Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / K-Pop / BTS / youth

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youth

MitmachgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Mix
06.05.2020
23.02.2021
13
48.835
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Dieses Kapitel
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23.02.2021 4.275
 
chapter 08 –  time

october 2016

„It is the time you have wasted for your rose
that makes your rose so important.“

jonghyuns office | saturday | 2 pm

Es war fast schon zu einer Gewohnheit geworden, dass Jaesung ohne weiteres das Büro des CEOs betrat. Etwas was vor wenigen Monaten noch vollkommen undenkbar war, nannte sich nun die Realität. Fast täglich taten sich neue Dinge auf, die er unbedingt mit Jonghyun besprechen musste, oder der CEO selbst, holte ihn zu sich damit sie sich über die folgenden Schritte mit den Mädchen unterhalten konnten. Und genau so ein Tag war heute. Zuvor hatte es bereits ein Meeting mit den Trainern der vorläufigen youth-Member gegeben und die vorläufigen Positionen abgeklärt. Dementsprechend würden die Beiden es heute nur noch einmal offiziell abklären und eintragen, damit auch alles ordentlich abgespeichert war, immerhin musste entweder Sehun oder eine Mitglied seines Teams sich vor dem Debüt um ein vorläufiges Design für die Seite der Mädchen kümmern. Natürlich würde es noch einige Zeit dauern, bis es letztlich zu dem tatsächlichen Debüt von youth kommen würde, allerdings wollten sie so gut wie nur irgendwie möglich vorbereitetet sein, immerhin war das der Neuanfang, der alles entscheiden würde.

„Guten Tag, Jonghyun-ssi“, begrüßte der Koreaner den CEO und verbeugte sich, ehe er sich auf den Stuhl gegenüber nieder ließ und einen Papierstapel zur Seite schob. Nicht ahnend, dass dieser heute von Bedeutung sein würden. Erst Jonghyuns Ausruf machte ihn darauf aufmerksam: „Halt! Das sind die Akten der Mädchen, die brauchen wir heute für die Positionsvergabe!“

Jaesung verzog kurz das Gesicht, da er gehofft hatte, Jonghyun hätte sich mittlerweile endlich daran gewöhnt seinen Computer zu nutzen. Wie der junge Manager nun aber feststellen musste, war dies ganz und gar nicht der Fall. Er fragte sich, ob er es überhaupt noch einmal erleben würde, dass der CEO ohne seine Papiere auftauchen würde und sich tatsächlich sein Tablet nahm, immerhin hatte er, genauso wie der Rest der Mitarbeiter, ebenfalls eines und konnte dort auf die Daten des Entertainments zugreifen. Vorsichtig schob Jaesung also den Stapel wieder zurück und entdeckte dann auch die kleinen Zettel, die dazwischen steckten und markierten wo die Aufzeichnung über eines der Mädchen endeten und die eines Neuen anfingen.

„Im Grunde haben wir die Positionen ja schon so ziemlich festgelegt und deswegen möchte ich unser Treffen heute auch nicht so lange ausarten lassen, wie das letzte Woche. Also habe ich hier schon einmal alles aufgeschrieben und Sie müssten nur noch einmal drüber schauen“, erklärte Jaesung und drehte sein Tablet so, dass der CEO die Buchstaben nicht auf dem Kopf lesen musste. Es dauerte eine halbe Ewigkeit ehe Jonghyun alles durchgelesen hatte und der junge Manager hatte schon Angst, er hätte einen Fehler gemacht und sich zu viel herausgenommen. Immerhin war dieses Treffen eigentlich dafür gedacht gewesen, dass sie sich noch einmal besprechen, weswegen er noch hinzufügte, dass natürlich noch nichts festgelegt war und Änderungen somit jederzeit möglich wären.

