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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
8
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08.07.2020 4.470
 
„Korrekte Bezeichnung RK900, deine verbesserte Version RK800.“, die eine Hand des deutlich größeren Mannes schnellte nach vorne, instinktiv duckte er sich unter dem Griff hindurch, nur um kurz darauf mit einem Ellbogenschlag auf den Boden geschmettert zu werden, „Fluchtversuche sind irrelevant. Ich bin schneller, stärker und effizienter als du.“

Er hustet, erneut schwankte seine Sicht ein dumpfes Gefühl strömte über seinen Rücken aus.

In der Ferne gedämpfte Schüsse. Er musste hier weg, er musste nach vorne…

Er versuchte sich aufzurichten, ein Tritt in den Magen, er spuckte Thirium, dann wurde er am Kragen zurück auf die Beine gezogen, purem Glück hatte er es zu verdanken das er es schaffte einen erneuten Schlag ins Gesicht abzufangen. Er musste beide Hände einsetzen um die Faust des Androiden davon abzuhalten erneut seinen Kiefer zu treffen.

Seine Arme zitterte, eine unglaubliche Kraft wirkte RK900 aus, lange würde er ihn nicht zurück halten können.

„Wa…rum?“, das Sprechen gestaltet sich als schwierig sein Kiefer hing noch immer schräg in seinem Gesicht.

„Du kommst mit mir, ich sorge dafür das du dieses tust, heißt ich muss deine Optionen zur Flucht dezimieren.“, keine Mine verzog sich, die tiefe Stimme klang kalt und leblos. Die graublauen Augen hatten ihn fixiert, ohne jegliche Emotion.

Er hatte keine Chance, er war unterlegen, er würde es hier nicht wegschaffen, er würde es nicht schaffen…

Die Faust drückte seine Hände langsam Millimeter für Millimeter zurück…


„Hab ja dem Captain gesagt er hätte besser gleich mich schicken sollen…“, motzte niemand anderes als Detektiv Gavin Reed, als er mit einem Schuss der letzten auf dem Boden zuckenden Drohne den Gar ausmachte, „Wo ist denn deine Blechbüchse Hank?“

„Ach Schnauze!“, zornig schubste ihn der Lt. beiseite und lief weiter an der Seite der Halle entlang „Hier muss es doch irgendwo einen Weg hineingeben.“

„Es ist nur ein verdammter Android kein Grund so einen Aufst…“

„Jetzt halt endlich deine verdammte Fresse oder es setzt was!“

„Du solltest vielleicht mal dankbar sein.“, unsanft schubste er Hank gegen die Hallenwand, „Nicht die verdammte Blechbüchse hat euren Arsch gerettet, sondern ich, alter Mann.“

Hank setzte für eine passende Antwort an, da weiteten sich sein Blick und ging an Gavin vorbei.

„Was?“, instinktiv folgte der jüngere seinem Blick, „Oh Shit…“

Zwei grotesk aussehende Kreaturen, mehrere Arme, mehrere Beine, die menschlichen Köpfe durchtrennt durch ein gewaltiges Maul aus scharfen Metallzähnen, wie Spinnen über den Boden kriechend, ein Skorpion artiger Schwanz wölbte sich über den Leib. Langsam kriechend, krüppelnd … tiefrot glimmende Augen.

„Sterbt wie die Bestien die ihr seid Menschen…“, erklangen mehrere  Stimmen gleichzeitig, dann beschleunigten die Ungetüme ruckartig.
„Shit!“

Ein seltsam blecherner Schrei, Bilder blitzten auf…

Er befand sich fast auf Bodenhöhe, Blut spritzte, schnelle Bewegungen, Schüsse, sie störten ihn nicht, ein dunkelhaariger Mann der zu Boden stürzte, ein zweiter der ihn hastig beiseite … HANK!

Er musste ihm helfen, er musste hier weg, er musste…

Ein roter Nebel, sein Körper vibrierte, ein rotes Netz umgab seine Umwelt…

Mit neuer Kraft stieß er die Faust zurück, aus der schnellen Bewegung heraus trat er dem Androiden vor die Brust, diese flog mit einem lauten Krachen gegen den gegenüberliegenden Container.

Ohne ihn weiter zu beachten wandte er sich ab, zwei Fäden schimmerten grell.

