Rippôtai no yogen

von Clavirie
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P16
Allen Walker Linali Li OC (Own Character) Rabi Yu Kanda
04.05.2020
30.08.2020
7
65.100
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14.05.2020 10.705
 
~ D. Gray-Man ~


Lenalees dunkle Iriden fixieren neugierig die hellen Bildschirme, während sie sich nachdenklich mit den Händen auf ihren Knien abstützt. Das lauthalse Gerede im Hintergrund blendet sie gekonnt aus, ebenso das aufgeregte Flattern der Golem um sie herum.

Ich selbst ziehe wissbegierig eine Augenbraue in die Höhe, während ich das eigentlich noch recht junge Gesicht des Kerls mustere, der ein wenig unschlüssig direkt in jenen Golem blickt, der sein Abbild soeben hier in der Zentrale projiziert.

"Wer ist das?", erklingt es hinter uns skeptisch von Captain Reever, der sich irritiert durch die helle Mähne fährt, allerdings keine Anstalten macht, aufzustehen und näher an die Bildschirme heranzutreten.

Überlegend lege ich den Haarschopf schief, als Tapp nur schulterzuckend entgegnet: "Kein Plan, aber ist der Typ wirklich die Klippen hochgeklettert?", und sich unglaubwürdig über den Bauch kratzt.

Ein schmales Schmunzeln legt sich auf meine Züge, als Lenalees Blick nach meinem sucht, und leicht zucke ich genauso mit den Schultern wie eben unser Wissenschaftler.

"Wahrscheinlich ein neuer Anwärter...", murmle ich und beäuge das strahlend weiße Haar des Neuankömmlings, ehe ich mich auf das eigenartige Mal konzentriere, welches quer über sein Auge verläuft. Gerade möchte die Schwarzhaarige etwas erwidern, da keucht sie erschrocken auf, als sich ein helles, unmenschlich aussehendes Wesen zwischen uns quetscht und aufgeregt sein Gesicht an die Bilder presst.

"Glaubt ihr, er ist ein Akuma?", nuschelt es und legt sich die Hände - auch, wenn ich bezweifle, dass man sie jemals so bezeichnen könnte -, an die Wangen.

"65!", tadelt Lenalee und schüttelt leicht ihren Kopf, ehe sie ruhig hinzufügt: "Wenn er ein Akuma wäre, würde ihn doch kein Golem begleiten.", und anschließend auf das kleine, goldene Geschöpf deutet, das es sich auf dem hellen Schopf des Jungen bequem gemacht hat.

Zierliche Flügel setzen sich prompt in Bewegung, als der Fremde ratlos stehenbleibt und das große Tor mustert, das das Eingangsportal unseres Ordens darstellt. Johnnys Stimme hallt in meinem Gehör wider, als er skeptisch ergänzt: "Er kommt zu uns...", und sich wahrscheinlich aufgeregt zu seinen Kollegen umdreht, um ihre Gesichtszüge deuten zu können.

Leichtes Mitgefühl durchspült meine Adern, während ich daran denke, was den armen Jungen sogleich erwarten wird. Na hoffentlich verschreckt ihn das nicht... Ruhige Schritte nähern sich uns, worauf meine Freundin ihre violetten Seelenspiegel auf ihren großen Bruder richtet, der zeitgleich als Oberaufseher und Abteilungsleiter des Schwarzen Ordens fungiert.

"Wer ist dieses Kind? Wir können keine Außenseiter hereinlassen.", entkommt es seiner Kehle neugierig, bevor er einen leider durchaus lauten und störenden Schluck aus seiner Kaffetasse schlürft, was einige der hier anwesenden Wissenschaftler genervt losmeckern lässt.

"Verflucht, Oberaufseher, können Sie nicht einmal ordentlich trinken?"

"Ich hasse es, wenn er das macht..."

Ein amüsiertes Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen, ehe ich erheitert den Kopf schüttle und antworte: "Naja, wir hätten ihn ja schlecht von der Klippe stoßen können."

"Wir könnten schon...", murmelt 65 neben mir gedämpft und fängt sich nun einen tadelnden Blick von mir ein.

Lenalee winkt ihren Bruder herbei und deutet auf den goldenen Golem, der munter um den Jungen herumflattert, der versucht, ihn halbherzig von sich fortzuscheuchen.
"Hör auf, Timcanpy.", dringt seine angenehme Stimme zu uns durch.

"Er besitzt einen Golem, den von Marshall Cross."

Auf die Worte seiner kleinen Schwester hin verschluckt der Dunkelhaarige sich leicht an seinem Getränk und legt danach den Kopf schief, als der Weißhaarige außerhalb der Tore seine Stimme erneut erhebt.
"Entschuldigung?", ruft er und kratzt sich ein wenig konfus im Nacken.

"Mein Name ist Allen Walker und ich bin auf Empfehlung von Marshall Cross hier. Ich würde gerne mit der Führung des Ordens sprechen..."

Sich suchend umschauend fokussiert er schlussendlich einen unserer schwarzen Golem, die stumm ihre Kreise um ihn ziehen. Einstimmiges Schnauben erklingt hinter uns, ehe Johnny sich durch die lockigen Haare fährt und undeutlich raunt: "Ein Freund des Marshalls...?", während Skepsis seinen Tonfall durchziehen.

"Wohl eher ein Schüler...", nuschle ich und beiße mir auf der Unterlippe herum.

Marshall Cross? Es ist nicht so, als würde ich diesen Mann nicht mögen, keineswegs, allerdings weiß ich genau wie jeder andere hier, was dieser Mann sich manchmal leistet. Und damit meine ich nicht zuletzt sein plötzliches Verschwinden vor ein paar Jahren. Er schien mir zudem nicht wie ein Mensch, der gerne Freunde um sich scharrt...

"Er lebt...?", fügt Tapp hinzu und zieht reichlich irritiert eine Augenbraue in die Höhe, was für ein undeutliches Raunen sorgt, das aber schnell wieder verstummt.
Reever seufzt und wendet sich an Oberaufseher Komui, der teilnahmslos das Geschehen betrachtet.

"Tja, du hast es gehört, Komui, er würde dich gerne sprechen. Weißt du von irgendetwas?"

Als der Angesprochene jedoch nichts darauf erwidert und lediglich den jungen Allen Walker beäugt, zuckt die Augenbraue des obersten Wissenschaftlers verdächtig, während er darauf wartet, endlich eine Antwort zu bekommen.

"Vielleicht hat der Marshall ein Empfehlungsschreiben geschickt. Dafür müsstest du eben-..."

"Nein, hat er nicht.", unterbricht der Brillenträger mich gedämpft und räuspert sich, während seine Iriden sicherlich für den Bruchteil einer Sekunde zu seinem überfüllten Schreibtisch zucken, der vor Dokumenten, Büchern und allerlei anderem Zeug beinahe zu platzen scheint.

Lenalees Mundwinkel senken sich, ehe sie seufzt und die Arme verschränkt.

"Das sagst du auch nur, weil du sonst in deiner Zettelwirtschaft danach suchen müsstest.", spricht sie und trifft damit höchstwahrscheinlich voll ins Schwarze, wie sein ertapptes Zusammenzucken mir verrät.

Kopfschüttelnd wende ich mich wieder Allen Walker zu und beäuge den Oberaufseher nur aus dem Augenwinkel. Herrje, wäre mein Bruder so unordentlich und nachlässig, was die Daten und Dokumente des Ordens angehen, dann befürchte ich, hätte ich ihm schon längst die Leviten gelesen. Gottseidank ist dem nicht so...

"Was ist jetzt nun?", fordert Captain Reever zu wissen und reibt sich gähnend die hellen Augen.

Ich schmunzle. Da hat wohl wieder jemand die letzten Nächte durchgearbeitet. Ausdruckslos fasst der Oberaufseher sich an sein Kinn und gibt einen überlegenden Laut von sich, ehe er aber nur meint: "Nö.", und gekonnt über den empörten Blick seiner kleinen Schwester hinweg sieht, die es sich nicht nehmen kann, leidlich die Miene zu verziehen und sich danach die Schläfen zu massieren.

Reever stößt die Luft aus und meint: "Aktiviert die Durchsuchungsfunktion des Torwächters.", worauf einige der hier anwesenden Personen hastig den Raum verlassen.

Nur wenige Sekunden später blitzt auf dem Antlitz Allens Verwunderung auf, als die Umgebung vor den Toren zu beben beginnt. Die Augen des steinernen Wächters, der bis gerade eben noch stumm wie eine Statue im Tor eingeschmolzen war, glühen minimal auf.

Auf Allens Gesicht breitet sich ein erfreutes Lächeln auf, als er wiederholt: "Entschuldigung.", jedoch gleich darauf erschrocken zurückstolpert, da der Torwächter ein markerschütternden Schrei von sich gibt.

"Röntgenkontrolle!", ertönt seine dröhnende Stimme, bei welcher ich selbst mir vor Jahren bei meinem ersten Besuch hier beinahe in die Hosen gemacht hätte.

"Armer Kerl.", meine ich grienend und hoffe, er bringt hierbei mehr Geduld auf als manch anderer.

"Herausfinden, ob das Suchobjekt ein Mensch oder Akuma ist."

Gleißendes Licht schießt aus den leuchtenden Iriden des Wächters, das sich erbarmungslos auf den Weißhaarigen niederstreckt, der strauchelnd zu Boden geht und sofort zu seinem Golem greift, der panisch mit den Flügeln flattert. Einige Sekunden geschieht daraufhin nichts, sodass der Junge sich abwartend wieder aufrichtet und den sich sträubenden Timcanpy loslässt, der sogleich außer Reichweite flattert.

"Es funktioniert nicht... Eine Störung vielleicht?", dröhnt der Hüter.

