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Die Sache mit den Geburtstagsüberraschungen

KurzgeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Paco Weigel Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner
06.05.2020
03.06.2020
3
3.306
5
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02.06.2020 1.465
 
Mit reichlich Wartezeit, aber es geht weiter :D
Viel Spaß!




Als Easy am Morgen des zweiten Aprils die Augen aufschlug, spürte er Richards vertraute Wärme in seinem Rücken. Eine Welle des Glücks durchströmte ihn; verschlafen schmiegte er sich enger an die Brust seines Freundes. „Guten Morgen“, Ringos warmer Atem kitzelte sein Ohr.
Easys Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen, und er drehte den Kopf, um dem Jüngeren einen Kuss zu stehlen. Nachdem sie sich nur widerwillig voneinander gelöst hatten, stieß Easy mit der Nase sanft gegen Ringos Wange. „Alles Gute zum Geburtstag, mein Schatz“, flüsterte er.
„Dankeschön“, Ringo versuchte erfolglos, das Lächeln zu unterdrücken. Mein Schatz. Die Worte bescherten ihm eine angenehme Gänsehaut.
„Also –“, zärtlich glitten Easys Finger über den Stoff von Ringos T-Shirt. „– was hältst du von einem ausgiebigen Frühstück und einem Spaziergang durch den Park?“
Ringo legte den Kopf schief. Mit nachdenklicher Miene musterte er Easy, dann ließ er sich plötzlich in die Kissen zurückfallen und zog den Dunkelhaarigen mit sich. „Mir ist alles recht“, murmelte er und hauchte Easy einen Kuss ins Haar. „Hauptsache, wir müssen das Bett nicht verlassen.“ Schmunzelnd vergrub Easy das Gesicht an Ringos Hals, atmete tief ein. Der süßliche Duft des Aftershaves hatte sich schon fast verflüchtigt. „Basilikum“, hatte Ringo eines Morgens erklärt, während er den Balsam sorgsam auf die glatt rasierte Haut träufelte. „Antioxidativ, feuchtigkeitsspendend, revitalisierend.“ Easy liebte es. Das Kinn auf Ringos Brust gestützt, sah er zu ihm auf. „Schade um die vielen Leckereien, die nur darauf warten, von dir verspeist zu werden.“ Der Jüngere antworte mit einem anzüglichen Grinsen. „Ach, ist das so?“, wie beiläufig glitten seine Hände über Easys Körper, bis sie auf seinem Hintern lagen. Es war keine erotische Geste, vielmehr hatte sie etwas Verspieltes an sich und Easy erwiderte sie, indem er sich etwas in die Höhe streckte und seinen Freund kurz küsste.
„Und jetzt hoch mit dir“, sagte er augenzwinkernd und rollte sich zur Seite. „Zieh dich an“, er zauste Ringo liebevoll das Haar. „Ich deck‘ den Tisch.“
Kaum war Easy verschwunden, gab Ringos Magen ein klagendes Knurren von sich. In Windeseile sprang der Blonde aus dem Bett, klaubte Jeans und T-Shirt vom Boden und zog sich an.
Keine fünf Minuten später verließ er das Schlafzimmer – und blieb wie angewurzelt stehen. Sein Freund stand mit dem Rücken zu ihm, hantierte leise summend mit der Kaffeekanne.