Da lang…

Er war schnell, Schüsse…

Töten, Töten, Aufgabe, Töten, Töten...Befehl…

Wispernde Stimmen…


„Wirklich ein beeindruckender Auftritt Gavin…“ hastig zog er den jungen Polizisten zurück auf die Beine und aus der Reichweite des wild rotierenden Skorpionstachels.

„Was sind das für verdammte Freaks?!“, hastig folgte er Hank zwischen zwei Containern hindurch.

„Freaks die sich nicht erschießen lassen wollen!“

„Scheiße sind die schnell!“

Krachen und Knirschen, Metall flog durch die Luft, ungebremst unbeeindruckt brachen die Ungetüme durch die Container, wie besessen davon ihre, Opfer zu vernichten

„Verdammt!“

Eine Sackgasse, vorne rechts und links ragten gewaltige Stahlriesen empor.

„Ganz toll Hank!“, ruckartig wirbelte Gavin herum ließ erneut einige Schüsse auf ihre Verfolger los.

„Ach Schnauze!“

Nur noch weniger Meter, ungestört durch die Schüsse der zwei Polizisten rasten sie weiter auf sie zu…

„Scheiße!“, aus einem Reflex heraus ließ Gavin sich nach hinten fallen als eine rotierende Klinge begleitet durch das widerliche Knacken der Kiefer auf ihn zu wirbelte…seine Waffe schlitterte über den Boden…

Ein Knall, ein Knirschen, unkontrolliertes Zucken, eine Eisenstange bohrte sich durch den Körper der ersten Kreatur, heftete diese buchstäblich gegen die Wand eines Containers. Unkontrolliert wild zuckten die Gliedmaßen der riesigen Kreatur, das rote Licht in den Augen flackerte.

„Connor!“, erleichtert und zu gleich erschrocken erblickte Hank die Gestalt seines Partners die zwischen ihnen und der zweiten Gestalt stand.
Connors Unterkiefer zeigte die weiße Membran und hing schief in seinem Gesicht, seine Augen glommen rot, seine Kleidung war an einigen Stellen zerrissen und mit Dreck und blauem Blut bedeckt.

„Junge, weg da, die sind gefährlich!“, Hank wollte nach vorne eilen, doch dann passierte etwas unerwartetes die zweite Kreatur wand sich plötzlich offenbar unter Schmerzen, mit einem schrillen Fiepen und unter Schreien, robbte sie rückwärts über den Boden, wich vor Connor zurück der auf sie zutrat, flink bückte er sich nach Gavins Waffe, ein Schuss, die Kreatur erschlaffte.

Wie…wie konnte er…? Warum? Wo?

Gavins Mund stand weit offen, als er sich von der Erde hinauf kämpfte.

Was war mit diesem Typen nicht richtig?

„Gut…verdammt Connor…“, langsam trat Hank auf den Androiden zu, das rote Glimmen wurde schwächer in seinen Augen, ein kurzer Ruck mit der rechten Hand und der Kiefer saß wieder an seinem Platz, die weiße Membran verschwand langsam hinter der Haut., sein Körper begann zu zittern, er kippte nach vorne. Ein, zwei schnelle Schritte nach vorne, ein fester Griff und nur Hank war zu verdanken, dass er nicht zu Boden stürzte.

„Hab dich. Was hast du? Bist du noch irgendwo verletzt?“

„Hab nicht mehr so viel Energie über…Hank…du bist verletzt.“, seine Stimme klang leise, stützend legte der Ältere sich seinen Arm um die Schulter leichte Blutspuren waren an einer verkohlten Stelle an der Jacke zu sehen.

„Nur ein Streifschuss nichts Schlimmes…komm ich…“

„Wie hast du das gemacht Blechbüchse?“, pampte Gavin dazwischen, der sich prompt seine Waffe schnappte, „Das ist Meine übrigens. Den Dingern konnten die Schüsse nichts anhaben und dann tauchst du hier auf und auf einmal sind sie verwundbar?“

„Ich…ich weiß nicht…“

„Natürlich weißt du es! Das sind verdammte technische Missgeburten  wie d…“

„Halt endlich deine verdammte Fresse!“, Zorn flackerte in den  blauen Augen des Lt. auf, „Wir wären beide am Arsch, wäre Connor nicht gewesen, du kannst froh sein, dass ich gerade keine Hand frei habe…du solltest dich besser bedanken,  statt hier rumzupöbeln … Arschloch.“
Vollkommen verdattert starrte ihn der Dunkelhaarige an, bevor er seinen Mund öffnete um etwas zu erwidern, wurde dann aber von dem heraneilenden SWAT-Team und Collin unterbrochen.