„Danke, ich habe eigentlich nur einen kleinen Änderungswunsch. Ich möchte Hyosoo als Face of the group promoten. Gestern habe ich mich mit Bang Sihyuk unterhalten und wir haben uns einen Plan für sie überlegt. Bislang ist sie diejenige mit der meisten Erfahrung und das Angebot Sihyuks ist für uns von großem Vorteil. Ob das so klappt, wie wir uns das momentan vorstellen, kann ich allerdings noch nicht sagen, da wir noch nicht sicher sein können, ob unser Vorschlag angenommen wird. Sobald es eine Neuigkeit gibt, wirst du aber natürlich sofort davon erfahren“, erklärte der CEO und im gleichen Atemzug änderte Jaesung in seinem Tablet die Position, löschte sie bei Suyeon und fügte sie bei Hyosoo ein. Tatsächlich war er so ziemlich zufrieden mit der momentanen Aufstellung und freute sich schon sehr darauf es mit den Mädchen zu teilen. Auch wenn er ein wenig Angst hatte, dass er sich schon vorher verplappern würde, immerhin sollten die Trainees erst in der nächsten Woche von ihrer Einteilung erfahren. Es mussten schließlich noch Änderungen an ihren Stundenplänen vorgenommen werden, damit sie in ihrer eigenen Gruppe oder alleine trainierten. Momentan mussten sie schließlich die meiste Zeit noch mit den anderen Trainees zusammen trainieren und das wirkte der gesamten Idee des neuen Apartmentkomplexes ein wenig entgegen und stärkte so die Gruppendynamik keineswegs. Trotz der schnellen Einigung und vorläufigen Festlegung dauerte ihr Treffen noch zwei Stunden, ehe sie sich voneinander verabschiedeten. Zur Verabschiedung sagte Jonghyun allerdings noch: „Bitte arbeite heute nicht mehr allzu lange, du solltest dir mal eine Auszeit nehmen.“

Es war also auch dem CEO nicht verborgen geblieben, doch als Manager von youth musste Jaesung vieles abklären, dokumentieren und planen, was leider den Rahmen seiner normalen Arbeitszeit sprengte. Er hatte viel zu tun und wollte, dass alles perfekt laufen würde und das obwohl das angepeilte Debüt erst im Mai 2017 lag. Man musste jedoch so vieles beachten und er wollte es keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Letztlich war es immerhin seine Verantwortung der Gruppe zu einem gewissen Ruhm zu verhelfen. Natürlich konnte niemand garantieren, dass youth ihren Durchbruch haben würde, doch wollte Jaesung das unbedingt. Zum einen natürlich für die Mädchen selbst, aber auch wegen des Entertainments, immerhin war es kein Geheimnis, dass sie sich nur sehr knapp über Wasser halten konnten. BigHit sponserte sie immerhin nicht, sondern half ihnen schlichtweg dabei nicht Pleite zu gehen.

„Keine Sorge, ich gehe heute direkt nach Hause, ich habe es Byeol versprochen“, erklärte er Jonghyun dennoch schnell, ehe er die Tür hinter sich zuzog und sich auf den Weg nach draußen machte. Tatsächlich freute er sich total heute einen Tag zu haben, den er mit seiner Freundin verbringen konnte, immerhin waren diese eine absolute Rarität, war sie ständig mit ihrem Beruf beschäftigt und Jaesung hatte durch seine neue Position im Entertainment auch wieder deutlich weniger Zeit. Er war schon froh wenn er wenigstens neben ihr einschlafen durfte, denn auch das war mittlerweile eine Seltenheit.

Heute war er extra mit dem Auto gekommen, damit er entweder nach Hause kam, ohne sich durch die Bahnstationen quälen zu müssen oder – wie er es jetzt vorhatte – damit er Byeol von der Arbeit abholen konnte. Tatsächlich hatte er gehofft, dass er gegen 16 Uhr aus dem Entertainment kommen würde, denn dann würde er pünktlich zu ihrem Schichtende am Krankenhaus sein und konnte sie überraschen. Etwas das ebenfalls an dem Zeitmangel der beiden scheiterte und lange nicht mehr die Häufigkeit aufweisen konnte, wie es noch kurz nach dem Beginn ihrer Beziehung gewesen war. Nicht, dass es momentan keine Liebe mehr war, es war nur eben anders und Jaesung wünschte sich schlichtweg, dass sie wieder mehr Zweisamkeit haben könnten, immerhin war es das was eine Beziehung ausmachte. Zumindest in seinen Augen.

