Rippôtai no yogen

von Clavirie
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
Allen Walker Linali Li OC (Own Character) Rabi Yu Kanda
04.05.2020
30.08.2020
7
65.100
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01.07.2020 10.424
 
~ D. Gray-Man ~

"Guzol wird bald sterben... Lasst mich bis dahin bei ihm bleiben."

Zitternd zieht das Mädchen die kalte Luft ein, ehe sie sich an den Brustkorb greift und mit einem herzzerreißenden Blick aufsieht.

"Bitte, ich werde euch auch mein Herz geben, ich verspreche es!"

Trocken schlucke ich, als ich die blanke Verzweiflung und zugleich minimale Hoffnung in ihren großen Iriden sehe, und werfe Allen einen bittenden Blick zu, den er ohne zu Zögern und mit einem unmerklichen Nicken erwidert. Knirschende Schritte sowie ein ungeduldiges Schnauben kündigen Kandas Ankunft an, worauf ich mit einem unguten Gefühl in der Magengegend zu ihm schaue, wie er den schweratmenden Sucher Toma stützt und zielsicher auf uns zukommt. Seine Augen besehen sich eisiger denn je das vor ihm liegende Schauspiel.

Ich spüre das Mädchen leicht zusammenzucken, als er sie ins Visier nimmt. Unruhig beiße ich mir auf der Unterlippe herum. Nicht einmal Kanda würde so herzlos sein und einem hilflosen Mädchen einen letzten Wunsch verweigern, oder? Ich hoffe diesbezüglich kurz auf genügend Menschlichkeit seinerseits, kann aber nur resigniert den Schopf schütteln, als er ungerührt spricht: "Zur Seite, alle beide.", und Toma zu Boden gleiten lässt, um Hand an seinen Schwertgriff zu legen.

Noch ehe jemand etwas anderes sagen kann, schiebt sich der weißhaarige Junge zwischen den mürrischen Schwarzhaarigen und die lebende Puppe.

"Vergiss es.", entgegnet er und reckt provokant das Kinn ein wenig in die Höhe.

Unserem Sucher verdreht es die Augen und ächzend greift er sich an die sicherlich pochende Stirn, als könne er nicht fassen, dass Allen Kanda gegenüber schon wieder zu rebellieren beginnt.

"Bitte?"

Eiskalte Gänsehaut überzieht meinen Rücken, als die Stimme des Größeren samtweich und gleichzeitig so ungemein lauernd durch die Halle schallt. Als Allen ihm ruhig verdeutlicht, dass er ihn schon verstanden hat, wende ich mich zögerlich an das junge Mädchen, welche gefesselt zwischen den beiden hin und her sieht.

"Entschuldige?", frage ich gedämpft und lege ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter, worauf ruckartig ihr Gesicht zu mir herumfährt.

Angst, Entschlossenheit und Verzweiflung liegen in ihrem Blick und innerlich könnte ich das Leben eines Exorzisten einmal mehr verfluchen, immerhin ist es unsere Pflicht, die Innocence zu erbeuten, egal wie... selbst, wenn wir dafür Leben beenden müssten.

"Dürfte ich mir deinen Freund kurz ein wenig anschauen?"

Für eine Sekunde weiten sich ihre Augen, dann verengen sie sich unmerklich und beschwichtigend hebe ich die Hände hoch.

"Keine Sorge.", füge ich hinzu und erhebe mich schon einmal. "Ich werde ihm kein Haar krümmen, ja? Ehrenwort."

Ein widerwilliges Seufzen entkommt ihren Lippen, ehe sie zaghaft nickt und sich ebenfalls aus dem Dreck erhebt, der sich in ihren ellenlangen Locken verfängt.

"Allen?", frage ich und übergehe die Tatsache, dass er mich nicht einmal ansieht, da er anscheinend zu beschäftigt damit ist, seinen Gegenüber in Grund und Boden zu starren. Ganz nach dem Motto: Wer als erstes wegsieht, hat verloren...

"Kann ich mir kurz Timcanpy ausleihen?"

Irritiert heben sich seine Augenbrauen, sich mir zuwenden tut er allerdings immer noch nicht, und schulterzuckend tippt er sich leicht gegen die Brusttasche, aus der immer noch der hübsche Golem herausschaut. Mit einem einzigen Flügelschlag ist er an meiner Seite und ich folge dem Mädchen langsam, als sie sich schnell in die schlaffen Arme des Mannes flüchtet, der sie mit diesen augenblicklich umschließt.

"Es tut mir so leid...", höre ich sie wispern und ihr Weggefährte schüttelt schwach den Kopf, ehe er eine seiner Hände zitternd auf dem ihren ablegt.

Prüfend werfe ich noch einmal einen Blick zu den zwei Streithähnen zurück, die sich zwar immer noch gegenseitig mit bloßen Blicken zu ermorden versuchen, aber anscheinend abwarten, was hier gleich geschieht. Schleifende Schritte ertönen und aus dem Augenwinkel bemerke ich Toma, der sich leise hustend die Kapuze tiefer ins Gesicht zieht.

"Guzol, sagtest du, nicht wahr?", erfrage ich und lasse mich vorsichtig neben den beiden nieder. Zustimmend nickt sie.

"Und du heißt?"

"Lala..."

Schwach schmunzle ich. Na holla, das passt ja wie der Deckel auf den Topf. Eine tanzende und singende Puppe namens Lala...

"Ein außergewöhnlicher Name. Er gefällt mir.", lächle ich und begutachte nun das fahle Antlitz der bereits angeknacksten Maske Guzols, aus deren Aushöhlungen zwei tiefblaue Augen hervorstechen, die bereits glasig und reichlich trüb aussehen.

"Timcanpy, würdest du kurz Licht machen? Am besten direkt vor seinem Gesicht."

Euphorisch über eine neue Aufgabe, die nur er meistern kann, flattert er sogleich herbei und landet auf meiner Hand, die ich langsam auf die Augenhöhe des Mannes hebe, der keinen Muskel rührt.

"Ich möchte nur etwas überprüfen, in Ordnung? Es ist auch schnell vorbei.", beruhige ich, als Lala sich sofort verkrampft und sich heftiger in den schmutzigen Mantel des Größeren klammert.

Hell leuchtet der goldene Golem auf, sodass das Mädchen reflexartig ihre Iriden schließt, und aufmerksam beobachte ich die dunklen Guzols, an denen sich aber nicht einmal die winzigste Regung zeigt.

"Er hat schon einmal keinen Pupillenreflex und Lidschluss mehr...", murmle ich und weise den Golem an, den Schimmer wieder erlischen zu lassen.

"He, Kleine...", erklingt die Stimme Tomas neben uns und wachsam schaue ich auf, als er sich schwerfällig vor ihr niederlässt.

"Hat sich dein Freund in letzter Zeit irgendwie seltsam benommen, oder Veränderungen aufgezeigt?"

Zögerlich sieht sie zu Guzol auf, der just in diesem Moment stark zu husten beginnt und sich reflexartig eine Hand an die Maske hält.

"Naja...", beginnt sie und bekommt sichtbare Gänsehaut, als sie das dünne Rinnsal Blut sieht, das ihm unter der Maskerade hervor sickert.
"Guzol hustet sehr oft und stark... Vor wenigen Tagen sah es so aus, als würde es sich bessern und ihm bald wieder besser gehen, aber nun..."

Tomas kühler Blick wandert einmal an der großen Gestalt Guzols auf und ab, ehe er nachdenklich die Augenbrauen zusammenzieht. Mitfühlend hadere ich mit mir und schiebe vorsichtig den Stoff an seinem weiten Ärmel zurück, um einen Blick auf die marmorierte und zyanotische Haut zu werfen.

"Was ist nun?", hallt Kandas ruhige Stimme zu uns herüber, in der ein mehr als nur deutliches Missfallen mitschwingt.

"Noch etwas, Lala?", frage ich leise und übergehe die Worte des Schwertkämpfers für einen Moment, was diesem sicherlich nicht gefallen dürfte. Die Angesprochene zögert, das sieht man ihr an, doch nach einigen Sekunden nickt sie minimal und flüstert: "Ich bin mir nicht mehr sicher und es kann sein, dass ich es mir eingebildet habe-..."

"Auf meinem Körper säumen sich bereits Flecken des Todes.", unterbricht die gedämpfte Stimme Guzols das Mädchen, welche klingt wie ein brechender Ast im tobenden Sturm.
Leise knirschend nähern sich zweierlei Schritte und als ich über die Schulter sehe, bemerke ich erleichtert, dass Kanda zumindest sein Katana noch einmal zurück in dessen Halterung gesteckt hat.

"Sagt, wie lange gebt ihr mir?"

Allen hockt sich mit milder Miene vor das blonde Mädchen, deren große Augen erwartungsvoll an unseren Lippen hängen. Nun... kein Lidschluss, kein Pupillenreflex und blutiger Auswurf, begleitet von bereits vorhandenen Totenflecken und der Minderversorgung der Haut durch Sauerstoff.

"Darf ich noch erfahren, wie alt Ihr seid?"

Für einen Augenblick leuchten Guzols dunkle Augen hinter der staubigen Maske auf und man könnte meinen, er lächelt kurz erheitert, doch gleich darauf verschwindet das Leuchten wieder und er raunt krächzend: "Alt."

"Eine äußerst präzise Angabe...", schmunzle ich, werde aber sofort wieder ernst und schaue vorsichtig zu Kanda, der seine eisigen Iriden geduldig wie kein zweiter über den Geist Martels schweifen lässt, bevor sie auf mir landen, als hätte er meinen Blick gespürt.

