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Life goes on...

von hezky
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
05.05.2020
28.08.2020
4
6.512
 
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Dieses Kapitel
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05.05.2020 1.838
 
Schon seit Wochen kam sie immer wieder in die Konditorei Weigel. Rückblickend betrachtet fing sie damit schon vor ein paar Monaten an. Zum Anfang lag es einfach daran, dass sie in die Nachbarschaft gezogen war und dieser Bäcker sich nun in ihrer unmittelbarer Nähe befand. Die Brötchen schmeckten und die Angestellten waren immer freundlich. Den Franzosen fand sie sehr unterhaltsam, das schlanke große Mädchen schien die Azubine zu sein und die andere Frau schien die Chefin zu sein. Beim ersten Mal als sie da war, stand noch eine ältere Frau hinter der Theke, aber die hatte sie nie wieder gesehen. Irgendwann klärte sich dieses Rätsel auf, als sie sich mit einem Kaffee und ihrem Laptop in die Konditorei setzte und ein Gespräch am Nachbartisch mitbekam. So erfuhr sie das diese Dame Irene war, die eigentliche Besitzerin und das diese sehr unerwartet verstorben war, aber das ihre Nichte den Laden weiterführen würde. Also lag sie mit der Vermutung, dass die Frau mit dem Hang zu Klamotten aus den 60ern, tatsächlich die Chefin war. Diese Frau war  auch der Grund warum sie sich hier immer regelmäßiger in der Konditorei blicken ließ. Vielleicht war es ihre ruhige Art die sie so anzog, denn das war das ganze Gegenteil von ihr selber. Ihr Leben war voll mit Dates und Arbeit, das störte sie allerdings nicht. Denn sie liebte ihren Job. Aber hier herkommen war wie eine Ruheoase für sie, obwohl es hier auch schon mal hektisch zu ging. Am meisten konnte sie abschalten wenn Saskia da war, dass war nicht immer der Fall oder sie war fast die ganze Zeit in der Backstube und ließ sich im Verkauf nicht blicken. Sie stellte sogar fest das sie jedesmal ein wenig enttäuscht war, wenn sie Saskia nicht sah. Sie war drauf und dran sich in diese Frau zu verlieben, obwohl sie sie doch gar nicht kannte. Sowas kannte sie garnicht von sich. Denn eigentlich interessierte sie sich nicht sonderlich für die Menschen um sich herum, ihre  Freunde waren davon natürlich ausgeschlossen. Sie ließ nichts anbrennen und nahm sämtliche  Möglichkeiten für etwas Spaß mit einer anderen Frau mit, aber auf mehr hatte sie nie Lust gehabt. Ihr Interesse an dieser fremden Frau ging ihr selber gegen den Strich und sie versuchte ihre Besuche in der Konditorei einzuschränken, aber mindestens einmal in der Woche gab sie nach. Dann wollte sie eigentlich nur ein paar Brötchen holen, aber sobald sie sah das Saskia da war, steuerte sie automatisch auf einen Tisch zu und gönnte sich einen Kaffee und ein Stück Kuchen. In der ganzen Zeit war sie auch dahinter gekommen wann Leni Berufsschule hatte, was die Chancen deutlich erhöhte, Saskia anzutreffen. Über all die Zeit musste sie aber leider auch feststellen, das sich Saskia veränderte hatte. Sie wurde irgendwie immer kleiner und in sich gekehrter, wahrscheinlich war in ihrem Privatleben irgendwas passiert, was sie sehr belastete. Zu gern hätte sie rausgefunden was es war. Aber es stand ihr nicht zu, es einfach herausfinden zu dürfen. Sie hoffte nur das es Saskia wieder besser gehen würde...aber sie wurde enttäuscht. In den letzten 4 Wochen sah sie Saskia bei ihren Besuchen gar nicht mehr und als sie sie dann doch wieder in der Konditorei zu Gesicht bekam, war Johanna ziemlich erschrocken. Saskia sah blass und müde aus. Sie sah eigentlich so aus, als wäre sie Zuhause besser aufgehoben. Johanna setzte sich an einem Tisch und konnte nicht anders und starrte Saskia sie ganze Zeit an. Zum Glück