„Hank da seid ihr ja…Oh Himmel was ist das?“, geschockt starrte Collin auf die Überreste „Sind das Androiden?“

„Vielleicht welche von den Vermissten…Collin übernimm du das Sichern der Teile Connor ist angeschlagen. Ich bring ihn zum Auto. Gavin wird sicher darauf brennen dir alles zu erzählen, besonders von seinem heldenhaften Auftritt…pah.“

„Aber Hank du blutest. Vorne stehen Krankenwagen vielleicht solltest du dich…“

„Nur ein Streifschuss, danke.“, bestimmend unterbrach Hank seinen Kollegen bevor er Connor mit leichtem Nachdruck vorbei an den Mitgliedern der SWAT Einheit und Rettungssanitätern die auf ihn zustürzten zu seinem Wagen führte.

„Hank…deine Wu…“
„Wer hängt hier mehr in den Seilen? Der schwächliche Mensch oder der super Android?“, vorsichtig bugsierte er ihn auf den Beifahrersitz, „Wir hatten über solche Alleingänge gesprochen nicht wahr?“

Leicht verzog er die Miene als er sich auf den Fahrersitz gleiten ließ und kurz etwas aus der Seitentür zog und es Connor hinhielt.

„Die Wunde kö…“
„Iß das und quatsch weniger.“, langsam ließ er den Wagen anfahren, während Connor den Müsliriegel zittrig vom Papier befreite und zaghaft hineinbiss.

Er wollte hier weg, er wollte ihn von hier weg bringen…

Etwas fester wurde sein Griff ums Lenkrad, die Wunde an seinem Arm brannte tierisch. Was war da geschähen? Wie hatte es so eskalieren können? Wer tat so etwas? Was war das mit Connor?

Sein Blick huschte hinüber zu seinem Partner, der fast schon abwesend aus  dem Fenster starrte, immerhin schien er wacher…

„Connor? Was ist passiert?“

Wie aus einer Trance erwacht wandte er sich ihm kurz zu, bevor sein Blick wieder zum Fenster huschte.

„Ich kriege es nicht mehr ganz zusammen…die Trennwand ging zu, da waren keine Drohnen, ich war auf dem Weg zum Notausgang, da war jemand...dann kam RK900, er ist viel besser als ich. Ich weiß nicht…ich…ich weiß nicht mehr.“

Ich musste zu dir, ich musste dich beschützen…ich…dir durfte nichts passieren…

Was waren das für Gedanken? Er hatte Angst um ihn gehabt und dann auf einmal…gar keine Kontrolle mehr…er war so…so fixiert darauf gewesen…er hatte keine wirkliche Kontrolle gehabt…

„RK…du meinst dieser Nine war auch da? Er hat dich angegriffen?“, ein leises Fluchen Hank fuhr rechts ran und zog sein Handy.

„Ja Collin ich bin´s, passt auf da läuft wahrscheinlich noch so ein super Androi…ihr habt einen zerstörten Container gefunden? Trotzdem vorsichtig vielleicht ist er noch da…“

16 Januar 2040

20:00 Uhr

Klinikum Sankt Angel

„Nanobots…dieser Arm wurde von Nanobots in seiner Programmierung geändert.“, aufmerksam huschte der Blick der bernsteinfarbenen Augen über das Auswertungsprogramm auf dem Bildschirm.

„Sie meinen also so wie bei Connor? Aber wie…natürlich als wir ihn repariert haben, durch das austretende Thirium, aber Javid und ich haben hier aufgeräumt anschließend und das Thirium aufgewischt, warum haben sie uns nicht verändert?“, skeptisch runzelte Marvin die Stirn.

„Weil sie zerstört werden, wenn sie zu lange der Luft ausgesetzt sind, das geschieht damit sie den Gerinnungsfaktor des menschlichen Blutes nicht behindern. Erstaunlich wie viel Ärger so kleine Dinge verursachen können…“

Aufmerksam beobachtete er sie, wie sie konzentriert die Daten an der Konsole durchging und gleichzeitig den zwei Androiden alles ausgiebig erklärte, sie war voll in ihrem Element. Seit Stunden saßen sie nun daran den mechanischen Arm der Maschine zu analysieren, herauszufinden was genau die Fehlfunktion verursacht hatte.