Im Auto drehte er die Musik lauter und sang lauthals mit, während er sich durch den Verkehr Seouls kämpfte. Er bekam nicht oft die Zeit sich tatsächlich einmal so weit zu entspannen, dass er völlig losgelöst einfach singen konnte – immerhin sahen viele ihn deswegen schief an, war er doch schon zu alt dafür. Schwachsinn, wenn man Jaesung fragte, immerhin durfte er doch auch mit 29 noch Musik genießen und deswegen tat er das auch immer. Sehr zum Leidwesen seiner Freundin, hatte die sich doch schon oft beschwert, sein Gesang im Badezimmer wäre zu laut. Erstaunlicherweise störte er sie aber nicht, wenn sie gemeinsam sangen. Bei dem Gedanken schlich sich sofort ein Lächeln auf Jaesungs Lippen und es verschwand nicht mehr, bis er vor dem ‚Seoul Asan Medical Center‘ hielt und darauf wartete seine Freundin zu entdecken.

Als er dann endlich ihre blond gefärbten Haare entdeckte, stieg er schnell aus, damit sie das Auto auch nicht übersah und zu ihrer Bahn gehen würde. Immerhin besaßen die beiden ein ziemlich klassisches Auto, das man eigentlich nur erkannte, wenn man genau auf das Kennzeichen achtete. Es wäre Jaesung unangenehm gewesen zu ihr zu laufen, immerhin unterhielt sie sich gerade noch mit einer Kollegin. Byeol hatte ihn allerdings bereits gesehen, zumindest zierte ein breites Lächeln ihre Lippen und sie hatten zuvor einen kurzen Blickkontakt gehabt.

Seine Vermutung bewahrheitete sich, als sie ihrer Kollegin noch kurz zuwinkte, ehe sie schnellen Schrittes auf Jaesung zukam, die letzten Meter zu rennen begann und letztendlich förmlich in die Arme ihres Freundes sprang. So standen die beiden kurze Zeit auf dem Parkplatz und genossen einfach die Nähe, die beide in letzter Zeit so vermissten. Byeol durchbrach die Stille, indem sie neben seinem Ohr flüsterte: „Du arbeitest heute nicht?“ Statt zu antworten schüttelte Jaesung nur den Kopf und ließ seine Freundin wieder zurück auf den Boden, damit sie ins Auto steigen konnten. Es fühlte sich fast so an, als hätten sie sich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Was prinzipiell auch stimmte, immerhin sahen sie sich oftmals nur zwei Stunden am Tag und dennoch fand Jaesung es ziemlich amüsant.

„Was bringt dich dazu, deine geliebte Arbeit einfach fallen zu lassen?“, fragte Byeol im Auto noch einmal. Jaesung erkannte den Sarkasmus in ihrer Stimme und zwinkerte ihr deswegen nur kurz zu, ehe er den Motor startete und sie den Heimweg antraten. Auf dem Weg erklärte er ihr, dass sogar Jonghyun ihn darauf hingewiesen hatte, er solle mal eine Pause machen und erzählte außerdem was sonst noch so passiert war. Natürlich ging Byeol sofort auf die Aussage ein, dass der CEO NOVAs es tatsächlich geschafft hatte, Jaesung von seiner Arbeit zu lösen. „Was eine Ehre, dass dein Chef mir Zeit mit dir ermöglicht“, kommentierte sie, was beide zum Lachen brachte.