bekam diese davon nichts mit. Die Tür hinter der Theke ging auf und ein  Mann kam rein, den Johanna schon ein paar mal gesehen hatte. Er und Saskia schienen so vertraut, dass sie am Anfang dachte das es ihr Freund war, aber irgendwann kam sie dahinter das die 2 Geschwister waren. Er nahm seine Schwester in den Arm und fragte sie wie es ihr geht und ob sie wirklich schon wieder arbeiten wollte. In der Konditorei war es gerade so ruhig, dass sie jedes Wort problemlos mit anhören konnte. Saskia zuckte nur mit den Achsel und sagte ihm das sie Zuhause noch verrückt werden würde und das es ja irgendwann weitergehen musste. Wieder fragte sich Johanna was passiert war, vielleicht würde sie es noch rausbekommen, wenn sie noch etwas sitzen bleiben würde. Sie schaute auf die Uhr und bemerkte aber, dass sie spätestens in einer halben Stunde los musste. „Wenn du aber merkst das es doch nicht geht, dann rufst du mich an, okay?“ Saskia kam garnicht dazu ihm zu antworten, denn die Glocke an der Tür läutete und ein älterer Herr im Anzug kam rein und ging auf die Theke zu. Johanna bemerkte sofort das den beiden Geschwistern der Besuch garnicht passte. Saskia wurde noch blasser als sie eh schon war und ihrem Bruder stand die Wut ins Gesicht geschrieben. Kleinlaut begrüsste der Mann die beiden und wollte wohl gerade ein paar Brötchen kaufen, als ihm Paco ins Wort fuhr. „Ist das dein Ernst? Du traust dich hier rein? Ich denke es ist besser, wenn du gehst.“ Saskia hielt sich am Tresen fest, ihr schien es nicht gut zu gehen. „Ich denke du hälst dich daraus und lässt deine Schwester entscheiden wer hier Kunde sein darf und wer nicht.“ Paco sah seine Schwester von der Seite an und bemerkte das es ihr nicht gut ging. Sie ging einen Schritt zurück in Richtung des Hinterausgangs. „Siehst du nicht, dass du hier nicht willkommen bist?“, blaffte Paco Benedikt an. Dieser musste erkennen das es vielleicht doch keine gute Idee war, hier herzukommen, er drehte sich um und ging raus aus der Konditorei. Paco blickte ihm noch kurz hinterher und drehte sich dann zu seiner Schwester. Die stand in der Tür und war schon fast im Hof angekommen, doch bevor sie komplett an der frischen Luft war, wurde ihr schwarz vor den Augen und sie wurde ohnmächtig. Johanna verfolgte die ganze Szenerie fast etwas unfreiwillig und bekam das Ende natürlich mit. Sie und Paco sahen gleichzeitig wie Saskia sich zusammensackte. Paco lief sofort zu seiner Schwester und Johanna sprang sofort von ihrem Stuhl auf und rannte auch hinter die Theke. Paco hockte schon neben seiner Schwester und rüttelte an ihr. Johanna kniete sich auch sofort neben die zwei. „Kann ich ihnen irgendwie helfen? Soll ich einen Rettungswagen rufen.“ Paco schaute kurz auf und überlegte kurz. „Nein das ist nicht nötig. Wir haben eine Ärztin im Haus, allerdings ist ihre Praxis heute zu. Können sie bitte die Tasche holen, die bei der Theke hängt.“ Johanna drehte sich schon um, da kam ihr Antoine schon mit einem Schritt entgegen und gab ihr die Tasche. Er sah ziemlich besorgt aus. „Antoine, ich bringe Saskia zu sich in die Wohnung und hole Sina, bitte schmeißen sie den Laden solange allein.“ Antoine nickte ihm zu und verzog sich wieder ins innere der Konditorei. Saskia kam immer noch nicht zu sich und Paco hob sie vom Boden auf und bat Johanna ihm zu folgen und in der fremden Handtasche nach dem Wohnungsschlüssel zu suchen. Einmal kurz durch den Hof und sie waren schon angekommen, unterdessen hatte sie auch den Schlüssel gefunden und versuchte den richtigen Schlüssel für das Türschloss zu finden, auf welches Paco deutete. Beim zweiten hatte sie schon Erfolg und die Tür ging auf. Sie öffnete sie Paco, damit er mit Saskia durchgehen konnte. Er legte seine Schwester auf die Couch und rüttelte nochmal an ihr, aber sie kam immernoch nicht zu sich, aber er war beruhigt das sie atmete. Johanna wollte gerade schon die Wohnung verlassen, nachdem sie Saskias Tasche auf dem Tisch abstellt hatte. Da drehte sich aber Paco zu ihr um : „Können sie bitte hier bei meiner Schwester bleiben, ich muss kurz hochrennen und meiner Cousine, der Ärztin bescheidgeben. Ich bin auch sofort wieder hier.