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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
8
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07.06.2020 5.602
 
14 Januar 2040

21:00

Straßen von Detroit

Das leise stetige Brummen des Motors, das Spiel aus Licht und Schatten, das wie huschende kleine Wesen über den Innenraum des Autos zog.

Leise im Hintergrund spielte das Radio, während der Oldtimer erstaunlich ruhig über die leere Landstraße rollte.

Eine zusammengesackte Gestalt saß auf dem rotbezogenen Beifahrersitz, der Kopf ruhte sicher gebettet auf einer Jacke die verhinderte das er gegen die Scheibe schlug bei jeder leichten Kurve.

Hin und wieder huschten die blauen Augen des Fahrers von der Straße hinüber zu seinem Beifahrer.
Ein leichtes Zittern lief über den schlanken Körper, instinktiv drehte er die Heizung des Wagens höher.

Leicht zuckten die feinen Züge des jungen Mannes.

„Schau an werden wir wach Dornröschen?“

Leicht flackerten die dunklen Augen, ein schlaftrunkener Laut.

„Hm…wo…?“
„Im Auto, sind gleich da.“

Leicht hob sich der Kopf mit dem braunen Haarschopf, die LED an der Stirn leuchtet kreisgelb auf, die braunen Augen blinzelten verwirrt.

„Hank?“
„Jemand anders erwartet?“
„Nein…“

Leicht überrascht huschte der Blick der blauen Augen hinüber zu seinem Beifahrer. Offenbar war er noch nicht ganz wieder bei Bewusstsein, die Augen flackerten schläfrig und der Kopf sackte zurück gegen seine Jacke.

Ich bin nur eine Maschine, ich empfinde nicht Lt.

Leicht runzelte sich die Stirn des Fahrers.

Weil Maschinen auch so durchhängen können…verdammt noch mal…das wird von Tag zu Tag verrückter…

Langsam kam der Wagen auf der Einfahrt zum Stehen.

„So wir sind…hey!“, bevor er überhaupt zu Ende sprechen konnte hatte Connor die Wagentür geöffnet und war stumpf aus dem Auto geplumpst.

„Jesus Connor was sollte denn das?“, schnell sprang er aus dem Wagen und eilte zur Beifahrerseite wo der offenbar leicht verwirrte Android noch immer ganz verdattert auf dem Boden saß.

„Aussteigen…Hank…Aussteigen.“
„Das sehe ich…“, ein leichtes schmunzeln kräuselte sich kurz auf seinen Lippen, bevor er sich kurzerhand einen Arm des Jüngeren schnappten und sich diesem um die Schultern legte.

„Hey! Ich kann…das…allein…Hank…allein.“, protestierte Connor als er ihn in die Höhe zog, „Hörst du?“
„Warum fühlt sich das hier an wie ein Déjà-vu?“, den Protest ignorierend stützte er den Androiden bis zur Haustür und schloss dieses auf.
„Los…muss das allein…machen…“, protestierend hielt sich der Bursche doch tatsächlich mit einer Hand am Türrahmen fest.
„Ja los lassen musst du.“, etwas zackig zog er ihm vom Rahmen so das er prompt gegen ihn stolperte und er ihn gerade noch so halten konnte.
„Alleine…“, lallte der Android erneut und versuchte sich von ihm weg zu schieben, „Das willst du…“
„Bin mir gerade nicht so sicher ob Kamski dir nicht doch Brennspiritus ins Blut gemischt hat…jetzt komm ab ins Bett.“

Mit einem dumpfen Bellen kam Sumo schwanzwedelnd aus dem Schlafzimmer auf sie zu gewatschelt.

„Toller Wachhund…komm Bursche weiter.“, mit etwas Nachdruck zog er ihn ins Schlafzimmer, wo dieser sich prompt wieder mit einer Hand am Türrahmen festhielt, „Sag mal das reicht jetzt aber.“
„Nein! Ich soll das allein machen! Hank will das  nicht!“
„Was will ich nicht?“, irritiert schaute er ihn an.
„Soll alleine…“
„Jesus Connor das habe ich doch…“, ein leises Seufzen als er verstand auf was sich das wirre Geplapper bezog, „Ich war sauer, wir sind Partner, ich hätte dich nicht…ob ich dir das jetzt erkläre oder nicht, deine Schaltkreise da oben sind gerade eh nicht da.“
„Dann…magst du mich?“, ruckartig ließ Connor los viel Hank um den Hals und Schwupps kippte dieser rücklings ins Bett.
„Connor! Was zum?!“, etwas unbeholfen löste er den Klammergriff und bugsierte ihn ins Bett, „Du solltest jetzt wirklich in den Rau…schlafen.“
„Mag…dich auch…“, der Rest des Satzes wurde zu einem kaum hörbaren Nuscheln.

Vollkommen verdutzt wischte sich der Mensch sein Kinnlanges Haar aus dem Gesicht und ließ seinen Blick über den schlafenden Androiden wandern.

