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Die Bergdoktorin

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dr. Martin Gruber Elisabeth Gruber Hans Gruber Lilli Gruber OC (Own Character) Susanne Dreiseitl
05.05.2020
28.11.2022
125
285.341
14
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24.11.2022 1.832
 
Fünf Wochen waren eine lange Zeit, aber allein schon wegen Martin würde ich mich nicht davor drücken können. "Du wirst sehen, dass die Reha ganz schnell vorbei ist.", meinte Martin, der wohl gemerkt hatte das ich nach dachte. "Und es wird dir bestimmt gefallen.", fügte er hinzu. "Dein Wort in Gottes Ohr.", antwortete ich und kurz war es still zwischen uns.
So still, dass man meinen Magen laut knurren hören konnte. "Hast du etwa Hunger?", fragte Martin mich belustigt. "Und wie!", musste ich nun feststellen und mein Magen stimmte mir mit einem weiteren Knurren zu. "Ich organisiere dir was.", versprach Martin und gab mir einen Kuss, bevor er gleich darauf das Zimmer verließ. Ich versuchte mich ein bisschen gemütlicher hinzulegen und starrte dann auf den Bildschirm des EKGs.
Das Piepen machte mich irgendwie nervös, es erinnerte mich an längst vergangene Zeiten. Vielleicht konnte ich bald auf Normalstation verlegt werden, wenn es mir weiterhin den Umständen entsprechend gut ging. Ich musste an Sonja denken und an Niklas, an das was Martin mir erzählt hatte was passiert war als ich weg gewesen war. Oder besser gesagt im Koma gelegen hatte.
Martin kehrte ein paar Minuten später mit einem Tablett zurück. "Die haben dein Frühstück aufgehoben.", meinte er und zog den Tisch am Nachtschrank heraus. Dort stellte er das Tablett ab. "Brötchen mit Marmelade?", fragte Martin und schnitt das Brötchen bereits auf. "Ich kann das selbst.", meinte ich. "Ich mache das jetzt und gut ist. Genieß es doch mal, dass du von mir versorgt wirst.", erwiderte Martin grinsend.
"Du solltest wissen, dass.." Martin fiel mir ins Wort. "Gem, sag einfach nichts und lass mich machen." Er wusste, dass ich am liebsten für mich selber sorgte und alles selber machen wollte. Selbst jetzt. Aber Martin machte mir das Frühstück dennoch.
"Guten Appetit.", wünschte er mir, nachdem er fertig war und ich biss in die erste Hälfte des Brötchens. Daraufhin verzog ich das Gesicht. "Warum schmeckt im Krankenhaus eigentlich immer alles nach Krankenhaus?", fragte ich. Eigentlich sollte ich es gewöhnt sein, aber ich hatte schon ewig nicht mehr im Krankenhaus gefrühstückt. Das machte ich immer zu Hause. Oder, wie die letzten Wochen vor dem Unfall, auf dem Gruberhof. Martin und ich waren meistens dorthin gefahren um zu frühstücken.
"Das ist eine gute Frage.", meinte Martin und probierte ebenfalls einen Bissen. "Oh ja, definitiv Krankenhaus-Frühstück.", stimmte er mir zu und ich musste lachen, da er ebenfalls das Gesicht verzog. "Oder wir sind durch deine Mutter einfach verwöhnt.", zeigte ich ihm eine andere Option auf. "Vielleicht liegt es gar nicht am Essen selbst, sondern daran das Lisbeth uns essenstechnisch so versorgt hat." Martin stimmte mir zu. "Das muss es sein!" Wir mussten beide lachen.
"Apropos Mama..", fing Martin an. "Sie würde später mit Lilli und Kira vorbei kommen, wenn du dich in der Verfassung dazu fühlst." Und selbst wenn ich mich später nicht so gut fühlen sollte, würde ich es ihm nicht beichten. Ich wollte Lisbeth und die Mädchen sehen, unbedingt.
Wenigstens den Kaffee konnte man trinken und ich fühlte mich inzwischen unerwartet gut. Nach solchen Verletzungen ungewöhnlich. "Wann wollten sie denn kommen?", fragte ich. "Ungefähr in einer halben Stunde.", antwortete Martin. "Können wir nicht runter gehen und dort warten?", wollte ich wissen. "Gem..", setzte Martin mit warnendem Unterton an. "Bevor du irgendwas sagst, lass mich zuerst.", bat ich ihn. "Ich würde mich von dir im Rollstuhl fahren lassen und sofort sagen, wenn es nicht mehr geht. Versprochen."