„Und was war bei dir heute so los?“, fragte Jaesung nachdem sie sich wieder beruhigt hatten und hielt an der Ampel. Byeol war – wie zu erwarten – Feuer und Flamme von ihrem Tag zu berichten und begann mit ihrem Monolog: „Samstags ist ja generell wenig los, weil wir uns nur um die Patienten im Krankenhaus kümmern müssen und nicht ständig neue Fälle reinbekommen. Aber heute hatten wir tatsächlich jemanden in der Notaufnahme, der glaubte wegen einer Erkältung müssten wir sofort zur Stelle sein! Ich meine das kann doch wohl nicht wahr sein, als hätten wir nicht schon genug zu tun. Zugegebenermaßen heute war es verhältnismäßig ruhig und es kamen nur wenige Fälle rein, aber ich denke es ist logisch, dass man so etwas nicht gebrauchen kann. Naja, jedenfalls haben die natürlich mich vorgeschickt, weil ich ja angeblich am besten mit Menschen kann und dann musste ich dem Mann für fast zwei Stunden erklären, dass wir besseres zu tun hätte, als sich mit seiner Erkältung zu beschäftigen. Letztlich habe ich ihm ein paar Lutschtabletten mitgegeben und er war zufrieden. Wenigstens war das heute der einzige Fall! Mit mehr hätte ich mich jetzt heute echt nicht rumschlagen wollen. Glücklicherweise kann ich ja jetzt endlich nach Hause und habe morgen keine Schicht! Arbeitest du morgen eigentlich? Eigentlich habt ihr doch sonntags sowieso geschlossen? Dann könnten wir ja vielleicht etwas zusammen unternehmen!“

Eigentlich hatte Jaesung tatsächlich vorgehabt sich am nächsten Tag noch einmal mit Haeyong in Verbindung zu setzen, da sie momentan über die kommenden Schritte in dem Weg als Gruppe sprachen, doch das konnte auch gerne noch einen Tag länger warten. Tatsächlich war der Manager nämlich davon ausgegangen, dass Byeol eine Schicht hatte, doch scheinbar hatte er sich im Kalender einfach nur verguckt. Deswegen war es auch kein Wunder, dass er natürlich sofort begeistert zustimmte und sich bereits in diesem Moment vornahm, seine Freundin endlich mal wieder zu bekochen.

Es dauerte zwar relativ lange, bis sie zuhause ankamen, doch die Zeit verging wie im Flug, auch wenn beide natürlich froh waren endlich in ihren vier Wänden angekommen zu sein. Byeol wollte sofort in die Küche gehen, um das Abendessen vorzubereiten, doch Jaesung hielt sie davon ab und zog sie stattdessen mit ins Wohnzimmer, wo er ihr erklärte, dass sie für den Abend etwas bestellen würden, sodass sie heute mehr Zeit für Zweisamkeit hatten. Byeol wollte sich zwar noch wehren – immerhin war sie kein Fan von bestelltem Essen – doch Jaesung ließ sie mit einem sanften Kuss verstummen und zog sie mit sich auf die Couch. Ihr Kopf lag auf seinem Brustkorb und seine Arme schmiegten sich an ihren Körper, sodass er sogar meinte ihren Herzschlag spüren zu können. Ja, diese Nähe hatte er definitiv vermisst. Und schon jetzt freute er sich darauf den morgigen Tag komplett Byeol widmen zu können. „Ich liebe dich“, hauchte er und zog sie noch ein Stückchen näher an sich heran. Seine Freundin antwortete zwar nicht, doch das brauchte Jaesung in diesem Moment auch nicht, dass sie in diesem Moment bei ihm war reichte ihm vollkommen aus.

-
meeting room | friday | 3 pm

Zum ersten Mal seit das vorläufige Line-Up verkündet wurde, war es wieder an der Zeit, dass sie sich in dem Meeting Raum einfanden. Weswegen wusste niemand, auch Hyosoo nicht, hatte sie doch eigentlich diese Zeit dafür nutzen wollen sich erneut mit Xia zu treffen und an der Choreografie zu arbeiten, immerhin hatte sie es der Chinesin doch bereits vor Tagen versprochen.