„Mit Blumen?“ Sprachlos betrachtete Ringo den bunten Strauß Tulpen, der zwischen einem Dutzend Gläschen und Schalen voller Köstlichkeiten stand. Easy drehte sich zu ihm um, Ringos Lieblingstasse in der Hand. Er strahlte vor Stolz. „Tobias hat sie besorgt, und bei sich im Zimmer versteckt“, offenbarte er und wippte unauffällig auf den Fußballen vor und zurück. „... du solltest ja nichts mitbekommen.“
Ringo ließ das Gesagte auf sich wirken, immer noch überwältigt von seinem Geburtstagsfrühstück. Antipasti, mindestens fünf verschiedene Senf- und Marmeladentöpfchen, Käseplatten, Früchtemüsli – Ringo fragte sich im Stillen, ob sein Freund das gesamte Sortiments des Bioladens aufgekauft hatte, in dem er selbst so gern einkaufte. Schließlich blieb sein Blick an einer oxfordblauen Edelstahlflasche hängen, die an seinem Platz stand. Langsam trat er näher. Höchste Isolierleistung, puristisches Design. „Easy –“, fast andächtig strich er mit dem Zeigefinger über den Verschluss der Flasche. Vor ein paar Tagen noch hatte er die Website des Herstellers durchstöbert, weil er sich, seit gefühlten Ewigkeiten, eine neue Tableware bestellen wollte. Anscheinend war sein Freund ihm damit zuvorgekommen.
„Magst sie nicht?“, nervös trat Easy von einem Fuß auf den anderen. Der Hals wurde ihm ganz trocken.
„Spinnst du?“, ungläubig sah Ringo ihn an. „Es ist nur –“, erneut streifte sein Blick den reich gedeckten Frühstückstisch. „... so viel ... Mühe hat sich schon lange niemand mehr gemacht.“ Er schluckte gegen den kleinen Kloß in seinem Hals an; versuchte, noch etwas zu sagen. Gern hätte er Easy gesagt, dass er sich ehrlich freute.
Easy lächelte sein berühmtes Grübchenlächeln. „Warte nur, bis du den Gogo Boy in unserem Kleiderschrank entdeckt hast.“
„Ein Gogo Boy zwischen Hoodies und Polohemden“, mit provokant gehober Augenbraue ließ Ringo sich am Tisch nieder. „... sexy.“ Kopfschüttelnd schob Easy ihm eine Cherrytomate in den Mund. „Es hört doch jeder nur, was er versteht“, zitierte er breit grinsend und widmete sich seiner Heidelbeerkonfitüre.
„Wer hätt’s gedacht“, Ringo goss sich ein Glas Orangensaft ein. „Garfield und Pooky organisieren ein wahres Festmahl, ohne dass halb Köln in Schutt und Asche liegt.“
Easy gluckste. „Wer ist Garfield, wer Pooky?“
Eine von Ringos feingeschwungenen Augenbrauen schnellte ihn die Höhe. „Mein Bruder plündert regelmäßig unseren Kühlschrank, Easy. Was glaubst du?“
„Na und, das tue ich ja a–“, Easys Stimme verlor sich und er verpasste Ringo einen spielerischen Klaps gegen den Arm. „Richard Beckmann, du bist unmöglich!“
„Wenigstens renn‘ ich nicht splitterfasernackt vor den Augen meines Bruders rum“, kommentierte der Blonde ungerührt. „Gibst du mir mal den Dijon-Senf, den mit grünem Pfeffer?“
Ohne seinen Freund aus den Augen zu lassen, langte Easy nach dem Gläschen.