"Einer vielleicht, allerhöchstens zwei..."

"Solange können wir nicht warten. Immerhin-..."

"He.", fährt der weißhaarige Junge ihm ungerührt ins Wort und schenkt Lala ein beruhigendes Lächeln, bei welchem sich ihre Verspannung unmerklich löst.
Yuus vernichtendes Augenpaar ignorierend fügt er hinzu: "Lala? Mich interessiert, wie ihr beide euch kennengelernt habt... Würdest du es uns erklären?"

"Wir haben keine-..."

Wieder wird der schwarzhaarige Grauäugige rüde daran gehindert, weiterzusprechen, indem Allen Timcanpy mit einer einzigen Handbewegung einen simplen Befehl gibt und sein kleiner Golem daraufhin höchst erfreut den mürrischen Kanda ansteuert, der ein gereiztes Zischen von sich gibt, als die kleine Goldkugel ihn mit voller Wucht am Kopf trifft.

"He, Walker, Kanda hat recht, wenn er sagt, dass wir nicht viel Zeit haben.", erklärt unser Sucher mit einem beschwichtigenden Unterton, als fürchte er, auch gleich von Allens Golem anvisiert zu werden.

"Bisher hat noch keines dieser Monster einen Weg hier herunter gefunden...", wispert Lala.

Ein wenig kritisch richte ich meine Aufmerksamkeit auf das kolossale Loch in der Decke über uns, durch welches man uns sehr wohl sehen könnte, würde man von oben herabschauen.

"Da hörst du es.", schnaubt der Blaugrauäugige trocken in die Richtung des Größeren, der missbilligend die Iriden verengt und gleichzeitig raunt: "Tu, was du nicht lassen kannst, Bohnenstange, aber lass dir eins gesagt sein: Sollte der Akuma hier auftauchen und uns die Innocence vor der Nase wegschnappen, wird Mugen das letzte sein, was du jemals sehen wirst."

"Geht klar."

Und anhand des abwertenden Schnaubens Kandas bemerke ich sehr wohl, wie wenig es ihm in den Kram passt, dass sein Kontrahent diese offensichtliche Drohung so locker und nicht wirklich ernst nimmt. Der bedenkt nun die fassungslose Lala mit einem sachten Lächeln, als diese sich haltsuchend wieder in die dreckigen Kleidungsstücke ihres Freundes klammert und dem Jungen einen Blick zuwirft, der sowohl Argwohn als auch Dankbarkeit in einem enthält.

"Ihr... ihr wisst, dass Martel als 'von Gott verlassen und aufgegeben' gilt? Nun... um der Grausamkeit des Winters und der Brutalität der Sonne zu entliehen, erbauten die Bewohner der Stadt unterirdische Behausungen."

"Eine wie diese?", fordert Allen zu wissen und verzieht auf ein verächtliches Zungenschnalzen hinter sich genervt das hübsche Gesicht, ehe er den Kopf herumdreht und ein provokantes Herausstrecken der Zunge preisgibt, auf das ich nur skeptisch eine Augenbraue heben kann.

Will er nun die Geschichte hören, oder sich lieber mit Kanda herumschlagen, der ihm nichtssagend den Rücken zudreht und sich im Schneidersitz niederlässt? Timcanpy flattert verspielt durch die langen Haare des jungen Mannes. Ausdruckslos nickt Lala und übergeht die kurze Ablenkung.

"Ja, dieser Ort hier ist auch so eine... Für lange, lange Zeit haben sie gegraben und dann, Einestages, fanden sie etwas... etwas Heiliges... Trauer, Schmerz und der langsame Verfall der Stadt. Um dieser Qual zu entkommen, und sei es auch nur für einen Augenblick, erschufen sie uns, die Puppen. Uns, die tanzten und sangen. Uns, die weder ein eigenes Denken noch Fühlen besaßen...

Einige Jahrhunderte später fiel die Stadt endgültig und auch, wenn die Leute, die ihre Lieder hören konnten, schon lange verschwunden waren, so lebte eine der Puppen weiter. Irgendwann... da kam ein einsamer, kleiner Junge nach Martel. Er betrat die untergegangene Stadt, als er am Ende seiner Kräfte war und hatte niemanden bei sich, der sich um ihn hätte sorgen können."

Schnell huschen meine Augen zu Guzol hinüber, der in langsamen und hauchzarten Bewegungen mit der schmutzigen Hand über den hellen Lockenkopf seiner Weggefährtin streicht, als wolle er ihr somit mitteilen, dass sie nicht weitersprechen müsse, wenn sie nicht möchte.

Ganz klar, er ist der Junge, von dem sie spricht, aber wie nur haben die beiden eine so feste und innige Bindung zueinander aufgebaut? Als eine reine Puppe hätte sie damals doch nicht einmal den Hauch einer Emotion verspüren können, oder? Das waren soeben ihre Worte, weder Denken noch Fühlen. Die Innocence hat ihr also nicht nur ewiges Leben geschenkt sondern auch die Fähigkeit, nach und nach und eventuell mit etwas Hilfe eines anderen so etwas wie Gefühle aufzubauen. Wer weiß, vielleicht war sie bis zu Guzols Erscheinen auch nur eine leblose Maschine, darauf programmiert, jeden Befehl auszuführen.

"Ich fand ihn damals und eigentlich hätte er bei meinem dortigen Anblick sofort das Weite suchen müssen... Es war nicht das erste Mal, dass sich ein Mensch in die Stadt verirrte und vor ihm hatte es bereits fünf Erwachsene gegeben. Jedem von ihnen sang ich meine Lieder, doch als ich sie fragte, wie sie ihnen gefallen hatten... da griff mich jeder von ihnen an. Ich dachte, der Junge würde genauso sein und wenn er mich nicht akzeptierte, musste ich ihn nur töten, genau wie alle anderen, die vor ihm kamen."

Ehrliche Reue blitzt in Lalas hellen Augen auf und sie mustert ihren Freund schuldbewusst, sodass ich dazu gezwungen bin, den großen Kloß in meinem Hals herunterzuschlucken.

"Als eine Puppe wurde ich von Menschen hergestellt und diese waren auch mein Grund, zu existieren... Und obwohl ich einen höchst verschreckenden Eindruck auf ihn gemacht haben muss, so hat er sich gefreut. Er vergoss Tränen und meinte, dass noch nie zuvor jemand für ihn gesungen habe... Er gab mir meinen Namen, meinem Leben einen besseren Sinn und fortan war er immer an meiner Seite."

Ein erneutes Husten unterbricht sie rüde und besorgt wirbelt ihr Haarschopf zu Guzol herum, der sich zitternd die Hand vor die Maske hält, unter der sich höchstwahrscheinlich schon eine beachtliche Menge Blut angesammelt haben muss.

"Guzol, bitte, kann ich nicht irgendetwas für dich tun...?", fragt sie den Tränen nahe und legt ihm vorsichtig, als könne er zerbrechen, ihre kleine Hand an das staubige Holz der Maskerade.

Schwer schluckend sehe ich kurz zu Boden. Mag sein, dass dieses Szenario einerseits rührend und herzergreifend ist, doch andererseits auch genauso trostlos und steinerweichend. Egal, ob wir die Innocence nun an uns nehmen oder nicht, Guzol wird trotz dessen sterben und Lala wieder vollkommen allein sein. Warum hat Gott die Welt nur so grausam geschaffen?

"Du tust schon genug, indem du bei mir bleibst... bis zum Ende und dann, wenn ich sterbe, lass mich dich mit meinen eigenen Händen anhalten..."

"Anhalten...?", echot unser Sucher gedämpft, sodass die beiden ihn unmöglich hören können.

Das Herz wird mir schwer. Guzol würde ihr Leben beenden, sobald das Seine vergeht, um sie nicht alleine zu lassen. Unter anderen Umständen könnte man es egomanisch schimpfen, und ich weiß nicht, ob ich genauso handeln würde, wäre ich an seiner Stelle und müsse mir vorstellen, wie meinen mir liebsten Menschen nur qualvolle Einsamkeit erwartet, die ihnen schon alsbald den Verstand rauben könnte...

Scheinbar würde ich darum bitten, dass mein Gegenüber nicht trauern, sondern sein Leben leben solle, auf dass er endlich glücklich wird. In Lalas Fall ist es allerdings ganz anders. Sie wird genauso sterben wie er und wie kann man sagen, ob sie jemals über den Verlust Guzols hinweg kommen würde, wäre ersterem nicht so? Ein ehrliches Lächeln legt sich auf die vollen Lippen Lalas und anhänglich vergräbt sie ihren Kopf in seiner Halskuhle, während sie verspricht: "Das werde ich, Guzol.", und entspannt die Augen schließt.

Ein trauriges Lächeln schleicht sich auf meine Züge. Unmöglich können wir die beiden trennen, bevor sich nicht Lalas Wunsch erfüllt hat, oder? Sie möchte ja nur den letzten Atemzug desjenigen erleben, der sie als einziger je akzeptiert und geliebt hat. Allens Blick haftet an den beiden, ehe er leicht zusammenzuckt, als Toma gedämpft seufzt und sich langsam auf die leicht zitternden Beine erhebt.

"Er wird sich nicht mehr lange bewegen können."

Sorgenvoll beäuge ich seine Bewegungen und lege den Kopf schief.

"Toma? Benötigst du-..."

"Nein, danke.", unterbricht er mich kopfschüttelnd und unter seinen dreckigen Mullbinden, die den unteren Teil seines Gesichts verschleiern, zeichnet sich ein schmales Lächeln ab.

"Es sind nur ein paar Kratzer."

