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Die Sache mit den Geburtstagsüberraschungen

KurzgeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Paco Weigel Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner
06.05.2020
03.06.2020
3
3.306
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03.06.2020 1.164
 
Weil auch ein Eulchen manchmal eine Kratzbürste sein kann, hier heute schon das Abschluss-Kapitel. Vielleicht wird es irgendwann noch einmal einen Epilog geben, aber die Geschichte an sich soll hier nun einen Abschluss haben :)
Ich hoffe, ihr habt eure Freude daran!
eure parva


„Hey“, verblüfft sah Richard seinen Freund an, die Hände an seinen Schultern. Er war auf dem Weg nach draußen fast mit Easy zusammengeprallt.
„Hey“, erwiderte dieser leise und reckte das Kinn, küsste den Jüngeren flüchtig auf dem Mund. Dann schob er sich an ihm vorbei in die Turnhalle. „Nicht viel los heute, hm?“, sein Blick wanderte durch das fast leere Studio. Paco löste den Blick vom Computerbildschirm, eigentlich in die Steuereinschätzungen für das laufende Jahr vertieft. „Es ist Montag“, erklärte er mit einem Blick zur Uhr. „Die meisten sind schon weg.“
„– oder kommen noch“, grinsend schlüpfte Ringo in seine Jacke, „sich den Montagsfrust von der Seele strampeln.“ Er griff nach Easys Hand, wie von selbst schoben sich ihre Finger ineinander. „Dafür haben wir den lästigen Papierkram bewältigt“, mit Nachdruck klappte Paco den Ordner zu, manövrierte seinen Rollstuhl geschickt vor den Counter. „Mit dem, was noch kommt, werd‘ ich jetzt alleine fertig“, er machte eine scheuchende Handbewegung in Richtung Ausgang. „Also ab mit euch, dein Freund hat gerade heute sicher andere Pläne als dir weiter beim Arbeiten zuzusehen.“
„Sind schon weg“, erwiderte Ringo vergnügt, zog Easy hinter sich her. Paco sah ihnen schmunzelnd nach, bis die Tür hinter ihnen zufiel.
Draußen auf dem Bürgersteig schloss Ringo die Augen, atmete tief durch. „Endlich“, seufzend drückte er Easys Hand. Nie zuvor hatte er seinem Feierabend so entgegengefiebert, erst recht nicht an seinem Geburtstag. Doch diesmal war alles anders; diesmal war da jemand, der auf ihn wartete.
„Hast du Hunger?“
Ringo spürte Easys abwartenden Blick. „Tierisch“, antwortete er und strich mit dem Daumen sanft über Easys Handrücken.
Auf Easys Gesicht breitete sich ein Lächeln aus, umrahmt von tiefen Grübchen. „Gut“, sagte er und setzte sich ohne ein weiteres Wort in Bewegung.
„Easy“, hastig schloss Ringo zu ihm auf und gemeinsam überquerten sie die Straße. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. „Easy, du weißt, ich hasse Überraschungen.“
„Diese nicht“, widersprach Easy und lächelte geheimnisvoll. „Du wirst sehen.“ Zwar zog sein Freund im ersten Moment einen spitzen Mund, beließ es dann aber dabei.
Den Rest des Weges legten sie in angenehmem Schweigen zurück, warfen sich nur hin und wieder einen verliebten Blick zu.