Ich seufze. Ja, eine Störung, eine Störung, die bei jedem, aber auch jedem, Neuankömmling auftritt, der dieses Tor durchschreiten möchte. Eventuell sollte der Oberaufseher das einmal beheben... Als der Torwächter laut aufschreit und sich lärmend zurückziehen möchte, schnappt Lenalee neben mir nach Luft, ehe ich hinter uns das Geräusch einer Kaffeefontäne vernehme, als Komui diesen hustend ausspuckt.

"Er gehört nicht hierher!", poltert der Wächter und versetzt den weißhaarigen Fremden damit in höchste Alarmbereitschaft. Erschrocken hebt er die Hände und versucht, sein Gegenüber irgendwie zu beschwichtigen, der davon aber nicht das Geringste hören möchte.

"Er ist verflucht! Er bleibt draußen, draußen, sage ich!"

Walker reißt seine blaugrauen Augen auf, schüttelt heftig mit dem Kopf und entgegnet hastig: "H-he, nein! Hör mir bitte zu...!", stößt dabei aber nur auf taube Ohren.

"Das ist ein Pentagramm, ein dämonisches Zeichen! Er... Er gehört zum Millennium Earl!"

Nach diesen Worten herrscht kurz Totenstille und Allen Walker erstarrt, die Wissenschaftler ebenso. Leider nicht für lange, denn kurz darauf hallt nur ein einstimmiges und schmerzhaft lautes: "WAS?!", durch den hohen Raum.

Der Weißhaarige echot dasselbe Worte und läuft kreidebleich an, während ihm schlussendlich die Worte fehlen und er stattdessen stocksteif an Ort und Stelle verweilt. Der sorgende Blick Lenalees trifft mich, als der Eindringlingsalarm ausgelöst wird, und in ihren dunklen Iriden kann ich sehr genau lesen, was ihr solch einen Kummer bereitet. Trocken schlucke auch ich. Jetzt wird einer der besten Kämpfer ausgeschickt, den der Orden derzeit zu bieten hat und besagter Kämpfer zerlegt den Weißhaarigen binnen Sekunden in seine Einzelteile. Haarscharf überlege ich.
>Ist er schon von seiner Mission zurück? Oh, wenn ja, dann hat dieser Junge bald nicht mehr viel zu lachen...<, denke ich und versuche mich daran zu erinnern, ob ich den Kerl heute schon einmal gesehen habe, den jeder hier in gewissem Maße fürchtet.

"Oberaufseher!", empöre ich mich, als er bereits etliche Exorzisten vor die Tore schicken möchte.

"Jeder hier weiß, dass der Torwächter oft Falschmeldungen gibt, zudem würde kein eigenständig denkender Golem wie der von Marshall Cross einen Akuma oder jemand anderen begleiten, der den Feinden angehört!"

"Du hast es doch auch gehört, Mavis, er trägt ein Zeichen Dämons!", kreischt mir irgendjemand entgegen, worauf ich mir gedämpft zischelnd die Ohren zuhalte. Komui dagegen scheint mich in diesem lautstarken Chaos nicht einmal gehört zu haben.

"Selbst wenn, ist es jetzt zu spät.", ruft Reever und deutet auf das Geschehen. "Kanda kümmert sich bereits darum."

Alarmiert ruckt mein Kopf wieder zu den Bildschirmen herum, wo man weit über Allen Walkers Kopf nur eine verhüllte Gestalt erkennen kann, deren gezogenes Katana unheilvoll im Mondlicht schimmert. Ich spüre, wie mir das Blut aus dem Gesicht weicht. Ah, er ist also nicht mehr auf einer Mission, da habe ich meine Antwort... Schlagartig legt sich wieder Stille über Komuis Büro, als Yuu Kanda, der heimliche Schrecken aller Ordensmitglieder, katzengleich über dem Torwächter landet und ihm sein schwarzes Haar in einem langen Zopf den Rücken hinab fällt.
Innerlich schüttelt es mich leicht, als ich mir vorstelle, wie seine sturmgrauen Augen Allen Walker eisig mustern müssen. Kandas langer Exorzistenmantel weht leicht im Wind, als der weißhaarige Junge wachsam eine Augenbraue in die Höhe zieht, vermutlich nicht wissend, ob er doch lieber flüchten sollte.

"Äußerst mutig von dir, hier alleine aufzutauchen...", dringt seine gefühlskalte Stimme durch die Golems zu uns durch.

Einige der Wissenschaftler ballen daraufhin triumphierend die Hände zu Fäusten, andere dagegen werden aschfahl, so auch ich. Bei Gott, dem muss doch Einhalt geboten werden, das überlebt Allen Walker sonst nicht. Nervosität krabbelt mir über den Rücken, worauf ich mir ein wenig aussichtslos die blonden Locken raufe, ehe ich meine Hände krampfhaft in mein Haarband kralle.

"Wollt ihr wirklich, dass der Junge zerstückelt wird?", starte ich einen letzten Versuch, bei dem ich endlich ein bisschen Unterstützung erhalte.
Lenalee schluckt unmerklich, ehe sie unsicher zu ihrem Bruder sieht und nun auch meint: "Sie hat recht, Nii-san, Kanda wird nichts von ihm übrig lassen."

"Genau so ist es ja vorgesehen...", entgegnet er trocken und schlürft erneut aus seiner blauen Tasse.

"Du bist herzlos.", kreide ich ihm gedämpft an und bange nun um des Weißhaarigen Lebens, als der Schwarzhaarige über dem Tor lässig seine Waffe schwingt. Ob ich damit nun Oberaufseher Komui oder aber Kanda selbst meine, weiß noch nicht einmal ich so genau...

"W-warte kurz! Das muss ein Missverständnis sein!", versucht der Jüngere sich noch zu erklären und fuchtelt wild mit seinen Händen in der Luft herum, als er erkennt, was sein Gegenüber vorhat.

Und Timcanpy, der schnellstens zu seinem Freund zurückkehrt, springt ebenso hysterisch auf und ab wie der Junge selbst, als wolle er ihm zustimmen. Kanda wäre allerdings nicht Kanda, wenn er dem armen Kerl jetzt Gehör schenken und ihn erklären lassen würde.

"Schwert der Illusionen..."

Scharf zieht die Schwarzhaarige neben mir die Luft ein, als sein langes Katana hell glüht und er todbringend mit jenem ausholt, während er sich blitzschnell von der Mauer abstößt, um gleich darauf vor dem fassungslosen Allen zu landen. Erbarmungslos lässt er seine Waffe auf den Jungen niederfahren und somit eine störende Staubwolke entstehen, die uns anderen die Sicht nimmt. Als sich das Geschehen daraufhin wieder aufklart, schnappt Tapp hinter mir nach Sauerstoff, während er seinen Kollegen Johnny auffangen muss, der zurückstolpert.
Auch ich schlucke.
Allen Walker steht noch und ist keineswegs unter Kandas tödlichem Angriff in die Knie gegangen, im Gegenteil. Schützend hält er sich etwas vor seinen Körper, das vor wenigen Momenten noch seine linke Hand gewesen ist, nun allerdings eher einer gepanzerten, weiße Klaue gleicht, deren Größe Allens kompletten Oberkörper gleichkommt.

Eine Anti-Akuma-Waffe, eine Innocence, ha, mal schauen, was die werten Herren von Wissenschaftlern und Oberaufseher nun zu sagen haben.

"Ein Kompatibler.", spricht Lenalee und mustert ihren Bruder nun streng und bittend zugleich.

"Nii-san, bitte ruf ihn zurück."

Als er ihren Blick sieht, schielt er leicht über seine Brille hinweg und möchte zu einer Antwort ansetzen, wird aber von Kanda davon abgehalten, der erneut seine dunkle Stimme erhebt.

"Was ist das für ein Arm?", fordert er zu wissen und ich schwöre bei meinem geheimen Süßigkeitenvorrat, dass Allens Unversehrtheit gehörig an seinem Stolz kratzt.

"Eine Anti-Akuma-Waffe. Ich bin ein Exorzist.", entgegnet der Kleinere und besieht sich verbissen seinen Arm.

"Sag ich doch...", murre ich undeutlich in meine hervor gehaltenen Hände hinein und werfe einen Blick zu Komui hinüber, der ein tiefes Seufzen von sich gibt.

"Bitte?", schallt Kandas mäßig überraschte Stimme zu uns durch, ehe sie jedoch einen deutlich aggressiven Unterton annimmt, als er den erstarrten Torwächter anherrscht.

"Aber ich habe wirklich ein Pentagramm gesehen...!", stottert er und fühlt sich mehr als nur unwohl unter dem vernichtenden Blick des Schwarzhaarigen. "Er muss ein Akuma sein!"

"Ich bin aber ein Mensch!", empört sich der Weißhaarige und verzieht fassungslos seine Mimik, ehe er aufgebracht nähertritt und den Torwächter somit nur noch weiter zum Erzittern bringt.

"Ich bin vielleicht verflucht, aber immer noch ein Mensch!"

"Kyah, bitte fass mich nicht an!"

Kandas Blick ruht für wenige Sekunden noch auf dem - wie er es selbst gesagt hat - Verfluchten, ehe er gereizt schnaubt. Beinahe glaube ich, dass der Ältere nun Ruhe gibt, reiße aber nur nervös meine Seelenspiegel auf, als er zischend meint: "Ich werde mich von deinen Innereien überzeugen lassen.", und zeitgleich sein Schwert schwingt. Reever, der nun auch ein bisschen unschlüssig wirkt, wendet sich dem Oberaufseher zu und deutet anschließend auffordernd zum dem riesigen Berg an Dokumenten.

"Wir sollten Mavis Theorie zu einem Empfehlungsschreiben nachgehen. Mach Ordnung, Oberaufseher."

"Aber das dauert Tage!"