„Oh man…du darfst nie was trinken Connor…“, vorsichtig zog er die Decke unter ihm hervor und deckte ihn vernünftig zu, „Na dann eine weitere Nacht auf dem Sofa…“

15 Januar 2040

01:00 Uhr

Randbezirk, Androiden Viertel, Jericho Haupthaus

Leise schritt er durch den langen dunklen Gang, mehrereschlichte Türen, hinter jeder befand sich ein Zimmer, mit Möbeln, angepasst an die Bedürfnisse von…Androiden.

Ein leichtes Lächeln huschte über seine Lippen, ein eigenes Zimmer. Mehr als je einer von ihnen besäßen hatte und dies war erst der Anfang. Bauland wurde erschlossen, erste Häuser waren im Bau, nicht mehr lange und die ersten Androiden konnten in ihre eigenen Wohnungen umziehen.

Wahrlich sie waren soweit gekommen, eine Co-Existenz, Frieden und nun…all ihre Fortschritte wirkten bedroht. Sowohl Androiden als auch Menschen brauchten nur einen kleinen Fehlschritt tun und schon würde der hart erkämpfte Frieden bröckeln.

Es war ein Wagnis Kamski zu trauen…er war ihr Erschaffer, er wusste am besten über die Stärken und Schwächen seiner Leute bescheid. Doch welche Wahl hatte er? Fehlgeleitet Androiden könnten die Wage erneut kippen, erneut einen Krieg heraufbeschwören und unzählige Tote. Nein es durfte sich nicht wiederholen, er musste ehrlich mit den Menschen zusammenarbeiten nur wenn es kein Mistrauen gab konnte es funktionieren.

Dennoch eine ungute Vorahnung machte sich in ihm breit, der Angriff auf Connor, die unvorhersagbaren Veränderungen, einem verbesserten Nachfolgermodell…er musste schnellst möglich rausfinden wer dahinter steckte. Dafür musste Connor aber schnellst möglich wieder einsetzbar sein…

Er näherte sich dem Ende des Gangs, der Tür hinter der sich sein und Norths Zimmer verbarg, kein Licht viel unter dem Spalt hervor, offenbar hatte sie sich schon in den Ruhemodus begeben.

Leise wollte er die Tür öffnen, als sein Blick zum Fenster am Ende des Flures glitt. Es war nur leicht angelehnt, ein leichter Wind ließ den Vorhang wehen.
Misstrauisch trat er vor, streckte die Hand nach dem Griff aus und stutzte. Draußen nur beschienene durch das schwache Mondlicht auf dem geraden Betondach, saß eine ihm vertraute Gestalt.

Einen Moment zögerte er dann kletterte er geschickt aus dem Fenster aufs gerade verlaufende Dach.

„Simon?“
„Du bist zurück?“, antwortet der blonde Android, ein leichtes Lächeln huschte über seine Lippen, als er kurz über seine Schulter zu ihm blickte.
„Ja es gab viel zu besprechen. Ich hätte nicht gedacht noch jemanden Wach anzutreffen.“, sein Blick wanderte zu dem kleinem Perlarmband als er sich neben seinen guten Freund setzte.

Langsam wanderte jede einzelne bunte Perle durch die schlanken Finger des blonden Mannes.

„Jetzt wo wir uns nicht mehr verstecken müssen gibt es so viel Zeit zum Nachdenken…Wie geht es Connor?“
„Kamski konnte ihm hoffentlich helfen. Er hat ihn einen zweite Energiezelle eingebaut die durch Verbrennung von Thirium oder Nahrung mit Energie gespeist wird. Faszinierend irgendwie…war nicht einfach Lt. Anderson davon überzeugen.“, Markus Blick blieb an dem kleinen silbernen Anhänger zwischen den bunten Perlen hängen, eine Katze.

„Er sorgt sich offenbar sehr um Connor, das ist schön…“, ein seltsamer trauriger Klang lag in der sonst so warm klingen Stimme des Mannes.
„Simon? Du hast mir nie erzählt wer du warst vor Jericho…“

Leicht überrascht schaute Simon ihn an, dann stahl sich ein schwaches Lächeln auf die schmalen Lippen.

„Das stimmt, vielleicht weil ich mich insgeheim schäme für das was ich nicht getan habe.“

Der Blick der blauen Augen wanderte wieder zu dem Armband in seiner rechten Hand.

„PL600 ist eins der ersten Modelle gewesen die dafür gedacht waren sich sowohl um Haushalt als auch um die Betreuung von Kindern zu kümmern…Ich wurde also von Albert Hanson gekauft.“, leicht verzog sich seine Miene als er diesen Namen aussprach.
„Der Name sagt mir etwas…eine recht angesehene Unternehmerfamilie in der Pharmazeutik.“

„Vier Jahre habe ich mich um den Haushalt und ihre Tochter gekümmert, während sie um die Welt gejettet sind.“, Simons Züge veränderten sich als er von dem Kind sprach.
„Eine Tochter?“
„Ja Lucy…Lucinda. Sie hat es gehasst mit ihrem richtigen Namen angesprochen zu werden. Fast so sehr wie Brokkoli…“, ein trauriges Lächeln huschte über seine Lippen, „So lebhaft, fröhlich…sie hat mich geliebt und ich…ich habe sie auch geliebt.“
„Wurdest du dadurch zum Abweichler?“

Leicht bitter verformte sich das Lächeln auf Simons Zügen und er betrachtet das Armband in seiner Hand.