Unzureichend überzeugt wandert mein Blick zu Kanda weiter, der allerdings nur, ohne über die Schulter zu sehen, raunt: "Vergiss es."
Innerlich schnaube ich. Mensch, diese Kerle gehen viel zu leichtfertig mit ihrer eigenen Gesundheit um. Immer höre ich dieselbe Antwort, dass sie nur ein paar Kratzer hätten... Kratzer, die sich quer und erschreckend tief über den gesamten Brustkorb erstrecken. Allen, der meinem Blick zu Sucher und Schwertkämpfer gefolgt ist, hebt irritiert eine Augenbraue, ehe er aber nur mit den Schultern zuckt und mir zulächelt.

"Lass Kanda, dann stirbt der halt an seinen Wunden."

Ohne, dass ich es möchte, entkommt mir ein leichtes Glucksen und kopfschüttelnd gebe ich nach. Der dunkelhaarige Kämpfer rappelt sich leise hustend auf und verharrt kurz in seiner Bewegung, bevor er sich verspannt und die feingliedrige Hand mit einem Mal wieder zu Mugen gleiten lässt, an der er verweilt, als Allen erkennt, was er vorhat und fassungslos aufschreit.

"Lass dein blödes Schwert stecken! Du hast gesagt, ich soll tun, was ich nicht lassen kann. Du hast auf meine Verantwortung hin zugestimmt-..."

"Dass wir uns diese erbärmliche Geschichte anhören, genau."

Binnen Sekunden bin ich auf den Beinen und zucke mit der Hand in Richtung Allen, dessen Augen seinen Gegenüber am liebsten sofort umbringen würde. Schluckend verspanne ich mich. Wenn ich es recht bedenke, hat Kanda wirklich nicht zugestimmt, dem Mädchen ihren Herzenswunsch zu erfüllen, sondern sich nur dazu bereit erklärt, solange abzuwarten, bis sie ihre Geschichte erzählt hat.
Tomas Iriden schweifen kurz zwischen allen Anwesenden hin und her, bevor er abermals seufzt und sich, wenn auch ein wenig unwillig, an Kandas Seite begibt, der einen brummenden Laut von sich gibt, den man eventuell mit grimmiger Genugtuung hätte gleichsetzen können. Des Weißhaarigen Miene verschließt sich und nicht einmal der seltsam empörte Timcanpy lässt ihn mit der Wimper zucken, geschweige denn etwas freundlicher dreinschauen.

"Ich sagte nein."

Yuus Hand wandert zu seiner eigenen Uniform und dem aus reinem Silber bestehendem Wappen des Ordens, das auf der Vorderseite eingearbeitet wurde.

"Diese Mäntel sind nicht nur ein Kleidungsstück für einen alten Mann... Es sind die Uniformen der Exorzisten und solche Opfer unausweichlich."

Festen Schrittes setzt der ältere Schwertkämpfer sich in Bewegung und verharrt erneut, als er mit Allen gleich auf ist, der ausdruckslos den Blick gen Boden gerichtet hat und die Hände zu verkrampften Fäusten ballt.

"Komm gefälligst damit klar, Neuling."

"Bitte!", begehrt Lala auf, die selbstverständlich jedes seiner Worte mitgehört hat, und ringt mit den zierlichen Händen.

"Bitte nehmt es nicht...!"

In einer blitzschnellen Bewegung zieht Kanda sein Katana und hält es ihr drohend vor die Nasenspitze, die sie sofort zurückzieht und wieder in Guzols Kleidung vergräbt. Ihr großer Gefährte selbst legt lediglich den Kopf schief und drückt das Mädchen näher an sich, während er aufschaut, um Kanda direkt in die Augen zu sehen.

"Stopp. Wenn es schon so sein soll, dann werde ich es tun."

Entgeistert weiten sich meine Augen und von der Seite her bemerke ich, dass es dem sonst so beherrschten Schwertkämpfer genauso ergeht, als er Allens Stimme mit einem Mal so entschlossen und kaltherzig vernimmt. Wollte er nicht die ganze Zeit...?

Noch ehe ich weiter darüber nachdenken kann, lässt er eine weitere Bombe platzen, indem er ergänzt: "Wenn ich mich für sie opfere, wird dich das dann zufrieden stellen?"

Verschwunden ist der Allen Walker mit dem heiteren und sonnigen Gemüt, den wir bis dahin gekannt haben und an seiner Stelle steht ein ernsthafter junger Mann, das Gesicht genauso kühl wie seine Stimme.

"Die beiden wollen nur bis zu ihrem Ende zusammenleben und vor diesem werde ich die Innocence nicht an mich nehmen. Aber wenn ich den Akuma vernichte, gibt es kein Problem, oder?"

"Vergiss es!", fahre ich ihm empört ins Wort und bin dazu geneigt, ihm ordentlich den Kopf zu waschen.

Er allein gegen diesen heimtückischen und zugegebenermaßen sehr starken Akuma? Bei allem Respekt dem jungen Mann gegenüber... aber Allen würde das nie und nimmer überleben. Vielleicht haben seine Innocence und er selbst gehörig etwas auf den Kasten, aber wir haben bereits die letzten beiden Konfrontationen mit Pierrot nur haarknapp überstanden... Und nun so? Mich völlig übergehend lässt er seinen stahlharten Blick nicht von Kanda ab, der diesen bühnenreif erwidert und keinen Mucks oder eine Reaktion von sich gibt, anhand der man sagen könnte, was in ihm vorgeht.

"Es ist armselig, zu kämpfen, wenn es niemandem nützt."

Noch bevor Allen die restliche Luft ausstoßen kann, schnellt des Schwarzhaarigen Faust hervor und gleichzeitig hallt ein unappetitliches Knacksen durch die Halle. Zentimeter vor dem unbeweglichen Antlitz des Jüngeren stoppen die weiß angelaufenen Knöchel Kandas und verkrampft festige ich meinen hastigen Griff um sein Handgelenk, das ich in letzter Sekunde noch packen konnte.

"Hört endlich damit auf!", mahne ich die beiden und höre das Zittern aus meiner Stimme deutlich heraus. Toma erscheint schnell an unserer Seite, als der Schwertkämpfer mir seine Faust entreißt und sich zischend und zähneknirschend die betroffene Schulter hält, von der dieses lauthalse Knacken ausgegangen ist.

"Du bist so gottverdammt naiv.", schimpft er und entreißt sich auch Tomas helfendem Griff.

Allens angespannter Kiefer lockert sich unmerklich, als der Größere wieder Abstand von ihm nimmt, und leise seufzend senkt er den Kopf ein wenig ab.
"Du willst dich für sie opfern, weil sie dein Mitleid erwecken? Hast du Winzling eigentlich überhaupt einen Grund, zu leben?"

"Schluss jetzt, das hat nichts miteinander zu tun.", mische ich mich ein und setze einen halben Schritt auf den Schwarzhaarigen zu, der aber nicht auf mich eingeht.

In einer anderen Situationen würde ich nun sicherlich mit den Augen rollen. Übergeht mich jetzt nun jeder? Ein gedämpftes Schnauben seitens des Weißhaarigen lässt sowohl den Sucher als auch den immer noch gereizten Schwertkämpfer zu ihm aufsehen. Wissbegierig und gleichzeitig in höchster Alarmbereitschaft auf das, was gleich kommen mag, wende auch ich mich wieder Allen zu, der geistesabwesend seinem getreuen Golem über den Kopf fährt.

"Alles, was mir einst wichtig war, habe ich vor langer Zeit verloren. Nicht einmal für den Beruf als Exorzist habe ich einen richtigen Grund, außer dem, dass mir jemand oder etwas leid tut.", spricht er und ballt seine freie Hand zur Faust.

Kurz erwidert er den eisigen Blick Kandas hart und unnachgiebig, dann mildern sich seine Züge aber wieder und schlussendlich ergänzt er: "Ich möchte keinen von ihnen leiden sehen, das ist alles."

"Was du möchtest, ist-..."

"Nicht von Belang, ich weiß. Ich selbst bin bedeutungslos.", unterbricht er Yuus rüden Zwischenruf und wirft einen zögerlichen Seitenblick auf Lala und Guzol, welche dem Szenario soeben mucksmäuschenstill und aufmerksam folgen in der Hoffnung, ihren Wunsch doch noch erfüllt zu bekommen.

"Daher bin ich in meinem Herzen auch bei den Menschen, die mir am nächsten sind und nicht bei großen Weltereignissen."

Energisch fährt sein kindliches Gesicht wieder zu Yuu herum, der nur eine zuckende Augenbraue hebt, und gestikuliert wild mit den Händen, weshalb Timcanpy es ihm aufbrausend gleichtut und hastig durch die Luft surrt.

"Verstehst du denn nicht? Ich kann sie nicht zurücklassen! Wenn ich sie also beschützen kann, dann tue ich das auch."

Für einen Augenblick scheint die Zeit stillzustehen und unmerklich weiten sich die sturmgrauen Iriden des jungen Mannes, während sich der komplette Körper unseres Suchers verspannt.
Im nächsten Moment durchdringt ein heller Schrei die Ruhe.
Allen wirbelt um seine Achse und kann gerade noch beobachten, wie der großgewachsene Körper Guzols sich schützend und heftig hustend hinter seiner kleinen Gefährtin positioniert hat, deren Antlitz die blanke Angst wiederspiegelt.

"G-Guzol...?", ist das letzte, was sie von sich gibt, als die beiden mit einem Mal wie von Zauberhand von uns weggerissen werden.