Als Kanda dem jungen Allen todernst prophezeit, ihn sogleich in seine Einzelteile zu spalten, fahre auch ich herum und entrüste mich: "Bist du lieber für den Tod eines Unschuldigen verantwortlich?", und atme erleichtert auf, als auch Komuis Schwester ihn zurechtweist und daraufhin seine Augenbraue minimal zu zucken beginnt.
Nein, von seiner geliebten Schwester möchte er keine Moralpredigt erhalten, da würde er doch lieber sein Büro in Ordnung bringen... Oder? Bitte sag, dass ich mich nicht irre.

"Warte!", erklingt Allens Stimme abermals, diesmal aber deutlich panisch. "Bitte warte, ich nicht euer Feind! Hier sollte ein Empfehlungsschreiben von Marshall Cross vorliegen!"

"Jetzt fang schon an, zu suchen!", plärrt der Chef der Wissenschaftsabteilung den immer noch stummen Abteilungsleiter an. Tief atmet er durch, ehe er herumfährt, auf einen beliebigen Wissenschaftler zeigt und bestimmt: "Du da! Sieh auf meinem Schreibtisch nach!"

Besagter mustert seinen Chef unglaubwürdig, ehe sein Blick zu Komuis Arbeitsplatz wandert, der schein reichlich verstaubt und-... sehe ich dort wirklich Spinnweben? Reever seufzt tief und murmelt träge den Namen des Dunkelhaarigen.

Dieser fährt zusammen, bevor er übertrieben euphorisch die Hand in die Luft streckt und ruft: "Ich helfe auch mit!"
Den Versammelten entfährt ein leidliches Stöhnen, während ich nun deutlich erleichtert durchatmen kann, als auch der eisige Kanda mit seiner Waffe Millimeter vor Allens Nasenspitze stoppt.

"Das kann man sich ja nicht mit anschauen.", murmelt Lenalee neben mir, während sie die beiden Männer beäugt, die in dem überall herrschendem Chaos nach dem Empfehlungsschreiben suchen.

"Er kann froh sein, dass sich noch welche dazu breitschlagen lassen, ihm zu helfen.", flüstere ich kopfschüttelnd und seufze anschließend schwer auf.
Herrje, Komui sollte das wirklich einmal in den Griff bekommen... Wenig später hallt ein erfreuter Jubelschrei durch sein Büro, ehe seine Hand aus einem Hügel lauter Dokumente hervorschießt, eines von ihnen fest umklammert.

"Lies vor!", heuert er seinen Helfer an und lehnt sich schwer atmend gegen seinen Schreibtisch, indes entfernt er stirnrunzelnd etliche Spinnweben von seinen Schultern.

"Lieber Komui, ein junger Mann namens Allen wird bald bei euch eintreffen. Gezeichnet: Cross."

Unschuldig zieht der Oberaufseher seine Schultern hoch und hebt anschließend die Hände, bevor er trocken meint: "Okay, das erklärt es. Captain Reever? Halt Kanda auf, okay? Ich hole mir einen neuen Kaffee."

Genannter fletscht knurrend die Zähne und ruft ihm herrisch hinterher: "Räum lieber deinen verdammten Schreibtisch auf!", bevor er ein wenig ruhiger hinzufügt: "Kanda, Angriff einstellen! Hör auf, verdammt!"

Leise atme ich durch, als die Bildschirme zeigen, wie der Dunkelhaarige widerwillig sein Katana zurückzieht. Das hätte auch anders und besonders weitaus blutiger enden können... Lenalee tritt grübelnd ihrem Bruder entgegen, als dieser an ihre Seite tritt und dabei hochkonzentriert neuen Kaffee in seine hübsche Tasse gießt, auf der ein knallpinker Hase abgebildet ist.

Als er sie leise anspricht, horcht sie auf und fragt: "Ja, Bruder?"
Räuspernd richtet er sich die Brille und wirft auch mir einen bittenden Blick zu.

"Würdet ihr beiden mir kurz aushelfen? Es ist schon lange her, dass wir einen Neuen aufgenommen haben."

Stumm nicken wir beide, während Komui seinen unergründlichen Blick auf das blasse Bild Allen Walkers lenkt und anschließend ein schmales Lächeln an seine Lippen legt. "Der kleine Kerl muss großes Potential besitzen..."

"Oder Cross erlaubt sich einen seiner miesen Scherze...", ergänzt Captain Reever kopfschüttelnd, bevor er aber in das winzige Mikro an seinem Headset spricht: "Es ist dir gestattet, einzutreten, Allen Walker."

Kandas Stimme hallt eisig an unsere Ohren, als er den Grund für den plötzlichen Sinneswandel zu wissen fordert, und Komui grinst verlegen, während er sich im Nacken kratzt.

"T'schuldige, habe mich zu früh entschieden.", gibt er zu und ignoriert die skeptischen Blicke seiner Kameraden gekonnt.

"Der Knirps war Marshall Cross' Lehrling. Dass Timcanpy bei ihm ist, genügt mir als Beweis."

"Ach, auf einmal...", raunzt Reever und stützt leicht genervt das Kinn in die Handfläche.

Ein kleines Schmunzeln legt sich auf meine Züge, als der Oberaufseher seine kleine Schwester und mich darum bittet, den beiden jungen Männern entgegen zu kommen. Mag sein, dass es vielleicht wirklich zu Marshall Cross passen würde, den Orden zu provozieren, indem er einen kleinen, hilflosen Jungen zu diesem schickt mit der Behauptung, er wäre ein hervorragender Exorzist. Allen Walker wirkt jedoch nicht wirklich hilflos. Er besitzt eine Anti-Akuma-Waffe und scheint einer der wenigen Parasiten-Typen zu sein, die wir kennen. Zudem er hat die Fähigkeit, Kandas Innocence abzuwehren, ohne dabei eine schwerwiegende Verletzung abzubekommen. Bis jetzt zumindest.

Hastig jagen Lenalee und ich durch die erleuchteten Gänge und Korridore des Ordens. Mag sein, dass Komui Kanda verboten hat, Allen weiter anzurühren, aber so, wie ich den Schwarzhaarigen kenne, wird er ihm wohl, bis jemand kommt, um ihn abzulösen, sein tödliches Katana an die zitternde Kehle halten. Ein Beben lässt die Gegend erzittern, als sich in einiger Entfernung vor uns die gewaltigen Tore des Gemäuers öffnen. Grübelnd ziehen sich meine Augenbrauen zusammen, als Lenalee ihren Griff um ein paar Akten festigt und die hohe Gestalt Kandas fixiert, welche sich immer noch nicht von Allen entfernt hat. Sag bloß, sie hat vor, ihm die über die Birne zu ziehen? Nein, das würde sie niemals tun... Oder?

"Er ist ein Freund.", kann ich bereits Komuis Stimme durch die kleinen Golems hören, die aufgeregt um die beiden herumschwirren.

"E-e-e-er hat recht!"

"Der Arme scheint richtig zu schlottern.", äußert sich die Schwarzhaarige neben mir dazu und kopfschüttelnd antworte ich: "Kannst du es ihm verübeln bei dem Gegenüber?"

Gerade dann, als Yuus Auge zu zucken beginnt, springt Lenalee hervor und haut dem Grauäugigen das Klemmbrett voller Zettel auf den Hinterkopf, während ich schnell den jungen Weißhaarigen zur Seite ziehe, wo er sogleich ein paar Schritte zurücksetzt. Kurz herrscht Stille, während das Katana noch erhoben in der Luft schwebt.
Dann stemmt meine Freundin ihre Hand in die Hüfte und tadelt den nun wirklich deutlich gereizt dreinschauenden Schwarzhaarigen: "Also wirklich... Wir haben dir doch befohlen, aufzuhören.", ohne auch nur das geringste Zeichen der Unsicherheit auszustrahlen.

"Er muss es auch immer übertreiben.", murmle ich und wende mich dem erstarrten Allen zu, der seinen hellen Blick wachsam zwischen Lenalee und mir hin und her wandern lässt, fast so, als hätte er Angst, wir würden auch gleich auf ihn losgehen.

"Bitte entschuldige ihn.", lächle ich schief und erlaube mir einen vorsichtigen Blick über die Schulter, wo die beiden anderen sich ein Blickduell zu liefern scheinen.

Interessant, wer wohl von beiden gewinnen würde? Kopfschüttelnd deute ich in das Innere des Ordens und meine: "Wir sollten schnell wieder hinein, sonst schließt das Tor sich nur wieder."

Und während der Schwertkämpfer unter uns sich zischend den Hinterkopf hält, nickt die Schwarzhaarige und meint beinahe schon bestimmend: "Geht rein."

Donnernd fallen die Tore hinter uns wieder herab, was ein unangenehmes Klingeln im Gehör verursacht. Allen gibt einen ehrfürchtigen Laut von sich, als er sich die hohen und weiten Gänge besieht, welche das weite Treppenhaus umschließen und hier und da verschiedene Abzweigungen besitzen. Kanda vor uns ballt unmerklich eine Hand zur Faust, als er das Geräusch des Blauäugigen vernimmt.

"Wahnsinn...", murmelt Allen, als er den kolossalen Kronleuchter entdeckt, der sich weit über unseren Köpfen befindet.

"Schön, nicht wahr?", schmunzle ich und verschränke die Arme hinter dem Rücken, als er sachte nickt und seinen Blick dann überlegend auf uns richtet.

"Oh.", merke ich auf seinen Blick an und kratze mich leicht verlegen lachend an der Wange. "Wir haben uns ja noch gar nicht vorgestellt, wie?"

Auf Allens anderer Seite schaut Lenalee hellhörig auf und legt einen gleichsam peinlich berührten und entschuldigenden Blick wie ich auf, ehe sie ihn offen anlächelt und spricht: "Stimmt, Entschuldigung, Allen. Mein Name ist Lenalee und ich bin die Assistentin des Oberaufsehers Komui. Freut mich wirklich, dich kennen zu lernen.", ehe sie ihm erfreut die Hand reicht.

