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Die Bergdoktorin

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dr. Martin Gruber Elisabeth Gruber Hans Gruber Lilli Gruber OC (Own Character) Susanne Dreiseitl
05.05.2020
16.01.2023
134
299.713
14
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24.11.2022 2.256
 
Martin war nach dem Gespräch mit Alexander wieder zu Gemma ins Zimmer gegangen. Sie war in der Zwischenzeit eingeschlafen. Die Gelegenheit hatte Martin danach genutzt, um mit seiner Familie und auch den anderen Beteiligten zu sprechen. Alle hätten sie zu Gemma gewollt, nur hatte Martin sie nicht gelassen. Er wollte das sie sich ausruhen konnte und hatte Lisbeth und Hans mit Lilli und Kira zum Gruberhof zurück zu fahren. Besonders Lilli hatte sich dagegen auflehnen wollen, Martin hatte ihr dann jedoch versprochen das sie Gemma am nächsten Tag besuchen kommen dürfe. Daraufhin hatten die vier das Krankenhaus verlassen.
Auch Sarah war von Martin gebeten worden heute nicht mehr zu Gemma zu gehen. Sie hatte eingewilligt, obwohl ihr etwas auf der Zunge brannte das sie Gemma unbedingt hätte erzählen wollen. Nun da sie wach war. Trotzdem war sie Martins Bitte gefolgt und war zu Paul nach Hause gefahren. Dort hatte sie ihm aufgeregt berichtet was passiert war. Roman war bei Hans, Lisbeth und den Kinder mit gefahren. Er würde die Praxis Morgen übernehmen, damit Martin sich um Gemma kümmern konnte.
Von Böning höchstpersönlich hatte Martin die Erlaubnis erhalten, die Nacht heute neben dem Bett seiner Lebensgefährtin verbringen zu dürfen. Auf ein Klappbett hatte er verzichtet. Er hatte sich lieber auf einen Stuhl gesetzt und hielt schon eine ganze Weile ihre Hand. Das EKG gab, nachdem es wieder angeschlossen worden war, wieder Laute von sich. Das war auch das einzige. Das Beatmungsgerät brauchte Gemma nun nicht mehr. Nur noch den Sauerstoff, der durch den dünnen Schlauch in ihre Nase geführt wurde. Das war für Martin viel erträglicher zu sehen. Sie atmete jetzt schließlich selbstständig, wenn auch mit ein wenig Unterstützung.
Das Alexander irgendwann kam und sich verabschiedete, da er Feierabend machte, bekam Martin nur flüchtig mit. Und auch wenn er versuchte sich mit Kaffee wach zu halten, schlief er irgendwann in der Nacht auf dem Stuhl ein. Und die Nachtschwester, die kurz darauf ins Zimmer kam um nach Gemma zu sehen, dachte zwar daran ihn zu wecken da es wirklich unbequem aussah. Ließ es dann aber doch sein, da sie ahnte das er sonst überhaupt nicht schlafen würde.
Am Morgen wurde Martin von Sarah geweckt, die gerade von der Frühvisite kam. Er war sofort hellwach und sah sich panisch um.
"Was ist los?!", fragte er und blickte zunächst auf Gemma. Sie schlief noch ganz ruhig. Er hatte ihr in der Nacht nochmal Medikamente gegeben, nachdem er von ihrem Wimmern aufgewacht war. "Schhh, nicht so laut!", ermahnte Sarah ihn sofort. "Gem schläft noch. Ihr geht's gut, keine Panik."
Sarah reichte Martin eine Tasse Kaffee, die sie ihm mitgebracht hatte. "Wir werden sie gleich mit zum MRT nehmen. Alexander will vorher aber nochmal mit dir darüber reden, er ist in seinem Büro." Martin nahm einen Schluck aus der Tasse und seufzte. "Er könnte genauso gut herkommen.", meinte er. "Ich bleibe hier und passe auf Gem auf, also mach dir da bitte keine Gedanken. Und du kannst sie nicht 24 Stunden lang im Auge behalten, auch wenn du das gerne so hättest. Und ich sehe sie gerade zum ersten Mal, seitdem das gestern passiert ist. Die paar Minuten in denen du weg bist wird ihr sicher nichts geschehen."
