In fremden Betten

GeschichteDrama, Angst / P18
Harley Quinn / Dr. Harleen Quinzel OC (Own Character)
08.05.2020
23.05.2020
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23.05.2020 2.398
 
Namen interessierten sie weniger. Wenn sie wusste, als was er arbeitete, konnte sie vielleicht herausfinden, was hier gespielt wurde.
Er rollte mit den Augen, als ob es die dümmste Frage der Welt wäre.
»Das weißt du bereits.«
»Ich will es trotzdem hören.« Warum stellte er sich so an, wenn sie die Antwort doch ohnehin schon kannte?
Er seufzte. »Ich bin Sicherheitsbeamter.«
Sie nickte. Das würde seine körperliche Stärke und den professionellen Griff von eben erklären.
»Und wo?«
»Immer nur eine Frage«, erwiderte Daddy und nickte in Richtung Merediths. »Du bist dran.«
»Endlich!« Meredith klatschte in die Hände. »Mummy!« Harley drehte sich widerwillig um. Sie war es nicht gewohnt, so genannt zu werden und es behagte ihr auch nicht sonderlich. »Was ist deine Lieblingsfarbe?«
»Nein, Spatz.« Daddy wirkte langsam aber sicher genervt. »Mummy fragt dich, Wahrheit oder Pflicht. Dann entscheidest du dich für etwas.«
Sie dachte kurz nach, nickte dann aber enthusiastisch.
»Also, Wahrheit oder Pflicht?«
»Wahrheit.«
»Was ist deine Lieblingsfarbe?«, griff Harley das Thema von eben auf, da ihr sonst kein anderes auf die Schnelle einfallen wollte. Im Moment interessierte sie sich eher für Daddys Antworten.
»Blau.« Sie hielt kurz inne. »Nein, orange! Oder doch eher grün ...?«
»Meredith.« Die Geduld Daddys schien nun endgültig erschöpft zu sein. »Eine Frage, eine Antwort. So schwer ist das doch nicht, oder? Ich bin wieder an der Reihe.«
Oh, welch Freude. Harley konnte bloß erahnen, was sich der Mistkerl für sie ausgedacht hatte.
»Ich nehme Pflicht«, erklärte sie, noch bevor er die obligatorische Frage stellen konnte. Das schien Daddy zu gefallen, denn lächelte er wieder. Bloß keine Zeit verlieren.
»Mach mir eine neue Tasse Kaffee.«
Harley verstand. Er wollte die Rollenverteilung aufzeigen. Er war der Herr im Haus, während sie ihn bedienen durfte. Daddy wollte Kaffee? Gut, Daddy würde seinen Kaffee bekommen. »Mit Zucker und Milch?«, fragte sie mit klimpernden Wimpern.
»Weder noch.«
»Ja.« Harley nickte, als sie sich erhob. »So mag ich ihn auch am liebsten.«
Summend flanierte sie in die Küche. Gab es hier irgendwo Rattengift, das sie beimischen konnte? Überhaupt kannte sie sich in der Küche kein bisschen aus, weswegen es umso länger dauerte, bis sie endlich den losen Kaffee fand, von dem sie drei Löffel in die Tasse gab und das Pulver mit heißem Wasser übergoss. Während sie noch in der Tasse rührte, trat sie ins Wohnzimmer.
»Hier, mein Liebling, dein ... ups!«
Wie ungeschickt von ihr. Da war sie doch glatt über eine nicht existierende Falte im Teppich gestolpert, weswegen ihr die Tasse aus der Hand glitt und der Inhalt in einem Bogen durch die Luft flog, genau auf Daddy zu.
Leider war Daddy nicht nur stark, sondern auch flink und wich dem Kaffee mit einer einzigen Bewegung aus, sodass ein brauner Fleck die Couch zierte, Daddy jedoch unversehrt blieb.
Schade!
»Du ...« Daddy presste die Lippen zusammen, als ihm wohl bewusst wurde, dass sie nicht allein waren, sondern Meredith nach wie vor auf dem Sofa saß und das Spektakel mit aufgerissenen Augen und weit geöffnetem Mund betrachtete. »Geh auf dein Zimmer«, zischte er seiner Tochter zu, die im ersten Moment nicht reagierte. Nun brüllte er. »Auf dein Zimmer!«
Meredith, zu Tode erschrocken, sprang vom Polster auf und hetzte die Stufen hinauf, während ihr weinenden Laute bereits jetzt an Harleys Ohr drangen.
Das Bedürfnis den Typen kaltzumachen und ihn davor noch schön lange leiden zu lassen, wurde übermenschlich.