Kurz starrt der Genannte diese an, ehe auch er grinst und sie annimmt. "Und mich erst...!", meint er erleichtert, ehe sie mir reicht.

Glucksend spreche ich: "Gestatten? Mavis.", ehe ich überlege, ob ich der Form halber Kanda noch einmal mit vollem Namen vorstelle.

Natürlich leise und unauffällig, sodass er es nicht mitbekommt... Schlussendlich belasse ich es aber dabei. Er hasst es, mit seinem Vornamen angesprochen zu werden, und so, wie ich den Schalk in des Weißhaarigen Iriden deute, würde er nicht damit aufhören, ihn bei diesem zu nennen, solange es ihn zur Weißglut treibt. Als der Grauäugige bei der nächsten Abzweigung in den entgegen gerichteten Korridor zu dem unseren verschwinden möchte, hält Allen ihn noch einmal zurück, indem er zögerlich seinen Namen ausspricht. Mitten in seiner Bewegung verharrter und wirft einen Blick über die Schulter, der nur bei mir schon für grausige Gänsehaut sorgt, unseren neuen Kameraden allerdings sogleich schwer schlucken lässt.

"So... So heißt du doch, oder?", versucht er es weiter, worauf ich Lenalee einen besorgten Blick zuwerfe, sie aber nur unschlüssig mit den Schultern zuckt.

Versucht Allen hier gerade wirklich ein Gespräch mit unserem persönlichen Eisschrank zu beginnen? Ich schätze, in wenigen Tagen wird er den Millennium Earl tun, um mit dem Älteren zu interagieren... Trotz Kandas abweisenden Verhaltens stellt der Junge seinen Koffer ab und reicht seinem Gegenüber die Hand, während er freundlich lächelt und meint: "Schön, dich kennenzulernen."

Als Timcanpy auf Allens Haarschopf zusammenzuckt und ein abwertender Laut des Schwarzhaarigen zu hören ist, seufze ich tonlos. Ja, darf man vorstellen? Der allseits freundliche Kanda... herrje.

"Einem Verfluchten gebe ich nicht die Hand.", schnaubt dieser nämlich nur, ehe er sich komplett abwendet und den Gang entlang schreitet, um höchstwahrscheinlich in sein Zimmer oder aber den Trainingsraum zu gelangen. Allens Lächeln gefriert, ehe er unruhig mit den Mundwinkel zuckt und Lenalee neben mir nur den Kopf schüttelt.

"Wir entschuldigen uns noch einmal für ihn.", spricht sie und legt dem Jungen, der sie und somit mich erst recht sogar um wenige Zentimeter überragt, eine Hand auf die Schulter. Des Weißhaarigen Augen schließen sich, während er seine Hand senkt. Gleich darauf packt er sich an den Haarschopf und verscheucht damit den goldenen Golem, der empört umherflattert.

"He, komm her, Kleiner...", locke ich und strecke vorsichtig die Hand nach dem kleinen Geschöpf aus, wo er erstaunlicherweise auch landet, jedoch nicht, ohne seinem Herrn die kleinen Zähnchen zu blecken.

"T'schuldige, Timcanpy...", nuschelt er und sieht skeptisch auf, als ich meine: "Kanda ist nicht immer so. Er kommt nur gerade von einer anstrengenden Mission und ist demnach ein wenig...ähm, gereizt.", aber selbst wahrnehme, wie unglaubwürdig ich klinge.

"Mavis hat recht, kümmere dich vorläufig nicht weiter um ihn. Wir bringen dich jetzt erst einmal zum Oberaufseher.", versucht es auch die Violettäugige, ehe sie den Größeren auffordernd weiterzieht.

Seufzend packt dieser seinen Koffer und murrt noch etwas Undeutliches in die Richtung, in der seine unfreundliche Bekanntschaft verschwunden ist, dann folgt er uns. Ich grinse leicht, als ich sehe, wie er unmerklich mit den Zähnen knirscht. Es ist ja fast schon süß, wie er versucht, sich seinen Ärger vor uns nicht anmerken zu lassen. Bedächtig streiche ich dem kleinen Golem in meiner Hand über den glatten Kopf, während ich an der nächsten Tür bereits die Wachen sehe, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, eins der vielen Labore vor unbefugten Eindringlingen zu schützen. Tuschelnd stecken die beiden die Köpfe zusammen, während einzelne Gesprächsfetzen zu uns durchdringen.

"Ein Neuer, was?"

"Ist ja nur ein Knabe..."

Allens Augen schießen leicht beleidigt in ihre Richtung, als er das hört.
Lenalees Schritt verschnellert sich, als sie murmeln: "Und was ist mit seinen Haaren? Die sind schneeweiß... Ich glaube, er ist verflucht.", und Allens Golem heftig mit seinem zierlichen Schweif peitscht.

"Denkst du, so ein Kind wird hier zurechtkommen...?", echot es gedämpft, als wir zusammen um die nächste Ecke biegen.

"Kind...?", raunzt der Junge leicht und murrt etwas, ehe sich seine Gesichtszüge wieder aufhellen, als ich aufmunternd meine: "Hör nicht drauf. Das Alter hat ja nichts mit der Anwendung deiner Innocence zu tun."

"Innocence?", echot er, aber ich winke nur leicht ab, als die Schwarzhaarige sich eine Strähne aus der Stirn streicht und anschließend die Flügeltüren zum Speisesaal öffnet, an dem wir soeben vorbeikommen.

"Unser Speisesaal.", meint sie und breitet ausladend die Arme aus, als er sich staunend in der hohen Halle umsieht.

"Den wirst du sicherlich häufig und lange besuchen, wenn ich richtig liege.", gluckse ich und schiele sehnsüchtig zur Ausgabe hinüber, die jedoch leer gefegt ist.

Selbstverständlich, Jerry hat bereits vor mehreren Stunden dicht gemacht. Schade eigentlich. Was würde ich jetzt für eine große Schüssel Ramen oder einer seiner berühmten Siruptorten tun? Leicht verfärben sich Allens Wangen, während er sich unschuldig an den Kopf greift und meint: "Wie kommst du denn da drauf?"

"Ach, hat keinen ersichtlichen Grund.", erwidere ich und schiele auf seine Hand hinab.

Seine Iriden fixieren trachtend die vielen Tische, worauf ich ihn grinsend wieder aus dem Saal ziehe und Lenalee wieder die Führung überlasse. Wir wollen ja nicht, dass der Arme hier noch zu sabbern beginnt.

Um ihn zumindest ein wenig abzulenken, sage ich: "Auch wichtig wäre noch der Trainingsraum, der das komplette, dritte Stockwerk einnimmt.", und scheine Erfolg zu erzielen.

Die Violettäugige zupft sich leicht am Rock herum, als das Büro ihres Bruders in Sicht kommt und ergänzt: "Wir haben auch einen recht großen und gemütlichen Aufenthaltsraum, diverse Krankenzimmer und individuelle Quartiere für unsere Exorzisten."

"Vergiss nicht die riesige Bibliothek.", setze ich fröhlich hinterher und beginne, den kleinen Golem unter seinem glatten Maul zu kraulen, worauf er ein Geräusch von sich gibt, das mich stark an ein gedämpftes Schnurren erinnert. Lenalees Lachen erklingt, als ich das kleine Ding schmunzelnd fixiere. Warum habe ich eigentlich nicht so einen süßen, goldenen Fratz? Ich sollte dringend einen anfordern.

"Stimmt.", meint sie und grinst über ihre Schulter.

"Solltest du Mavis hier irgendwann mal nicht auffinden können, findest du sie dort oder in der Küche." Verneinend schüttle ich mein Haupt, als der Junge einen amüsierten Blick zu mir wirft und die Augenbraue hochzieht.

"Alle Exorzisten ziehen von hier aus zu ihrer Mission...", meint sie und ich sehe, wie ihre dunklen Augen aufleuchten.

"Daher nennen viele von uns diesen Ort hier ihr Zuhause."

Auch Allen beginnt zu schmunzeln, als er sich weiter umsieht und an manchen Stellen hängenbleibt. "Zuhause...", wiederholt er ihre Worte und fügt gedämpft hinzu: "Das hört sich schön an."

Nickend gebe ich ihm recht und erwidere: "Leider gibt es aber auch welche, die losziehen und es einfach ablehnen, wieder zurückzukommen." Schlagartig fährt ein heftiger Ruck durch seinen Körper, er verkrampft und legt sich eine Hand an die Stirn, während seine Bewegungen kurz ins Stocken geraten.

"Genau wie mein Meister...", raunt er und bei der Erwähnung seines eigentlichen Herrn erhebt sich Timcanpy wieder in die Lüfte, um erfreut um Allen herumzufliegen.

Schlussendlich landet er wieder auf dessen Kopf und macht es sich in den schneeweißen Haaren bequem, was seinen Besitzer lächeln lässt. Hellhörig schließe ich wieder zu den beiden auf und verschränke die Arme hinter dem Rücken, nun, da der Golem fort ist. Wissbegierig mustere ich den Weißhaarigen und stelle nebenbei fest, dass das Mal des Fluches ihm eigenartigerweise bemerkenswert gut steht. Es verleiht ihm irgendwie etwas Mystisches...

"Wie geht es Marshall Cross? Du warst in Indien, nicht wahr? Dort haben wir letzte Anhaltspunkte zu ihm gefunden.", frage ich und lege den Kopf schief.

Widerspenstig fällt mir eine der vorderen Locken ins Gesicht und Zunge schnalzend streiche sie fort. Überlegend wandert sein Blick zur steinernen Decke hinauf, als nun auch Lenalee ihre Seelenspiegel neugierig auf sein Antlitz schwenkt.