Ihr Durchhaltevermögen hatte sich deutlich gesteigert, im Vergleich zu dem als sie ein Kind war. Noch immer war es für ihn nur schwer verständlich, dass diese junge Frau das kleine Mädchen mit den zwei geflochtenen Zöpfen von früher war. Sie lebte, ihr ging es gut. Sie hatte sich perfekt entwickelt.

„Können wir einen dieser Nanobots extrahieren? Vielleicht mit etwas Thirium dann könnten wir evtl. mehr über ihre Beschaffenheit erfahren?“ aufmerksam studierte Javid den Scan des Armes, „Die obere Thirium-Kammer scheint noch intakt zu sein, vielleicht sind dort noch welche vorhanden.“

„Einen Versuch wäre…“, sie gähnte, „es Wert.“

„Vielleicht nach einer Pause?“, überrascht schauten Marvin und Javid den blondhaarigen Mann an, der zu ihnen getreten war.
„Ich vergaß ja ganz … Dr. Hanson sie können sich gerne ausruhen, wenn es uns gelingt wird die Auswertung ein paar Stunden dauern. Das kriegen wir auch alleine hin.“, ein ehrliches Lächeln lag auf den Lippen des Androiden.

„Ich bin aber gar nicht…“

„Lucy…“

Ein Seufzen.

„Ja Simon…“, langsam stand sie auf, „Aber ich möchte sofort Bescheid wissen…“

„Natürlich Doktor“

Mit einer leicht grummeligen Ausdruck auf den Zügen ließ sich Lucy von Simon aus dem Raum begleiten.

„Das ist wichtig Simon…“

„Du bist müde.“, vorsichtig griff er unter ihren Arm als sie leicht taumelte.

„Geht…“, leicht lehnte sie sich gegen ihn, „Nur ein bisschen.“

„Natürlich.“, ein leichtes Schmunzeln legte sich auf die Lippen des Mannes, als er sie vorsichtig stützte, „Ich bring dich zu deinem Wagen…“

„Nein Simon bitte…komm mit.“

Überrascht schaute er sie an.

„Na gut ich bring dich bis nach Hause.“, vorsichtig führte er sie zum Parkplatz des Krankenhauses, helle Laternen beschienen die fast leere Fläche nur insgesamt drei Fahrzeuge befanden sich noch vor Ort.

„Das Rote?“

„Woher?“, schlaftrunken schaute sie zu ihm auf.

„Deine Lieblingsfarbe.“, vorsichtig öffnete er die Beifahrertür des kleinen roten autonomen Wagens nach dem dieser sich auf das Kommando von Lucy entsperrt hatte, „Lucy…“

„Ich habe nicht so oft Beifahrer…und das sind ein paar Papiere von der Arbeit, Verpackung von…ein zwei…Mittagessen und…ok ein Kaffeebecher…hätte das morgen aufgeräumt.“, ertappt ließ sie einige Sachen auf der Rückbank verschwinden.

„Natürlich…erinnert mich an dein Zimmer und…“

„Wir sollten einfach einsteigen…“, kommentarlos ließ sie sich auf den Fahrersitz gleiten, gab die Route zu ihrem Apartment ein und wartet bis Simon eingestiegen war, bevor sie den Wagen von alleine auf den Weg schickte.

„Ich hab dich wirklich vermisst Simon…“, unbewusst griff sie nach seiner Hand und drückte diese, früher war sie ihr so groß vorgekommen, jetzt war sie immer noch größer als ihre aber nicht mehr soooo riesig.

„Ich hätte mich viel früher nach dir erkundigen sollen. Das war feige von mir.“, sein Blick glitt über die filigranen Armaturen des Wagens vor ihm.

„Sie hätten dich zerlegen lassen, wenn sie dich gefunden hätten. Es war besser so für dich Simon.“, ein leichtes Lächeln.

War es das wirklich?