»Du hast deine Medikamente nicht genommen«, schlussfolgerte Daddy und baute sich vor ihr auf. »Denn sonst würdest du mit deinem Verhalten unserer fünfjährigen Tochter keine solche Konkurrenz machen.«
»Ich habe keine Tochter«, zischte Harley und stellte sich ebenso auf. Sie kam Daddy näher, starrte ihm unablässig in die Augen. »Ich habe keinen Ehemann und ich wohne nicht in einer verschissenen, ganz in Weiß gehaltenen Hölle.«
Sie war ihm so nahe, dass sie seine zitternden Pupillen sehen konnte.
»Also, Daddy!« Ihre Finger packten den Kragen seines T-Shirts. »Du wirst mich jetzt auf der Stelle gehen lassen, oder die Kleine da oben findet später deine Überreste im Wohnzimmer verteilt.«
Wieder überzeugte Daddy mit seinen Handgriffen. Harley war lediglich zu einem hohen Schrei imstande, ehe ihr Gesicht den Boden knutschte. Daddy hockte auf ihr, diesmal beide ihrer Arme auf den Rücken gedreht, während er ins Ohr flüsterte.
»Du wirst jetzt deine Tabletten nehmen oder ich stopfe sie dir in den Rachen. Und wenn du noch einmal auf die Idee kommen solltest, mich vor unserer Tochter bloßzustellen, dann ...«
Doch sprach er nicht weiter. Womöglich erschreckten ihn seine eigenen Worte. Harley hingegen wusste genau, was sie mit ihm anstellte, sollte sich eine passende Gelegenheit bieten. Auch sie konnte Stärke aufbringen. Auch sie konnte einem Mann in den Arsch treten, besonders einem, der Frauen wie Abfall behandelte.
»Geh runter von mir Daddy!«, säuselte Harley, befreite einer ihrer Hände und packte durch die Schlafanzughose seine kostbaren Kronjuwelen. »Oder du bereust es womöglich.« Dann drückte sie zu.
Mit einem gellenden Schrei ließ Daddy von ihr ab, beide Hände auf seinen Schritt gepresst, während auch Harley rückwärts über den Boden robbte und aufsprang. Sie hetzte die Stufen hinauf und wollte bereits wieder ins Bad, als ihr einfiel, dass es keine Tür mehr gab, mit der sie sich hätte verbarrikadieren können.
»Schlafzimmer!«, schoss es ihr durch den Kopf. Der Raum, in dem der Albtraum seinen Anfang genommen hatte.
Harley rannte durch die Tür, warf diese zu und ...
»Nein!« Frustriert stapfte sie mit dem Fuß auf dem Boden auf und griff sich ins Haar. Es gab kein Schloss, mit dem sie hätte absperren können. Sie hörte Daddy bereits kommen und blickte sich panisch im Raum um.
Kommode!
Sie schob das Ding mit aller Kraft vor die Tür, keine Sekunde zu spät, denn knallte diese bereits gegen den Widerstand und sie hörte Daddy dahinter toben.
»Harleen? Mach die Tür auf. SOFORT!«
»Leck mich!« Sie streckte ihm die Zunge raus, jetzt, wo sie sich in Sicherheit fühlte und blickte sich einen Moment im Raum um. Gab es hier irgendwelche Hinweise? Eine Möglichkeit zur Flucht? Irgendwas?
Harley wirbelte herum. Bei den Fenstern fehlte wieder der Griff, aber könnte sie diese zur Not auch einschlagen. Geistesgegenwärtig griff sie zur verbliebenen Nachttischlampe und warf diese gegen das Glas, doch prallte die Lampe einfach ab und landete dumpf zu Boden.
Wahrscheinlich handelte es sich um irgendeine spezielle Art von Sicherheitsglas, wie man es auch von Arkham kannte. Dieses könnte man höchstens mit einer Bombe zerstören.
»Okay, okay, okay«, hauchte sie und drehte sich weiter im Kreis, während Daddys Anstrengungen immer größer und seine Flüche immer lauter wurden.
Sie öffnete den Wandschrank, fand aber nichts außer Klamotten. Sie mussten sich diesen wohl teilen, denn erkannte sie neben biederen Kostümen für Frauen auch eine dunkelblaue Uniform. Harley nahm diese heraus, betrachtete sie eingehend.
Kein Namensschild, dafür aber ein anderes Emblem, das sie frösteln ließ.
»Scheiße!« Die Uniform glitt aus ihren Fingern und landete zu Boden, wobei das Abzeichen des Arkham Asylums noch gut sichtbar auf dem Ärmel zu erkennen war.
Arkham? Der Typ arbeitete in Arkham? Aber sie kannte ihn nicht, hatte ihn noch nie zuvor gesehen. War er irre? Stand er darauf ehemalige Insassinnen einzusammeln, sie zu sich nach Hause zu bringen und sie ... einer Gehirnwäsche zu unterziehen?