"Das war vor knapp drei Monaten.", murmelt er und tippt sich nachdenklich ans Kinn. Leichte Gänsehaut überzieht seinen Körper und seinem Gesicht entweicht die Farbe, als er sich zurückerinnert.

"Anfangs dachte ich, er selbst würde mich zum Hauptquartier bringen, aber stattdessen... ließ er Timcanpy bei mir und..."

Irritiert tauschen meine Freundin und ich einen Blick aus, als der Junge sich leicht schüttelt und sich sowohl Entsetzen als auch blanke Wut in seinen hellen Iriden wiederspiegeln. Der Golem auf seinem Kopf fiept gleichsam empört und presst seinen Körper tiefer in Allens verstrubbelte Mähne hinein, als könne auch er nicht fassen, was sein Freund gleich von sich gibt.

"Er schlug mich, seinen Lehrling, bewusstlos... und rannte weg. Timcanpy und ich sind alleine hierhergekommen... Den Schlag spüre ich noch heute.", raunt er und fasst sich ein bisschen wehleidig an den Hinterkopf.

Mitfühlend beiße ich mir auf die Unterlippe. Ja, das klingt nach dem Marshall... Und Allen musste jahrelang sein Lehrling sein? Der arme Kerl muss förmlich durch die Hölle gegangen sein. Allen Walker verdient Bewunderung dafür, den rothaarigen Marshall so lange ausgehalten zu haben.

"Wie grausam.", findet auch Lenalee und reibt sich die Arme, als würde sie gleich frösteln bei seiner Erzählung.

Wenige Minuten später kommen wir endlich wieder bei dem privaten Raum des Oberaufsehers an, der seine kleine Schwester und uns zwei anderen strahlend mit einem euphorischen: "Ja, hallöchen!", empfängt, die blaue Kaffeetasse hocherhoben.
Stolz schwellt er die Brust, als Allen hinter uns in den Raum tritt und ihm entgeistert die Gesichtszüge entgleiten, als er erkennt, wie es hier aussieht.

"Ich bin Komui Lee, der Oberaufseher dieser Gegend hier.", macht er selbstsicher weiter und geht gar nicht erst auf den skeptischen Blick des Weißhaarigen ein, der durch den Raum schweift.

"War ja ein ganz schöner Tumult vorhin, wie?", fragt der Oberaufseher, als er Allen die breite Treppe zu den restlichen Laboren hinabführt.
Skeptisch mustert der Blauäugige Lenalee und mich, als wir uns nur vielsagende Blicke zuwerfen und von den weitläufigen Plattformen abseits der Stiege ein einstimmiges und allen voran lautstarkes: "Wessen Schuld war das wohl?!", erklingt.

Erheitert beäuge ich die vielen empörten Gesichter der Wissenschaftler unter uns, als der Oberaufseher aber nur etwas in seinen imaginären Bart murmelt, das schwer nach einem: "Immer ist es der Abteilungsleiter, ha...", klingt.

Am Ende der Treppe angekommen stößt der Dunkelhaarige eine steril weiße Tür auf und präsentiert damit einen klinisch weißen Laborraum, in dessen Mitte sich ein breiter und hoher Operationstisch befindet, dem unser neuer Kamerad nur äußerst widerwillig entgegensieht.

"Was machen Sie nun mit mir?", fragt er vorsichtshalber nach und sieht sich bereits nach möglichen Fluchtwegen um, als ich schmunzelnd vor der Tür stehenbleibe und diesem somit schon einmal abschneide.

"Keine Sorge.", beruhigt ihn die Violettäugige, während sie sich in seiner Nähe positioniert.

"Nur ein paar Untersuchungen."

"Ja... Nur Untersuchungen.", wiederholt ihr Bruder, während seine Augen diabolisch hinter der Brille hervorblitzen.

Nachdem er den Jungen dazu auffordert, sich doch bitte auf den Tisch zu setzen und ein nicht allzu misstrauisches und nervöses Gesicht zu ziehen, wandern Allens Augenbraue in die Höhe. Selbstbewusst und ungewohnt professionell verschränkt Komui seine Arme hinter dem Rücken und stoppt vor seinem neusten Opfer, dem sicherlich gleich das Hören und Sehen vergehen wird.

"Also gut.", beginnt er und klatscht einmal in die Hände. "Würdest du mir einmal kurz deinen Arm zeigen, Allen?"

"Klar.", entgegnet der Jüngere ahnungslos und reicht sie ihm, worauf mir erstmals die pechschwarzen Fingernägel und ein heller Splitter inmitten des Handrückens auffallen.

Neugierig werfe auch ich einen Blick auf seine Anti-Akuma-Waffe, trete ein Stückchen näher und lunze über Lenalees Schulter, die soeben selbst damit beschäftigt ist, Allens Hand zu betrachten. Einen nachdenklichen Laut von sich gebend dreht Komui sich kurze Zeit später von ihm weg und werkelt stattdessen kurz auf dem nahe stehenden Abstelltisch herum. Ein leises Summen hallt durch den Raum und ich sehe, wie die Nackenhärchen des Weißhaarigen sich augenblicklich aufstellen und seine Hand zuckt, als wolle er sie zurückziehen. Sein goldener Golem legt wissbegierig den runden Körper und somit wohl auch Kopf schief, nicht wissend, wie goldig er dabei ausschaut.

"Kanda hat vorhin deine Anti-Akuma-Waffe beschädigt, oder?", fragt der Brillenträger über seine Schulter hinweg.

Leise bejaht der Angesprochene. Wenige Sekunden später wendet er seine Aufmerksamkeit wieder dem jungen Mann zu und schenkt ihm ein beruhigendes Lächeln, als er ihm sagt, dass er sich darüber keine großen Sorgen machen müsse.

"Stimmt.", flüstert die Schwarzhaarige mir ins Ohr und mustert den perplexen Weißhaarigen mitleidig.

"Viel größere Sorgen sollte er sich um das machen, was jetzt kommt. Er tut mir jetzt schon leid."

"Na, und mir erst...", erwidere ich und schüttle mich leicht, als mich dich Erinnerung an meinen ersten Besuch hier überrollen. Es ist ungerecht, dass Ausrüstungs-Typen nicht dieselbe Qual erleiden müssen.

Mit einem amüsierten Blick legt sie mir eine Hand auf die Schulter, als ich über diese Allens devastierte Hand in Augenschein nehme und grüble: "Wie es scheint, hat er einen Nervenschaden...", was dem Oberaufseher ein triumphales Grinsen ins Gesicht zaubert.

"Exakt. Lenalee? Bring mir doch bitte das Anästhetikum."
Auf seine ruhigen Worte hin nickt sie und eilt sogleich davon, während er selbst sich lächelnd zu Allen hinunterbeugt, der das nur skeptisch beäugt.

"Kannst du sie aktivieren?"

"Ähm, natürlich.", antwortet er und konzentriert sich kurz, bevor seine Hand hell leuchtet und sich erneut die große Klaue bildet, die vorhin einfach so Kandas Angriff abgewehrt hat.
Schlürfend nimmt der Älteste von uns einen weiteren Schluck aus seiner dampfenden Tasse und schwenkt danach kurz den Kopf hin und her, wobei seine weiße Mütze ein wenig verrutscht.

"Du bist also ein parasitärer Typ.", spricht er und bohrt dem jungen Mann unverhofft seinen Zeigefinger gegen die Stirn.

Überrascht weicht Allen zurück, verliert dabei allerdings den Halt und stürzt beinahe nach hinten, würde er sich nicht rechtzeitig noch in die Tischkante krallen.

"Parasitärer Typ?", echot er verwirrt und übergeht Komuis letzte Aktion. Ein leises Gefühl der Freude breitet sich in mir aus, als ich sehe, wie er stirnrunzelnd die Augenbrauen zusammenzieht und den entschlossenen Mann vor sich mustert, der es sich nicht nehmen kann, euphorisch die Hand zur Faust zu ballen.

"Jawohl.", erwidert dieser und sieht sich kurz nach seiner Schwester um, die am anderen Ende des Raumes werkelt und ihm keine Beachtung schenkt.

"Das bedeutet, dass du deinen eigenen Körper als Medium für deine Waffe verwendest und-... danke, Lenalee." Kurz unterbricht er sich, als seine Schwester ihm höflich eine kleine Flasche reicht, und fährt danach unberührt fort.

"Aus allen Arten der Anti-Akuma-Waffen gehört der parasitäre Typ zu den ungewöhnlichsten."

"Und jetzt kommt es.", murmle ich, als Komui feixend herumfährt und eine Gerätschaft offenbart, die mich noch heute in meinen schlimmsten Alpträumen verfolgt. Für eine Sekunde steht Allen der Schreck im Gesicht, dann verzieht es sich und er deutet halbherzig, jedoch äußerst alarmiert auf sein nahes Unheil, das direkt vor seiner Nase schwebt.

"Wozu sind die Dinger?"

"Zum Reparieren.", raunt der Oberaufseher und schiebt sich mithilfe des Zeigefingers elegant seine Brille zurück, als sie leicht verrutscht.

"Es ist ein klein wenig erschreckend.", warne ich den Weißhaarigen, der unwohl zurückrutscht und füge heiser hinzu: "Solltest du einen leichten Magen haben, dann sieh lieber weg."

Als sich am Ende von drei unglaublich spitzen Nadeln ein grelles Licht ansammelt, schnappt der Weißhaarige panisch nach Luft und krächzt noch: "W-warte mal...!", als Komui ihm ein biestiges Grinsen schenkt, seine Schwester aber nur seufzend den Kopf schüttelt.

"Wird auch gar nicht wehtun, versprochen."

Leichte Erschütterungen gehen durch den Raum, als Komui Lee gnadenlos mit der Maschine ansetzt und kurz darauf auch Allens ohrenbetäubender Schmerzensschrei durch das Labor hallt, während er stetig versucht, seinen Arm zurückzuziehen. Schlussendlich krallt er seine freie Hand zähneknirschend in den Tisch und verzieht schmerzlich das Gesicht.

