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Der Pate von Sankt Petersburg

GeschichteKrimi, Thriller / P18 / Gen
05.05.2020
23.02.2021
15
21.908
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23.02.2021 1.815
 
2012

Sankt Petersburg

Es hatte sich soviel verändert und dabei war ich nur fünf Jahre weg. Marija wohnte nun in einer Wohnung in der Innenstadt. Nicht so ekelhaft wie das Appartementhaus in dem wir Nachbarn waren. Nein so ein richtig schönes modernes Hochhaus. Aber der Puff war immer noch der Alte. Kiril wollte mich sehen. Ich kannte eigentlich keinen mehr von den Jungs. Die Meisten waren Straßenschläger und Kleinganoven. Ich lehnte mich an die Bar.”Ich bin hier für den Brigadier”. Die Bardame nickte und verschwand im Hinterzimmer.”Was willst du vom Brigadier?”. Einer dieser neuen Ganoven kam zu mir.”Geht dich n Scheiß an”. Ohne ihnen weiter Beachtung zu schenken nahm ich mir eine meiner selbstgedrehten Zigaretten aus dem Etui und nahm mir eine Packung Streichhölzer von der Bar. Der Ganove zog mir die Zigarette aus dem Mund und warf sie weg.”Wir reden mit dir”. Ich drehte mich zu ihnen. “Willst du das wirklich Kleiner? Du siehst aus als würdest du die Sekundarschule schwänzen”. Der Ganove wollte zuschlagen aber ich verpasste ihm einen Schlag auf den Kehlkopf. Nicht fest genug um ihm zu töten. Aber fest genug um den kleinen Wichser nach Luft ringen zu lassen. “Dima!! Hör auf mit den kleinen Kindern zu spielen und schwing deinen Arsch her!”. Kiril stand in der Tür des Kellers. Ich ließ den kleinen Haufen Scheiße einfach liegen und ging zu Kiril.

Der Keller hatte sich nicht viel verändert. Auf den Regalen war immer noch ein ganzes Waffenarsenal gelagert. Mehrere Kalaschnikows, Maschinenpistolen, Schrotflinten, Revolver und Automatische Pistolen.”Also Dima ich bin froh, dass du wieder da bist. Diese Vollidioten da oben sind Vollidioten. Die können nur draufhauen” erklärte Kiril.”Ist das der Grund warum Mischa mich aus dem Straflager geholt hat”. Ich holte mir eine selbstgedrehte aus meinem Etui und Kiril gab mir Feuer.”Richtig. Wir haben wieder Probleme mit unseren Freunden aus Italien zu tun. Nur diesmal haben sie sich bessere Verbündete gesucht als die Idioten aus der Ukraine”. Kiril klopfte sich eine Papirossa aus dem Päckchen und zündete sie an.”Haben sie ihre eigenen Leute geschickt?” fragte ich dann.”Teilweise. Aber sie haben sich mit den Tschetschenen verbündet. Und darum brauche ich erfahrene Männer. Diese Tschetschenen sind üble Bastarde und sie drängen sich in unsere Geschäfte herein”. Ich klopfte die Asche von meiner Zigarette ab.”Die Tschetschenen machen sich doch nichts aus Prostitution dachte ich. Die machen ihre Geschäfte doch eher mit Schutzgeld, Mord, Waffen und Wirtschaftsbetrug”. Kiril zuckte mit den Schultern.”Meine Quellen sagen die Tschetschenen fassen hier im Menschenhandel Fuß und machen Mischa den Waffenhandel mit Europa streitig. Sie sitzen mehr an der Quelle. Seit den beiden Kriegen in Tschetschenien sitzen sie auf nen Haufen Waffen. Und Mischas Quellen sind erschöpft. In Jugoslawien gibt es noch andere Menschen die die Waffen verticken die übrig blieben als alle auf dem Balkan sich daran erinnert haben wie sehr sie sich hassen. Die Serben und Albaner sitzen näher an der Quelle und verkaufen die Scheiße meist sogar an unsere Freunde in Italien” erklärte Kiril und legte eine Akte auf den Tisch.