Gemeinsam mit den anderen betrat Hyosoo den kleinen Raum und setzte sich wieder an den Platz mit ihrem kleinen Namensschild. Etwas dämlich, wenn man sie fragte, doch auch effizient, denn so wusste jeder sofort, wo man sich hinsetzen sollte. Entgegen ihrer Erwartung erwarteten sie nicht der Manager und der CEO, sondern ihre zugeteilten Trainer. Natürlich hatten sie noch bei einigen anderen Trainern Unterricht, doch waren Bae Minha, Shin Seoyoung und Choi Sungjin vor allem für die Bewertungen der Mitglieder zuständig und beschäftigten sich – soweit man das heraushören konnte – bereits jetzt mit den ersten Debütvorbereitungen.

Das alles führte Hyosoo zu dem Schluss, dass es wohl etwas mit dem Debüt als Gruppe zu tun haben würde, womit sie nicht falsch lag, wie sie kurz danach feststellen durfte, da man ihnen erklärte, sie wären wegen der vorläufigen Positionsvergabe hier. Das Wort vorläufig störte Hyosoo schon seit dem Tag, als das Line-Up verkündet wurde. Alles war nur  vorläufig. Es gab nichts worauf man sich schon verlassen durfte, immerhin war noch nichts festgelegt. Man wurde im Dunkeln gelassen und so etwas wie Sicherheit existierte nicht. Es war als könnte jeder spontan entscheiden, man wäre doch nicht gut genug und man würde weiterhin in dem System des Traineeseins versauern, bis man eine neue Chance hätte. Etwas, das eine gewisse Portion Unmut in Hyosoo hervorrief, von der sie nicht einmal wusste, dass sie existierte.

„Aufgrund eurer vorläufigen Positionen, werdet ihr auch erneut einen neuen Stundenplan bekommen, der darauf angepasst ist. Mit deutlich mehr Einzelstunden und Stunden in Kleingruppen, damit ihr lernt in verschiedenen Konstellationen zusammenzuarbeiten und euch auf das gemeinsame Debüt vorbereiten könnt“, erklärte Sungjin, der trotz der Tatsache, der jüngste anwesenden Trainer zu sein, stets das Sprechen übernahm. Etwas, was Hyosoo schon immer verwunderte, denn auch wenn sie sich mit den Höflichkeitsformen Koreas nicht wirklich auseinandersetzte, wusste sie doch, dass normalerweise immer den Älteren das Recht gehörte zu sprechen. Das konnte man hier immerhin ziemlich oft beobachten – sogar in ihrer Gruppe viel ihr das immer wieder auf.

Seoyoung nahm einige Blätter in die Hand und gab sie jedem der einzelnen Mädchen. Mit einem Blick auf den Plan fiel Hyosoo sofort auf, dass ihr Freitagnachmittag nun deutlich voller geworden war und sie erkannte auch, dass sie um vier Uhr gemeinsam mit Eunha und Yun eine Rapstunde hatte und demnach das Training mit Xia absagen musste. Ihre Position konnte sie dem Blatt allerdings nicht entnehmen, weswegen sie – nicht gerade wortgewandt – fragte: „Wo genau sehen wir unsere Positionen?“

Als stünde die Zeit still, starrten die anderen sie für einen Moment an, ehe Sungjin wieder das Wort ergriff: „Das wäre mein nächster Punkt gewesen, aber danke für die Überleitung Hyosoo.“ Ehe diese noch ein ‚Kein Ding‘ in den Raum werfen konnte, sprach der Tanzlehrer bereits weiter: „Die Positionen haben sich aus den Beobachtungen und den Einschätzungen anderer Trainier, ergeben und sind – wie gesagt – nur vorläufig. Zeigt eine von euch in der Zeit bis zum Debüt noch starke Verbesserungen oder sogar Verschlechterungen, können wir das jederzeit ändern. Allerdings sind eure Stundenpläne darauf ausgelegt euch besonders in den Feldern eurer Positionen zu schulen, damit ihr bis ihr debütiert eure Fähigkeiten eher weiter ausbauen solltet, als sie zu verlieren.“