Lenalee beäugt ihn sorgenvoll und hält sich leicht ihre Hand vor den Mund, ehe sie entschuldigend spricht: "Tut mir leid, mein Bruder ist manchmal etwas grob...", und ebenjenem einen bittenden Blick zuwirft. Der bemerkt ihn jedoch nicht einmal, so vertieft, wie er gerade in seiner Arbeit ist, und trägt ein schmales Grinsen auf den Lippen.

"G-geschwister...? Und dennoch so verschieden...", ächzt er und öffnet leicht seine Augen, als die Schwarzhaarige fragend und an ihren Bruder gerichtet ergänzt: "Du gehst mit ihm danach dort hin, nicht? Findest du nicht, du solltest sicherstellen, dass er wirklich ein Mensch ist oder nicht?"

Kurz mustert er sie stumm, ehe er aber nur schmunzelt  und erwidert: "Nein, schon in Ordnung, er ist ein Mensch."

"Was macht dich da so sicher?", ächzt Allen und richtet seine blaugrauen Iriden ein wenig trotzig auf den großen Dunkelhaarigen.

Meine Augenbrauen schießen in die Höhe, als Timcanpy in aller Seelenruhe weiterschläft und dem Jungen seinen Schweif um die Ohren haut. Na holla, kommt da das trotzige Kind in ihm durch? Oder liegt es einfach an der Pubertät? Wohl ein wenig von beidem.

"Menschen sind die einzigen Lebewesen, die verflucht werden können, Allen.", gluckse ich und hebe beschwichtigend die Hände, als er ächzend entgegnet: "Warum hat der Torwächter dann so einen Aufstand gemacht...?"

"Den macht er immer.", erwidert diesmal Lenalee und schmunzelt erheitert.

Und während Komui weiterhin den leidenden Allen Walker schändet - oder, wie er es ausdrückt, seine Waffe repariert -, werfe ich der Schwarzhaarigen einen belustigten Seitenblick zu, auf den sie mit einem leichten Lächeln ihre hellen Zähne zeigt. Ich glaube, mit unserem neusten Mitglied wird es hier endlich mal ein wenig aufregender.

~*~

"Ich wünsche dir noch eine gute Nacht.", rufe ich Lenalee gedämpft hinterher, immerhin möchte ich nicht zu laut sein.

Meine umliegenden Zimmergenossen möchte ich dann doch nicht aus dem Schlaf reißen, besonders nicht Kanda. Mit einem schweren Seufzen schließe ich die Türe meines Quartiers hinter mir und lehne mich kurz an diese, während ich durchschnaufe und die Anspannung des Tages von mir abfällt. Wäre heute der Vorfall mit Allen nicht dazwischengekommen - der es ganz nebenbei nicht nett gefunden hat, dass ihn keiner vor Hevlaska gewarnt hat -, würde ich nun wahrscheinlich schon selig schlummernd in meinem samtweichen Bett liegen, wie mir ein Blick auf die Uhr verrät. Nicht mehr lange und ich muss schon wieder aufstehen...
Gähnend löse ich mein Haarband und fahre mir einmal durch die blonde Mähne, als mir etliche Strähnen in die Stirn fallen, bevor ich den dunklen Stoff mit einem bühnenreifen Wurf auf meinen Nachttisch befördere.

"Ich komme zu dir...", nuschle ich leise und reibe mir die Augen , als ich das Bett ansteuere und dabei beiläufig ein paar Bücher vom Boden aufhebe, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Wer weiß, wann ich die schon wieder verloren habe.

Schnell stelle ich sie zurück ins Regal und lege noch schnell meine Dienstkleidung ab, die mehr oder minder ordentlich über dem Schreibtischstuhl landet. In die Wäsche geben kann ich sie auch morgen Früh noch. Mit einem wohligen Seufzen lasse ich mich in die Kissen fallen und ziehe mir sofort die Decke bis zum Hals hinauf, als ein kühler Luftzug vom offenen Fenster hereinweht. Fast bin ich versucht, es für die Nacht zuzumachen, belasse es dann aber dabei und drehe mich zur Tür herum, während ich mich zusammenrolle. Schwach halte ich die Augen offen und starre die dunkle Eingangspforte meines Zimmers an, als der Tag noch einmal an mir vorbeizieht. Der schwarze Orden verfügt nun also über ein neues Mitglied, das über eine parasitäre Anti-Akuma-Waffe verfügt, und unter Marshall Cross höchstpersönlich gelernt hat.

"Allen Walker...", raune ich leise und gähne erneut. Nun, eigentlich habe ich gehofft, heute einen anderen wiederzusehen, aber ja, Allen ist auch in Ordnung. Was mich persönlich ein bisschen beschäftigt, wäre wohl die Frage, wie er zu seinem einprägsamen Fluchmal gekommen ist. Ob es sehr dreist wäre, ihn einfach danach zu fragen? Schön war das Erlebnis höchstwahrscheinlich nicht gerade. Aber eventuell spricht er es ja auch von ganz alleine an...

Wenige Stunden später ziehe ich mir grummelnd meine weiße Bluse über und binde mir anschließend müde eines meiner Bänder in die wirren Haare, die sich ohne den Stoff irgendwie nie so richtig bändigen lassen. Danach befestige ich noch flink eine der kleinen Blumenspangen an ihm und beschaue mich halbherzig im Spiegel, ehe ich aber nur abwinke und mir den Schlafsand aus den Augen reibe. Schnell steuere ich meine Zimmertür an.
Die gerade aufgehende Sonne fällt mir in den Rücken, ehe ich mein Quartier verlasse und anschließend an dem Lenalees klopfe, welches sich direkt neben meinem befindet. Mich leicht zerschlagen fühlend lehne ich mich an die Wand und lege mir eine Hand an die Stirn, während ich geduldig darauf warte, dass die Schwarzhaarige aus ihrem Raum tritt. Ich habe schon gestern Abend geahnt, dass ich die kommende Nacht nicht viel Erholung finden würde, aber dass ich nun so durchhänge? Ich befürchte, ich benötige einen Kaffee, sonst mutiere ich heute noch zu einem zweiten Yuu Kanda und das wiederum wäre mehr als nur kontraproduktiv.

"Guten Morgen.", erklingt neben mir allseits ruhige und freundliche Stimme meiner Freundin, als sie ausgeschlafen aus ihrem Quartiert tritt und mich erheitert beäugt. Etwas undeutlich, aber lächelnd gebe ich den Gruß zurück, bevor ich frage: "Können wir schon los, oder musst du noch ins Bad?"

"Exakt, dort muss ich noch hin. Nicht jeder steht so früh auf wie du, nur, um die erste beim Frühstück zu sein.", erwidert sie schmunzelnd und zieht mich an den bepflasterten Händen vorsichtig mit.

Schwach lache ich auf und schüttle den Haarschopf. Ab heute werde ich wohl so oder so nicht mehr die erste im Speisesaal sein, schätze ich. Abgesehen davon bin ich gar nicht so oft schon so früh dort... Als ich der Violettäugigen genau dies leise entgegen nuschle, zieht sie nur resigniert eine feine Augenbraue hoch und belässt es dabei, kann es sich aber anscheinend nicht nehmen, mir ihren berühmten Blick zuzuwerfen, der so viel ausdrückt wie: Red dir das nur ein.
Als sich wenig später unsere Wege trennen und ich auch kurz darauf die Tür des Essenssaals aufstoße, weht mir bereits der köstliche Duft von frischen Brötchen, Speck, Eiern, sowie gebratenen Pilzen und Tomaten entgegen, sodass mein Magen lautstark zu rebellieren beginnt. Mit schnellen Schritten eile ich durch den wenig besuchten Raum und nehme Jerry ins Visier, der bereits breit zu grinsen anfängt, als er erkennt, wer sich ihm nähert.

"Na, guten Morgen!", ruft er erfreut aus und fuchtelt eifrig mit einem Pfannenwender herum. Und irgendwie schafft es allein der sagenhafte Essensduft, dass die Müdigkeit sowohl meinem Geist als auch meinen Knochen ein wenig entschwindet.

"Guten Morgen, Jerry...", gebe ich zurück und stelle mich leicht auf die Zehenspitzen, um an ihm vorbeizusehen.

Räuspernd richtet er sich seine schmale Sonnenbrille und flötet: "Das Übliche für unseren Zwerg kommt sofort.", während er bereits herumfährt und an meinem Essen zu werkeln beginnt.

Während ich nun also ein wenig hibbelig darauf warte, dass ich mein Tablett bekomme, bemerke ich, wie der Speisesaal erneut geöffnet wird und unser neuster Exorzist den hohen und weitläufigen Raum betritt. Ich schmunzle schmal, als Allen sich kurz ein bisschen ratlos umsieht, ehe sich seine blaugrauen Augen erkennend auf mich legen. Grinsend winke ich ihn zu mir heran und wünsche auch ihm einen guten Start in den Tag, als er neben mir zum Stehen kommt.

"Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, so früh schon jemanden hier zu sehen.", teilt er mir mit und bekommt einen leicht schwärmerischen Gesichtsausdruck, als in jenem Moment der himmlische Geruch von grünem Tee ihm um die Nase nebelt.

Augenblicklich rumort auch sein Magen, worauf er sich leise lachend im Nacken kratzt und unseren Koch fixiert, der sich just in diesem Moment zu uns herumdreht und mir mein Frühstück offenbart. Als er den jungen Weißhaarigen erblickt, klappt ihm vor Entzücken der Mund auf.