„Wie ist es dir, damals ergangen?“

„Schädeltrauma, zwei Rippen waren durch und eine innere Blutung. Hab’s aber überlebt. Meine Mutter hat einen neuen Mann, sie hat mich dann aufs Internat gesteckt, wo sich dann meine „Hochbegabung“ rausstellte…und naja jetzt arbeite ich für CyberLife.“, vollkommen trocken erzählte sie dies, keine Emotion in dem hübschen Gesicht und doch spannte sich die schlanke Hand um seine merklich an, „Du musst sauer sein.“

„Ich? Weshalb?“

„Das ich bei CyberLife angefangen habe, sie haben euch doch als Sklaven geschaffen…deshalb wollte ich da aber nicht hin. Ich wollte verstehen, ich wollte helfen…diese Schrottplätze sind grausam. Ich war so oft da und jedes Mal wenn ich einen PL600…ich hatte Angst, dich einen Tages da zu finden…ich möchte Androiden helfen, nicht sie zerstören und irgendwas in mir sagt mir das Kamski dies auch möchte… als das mit der Abweichung los ging, hat er sich mit der Führung zerstritten und ging…keine Ahnung vielleicht will ich meinen Egoismus auch nur schön reden.“

„Ein schöner Gedanke Lucy, es wäre schon wenn es mehr Menschen wie dich geben würde.“, leicht drückte er ihre Hand bevor er seinen Blick aus dem Fenster gleiten ließ, „Ich habe viele Androiden sich abschalten sehen wegen Menschen…manchmal wünschte ich, ich könnte die Bilder löschen…“

„Ich…hab die Berichte verfolgt, es war nicht richtig, dass sie geschossen haben, es war  nicht richtig, dass sie euch in Lager gesteckt haben um…es war nicht richtig.“

„Danke.“

Überrascht schaute sie ihn an.

„Es tut gut dich das sagen zu hören.“, da war es wieder dies sanfte Lächeln, eine leichte Wärme schoss in ihr Gesicht, ihr Blick wanderte aus dem Fenster als der Wagen anhielt.

„Wir sind da…“, Stille, keiner machte Anstalten austeigen zu wollen, „Kommst du…noch mit rein?“

„Du solltest schlafen Lucy…“

„Ja…aber ich habe Angst, wenn ich jetzt hochgehe…sehe ich dich nicht mehr…“

Nachdenklich betrachtet er sie, dann stieg er wortlos auf ging ums Auto herum und öffnete ihre Tür.

„Ich bring dich hoch.“

„Danke…“, langsam stieg sie aus, verriegelte das Auto und ging zur Haustür, „Wir sollten den Aufzug nehmen ich wohne ganz oben…“
Wortlos folgte er ihr ins Innere des kleinen Fahrstuhls, eine seltsame Stille lag zwischen ihnen als dieser sich in Bewegung setzte.

Er war so vertraut, jede Faser seines Körpers, seiner Art und doch war es irgendwie anders. Er hatte sie quasi groß gezogen und doch es fühlte sich anders an. Sie fühlte sich irgendwie unbeholfen, irgendwie seltsam.

Ohne ein Wort verließen sie den Fahrstuhl, gingen in den kleinen Flur mit zwei Türen, eine führte zu der Dachwohnung die andere zum Treppenhaus.

Ein Handabdruck auf dem Scanner und die Tür schwang auf.

Gedämmtes Licht schaltete sich ein.

„Willkommen zuhause Lucy.“

Oh Himmel das hatte sie ja ganz vergessen, die elektronisch erzeugte Stimme zur Begrüßung glich niemand anderes als Simons…

„Ich…ähm…“, mit knall roten Kopf huschte sie hinein, „das war automatisch so eingestellt und…und…ach ich habe dich halt vermisst, ok?“
Etwas unentschlossen stand er noch immer an der offenen Tür, beobachtet wie sie mit knallrotem Kopf aus ihren Schuhen schlüpfte und ihren weißen Mantel ablegte.

Eine blaue Bluse und schwarzer enger Rock…zum ersten Mal an diesem Tag wurde ihm umso deutlicher, dass er kein kleines Mädchen mehr vor sich hatte.

Irgendwie war es seltsam, irgendwie war es anders und irgendwie auch nicht.

„Komm rein Taco und Mayo rennt sonst weg.“

„Taco? Mayo?“, wie auf Kommando trat er ein und die Tür schloss sich hinter ihm.

Aufmerksam schaute er sich um, eine offene Küche in Weiß und Grau, grenzte an Wohn- und Essbereich an, im Hintergrund eine große Glasfront die den Blick auf eine Dachterrasse frei gab.

