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Übersetzung - Last Rites of the Full Moon

von Sonaea
OneshotSchmerz/Trost / P12 / Gen
Kirito
04.05.2020
04.05.2020
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Hallo!
Ein kleiner Oneshot von mir. Es handelt sich um eine Übersetzung, aber ich habe mir natürlich die Erlaubnis dafür eingeholt. Falls ihr lieber das Original lesen wollt, verlinke ich es euch unten.
Jah, ich weiß, mittlerweile sind die Schwarzen Katzen der Nacht schon längst Schnee von gestern, aber … Ich fand die Geschichte dennoch nett und dachte mir, ich könnte sie ja übersetzen. Vielleicht fühlt sich ja noch jemand nostalgisch genug, um sie zu lesen.
Ansonsten … gibt es nicht viel zu sagen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Link zum Originalautor

Link zur Originalgeschichte




Last Rites of the Full Moon


Es war eine Fahrt, die ich alleine unternehmen musste. So gerne ich auch Asuna oder Suguha mitgenommen hätte, diese Sache hatte nichts mit ihnen zu tun.

Ich hätte Kikuoka nach der Information fragen können, aber ich hatte nicht noch mehr in der Schuld des Regierungsbeamten stehen wollen. Und außerdem war es auch nicht besonders schwer gewesen, es selbst zu recherchieren. Die Internetsuche nach bestimmten Informationen an einem bestimmten Tag hatte nur ein passendes Ergebnis hervorgebracht. Und das führte mich hierher.

Ich sah mich zwischen den vielen mit Namen eingravierten Steinen um, auf der Suche nach der Stelle, wo ihre Aschen begraben waren. Endlich fand ich, nach was ich gesucht hatte: Fünf Steine nebeneinander, beschriftet mit Namen, die ich nicht mit ihnen verband. Die echten Namen der Mitglieder der Schwarzen Katzen der Nacht. Es erschien mir passend, dass sich ihre Gedenkstätten nebeneinander befanden.

Ich war etwas zu früh gekommen, bemerkte ich, und kniete mich vor ihren Namen nieder. Erinnerungen an vergangene Tage besuchten mich ungebetener Weise wieder. Erinnerungen an eine Zeit, während der die Menschen, denen diese Namen gehört hatten, gelacht und gestritten hatten. Erinnerungen an eine Zeit, in der wir alle zusammen innerhalb eines Spieles gelebt hatten.

„Entschuldigung?“

Ich sprang auf und verbeugte mich vor der Person, die gesprochen hatte. „Verzeihung. Ich hoffe, ich störe nicht.“

Die Frau schüttelte den Kopf. „Warst du ein Klassenkamerad?“

Ich runzelte die Stirn. Mir gelang es nicht, die überdurchschnittlich große Frau anzusehen, die Tetsuo viel zu ähnlich sah, als dass etwas anderes als seine Mutter sein konnte. „Ich befürchte nicht … ich bin ihnen zum ersten Mal vor zwei Jahren begegnet.“

Die Frau schnappte erschrocken nach Luft. „Du warst …“

Ich nickte nur schwach.

„Weißt du … weißt du wie mein Neffe gestorben ist?“

Ich biss mir auf die Zunge, als mir klar wurde, dass ich ihr Verwandtschaftsverhältnis falsch eingeschätzt hatte. Die Frage jedoch überraschte mich keineswegs. Ich versuchte den Seufzer, der mir über die Lippen zu kommen drohte, zurückzuhalten. Das war schließlich der Grund, aus dem ich hierher gekommen war. „Ja … ich war dabei. Wäre es vielleicht möglich, alle Familien zusammenzurufen?“

Die Frau nickte. „Tatsächlich sollten sich die meisten sogar schon auf dem Weg hierher befinden. Ich kann sie anrufen, um sicherzugehen.“

Die anderen Familien begannen nicht lange nach der Ankunft von Tetsuos Tante nach und nach einzutrudeln. Sie beäugten mich misstrauisch und sprachen mit leisen Worten untereinander. Als schließlich auch Keitas Eltern da waren, baten sie mich zu erzählen.

Und ich erzählte ihnen alles. Ich begann mit meiner Täuschung bei unserem ersten Zusammentreffen, als ich ihnen geholfen hatte gegen eine Gruppe Monster zu kämpfen und mich dann als schwächerer Spieler ausgegeben hatte, als ich es tatsächlich war. Ich erzählte ihnen, wie ich die Lüge weitergestrickt hatte, nachdem sie mich eingeladen hatten, mich ihrer Gilde … ihrer Familie anzuschließen. Wie ich, obwohl ich ihnen half, höhere Level zu erreichen, es nicht übers Herz bringen konnte, ihnen die Wahrheit zu sagen, einfach nur aus dem egoistischen Grund, dass ich nicht wieder allein sein wollte. Doch meine Lügen hatten zu etwas weitaus Schlimmerem geführt als lediglich Ablehnung: zu ihrem Tod. Wenn ich ihnen die Wahrheit gesagt hätte, wären vier Kinder nicht in der Falle ums Leben gekommen und ein fünftes hätte sich nicht aus Verzweiflung selbst umgebracht. Als ich mit meiner Erzählung geendet hatte, legte ich eine Blume vor jedes Grab, in der Reihenfolge, in der sie gestorben waren.