Danach erklärte er noch einige weitere Details, ehe er ihnen ihre Positionen offenbahrte. Hyosoo wurde als Main Dancer und Lead Rapper eingeplant, was sie tatsächlich ein wenig überraschte, war sie doch gerade einmal seit einigen Wochen im Entertainment. Versprach sich im gleichen Atemzug aber auch dieses Vertrauen in ihre Fähigkeiten nicht zu untergraben und stattdessen daran zu arbeiten sich stetig zu verbessern. So wie man es auch von ihr erwartete. Durch die Positionen erklärte sich auch, weswegen sie später Training gemeinsam mit den beiden Ältesten hatte, waren diese neben ihr die anderen beiden Rapper der Gruppe.

Wie zu erwarten sagte niemand etwas, nachdem sie die Positionen erfahren hatte, war es immerhin nichts, was sie in Frage stellen konnten. Sungjin schloss das Meeting damit, dass ab diesem Zeitpunkt die neuen Stundenpläne gelten würden und Zusätzliche Positionen vorerst nicht von Relevanz wären und die jeweiligen Member zu einem anderen Zeitpunkt darüber informiert werden würden. Abgesehen natürlich von der Position des Leaders, doch wussten sie alle ja bereits wer das in ihrer Gruppe sein würde.

Als Hyosoo den Raum verließ, zog sie Xia schnell mit sich, um ihr Bescheid zu sagen, dass es am heutigen Tag wohl erst später zum Training kommen würde und ihren Stundenplan mit dem der Chinesin abzugleichen, damit sie sich hinsichtlich des Tanztrainings absprechen konnten. Bevor die Ältere das allerdings ansprach beglückwünschte sie die Jüngere, mit der Intention deren Selbstbewusstsein zumindest für den Moment zu heben, war der Älteren doch durchaus bewusst, was in Xia vor sich ging: „Siehst du, ich hab dir doch gesagt, dass du für die Gruppe unersetzlich bist, Goldkehlchen!“ Augenblicklich wich die Chinesin Hyosoos Blick aus, doch war der Älteren mehr als nur bewusst, dass dieser gerade die Röte ins Gesicht stieg, weswegen sich ein sanftes Lächeln auf Hyosoos Lippen schlich. Die Jüngere fand es immer wieder unangenehm mit diesem – von Hyosoo höchstpersönlich erfundenen – Spitznamen angesprochen zu werden, nicht weil sie glaubte nicht singen zu können, sondern weil sie es schlichtweg für eine Übertreibung hielt. Mittlerweile versuchte sie aber schon einmal nicht mehr diesen Spitznamen vehement abzustreiten, was der Älteren wiederum zeigte, dass sich möglicherweise schon etwas an Xias Einstellung geändert hatte und sie zumindest ein wenig an Selbstbewusstsein gewonnen hatte.

„Das mit dem Training wird jetzt übrigens eher schwierig, weil ich gleich eine Rapstunde habe“, erklärte Hyosoo den Umstand dieses kurzen Gesprächs. Xia sah endlich wieder auf und sah die Ältere bei ihrer Antwort tatsächlich an. „Bei mir geht es auch nicht, ich habe mit den anderen eine Gesangsstunde. Aber um sechs Uhr wäre ich fertig, wenn du dann noch Zeit hast, könnten wir unser Training dahin verlegen Unnie.“  

Hyosoo nickte nur und verabschiedete sich dann, immerhin war es schon kurz vor vier und sie wollte ungern zu spät zu ihrem Unterricht erscheinen. Xia war dafür vermutlich auch dankbar, immerhin wusste Hyosoo mittlerweile wie unfassbar wichtig Pünktlichkeit der Jüngeren war. Außerdem war die Klärung der neuen Trainingszeit schnell verlaufen und den Rest könnten sie später auch noch besprechen und ihre Stundenpläne vergleichen.

