Red Force Geflüster

GeschichteAllgemein / P16
Ben Beckman der Rote Shanks
08.05.2020
24.05.2020
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72. Pawn – Bauer im Schach (2/4)


Ein Einblick in Rogers Zelle, 2 Tage vor seiner Hinrichtung

Shanks: 15
Ben: 26

„Na, mal wieder Zeit für eine Partie?", lachend sah der junge Marinesoldat zu dem Mann, welcher soeben den Trakt betreten hatte. Auch er trug eine Marineuniform. Ruckartig blieb er stehen und drehte sich zu dem Kadetten um: „Wie war das?"
Augenblicklich stand der Frischling stramm und salutierte: „Ich meine... schönen guten Morgen Leutnant!"
„Geht doch.", noch einmal grummelte der schwarzhaarige und fuhr seinen Weg fort, bis er an seinem Ziel angekommen war, „Zelle öffnen!"
„Zu Befehl Leutnant!"
Kurz stöhnte er genervt. Wie ihm dieser Umgang doch auf die Nerven ging. Was hatte er sich eigentlich dabei gedacht bei der Marine anzufangen? Ach ja, sein eigentliches Ziel: Das Marinehauptquartier. Aber bis dahin war es noch ein sehr langer Weg. Es würde vermutlich noch Jahre dauern, bis er es bis zum Vizeadmiral schaffen würde. Da hoffte er ja lieber auf Glück. Vielleicht würde er auch so ins Hauptquartier versetzt werden. Irgendwie würde er dann schon an die Informationen kommen, welche er suchte. Aber bis es so weit war, saß er erstmal hier, in Loguetown, fest.

Kaum dass der Mann die Zelle betreten hatte, wurde sie hinter ihm wieder verschlossen. Eine Gestalt saß vor ihm auf dem Boden. Gefesselt war er nicht. Wozu auch? Er hatte sich gestellt und wartete auf seine Hinrichtung in ein paar Tagen.
„Du bist spät.", grinste der Mann und beoachtete, wie der Soldat ihm gegenüber Platz nahm.
„Ich wurde aufgehalten.", gab er zurück und breitete ein Schachbrett zwischen den Beiden aus, „Worum willst du heute spielen?"

Natürlich hatte der Gefangene nichts, was er als Einsatz setzen konnte. Und um Geld zu spielen, hatte hier noch weniger Sinn. Nein, der Mann, welcher kurz vor seinem Tod stand, hatte nur eine Bedingung. Jede Runde die er gewann, musste der Leutnant ihm eine Frage beantworten. Es waren keine Fragen über die Marine oder die Weltregierung. Nein, der Gefangene fragte den Soldaten jedes Mal etwas persönliches. Sein Alter, seine Herkunft, seine Denkweisen über gewisse Themen.

„Ein Versprechen!"
„Wie? Keine Frage?", fragte der Leutnant nach und sah den Mann überrascht an. Dieser begann zu lachen: „Ja Leutnant, du hast richtig gehört. Wenn ich gewinne, musst du mir ein Versprechen geben."
„Und welches?"
„Das erfährst du dann. Aber ich hänge noch eine kleine Wette dran. Ich wette, ich schlage dich mit einem meiner Bauern. Wenn ich das schaffe, musst du dein Versprechen einhalten. Wenn nicht, bleibt es dir überlassen."
„Und woher willst du wissen, dass ich mein Versprechen wirklich einhalte, wenn du mich mit deinem Bauern schlagen solltest?"
„Das kann ich icht. Aber ich vertraue dir und deiner Vernunft. Du bist ein Ehrenmann und ich weiß, dass du zu deinem Wort stehen wirst."
„Abgemacht.", zwar wusste der Soldat selbst nicht, warum er direkt zugestimmt hatte, doch irgendwie hatte er das Gefühl, der Mann hatte einen weitaus größeren Plan.

„Willst du nicht anfangen?", fragte der Gefangene.
„Nein.", mit diesen Worten drehte er das Schachbrett, „Es wird unsere letzte Partie sein. Da lasse ich dem König der Piraten den Vortritt."
„Na dann...", ein breites Grinsen legte sich auf Rogers Lippen.

Beide Männer wussten nicht, wie lange diese Partie schon ging. Beide Seiten hatten nur noch 3 Figuren auf dem Brett. Der Leutnant hatte das Gefühl, er spielte dem Piratenkönig jedes Mal in die Hände. Er war zu sehr darauf konzentriert die Bauern des Mannes vom Feld zu holen, dass er den Rest vollkommen vergaß.
Nun hatte Roger noch 2 Bauern übrig. Einer auf G6 und einer auf H6. Beide waren damit zweifellos in der gegnerischen Hälfte. Einzig und allein Rogers König stand verlassen in der eigenen Hälfte auf G1.
Der Leutnant hatte seine Dame auf G8, sowie einen Bauern auf H7 stehen. Und dann war da noch sein König. Dieser stand wortwörtlich in die Ecke gedrängt auf H8.