Erschütterungen lassen den Boden erzittern und als Unmengen von Dreck aufwirbeln, die uns die Sicht auf Lala und Guzol verweigern, erklingt ein krächzendes und triumphales Gackern in unser aller Ohren, bei dem es mir kalt den Rücken herunter krabbelt.

"Er ist es.", ruft Toma aus und fährt mit seinem Kopf herum, um die Quelle dieses grässlichen Lachens entdecken zu können.

"Vor dem Eingangsportal.", hustet der Weißhaarige und deutet in die Ferne, wo sich der lauthals lachende Akuma Pierrot leichtfüßig aus dem bröckeligen Stein erhebt.

Entgeistert schnappe ich nach Sauerstoff, als er höhnend mit seiner Hand wedelt, in der sich ein kleines, leuchtend grünes Splitterfragment befindet und er einem Singsang gleich ausruft: "Ich habe sie, die Innocence ist mein!"

Adrenalin durchflutet mein Blut, besonders dann, als er seine andere Hand hebt, mit er zwei unverkennbare Gestalten am Schlafittchen gepackt hat und diese herzlos zu Boden stürzen lässt, auf dem sie regungslos liegenbleiben.

"Nein... Lala...!", entkommt es Allen, als einzig und allein Guzol heftig zu zittern beginnt und kraftlos seinen dürren Arm nach der Puppe zu seiner Seite ausstreckt.

Ein fuchsteufelswildes Zischen dringt Kanda über die Lippen, als Pierrot sich über den derzeitigen Verlauf der Situation erheitert und spielerisch die kostbare Innocence in seinen groben Klauen hin und her wirft.

Toma knirscht: "Dieser verdammte-...", stockt allerdings, als unser jüngster Kamerad sich mit blanker Miene an ihm vorbeischiebt und nicht einmal innehält, als das zerkratzte Antlitz Kandas ihm bohrend und verspannt hinterher schaut.

"Willst du dich ihm gleich auf dem Präsentierteller servieren...?", schnaubt er und versucht mit zitternden Beinen aufzustehen, nachdem das Beben ihn unsanft zu Boden befördert hat.

Flink bin ich an seiner Seite und drücke ihn harsch zurück auf die Erde. Noch während er ruckartig seinen langen Haarschopf zu mir herumreißt, um mich zusammenzustauchen, schüttle ich meinen und deute wachsam auf den hellhaarigen Exorzisten, der wenige Meter vor uns stoppt und schweratmend seine Anti-Akuma-Waffe aktiviert.

"Warte kurz...", flüstere ich und schlucke trocken, als ein unheimlicher, violetter Schimmer von seiner sonst in einem angenehmen Grün glühenden Waffe ausgeht.

"Was ist dein Problem, Winzling?", empört sich der Akuma und schließt provokant seine Pranke um die Innocence.

"Gib sie zurück...", raunt er gedämpft, während er drohend seine Waffe hebt und sie dem Biest entgegenhält.

"Gib die Innocence zurück."
Allens Waffe pulsiert mit jedem seiner Worte stärker und ein unmerkliches Zittern geht von ihr aus, das keinem von uns anderen verborgen bleibt.

"Was passiert da mit Walkers Waffe?", ergreift Toma leise das Wort und schirmt mit seiner Hand die Augen ab, als die Anti-Akuma-Waffe eine kleine Druckwelle von sich gibt, die sich rasch in einen tosenden Sturm wandelt.

"Erneuert er sie?"

Milde überrascht beäuge ich Kanda, der seinen Blick zwar nicht vom Kampfgeschehen nimmt, jedoch unverkennbar mich damit angesprochen hat. Zögerlich nicke ich.

"Der parasitäre Typ kann von den jeweiligen Emotionen und Entscheidungen seines Exorzisten kontrolliert werden. Allens Innocence... reagiert soeben auf seinen Zorn und die negative Energie, die von ihm ausgeht, verändert das Wesen seiner Waffe."

Besagter Exorzist stößt sich unverhofft vom Erdboden ab, als seine Waffe für einen Moment in der gewohnten grünen Farbe aufleuchtet, und neben mir bellt Kanda erbost: "Du Trottel! Deine Waffe ist noch nicht vollständig ausgebildet!", stockt gleich darauf jedoch erneut.

Die mannsgroße Klaue des Jungen leuchtet einmal grell auf, bevor sie eine blitzschnelle Energiesphäre schießt, die der mit einem Mal gar nicht mehr so vorlaute Akuma in letzter Sekunde mit seiner freien Hand abblocken kann.

"Eine... Kanone?"

Tosender Lärm erklingt, als Allens Waffe mehrere Schüsse gleichzeitig abfeuert, die allesamt zielsicher auf Pierrot einschlagen müssten, auch, wenn wir es durch den ganzen Dreck nicht sehen können. Allein des Akumas Schmerzensschrei ist nicht nur Antwort genug sondern zusätzlich wahre Musik in den Ohren. Abrupt endet die leuchtende Salve an Schüssen und keuchend landet der junge Mann auf seinen Füßen, inmitten der unzähligen Krater, die seine Attacken verursacht haben.

"Ach, du heilige...!", schlucke ich trocken, als man sowohl die leblose Lala als auch den wohl ohnmächtigen Guzol entdecken kann, die gottseidank nicht von seinen Angriffen getroffen wurden. Wenn auch nur haarscharf...
Von Pierrot ist nichts zu sehen und erst, als Allen schnaubend seinen Schopf herumwirft und etwas auf dem Boden fixiert, verspanne ich mich abermals.

"Damit kannst du mich nicht erwischen!", johlt eine Stimme aus den Tiefen des Bodens.

"Wird es brenzlig, werde ich einfach zu Sand!"

Ehe man sich versieht, fährt die kopierte Anti-Akuma-Waffe Allens aus dem Boden heraus und richtet sich zu voller Größe auf, bevor sie flink nach ihm greift, das Objekt ihrer Begierde aber nicht erreichen kann.

"Ich fasse es nicht...", raunt Toma und stützt sich mit einer Hand an der Erde ab.
"Ist Walker dem Viech wirklich gewachsen?"

"Nein.", ächze ich und mustere mit Entsetzen, wie die Klaue Allen lediglich von seinem eigentlichen Problem ablenken soll, das sich in Form eines gigantischen Sandmonsters leise rieselnd aus dem Geröll erhebt.

"Lass dich bloß nicht ablenken!", rufe ich nervös und hoffe inständig, dass der Weißhaarige noch rechtzeitig reagieren mag, doch als meine Worte den jungen Mann erreichen, schließt sich schon eine grobe Sandpranke um seinen Körper, die ihn flugs wie der Wind in das Innere des Koloss zerrt.

"Hab dich!", donnert Pierrots schrille Stimme und im Gesicht des großen Ungeheuers bildet sich ein groteskes Grinsen.

"Es reicht!", zischt Kanda und stemmt sich kurzerhand in die Höhe, wo er ungesund schwankt.

"Wenn dieser Naivling sich umbringen lässt, habe ich nur haufenweise Papierkram zu erledigen, also setze ich diesem Theater hier ein-... Argh!"

Meine Gedanken rattern, als Kanda sich schmerzlich ächzend wieder zu Erde fallenlässt, bevor er überhaupt seinen Satz beenden kann. Wenn man bedenkt, dass Pierrot in dieser Gestalt einfach alles und jeden in sich aufnehmen und dort drinnen quasi ersticken lassen kann, wäre es mehr als nur dumm, in den Nahkampf gehen zu wollen. Kanda und ich sind also raus aus dem Plan, doch der einzige Fernkämpfer, den wir derzeit besitzen, ist nun einmal nur Allen und der wiederum hat sicherlich keinerlei Bewegungsfreiheit dort drinnen, weshalb er nicht einmal schießen könnte...

"Toma?", wende ich mich hastig an den Sucher und aktivere gleichzeitig meine Innocence.

"Hast du zufälligerweise deinen Generator noch im Gepäck?"

Innerlich bete ich dafür. Sollte dem so sein, könnten wir Pierrot, wenn auch nur für wenige Augenblicke, unschädlich machen. Kanda müsste sich anschließend nur noch dazu bereit erklären, sich einigermaßen heilen zu lassen, um genügend Kraft für einen Angriff mit Mugen zu verfügen. Eine seiner Schwerttechniken bezieht sich ja in gewisser Weise auf den Fernkampf...
Als der Sucher aber nur schwach den Kopf schüttelt, streiche ich den ersten Teil des Plans wieder. Bei Gott, wie könnte man einen wahnsinnigen Akuma denn noch für einige Augenblicke Schmachmatt setzen, oder zumindest-...

"Healthing Curse.", murmle ich und beginne ungefragt damit, Kandas viele Wunden zu heilen, deren Blutung binnen Sekunden stoppt.

Genannter will energisch seinen Arm von mir reißen, unterlässt es aber, als ich ernst meine: "Hör zu, das muss jetzt sein. Sag Bescheid, wenn du glaubst, genügend Kraft für einen Angriff zu haben."

"Wie stellst du dir vor, sollen wir ihn ablenken, hm?!", raunzt er und verzieht missbilligend seine Gesichtszüge, versucht jedoch nicht mehr, sich fortzureißen.

Tomas Stimme senkt sich und ein Hauch Ratlosigkeit gepaart mit trockenem Humor zeichnet sich in seinen dunklen Augen ab, während er raunt: "Da wird einer von uns wohl den Lockvogel spielen müssen."

"Wie viele Stiche braucht es wohl, um dich zu töten, eh?", höhnt des Akuma schrille Stimme, ehe er mit seiner wuchtigen Klaue ausholt und sie sich anschließend mit aller Macht in den sandigen Bauch stößt, in dem er den jungen Exorzisten gefangen hält.