Martin seufzte. "Du bist gestern erst aus dem Koma aufgewacht.", erinnerte er mich. "Eben. Und nachdem es mir blendend geht, dachte ich das wir aus dem Zimmer vielleicht mal raus gehen könnten.", antwortete ich. "Du warst vorhin erst draußen.", hielt Martin wieder dagegen. "Aber nur für die Untersuchungen.", erwiderte ich wieder und er überlegte. Ich hatte extra meinen Hundeblick aufgesetzt, der immer funktionierte. "Okay, eine halbe Stunde. Nicht länger und wenn es nicht mehr geht, dann kommen wir sofort wieder hoch." Damit hatten wir den nächsten Deal des Tages abgeschlossen.
Martin half mir dann, mir wenigstens ein T-Shirt und eine bequeme Hose anzuziehen. Dann setzte er mich in den Rollstuhl und wir machten uns auf den Weg hinunter ins Foyer. Dort warteten wir, bis Lisbeth mit den Kindern kam. Lilli freute sich total mich zu sehen und wollte mich am liebsten gar nicht mehr loslassen. Allerdings meldete sich Martin irgendwann zu Wort, der seine Tochter daran erinnerte das man mit mir noch ein bisschen vorsichtig umgehen musste.
Wir gingen zusammen in die Cafeteria. Kira schlief in ihrer Trage, die Martin getragen hatte. So hatte ich mein kleines Mädchen gar nicht richtig begrüßen können. Wir unterhielten uns und alles war eigentlich wie immer. Nur, dass wir hier im Krankenhaus saßen und ich dem Tod beinahe entkommen war. Diese Spannung merkte man, aber sowohl Martin als auch Lisbeth versuchten ihre Sorge zu verbergen was mir aber dadurch umso mehr auffiel. Als Kira wach wurde, begann sie erstmal ordentlich zu quengeln. Martin nahm sie sofort zu sich und wie immer beruhigte sie sich sehr schnell.
"Weißt du jetzt wieder, warum ich wollte das sie bei dir bleibt?", fragte ich Martin. "Darüber müssen wir jetzt nicht mehr reden.", antwortete er bestimmt. "Gib sie mir, bitte.", bat ich Martin. "Gem..", setzte er an und ich wusste was er sagen würde, bevor er es ausgesprochen hatte. "Nur kurz, ich will sie nur mal kurz halten.", meinte ich und Martin willigte letztendlich ein. "Du weißt, dass du umgehend Bescheid sagen sollst wenn es zu viel wird.", erinnerte er mich. "Versprochen, aber jetzt gib sie mir bitte."
Martin legte mir Kira nun in die Arme und ich strich ihr über den Kopf. "Mein Mäuschen.", flüsterte ich und Kira gähnte ausgiebig. "Sie hat dich vermisst.", meinte Lisbeth. Ungefähr im gleichen Augenblick klingelte Martins Telefon. An der Art wie er telefonierte ahnte ich schon, dass er uns gleich verlassen würde.
"Notfall?", fragte ich nachdem er aufgelegt hatte. "Notfall.", bestätigte Martin und stand auf. "Es tut mir leid, ich komme danach gleich wieder her.", versprach mein Lebensgefährte. "Mama, du passt bitte auf das Gem sich nicht überanstrengt.", bat Martin seine Mutter und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Man kann sich im Rollstuhl sitzend natürlich sehr schnell überanstrengen.", meinte ich und verkniff mir das Lachen. "Du schaffst alles.", meinte Martin und kam wieder zu mir.
"Schön auf die Mama aufpassen.", sagte er auch zu Kira und strich ihr über den Kopf. "Du passt auch auf.", wies er Lilli an, die eifrig nickte und von Martin ebenfalls einen Kuss auf die Wange bekam. "Wenn ich zurück komme und herausfinden sollte, dass du Ärger gemacht hast, erhöhen wir auf sieben Wochen.", stellte er klar. "Ich werde mich benehmen, versprochen.", erwiderte ich. Denn das er mit sieben Wochen meine Zeit meinte, die ich dann auf Kur verbringen sollte, war klar und da mir fünf Wochen bereits zu viel waren würde ich kein Risiko eingehen.
