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Plan Berlin

von Lenadriel
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Alicia Sierra Berlin / Andrés Der Professor / Sergio Marquina Palermo / Martín Raquel Murillo
04.05.2020
09.05.2020
3
6.473
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04.05.2020 1.129
 
Prolog Teil 1 - Raquel Murillo

Die kleinsten Ereignisse prägen entscheidende Momente in dem Verlauf einer Geschichte. In unserem Fall heißt das folgendes: Subinspector Ángel Rubio, eben erst aus dem Koma erwacht, ruft, noch immer verletzt von den Worten seiner Kollegin Inspectora Murillo, direkt den momentanen Leiter des Überfalls, Coronel Prieto, an und übermittelt ihm die fehlenden Informationen, die entscheidend für die Festnahme des Professors sind. Anstatt eines heldenhaften Abganges, muss Berlin nun die Dinge selbst in die Hand nehmen und dafür einen bereits ad acta gelegten Plan zur Rettung seines kleinen Bruders wiederbeleben.

~-.-~

Und genau dieser Moment war ausschlaggebend für die Wendung, die für uns die Ereignisse änderte. Schweres Poltern an der Tür, als würden sie gleich die komplette Wand einreißen wollen. Die Stimme eines Polizeibeamten, der aufgebracht Einlass forderte, und zwei Personen, die den Plan kannten, in diesem Moment aber alles umschmeißen mussten, was sie die Jahre zuvor geplant hatten. „Polizei! Öffnen Sie sofort diese Tür oder wir treten sie ein!“

„Andres, sie sind hier, sie haben mich. Raus aus dem Tunnel, sofort!“, hörte Raquel den Professor in das Headset rufen, während ihre Arme immer noch gefesselt über ihrem Kopf hingen. Einige Augenblicke zuvor hatte sie sich noch gewünscht den Professor hinter Gittern zu sehen. Doch nun war sie sich dem gar nicht mehr so sicher. Mit gezielten Worten hatte er ihre Überzeugung ins Schwanken bringen können. In der folgenden Sekunde geschahen zwei Dinge. Die Tür brach mit einem lauten Schlag ein und donnerte hernieder. Eine dicke Staubwolke wälzte sich über den Boden. Zur gleichen Zeit zerschlug der Professor das Headset zwischen seiner Hand und dem Tisch. Die Verbindung zu der Gruppe und die Möglichkeit sie über das Signal zu orten war somit zunichte.

„Hände über den Kopf“, schrie der eintretende Polizist, es war Suarez, der gefolgt von sechs Kollegen in den Raum stürmte. „Hände hoch und hinter den Kopf, verdammt!“, brüllte er nahezu und richtete seine Pistole auf den Kopf des Professors, der der Anweisung bereits nachgekommen war. „Haben wir dich du Mistkerl!“, sprach Suarez voller Verachtung. Sein Kollege streckte den Professor nieder, untersuchte ihn nach Waffen und legte ihm dann die Handschellen an, als wäre er der Boss der Mafia höchst persönlich.

Ein weiterer Polizist kam nun zur Inspektora. „Zwei Fliegen mit einer Klappe! Ist nicht so gut gelaufen, was?“, sprach er spöttisch lächelnd. „Nehmt sie auch fest!“, rief Suarez durch den Raum und würdigte sie keines Blickes. Die Enttäuschung ihres Kollegens über ihren Verrat war deutlich zu spüren. „Suarez!“, Raquel versuchte ihn zu beschwichtigen und sich zu erklären. Der andere Kollege riss sie unsanft los. „Halt’ den Mund.“, fuhr er sie an. Suarez‘ funkelte sie ungläubig an und schweifte dann langsam durch den Raum.
„Habt ihr alles durchsucht?“ – „Ja, Signore. Hier ist nichts mehr.“, entgegnete ein Anderer. Raquels Hoffnung, dass jede Sekunde die Serben um die Ecke kamen, um sie zu befreien, war zunichte, als sie grob aus dem Hangar zum Polizeiauto gezerrt wurde. Ihre Handgelenke hatten sich an den scharfen Metallkanten der Handschellen bereits wund gerieben. Bevor sie in das Auto hineingesetzt wurde, um sich später vor dem Coronel verantworten zu müssen, traf sich der Blick des Professors mit ihrem.