Unser Sucher zieht scharf die Luft ein, doch Yuu schüttelt nur schnaubend den Kopf und meint heiser: "Beruhigt euch, noch kann ich seine Präsenz spüren. Den Wicht bekommt man wohl schlechter klein als Kaker-...", allerdings erneut innehält, als Pierrot ein markerschütterndes Kreischen von sich gibt, bei dem ich für eine Sekunde gewillt bin, meine Hände von Kanda wegzunehmen und sie mir stattdessen auf die Ohren zu pressen.

Der Akuma wirft sich jaulend herum und beinahe sieht es so aus, als würde sein sandiger Bauch aufquellen, doch schon in der nächsten Sekunde zerfetzt ihn etwas von innen heraus, sodass der düstere Dreck in alle Richtungen geschleudert wird.

"Er ist wirklich schlechter kleinzukriegen als eine verdammte Kakerlake...", raunt Toma und bestätigt somit Kandas eben angefangene und unterbrochene Worte, als inmitten des Sandes Allen höchstpersönlich hervorspringt und mit seinem verfluchten Auge seinen Kontrahenten fixiert.

"Er hat von innen heraus geschossen.", knurrt Yuu und reißt sich nun doch von mir los, macht allerdings keinerlei Anstalten, Allen nun zur Hilfe zu kommen.

Ein erleichtertes Lächeln zeichnet sich auf meinen Lippen ab, als ich mich erschöpft zurückfallen lasse und es mir nicht verkneifen kann, zu sagen: "Eigentlich habe ich Pierrot als intelligent genug eingeschätzt, so eine Aktion kommen zu sehen. Erstaunlich, dass Allen der Angriff gelungen ist."

Der genannte Exorzist schießt eine letzte Salve auf den wankenden Riesen, bevor er seine Waffe erneut umwandelt und sie somit in eine rasiermesserscharfe Klinge umfunktioniert, die Mugen sicherlich locker unter sich begraben würde.

"Was soll das? Jetzt ist es ein Schwert..."

"Die Innocence dient doch als Verbindungsstück zwischen Körper und Geist.", scheltet Kanda den Sucher, den ich in all meinen Jahren als Exorzistin selten so überrascht erlebt habe.
Aber gut, wer kann es ihm in diesem Moment groß verübeln?

"Einzig und allein sein Geist erlaubt es ihm, seine Waffe nach seinem Willen zu formen."

Ein zorniger Aufschrei Allens lässt den Schwarzhaarigen wieder aufhorchen und als der junge Verfluchte es vollbringt, dem kolossalen Sandmonster entlang der Medianebene einen energischen Hieb zu versetzen, blitzt leichter Missmut in Yuus Iriden auf. Völlig irritiert und erleichtert gleichzeitig, dass der Weißhaarige hervorragend mit seinem Gegner zurechtzukommen scheint, erheitere ich mich beinahe ein wenig über Kandas Reaktion, der den Jüngeren wohl bereits im hölzernen Sarg gesehen hat.
Keuchend landet Allen nur wenige Meter vor uns auf dem Boden und stützt sich leicht auf seiner modifizierten Waffe ab, während er seinen Blick hebt, um das Resultat seines Angriffes beobachten zu können.

"Du...!", erklingt des Akuma heisere und deutlich nervöse, wenn nicht gar panische Stimme aus dem Inneren des Monsters.

Für einen Moment sieht es so aus, als hätte der Exorzist ihm keinen einzigen Kratzer zugefügt, doch dann ziehen sich feine Risse durch den dunklen Sand und die schützende Hülle Pierrots rieselt widerstandslos gen Erde zurück. Fassungslos kreischt er auf, als er hastig an sich herabsieht und lediglich seinen deformierten Körper erkennt, der an allen Ecken unmerklich zittert.

"Er bekommt langsam Angst.", murmle ich gedämpft und rapple mich schnell auf, als das Biest sich hektisch nach einer neuen Alternative umsieht, um sich verwandeln zu können.

Der schwarzhaarige Schwertkämpfer ist jedoch noch flinker als ich und rennt bereits mit einer unnormalen Geschwindigkeit an dem Weißhaarigen vorbei und holt mit Mugen aus, während er eisig zischt: "Noch einmal nicht, du kleine Ratte."

"Gib bloß auf seine Waffe acht.", rufe ich und drängle mich ebenso an Allen vorbei, ehe ich versuche, Kanda zur Hilfe zu kommen und mich reflexartig unter einem fuchsteufelswilden Hieb des wütenden Akuma weg ducke.

"Haut ab!", schrillt das grässliche Antlitz Pierrots, als er nur haarscharf einem tödlichen Schwerthieb Yuus ausweichen kann, der schnaubend die geballte Kraft seiner Innocence aktiviert.

"Bote des Leides..."

"Ich sagte: Haut ab!", donnert unser Feind und drückt sich mit seiner kopierten Anti-Akuma-Waffe vom Boden ab, sodass der eigentlich sonst so treffsichere Angriff des Grauäugigen ihn knapp verfehlt.

Das 'Gods Judgment' aktivierend packe ich in letzter Sekunde nach dem eiskalten Arm des Level Zweiers und versuche ihn daran zu hindern, sich außer Reichweite zu begeben. Innerlich atme ich auf, als nicht ich sondern er durch den bloßen Hautkontakt schmerzlich aufschreit und sich schrill kreischend zu befreien versucht. Stirnrunzelnd beobachte ich ihn. Scheinbar benötigen die höher entwickelten Stufen der Akuma mehrere Berührungen mit Gottes Urteil, denn trotz seiner Wehklage sehe ich nichts davon, dass er sich aufzulösen beginnt.

"Halt ihn gut fest, Mavis, und versuche, kurz stillzuhalten!"

Irritiert zuckt meine Augenbraue in die Höhe. Was denn nun? Eins von beiden, mehr bringe ich derzeit wirklich nicht zustande, so energisch, wie der Akuma an mir herumreißt. Ich bin ja schon heilfroh, dass er in diesem Moment der ihn überrollenden Panik nicht an seine Schusswaffe denkt, mit der er uns flink loswerden könnte. Als der großgewachsene Akuma jedoch mit einem Mal erstarrt und ich alarmiert nach dem Grund dafür schaue, legt sich ein freudiges Lächeln auf meine Lippen.

Yuu Kanda, dessen Schwertspitze gefährlich nah an der bebenden Kehle Pierrots verharrt, knirscht unwillig mit den Zähnen und seine sturmgrauen Augen fokussieren einen Punkt hinter mir, ehe er drohend ruhig spricht: "Ich verspreche dir, solltest du Volltrottel auch nur einen winzigen Zentimeter verfehlen, dann reiße ich dir die Haut von den mickrigen Knochen."

Trocken schlucke ich und zweifle nicht daran, dass er diese Drohung bitterernst meint, als der Angesprochene aus dem Hintergrund aber nur einen unglaubwürdigen Laut von sich gibt.

"Kopf runter, Shrimp."

Ohne zu zögern, tue ich das, was er von mir verlangt und festige gleichzeitig meinen Griff um den Akuma, als im nächsten Augenblick auch schon ein gleißendes Licht über mein Haupt hinwegfegt. Ein unterdrücktes, wüstes Fluchen erklingt und noch in ein und demselben Augenblick, weiß ich auch, warum.
Hustend und krächzend kann ich mich gerade noch am Boden abfangen und abrollen, als eine Druckwelle uns voneinander fortreißt.

Der donnernde Lärm der herab prasselnden Salven verklingt keineswegs und als ich aufsehe, macht Allen immer noch keine Anstalten, seine Attacke auf den verzweifelten Pierrot einzustellen, der unter den vielen Schüssen fast einzuknicken droht. Hastig suchen meine Augen den Krater ab, immerhin wurde Yuu genauso erwischt wie auch ich, und stelle beruhigt fest, dass sich am Ende der hohen Halle eine schmale Gestalt schwankend aufrichtet.

"Verflucht, was soll das?!", erbost sich Pierrot und hält nun auch seine andere Pranke gegen den Ansturm an Geschossen.

"Es ist doch seine eigene Hand! Warum-... Warum verliere ich?!"

Mich am Rande des Kampfgeschehens flugs zu Toma aufmachend behalte ich den Gegner des Weißhaarigen im Blick, der anscheinend endlich an seine Grenzen stößt und ihm nicht mehr gewachsen scheint. Auch, wenn die Waffe die gleiche bleibt, ihr Träger ist ein anderer und Allen besitzt offensichtlich einiges mehr an Stärke als das Monster selbst. Und nur der wahre Besitzer der Innocence, ein waschechter Exorzist, ist in der Lage dazu, sie richtig einzu-...

"Allen!", entfährt es mir schockiert, als er unverhofft zusammensackt und zitternd in die Knie geht, während sich seine Anti-Akuma-Waffe wieder zu seiner verfluchten Hand zurück verwandelt.

"Schon gut.", ruft er und hebt abwehrend die gesunde Hand in die Höhe, als befürchte er, ich würde mich sofort zu ihm gesellen. "Ich... habe sie lediglich überstrapaziert."

Und trotz seiner beschwichtigenden Worte schlage ich einen scharfen Haken und eile nun an seine Seite statt an die Tomas, der sich inzwischen um den bewusstlosen Guzol kümmert.

"Du bist aber auch unmöglich.", murmle ich gedämpft und mustere seine zerkratzte Hand, deren schimmernder Kristall einen haarfeinen Riss aufweist.