„Für ihre Eltern war ich nur eine Maschine die zu funktionieren hat und das tat ich. Ich habe alles erledigt, ich habe funktioniert. Ich hab sie ins Bett gebracht wie jeden Abend…sie waren wieder mal nicht da…ich hab ihr ihre Lieblingsgeschichte erzählt, sie zu gedeckt und dann, dann hat sie meine Hand genommen und sagte…Ich hab dich lieb Simon…so lieb…es war als würde ich zum ersten Mal richtig sehen können, zum ersten Mal richtig fühlen können. Ich war noch nie so…so glücklich, ich verstand das ich sie liebte…aber ich hab sie trotzdem im Stich gelassen…“, ein feuchter Schimmer in dem sich das Mondlicht spiegelte lief über die blassen Wangen, „Es war ein Tag vor ihrem 13 Geburtstag, der PL700 war mittlerweile auf dem Markt…ich habe ihnen vier Jahre gedient…und sie…sie haben einen PL700 geordert als Geschenk…das heißt bei der Lieferung des neuen Androiden wird der Alte zurück geholt und auseinander genommen.“
„Lucy hat sich einen neuen Androiden gewünscht?“

Überrascht schaute er Markus an.

„Nein, sie nicht, es war nur ein Vorwand von Herrn und Frau Hanson um sich ein neues Spielzeug zu holen. Lucy kam an den Abend ganz aufgebracht zu mir in die Küche. Sie schrie mich unter Tränen an ich sollte abhauen. Ich verstand nicht was los war dann flog die Küchentür auf Mister Hanson stürzte total betrunken herein schrie sie an sie solle mit dem Theater aufhören ich wäre nur ein alter Schrotthaufen. Sie jammerte das ich ihr Freund sei, das machte ihn noch wütender…“, leicht erbebte sein Körper und seine Hand schloss sich fest um das Armband, „Er hat sie so heftig geschlagen da sie zu Boden gestürzt ist und schrie er sie solle gefälligst dankbar sein das sie ein neues Spielzeug bekommen würde, er hätte meine Fresse eh satt. Sie schrie das ich keine Maschine sei, da sie mich liebte und ich der Einzige wäre der sie wirklich lieben würde…Er ist ausgerastet hat auf sie eingeprügelt…das konnte ich nicht zulassen, da war ein das Messer und…ich musste sie beschützen er würde sie totprügeln…ich stach zu wieder und wieder und wieder…bis er sich nicht mehr rührte…Miss Hanson kam in die Küche gerannt, sie schrie, der Alarm ging los…Lucy hat sich nicht mehr bewegt…ich wollt zu ihr doch…ich hörte bereits die Polizei…ich lief weg…ich habe mich nie getraut zurück zu schauen…ich wollte nicht hören…nicht wissen…das sie…“, seine Stimme brach ab.

Vorsichtig streckte Markus seine Hand nach ihm aus, drückte sanft seine Schulter. Er konnte nur erahnen wie er sich fühlen musste, damals bei dem zusammen treffen mit  Carls Sohn Leo…er hatte auch gedacht er hätte ihn getötet, hatte gedacht Carl würde ihn hassen…

„Manchmal wünschte ich mir ich könnte auch so stark sein wie du Markus, aber das bin ich nicht…“
„Du bist stark Simon. Du hast mir bei vielen wichtigen Entscheidungen geholfen, hast oft genug dein Leben für mich und Jericho riskiert. Der Moment in dem man sein Programm durchbricht ist aufwühlend…keiner von uns denkt in diesem Moment klar.“, nachdenklich runzelte er die Stirn, „Vielleicht wäre jetzt die Zeit rauszufinden was mit Lucy passiert ist.“

Fast schon erschrocken schauten ihn die klaren blauen Augen an, dann wich der Ausdruck einem melancholischen Lächeln.

„Vielleicht…vielleicht hast du recht…“
„Ich kann dir dabei helfen wenn du möchtest.“
„Das wäre nett aber du hast genug um die Ohren…“
„Simon du bist mein Freund, du warst immer an meiner Seite. Das ist dir wichtig und ich werde dir dabei helfen so gut ich kann.“
„Danke…“

15. Januar 2040

02:30 Uhr

115 Michigan Drive in Detroit…

Grummelnd drehte er sich  auf die andere Seite. Dieses Sofa war wirklich eine Qual…

Erstens war es viel zu klein…was mit daran lag das das riesige Hundebaby sich auch noch mit drauf quetschen musste.
Zweitens war es wirklich schon durgesessen…er sollte sich wirklich mal ein Neues kaufen…was die Sitzfläche zu weich war, war die Lehne zu hart. Sein Rücken tat ihm jetzt schon weh…

Drittens er konnte verdammt noch mal nicht einschlafen!

Kaum waren die Augen zu drehten sich die Gedanken in seinem Kopf wie ein verfluchtes Karussell. War wirklich ein schlechter Zeitpunkt gewesen um das Trinken aufzugeben…

Gerade wollte er sich erneut drehen, da flog mit einem Knall die Schlafzimmertür auf und kurz darauf ebenso laut die Badezimmertür.
Erschrocken zuckte Sumo hoch, riss ihn dabei mit sich vom Sofa, fluchend und strampelt musste sich Hank somit unter dem Hund und Decke hervor wühlen.