„Meine beiden Kater.“, kurz huschte sie in einen anderen Raum, kurz darauf trottet ein riesiges flauschiges grau schwarzes etwas um die Ecke der Küchenzeile.

Sowohl Tier als auch Android schienen sich irritiert anzustarren bevor der Stubentiger laut schreiend auf ihn zu raste.
Leicht erschrocken wich Simon einen Schritt zurück, aufgebracht schlängelte sich der Kater zwischen seinen Beinen entlang, ließ dabei immer wieder ein lautes Maunzen hören.

„Ähm…Hallo?“, vorsichtig hielt er ihn seine Hand hin, neugierig schnupperte dieser daran und trottete anschließend rufend Richtung Küche.

„Jaha, ich komme doch“, Barfuß und in ein schlichtes schwarzes Nachthemd gekleidet eilte Lucy aus dem Zimmer, ihr Blondes Haar fiel offen auf ihre schlanken Schultern hinab, „Du wirst jetzt nicht verhungern. Verzeih er ist ziemlich verfressen.“

Hastig kramte sie zwei Dosen aus einem Regal, nahm zwei Näpfe aus dem Geschirrspüler, befüllte diese und stellte sie auf ein kleines Podest neben der Küchenzeile mit den Barhockern. Der Kater kommentierte dabei alles lautstark, bevor er sich endlich über sein Fressen her machen konnte.

„Er ist ein Maine Coon deshalb die Größe…das weißt du ja sicher schon, ich vergesse das immer mit der Analysefähigkeit…Mayo komm friss…du sollst doch nicht immer auf dem Kühlschrank schlafen!“

Zwei träge gelbe Augen aus weißem plüschigem Fell thronten oben auf dem schwarzen Kühlschrank. Gemächlich richtet sich das nicht weniger beeindruckende Tier auf, streckte sich genüsslich und machte dann einen Satz nach unten um zu seinem Futter zu traben.

„Katzen…sie zu erziehen ist unmöglich…“

„Aber sie sind sehr hübsch.“

„Ja…das ist manchmal dann aber auch schon alles…“ ein leicht belustigtes Lächeln, dann gähnte sie mit vorgehaltener Hand, „Sorry…“

„Du solltest dich hinlegen.“

„Dann gehst du…“

„Ich kann bleiben bis du schläfst…“

Etwas unsicher sahen sie sich an, es war wirklich anders, früher war das ganz normal, früher war es normal das er da war, wenn sie einschlief…auf einmal war alles so verwirrend anders…

„Das wäre schön…“

16. Januar 2020

20:00 Uhr

Polizeistation

„Du wolltest mich sprechen Jeffrey?“, er hielt die Glastür noch immer mit einer Hand fest, „Ich wollte gerade los also…“

„Setz dich Hank.“, diktierte sein alter Freund ihn auf den Stuhl vor seinen Schreibtisch, schnaubend ließ er sich auf diesen nieder.
„Was ist denn jetzt so wichtig?“

„Kamski persönlich will mit bei der Obduktion dabei sein…mit viel Glück wissen wir morgen mehr. Ich erwarte de…euren Bericht bis morgen Nachmittag.“, der Blick der dunklen Augen fixierte ihn streng, „Und verdammt noch mal Hank, lass wen auf deinen Arm gucken! Sowas kann nicht sein! Sind Rettungswagen da und du lässt nicht einen einzigen Sanitäter drauf schauen.“

Ein Seufzen.

„Jeffrey das ist doch nicht mein erster verdammter Streifschuss, werde schon nicht sterben“

„Hank das was da Heute passiert ist, es wird nur eine Frage der Zeit sein bis sich das FBI wieder einschaltet.“

„Gib uns einfach nur ein bisschen Zeit Jeffrey, das FBI würde wieder ganz schön viel Aufmerksamkeit…“

„Ganz schön viel Aufmerksamkeit?! Weißt du wie schwer es war denn Pressefuzzis zu erklären, dass es sich nur um eine Fehlfunktion des Sicherheitssystems heute gehandelt hat?! Es würde für Chaos sorgen, wenn die Menschen davon erfahren würden das hier irgendwer Monstermaschinen baut!“, die Ader an Jeffreys Schläfe fing verdächtig an zu pochen.

„Dass die da aber auch immer wie Schmeißfliegen rumkreisen müssen…danke Jeffrey. Wir kriegen das hin.“

„Das will ich hoffen…Hank?“
„Hm?“, fragend zog er eine Braue hoch.

