„Setzten Sie sich, Miss Winter“, meinte er mit seiner rauen Stimme und deutete auf den kleinen Stuhl vor seinem Schreibtisch.
Wiederwillig ließ ich mich nieder.
„Nun, Miss Winter, wie Sie vermutlich bereits wissen, sind unsere Einnahmen in diesem Jahr nicht gerade berauschend gewesen. Deswegen hat die oberste Etage kurzerhand beschlossen ein paar…Maßnahmen…durchzusetzen. Alles natürlich in der Hoffnung die Firma wieder auf die richtige Bahn zu bekommen“, begann er zu erklären und ein ungutes Gefühl nistete sich in meiner Magengegend ein.
Das konnte nichts Gutes bedeuten…
„Ich will offen zu Ihnen sein, Miss Winter. Ich habe den Befehl bekommen, die ineffizientesten Mitarbeiter zu feuern und Sie sind eine von ihnen. Jedoch…es wäre eine Schande so ein schönes Gesicht zu verlieren…“, meinte er und mir wurde beinahe schlecht.
Obwohl…nicht nur beinahe…
„Wie meinen Sie das?“, presste ich hervor, die Ohren angelegt und die Hände um die Stuhllehnen gekrampft.
„Wenn Sie mir einen Gefallen tun und sich nachher in der Mittagspause wieder in meinem Büro einfinden um dem Tag zu einem…Höhepunkt…zu verhelfen, sehe ich mich dazu bereit ihren Arbeitsvertrag nicht zu kündigen.“
Ich stand kurz davor mich zu übergeben.
Das konnte dieses Arschloch doch nicht ernst meinen!
Da verzichtete ich lieber auf diesen Job und behielt meine Ehre. Irgendwo würde ich schon etwas finden…
„Ich verzichte“, knurrte ich.
Das zuvor selbstsichere Grinsen, welches sein Gesicht geziert hatte, verschwand schlagartig.
„Wie Sie wollen…Dann würde ich Sie auffordern ihren Schreibtisch zu räumen und das Gebäude zu verlassen, Miss Winter“, blaffte er und ohne ein weiteres Wort stand ich auf und verließ sein Büro.
Auf dem Weg zu meinem Schreibtisch hefteten sich nervöse aber auch belustigte und zufriedene Blicke auf mich, einer grinste mir sogar offen hämisch zu.
Ich versuchte ihn zu ignorieren, packte meine lederne Umhängetasche und stopfte meine wenigen Habseligkeiten hinein – eine Eulenfigur, ein Foto meiner Familie, meinen USB-Stick und ein weiteres Foto.
Dieses Foto war beinahe sechsundzwanzig Jahre alt und zeigte eine sechsjährige Jessica Winter mit ihrem besten Freund, denn sie bis zum Hals mit Handtüchern und Klebeband an einem Stuhl festgebunden hatte.
Es war eines der wenigen Fotos, die ich noch von meiner Kindheit hatte und ich beschützte es wie sonst nichts anderes auf dieser Welt.
Vorsichtig schob ich es in meine Tasche, warf sie mir über die Schultern und stapfte zum Aufzug.
Auf dem Weg nach unten schloss ich den Reißverschluss meiner schwarzen Lederjacke und überprüfte ihren Sitz im Spiegel des Aufzuges.
Meine Jeans stopfte ich vorsichtshalber in meine schwarzen Stiefel, hoffte so zu verhindern dass die unteren Bereiche der Hosenbeine all zu nass wurden.
Als ich mich wieder aufrichtete starrte ich kurz mein Spiegelbild an.
Was fand mein Chef nur an mir?
Ich war keine Schönheit – im Gegenteil.
Im Gegensatz zu den meisten hatte ich nur mein schneeweißes Fell, keine Haare und auch meine eisblauen Augen waren bei weitem nicht so warm und lebendig wie sie es in meiner Jugend waren…
Immerhin hatte sich der Umstand, dass ich ein Außenseiter war, nicht verändert.
Mit einem leisen „Ping“ spie der Aufzug mich in die Eingangshalle der Quackwerke und ich trat an die Rezeption, hielt der jungen Entendame Suzan meine Schlüssel hin.
