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Bleibst du...?

Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Kai Hoffmann Dr. Maria Weber
07.05.2020
07.05.2020
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Kai sah Dr. Stein nachdenklich hinterher, wie er lächelnd davonging. Hatte er das eben ernst gemeint? Würde er wirklich mit ihm normal zusammenarbeiten können? Nach alldem, was gewesen war? Hatte Maria Recht?
Maria! Sie war nun das Wichtigste, über alles andere würde er später nachdenken. Sie war inzwischen ins Aufwachzimmer gebracht worden. Die OP-Schwester, die eben die Geräte kontrollierte, lächelte ihm respektvoll zu, als er eintrat und sie mit einem Kopfnicken begrüßte.
„Die Narkose läuft gerade aus“, erklärte sie leise, „es dauert noch einige Zeit, aber sie dürfte bald aufwachen.“
„Danke.“
Sie verabschiedete sich freundlich und zog sich dann kommentarlos zurück. Längst war es ein offenes Geheimnis, dass zwischen ihm und Maria mehr war als nur ein kollegiales Verhältnis. Früher hätte ihn das gestört, doch mit ihr war alles anders. Inzwischen war es ihm relativ egal, was die anderen sagten, so lange sie nur an seiner Seite war. Als er sich hatte ihr endlich erklären können und sie ihm ihre Hand entgegengestreckt hatte, war ihm ein Stein vom Herzen gefallen. Sie hatte ihm all die Unsicherheiten und schroffen Abweisungen verziehen gehabt.
Er setzte sich und betrachtete liebevoll ihr im Schlaf ganz entspanntes Gesicht. Er wusste, sie hatte es nicht immer leicht mit ihm gehabt, er hatte sie sehr oft verletzt. Ein Wunder, dass sie sich überhaupt noch eine Zukunft mit ihm vorstellen konnte! Doch das tat sie. Als sie noch vor einigen Stunden über seine Kündigung gesprochen hatten, hatte sie nicht abgewehrt, als er von einer gemeinsamen Zukunft gesprochen hatte. Nein, sie hatte es lediglich albern gefunden, dass er meinte, es sei einfacher, wenn sie unterschiedliche Arbeitsplätze hätten.
Und auch wenn er Berufliches und Privates immer noch sehr gern trennte, musste er doch zugeben, dass er es genoss, sie den ganzen Tag um sich zu haben. In ihrer Nähe sein zu können, wenn ihm mal wieder seine eigenen Probleme im Weg waren. Das war alles, was er wollte. Auch wenn er noch nicht wusste, ob und wie er sich da verändern konnte. Zu lange hatte er sich in seinen festgefahrenen Mustern bewegt. Aber er würde es versuchen. Für Maria. Für sie wollte er wirklich etwas ändern. Und bestimmt würde ihnen das auch gelingen. Zusammen. Schritt für Schritt.
Jetzt musste sie erst einmal wieder gesund werden. Er nahm vorsichtig ihre Hand, die schlaff auf der Bettdecke lag, behutsam darauf bedacht, keinen der Schläuche zu berühren. Sanft streichelte er über ihre Finger. Er ließ sie und die Monitore keine Sekunde aus den Augen.
„Als wir uns zuletzt gesehen haben, ging es dir noch gut“, murmelte er leise, „wir haben uns geküsst und du hast gelacht. Ich konnte die Pfirsichmarmelade noch auf deinen Lippen schmecken und du hast mich gerügt, weil ich gekündigt habe“, er schmunzelte, „du willst es einfach nicht akzeptieren. Glaubst du wirklich, dass das gut gehen wird? Wenn wir alle drei weiterhin hier zusammenarbeiten?“ Er erhielt keine Antwort, doch natürlich kannte er ihre längst. Ja, sie glaubte es.