Die Plane des Zeltes schlug Raquel ins Gesicht, als sie durch den Eingang geführt wurde. Der Griff der Polizisten hielt sie fest umklammert. Sie betrat den Raum und es wurde schlagartig still. Alle Blicke waren auf sie gerichtet. Die Gedanken einiger Kollegen waren ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben. Verräterin, Schlampe. Aber war sie das? Sie hatte sich in den Anführer der Verbrecherbande verliebt mit dem sie seit 5 Tagen am Telefon verhandelte. Sie hatte mit ihm geschlafen und Pläne über die Zukunft gemacht, verdammt. Ohne dass sie wusste wer er war. Er hatte sie von Anfang an belogen.

„Inspektora?“, Coronel Prieto riss sie aus den Gedanken. Sie kniff die Augen zusammen. „Inspektora, ich bedaure es sehr Sie unter diesen Umständen hier wieder zu sehen.“ Sie verzog ihre Lippen. „Sie haben durch ihren Alleingang Beweismaterial verschwinden lassen und stehen nun unter Verdacht mit den Verbrechern unter einer Decke zu stecken.“, die Anspielung war ihm bewusst, ihre Lage umso ernster. Raquel wurde mit einem Schlag klar was sie mit ihrem persönlichen Rachefeldzug angerichtet hatte.
„Coronel Prieto, ich wusste nichts von alledem! Ich wusste nicht wer er war!“, ihre Stimme war ernst. „Sie wissen schon wie das ganze hier aussieht, oder?“, entgegnete er. Sie schwieg. Natürlich wusste sie das. „Warum waren Sie am Hangar, Raquel? Waren Sie wirklich so naiv und dachten sie würden wie in einem Märchen Hand in Hand mit diesem Verbrecher über das Meer segeln?“, aus seinem Tonfall war Verachtung herauszuhören.
Es war kurz still. „Ich war da um ihn fest zu nehmen…um ihn hinter Gitter zu bringen… aber er hat mich überwältigt und festgebunden.“, erklärte sie mit fester, aber ruhiger Stimme. Der Coronel lachte. „Ach kommen Sie! Sie glauben doch nicht, dass ich Ihnen das abkaufe!“, sprach er abwertend.
Es war Suarez der sie verteidigte. Wie ein Fels stand er mit verschränkten Armen seitlich vor ihr. Ihm war anzumerken, dass er es voller Missachtung ihr gegenüber tat, doch seine Loyalität gebot es ihm: „Es stimmt, Coronel. Sie war mit den Händen über dem Kopf angekettet, als wir sie und den Professor festnahmen.“.

Als er Professor sagte, deutete Suarez in den seitlich, mit durchsichtiger Plane abgetrennten, Nebenraum des Zeltes. Raquel war es zuvor nicht aufgefallen, doch dort saß er mit dem Rücken ihr zugewandt und gefesselt an einen Stuhl. Salva. Der Professor. Sergio Marquina.
Coronel Prieto verfolgte ihren Blick und seufzte abfällig. „Da sitzt er nun…“, sprach er mehr zu sich selbst, als zu den anderen. „…da sitzt der Typ, der uns die ganze Zeit an der Nase herumgeführt hat und der Sie gefragt hat, was Sie anhaben… Sehen Sie ihn sich an, er sieht aus wie ein unauffälliger, anständiger Mann, den man in einer Bar treffen würde.“ Raquel wandte ihren Blick fragend und vorwurfsvoll zugleich dem Coronel zu.
„Verzeihen Sie! So habe ich das nicht gemeint.“, versuchte er sie zu beschwichtigen und er meinte es ehrlich. „Wir werden trotzdem gegen Sie ermitteln müssen, Inspektora.“, sprach Prieto nun in voller Professionalität, während er aufstand. „Nichts desto trotz hoffe ich auf ihre Mithilfe durch eine Aussage in diesem Fall zählen zu können. Das Prozedere kennen Sie ja.“, fügte er hinzu.

Ja, das Prozedere kannte Sie. Sie würde für zwei Tage in Untersuchungshaft kommen, bis die Polizei sich Zeit nahm, ihre Aussagen zu Protokoll zu nehmen und zu überprüfen. Sie würde dann wieder auf freien Fuß kommen. Im Gegensatz zum Professor, der bis zu den Gerichtsverhandlungen in einem halben Jahr im Gefängnis sitzen würde. Auch sie würde als Zeugin erneut Aussagen müssen.

Gegen den Professor, der ihr Leben ruiniert hatte.
Gegen Salva, der Sie belogen hatte.
Und gegen Sergio, der sie liebte.
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