Plötzlich spürte ich das brennende Gefühl, das eine Ohrfeige hinterließ, auf meiner Wange.

„Es ist deine Schuld, dass Takuya gestorben ist!“

Sonderbar, dass es Duckers Mutter war, die mich als erstes schlug, wenn es doch ihr Sohn gewesen war, der trotz meiner Proteste die Falle ausgelöst hatte. Es gab Zeiten, da wollte ich ihm die Schuld geben, doch das wäre nur eine weitere meiner Lügen.

Duckers Vater ergriff die Hand der Frau, bevor sie mich erneut schlagen konnte. „Liebe, sei still. Es war Takuyas Schuld, dass er auf eine so offensichtliche Falle hereingefallen ist.“

„Er hat sie angelogen!“, zischte die Frau wütend.

Der Mann sah sie mit einem traurigen Gesichtsausdruck an. „Und ich kann mir ganz genau denken, was Takuya getan hätte, wenn er gewusst hätte, dass der Junge hier ein Spitzenspieler war. Er wäre nur noch leichtsinniger gewesen. Er hätte in Dungeons mit höheren Leveln gehen wollen, schneller EXP sammeln wollen, alles in dem Glauben, dass dieser Junge es schon schaffen würde, sie zu beschützen. Zumindest wenn ich derjenige gewesen wäre, der gespielt hätte, hätte ich so reagiert.“

„Ich wünschte, du hättest darauf bestanden, als erster zu spielen!“ Sie riss ihre Hand los, drehte auf dem Absatz um und stürmte davon.

Duckers Vater schüttelte den Kopf. „Es war klug von dir, uns nicht deinen Spielernamen zu verraten. Auf den Scheidungspapieren hat sie als Grund ‚unfairer Tod unseres Sohnes‘ angegeben. Ich halte dir nicht vor, Freunde und den Anschein eines normalen Lebens haben zu wollen.“

Es war wohl eher Feigheit gewesen, wenn man bedachte, dass ich meinen Sword Art Online Spielernamen noch immer in MMOs verwendete und dies somit beinahe gleichbedeutend war, wie wenn ich ihnen meinen echten Namen gab.

„Ich kann mich bei dir nicht bedanken.“

Ich senkte meinen Kopf vor Tetsuos richtiger Mutter und wartete auf meinen Urteilsspruch.

Die Frau fuhr fort: „Das wäre nicht genug, um das auszudrücken, was ich sagen will. Endlich zu wissen, dass mein Sohn nicht nur mutig genug war zu kämpfen, sondern dass er sich auch dafür einsetzte, alle aus diesem schrecklichen Spiel zu befreien … Dass er sich nicht selbst aufgegeben, sondern sein Leben fortgesetzt hat, unter welchen Bedingungen auch immer. Das zu wissen … Ein einfaches ‚Danke‘ reicht nicht aus.“

Das war nichts, was ich von irgendeinem der Anwesenden zu hören erwartet hatte, auch wenn ich gehofft hatte, dass sie, wenn sie die Wahrheit erfuhren, endlich würden abschließen können.

„Ein Teil von mir will dich schlagen, weil es dir nicht gelungen ist, meine Tochter am Leben zu erhalten.“

Ich zog eine Grimasse. Sachis Vater war um einiges größer, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Dieser Mann hatte jedes Recht dazu, seine Drohung auszuführen. Doch er griff stattdessen nur unter mein Kinn und hob meinen Kopf an, so dass ich ihn anblicken musste.

„Ich kenne diesen Blick in deinen Augen. Du gibst dir schon seit zwei Jahren die Schuld für ihren Tod. Du bist nicht hierhergekommen, um uns wissen zu lassen, wie unsere Kinder ums Leben gekommen sind, du bist hierhergekommen, damit wir dich bestrafen.“ Sachis Vater ließ mich los. „Alles, was du getan hast, ist mir erneut zu bestätigen, dass Kayaba, dieser Scheißkerl, meine Tochter ermordet hat. Wenn ich irgendjemand anderem die Schuld dafür zuschieben würde, dann wären das ihre dummköpfigen Freunde, die sie dazu gezwungen haben, zu kämpfen. Du hast ihnen eine Chance gegeben, das durchzustehen und sie haben sie versaut.“

Das letzte Kommentar von Sachis Vater brachte ihm wütende Blicke der anderen Eltern ein. Nicht dass ich sie dafür verurteilen konnte, denn ihre Söhne traf die Schuld wirklich nicht.