Ich öffnete sie. Darin einige Fotos. Die Waffen die Mischa hauptsächlich aus Jugoslawien bezog, Zastava M70 und Zastava M92, serbische Klone der Kalaschnikow Sturmgewehre. Dazu noch die Transportwege nach Russland und so weiter.”Was willst du das ich mache? Soll ich den Serben sagen dass sie die Finger davon lassen?” fragte ich ihn. Kiril schüttelte den Kopf.”Nein. Diese Quelle ist versiegt und Mischa will sich nicht noch mehr Feinde in Europa machen. Immerhin die die Serben treue abnehmer von unserem Stoff aus Zentralasien. Mischa will eine neue Quelle anzapfen. Für diese Aufgabe braucht er Jemanden wie uns. Ich kann nicht aus Petersburg weg. Irgendwer muss den Kindergarten draußen ja bewachen. Darum bist du hier” erklärte er mir. Langsam nickte ich.”Aber welche Quelle will er sonst anzapfen?” fragte ich dann.”Ganz einfach. China” erklärte er dann.”Du willst das ich nach China reise?!”. Ich war doch gerade erst heimgekehrt und hatte Marija kaum gesehen.”Beruhig dich. Nicht nach China. Nur an die Grenze. Es geht an den Amur. Dort erwarten dich einige abgesandte der chinesischen Triaden” erklärte Kiril.”Und wie komme ich da hin?” fragte ich ihn. Er legte mir ein Flugticket auf den Tisch. Per Flugzeug nach Blagoweschtschensk im Oblast Amur. Dort holt dich ein Kontakt am Flughafen ab. Er spricht auch chinesisch, also überlass ihm das Reden”. Seufzend akzeptierte ich. Was anderes konnte ich ja nicht. Mischa würde mich sicherlich irgendwie zurück ins Lager schicken oder Zwangsversetzen wenn ich mich nicht einbrachte und das tat, wofür er mich aus dem Straflager geholt hatte. Ich nahm das Flugticket und stand auf.”Einen guten Flug Herr Majakowski, Ingenieur der St.Petersburger technischen Oberschule” zwinkerte Kiril mit einem gewissen Lachen im Gesicht zu, während er meinen gestreckten Mittelfinger bewundern durfte.


Zwei Tage später, Oblast Amur, Blagoweschtschensk

Ich machte das beste was ging aus dem einem Tag mit meiner Ehefrau bevor es weiterging. Der Flug dauerte ewig, obwohl es ein Inlandsflug war. Aber Russland war groß und ich war nun nicht mehr im europäischen Teil des Landes, sondern im fernen Osten. Große weite Landstrich mit wenig Bevölkerung. Im europäischen und kleinsten Teil Russlands lebten etwa 2/3 der russischen Bevölkerung und im Rest das fehlende Drittel. Die Landschaft war geprägt von schier endloser Tundra, Wäldern und Flüssen. Die Sommer waren heiß und die Winter bitterkalt.

Nur langsam kam man voran. Irgendwann war ich dann an der Reihe. Ich gab dem Zollbeamten meinen Pass er sah nur kurz hinein. Es war einer der falschen Ausweise die ich bekommen hatte. Sie alle trugen meinen Namen.”Was führt sie von St.Petersburg zu uns?” fragte er mich.”Ich bin Ingenieur. Ich soll bei der Erneuerung eines Wasserkraftwerkes am Amur helfen”. Der Zöllner nickte nur und machte einen Stempel in meinen Pass.”Na dann frohes Schaffen Herr Ingenieur”. Er winkte mich durch und der nächste kam dran. So schnell es ging holte ich meinen Koffer ab und verließ das Gebäude. Nach dem langen Flug musste ich erstmal eine Rauchen.

Es Frühling, also hatte ich eine recht gute Zeit erwischt. Es war nicht zu kalt und auch nicht zu heiß, sondern einfach angenehm. Die ganze Zeit hielt ich ausschau nach dem Kontakt. Kiril hatte mir nämlich nicht gesagt wer es ist, wie er aussieht, wo er mich kontaktiert oder wie. Auf dem Zettel der meinen Flugticket beilag stand nur so viel wie er wird dich kontaktieren. Da war ich mal gespannt. Nach einiger Zeit fiel mir ein junger Mann auf. Der Junge war höchstens 20 und sah sich ziemlich auffällig um. Wenn das mein Kontakt war würde ich aber sauer werden. So ein Stümper. Irgendwann kam er zu mir.”Hey haben sie mal Feuer?”. Er holte eine sich eine Papirossa aus einem Päckchen und nahm sie in den Mund.”Natürlich”. Aus meiner Jackentasche zog ich mein Patronenfeuerzeug. War das ein Code oder sowas? Ich hoffte mehr er war einfach nur ein junger Mann dessen Feuerzeug leer war. Während er sich vorbeugte, sodass ich ihm seine Kippe anstecken konnte steckte er mir mit seinen flinken Fingern blitzschnell etwas zu.”Danke”. Er nahm die Reisetasche, die er auf den Boden neben sich gestellt hatte wieder und ging seines Weges. Ich wartete kurz bis er verschwunden war und fischte den Zettel aus meiner Tasche, den er mir zugesteckt hatte.”Treffpunkt Bar Seja, 19:30. Dunkle Klamotten und Sturmhaube. Bestellen sie einen doppelten Wodka und fragen sie den Wirt nach Streichhölzern und einem Aschenbecher, so weiß ich, dass sie es sind. Vernichten sie diese Notiz”. Gesagt getan. Schnell drückte ich meinen Zigarettenstummel im Aschenbecher aus und hielt ein Taxi an. Erstmal wollte ich in das Hotel. Eine Dusche tat jetzt nicht schlecht.