Doch Martin wusste wie sich ein vermeintlich stabiler Zustand von jetzt auf gleich ändern konnte. Jedoch sollte er ja zu Alexander, weshalb Martin widerwillig zustimmte und das erste Mal seit dem gestrigen Abend das Intensivzimmer verließ. Sarah blickte ihm nach. Sie wusste, dass es ihm überhaupt nicht recht war das er Gemma jetzt alleine lassen musste. Und es tat ihr verdammt leid, dass sie Gemma nun aufwecken musste. Aber besser sie tat es jetzt, als später wenn Martin und wahrscheinlich noch andere anwesend waren.
Also setzte sie sich auf die Bettkante und versuchte ihre Freundin ganz behutsam zu wecken. Anderen Patienten würde sie nie so nahe kommen, aber bei Gemma war es etwas anders. Sie war schließlich ihre beste Freundin und Sarah war schon ein wenig aufgeregt, da sie Gemma unbedingt jetzt die Neuigkeiten erzählen wollte und es jetzt auch konnte. Sie hoffte, dass Gemma sich für Paul und sie freute. Und dann, wenn Gemma es wusste, durfte von Sarah aus die ganze Welt von ihrer neuen Liebe erfahren.
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Eine halbe Stunde war es nun her, dass Sarah mich geweckt hatte. Und dann hatte sie mir aufgeregt berichtet, dass sie und Paul nun offiziell ein Paar waren. Ich freute mich riesig darüber, da ich wirklich der Meinung war sie passten hervorragend zusammen. Wir unterhielten uns nun über ihre Beziehung, als säßen wir zusammen bei Kaffee und Kuchen.
Das ich im Krankenhaus lag versuchte ich auszublenden, weil ich meine Freude unbedingt zeigen wollte. Dass ich die Erste war, die davon hatte erfahren dürfen, rührte mich gewaltig und natürlich wollte ich als ihre beste Freundin alle Details wissen.
Als schließlich die anderen kamen, mussten wir unser Frauengespräch unterbrechen. "So, Gemma. Es wird Zeit fürs MRT.", meinte Alexander und gab dem Pfleger, der mit einem Rollstuhl herein gekommen war, die Anweisung mich aus dem Bett zu holen. "Momentchen mal, mein Kleiner!", hielt ich ihn auf. "Martin?", fragte ich Alexander. "Der ist.." Doch Alexander brauchte gar nicht weiter sprechen, da er gerade durch die Tür kam. "Der ist hier.", sagte Martin, der das Problem offenbar sofort erkannt hatte.
"Deine Liebste hat wieder einmal Extrawünsche.", meinte Alexander. Doch Martin warf ihm einen Blick zu, der ihm das Grinsen aus dem Gesicht weichen ließ. "Geh einfach schon mal vor, Alexander. Wir kommen gleich nach.", sagte Martin und Alexander hörte aufs Wort. Den Pfleger nahm er mit hinaus und Sarah musste sowieso wieder zu ihren Patienten, obwohl sie mich überhaupt nicht gestört hat im Gegensatz zu den zwei Männern.
Es war mir einfach nicht geheuer.
"Danke.", sagte ich zu Martin. "Ich will auch nicht rüber kommen wie eine Diva, aber.." Martin unterbrach mich. "Ich weiß schon, also hör auf dich rechtfertigen zu wollen. Wenn ich da bin, kann ich das machen. Ansonsten musst du dich wohl oder übel von den Anwesenden versorgen lassen." Das wusste ich. Aber so lange Martin da war, wollte ich nicht unbedingt einen anderen an mich ran lassen.
"Dann bringen wir dich mal zum MRT, du Diva.", witzelte Martin und begann die Kabel EKGs zu entfernen. "Du bist blöd!", beschwerte ich mich. Zur Antwort gab er mir einfach einen Kuss. "Und du 'ne Diva!" Daraufhin mussten wir beide lachen.
