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New Beginnings

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alexis Castle Kate Beckett Richard Castle
07.05.2020
13.05.2020
4
4.701
 
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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07.05.2020 1.629
 
Hallo zusammen!
Das ist meine erste Castle-Fanfiction, aber geschrieben habe ich sie schon vor ein paar Jahren.
Sie wird vier Kapitel haben und spielt am Ende der vierten Staffel, der Inhalt von Always ist allerdings nicht wirklich relevant, bis auf die Graduation und der Filmabend. Über Feedback jeglicher Art freue ich mich und wünsche euch jetzt viel Spaß beim Lesen des ersten Kapitels! :)


Mit einem letzten prüfenden Blick sah Kate in den Spiegel und fuhr sich noch einmal durch die Haare. Ihr Herz klopfte unnatürlich laut, sie war aufgeregt. Nervös traf es vielleicht noch besser. 'Obwohl du dazu gar keinen Grund hast', schalt sie sich selber. 'Es geht nur zu Castle, zur Graduation von Alexis und danach ein kleiner Filmabend'. Nur zu Castle… Und Alexis… Mit diesen Menschen, die ihr beide so wichtig geworden waren, hatte sie in den letzten Monaten ihre Differenzen gehabt. Die mit Castle hatte sie schließlich, auf ihre Art und Weise der Zwischen-den-Zeilen-Kommunikation, beim Zombie-Fall lösen können. Zu mindestens hoffte sie das. Aber sonst wäre sie heute Abend doch gar nicht eingeladen worden, oder? Ein klärendes Gespräch mit Alexis hatte sie heute Morgen geführt, nachdem sie den letzten Fall, einen ausnahmsweise einfach zu lösenden Raubmord, abgeschlossen hatten. Um sich zu beruhigen, ließ Kate den Morgen noch einmal vor ihrem inneren Auge ablaufen.

Sie hatte gerade ihren restlichen Kaffee getrunken, und verzog angewidert das Gesicht. Er war längst kalt geworden und schmeckte bitter. Castle sah sie mit einem halb belustigten, halb mitfühlenden Blick an. Ihre Antwort darauf war eine nicht ganz ernst gemeinte Version des „Beckett-Blicks“, wie ihr Partner zu sagen pflegte. Er wollte gerade ansetzen, etwas zu sagen, als er auf einmal den Mund wieder schloss und jemandem hinter Beckett erstaunt entgegensah. „Alexis!“, rief er aus, noch bevor Kate sich umdrehen konnte. „Was machst du denn hier?“ „Hey, Dad, dir auch einen schönen guten Morgen“, entgegnete die Angesprochene und küsste ihren Vater auf die Wange. Dann wandte sie sich der Partnerin ihres Vaters zu und sagte: „Hallo, Detective Beckett.“ Kate entging natürlich nicht die förmliche Anrede des Rotschopfs, aber sie hatte das Gefühl, dass ihr Blick dabei einen Funken mehr Wärme ausstrahlte, als bei ihren Begegnungen in der letzten Zeit.  Wie um die Frage ihres Vaters zu beantworten, fuhr Alexis fort: „Hätten Sie einen Moment Zeit?“ Erstaunt starrte der Detective sie kurz an und wechselte dann einen unsicheren Blick mit Castle. Aber auch der zuckte nur mit den Schultern und lächelte ihr dann aufmunternd zu. Auch auf Kates Gesicht stahl sich daraufhin ein leichtes Lächeln und sie sagte: „Ja, natürlich. Wollen wir in den Pausenraum gehen?“ Alexis nickte und folgte ihr.