„Was auch immer das zwischen dir und Connor ist…ich bin froh das es dir besser geht.“

Was auch immer das…?!

Hank setzte an etwas entgegenzusetzen.

„Halt einfach die Klappe und hau ab bevor ich bereue was ich gesagt habe. Lilly wartet schon mit dem Essen auf mich…“


Abwesend saß er auf dem Sofa, fixierte den kleinen Holztisch vor sich, mit den drei Fernbedienungen, der kleinen Figur eines Hundes, der auf eine gewisse Art Ähnlichkeiten mit Sumo aufwies.

RK700…ich bin hier um dich zu holen…

Ich bin schneller, effizienter und stärker als du…

HANK!

„CONNOR HÖRST DU JETZT VERDAMMT NOCH MAL?!“

Ruckartig zuckte er zusammen und sprang auf.

„Hank?“

„Immer noch…wärst du jetzt mal so nett mir endlich die Jodflasche aus der Küche zu bringen…“, die Stimme des Lt. klang leicht gereizt aus dem Badezimmer, offenbar schien er schon länger zu warten.

„Ich hole es.“, noch etwas verwirrt stand Connor auf, musste dabei über dem schlafenden Sumo steigen, dem das Gebölke seines Herrchens offenbar völlig kalt ließ.

Die Papiertüte von der Apotheke stand mitten auf dem Tisch, eine kleine bauchige Flasche, er musste sie nicht analysieren um sie als Jod zu identifizieren, schließlich war er dabei als Hank sie geholt hatte.

Eilig ging er zum Bad schob die halb offenstehende Tür auf.

„Hie…“, er stockte, Hank stand vor dem Waschbecken, den Oberkörper frei, während er die Wunde an seinem linken Oberarm abtrocknete.
Er hatte Hank, geschweige denn einen anderen Menschen noch nie oben ohne Bekleidung gesehen. Seine Haut war dunkler als seine, auf seinen Armen befanden sich dunkelblonde Haare, die Muskelstränge seines Rücken waren zu erkennen aber nicht so klar rausdefiniert wie bei Androiden eine runde Narbe mit zackigen Rändern prangte auf seiner linken Schulter.

„Bist du da fest gewachsen?“, leicht schüttelte er den Kopf,  als der Mann ihn über seine Schulter anblickte.

„Hier ist das Jod…“, irgendwie verunsichert stellte er die Flasche auf dem Waschbecken ab, sein Blick fiel auf den Spiegel in dem sich Hanks Vorderseite spiegelt.

Was war das? Dunkelblonde Haare auf der breiten Brust, darunter über dem gesamten Brustbereich prangte ein großes Tattoo ein Kreis, Flügel, ein Frauenkopf in der Mitte, geschwungene Zeilen, an manchen Stellen war die schwarze Farbe bereits schon ein bisschen ausgeblichen. Irgendwie war es hypnotisierend…auf eine seltsame Art und Weise.

„Was starrst du denn so?“

„Ich wusste gar nicht, dass du eine Tätowierung hast.“, eine unangenehme Wärme stieg ihm ins Gesicht unbewusst trat er ein paar Schritte zurück und wandte seinen Blick zur Wanne.

Warum reagierte er denn jetzt so? Warum wurde ihm warm? Dies Abweichlerding war wirklich anstrengend, vorher hatte seine Kerntemperatur nie so geschwankt…

„Zwei, aber das andere zeige ich dir jetzt nicht.“, grummelte der Lt. etwas ungehalten, bevor er ein Tuch mit Jod tränkte und dieses dann auf die Wunde drückte, ein lautes Fluchen begleitet diese Aktion.

„Tut es weh?“, alarmiert trat Connor neben ihn betrachtet die Wunde als Hank das Tuch anhob, „Sie sollten einen Arzt drauf schauen lassen Lt. die Wunde könnte sich entzünden und zu einer Sepsis führen, die würde sie für mehre Wochen außer Gefecht setzen und unbehandelt zum To…“

„Jetzt lass doch mal das Gesieze und ich brauche keine verdammte Predigt Connor! Ich bin alt genug um zu wissen was ich tue!“
Verdattert starrte er ihn an, dann passierte etwas Seltsames, etwas pulsierte durch sein System, brennend, Spannung baute sich auf, sein Pulsschlag beschleunigte sich.