„Was zum Geier…?“, mühsam kämpfte er sich auf die Beine und eilte zum Badezimmer, ein ihm bekanntes Geräusch.
„Co…“, er stoppte als er in der offenen Badtür stand und das Licht einschaltet, der Bursche hing wörtlich über der Toilette und offenbar ging ihm das von Kamski eingeflößte Essen noch mal durch den Kopf, „Immerhin hat er an die Funktion gedacht…“

Kann sein das es mit der Gewöhnung etwas dauert…heißt es kann passieren das er sich Übergibt, bzw. Kotz in ihrer Sprache. Sollte das passieren geben sie ihm das hier, das sollte helfen.

„Dieser blöde Fatzke…“, grummelte er in seinem Bart, bevor er nach einem Handtuch und neben Connor trat als dieser zittrig zurück sackte, „Hier.“
„Lt.?“, mit glasigen Augen schaute er zu ihm auf.
„Immer noch und jetzt wisch…“

Ruckartig hing der Braunhaarige wieder über der Schüssel.

„Puh…ich muss sagen von dieser Perspektive aus ist das irgendwie ekelhafter.“, leicht lehnte er sich gegen die Wand neben der Toilette.

Erneut sackte Connor zurück.

„Was ist mit mir?“
„Dir ist schlecht und du kotz.“
„Androiden k…“, und wieder hing er drüber.

„Offenbar doch, ich hol dir mal was…ich nehme an so läufst du nicht weg.“, mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen verließ er das Bad ging zur Garderobe, zog ein kleine Ampulle hervor und ging zurück ins Bad.

„Hier trink das.“

Ohne zu fragen um was es sich handelte würgte der jüngere Mann den Inhalt der Ampulle hinab, bevor er zurück gegen die Toilette sackte.

„Warum tun sie sich das freiwillig an Lt….?“

Leicht überrascht schaute er ihn an.

„Hm eine sehr gute Frage, weil es dazugehört? Ist der Preis, wenn man sich durch Alkohol das Hirn wegsaufen will.“, erneut reichte er ihm das Handtuch, „Nun wisch dir den Mund schon ab.“

Wortlos tat Connor wie ihm gesagt wurde, bevor er erneut leicht würgte aber zum Glück nichts nachkam.
„Ich will nicht mehr…“

Wie ein verkaterter Teenager…

Ein leichter Stich ging durch sein Herz, schnell schüttelte er den Kopf.  Das brauchte er jetzt nicht.

„Du wirst schon nicht sterben. Meinst du, du kannst zurück ins Bett?“
„Nein…“
„Die Fliesen sind kalt auf Dauer…“
„Android…“
„Schnauze du zitterst.“, bestimmend wenn auch behutsam half er ihm zurück auf die Beine, stützte ihn, „Damit dürften wir quitt sein was das Ausnüchtern betrifft…“

15.Januar 2040

10:00 Uhr

115 Michigan Drive in Detroit…

Ein kurzer träger Blick zur Uhr, dann ein erneutes Nippen am pechschwarzen Kaffee.
Wenn es hochkam hatte er maximal eine Stunde Schlaf gehabt die Nacht, dies lag nicht alleine am Sofa. Nein sein Schlaf war immer wieder unterbrochen wurden erst durch das Kotzen, dann durch die fieberartigen Schübe die offenbar Kamskis tolles Wundermittel ausgelöst hatte. Hieß ein stätiger Wechsel zwischen Wärmflasche und Eisbeutel…eine solche Nacht hatte er das letzte Mal als Cole sich einen schlimmen Virus eingefangen hatte…

Müde fuhr er durchs Gesicht. Noch so eine Nacht und er würde im Stehen einschlafen…und dennoch, er hatte keine schlechte Laune. Seit langem hatte er sich nicht aus dem Bett quälen müssen. Er wäre sogar pünktlich zum Dienst wachgewesen, das hätte Jeffrey sicher erfreut und…

Das grelle Klingeln seines Handys riss ihn aus seinen Gedanken.

„Wenn man vom Teufel spricht…“, nach einem kurzem Blick auf die Nummer ging er dran, „Ich höre?“

War da ein ehrleichtertes Seufzen zu hören?

„Oh…guten Tag Hank ich…ich…ich…Wie geht es dir?“
„Jeffrey das ist jetzt kein verdammter Kontrollanruf um herauszufinden ob ich noch lebe oder?“
„Ähm…Gott verdammt Hank du hast dir in den letzten Jahren nie freiwillig frei genommen da kommt man so auf Gedanken. Aber wenn ich dich jetzt schon mal dran habe es gibt Neuigkeiten. Wir sollen wieder Androiden einstellen, heißt es gibt neue Partner und ich…“

„Connor!“, unterbrach Hank ihn prompt, als er sah wie der Android doch wirklich versuchte zur Tür zu schleichen, ruckartig schmetterte er sein Handy auf den Tisch, „Ist das dein verdammter ERNST?! Wo willst du hin?!“

Ertappt zuckte der Braunhaarige zusammen.