"Meinst du, du schaffst es ohne Sauerstoff?", fragte Martin und ich nickte. "Wird schon gehen.", meinte ich. "Wenn nicht, dann sagst du sofort Bescheid.", meinte Martin streng. "Versprochen.", antwortete ich. Er nahm mir auch den Sauerstoffschlauch ab. "Geht's?", wollte er wissen. "Eindeutig besser als gestern." , erwiderte ich. Als nächstes wurde ich von ihm aus dem Bett gehoben und in den Rollstuhl gesetzt. Mein Bein war gebrochen und auch so hätte ich wahrscheinlich nicht selbstständig laufen können. Dafür war ich noch zu schwach. Martin legte mir noch eine dünne Decke über, da ich schließlich nur das übliche Krankenhaus-Hemdchen trug.
"Das hast du sehr gut gemacht.", lobte ich ihn. "Das hätte der Bursche sicherlich noch besser gekonnt.", widersprach Martin. "Ich wollte aber, dass du das machst. Es reicht schon zu wissen, dass ich in den letzten Tagen von anderen Menschen angefasst, versorgt und gewaschen wurde." Der Gedanke gefiel mir gar nicht, aber bei Komapatienten war das nun mal auch notwendig.
"Na und? Ich bin sicher, die fanden dein Hinterteil genauso süß wie ich!", meinte Martin. "Könntest du bitte damit aufhören?!", bat ich ihn. "Das ist schon peinlich genug, auch ohne deine Sprüche!", beschwerte ich mich. "Was ist daran bitte peinlich?", fragte Martin und schob mich zur Tür hinaus. "Ich arbeite hier?!", erinnerte ich ihn. "Und deshalb ist es trotzdem nicht peinlich. Die haben sich alle Sorgen um dich gemacht, du warst quasi nie alleine. Irgendjemand war immer da drin. Selbst die Krankenschwestern mögen dich, das will schon was heißen.", erklärte Martin mir. Und ja, mit Krankenschwestern hatten manche Ärzte so ihre Probleme. Aber nur, wenn sie sich raus hängen ließen, dass sie Uni-Absolventen waren. "Wenn du meinst.", antwortete ich.
Wir kamen schließlich beim MRT an. Martin übernahm es auch da, mich auf die Liege zu setzen und mir das Kontrastmittel zu spritzen. Die Untersuchung zog sich anschließend ziemlich in die Länge, ich hoffte jedoch das alles soweit in Ordnung war. Ich fühlte mich bereits auch viel besser als gestern, was aber sicher mit daran lag das die Schmerzen durch Medikamente in Schach gehalten wurden.
Martin brachte mich anschließend zurück auf mein Zimmer. EKG und Sauerstoff wurden wieder angeschlossen und ich saß wie zuvor im Bett. Was mir jetzt schon ziemlich gegen den Strich ging, obwohl nicht mal 24 Stunden vergangen waren. Martin erzählte mir dann alles, was während ich im Koma gelegen war vor sich gegangen war. Auch, dass sie den Täter inzwischen gefunden hatten. Natürlich auch von seiner Frau und den Kindern. Sie taten mir wirklich leid und ich nahm mir vor, sie zu besuchen, sobald es mein Zustand mir erlaubte.
Wie das Ganze weiterlaufen würde, das würde sich zeigen. Eine Gerichtsverhandlung würde es sicher geben, das sagte mir auch die Polizei, die an diesem Morgen vorbeischaute um mich zu dem Unfall zu befragen. Es waren Paul und ein Kollege, was es mir ein wenig leichter machte darüber zu sprechen.
Martin wich mir auch dabei nicht von der Seite. Ich war trotzdem froh, als wir wieder alleine waren und der ganze Trubel erstmal vorbei war. Bei der Untersuchung hatten sie zwar nichts auffälliges festgestellt. Es würde trotzdem dauern, bis meine Verletzungen verheilt waren. Vor allem mein Bein, das ziemlich kompliziert gebrochen war und die Narben der Operation am Bauch ebenfalls.