"Braves Mädchen.", lobte er mich und gab mir einen langen Kuss. "Ich liebe dich!", flüsterte er und küsste mich erneut, bevor ich antworten konnte. "Ich liebe dich auch.", sagte ich nach diesem erneuten Kuss und wollte ihn am liebsten gar nicht gehen lassen. Aber es musste sein. "Wir sehen uns später.", sagte Martin noch und eilte dann aus der Cafeteria.
Als ich mich wieder zu Lisbeth wandte, sah ich an ihrem Blick das sie über etwas nach dachte. "Was ist?", fragte ich alarmiert. Jedoch stand Lisbeth einfach auf, kam zu mir und lächelte. "Es ist so schön, dass du wieder wach bist!", sagte sie den Tränen nahe und gab mir einen Kuss auf die Wange. Anschließend ging sie erstmal, um sich ein Stück Kuchen zu holen. Ich konnte demnach nichts erwidern.
"Es verwundert mich ein bisschen, dass er jetzt wirklich zu dem Notfall fährt. Die letzten Tage war er kaum hier raus zu kriegen.", meinte Lisbeth. "Ich hab euch wohl allen einen Schrecken eingejagt.", antwortete ich. "Und ob du das hast.", bestätigte Lisbeth. "Aber was meinte der Martin gerade mit diesen sieben Wochen?", wollte Lisbeth wissen, vermutlich um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.
"Martin will mich auf Kur schicken, ganze fünf Wochen!", erklärte ich empört. "Und er hat mir nun angedroht, dass wenn ich mich nicht benehme, er auf sieben Wochen erhöht." Lisbeth lachte. "Typisch Martin, das sieht ihm verdammt ähnlich!"
Lisbeth fand das offenbar sehr amüsant, im Gegensatz zu mir. "Lisbeth, das ist wirklich nicht komisch!" Doch sie hörte nicht auf zu lachen, weshalb ich auch nicht ernst bleiben konnte. Dafür war ihr Lachen zu ansteckend. "Komm schon, Gem. So schlimm wird es nicht werden.", sagte Lisbeth schließlich. "Er möchte eben, dass du wieder auf die Beine kommst und das geht so am besten. Es gibt wunderschöne Kurorte hier in der Nähe, ich hab schon einige Leute besucht die auf Kur waren. Es wird dir sicherlich gut tun und wenn du zurück kommst, kannst du ihn wieder nach Lust und Laune wahnsinnig machen."
Erneut mussten wir lachen. Inzwischen hatte ich eingesehen, dass eine Kur wohl wirklich nötig war wenn ich irgendwann wieder vollkommen hergestellt sein wollte. Wir blieben noch eine Weile in der Cafeteria sitzen und das, obwohl ich allmählich Schmerzen spürte. Ich wollte die Zeit mit meiner Familie genießen, nachdem ich geglaubt hatte sie nie wieder sehen zu dürfen. Irgendwann brachte Lisbeth mich und die Kinder wieder zurück auf mein Zimmer, wo sie ebenfalls noch ein wenig blieben.
Gegen fünf Uhr nachmittags mussten sie sich verabschieden, da Lilli noch Hausaufgaben machen musste und Lisbeth noch etwas kochen wollte. "Ach, das hätte ich fast vergessen!", meinte Lisbeth plötzlich und fing an in ihrem Korb, den sie dabei hatte, zu suchen. Zum Vorschein kamen zwei Tupperdosen. "Ich dachte, dass du ein bisschen was zu Essen gebrauchen könntest. Wir wissen doch alle, wie ungenießbar das Essen in Krankenhäusern manchmal sein kann. Hier hab ich für dich Spaghetti mitgebracht, das können die im Schwesternzimmer sicher aufwärmen.", meinte die Bäuerin überzeugt.
"Mein Lieblingsessen, vielen Dank!", sagte ich. "Dein Lieblingsessen nach deinem Rezept, also genauso wie du es magst.", berichtigte Lisbeth mich. "Und dafür musst du dich nicht bedanken, das ist selbstverständlich."
Kurz darauf ging Lisbeth mit den zwei Kindern und ich war allein.
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