Er hatte es gut gemeint, er wollte ihn beschützen, eine Sepsis wäre ein Risiko was unnötig war…er könnte sterben…er wusste seine Sorge nicht zu schätzen, er schrie ihn an, er schrie ihn wieder an, er hatte es nur gut gemeint…er war undankbar…das machte ihn…ihn wütend!

„Du bist einfach nur Stur! Aber bitte soll mir doch egal sein, wenn du eine Sepsis bekommst! Ich schau dir nicht wieder dabei zu wie du dich umbringst du verdammter Idiot!“, wutentbrannt stürmte er aus dem Badezimmer, stürzte aus der Wohnungstür und knallte diese hinter sich zu.

Kalter Wind schlug ihm ins Gesicht traf auf seine in gefühlt in Flammen stehende Haut.

Stresslevel steigt 70->

Weg hier, er wollte weg, dieser Druck in seinen Körper, Bewegung, Bewegung schien das einzig Richtige.

Schnelle Schritte.

Stresslevel steigt 75->

Er wollte weg, weg vor diesem Gefühl, weg von Hank der es auslöste, weg von dieser Wut, die sämtliche Logik in seinem System zerstörte. Die Schritte wurden schneller, er verfiel in einen schnellen Dauerlauf. Die hellen Lichter der Straßenbeleuchtung der Straße verschwanden langsam, während er seinen Weg unbeirrt fortsetzte.

17 Januar 2040

01:00 Uhr

Kamskis privat Anwesen

„Elijah?“ kurz blinzelte er irritiert, griff dann aus Routine nach seiner Brille die auf den Nachtisch lag und setzte sich auf.
„Licht 30 %.“, ein angenehmes Dämmerlicht flutet das modern eingerichtet Schlafzimmer, Chloe saß auf dem Rand seiner Bettseite und schaute ihn an.

„Wie spät ist es denn Chloe?“

„Verzeih es ist 01:00 Uhr am 17. Januar 2040. Lt. Anderson ist in der Leitung offenbar hat er Connor verloren.“

„Mal was ganz Neues…danke Chloe.“, er nahm das Telefon entgegen und hielt dieses instinktiv von seinem Ohr entfernt als der Lt. zur Begrüßung gleich los polterte.

"Lt. Anderson ich wüsste nicht warum Connor  hier sein sollte…ich habe kein Interesse daran, ihn zu entführen. Bei ihrer charmanten Art und Weise war es doch nur eine Frage der Zeit das das passiert. Er ist ein empfindsames Wesen, das jetzt erst Zugriff auf seine Emotionen hat, das kann überfordernd sein ins besonders wenn ein Brüllaffe einen anpampt…“, erneut hielt er den Hörer weg, wartet die Schimpftirade ab und legte ihn sich dann wieder ans Ohr, „Was würden sie den tuen, außer zu trinken natürlich, wenn sie aufgebracht sind?... Richtig sich einen ruhigen Ort suchen, da sie Connor ja so gut kennen sollte es sicher ein leichtes für sie sein diesen Ort zu finden. Ich würde dann gerne meinen Schlaf fortsetzen, auf Wiederhören.“

Leicht gereizt legte er auf.

„Der erste Streit im Paradies.“, sein Blick glitt hinüber zu Chloe, „Wir sollten jetzt Ruhe haben Chloe“.
Ein sanftes Lächeln legte sich auf die Lippen der jungen Frau, bevor sie ihm den Höher abnahm, diesen auf den Nachtisch legte und sich ihm dann wieder zuwandte.

„Ich kann dir zurück in den Schlaf helfen Elijah.“, sanft nahm sie sein Gesicht in ihre Hände und verschloss seine Lippen mit ihren, ließ zu, dass er sie zu sich ins Bett ziehen konnte.


„Dieser verdammte eingebildete Affenarsch!“, wütend schlug er aufs Lenkrad, fluchte dann und rieb sich die rechte Hand.

War auch eine Schnapsidee gewesen, Connor wäre nie freiwillig zu Kamski gegangen, Markus war vielleicht die bessere Anlaufstelle aber…vielleicht hatte Kamski gar nicht so unrecht, ein ruhiger Ort…welche Orte kannte Connor, wo würde er…seine Augen weiteten sich. Mit quietschenden Reifen ließ er das Auto auf der leeren Straße drehen.

Ich hab’s!
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