"Ich bin ein Wrack.", meinte ich zu Martin, als er gerade vom Kaffee holen wieder kam. Auch mir hatte er einen mitgebracht, allerdings mit mehr Milch als Kaffee, so wie eigentlich immer. "Was?", fragte er mich, da es vollkommen wie aus der Pistole geschossen gekommen war. "Ich bin ein Wrack, mal wieder. Hab ich gerade festgestellt. Bis das alles verheilt ist und ich wieder normal funktioniere.. Das kann Wochen dauern, wenn nicht sogar Monate!" Das wurde mir nun erst richtig bewusst. "Und du wirst dir die Zeit nehmen, die du brauchst.", sagte Martin bestimmt. "Für Physiotherapie ist schon alles organisiert, die kommt in drei Tagen das erste Mal vorbei. Und von da an erst jeden zweiten und dann wenn es gut läuft jeden Tag. Außerdem wirst du um eine Reha nicht herum kommen." Ich glaubte mich verhört zu haben. "Physiotherapie?! Reha?! Oh Martin, ich bitte dich! Das hab ich damals nach meiner Ankunft hier nicht gebraucht und das brauche ich auch jetzt nicht!", stellte ich klar.
"Damals waren deine Verletzungen nicht annähernd so schlimm.", antwortete Martin. "Du wirst das machen, die Physiotherapie und die Reha.", stellte Martin erneut klar. "Das einzige was ich will, ist so schnell wie möglich raus hier!", meinte ich nun. "Wenn die erst in drei Tagen kommt und es schon voraus geplant ist, werde ich wohl noch zwei Wochen oder mehr hier sein. Und danach noch eine Reha?! Ich werde am besten gesund, wenn ich bei dir bin und bei der Kleinen.", versuchte ich ihm zu erklären. "Unfassbar wie stur du schon wieder bist!", motzte Martin. "Das hat doch nichts mit stur zu tun!", stellte ich klar.
"Okay, okay.. ich will mich jetzt sicher nicht mit der streiten.", sagte Martin wieder ruhiger. "Aber Gem, hör mal." Martin setzte sich zu mir aufs Bett und nahm meine Hand. "Du möchtest doch gesund werden, oder?", fragte er mich. "Natürlich will ich das. Aber.. ich will bei dir sein, bei Kira und bei deiner Familie. Ich hatte solche Angst, dass ich euch nie wieder sehe!"
Das war mir jetzt unbeabsichtigt raus gerutscht. Doch Martin fand es wieder erwarten nicht komisch, sondern er begann zu lächeln. "Erstens ist das nicht meine, sondern unsere Familie. Und zweitens werden wir dich doch nicht einfach irgendwohin abschieben und nie wieder abholen. Wir werden dich hier und dann auch in der Reha so oft wie möglich besuchen. So oft, dass du uns irgendwann von selbst weg schickst, wenn du keine Privatsphäre mehr hast." Ich wollte mich noch nicht ganz darauf einlassen, weshalb ich die Arme verschränkte und den Kopf weg drehte. "Du weißt genau, dass schmollen bei mir nichts bringt.", meinte Martin unbeeindruckt. "Du gehst auf Reha, mindestens sechs Wochen." Ich merkte gleich, dass verhandeln wollte. Darauf ging ich ein.
"Drei.", machte ich mein Angebot. "Sechs.", meinte Martin wieder. "Vier.", erhöhte ich daraufhin. "Fünf, das ist mein letztes Wort und du wirst jeden Tag davon brauchen." Vermutlich hatte er Recht. "In Ordnung.", gab ich mich geschlagen. "Fünf Wochen, aber keinen Tag länger!" Martin hielt mir daraufhin die Hand hin. "Wir haben also einen Deal?", fragte er. "Meinetwegen.", antwortete ich und wir besiegelten es, indem ich ihm die Hand darauf gab.
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