"Oh, ein neuer Junge?", säuselt er und reicht mir das reichlich beladene Tablett, was ich dankend annehme. Da Allen, dem Jerry wohl nicht sehr geheuer scheint, in seiner Bewegung erstarrt und den Älteren argwöhnisch mustert, gluckse ich und schiebe mir noch im Stehen eine Gabel Tamagoyaki, oder auch Omelett, in den Mund.

Amüsiert erkläre ich: "Das ist Allen Walker, unser neuster Exorzist.", während ich umständlich auf ihn deute. Es geht nur etwas schlecht, wenn man in der einen Hand das Tablett und in der anderen seine Gabel hält...

"Allen? Das ist Jerry, unser Küchengott. Sag ihm einfach, was du möchtest und er bereitet es dir zu."

Einen begeisterten Laut ausstoßend übergeht unser Koch einfach des Weißhaarigen Entgeisterung und beugt sich weit über den Tresen hinaus, um ihm näherzukommen, was den anderen wiederum unbewusst zurückweichen lässt.
"Holla, na du bist ja ein Süßer.", komplimentiert Jerry, worauf nun endlich etwas Leben in Allen kommt.

Ein ungläubiges Lächeln schleicht sich auf seine Züge, während er mir aus dem Augenwinkel skeptisch zu schielt, aber nur ein genüssliches Nicken erntet. "Ähem...", räuspert er sich, ehe er aber ein deutlich freundlicheres Gesicht aufsetzt und sich zusätzlich verbeugt.

"Freut mich, Sie kennenzulernen.", spricht er und richtet sich danach entspannt wieder auf.
Jerry, voll und ganz begeistert, legt sich die freie Hand an die Wange und schiebt sich die Brille ein wenig nach unten, um mir zuzuzwinkern.

"Da habt ihr uns aber einen Schnuckel angelacht, und so höflich und zuvorkommend ist er."

"Nicht wahr?", antworte ich undeutlich und schiebe ihm schon den ersten, leeren Teller zurück, den er blitzschnell verschwinden lässt.

"Was darf es denn sein, Hübscher?" Seinen neuen Kosenamen vollkommen übergehend stockt der Jüngere und legt sich nachdenklich den Zeigfinger an die Lippen, während ich sehe, wie es hinter seiner Stirn rattert.

"Egal was?", hakt er nochmals nach und beginnt erfreut zu strahlen, als sein Gegenüber nickt.

"Dann hätte ich gerne Kartoffelgratin, Pommes, trockenes Curry, Mapo-Tofu, einen Rindereintopf und Fleischpasteten, Carpaccio, Nasi Goreng, Hühnchen und Reis. Und als Nachtisch-..."

"Nimm den Mango-Pudding. Oh, und Mitarashi-Dango, seine schmecken himmlisch.", falle ich ihm Kaffee schlürfend ins Wort, ehe ich mir einen der besagten Kloß-Spieße von meinem Teller nehme und sie mir schnell in den Mund schiebe. Sehnsuchtsvoll seufze ich auf und schmunzle, als sowohl Allen als auch Jerry euphorisch nicken.

"Alles klar, zwanzig Stück, bitte.", ergänzt er noch hastig, als der Koch sich schon umdrehen möchte.

"Herrlich, noch so einer.", feixt der Ältere und konzentriert sich auf seine Arbeit.

Allen kratzt sich grinsend an der Wange, als er spricht: "Normalerweise fragen mich aller immer, ob so viel auch schaffe. Nett hier."

"Ach.", winke ich ab und widme mich dem Sushi. "Jerry ist das gewohnt, glaube mir."

"Das sehe ich.", antwortet er und beäugt mein Essen, was ich vorsichtshalber aus seiner Reichweite halte. He, das gehört mir, warte auf dein eigenes...

Als er es wenige Minuten später mit einem überschwänglichen: "Bitteschön.", in die Hände gedrückt bekommt, könnte ich schwören, der gute Kerl sabbert.

Fröhlich sucht er sich seinen Weg durch die Halle, in der sich nur vereinzelt Ordensmitglieder finden lassen und stockt schlussendlich, als er einen Tisch ganz in der Nähe in Augenschein nimmt, der allerdings schon von jemandem besetzt ist. Hinterschluckend stelle ich mich neben ihn und lege leicht den Kopf schief, als ich Kanda sehe, der völlig unbeteiligt die Worte des Suchers ausblendet, der hinter ihm steht.

"Hör auf, Buzz!", zischt ein anderer gut hörbar, sodass sich schon die ersten Köpfe zu den beiden umdrehen.

"Nicht der...", raunt Allen neben mir und zieht ein widerwilliges Gesicht, als ich mich dem Tisch nähere.

"Halt die Klappe.", raunt nun der kaltherzige Schwarzhaarige, der soeben mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck seine Essstäbchen zur Seite legt.
Gelangweilt stützt er seinen Kopf auf der Faust ab und fügt hinzu: "Schleich hier nicht so herum und unterlasse es, von deinen toten Freunden zu sprechen, währen ich esse. Das verdirbt mir den Appetit."

"Ach, herrje.", murmle ich, als der großgewachsene Sucher wütend das Gesicht verzieht.
"Du...!", knirscht Buzz und ballt die großen Hände zu Fäusten. Offensichtlich hat er arg mit sich zu ringen, nicht zuzuschlagen. Leicht murre ich. Mensch, Kanda muss doch nicht immer so provozieren.

"Wie gehst du bitte mit deinen Verbündeten um, eh?!", empört der Größere sich und knirscht mit den Zähnen.

"Wir Sucher arbeiten unter euch Exorzisten, unterstützen euch und riskieren dabei unser Leben! Du... Du...!"

Ruckartig sieht Buzz auf, während er mit seiner Faust droht. Schwer schlucke ich. Kanda würde jederzeit rechtzeitig ausweichen können, aber ob er es wirklich drauf anlegen sollte? Außerdem würde Buzz doch niemals zuschlagen, oder? Nein, Kanda würde ihn fertigmachen, das weiß er selbst. Er wäre dumm, es zu riskieren.

"Du sagst, es verdirbt dir den Appetit?!"

Hastig und erschrocken verschlucke ich mich, als er trotz dessen ausholt, um dem Exorzisten einen saftigen Kinnhaken zu verpassen. Allen verspannt sich neben mir, als der Grauäugige sich allerdings nur wenige Zentimeter zur Seite lehnt, um dem Angriff zu entkommen, bevor er selbst herumfährt und den entgeisterten Buzz am Hals packt.

"Mist.", nuschle ich und stelle nun doch mein Tablett weg, ehe ich mich zwischen den Schaulustigen durchdrängle.

"Ihr unterstützt uns?", höre ich den Schwarzhaarigen gedämpft höhnen.

"Nein, ihr könnt nichts, außer uns zu unterstützen... Ihr ward nicht fähig genug, Exorzisten zu werden."

"Lasst mich durch.", hetze ich und quetsche mich zwischen zwei schieren Schränken hindurch, die mich höchstwahrscheinlich nicht einmal wahrnehmen. Innerlich rege ich mich über das teilnahmslose Verhalten der anderen Sucher auf. Warum unternimmt hier niemand etwas? Oder haben sie etwa alle Angst, sie könnte die nächsten auf Kandas Liste sein?

"Ihr seid Versager, die von der Innocence zurückgewiesen wurden. Für euch Sucher ist genug Ersatz vorhanden." Keuchend remple ich jemanden zur Seite, als er fortfährt: "Wenn ihr nicht sterben wollt, dann verschwindet.", und breche endlich durch die enge Mauer an Menschen, nur um zu sehen, wie er seinen Griff um die Kehle des panischen Mannes festigt.

"Schluss, hör auf!", rufe ich und nehme die Beine in die Hand, doch ehe irgendwer hier noch weiter etwas unternehmen kann, verzieht sich Kandas Antlitz zu einer wutverzerrten Grimasse, als eine unnatürlich düstere Hand unverhofft seinen Arm packt.

"Stopp."

Ruckartig stocke auch ich, als niemand anderes als Allen persönlich neben den beiden steht und den schwarzhaarigen Mann abwartend fixiert. Meine Augen weiten sich. Wann, bei Gott, hat Allen mich überholt?

"Eigentlich hasse ich es, mich in einen Streit einzumischen, der mich nichts angeht, aber ich finde, dein Ton ist einfach unangebracht.", weist er Kanda schnaubend zurecht und verengt missbilligend seine blaugrauen Iriden. Kurz starrt der Schwertkämpfer den Kleineren in Grund und Boden, und keinesfalls lockert sich seine Hand um den Hals des zitternden Suchers, dessen Augen nun seinen Retter fokussieren.

Dann aber glätten sich Yuus Gesichtszüge wieder zu seiner altbekannten Härte und er raunt: "Lass mich los, Bohnenstange."

"Bohnenstange?", empört der andere sich und schnell nähere ich mich den beiden. "Mein Name ist Allen."

"Ich werde mich daran erinnern, solltest du es schaffen, einen Monat lang nicht ins Gras zu beißen.", zischt sein Gegenüber eisig, was Allen genervt das Antlitz verziehen lässt.

"Lass ihn los, Kanda.", mische ich mich besorgt ein und löse todesmutig seine Hand vom bereits knallroten Hals des erstarrten Suchers, der sogleich panisch nach Sauerstoff schnappt. Abwertend mustert er nun sowohl den Verfluchten, als auch den Sucher und mich, während er raunt: "Viele Sterben hier wie die Maden unter einem Gasbrenner... So wie er hier."

Schmerzlich greift sich Buzz an die beschädigte Haut und schüttelt widerwillig den Kopf, als ich seine großen Hände vorsichtig versuche wegzuziehen, um mir selbst die Stelle zu besehen.

"Kannst du normal atmen, ohne Schmerzen?", frage ich leise und fahre leicht über die deutlich erhitzte Haut.
Hektisch nickt er und ächzt erleichtert, als ich hinzufüge: "Das wird höchstwahrscheinlich nur ein Hämatom geben, aber besser ist es, wenn du hier noch einmal einen Arzt darüber schauen lässt.", und mich danach wieder den beiden Jungs zuwende.