Er wusste nicht, wie lange er schon dort saß und sie aufmerksam musterte. Langsam forderte die lange OP ihren Tribut und er spürte, wie sein Körper langsam schwer und sein Kopf müde wurde. Zwar hatte er in den Jahren bei der Bundeswehr seinen Körper trainiert, über einen langen Zeitraum hinweg fit zu bleiben, doch nach der Aufregung und Sorge der letzten Tage und der langen Zeit auf den Beinen, die er mit voller Konzentration im OP verbracht hatte, ließen auch seine enormen Kräfte irgendwann nach. Mit Mühe konnte er seine Augen offenhalten und war gerade dabei, einzunicken – als er plötzlich einen leichten Gegendruck an seinen Fingern spürte. Sofort fuhr er hoch. „Maria?“ Er sah sie an und bemerkte, wie sie seinen Blick müde, aber direkt erwiderte.Er atmete erleichtert auf. Es war, als sei ihm ein zentnerschwerer Stein vom Herzen gefallen. „Maria!“
„Hey“, flüsterte sie und räusperte sich.
Er verstand und hielt ihr die Schnabeltasse mit etwas Wasser an die Lippen. Dankbar trank sie ein paar Schlucke, bevor sie sich wieder in die Kissen zurücksinken ließ. Er stellte die Tasse ab und ergriff erneut ihre Hand.„Weißt du eigentlich, was du mir für nen Schreck eingejagt hast?“, fragte er und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme vorwurfsvoll klang, „da komm ich nach meiner OP rein und will dich besuchen und dann“, er schluckte, „ist dein Bett einfach weg, dein Zimmer einfach leer.“
„Entschuldige“, sie hustete, „das war nun wirklich keine Absicht. Glaub mir, keine Luft zu bekommen ist ziemlich beschissen!“
„Ich weiß“, er seufzte und berührte sacht ihre Wange, „das ist meine Schuld.“
Sie runzelte die Stirn.
„Na, ohne mich und Stein würdest du nicht hier liegen“, brummte er.
Sie verdrehte die Augen. „Kai, das hatten wir doch schon…“
„Ja“, er seufzte, „aber ich werde mir trotzdem weiter Vorwürfe machen.“
„Erzähl mir lieber, wie die OP verlaufen ist“, wechselte Maria das Thema, „ward ihr erfolgreich?“
„Ja“, Kai streckte sich, „es war ein ganz schönes Stück Arbeit. Aber wir haben es gut hinbekommen. Die junge Frau, die beim Räumdienst arbeitet. Ich hab dir gestern von ihr erzählt.“
„Ja, richtig“, Maria nickte müde, „Dr. Phan hat dich als Experten hinzugezogen.“
„Ja, genau. Heute haben wir mit der Rekonstruktion begonnen“, Kai konnte nicht verhindern, dass er fast begeistert klang. Diese Arbeit hatte ihm trotz all der Tragik auch großen Spaß gemacht, ihn sehr gefordert. Und er wusste, sie konnten zufrieden sein. Sie waren auf einem guten Weg. „Ich hatte ein gutes Team.“
„Das du einfach so verlassen willst“, murmelte Maria und hob eine Augenbraue.
Er seufzte. „Maria – wir haben doch darüber gesprochen. Es war nur ein Gedanke, den ich vor Dr. Heilmann und Frau Marquart geäußert hatte. Meinst du wirklich, sie wollen so einen Chefarzt behalten?“
„Warum denn nicht? Vor allem habe ich nicht den Eindruck, als seien sie mit deinem Vorschlag einverstanden“, gab sie zu bedenken, „Kai, die Sachsenklinik tut dir gut. Und du hast ein tolles Team um dich herum. Und jeder tut mal Dinge, die nicht in Ordnung sind.“ Sie schloss erschöpft die Augen.
Er drückte ihre Hand. „Lass uns ein anderes Mal darüber reden“, wehrte er ab, „du bist gerade noch einmal operiert worden. Zum dritten Mal innerhalb weniger Tage. Du brauchst jetzt Ruhe.“
„Nein“, widersprach sie und öffnete die Augen wieder, „nicht, bevor du mir versprichst, da nochmal drüber nachzudenken.“
Er seufzte. „Stur bist du auch überhaupt nicht, was?“
Maria grinste ihm frech zu. „Nur wenn mir etwas wirklich wichtig ist“, erklärte sie, „und ich will dich als Chef. Außerdem hat Martin bestimmt auch kein Problem damit. Er weiß, dass er überfürsorglich war. Und außerdem schätzt er dich fachlich sehr.“
„Ich weiß. Er hat es mir vorhin gesagt“, murmelte Kai nachdenklich.
„Ach, hat er das?“, sie runzelte die Stirn, „wann?“
„Nach deiner OP“, erklärte er, „als – als ich mich für mein Verhalten von neulich entschuldigt habe.“
„Du hast…“, sie grinste.
„Ja“, er zog eine Augenbraue hoch, „natürlich. Ich habe einen großen Anteil daran, dass das Ganze so eskaliert ist“, er warf ihr einen Blick zu, „dazu stehe ich auch, wie du weißt. Und mir ist es wichtig, dass alles im Kollegium geklärt ist.“
Sie musterte ihn und dann begann sie zu lächeln. „Du denkst darüber nach, zu bleiben, hab ich Recht?“
Er schüttelte grimmig den Kopf. „Schlaf jetzt“, wehrte er ab.
„Du denkst darüber nach!“, lachte sie, „ich sehs dir doch an.“
„Ja“, gab er widerwillig zu, „ja, vielleicht. Ich habe die letzten Stunden über einiges nachgedacht.“
„Ha! Wusst ichs doch!“, sie sah ihn triumphierend an.
Er seufzte, konnte aber nicht verhindern, dass sich ein Lächeln in seinen Mundwinkeln ausbreitete. „Lass uns morgen weiter darüber reden. Es ist ja noch nichts spruchreif. Du brauchst jetzt Ruhe.“
„Na gut“, gab sie nach und sah ihn dann bittend an, „bleibst du noch ein bisschen?“
„Das fragst du noch? Natürlich“, er beugte sich vor und küsste sie sanft auf die Stirn, „ich bleibe hier. Du kannst beruhigt schlafen.“
„Okay…“, sie schloss die Augen und Kai spürte, wie sie langsam wegdämmerte, wie ihre Atemzüge ruhig und tiefer wurden. Er blieb noch eine ganze Weile sitzen, um ihren Schlaf zu bewachen. Noch immer hielt er ihre Hand.
 
 
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