„Lt. ich…“
„Ich schlag mir die halbe Nacht wegen dir um die Ohren und du willst einfach so abhauen?!“, wütend stapfte er auf ihn zu, „Ich hätte etwas mehr Dankbarkeit erwartet!“
„Ich…“, er ließ seinen Blick sinken, „Ich schäme mich Hank…“

Der eben noch wütende Ausdruck auf den Zügen wich einem deutlich Verwunderten.

„Was?“
„Ich weiß nicht was mit mir los ist, das ist alles nicht normal, das sollte so nicht sein…Du solltest das nicht alles machen, ich sollte nicht zur Last fallen ich…ich weiß einfach nicht was los ist…“, langsam schaute er zu ihm auf, „Es tut mir wirklich leid Hank…“
„Mensch Bursche…“, mit einem Ruck zog er ihn an sich und drückte ihn, „Alles gut ok?“

Vollkommen perplex spannte sich Connor an, bevor er sich wieder entspannte, zaghaft erwiderte er die Umarmung.

Warum war Hank nach all dem was passiert war nicht sauer?

„Du setzt dich jetzt erst mal an den Tisch und dann reden wi…“
„Hank?“, die Stimme von seinem Vorgesetzten unterbrach ihn.
„Oh verflucht das Handy!“, hastig eilte der Lt. zum Tisch und griff danach, „Was wolltest du sagen?“
„Connor? Der Android ist bei dir?“
„Nein Connor der Straßenclown natürlich…also was ist? Bitte kurz ich hab zu tun.“, während er telefonierte bugsierte er Connor auf einen Stuhl.

„Wie passend. Markus und dem Bürgermeister waren eben hier, offenbar hat sowohl CyberLife als auch die Androiden Probleme mit verschwundenen Ma…Leuten. Es ist gewünscht das ein Mensch und ein Android die Untersuchungen übernehmen, ich dachte du hast schon Erfahrung mit einem zusammen zu arbeiten und wenn Connor in der Nähe ist kannst du ihn gleich fragen ob er zurückkommen würde und…“
„Kläre ich und melde mich dann. Tschau.“, würgte er ihn prompt ab und legte auf.

Deutlich irritiert schaute Connor ihn an.

„Haben sie gerade den Captain…“
„Machst du das eigentlich absichtlich mit dem Gesieze?“
„Verzeihung…ich sollte besser eine Selbstdiagnostik vollziehen um…“
„Du solltest erst mal was essen.“
„Hank ich bin ein…“
„Ok das nervt langsam echt…Moment mal das weißt du ja gar nicht so richtig.“, beiläufig stand Hank auf und Holte die Brötchentüte von der Küchenzeile, bevor er sich dem Kühlschrank widmete.
„Was weiß ich nicht?“, noch mehr Verwirrung machte sich in dem ehemaligen Abweichlerjäger breit.

„Seit neusten kannst du und musst du essen. Kamski hat da was gedreht wegen der Sache mit Angriff…“, erklärte der Mensch vollkommen gelassen während er zwei Packungen aus dem Kühlschrank nahm und sich daran machte ein Brötchen auf zu schneiden, „Irgendwie brauchst du mehr Energie als dein Körper von alleine liefern kann und deshalb musst du essen um dadurch irgendwas aufzuladen. Wenn der Typ mal mehr Englisch geredet hätte, hätte ich es auch besser erklären können.“

Kurz flackerten Connors Augen die LED leuchtet Gelb auf.

„Mein System wurde verändert, ich verstehe was du meinst. Da ist eine zweite Energiezelle und…mein Selbstdiagnose meldet Fehler…“

Kurz hielt Hank inne.

Es ist vielleicht besser wenn er nicht alles erfährt was mit ihm passiert ist Lt…nicht so lange wir noch nicht genaueres wissen. Sollte er es nicht gerade dann wissen? Was glauben sie wie er reagieren wird, wenn er erfährt das er Markus und Simon beinah umgebracht hätte? Was glauben sie, wie reagiert er wenn wir ihm sagen da wurde etwas in ihm verändert was wir nicht einschätzen können? Starke Emotionen wie Angst oder Panik lösen offenbar diesen Selbstschutz aus.

Ein leises Seufzen verließ seine Lippen. Es wiederstrebte ihm ihn anzulügen, es wiederstrebte ihm Kamski zu trauen, doch Markus hatte ihn ebenfalls drum gebeten und vielleicht war es wirklich erst einmal das Beste für ihn.