"Ich sage es dir gerne noch einmal.", spricht Allen ruhig und lässt den anderen nicht aus seinem Griff. Seine Beherrschung beeindruckt mich. Obwohl er innerlich sicherlich köcheln muss vor Zorn, bleibt er vollkommen gelassen und gefasst.

"Dein Ton ist unangebracht."

"Fass mich nicht an, Verfluchter.", gibt der Grauäugige aber nur kühl zurück und zuckt nicht mit der Wimper, als er ihm in die gleichsam eisigen Iriden schaut.

Schnaubend folgt Allen Kandas Worten und lockert seinen Griff, sodass der andere locker seinen Arm zurückzieht.
Leicht legt er den langen Haarschopf schief, ehe er gedämpft raunt: "Du wirst jung sterben. Ich hasse Leute wie dich."

Der kleinere Weißhaarige verzieht keine Miene und antworte ihm genauso freundlich: "Das Kompliment gebe ich gerne zurück."

Auf ein nicht hörbares Signal hin fletschen sie beide gegenseitig die Zähne und spannen sich an, worauf die umliegenden Sucher schluckend und nach Luft ringend zurückweichen, wohl aus Angst, die beiden gehen hier gleich aufeinander los und reißen Unschuldige mit in die Sache hinein.
Skeptisch ziehe ich eine Augenbraue in die Höhe, als ich mir die zwei besehe, dann schüttle ich nur den Kopf und schiebe den immer noch zähneknirschenden Buzz leicht davon, während ich sage: "Na los, geh ins Krankenzimmer, Kanda hat immerhin einen festen Griff."

"J-ja... Man, was macht der Kleine nur?", fragt er sich leise und wird anschließend von seinen Kameraden aus dem Speisesaal geleitet. Als sie die Halle verlassen und ich mich gerade wieder den Streithähnen zuwenden möchte, nicht, dass hier noch ein Blutbad entsteht, ertönt eine angenehme Stimme in der Umgebung.

"Da sind sie, Captain Reever."

"Lenalee?", frage ich und entdecke meine Freundin, die den obersten Wissenschaftler durch die nun so vielen Menschen manövriert.

Anscheinend hat das Theater so einige Schaulustige angelockt. Besagter Wissenschaftler hebt grüßend die Hand, als er mich sieht, und deutet anschließend auf die sich immer noch giftig anfunkelnden Exorzisten.

"Ich will es gar nicht erst wissen.", kommentiert er die Situation und greift sich an die Stirn, während er nur schwer seufzt. Lenalee tritt argwöhnisch neben mich und beäugt ebenso die beiden, bevor sie aber nur ächzend mit den Schultern zuckt und mir spielerisch den Ellenbogen in die Seite stupst.

"Sammle doch bitte die Jungs ein, ihr werdet erwartet."

"Warum ich...?", nuschle ich unhörbar, rufe die beiden dann aber laut und deutlich, obwohl ich es kurz darauf auch schon wieder bereue, so vernichtend, wie ihre Blicke sind.

Reever, der das natürlich mitbekommt, schnaubt missbilligend und meint: "Bewegt eure Hintern, ihr sollt euch im Büro des Oberaufsehers einfinden. Ihr drei habt einen Auftrag."

Perplex blinzle ich kurz, als Allen fassungslos den Mund aufreißt und anschließend an seinen Kontrahenten deutet, dann aber nur stolz das Kinn in die Höhe reckt, ohne weitere Worte an jenem vorbeigeht und ihn keines weiteren Blickes mehr würdigt. Minimal zuckt Yuus Augenbraue, als er dem Jüngeren hinterhersieht, ehe er etwas Undeutliches in seinen imaginären Bart murmelt. Ich verwette meinen Gummibärchenvorrat, dass es eine wüste Verwünschung ist...

"Du auch, Mavis."

Mit einem entschuldigenden Schmunzeln zieht Lenalee mich vorwärts und nickt Reever einmal zu, der uns die Tür öffnet und höflicherweise auch auf Kanda wartet, der nur abwertend mit der Zunge schnalzt.
Also... die beiden... und ich?
Stumm seufze ich, als wir durch die dunklen Korridore Komuis Büro ansteuern und frage mich wirklich, warum ich heute Morgen aufgestanden bin. Allen vor mir verschränkt die Arme hinter dem Kopf und wirft einen Blick zurück, um zu schauen, ob auch wirklich der Schwarzhaarige gemeint war, ehe er nur seufzt, als er ihn direkt hinter sich sieht.

"Tut mir leid für dich.", spricht die Schwarzhaarige neben mir erheitert lächelnd, während ihr der Schalk aus den Augen blitzt.

"Von wegen...", erwidere ich daher und reibe mir die Arme. Naja, zumindest Allen kommt mit...

"Das darf jetzt echt nicht wahr sein.", murrt Reever und seufzt genervt, ehe er den auf seinem Schreibtisch schlafenden Komui heftig rüttelt und ihn dabei mehrmals beim Namen ruft.

Als das immer noch nichts hilft, nähert er sich vorsichtig dem Ohr des Oberaufsehers und raunt: "Lenalee meinte eben, sie würde bald heiraten wollen.", was die Genannte irritiert und leicht rot den hübschen Haarschopf schieflegen lässt.

"Captain Reever, bitte.", mahnt sie, als ihr Bruder binnen Sekundenbruchteilen alarmiert aus seinem Schlaf erwacht und hysterisch seinen dunklen Haarschopf hin und her wirft, ehe er sie fokussiert.

"Lenalee!", ruft er unglaubwürdig aus und ist drauf und dran, über den Tisch zu springen, würde der Wissenschaftler ihn nicht durch einen gezielten Griff daran hindern.

"Heiraten? Heiraten?! Wann wolltest du mir das erzählen?! Das werde ich niemals zulassen!", empört er sich und ringt mit seinem Kollegen, um freizukommen. Seine Schwester, der es mehr als nur peinlich ist, dass er so einen Aufstand macht, atmet nur tief durch und legt sich die Hände an die verfärbten Wangen.

"Gerade frage ich mich, wo ich hier gelandet bin...", raunt Allen neben mir fassungslos und beäugt den Oberaufseher entgeistert.

"Im Schwarzen Orden natürlich, wo sonst?", schmunzle ich und werfe einen Blick zu Kanda hinüber, dessen Augenbraue schon wieder verdächtig zuckt. Mensch, was würde ich nur dafür geben, um ihn seiner Gegenwart Mäuschen zu spielen und in seinen Kopf schauen zu können. Wahrscheinlich die Hälfte meiner Bücheransammlung.

Reever, dem das Theater hier langsam zu bunt wird, drückt den Oberaufseher in dessen Stuhl und deutet auf uns andere, während er sagt: "Wolltest du den dreien nicht etwas mitteilen?", und damit sogar die gewünschte Wirkung erzielt.

Ächzend gibt er nach und meint noch: "Lenalee? Wir sprechen uns dann noch.", was die Genannte leidlich seufzen lässt. Dann wendet er sich endlich uns zu und verschränkt die Hände ineinander.

"Da wir nicht viel Zeit besitzen, werdet ihr drei noch vor dem Abendanbruch aufbrechen müssen."

"Ich? Mit dem Verfluchten und dem Shrimp?!"

"Wer ist der Shrimp?", zischt Allen mir gedämpft ins Ohr und mustert den erbosten Schwertkämpfer abwertend.

Murrend kaue ich mir auf der Unterlippe herum und entgegne: "Ich.", was Allen nur noch abschätziger dreinschauen lässt.

"Ich denke mir auch einen Spitznamen für ihn aus...", prophezeit er, worauf es mir gleich ein wenig besser geht. Dankbar lächle ich ihm zu.

"Genau.", flötet der Oberaufseher und grinst beinahe schon süffisant: "Kommt ihr damit etwa nicht klar?"

"Wenn man mal bedenkt, was geschehen ist, als sie sich das erste Mal getroffen haben...", wirft Captain Reever in den Raum hinein und erntet eifriges Nicken seitens Lenalee.

"Ich werde euren Beschwerden keinerlei Beachtung schenken.", zuckt Komui mit den Schultern und deutet auf die Weltkarte, die an der Wand seines Raumes hängt.

"Wir haben ein Fragment der Innocence in Süditalien aufgespürt, aber es scheint, als ob die Akuma Notiz davon genommen haben und es nun selbst anvisieren. Begebt euch also mit aller Eile zum Zielort, vernichtet die Feinde und erbeutet die Innocence."

Schnell zaubert er drei Handbücher aus den Tiefen seines Tisches hervor und überreicht sie uns, während er ergänzt: "Für die Spezifikation werdet ihr das hier auf dem Weg lesen müssen."

Neugierig blättert Allen bereits in dem kleinen, schwarzen Büchlein herum, während Kanda zu seiner linken es nur wegsteckt, ohne ihm Beachtung zu schenken.
"Noch etwas?", frage ich und besehe mir den kleinen Wälzer, ehe ich aufsehe. Komui schüttelt lächelnd den Kopf. "Nein, das ist alles."


~ D. Gray-Man ~

Ja, meine Kapitel haben allesamt diese Länge.

Guten Abend/ Nacht/ was auch immer. :)

Ja, Allen hat wirklich noch absolut keine Ahnung, was genau eine Innocence ist, obwohl er doch drei lange Jahre lang unter Cross' Fuchtel stand und geknechtet wurde. Oder zumindest hat er in der japanischen Version mit deutschem Untertitel keinen blassen Schimmer davon.
Ich finde es toll, dass einfach schon zu dieser Zeit die innige Liebe zwischen der Bohnenstange und Bakanda so offen dargestellt wurde. :D

Gute Nacht, Leute. (^~^)/
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