Eine Sammlung voller Fantasie

KurzgeschichteAllgemein / P16
07.05.2020
23.05.2020
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23.05.2020 1.014
 
Der Sommer auf der Ranch griff hartnäckig und erbarmungslos durch. Es schien als ob die Luft brodeln würde, ohne Aussicht auf Besserung. Die Pferde waren aufgeregt, da der Sandsturm am Stall rüttelte, der Sand drang in alle Ritzen und zwischen den Brettern hindurch. Der Schlaf überkam mich leider nicht. Es war mein erster Sandsturm und ich lag auf einer harten Matratze unter einer selbstgewebten Decke. Das Haus schütze mich vor dem Übel was draußen lauerte, aber es schütze mich nicht vor den Szenarien die mir durch den Kopf gingen. Ich war erst zwei Monate hier, aber ich hatte mich noch nicht an die Geräuschkulisse gewöhnt.
Und doch übermannte mich die Erschöpfung als die Sonne langsam ihre Sonnenstrahlen durch den sandigen Nebel scheinen ließ.
Mein Wecker ließ mich aus meinem Erschöpfungsschlaf schrecken. Die Luft war erfüllt dem Geruch eines Frühstücks. Speck, Bohnen und Toast.
Müde aber gierig auf etwas zu Essen stand ich auf, zog mich an und schritt aus dem Zimmer in die Halle, gähnte uns setzte mich seufzend an den Frühstückstisch.
“Nicht geschlafen?“, fragte mich die Hausherrin. Sie war vor Ewigkeiten ausgewandert und hatte die Ranch selbst aufgebaut, mit Ihrer Lebensgefährtin.
“Der Sandsturm und die Pferde...“
“Keine Angst, du wirst dich dran gewöhnen. Das wird jetzt öfters vorkommen.“
“Fantastisch.“
“Kommst du mit auf den Kontrollritt?“
Ich hatte grade die Gabel zwischen den Zähnen. Ich nickte eifrig und zeigte auf die Stiefel.
“Ich bin bereit.“

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einen Tee, sattelten wir die Pferde und ritten zu den Kontrollpunkten. Am Südlichen Ende der Farm trennten wir uns, um nach den Grenzpfählen zu sehen. Maggie ließ mich alleine gen Westen reiten. Dort war das Gebiet wo die Wildpferde durchzogen. Ich zog an den Zügeln meines Wallachs als ich etwas Ungewöhnliches sah. Es lag etwas am Boden, ein Tier. Ich schwang mich aus dem Sattel und ging näher heran. Die Sonne brannte und der Hut wurde immer heißer. Als ich jedoch erkannte was dort auf dem trockenen Boden lag, blieb mein Herz stehen.
Ich nährte mich den Fohlen langsam und ruhig. Falls es lebte würde es panisch werden, vielleicht austreten.
Der Staub hatte es komplett bedeckt das dunkelbraune Fell war überzogen mit gelben Sand. Ich konnte eine dünne Linie sehen die sich vom Kopf bis zum Schweif zog, wo es mit einer kleinen Ballung endete.
“Was tust du da?“, fragte mich Maggie auf ihrer Stute sitzend, die nervös hin und her zappelte.
“Es...es bewegt sich nicht mehr.“
“Was?"
"Das Fohlen?“
“Wiebitte?“, sie saß ab und kam näher.
“Oh je. Der Sandsturm muss die Herde voll erwischt haben. Normalerweise sind die Pferde zu dieser Zeit schon weiter nördlich von hier.“
“Was machen wir jetzt?“, fragte ich und strich leicht über den weißen Streif und fühlte Bewegung unter dem Fell, “Maggie? Ich glaube es lebt noch.“
“Zeig her“, wandte sie schnell ein und kniete sich neben mich. Sie strich mit ihrer Hand über den Körper und untersuchte zaghaft das Bündel.
"Es hat Glück das wir vorbei gekommen sind…", sagte Maggie ohne einen Einwand und stand auf, holte ihre Decke die sie für Notfälle dabei hatte,
"…ein paar Stunden mehr oder weniger und es wäre gestorben. Meinst du kannst es halten?", fragte mich die Frau vor mir.
"Ich...ja...aber ich glaube wir sollten sehr langsam laufen."
"Die zwei hier sind Spezialisten was Gemütlichkeit angeht, nicht wahr altes Mädchen?"
Zwei geschlagene Stunden später kamen wir zurück zur Ranch. Das Fohlen auf meinem Schoß war unglaublich schwer geworden aber es lebte. Wir legten es in eine der freien Boxen. Während sich Maggie um einen Tierarzt kümmerte, blieb ich bei dem kleinen Kerlchen und sprach zu ihm. Nach einer Stunde tauchte ein Mann vor der Box auf.
„I’m Doctor Aubron. Let`s see, how this fellow is doing.“
Der Arzt untersuchte das Fohlen eindringlich und ausgiebig. Er murmelte hin und wieder Fachwörter vor sich hin und fragte uns nach den Umständen.
Nach einer weiteren, guten Stunde erklärte er uns, dass das Fohlen Glück gehabt hatte. Es war völlig dehydriert und hatte einige Prellungen, aber ansonsten ging es ihm gut. Als der Arzt weg war, setzten wir einen Plan fest, wer sich wann um das Kleine kümmert. Ich war voll eingespannt, was ich völlig richtig fand.
„Wir brauchen einen Namen“, sagte Sarah.
„Hey. Du hattest doch bestimmt schon einen“, erwiderte Maggie freudig, „Na los…sag schon.“
„Naja. Wie wäre es mit Dashing Star, so wie eine Sternschnuppe. Wegen dem Streif auf der Flanke“, ein Moment der Pause folgte.
„Hört sich gut an.“     .

Es dauerte einige Wochen um es wieder aufzupäppeln. Es erholte sich nicht so schnell wie Maggie und Sarah gehofft hatten. Ich hatte die volle Verantwortung übernommen und verbrachte jede freie Minute damit es zu pflegen. Eines Abends erwischte mich Sarah wie ich vor der Box stand und dem Kleinen beim Schlafen zusah.
„Es wird schwer für euch sein.“
„Ja. Aber wir kriegen Dashing Star schon wieder hin.“
„Sternschnuppe was? Der Name gefällt mir.“
„Sternschnuppe, Dashing Star. Kommt doch aufs Gleiche hinaus.“
„Es mag dich wirklich sehr. Wärst du nicht gewesen, wäre es gestorben.“
„Nicht schlecht für eine Anfängerin was?“
„Versuch nicht anzugeben“, Sarah schubste mich etwas und packte dann zu, „Komm. Wir sollten Schlafen gehen.“

Und kam das ich michs versah, war das Jahr vorbei. Sternschnuppe hatte sich berappelt und tollte auf der Freifläche herum. Und ich sah mehr und mehr meinem Abflug entgegen, mit weinenden Augen. Ich wollte nicht weg und doch musste ich. Ich machte den üblichen Rundgang um bei Dashing Star zu enden. Er tollte wie verrückt auf der Freifläche herum. Die Tränen begannen über meine Wangen zu kullern.
„Du wirst ihn vermissen, was?“, fragte mich Maggie, als sie aus der Scheune kam.
„Ungemein. Ich hab ihm immerhin das Leben gerettet.“
„Es geht ihm gut hier. Und du weißt du kannst immer zu Besuch kommen. Hier ist immer ein Platz für die frei.“
„Danke Maggie. Das bedeutet mir viel. Ich werde euch und die Verrückte Sternschnuppe echt vermissen.“
„Hör auf ansonsten muss ich auch noch anfangen zu weinen.“