Mit dem Klicken der sich schließenden Tür setzte bei Kate auf einmal die Nervosität ein. Sie konnte sich ungefähr vorstellen, aus welchem Grund seine Tochter hier war, aber wie das Gespräch ablaufen würde, davon konnte und wollte sie sich keine Vorstellung machen. „Möchtest du Kaffee? Oder lieber Tee? Setz dich doch.“ Beckett deutete mit einer einladenden Handbewegung auf das leere Sofa. „Ein Kaffee wäre gut“, antwortete Alexis und setzte sich. Kate drückte auf den Knopf der Kaffeemaschine und schnell waren die beiden Tassen mit der heißen Flüssigkeit gefüllt. Sie stellte die Tasse vor Alexis auf den Tisch und setzte sich dann ihr gegenüber auf einen Stuhl. Für einige Sekunden herrschte angespanntes Schweigen, das der Detective schließlich vorsichtig unterbrach. „Du wolltest mit mir sprechen? Über deinen Vater, nehme ich an?“ Zögernd nickte die junge Erwachsene. „Ja, unter anderem auch.“ Wieder war es einen Moment still, aber diesmal wartete Kate, bis Alexis wieder das Wort ergriff. Sie sah, dass sie ein bisschen Zeit benötigte, die richtigen Worte zu finden. „Wissen Sie… Klar wissen Sie das, merken Sie“, sie schüttelte leicht den Kopf, „dass ich in den letzten Monaten nicht besonders gut auf Sie zu sprechen war.“ Sie hob den Kopf und sah Kate das erste Mal direkt an. Diese schluckte kurz und nickte. „Ja.“ „Und Sie können sich wahrscheinlich auch denken, warum.“ Wieder nickte der Detective. „Wegen des Shootings.“ Als sie sah, dass Alexis zu einer empörten Antwort ansetzte, fügte sie schnell hinzu: „Und des langen Sommers, in dem ich mich nicht gemeldet habe. Und ich weiß, dass das nicht fair war, Alexis, weder dir, noch…“

Bevor sie weiterreden konnte, fiel ihr der Rotschopf ins Wort: „Noch ja wohl meinem Vater gegenüber! Können Sie sich eigentlich ansatzweise vorstellen, wie er sich gefühlt hat? Sie sterben zu sehen, einmal kurz danach lebendig und anschließend drei Monate Funkstille!“ Ihre Augen funkelten wütend. „Er hat sich Sorgengemacht, war verzweifelt, hat nicht mehr geschrieben, und anstatt sie einfach anzurufen, damit er endlich Gewissheit hat, hat er immer noch auf Sie Rücksicht genommen!“ „Alexis, ich...“  „Nein, jetzt lassen Sie mich ausreden!“ Unter dem bohrenden Blick klappte Kate ihren Mund wieder zu. „Und dann tauchst du aus dem Nichts wieder auf, und ihr beide macht weiter, als wäre nie etwas gewesen.“ Unbewusst war sie ins Duzen gewechselt und redete sich weiter in Rage. „Ich dachte, etwas muss sich ja langsam mal ändern, aber monatelang passierte nichts, rein gar nichts. Außer, dass Dad wieder glücklicher war, deshalb habe ich nichts gesagt. Doch dann kam er vor ein paar Wochen wieder so deprimiert nach Hause. Es konnte nur etwas mit dir zu tun haben. Ich weiß nicht, was, und es ist mir auch nicht wichtig. Jetzt scheint ja wieder alles in Ordnung zu sein, aber ihr seid immer noch keinen Schritt weiter! Wann begreifst du endlich, dass er dich liebt?!“