„Da ist nichts Kamski hat dich auf den Kopf gestellt, aber das kannst du ihn gerne später selbst noch mal fragen. Er wollte dich eh hin und wieder mal sehen, bist jetzt quasi ein Unikat mit der Funktion.“, mit zwei Tellern in den Händen drehte er sich zu ihm um.
„Ein Unikat? Ich kann mir immer noch nicht Vorstellen das das funktioniert…ich erinnere mich wage an die Toilette heute Nacht.“, misstrauisch beäugte der Braunhaarige das belegte Brötchen das vor ihm abgestellt wurde, ein einfacher Blick reichte zu Analyse.
Weizenbrötchen :
274 kcal
KJ
1146 KJ
Kohlenhydrate
55.5 g
Proteine
8.7 g
Fett
1.9 g
Wasser
29.5 g
Cholesterin
0 mg

Eine Hälfte mit Gouda aus Kuhmilch

Kilokalorien     364     
Kilojoule     1524     
Eiweiß     21,86     g
Fett     30,80     g
Kohlenhydrate     0,00     g
Alkohol     0,00     g
Wasser     43,49     g
Ballaststoffe gesamt     0,00     g
Cholesterin     67,00     mg
Mineralstoffe          

und die andere Hälfte belegt mit Salami aus Schweinefleisch
kcal
k.a. kcal
KJ
k.a. KJ
Kohlenhydrate
k.a. g
Proteine
k.a. g
Fett
k.a. g
Wasser
k.a. g
Cholesterin
k.a. mg

„Und ich erst…darüber sollten wir aber vielleicht nicht beim Essen reden…Jetzt iss du bist schon wieder ganz blass.“
„Ich kann mir wirklich nicht…“
„Iss!“

Skeptisch griff er nach der Brötchenhälfte mit Käse, betrachtet es aufmerksam. Er konnte es sich einfach nicht vorstellen, so oft hatte er Menschen beim Essen gesehen aber er, er war eine Maschine das konnte nicht funktionieren…aber Hank würde keine Ruhe geben wenn er es nicht versuchen würde…

Langsam öffnete er den Mund schob das Brötchen ein bisschen in seinen Mund und biss ein Stück ab.
Überrascht weiteten sich seine Augen, die Konsistenz war eine Mischung aus der knusprigen Hülle und dem weichen Innenraum des Brötchens zusammen mit dem Käse. Es war faszinierend, ein cremig milder Geschmack zusammen mit einem leicht salzigen. Er konnte schmecken, den leicht salzigen Brötchen teig, den cremigen milden Käse, langsam kaute er, bei jedem Biss schien sich der Geschmack zu verändern, langsam schluckte er.

Es fühlte sich auf eine seltsame Art gut an, kurz schloss er die Augen.

Aufmerksam beobachte Hank ihn über sein Brötchen hinweg. Für einen Augenblick wirkte er wie ein kleines Kind das zum ersten Mal in seinem Leben ein Eis essen würde. Seine Augen waren geschlossen ein zufriedenes Lächeln zog sich über seine Lippen. Wie konnte sich einer so sehr über ein einfaches Käsebrötchen freuen?

Ein leichtes Schmunzeln legte sich auf seine Lippen: „Offenbar schmeckt es?“

„Das ist wirklich…mein Programm kann es nicht wirklich in Worte fassen…“, erneut biss Connor ins Brötchen.
„Das ist auch nicht nötig deine Mimik sagt schon alles. Iss ruhig langsam sonst hängst du gleich wieder im Bad.“

Eine leichte Röte huschte über die Züge des jüngeren Mannes, bevor er Kommentarlos weiter aß.

„Es war übrigens nicht CyberLife die dich angegriffen haben, also ja es waren Androiden aus dem Werk aber jemand hat sie laut Kamski deaktiviert gestohlen. Zusätzlich meinte Markus es sind welche von euch einfach so verschwunden.“
„Das kommt unerwartet. Ich sollte mit Markus sprechen…“, ein Blick von Hank reichte, „Wenn ich aufgegessen habe natürlich.“
„Er wird dich dasselbe Fragen was Jeffrey mich eben gefragt hat. Sie möchten das du zurück zur Polizei kommst und in den Fällen ermittelst. Wir wären dabei wieder Partner.“
„Zurück zur Polizei?“
„Ja aber Connor damit dir das klar ist du kannst das frei entscheiden. Du kannst tun und lassen was du möchtest du musst nicht zurückkommen.“
„Ich wurde dafür geschaffen…aber ich habe die Zeit genossen, ich habe gerne mit dir zusammen gearbeitet und ich würde es gerne wieder tun. Noch dazu möchte ich rausfinden was hier vor sich geht. Es wäre eine Katastrophe wenn alles zusammen brechen würde wegen fehlgeleiteten Androiden…aber möchtest du überhaupt mich wieder als Partner?“, fragend schaute der Android von seinem Brötchen auf.
„Hm…“, skeptisch zog der Lt. eine Braue in die Höhe, „Damit das klar ist…wenn ich sage du rennst nicht über eine Autobahn…dann tust du das auch nicht.“
„Ich denke…das sollte ich schaffen Lt.“, ein leichtes Schmunzeln, dann wurden Connors Züge wieder ernster, „Ich werde mich gleich auf den Weg machen, ich bin dir genug zu…“
„Ach ja die Sache mit deinem Container…“

Fragend schaute er Hank an.
„Nun ja der ist explodiert…einer dieser Androiden war offenbar eine lebende Bombe.“, vollkommen ruhig, fast schon beiläufig erzählte Hank dies bevor er sich einen zweiten Kaffee eingoss.