Minha, Eunha und Yun erwarteten Hyosoo bereits. Diese legte schnell ihre Tasche beiseite und setzte sich auf das kleine Sofa, welches in dem kleinen Studio stand. Minha zog es vor die Trainees in ihrem eigenen Studio zu unterrichten, was Hyosoo schon immer ziemlich spannend fand, waren Studios doch immer ein Spiegel des Inneren eines Künstlers. So war es für die Rapperin auch stets interessant die Studios zu betreten, die sie zuvor noch nicht gesehen hatte, denn davon gab es in dem kleinen Entertainment deutlich mehr, als man vermuten mochte und sie hatte noch lange nicht alle gesehen.

„Ich denke es dürfte für keine von euch eine Überraschung darstellen, dass ihr die Rap-Line der Gruppe bilden werdet. Wir lassen dieses ‚vorerst‘ hier mal weg, immerhin habe ich mich nicht umsonst für euch ausgesprochen. Ich kenne euch jetzt schon mehr oder weniger lange und ich weiß wann jemand das Talent zu einem talentierten Rapper hat“, begann Minha und musterte dabei jede einzelne von ihnen genau. Hyosoo bedankte sich innerlich dafür, dass zumindest ihre Raplehrerin die Worte ‚vorerst‘ und ‚vorläufig‘ aus diesem Raum fern hielt. So war das Training doch noch einmal um einiges entspannter. Die Trainerin ließ auch keine Zeit verloren gehen und so begann das Training ohne große Umschweife, jedoch anders, als Hyosoo es erwartet hatte. Statt einen Text zu bekommen und mit einem Rhythmus zu arbeiten, wollte Minha das sich jeder einen Zettel und einen Stift nahm, und sich an einem Text versuchte.

„Machen wir heute auch noch etwas anderes?“, platzte es aus Hyosoo heraus und sie sah die Trainerin von unten her an, immerhin saß sie noch immer auf dem Sofa, während Minha in der Mitte des Raumes stand und sich sogleich zu ihr umdrehte. Als würde Hyosoo es nicht bemerkten musterte Minha sie einmal von oben bis unten, ehe sie antwortete: „Nur weil ich mich für dich eingesetzt habe, musst du meine Lehrmethoden nicht in Frage stellen, aber nein, wir werden heute wirklich nur an Texten arbeiten. Ich möchte wissen wie ich euch dahingehend einschätzen kann. Es muss kein literarisches Kunstwerk werden, aber zumindest ein kleiner Teil sollte dabei entstehen zumal es für euch ja auch nichts Neues ist, wir haben das ja schon des Öfteren gemacht, nur dieses Mal möchte ich mir eure Texte genauer ansehen.“

Auch wenn sich die Aussage so anhörte, als wäre Minha genervt, konnte Hyosoo in ihren Augen eine gewisse Belustigung erkennen, was sie dazu motivierte sich nun auch ein Blatt zu nehmen und drauf los zu schreiben. Zwar musste sie immer wieder Teile streichen oder umschreiben, bis sie einigermaßen zufrieden mit dem Text war. Dieser war jedoch ausschließlich auf Englisch und wie sie durch einen Blick zu den anderen beiden bemerkte, hatten diese ihre Texte auf Koreanisch geschrieben, weswegen sie sich nun daran versuchte ihre Gedanken und den Text in eine schöne Koreanische Fassung umzuschreiben.

Frustriert musste Hyosoo nach dem dritten begonnen Text feststellen, dass sie das was sie dort auf Englisch stehen hatte, einfach nicht im Koreanischen ausdrücken konnte. Es schien einfach nicht so zu funktionieren, wie sie das wollte und mit dem Blick zu den anderen machte es sie noch ein Stück angespannter, da diese damit scheinbar deutlich weniger Probleme hatten, als sie selbst. Gleichzeitig wollte Hyosoo nicht um Hilfe bitten, immerhin würde sie das schon irgendwie selbst hinbekommen und einen guten Text abliefern. In diesem Moment tauchte Minha – die für einige Zeit den Raum verlassen hatte – wieder auf und ging als erstes zu Yun und schien mit ihr über ihren Text zu schauen und einige Details zu besprechen, da sich aber jede der Rapperinnen in eine eigene Ecke des Raumes zurückgezogen hatte und die beiden flüsterten, hatte Hyosoo keine Chance das Gesagte zu verstehen.