„Eingangsschlüssel, Großraumbüro, Aufzug, Elektrik…alles dran“, meinte ich kühl und sie nahm ihn mit einem bedauernden Blick entgegen.
„Auf Wiedersehen, Jessica“, seufzte sie und ich schenkte ihr ein kurzes Lächeln.
„Auf Wiedersehen, Suzan“, entgegnete ich, wandte mich um und verließ dann ohne einen weiteren Blick zurück das Gebäude.
Zu meinem Glück hatten sie vor dem Eingang eine Überdachung für angebracht gehalten und so blieb ich noch etwas trocken, während ich mich nach dem schnellsten Weg zur nächsten Bushaltestelle umsah.
Über mir donnerte und blitzte es unaufhörlich.
Endlich erspähte ich die Haltestelle und den sich gerade nähernden Bus und sprintete los.
Dennoch war ich ziemlich durchnässt, als ich beim Busfahrer mein Ticket bezahlte und mich dann auf einen der leeren Sitze fallen ließ.
Da es noch nicht offizieller Feierabendbeginn war und aufgrund des Unwetters, waren Straßen, Gehwege und auch der Bus ungewohnt leer.
Nur zwei weitere Personen saßen mit mir in dem Transportmittel und beide hatten sie ihre Nasen in dem neuen Bestseller „Stressjäger – Im Eilschritt zur Gelassenheit“ vergraben.
Ich liebte Bücher, aber ich hatte nicht vor mir diesen Schund jemals in mein Regal zu stellen. Wie sollte mir auch irgendein Ratgeber tatsächlich dabei helfen mich zu entspannen?
Da las ich doch lieber einen spannenden Roman und entspannte mich tatsächlich…
Vorausgesetzt ich hatte die Zeit dafür.
Frustriert lehnte ich den Kopf gegen die Fensterscheibe und sah den herabrinnenden Regentropfen zu, versuchte gleichzeitig meine Gedanken zu ordnen.
Ich brauchte einen neuen Job, so schnell wie möglich.
Andernfalls konnte ich entweder die Krankenhausrechnungen nicht mehr bezahlen oder meine Wohnung. Beides war gleich schlimm.
Vielleicht hatte ja Dave morgen eine Idee…die hatte er so gut wie immer…
Der Bus hielt an meiner Station und ich stieg aus, sprintete durch das Unwetter zu der Eingangstür des schäbigen Miethauses, kämpfte ein wenig mit dem Schloss, gelang jedoch in das Treppenhaus.
Der Geruch von alten Mauern und kaltem Rauch schlug mir in die Nase und ich zog angewidert die Lefzen etwas hoch, beeilte mich die Treppe in den vierten Stock hinauf zu gelangen.
Meine kleine Wohnung war tatsächlich klein – ein Schlafzimmer, Badezimmer, Küche und Wohnzimmer. Die Wände waren alle in demselben hässlichen graubraun gestrichen, die Möbel vom Vorgänger übernommen und dementsprechend abgenutzt, der Kaktus auf meinem kleinen Schränkchen im Flur inzwischen tot - wie ich feststellte, als ich zur Tür hereinkam.
Somit war bewiesen, dass sich selbst eine Wüste besser um Pflanzen kümmern konnte als ich.
Zum Glück hatte ich keine Haustiere…
Mit einem erschöpften Schnauben entledigte ich mich meiner nassen Sachen, zog mir meinen schwarzen Schlafanzug an, nahm mir ein Bier aus dem alten, halb kaputten Kühlschrank und ließ mich auf der abgewetzten Couch nieder.
Eine Feder stach mir kurzzeitig unangenehm in den Oberschenkel, doch nach einigen Änderungen meiner Sitzposition hatte ich endlich eine bequeme Stelle gefunden.
„Das ist alles nicht fair“, murmelte ich und betrachtete ein Foto meines Vaters, welches neben den ganzen Rechnungen auf meinem Wohnzimmertisch stand.
Er lächelte in die Kamera, ich und mein bester Freund standen an seiner Seite und gratulierten ihm zum Geburtstag.
Gott…früher war das Leben so viel einfacher gewesen…
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