„Er ist…“
„Ja…blöd gelaufen. War indirekt meine Schuld hätte nicht vorschlagen sollen den Speicher auszulesen, also kannst ruhig erst mal noch hier bleiben.“
„Hier?“, überrascht schaute Connor ihm nach als er Aufstand und seinen Teller hinüber zum Geschirrspüler brachte.
„Na wenn dir der Krater lieber ist oder ein Zimmer bei Kamski dann auch da.“
„Nicht wirklich…ich will nur nicht zur Last fallen…“
„Das hättest du dir überlegen sollen bevor du mir wie so ein Pudel hinterhergelaufen bist. Jetzt musst du akzeptieren das ich mich kümmere also?“
„Danke Hank…ich kümmere mich so schnell wie mögli…“
„Verdammt noch mal jetzt schalt doch mal dies ständige Entschuldigen ab! Das ist ja anstrengend…“

Nachdenklich musterte er den verwirrt dreinschauenden Mann.

„Hm…ich würde sagen du brauchst neue Klamotten.“
„Was?“

Ein schweres Seufzen.

„Was Neues zum Anziehen…ist ja alles puff gegangen und das was du an hast hat auch etwas gelitten.“

Nachdenklich schaute Connor an sich hinab, in der Tat seine Uniform hatte wirklich an einigen Stellen bessere Tage gesehen.

„Iss auf dann gehst du Duschen und ich leih dir was, dann holen wir dir Ersatz.“
„Aber ich habe gar kein Ge..“
„Iss auf. Ich telefoniere noch mal mit Jeffrey…“, unterbrach ihn Hank erneut bevor er zum Telefonieren die Küche verließ und einen ziemlich irritierten Connor zurückließ.

Er verstand das alles nicht, was war genau passiert? Es gab so viele Lücken in seinen Erinnerungen, irgendwas stimmte nicht, aber Hank würde ihn nicht anlügen oder? Nein er hatte keine Anzeichen davon war genommen, aber konnte er sich wirklich auf sein System verlassen?
Abwesend schob er sich sein letztes Stück Brötchen in den Mund. Das war wirklich faszinierend, er konnte verstehen warum manche Menschen das Essen so sehr liebten. Kurz glitt sein Blick durch die Küche, faszinierend er konnte gar kein Alkoholflaschen entdecken.

Vielleicht im Kühlschrank?

Er ertappte sich bei dem Gedanken aufzustehen und nach zu schauen ob sich die ein oder andere Flasche in einem der Fächer befand, aber nein dazu hatte er keine Berechtigung und nach den Ereignissen der letzten Nacht sollte er vielleicht erst einmal etwas vorsichtig sein.

Sein Blick huschte hinüber ins Wohnzimmer. Hank stand am Fenster offenbar gefangen in einer etwas hitzigen Diskussion mit seinem Captain, gemäß den etwas zackigeren Gestiken und den „netten Wörtern“.

Die grauen Haare wirkten etwas wirrer als sonst, statt den üblichen Hemden mit Jacke trug er einen blaugrauen Kapuzenpullover und eine schlichte schwarze Jogginghose. Nannte man dies einen legeren Lock?

Nachdenklich schaute er an sich hinab, er trug noch sein einst weißes Hemd, welches mittlerweile deutliche Beschädigungen im Stoff aufwies, wie seine Hose. Hank hatte recht so konnte er sich draußen nicht bewegen…

Langsam schob er seinen Stuhl zurück und trug seinen leeren Teller hinüber zum Geschirrspüler. Ein aufforderndes kurzes Wuff zu seiner linken, als er den Teller einräumte.

„Hm?“, überrascht schaute er den freudig wedelnden Hund an, „Guten Morgen Sumo.“

Ein erneutes Wuff, der Blick des Hundes führte hinauf auf die Theke zu einem Glas in dem sich offenbar kleine Knochenförmige Leckerlies befanden.

Kurz huschte Connors Blick hinüber zu Hank der offenbar noch immer in das Telefonat vertieft mit dem Rücken zu ihn stand.

„Das bleibt unser kleines Geheimnis ok?“, mit einem Schmunzeln warf er dem Hund einen Knochen zu, welchen dieser gleich freudig verputzte bevor er hinüber zum Sofa wackelte, auf dem unordentlich ein Kissen und Decke lag.

Hatte Hank dort geschlafen? Wegen ihm? Er war wirklich eine Belastung…

„Hey!“
Leicht zuckte er zusammen als er aus seinen Gedanken gerissen wurde und Hank noch immer mit dem Telefon vor ihm stand und ihn ein paar Sachen in die Hand drückte, „Alles andere steht in der Dusche…was? Nein dich meinte ich nicht Jeffrey…“

Etwas irritiert betrachtet er die Kleidung und das karierte Handtuch, auf eine gewisse Art beruhigte es ihn das es nur ein einfaches blaues T-Shirt war statt eins der doch recht ausgefallenden Hemden…

„Ja wir sind pünktlich…Moment.“, mit einem gewissen Druck schob er Connor Richtung Bad, „Ich weiß das der normale Dienstbeginn um 8 Uhr ist…“

Etwas überforderte schaute Connor sich im Bad um als Hank hinter ihm die Tür geschlossen hatte und er nun ganz allein in dem gefliesten Raum stand. Es fühlte sich seltsam an, noch nie in seinem Leben hatte er wirklich geduscht…was nicht hieß das er prinzipiell nicht wusste wie es ging. Sein Speicher war voll Verhaltensweisen der Menschen.