So gut es ging versuchte sie sich auf ihren eigenen Text und die koreanischen Wörter zu fokussieren, damit sie nicht nur den englischen Text vorzuweisen hatte. Sie wollte nicht als einzige mit einem Text in einer anderen Sprache dastehen, war sie doch nicht die einzige mit ausländischen Wurzeln unter den Rappern und doch hatte Yun einen koreanischen Text verfasst, noch etwas, dass Hyosoo innerlich mehr Druck aufbaute, so viel das sie letztlich bis Minha bei ihr angekommen war, nicht ein weiteres Wort aufgeschrieben hatte.

„Darf ich den Text mal sehen?“, fragte diese und nahm Hyosoo sogleich das Blatt aus der Hand. So selbstsicher wie nur möglich beobachtete sie die Regungen der Raplehrerin und kniff die Augen zusammen, als diese ihr ihren Text kommentarlos zurückgab. „Wie war es?“, fragte sie also und sah der Älteren in die Augen. Diese erwiderte schlichtweg, dass sie zwar etwas Koreanisches erwartet hätte, aber das der Text dennoch nicht schlecht wäre. Ein Grund mehr, weswegen Hyosoo sich innerlich notierte, dass sie in der Sprache eloquenter werden müsste. Sie wollte, dass man ihre Texte für ihre Gruppe verwenden konnte und, dass sie einen Teil zu den Alben dieser beitragen konnte und dafür musste sie sich mehr mit dieser Sprache auseinandersetzen.

Minha entfernte sich wieder von ihr und stellte sich in den Raum, wartete noch kurz bis alle zu ihr sahen und erklärte dann: „Ihr könnt gerne bis zum nächsten Mal noch an den Texten arbeiten, vielleicht tauscht ihr euch ein bisschen aus. Ich möchte sobald wie möglich einen Song mit euch aufnehmen, er muss nicht vollends ausgereift sein und bei der Produktion werde ich natürlich auch dabei sein, genauso wie unser Produzent, Kim Hyunwoo.“

Hyosoo konnte nicht sagen, dass sie überrascht war, wie schnell all das passierte, irgendwie schien doch in der gesamten Industrie eine schiere Massenabfertigung zu geschehen, so auch in diesem Entertainment, auch wenn Joowon meinte es wäre hier anders. Sie war schon gespannt, wie sich das Ganze  noch entwickeln würde, ihrem Debüt sah sie trotz allem noch mit großer Freude entgegen, genauso wie dem zusätzlichen Tanztraining, bevor sie zurück in das überfüllte Apartment ging.

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Hey, da bin ich wieder mit einem neuen Kapitel. Tatsächlich liegt das schon eine ganze Weile auf meinem PC, allerdings wollte ich mir Zeit lassen und schon mit dem nächsten Kapitel anfangen. Nun ja, leider hat das nicht geklappt, da ich jetzt wieder im Präsenzunterricht bin und bald mein zweites Halbjahr anfängt. Außerdem geht es für mich mit immer größeren Schritten auf das Abi zu, weswegen ich nicht garantieren kann, dass ich weiterhin regelmäßig Kapitel hochladen kann. Ich werde also einfach dann etwas posten, wenn ich dazu komme. Die Grundkonzepte der nächsten Kapitel stehen immerhin schon.
Übrigens, falls jemand aufgefallen sein sollte, dass das in dem Kapitel angesprochene Debüt einige Monate früher stattfinden soll, keine Sorge, ich habe nicht vergessen was ich geschrieben habe und das behält auch weiterhin seine Richtigkeit. Ansonsten wünsche ich euch noch eine schöne Restwoche!
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