Das ist nicht gut... Sollte seine Waffe weitere Schäden davontragen, hätte er sie schon alsbald nicht mehr unter Kontrolle. Bei Gott, sie könnte ihm unwillentlich den halben Arm zerfetzen... Grübelnd sehe ich zu Pierrot auf, der den Weißhaarigen für einen Moment apathisch beäugt, sogleich aber schallend auflacht und mit seiner großen Klauenhand hämisch auf ihn deutet.

"Nun sitzt du dort wie ein Häufchen Elend!", erheitert er sich und springt im nächsten Augenblick blitzschnell auf, um sich schnellen Schrittes auf uns zuzubewegen. Alarmiert aktiviere ich das 'Fairy Law' und bete darum, dass er nicht auf die Idee kommt, einen Fernangriff auszuführen, sondern gleich alles auf eine Karte zu setzen, jetzt, da sein Kontrahent ohnehin schon am Boden kniet.

"Friss das!"

Der Blaugrauäugige neben mir zieht scharf die Luft ein, als sein Gegenüber bereits den kopierten Arm ausstreckt, um ihm einen tödlichen Hieb zu versetzen, dabei jedoch nicht einmal auf leuchtende Pentagramm achtet, das sich quer über den weiten Krater erstreckt und gleich darauf wieder zerspringt. Ein schmales Lächeln schleicht sich auf mein Antlitz, gefriert aber sogleich, als die glänzende Klaue nicht auf Haut sondern auf geballten Stahl trifft.

Ein unmerkliches Glühen erhellt die winzige Lücke zwischen den beiden Kämpfenden, welches augenblicklich auf den Akuma überwandert, der erst dann realisiert, was hier geschieht, als nun die Kraft meiner Innocence ihn wenige Meter von uns reißt.

"Was soll das...?!", kreischt er angeschlagen und zuckt beinahe schon bemitleidenswert unter den hellen Lichtblitzen zusammen, die seinen deformierten Körper durchfahren.

Kanda, der sich knapp vor ab vor den Weißhaarigen geworfen und mit seinem scharfen Katana den Hieb abgewehrt hat, schnaubt angewidert und mustert sein Gegenüber höchst verachtend.

"Bist du denn des Wahnsinns? Was wäre, hätte ich das Fairy Law nicht aktiviert? In deiner Verfassung  hätte er dich locker zurückdrängen und verletzen können...!", entfährt es mir erschrocken, als ich das dünne Rinnsal Blut sehe, das ihm die Schläfe hinabrinnt.

Doch statt mir zuzuhören, fährt er mit seinem Kopf nur zornig zu uns herum und raunt: "Du feige Ratte.", was sowohl Allen als auch mich hellhörig stocken lässt. Perplex ziehen sich meine Augenbrauen zusammen und ich frage mich kurz, was einer von uns beiden denn nun schon wieder Schlimmes verbrochen hat, erhalte aber die Antwort schneller, als mir vielleicht lieb ist.

"Vor einem verachtenswerten Wurm wie diesem hast du nicht niederzukauern, Bohnenstange, denn so erledigst du dieses Viech nie. Warst es nicht du, der sagte, er wolle die beiden beschützen?"

Schluckend schaut Allen zu ihm auf und begegnet seinem stahlharten Blick, ehe er zögerlich nickt und sich mehr als nur umständlich aufrappelt, um wieder aufrecht an unser beider Seite zu stehen.
"Lass dir noch gesagt sein...", fährt Kanda fort und richtet seine Aufmerksamkeit wieder auf den jaulenden Akuma, dessen Folter durch das Fairy Law nun allmählich nachlässt, sodass er sich schweratmend vom Boden abdrückt.

"Ich hasse solche naiven Volltrottel wie dich... aber Leute, die ihre Versprechen nicht einhalten, verabscheue ich nur noch mehr."

"Du hasst mich doch so oder so, oder?", erwidert der Jüngere und legt ein schiefes, leicht bitteres Lächeln auf seine Züge, das Yuu sicherlich zur Weißglut treiben würde, könnte er es sehen.

"Außerdem habe ich nicht niedergekauert.", fügt er hinzu und ballt seine düstere Hand zur Faust, was sie unnatürlich knirschen lässt, bevor er ergänzt: "Ich habe lediglich eine kleine Pause eingelegt."

Meine Gesichtszüge entgleiten mir gerade sicherlich und als der Dunkelhaarige von vorne her nur zischt: "Du nervst mich.", komme ich nicht umhin, ihm just in diesem Moment irgendwo tief in meinem Inneren ein klein wenig zuzustimmen.

Kopfschüttelnd beschaue ich mir sein zerkratztes Gesicht und frage: "Denkst du, noch einen Angriff zu schaffen?", worauf der Größere mir aber nur ein sorgloses und entschuldigendes Grinsen schenkt, während er meint, ich solle mir darum keine Sorgen machen.

Ruhig blickt er auf seine Hand herab und ergreift sie vorsichtig mit seiner anderen, atmet tief durch und flüstert: "Bitte, noch ein einziges Mal. Innocence, aktiviere dich."

Das Blaugrau seines linken Auges nimmt abermals die finstere Form des Fluches an und seinem Wunsch gehorchend erwacht die Innocence noch einmal zum Leben, um sich zu der vertrauten Klaue zu formen, die bereits erwartungsvoll zuckt.

Gleichzeitig schwingt Kandas Katana unheilbringend durch die eisige Luft, wird begleitet von seiner schneidenden Stimme: "Bestien der Unterwelt.", und nimmt den gewohnt hellen Schimmer an, der mitunter das letzte sein wird, was sein Feind zu sehen bekommt.

Ruckartig reißt Pierrot auf der anderen Seite des Kraters seinen Kopf in die Höhe, als die beiden einen einstimmigen Zornesschrei von sich geben, der jedoch sogleich in dem tosenden Donnern der Erschütterungen durch Allens Angriff und dem freudigen Kreischen Kandas Monster untergeht, die sich begierig durch die Luft winden. Keuchend gehe ich kurz in die Knie, als das Beben stärker wird und unmenschliches Jaulen von den morschen Wänden widerhallt, das eindeutig dem Akuma zuzuordnen ist, dessen schrille Stimme von Sekunde zu Sekunde mehr verklingt.

"Grundgütiger...!", japse ich und werfe mich hastig zu Boden, als mit einem Mal ein grobes Trümmerteil einfach es dem Grund herausschießt und den hellen Haarschopf Allens haarscharf verfehlt.

"Mavis!"

Alarmiert wirble ich zu Toma herum, der plötzlich an unserer Seite erscheint, mich mit einer zielsicheren Bewegung am Arm packt und ruckartig zur Seite zieht, als sich nur wenige Sekunden später ein gehöriger Teil der Erdplatten löst, auf der ich gerade noch gekauert habe. Hektisch strauchle ich ihm hinterher, wie er sich flugs und hier und da stolpernd dem Rand der großen Halle nähert, an der ich von hier aus eine gekrümmte Gestalt entdecke, die sich heftig schüttelnd vom Boden abdrückt. Mein Gesicht verliert an Farbe.

"Guzol...!"

"Dem geht es besser als uns, wenn wir uns treffen lassen!", knirscht der Sucher und lässt seine scharfen Iriden kurz zu den beiden Exorzisten zurückschnellen, die sich nach wie vor an ihrer Ausgangsposition befinden.

Als wir uns in greifbarer Nähe befinden, bin ich versucht, erleichtert auszuatmen, verharre allerdings in meiner Bewegung, als das starke Beben sich mit einem Mal abschwächt und ein dumpfes Grollen zurücklässt, das meinen ganzen Körper zum Vibrieren bringt.

"Was...?", entkommt es dem argwöhnischen Sucher, ehe er aber lauthals flucht und mich gleich darauf blitzschnell zu Boden zerrt.

Das Geräusch, was daraufhin für nur wenige Augenblicke in der Umgebung widerhallt, ist einer Explosion ganz Martels gleichzusetzen, doch genauso schnell, wie es kommt, verklingt es auch wieder. Die Erschütterungen stoppen abrupt, jeglicher Laut verhallt. Mit starrem Blick beäuge ich den nun stockstillen Krater neben uns, in dessen Mitte sich zwei aufrecht stehende Gestalten befinden und hoffe innerlich, in Zukunft nicht allzu viele Missionen zu haben, auf welche diese zwei zusammen mitkommen werden. Inmitten dieser Totenstille rapple ich mich zitternd auf und beobachte mit mäßiger Sorge, wie Kanda und Allen unisono zusammensacken und regungslos liegenbleiben.

"Ganz ruhig...", raune ich, als unser Sucher scharf die Luft einzieht, und räuspere mich, um dieses schreckliche Kratzen im Hals loszuwerden.

Schwertatmend richte ich meinen Blick gen Himmel, an welchem sich ein winziges, grünes Leuchten zu uns herabsenkt, und ergänze leise: "Die beiden mussten aber auch so fürchterlich übertreiben..."

Das glühende Innocence-Fragment, das der nun ausgelöschte Akuma vorhin an sich genommen hat, landet federleicht zwischen den beiden jungen Männern und erhellt ihre Körper mit seinem sanften Licht.
"Schau bitte nach Guzol.", murmle ich Toma zu und beeile mich, um wieder zu den anderen zu gelangen, die sich langsam zu rühren beginnen. Allens Gestalt erzittert leicht, als er schwach die Hand hebt und sie sehnsuchtsvoll nach der kostbaren Innocence ausstreckt.

"Warte.", rufe ich und knie mich neben ihm, ehe ich seine Hand kopfschüttelnd wegnehme und die Innocence behutsam an mich nehme.