„– böse Datteln!“
Hustend hielt Richard sich die Hand vor den Mund, stellte hastig sein halbvolles Weinglas auf dem Couchtisch ab. Easy beobachtete ihn aus dem Augenwinkel, drückte die Pausentaste der Fernbedienung. Dann reichte er dem Jüngeren wortlos eine zerknüllte Papierserviette.
„Lachst du noch, oder erstickst du schon?“, schmunzelnd sah Easy dabei zu, wie sein Freund notdürftig den dunklen Rotweinfleck auf seinem Hemd abtupfte. „Für eine Indiana-Jones-Nacht mit dir braucht's echt ein Survival Kit.“
Sich räuspernd, gab Ringo auf und warf die Serviette auf seinen leeren Teller. „Holst du bitte mal das Salz aus dem Vorratsschrank?“, fragte er und begann, sein Hemd aufzuknöpfen.
Easy nickte und fand das Gewünschte wenig später zwischen Currypulver und Kardamom. Lächelnd drehte er sich um – und prallte beinahe mit seinem Freund zusammen. Dieser stand mit ausgestreckter Hand hinter ihm.
„Danke“, sagte er und nahm dem Älteren die Salzpackung aus der Hand. Damit ausgerüstet, trat er an den Küchentisch und breitete sein Hemd darauf aus. Mit akribischer Sorgfalt bestreute Ringo die rötlichen Flecken mit Salz. „So“, zufrieden begutachtete Ringo sein Werk. „Noch ein paar Minuten, und das Teil wandert in die Waschmaschine.“
Easy schlang von hinten die Arme um ihn, lehnte den Kopf gegen Richards nackten Rücken. „Ich wüsste ja, wie wir uns bis dahin die Zeit vertreiben“, schlug er mit einem verheißungsvollen Lächeln in der Stimme vor.
Ringo grinste. „Noch mehr Überraschungen?“, fragte er und drehte sich in Easys Armen, bis er seinem Freund in die Augen schauen konnte. Sie waren von leuchtend klarer Farbe, die den Jüngeren jedes Mal ein wenig an flüssigen Honig erinnerte.
„Nur noch eine“, versicherte Easy und kreuzte die Finger vor Ringos Nase zum Schwur. Der Blonde hob amüsiert die Augenbrauen. „Was, wenn ich genug hab‘ von Ihren Überraschungen, Herr Winter?“
Easy reckte selbstbewusst das Kinn. „Die anderen mochtest du auch.“
Sein Freund stieß ein leises Schnauben aus; wie beiläufig glitten seine Hände Easys Seiten hinab. „Das war, bevor mein Lieblingshemd dem Château zum Opfer gefallen ist“, scherzte er und drückte Easy einen Kuss auf den Mund.
„So ein Jammer“, murmelte dieser gegen Ringos Lippen, verschränkte ihre Finger miteinander. „Ein Glück, dass ich noch eine Kleinigkeit geplant habe. Warte hier“, er ließ Ringos Hand los und trat ein paar Schritte zurück. „Ich bin gleich wieder da.“
Ungeduldig taperte Ringo zwischen zwei imaginären Punkten hin und her, bis sich wenige Minuten später die Tür zum Badezimmer wieder öffnete. Easy stand da, mit geröteten Wangen und aufgeregt leuchtenden Augen.
„Komm mit“, er streckte dem Jüngeren die Hand entgegen. Dieser ergriff sie nach kurzem Zögern; sein Herz schlug in freudiger Erwartung fest gegen seine Rippen. Doch als Easy die Tür schließlich weiter aufstieß, stockte ihm der Atem.
Der Raum lag im Dämmerlicht da, nur erhellt vom Schein der etwa Dutzend Kerzen, die auf der Ablage verteilt waren. „Easy, was –“, ungläubig sah Ringo sich um.
„Gefällt es dir?“ In freudiger Erwartung schob Easy sich und den Jüngeren weiter in den Raum und schloss die Tür.
Ringo wollte antworten, doch die Worte kamen einfach nicht aus seinem Mund. Also verlegte er sich stattdessen darauf, vor die Badewanne zu treten und die Finger durch das warme, schaumige Wasser gleiten zu lassen. Der hauchzarte Duft von Jujube und Heiligem Lotus stieg ihm in die Nase.
Er hörte Easy näherkommen, und im nächsten Moment umarmte der Dunkelhaarige ihn. „Ich dachte, du hast dir ein wenig Entspannung verdient, wenn du heute schon arbeiten musstest“, flüsterte er und warf Ringo diesen typisch warmherzigen Blick zu.
Der Blonde hob wortlos die Hand und strich Easys Schläfe entlang. Sein Herz pochte wild in der Brust, und in einem Comic-Heft wäre es mittlerweile garantiert auf die Größe eines gigantischen Wasserballons angeschwollen.
„Du bist unglaublich“, brachte er krächzend hervor und zog den anderen Mann in seine Arme. Easy sah glücklich grinsend zu ihm auf, die Hände hinter Ringos Rücken verschränkt. „Ist das so?“
„Mhm“, brummte Ringo und küsste ihm auf die Stirn. Easy schloss die Augen, genoss die zärtliche Berührung. „Das kannst du ruhig öfter zu mir sagen“, murmelte er mit neckischem Unterton. „So als Vorrat für schlechte Zeiten.“
„Aha“, in Ringos Augen spiegelte sich das Kerzenlicht. „Schon komisch, dass man zur Selbstbestätigung immer die Bestätigung durch andere braucht.“
„Ach, sei still“, Easy verpasste ihm einen halbherzigen Schlag gegen die Schulter. Lachend wich Ringo ihm aus, griff nach seinen Handgelenken und beugte sich zu Easy hinab. „Nichts lieber als das“, raunte er nah an seinem Ohr. „Ich wüsste da eh was Besseres.“
Easy grinste frech. „– und das wäre?“ Ringos Finger stahlen sich unter den Saum seines Hoodies.
„Baden.“


fin
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