Ja. Das klang verrückt, aber irgendwie auch plausibel. Es war nicht auszuschließen.
Harley gewann dem Einfall immer mehr ab, während ihr Blick auf dem Emblem verharrte. Dabei bemerkte sie nicht, wie die Geräusche Daddys plötzlich verstummten.
Nachdem sie sich aus ihrer Starre gelöst hatte, widmete sich Harley erneut dem Schrank und durchwühlte diesen nach weiteren Hinweisen. Dabei fiel ihr neben den biederen Kostümen noch etwas anderes ins Auge.
Einen weißen Kittel.
Aber nicht irgendeinen.
Sondern ihren weißen Kittel.
M. D. H. Quinzel stand auf der silbernen Plakette über der Brusttasche.
Harley trat von dem Wandschrank zurück und knallte hierbei gegen die gegenüberliegende Wand. Das durfte alles nicht wahr sein. Das konnte alles nicht wahr sein. Ihre Hände glitten über ihr Gesicht. Was wurde hier gespielt? Träumte sie womöglich? Oder noch schlimmer, träumte sie vielleicht nicht und das hier war die Realität?
Angst überfiel sie, ließ sie zittern und keinen festen Gedanken mehr formen.
Wo war Mistah J bloß? Warum wurden sie voneinander getrennt? Wer waren diese Menschen, die sie immer wieder Mummy nannten?
Harley rollte sich auf dem Boden zusammen und umschloss die Knie. Sie wollte einfach nur schlafen und nie wieder aufwachen.
Doch leider sollte ihr die Ruhe nicht vergönnt bleiben.
Kreischend sprang sie auf, als sie das erneute Krachen von splitterndem Holz vernahm, das in den Raum flog. Ein riesiges Loch prangte oberhalb der Tür, durch das Daddy nun seinen Kopf steckte.
Wenn der Typ mal keine Aggressionsprobleme hatte ...
Er erblickte die Kommode und ein wissendes Lächeln schlich über seine Lippen. »Ah, raffiniert. Aber genug gespielt, mach die Tür auf.«
Darauf konnte er lange warten. Wieder sah sich Harley um. Irgendwas musste es doch geben, mit dem sie sich zur Wehr setzen konnte.
»Schieb die Kommode beiseite und ich überlege mir das mit der Bestrafung noch einmal, mein Schatz.« Der Sarkasmus floss förmlich über seine Lippen.
Harley warf die Nachttischlampe, mit der sie eben das Fenster einschlagen wollte, in Richtung Daddys Schädel, doch auch hier bewies er äußerst gute Reflexe und wich gekonnt aus.
»Komm schon, beruhig dich. Was sollen denn die Nachbarn denken?«
Eventuell sind die Nachbarn keine Vollidioten und rufen die Polizei, obwohl ... auf die war Harley auch nicht wirklich scharf.
»Du willst nicht gehorchen? Meinetwegen.« Sie erkannte Daddys Fuß, der plötzlich auf der Kommode stand. »Dann komme ich jetzt rein.«
»Nein!« Harley warf alles, was sie auf die Schnelle finden konnte. Fernbedienung, Kleiderbügel, selbst ihren hässlichen Kittel. Irgendwann jedoch stand Daddy grinsend im Zimmer, während sich Harley gegen die Wand presste. Vielleicht hatte sie keine Waffen zur Hand, aber immer noch ihre Zähne und mit denen könnte sie ihm immer noch verdammt wehtun.
»Sieh mal, was ich dir mitgebracht habe.« Er hielt ein orangefarbenes Döschen empor und klimperte mit dem Inhalt. »Die kennst du noch, oder? Das sind deine Medikamente, die du eigentlich jeden Morgen einnehmen sollst, was du aber heute Morgen vor lauter Hektik leider vergessen hast.«
Harley konnte das Etikett aus der Entfernung nicht lesen. Sollte da wirklich ihr Name draufstehen?
»Komm!« Er trat näher in den Raum hinein. »Sei lieb und nimm für mich deine Pillen. Danach wird es dir besser gehen. Danach geht es dir doch immer besser, nicht wahr?«
Hektisch schüttelte sie den Kopf. Irgendwie kam ihr die Situation tatsächlich bekannt vor, was aber nicht sein konnte, da dies alles nicht real war.
Oder?