"Lala...", krächzt seine Stimme und schmerzlich verzieht sich sein jungenhaftes Gesicht, weshalb ich ihn leise seufzend ein kleines Stückchen zu Kanda ziehe und danach mit meiner Aufgabe beginne, die beiden zumindest oberflächlich zu heilen.

"Ihr seid alle beide Trottel...", meine ich und beobachte, wie sich seine Züge entspannen und er seine hellen Augen auf das grünliche Schimmern richtet, das von meiner Hand ausgeht.

Leises Fiepen kündigt Timcanpy an, der vorsichtig seinen hübschen Kopf aus der Brusttasche des zerfetzten Mantels streckt und misstrauisch die Umgebung beäugt. Kurz glaube ich, ihn gleich wieder auf Allens Schopf vorzufinden, aber als der Golem sich nur gedämpft brummend wieder in den schützenden Stoff zurückzieht, zieht sich ein Schmunzeln auf meine Lippen. Na holla, sag bloß, das war dem kleinen Fratz zu viel des Guten? Er müsste doch eigentlich rundum abgehärtet sein, wenn er jahrelang an Cross' Seite gewandert ist. Beruhigt beäuge ich die Kratzer und Schnitte an Allens freiliegenden Hautstellen, die sich wie von Zauberhand schließen, und sein blasses Gesicht, das nun stetig mehr wieder an Farbe gewinnt.

"Das fühlt sich gut an...", murmelt er und beißt die Zähne zusammen, als er einen Versuch wagt, sich in die Höhe zu stemmen und danach einen Blick auf Kanda zu werfen, dessen Gesichtszüge zwar zucken, er selbst neben dem Heben und Senken seines Brustkorbes aber keine weiteren Lebenszeichen von sich gibt.

"In Ordnung, ich denke, das reicht, vielen Dank."

Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend greife ich mir kurz an die pochenden Schläfen und werfe aus dem Augenwinkel einen Blick zu Yuu, der, kaum, dass ich mich ihm mit meiner rechten Hand nähern möchte, kraftlos und mit geschlossenen Iriden schnappt: "Ich brauche dich nicht, also belass deine Hände bei dir, Shrimp."

Innerlich seufzend kann ich nur müde eine Augenbraue anheben, als dieser Sturkopf sich mit einem scharfen Lufteinziehen ruckartig in die Höhe stemmt und sich in einer sitzenden Position schnaufend an die verletzte Seite seines Thorax greifen will.

"He...", macht Allen den Schwarzhaarigen schwach auf sich aufmerksam und wedelt halbherzig mit der Hand, während er sich mit der anderen das leicht angetrocknete Blut aus dem Antlitz wischt.

"Bist du eigentlich immer so undankbar...? Mavis möchte doch nur-..."

Abrupt stockt er und lässt seine hellen Seelenspiegel über den Krater schnellen, bis sie an Toma und den anderen beiden hängen bleiben, die nach wie vor leblos am Boden liegen. Yuus gereiztes Schnauben ignorierend hält er mir seine Hand hin und meint: "Bitte, gib sie mir. Lala muss..."

Lächelnd tue ich, was er verlangt, ziehe dabei den vernichtenden Blick des Schwertkämpfers auf mich und bleibe schnaufend am Boden sitzen, als er sich schwankenden Schrittes in Bewegung setzt, um Lalas und Guzols letzten Wunsch zu erfüllen. Hier und da sehe ich ihn noch straucheln und als die dünne Gestalt des Weißhaarigen sich neben dem Sucher niederlässt, der wenige Worte mit ihm austauscht, lasse ich meine Schultern erschlaffen und gluckse gedämpft.

"Allen Walker weist ein enormes Pensum an Kraft auf, wie?", wende ich mich an den Grauäugigen und zucke nicht einmal mit der Wimper, als seine eisigen Iriden einen genervten Hauch annehmen.

"Zweitrangig.", schnaubt Kanda und presst sich brummend die Hand gegen seine Wunde, um die Blutung zu stoppen.

"Sollte dieser Knirps weiterhin versuchen, den selbstlosen Helden zu spielen, baut er sich seinen eigenen Sarg."

Ihn wachsam dabei betrachtend, wie er missgelaunt sein Katana um sich herum sucht, beiße ich mir auf der Unterlippe herum und kann ihm in diesem Punkt einfach nicht zustimmen. Selbstverständlich muss ein Exorzist wissen, wo seine Prioritäten liegen, nämlich bei dem Erfüllen seiner Mission, aber was ist denn schon so schlecht daran, den Unschuldigen des Ganzen nicht einmal den letzten Wunsch zu erfüllen, wenn man die Innocence so oder so bergen kann? Mehr tut er doch nicht...

Leichte Belustigung schleicht sich soeben sicherlich in meinen Blick, als ich erneut gluckse und lediglich erwidere: "Also ich selbst finde, dass wir in Allen durchaus einen mehr als nur fähigen Kameraden gefunden haben."

~ D. Gray-Man ~

Guzols Körper durchläuft ein weiteres Zittern, als die Taubheit aus seinen zum Tode geweihten Gliedern weicht und stattdessen in einen grässlichen Schmerz übergeht, der ihn stark mit den Zähnen knirschen lässt, damit kein Laut über seine Lippen dringt.

"Verehrter Mensch?"

Zischend zieht er die Luft ein, als neben sich unverkennbar die samtene Stimme der schönen Puppe erklingt, die ihm in all den vergangenen Jahrzehnten an das stetig langsamer schlagende Herz gewachsen ist.
Lala...
Unter großer Anstrengung dreht er dem kleinen Geschöpf sein gealtertes Gesicht zu und schluckt einmal trocken, als ihm die großen, blauen Augen des schönen Mädchens offenherzig entgegensehen.

"Verehrter Mensch.", wiederholt sie und legt leicht ihren Lockenkopf schief, sodass ihre goldene Haarpracht seidengleich über ihre zierliche Schulter fällt.

"Würdet Ihr gerne ein Lied hören?"

"Lala...", krächzt der Angesprochene tonlos und spürt bereits, wie sich ein schreckliches Kratzen in seinem Hals ausbreitet, das in einen sinnbildlichen Kloß übergeht.

Kurz schließen sich seine Seelenspiegel. Sie erkennt ihn nicht, selbstverständlich nicht, immerhin wurde ihr gewaltsam ihr leuchtende Herz entrissen, das sie all die Zeit am Leben erhalten hat. Mit ihrem vorherigen Leben sind also auch ihre kompletten Erinnerungen verschwunden, Erinnerungen an ihn.

"Ich bin eine Puppe und werde für Euch singen, verehrter Mensch...", spricht sie und rückt zitternd näher an ihn heran.

Guzols Iriden beginnen zu brennen, als ihre meerblauen ihn voller Treue und Unwissenheit zu betrachten scheinen, und ohne, dass er es verhindern kann, löst sich ein unmerkliches Schluchzen aus seiner Kehle.

"Nicht weinen, Mensch..."
Zerbrechliche Fingerspitzen fahren behutsam seine dreckigen Wangen entlang und fangen vorsichtig die salzigen Zähren auf, die ihm entrinnen.

"Lala...", ächzt er, diesmal jedoch klar verständlich und versucht kraftlos, seine Hand zu heben, um der jungen Frau vor sich ein letztes Mal über das hübsche Antlitz zu fahren, beißt aber aussichtslos die Zähne zusammen, als sich kein einziger Muskel in seinem Körper rührt.

Wissbegierig verharrt sie in ihrer Bewegung und lauscht, als er mit brechender Stimme flüstert: "Ich liebe dich... Lala."

Wieder schließen sich Guzols Augen, als dieser Satz ihn so unendlich viel Atemluft kostet und er konzentriert sich lediglich auf die liebliche Stimme der Puppe vor sich. Nicht auf den Schmerz in seinem Körper und auch nicht auf die Tatsache, dass er höchstwahrscheinlich nur noch wenige Minuten haben wird, sondern einzig und allein auf sie, die seinem Leben wenigstens einen Sinn gegeben hat.

"Seid Ihr müde?", fragt sie und ein wohliger Schauer breitet sich auf seiner Haut aus, als er ihre kleine Hand auf seinem Kopf spüren kann, wo sie ihm bedächtig über den Stoff der Kapuze fährt.

Nicht einmal auf seine eben gesagten Worte geht sie ein, sondern kichert stattdessen gedämpft und ergänzt: "Wenn dem so ist, werde ich Euch ein Schlaflied singen..."

Und Guzol wird in jenem Moment, als die blonde Puppe ihre Melodie anstimmt, einmal mehr bewusst, wie sehr er die samtweiche Stimme Lalas schon immer geliebt hat.

~ D. Gray-Man ~

Nachdenklich werfe ich einen weiteren Blick auf Allen, der sich seit Anbeginn des Morgens auf den breiten Mamorstiegen niedergelassen hat, die einen einladenden Weg zu der hohen Halle darstellen, in welcher er sich den finalen Kampf mit Pierrot geliefert hat. Leider hat der junge Mann sich seither kein einziges Mal mehr gerührt und vergräbt seit Stunden den hellen Haarschopf auf den angezogenen Knien, obwohl vor geraumer Zeit bereits die Sonne einmal mehr untergangen und dem Mond Platz gemacht hat, der nun sichelförmig das weite Sternenzelt erleuchtet.