Keitas Mutter trat zu mir. „Ich hatte immer schon den Verdacht, dass das der Fall war. Dass mein Sohn nicht mit den anderen war, als sie gestorben sind. Nachdem ich hörte, dass die anderen gestorben waren bin ich ins Spital geeilt … ich konnte nur dasitzen und beten. Auf einmal sah ich auf seinem Herzmonitor, wie es stehen blieb und dann gefährlich schnell zu schlagen begann … und … dann das Zischen … der Geruch …“ Tränen strömten ihr aus den Augen. „Ich wusste, dass er in dem Moment herausgefunden hatte, dass er allein war und sich den anderen angeschlossen hatte.“

Ich ballte meine Hände zu Fäusten. Noch nie zuvor hatte ich gehört, wie es den Menschen auf der anderen Seite ergangen war. Die, die anwesend waren, als das NerveGear die schrecklichste seiner Funktionen ausführte. Ich hatte es möglichst vermieden, darüber nachzudenken, was für Aktionen es in der realen Welt verursachen würde. Nun konnte ich nicht anders, als mir voll Entsetzen vorzustellen, wie es wohl sein möge zu sehen, wie das Gehirn eines Geliebten vor den eigenen Augen frittiert wurde. Kayaba mochte zwar die vierte Person gewesen sein, die ich in einem Kampf umgebracht hatte, doch in seinem Fall verspürte ich keine Reue. Bei der Hölle, durch die er zehntausend Familien geschickt hatte, und all den Toden, die er verursacht hatte, verdiente er nichts Geringeres.

Sasamarus Mutter hatte einen bösen Blick. „Ich habe dir doch gesagt, dass du das nie wieder erwähnen sollst. Ich hätte nicht hier sein sollen. Ich will wirklich nicht wissen, dass mein Sohn in Todesangst gestorben ist.“

„Das ist nicht das, was du denken sollst, Mama“, meinte Sasamarus kleine Schwester. „Sie waren vielleicht in einem Spiel, aber sie haben dort immer noch gelebt! Sie haben sogar diesem Gaming Nerd geholfen.“

Sachis älterer Bruder verschränkte die Arme vor der Brust. „Eine Sache will ich wissen. Was ist mit dem Scheißkerl passiert?

Ich grinse, als er sich weigert, Kayaba bei seinem Namen zu nennen. „Er hat nach denselben Regeln gespielt wie alle anderen. Der Grund, aus dem das Spiel bereits in der 75. Ebene endete, war, weil er da gestorben ist.“

Sachis Vater gluckste leise. „Du hast es vielleicht nicht geschafft, meine Tochter am Leben zu halten, aber du hast sie gerächt, oder?“

Ich konnte ihm keine Antwort auf diese Frage geben. In Wahrheit war ich zwar derjenige gewesen, der Kayaba umgebracht hatte, doch den letzten Schlag hatte ich für Asuna ausgeführt, nicht für Sachi und auch nicht für irgendeinen anderen der 4 000 Spieler, die gestorben waren.

Tetsuos Mutter legte ihre Hand auf meine Schulter. „Du hast uns mehr geholfen als ich je ausdrücken könnte. Vielleicht schaffen wir es endlich, diese Tragödie hinter uns zu lassen.“

Ich wollte ihren Dank nicht hören, als sie sich einer nach dem anderen verabschiedeten und davongingen. Es waren meine Lügen gewesen, die zum Tod der Schwarzen Katzen der Nacht vor zwei Jahren geführt hatten. Ihre Familien hatten alles Recht der Welt, mich zu beschimpfen und zu verfluchen. Und doch hatte das nur eine Person getan.

Sachis Vater blieb als letzter zurück und als nur noch wir beide da waren, wandte er sich erneut mir zu.

„Hast du eine Familie? Freunde? Eine Freundin?“, fragte der Mann mit einem seltsamen Ernst in der Stimme.

Ich nicke nur, unsicher, weshalb er das wissen möchte.

„Lass sie dir helfen, aus dem Spiel zu kommen. Meine Tochter hat mich aus dem Schlachtfeld gerettet, als ich nach meiner Heimkehr nicht in mein altes Leben zurückfinden konnte. Sie hat mich zurück in die Welt geführt, mich geliebt, obwohl ihr Vater als ein braver Soldat Menschen auf Befehl hin umgebracht hat.“

Er musste nicht weiter erklären, was genau er meinte. Selbst jetzt noch fühlte ich mich manchmal, als wäre ich noch in Aincrad, in den Labyrinthen und würde um mein Leben kämpfen. Schlimmer noch war es, wenn mein Gegner kein Monster war, sondern die PK-Gilde Laughing Coffin, von der zwei Mitglieder von meiner Hand gestorben sind und später noch ein dritter.

Und dann war ich alleine, alleine mit meinen Gedanken. Noch einmal sah ich mich in dem Raum, in dem für Sachi und ihre Freunde alles geendet hatte. Ihre letzten Worte klangen noch einmal durch meinen Kopf. „Arigato. Sayonara.“
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