Abend, Bar Seja

Wie die Notiz sagte setzte ich mich an die Bar, bestellte den Vodka und fragte den Wirt nach einem Aschenbecher und Streichhölzern.  Wortlos füllte er mein Glas und stellte es hin. Sein Blick war etwas argwöhnisch. Wer in Russland alleine und ohne Anlass trank wurde direkt als Alkoholiker abgestempelt, aber was solls. Um Freunde zu machen war ich ja nicht hier. Kurz nachdem der Wirt mir die Bestellung gab und sich einer Gruppe Gäste am anderen Ende der Theke zuwandte setzte sich ein Mann neben mich. Er streckte sich etwas, wobei er sich kurz zu mir lehnte.”Sehen sie mich nicht an”. Mit dem Ellenbogen schob er mir einen Untersetzer zu.”Ecktisch links. Parole: An des Amurs weißen Strandes”. Seufzend kippte ich meinen Wodka ab und stand auf. Vorsicht war gut, aber nervig.

Am Tisch angekommen baute sich ein Mann vor mir auf. Glatzköpfig in einer dunklen Lederjacke. Mein geschultes Auge sah sofort das Schulterholster unter seiner Jacke mit der sich darin befindlichen Pistole.”Geschlossene Gesellschaft” gab er ruppig von sich. Ich gab die Parole von mir. Der Glatzkopf warf einen kurzen Blick zu der Person am Tisch, diese nickte und er machte Platz. Ich setzte mich.

“Gut, endlich schickt Mischa mal Jemanden der etwas Grips an. Dimitri, nicht wahr?”. Vor mir saß zu meiner Überraschung eine Frau. Vom Gesicht her würde ich sagen eine Asiatin. Recht jung und schön für unser Geschäft. Naja für den Waffenschmuggel. So eine wie sie würde man irgendwo in den Weiten von Mischas Bordellen und Strip Clubs erwarten. Neben ihr saß ein Mann. Auch er trug eine Lederjacke und darunter trug er ein Telnjaschka. Das traditionelle gestreifte Baumwolloberteil der russischen und ukrainischen Marine.”Also. Mein Name ist Mei Bao, das ist mein Partner Anatolij”. Der Mann nickte mir kurz zu.”Also wie läuft das ab?” fragte ich sie, während Anatolij drei Gläser verteilte und den Korken aus einer Flasche Wodka zog.”Ich habe für Mischa Kontakte zu den chinesischen Triaden hergestellt. Sie wollen erstmal sehen wie es läuft, deswegen bekommt ihr erstmal nur eine kleine Ladung mit ein paar Kalaschnikows und ein paar Pistolen. Wenn ihr die ohne Aufsehen verkauft und euren Anteil zahlt dann gibt es mehr” erklärte sie mir. Ziemlich normale Prozedur im Geschäft der Unterwelt.”Und wie machen wir das?” fragte ich weiter.”Der Amur bildet die Grenze zur Volksrepublik China. Wir warten einer Stelle und wir bekommen sie per Boot, verladen sie und bringen sie zu einem kleinen Flugplatz. Mit einer Privatmaschine fliegst du die Waffen zurück nach Petersburg. Keine Sorge wegen dem Zoll”. Anatolij befüllte die Gläser mit dem klaren Schnaps.

“Eigentlich sollte nichts schiefgehen, aber falls doch nehm die”. Möglichst ungesehen übergab sie mir unterm Tisch eine Tokarev, oder eher eine chinesische Kopie. China baute die russische Tokarev  fast 1:1 nach im selben Kaliber, 7,62 x 25 mm. Kurz entfernte ich das Magazin und zog den Schlitten zurück. Alles gut. Ich steckte die Pistole in meinen Hosenbund und verbarg den Griff mit meiner Jacke.”Na dann, auf ein erfolgreiches Geschäft”. Wir alle nahmen die Gläser und erhoben sie.”Nasdorowje”. Wir tranken den klaren Schnaps und verließen dann anschließend auch schon die Bar.
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