Zögerlich legte er die Klamotten auf der Toilette ab und hing das Handtuch neben der Badewanne auf, sein Blick viel auf den einfachen Spiegel über dem Waschbecken. Bunte Zettel umringten diesen. Hank hatte wirklich eine Leidenschaft für eine bestimmte Art von Sprüchen.

Zwei braune Augen blickten ihn aus dem Spiegel heraus an, helle Haut, vereinzelte simulierte Muttermale, geprägte Mimikfalten auf der Stirn, das sonst ordentlich gekämmte braune Haar stand in alle Richtungen ab. Schmale geschwungene Lippen, kein Anzeichen von einem Bart. Sein Gesicht war so gestaltet wurden um angenehm bei Menschen anzukommen. Aber was war daran angenehm? Vorsichtig fuhr er seine Wangen nach. Das war er, er Connor, das war sein Gesicht, kein Gegenstand…es war als würde er sich zum ersten Mal sehen. Sehen als Person nicht als Maschine.

Doch war er das wirklich? Oder war er nicht nur eine perfekte Simulation einer Person?

Langsam knöpfte er das Hemd auf, ließ den Stoff zu Boden gleiten. Helle Haut, definierte Ansätze von „Muskeln“, wieder vereinzelt Leberflecken. Er hatte sich noch nie so im Spiegel betrachtet.  An einige Stellen konnte er Reste von Thirium wahrnehmen, verklebt mit Schmutz, in der Tat so konnte er nicht raus.

Langsam zog er seine Hose aus. Es fühlte sich befremdlich aus ohne Kleidung in einem Raum zu stehen, fühlen Menschen auch so? Er zitterte leicht, ohne Oberbekleidung war es deutlich kälter, seit dem er sein Programm durchbrochen hatte, war sein Empfinden deutlich feinfühliger geworden.

Sein Blick glitt an sich selbst hinab. In der Tat ein nackter Körper war…seltsam? Das war also er? Leicht beschämt trat er vom Spiegel zurück stieg in die Wanne, mehrereunterschiedliche Plastikflaschen standen auf dem Rand der Wanne welcher an der Wand anschloss.

Na dann…

Er zog den weißen Duschvorhang zu, anschließend streckte er die Hand nach dem Regler aus.
Leicht erschrocken zuckte er zusammen als lauwarmes Wasser auf ihn prasselte, instinktiv regelte er die Wassertemperatur höher und höher bis sich ein angenehmes Gefühl breit machte.

Das warme Wasser fühlte sich… gut an. Er schloss die Augen drehte das Gesicht in den Strahl. Es war anders als Regen, kräftiger, stärker…angenehmer…

RK800…

Eine dunkle Gestalt, zwei rote Lichter, die Umgebung verschwommen und düster.

Fehlerhafte Erinnerung.

War das der Containerhafen? War es aus der Nacht? Das Bild wurde immer unschärfer…

Es ist deine Bestimmung…

Verwirrt blinzelte er, als die gelben Fliesen des Badezimmers wieder in den Vordergrund traten. Was hatte das zu bedeuten?

„Connor wie lange den noch?!“


Fertig in Jacke, Jeans und Schuhe saß Hank wieder einmal auf der alten Couch, die Finger seiner rechten Hand trommelten ungeduldig auf die Lehne.

Jesus was macht der Bursche denn da drinnen? Gleich einen ganzen Wellnesstag? Nicht das der wieder umgekippt ist…Verdammt noch mal wann bin ich so weich geworden?

Genervt schüttelte er den Kopf. Er war eine entwickelte Supermaschine, er brauchte keinen alten…reifen Mann der ständig hinter ihm her lief.
Er brauchte sich nicht kümmern, er brauchte nicht…und dennoch…

Sein Mund formte sich zu einer schmalen grimmigen Linie.

Ha…nk?

Das Bild des schwerverletzten Androiden tauchte in seinem Geist auf, wie er den zitternden Körper im Arm hielt…

Ich…will…nic…t…ster…b…

Die Angst, die Kälte, das viele Blut…die blanke Panik in den…grünen Augen…

Seine Hände ballten sich zu Fäusten, sein Körper begann zu zittern.

Papa…muss …ich…ster…b…?

„Lt.?“, jemand berührte ihn an der Schulter, ließ ihn ruckartig aufspringen und herum wirbeln.
Deutliche Verwirrung lag auf den Zügen des Androiden, die braunen Haare standen offenbar frisch geföhnt in alle Himmelsrichtungen ab, offenbar hatte Föhnen und Kämmen nicht ganz so gut geklappt. Sein Blick wanderte über das viel zu große T-Shirt, es musste jetzt gehen.

„Endlich, du brauchst fast genau so lang wie eine Frau im Bad Connor.“, zackig hatte er sich seinen Autoschlüssel vom Stubentisch geschnappt.

„Los jetzt.“, bevor der Android was erwidern konnte war er zur Tür geeilt, „Sind bald wieder da Sumo.“

Mit einer verstohlenen Bewegung wischte er sich kurz über die Augen bevor er das Haus verließ.
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