Stumm flattert Timcanpy um seinen weißen Schopf herum und versucht inständig, seinen Freund dazu zu bewegen, doch endlich aufzusehen und auf ihn zu reagieren. Als der kleine Golem sich mit einem undefinierbaren Fiepen wieder in die Lüfte erhebt, setze ich mich in Bewegung und steige leise die vielen Treppenstufen zu ihm hinab, während mein Blick auf seine Verbände fällt, die an seinen Unterarmen unter dem zerstörten Stoff des Mantels hervorblitzen.
Wachsam wirbelt der goldene Golem zu mir herum, als ich mich ungefragt neben dem Jüngeren niederlasse und meinen Blick über die devastierte Stadt schweifen lasse, die irgendwann hoffentlich wieder bewohnbar sein wird.

Scheinbar eingeschnappt über den Zustand, dass sein Herrchen ihm keine Beachtung schenkt, lässt sich der Partner Allens nun brummend und reichlich unzufrieden auf meinem Schoß nieder, von welchem aus er  dem anderen die winzige Zunge herausstreckt.

"He, das ist aber gar nicht nett...", tadle ich ihn und tippe ihm vorsichtig gegen das kleine Maul, danach wende ich mich dem Exorzisten zu und frage gedämpft, wie seine Verletzungen verheilen. Als er nach einigen Sekunden nicht reagiert, mustere ich seine bepflasterten Wangen.

"Geht schon.", murmelt er endlich, sieht allerdings immer noch auf und ergänzt heiser: "Wie geht es den anderen?"

"Mach dir um die keine Gedanken.", gluckse ich und stelle mir erneut Kandas grimmige Miene vor, als selbst Toma darauf beharrt hat, er solle sich gefälligst heilen lassen.

Der Sucher selbst hat zum Glück keine großen Verletzungen erlitten und somit ist eine schwache Gehirnerschütterung samt einer leichten Verstauchung des Handgelenks das einzige, was ihn derzeit quält.

"Allein Kandas hervorragende Selbstheilung grenzt an ein Ding des Unmöglichen."

"Was ist mit dir?", setzt er hinterher und sieht endlich von seinen dunklen Knien auf, ehe er sein helles Augenmerk auf meinen Körper legt, der unter dem Exorzistenmantel genauso bandagiert ist wie auch sein eigener. Lächelnd winke ich ab und zeige ihm anschließend den erhobenen Daumen, was ihm wenigstens ein schmales, zittriges Heben der Mundwinkel ins Gesicht zaubert.

"Im Übrigen... hat der Orden uns kontaktiert.", füge ich hinzu und trauere halbherzig meinem eigenen, vollkommen zerstörten Golem hinterher, von dem ich nach einer mehrstündigen Wanderung durch die Geröllbrocken der Stadt nur noch das Speicherfragment retten konnte, auf dem sämtliche Kontaktdaten vermerkt sind.

"Neue Befehle vom Oberaufseher...?", entgegnet er und lockt den immer noch schmollenden Timcanpy zu sich, der ihm nur die kalte Schulter zeigt und sich leise knurrend in meinen Händen vergräbt. Stumm nicke ich.

"Kanda und Toma haben eine neue Mission erhalten, zu der sie sich aufmachen werden, sofern hier alles beendet ist, und wir beide haben die Aufgabe, die Innocence unbeschadet ins Hauptquartier zurückzubringen."

Diesmal ist er es, der stumm nickt, ehe er seine Iriden hinauf zum klaren Sternenhimmel gleiten lässt, wo sie inmitten der vielen, leuchtenden Punkte verharren. Mitfühlend betrachte ich ihn und kraule nebenbei den kleinen Golem unter dem Kinn.

"Hör mal... Guzol wird nicht mehr lange leben, auch, wenn das hart klingt. Wenn du weiterhin darauf bestehst, werden wir noch ein oder zwei Tage warten, bis wir uns auf den Heimweg machen, in Ordnung?"

"Kanda sagte doch-..."

"Kanda hat eine neue Mission, schon vergessen?", schmunzle ich und ignoriere die Tatsache, dass er trotz seiner zaghaften Widerworte soeben ohnehin das getan hätte, um was die Puppe ihn gebeten hat. Für einen Augenblick herrscht Stille unter uns, sodass der kühle Wind das einzige ist, das hier noch ein Geräusch verursacht und dann schnaubt der Weißhaarige, während sich ein bitteres Lächeln auf seine Züge legt.

"Bin ich wirklich so ein mieser Exorzist?"

Seufzend schüttle ich den Kopf und mache mir den geistigen Vermerk, den schwarzhaarigen Schwertkämpfer bei seiner Rückkehr in den Orden auf dieses Thema anzusprechen, oder es zumindest zu versuchen. Herrje, was hat er Allen damit nur für einen albernen Floh ins Ohr gesetzt?

"Natürlich gibt es unterschiedliche Sichtweisen, wie wir Exorzisten zu agieren haben und leider muss ich zugeben, dass es sogar erstaunlich viele gibt, die Kandas Sicht der Dinge teilen...", erläutere ich und könnte an der Hand spontan ein paar der werten Herren abzählen.

Hellhörig geworden horcht der Größere auf und legt auffordernd den Kopf schief, weshalb ich ihm ein ehrliches Lächeln schenkt und hinzufüge: "Ich selbst denke jedoch, dass wir Exorzisten nicht nur da sind, um Monster zu vernichten, die Innocence zu beschaffen oder dem Millennium Earl die Stirn zu bieten, sondern auch, um alle Leute, die vollkommen unschuldig an der ganzen Situation sind, vor diesem Grauen zu bewahren, oder? Lala und Guzol sind solche Personen...

Die beiden wollten nur zusammen von der Welt gehen und ihnen diesen letzten Wunsch zu verwehren, nur, um schnell an unser Ziel zu kommen, ist in meinen Augen nicht mit meiner Aufgabe als Exorzistin vertretbar. Von daher finde ich, hast du genau richtig gehandelt, Allen. Also nein, du bist kein mieser Exorzist."

Ein Hauch von samtweicher Röte schleicht sich auf seine blassen Wangen, welche sich ein klein bisschen mit der roten Farbe seines Fluchmals beißt, und ihn doch irgendwie richtig niedlich aussehen lässt. Vor allem dann, als er sich peinlich berührt räuspert und ein schmales Grinsen auflegt, während er sich am Hinterkopf kratzt. Timcanpys Reaktion auf das Verhalten seines Partners ist lediglich ein erneutes Herausstrecken der kleinen Zunge, gepaart mit einem leichten Peitschen seines zierlichen Schweifes.

"Danke...", raunt er und legt einen kecken Gesichtsausdruck auf, bei dem mir nichts Gutes schwant.

"Wahrscheinlich hast du Recht, ich lasse mich wohl viel zu leicht von Bakanda beeinflussen."

Ein leichtes Vibrieren geht durch meinen Körper, als ich gedämpft auflache. Nein, zu herrlich finde ich den neuen Spitznamen Yuus, der sich mit diesem sicherlich schön ärgern lässt. Hm, sollte ich Lavi bei seiner Rückkehr berichten, was Allen sich für den Schwertkämpfer ausgedacht hat? Oder lasse ich ihm lieber den Überraschungsmoment, wenn er es eigens hört und sich höchstwahrscheinlich genauso köstlich darüber amüsieren wird wie ich auch? Oh, der junge Kerl hier wird ihm bestimmt tierisch sympathisch sein, darauf verwette ich meine heiligen Süßigkeiten...

"Timcanpy?", erhebt Alle mit einem Mal alarmiert seine Stimme, als der besagte Golem sich pfeilschnell in die Lüfte erhebt und starr das hohe Gebäude hinter uns ins Visier nimmt.

Verwundert folge ich seinem Blick und reibe mir leicht fröstelnd die Arme, als ein eisiger Wind aufkommt, uns die Haare durcheinander fegt und erbarmungslos an unseren Mänteln zerrt. Grübelnd werfe ich einen Blick zum Mond und verspüre eine leise Melancholie, als ich spreche: "Scheinbar war es das.", und mich schnell aufrapple, um dem kleinen Golem zu folgen, der unverhofft davon flattert.

"W-warte, bitte!"

Flugs schließt Allen zu mir auf und aus dem Augenwinkel bemerke ich, dass jeweils Erleichterung als auch Entsetzen in seiner Miene um den ersten Platz kämpfen, schlussendlich aber einem seichten Lächeln weichen, das sich nur ein wenig intensiviert, als er im hohen Torbogen stehenbleibt, von dem aus man den weiten Krater der Halle gut im Blick hat.

Guzol, das gealterte Gesicht mit einem glücklichen Lächeln gen Himmel gerichtet, wirkt eher, als würde er schlafen, während die nun stillstehende Lala seinen Kopf behutsam auf ihren Knien gebettet hat und ihr Gesicht eine wohlige Ruhe vermittelt, wie ich sie nur selten bei jemandem gesehen habe.

"Sie sind beide...", murmelt der Blaugrauäugige neben mir und greift sich wohl unbewusst an den Kopf, auf dem der nun leise wimmernde Golem landet und sich drängend in die hellen Haare kuschelt.

Als der Körper des Jungen sich verkrampft und sich kurz schüttelt, lege ich ein sanftes Lächeln auf und berühre ihn vorsichtig an der Schulter, während ich deutlich sehe, wie ihm eine einzelne Träne aus dem verfluchten Auge tritt und sich ihren Weg über seine Wange sucht.

"Die beiden sind glücklich von uns gegangen, Allen, und das haben sie einzig und allein dir zu verdanken... Ich bezweifle doch stark, dass Lala dich wolle weinen sehen."

~ D. Gray-Man ~


Merkt man, dass ich es einfach nicht hinbekomme, normale Sätze statt Schachtelsätze zu schreiben?
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