„Na, Holly Golightly“, distanzlos wie er manchmal war, lehnte Tobias ins Innere des Büdchens. „Das war wohl nichts mit ‚Frühstück bei Tiffany‘“, er bohrte Easy den Zeigefinger in die Wange. Ungewohnt barsch schlug der Dunkelhaarige die Hand fort.
Verblüfft sah Tobias ihn an. „Erm“, er räusperte sich. „– doch so gut, ja?“ Easy stieß einen frustrierten Seufzer aus. „Es war sogar super“, er ließ sich schwunglos auf den Hocker hinter der Theke fallen. „Es gab nur keine Zugabe in der Bonbontüte.“
Fragend sah Tobias ihn an.
„Gianni liegt mit Fieber im Bett, und Ringo hat Paco versprochen, für ihn in der Turnhalle einzuspringen“, erklärte Easy. So sehr er es auch versuchte, er konnte den niedergeschlagenen Ton in seiner Stimme nicht unterdrücken.
Sein bester Freund zog mitfühlend die Stirn kraus. „Schau mich nicht so an“, Easy war aufgestanden, stopfte nachlässig einen Packen Magazine in den Zeitungsständer. „Ich weiß, dass Ringo Teilhaber ist und Paco auch sonst auf seine Mitarbeit angewiesen ist ...“
„Was aber nichts daran ändert, dass du dir den Geburtstag deines Freundes ein bisschen anders vorgestellt hast“, brachte Tobias das unausgesprochene Dilemma auf den Punkt. Easy zuckte hilflos mit den Schultern. „Er hat seine Schicht so beiläufig erwähnt, als wär’s der Rede gar nicht wert.“
„Du kennst meinen Bruder so lange wie ich“; sagte Tobias in verständnisvollem Ton. „Er hat nie ’n großes Ding aus diesem Tag gemacht“, seufzend schob er sich ein Kaubonbon in den Mund. Das bunte Zellophanpapier schnippte er achtlos auf den Bürgersteig.
„Tobi!“, tadelnd verzog Easy das Gesicht.
„Was denn?“, grinsend biss Tobias eine scharfe Kante seines Daumennagels ab. Easy verdrehte die Augen. „Manchmal frag’ ich mich echt, wie aus dir ein ernstzunehmender Anwalt werden konnte.“
„Lenk nicht ab, Easy-Bärchen“, schmeichelte sein Gegenüber und faltete die Hände unter dem Kinn. „Wir sind alle nur Menschen, was mich auch zurück zu unserem eigentlichen Thema bringt – unsicher-vermeidende Bindungstypen.“
Easy sah flehend zur Decke hinauf. „Oh Himmel, verschone mich, Hausmeister T läuft zu Höchstformen auf.“ Tobias überging die Bemerkung, wenn er auch seine moderative Begeisterung etwas herunterfuhr. „Die Kurzfassung für Eilige: Mein Bruder liebt dich und du hast ihm schon das größte Geschenk gemacht, als du ihm gratuliert hast“, Tobias bemerkte das nervöse Zucken auf Easys Gesicht.
„Glaub mir“, bekräftigte er. „Aber er kann nun mal nicht aus seiner Haut, auch wenn er sich deinetwegen wirklich bemüht.“
Easy seufzte auf. „Du hast recht“, er drückte seinem Mitbewohner einen Pappbecher Kaffee und zwei Schokoriegel in die Hand. „Am besten, ich hol‘ ihn einfach nach Schichtende ab“, er lächelte entschlossen. „Und, ja, dann bestell’ ich syrisch, du weißt schon – dieses orientalische Restaurant, in dem wir mal waren.“
„Abholservice und Shawarma-Sandwich“; Tobias leckte sich unbewusst über die Lippen. „Klingt verlockend. Ihr habt doch nichts gegen ’nen hungrigen Überraschungsgast? Es macht Spaß zuhaus zu essen.“
„Netter Versuch“, lachte Easy. „Du wirst heute Abend ein braver Gastgeber sein, den Wein trinken, den Paco mitbringt, und Ellis Billerbecker Bratkartoffeln würdigen“, er nickte einem Kunden freundlich zu, während er weiter mit Tobias sprach. „So war’s abgemacht, und da helfen dir auch deine Filmzitate nichts.“ Damit reichte er dem Kunden lächelnd den aktuellen Kölner Wochenspiegel, Rätselheft und Wasser durch das Kioskfenster.
„Auf Wiedersehen“, sagte er. Der ältere Herr erwiderte den Gruß überrascht und zog von dannen. Easy sah ihm nach. „– und wehe, ihr steht plötzlich ganz zufällig in der Großen WG, weil ihr ‚irgendwas im Kühlschrank vergessen‘ habt.“
Bei diesen Worten wirkte Tobias fast enttäuscht. „... auch keine angeschwipsten, albernen Teenie-Partyspiele?“
Easy winkte ab. „Keine Partyspiele, keine Mutproben, keine nackten Hintern vor dem Nachtjournal!“, wie um seine Worte zu untermalen, knallte er die Schüttenbox ins Gehäuse.
„Das mit den nackten Hinterteilen überlass ich heute anderen“, feixte Tobias und wich Easy geschickt aus, als dieser zu einem angedeuteten Schlag ausholte.
„Los, abmarsch“, in Easys Augen blitzte der Schalk. „Sonst befördert Eva besagtes Hinterteil schneller auf die Straße als du ‚in dubio pro reo‘ sagen kannst.“

tbc
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