„Weißt du was das Interessante an Bauern ist?", fragte Roger und tippte auf die Figur, welche er auf G6 positioniert hatte, „Jeder hält sie für klein und unbedeutend. Kanonenfutter. So wie die Menschen, die für Ranghöhere die Drecksarbeit machen müssen. Dabei wird oftmals ihre eigentliche Stärke unterschätzt."
Einen Moment lang war sich der Leutnant nicht sicher, ob Roger gerade wirklich über Schach redete. Allerdings hatte er keine Zeit darüber nachzudenken. Denn jetzt, wo er sah, auf welchen Bauern sein Gegner tippte, traf es ihn wie ein Schlag. Ihm blieb nichts anderes übrig, als auf den Zug zu warten, von dem er sich sicher war, dass Roger ihn machen würde. Tatsächlich zog der Piratenkönig den Bauer von G6 hoch nach G7:
„Schach Matt, Leutnant."
Dieser konnte nicht anders als einen Moment fassungslos auf das Brett zu schauen, ehe er lächelte und anschließend anerkennend nickte.

„Willst du gar nicht wissen, welches Versprechen du nun einzuhalten hast?", fragte Roger.
„Natürlich."
„Hehe, das ist gut. Ich habe nämlich größeres mit dir vor.", gestand der Piratenkönig und nahm den weißen Bauern mit dem er den Leutnant geschlagen hatte in die Hand, „So klein und unscheinbar er auch aussieht. So naiv er auch ist, so liebevoll und stark ist er. In ihm steckt eine große Kraft und die Stärke in dieser Welt etwas zu bewegen. Ein starker Wille..."
„Du redest nicht über die Spielfigur."
„Nein. Ich rede über einen Jungen, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Er war bis zu der Auflösung meiner Crew bei mir in Ausbildung. Er war wie ein Sohn für mich und ich für ihn soetwas wie ein Vater. Er ist ein noch ziemlich ungeschliffener Diamant. Genauergesagt, ein Rubin."
„Ein Rubin?"
„Ohja, wenn das Licht der Sonne auf sein Haar scheint leuchtet es in einem Rubinrot."
„Also redest du über einen Rotschopf, ja?"
„Ganz recht."
„Ich verstehe. Allerdings verstehe ich nicht, was du von mir willst."

„Manchmal ist der Weg den wir gehen, zwar der Einfachste, aber nicht der Effektivste. Wer Umwege geht, lernt auf dem Weg zu seinem Ziel erstaunliches dazu. Es ist besser zu verstehen, wenn wir es selbstständig lernen, anstatt nur vorgesagt zu bekommen."
„Umwege?", nachdenklich blickte der Leutnant zu Boden. Könnte es sein das... Wollte Roger etwa...?
„Versprich mir, dass du auf den Jungen aufpassen wirst.", mit diesen Worten drückte Roger dem Soldat den weißen Bauer in die Hand, „Er wird dich wohl oder übel in den Wahnsinn treiben. Du brauchst eine Menge Geduld und ein dickes Nervenkostüm. Aber du wirst ihn lieben lernen und er wird dir die Welt auf eine Art zeigen, wie du es kaum für möglich gehalten hättest. Er ist der Schlüssel zu all deinen Fragen und Wahrheiten, die du suchst."

Einen Moment lang starrte der Soldat auf den Stein und dachte genau über Rogers Worte nach. Dann nickte er und stand auf. Gerade als er die Zellentür öffnen lassen wollte, drehte er sich zurück: „Wie finde ich ihn?"
„Halte am Tag meiner Hinrichtung Ausschau nach dem Strohhut."
„Verstehe.", noch einmal nickte der Leutnant, bevor er sich zum Zellentrakt drehte und die Tür öffnen ließ.

„Na gewonnen?", grinste der Kadett am Eingang zum Trakt.
„Wie war das?"
„Ich meinte.... schönen Tag noch Leutnant!", stammelte er und stand nun das zweite mal für heute stramm vor dem Mann.
„Und jetzt veruch´es doch noch einmal richtig...", mahnte er. Eigentlich hasste er diesen Umgang, aber besser, der Neuling lernte es jetzt so, als mit Strafen von jemandem mit einem höheren Rang
„Ja wohl Sir.", kurz atmete der Kadett tief durch. Dann salutierte er erneut: „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen...", bevor er zu Ende sprechen konnte, ging der Schwarzhaarige. Ja, er würde diesen Haufen hier wohl wirklich nicht vermissen.
Nun gut, er musste gestehen, er hatte nichts gegen die Menschen persönlich. Er war nur gegen ihre sogenannte absolute Gerechtigkeit. Vielleicht hatte Roger Recht und er versuchte sein Ziel wirklich auf die falsche Art zu erreichen. Noch einmal blickte der junge Soldat Richtung Zellentrakt.
„Ich glaube, ich habe den Jungen bereits gefunden."
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