Totenstille folgte auf diese letzten Worte. Mit vor Schreck geweiteten Augen sah Kate Alexis an, die nun ihrerseits zu begreifen schien, was sie gerade gesagt hatte. „Es…Es tut mir leid…ich wollte nicht…“ Hastig stand sie auf, griff nach ihrer Tasche, die auf dem Boden lag und wollte den Raum verlassen, doch Kate ergriff ihren Arm und meinte, nun deutlich gefasster: „Alexis, bleib´ hier, bitte.“ Einen Moment zögerte Castles Tochter, doch der Detective ließ nicht locker. „Komm´, setz dich wieder. Wenn du jetzt wegläufst, klären wir das nie. Glaub´ mir, ich spreche aus Erfahrung.“ Das überzeugte den Teenager und vorsichtig setzte sie sich wieder auf das Sofa. Kate dagegen blieb stehen und begann, auf und ab zu laufen. „Dieser Sommer… Er war auch nicht einfach für mich.“ Auf das kurze Schnauben von Alexis fuhr Kate fort: „Ob du es glaubst oder nicht, auch ich habe deinen Vater vermisst und mich dafür gehasst, dass ich mich nicht bei ihm, nicht bei euch, nicht bei Ryan, Esposito oder Lanie gemeldet habe. Und hinzukam, dass die Wundheilung für meinen gesamten Körper ziemlich anstrengend war und wehtat. Ja, klar, ich hätte alle um Hilfe bitten können – aber allein die Anwesenheit meines Vaters am Anfang, als ich noch gar nichts konnte, kam mir wie eigenes Versagen vor. Im Nachhinein ein alberner Gedanke, doch kam es mir in diesem Moment einfach so vor. Ich war einfach zu stolz und noch zu verletzt von all den Geschehnissen im Mai. Physisch und psychisch gleichermaßen. Ich brauchte Abstand, von allem und jedem, von der Stadt. In der Hütte meines Vaters hatte ich diese Ruhe und konnte anfangen, alles zu verarbeiten. Deinen Vater habe ich allerdings versucht, weit wegzuschieben – ich war noch nicht bereit, über uns nachzudenken. Geklappt hat es nicht besonders gut. Mehr als einmal hatte ich mein Handy in der Hand um ihn anzurufen, und war jedes Mal zu feige, es wirklich zu tun.

Als ich dann endlich wieder arbeiten konnte, war ich ziemlich erstaunt, dass Castle nicht mehr da war, nur um im nächsten Moment zu denken, was ihn denn auch dort gehalten hätte. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und bin zu ihm hin, denn ich merkte schnell, dass es ohne ihn einfach nicht mehr ging. Wir hatten ein Gespräch und ich dachte, er hätte die wesentlichen Dinge, die wichtigen Dinge, aus meinen Worten geschlossen, aber das war leider nicht der Fall. Wie du ja weißt, ist Kommunikation nicht wirklich unsere Stärke.“ Alexis nickte mit einem gequälten Gesichtsausdruck. „Im Laufe der Monate war es einfacher, so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre – nebenbei habe ich allerdings weiterhin meinen Therapeuten besucht und mit in meinem Gefühlsleben aufgeräumt. Aber seit dem Tod meiner Mutter ist das ziemlich kompliziert und es hat deswegen bisschen gedauert, bis ich bereit war, nochmal mit deinem Vater zu reden. Er ist mir nämlich wichtig, sehr sogar.“ Sie machte endlich eine kurze Pause und sah Alexis mit einem eindringlichen Blick an, der die Ehrlichkeit ihrer Worte verdeutlichen sollte.

Beide hatten kurz Zeit, die Worte des Detectives zu verdauen, bevor sie schließlich fortfuhr:
„Ich hoffe, nein, denke, dass wir uns jetzt auf der gleichen Seite befinden. Wann wir den nächsten Schritt tun, kann ich dir ehrlich gesagt..“ Alexis fiel ihr erneut ins Wort: „Das reicht mir völlig. Alles, was du gerade gesagt hast.“ Sie schien den kurzen Moment der Stille zum Nachdenken genutzt zu haben. „Ich kann dein Verhalten immer noch nicht gutheißen, aber ich kann es jetzt viel besser nachvollziehen.“ Sie schluckte kurz. „Danke, dass du so ehrlich warst. Ich meine, du hättest auch einfach nein sagen können zu einem Gespräch mit mir. Und“, der Rotschopf holte tief Luft, „und ich wollte mich bei dir entschuldigen. Die ganze Zeit habe ich nicht darüber nachgedacht, dass es dir vielleicht auch nicht so gut gehen könnte.“ Beschämt ließ sie den Kopf hängen. „Ich dachte nur, dass du Dad hinhältst und es vielleicht doch nicht Ernst mit ihm meinst.“ Als sie Kate den Mund öffnen sah, fügte sie schnell hinzu: „Aber das ist jetzt vorbei. Ich glaube dir, dass er dir nicht egal ist. Dass er auch für dich mehr ist. Es war so deutlich in deinen Worten zu hören und in deinen Augen zu sehen.“ Zögernd lächelte sie Kate an. Und die lächelte zurück.
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