“ Johanna hatte das Gefühl im falschen Film zu sein, gerade saß sie doch noch in der Konditorei und jetzt war sie in Saskias Wohnung, weil es ihr wirklich so schlecht ging, wie sie aussah. „Ja natürlich.“ Johanna ging zu Saskia und setzte sich auf die Kante von der Couch. Paco rannte los und war auch schon weg. Johanna konnte nicht anders und strich Saskia eine Strähne aus dem Gesicht. Sie sah so furchtbar blass aus und auf ihrem Gesicht war der kalte Schweiß deutlich zu erkennen. Unter anderen Umständen hätte Johanna sich riesig gefreut so nah bei der Frau zu sein, die sie schon seit Wochen anhimmelte, aber jetzt  war ihr die Situation sehr unangenehm und sie hoffte das ihr Bruder samt der Ärztin bald wiederkommen würde. Sie erwischte sich dabei wie sie Saskias kalte Hand in ihrer hielt, als diese langsam wieder zu sich kam. Langsam öffneten sich Saskias Augen, dass die verwirrt war stand ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. „Wie komme ich hier her? Was ist passiert?“ „Sie sind in der Konditorei umgekippt und ihr Bruder hat sie hier hergebracht und holt gerade eine Ärztin.“ Saskia versuchte sich langsam aufzusetzen, merkte aber das ihr dabei sofort wieder schwindelig wurde. Sie strich sich mit der freien Hand über das Gesicht und atmete tief durch. „Das ist doch absolut nicht nötig.“ In dem Moment kamen Paco und Sina in die Wohnung. Johanna ließ Saskias Hand los und stand auf um die Frau zu Saskia war, die anscheinend die Ärztin war. Johanna stellte sich neben Paco und schaute Sina bei ihrer Arbeit zu. „Sina das ist echt nicht nötig, mir geht es echt schon viel besser, ein Schluck Wasser und ich kann wieder zurück zur Arbeit.“ „Das glaube ich nicht, und abgesehen davon finde es es nicht gut das du schon wieder auf Arbeit gehst und heute gehst du hundertprozentig nicht mehr hin.“ Saskia setzte sich langsam auf und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass es ihr immernoch nicht sonderlich gut ging. „Sina ich werde hier noch verrückt, ich brauche die Abwechslung. Außerdem habe ich die Hoffnung das ich dadurch wieder schlafen kann.“ Paco trat einen Schritt näher. „Saskia das kann auch jeder nachvollziehen, aber schau dich doch an, du kannst nicht mal den Anblick von Benedikt ertragen ohne das was passiert. Du
bist noch nicht soweit.“ „Bitte lass mich das selber entscheiden.“, blaffte sie ihn etwas an. Johanna fühlte sich zunehmend unwohl in dieser Situation. Sie hatte keine Ahnung was hier passiert war und wollte sich auch nicht mitreinhängen. „Du bleibst heute definitiv zu Hause und ich werde dir ein leichtes Schlafmittel spritzen, damit du mal wieder eine Nacht schlafen kannst und wenn es dir morgen besser geht, dann gehst du wieder arbeiten. Als deine Ärztin finde ich das zwar nicht gut, aber als deine Cousine kann ich es nachvollziehen.“ Saskia lächelte ihre Cousine leicht an. „Danke dir Sina.“ Johanna schaute auf die Uhr und stellte fest das sie schon ziemlich spät dran war. Sie drehte sich Richtung Tür und wollte unaufällig die Wohnung verlassen. „Vielen lieben Dank für ihre Hilfe.“, sagte Paco der gerade dabei war, seiner Schwester ein Glas Wasser einzuschenken. „Garkein Problem, das habe ich gerne gemacht.“ Bevor er nach ihrem Namen fragen konnte, war sie auch schon verschwunden...
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