»Bitte!« Nun versuchte sie es mit der Rolle des Opfers. Eventuell bewies ihr Gegenüber doch ein klein wenig Mitgefühl und ließ sie am Ende laufen. »Ich werde mich benehmen, ich verspreche es.«
»Tja, mein Schatz«, meinte Daddy und ließ die Pillendose sinken. »Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du mir meine Eier zerquetscht hast.«
Harley versuchte, mindestens genauso flink wie Daddy zu sein und beiseite zu springen, jedoch nur halb so erfolgreich, denn packte sie dieser an ihrem Haar und zog sie zurück.
»Mach den Mund auf!« Sein Gesicht war zu einer irren Fratze verzogen. »Mach den Mund auf und friss deine verdammten Pillen.«
Auch wenn sie ihm immer wieder ihren Ellenbogen in den Magen rammte, zeigte es keinerlei Wirkung. Zwar unterdrückte Daddy immer mal wieder ein Stöhnen, doch blieb er standhaft und ließ Harley nicht los.
»Mach es uns beiden doch nicht so schwer. Nimm eine deiner Pillen und danach bist du ruhig und gelassen. Dann kann Meredith dich wieder frisieren, ohne dass du irgendwelche Zicken machst. Du wirst die perfekte Mutter und Ehefrau.«
Der Typ war irrer als Mistah J, wie Harley mit Schrecken feststellen musste. Dieser hatte sie zumindest noch nie unter Drogen stellen wollen. Harley wehrte sich weiter, doch machte das Daddy nur noch wütender. Knurrend schleuderte er sie zu Boden, wo sie für den Moment liegen blieb, ehe er sie auf den Rücken rollte und sich auf sie setzte.
»Mach den Mund auf.«
Gewaltsam schob er ihren Kiefer auseinander und legte die Pille auf ihre Zunge. Er klappte Harleys Mund wieder zu und hielt diesen geschlossen, indem er seine Hand auf ihre Lippen presste und mit seiner anderen ihre Kehle massierte.
»Komm schon!«, hauchte er und verstärkte seinen Druck, sodass sie zu ersticken glaubte. Sie wusste, dass es nur eine Möglichkeit gab, der Tortur zu entgehen und das war, die verdammte Pille zu schlucken.
Tränen standen in ihren Augen, nachdem sie das verdammte Ding endlich runtergeschluckt hatte. Ihr Blick rollte in Richtung der Fratze, dann nickte sie.
»Runtergeschluckt?«, fragte Daddy, ohne seine Hand von ihren Lippen zu nehmen. Erneut nickte Harley.
Kaum, dass er von ihr abließ und Harley bereits glaubte, sich aufrecht hinsetzen zu können, packte er sie erneut und schleuderte sie auf die Matratze. Wieder drehte er ihr die Hände auf den Rücken und presste sich fest gegen ihren Körper.
»Nicht, dass du noch auf die Idee kommst, dir eigenhändig den Finger in den Hals zu stecken.«
Weitere Tränen der Niederlage liefen ihre Wangen hinab, die ihren Zorn jedoch nur nährten. Diese Runde mochte er gewonnen haben, doch das nächste Mal würde sie keine Rücksicht mehr auf das Mädchen nehmen. Das nächste Mal brachte sie den Mistkerl um.
Während er ihre Handgelenke nach wie vor umschlossen hielt, strich er mit der anderen schier zärtlich über ihre erhitzte Schläfe.
»Schlaf gut, mein Schatz«, raunte er ihr ins Ohr. »Wenn du wieder aufwachst, wirst du ein vollkommen neuer Mensch sein.«
Sie ertrank in Finsternis. Auch wenn sie Stimmen hören konnte, war sie nicht imstande, sich zu bewegen oder zu sprechen. Sie schaffte es nicht einmal, die Augen zu öffnen.
»Was ist mit Mummy?«, hörte sie die leicht verzerrte, dumpf klingende Stimme Merediths, die so nah schien.
»Mummy ist müde vom Spielen«, erklärte Daddy.
»Und was ist mit der Tür passiert?«
»Mummy hat sich versehentlich eingeschlossen und Daddy ist gekommen, um sie zu retten.«
Ja, klar, Arschloch.
Sie wollte sich aufregen, innerlich kochen und auf ihn losgehen, doch nicht einmal Wut wollte in ihr aufsteigen. Egal, was er ihr gegeben hatte, es bewirkte, dass sie nicht einmal ihren eigenen Speichel hinunterschlucken konnte.
»Komm, wir lassen Mummy ein wenig schlafen. Wir sehen später wieder nach ihr.«
Nein! Nein! Sie sollten sie auf keinen Fall allein lassen! Sie wollte nicht allein bleiben. Sie konnte ohnehin nirgends hin und diese Finsternis machte sie irre ... aber andererseits hatte sie auch etwas Gutes.
So wurde sie zumindest eine Zeit lang von diesem penetranten Weiß verschont.
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