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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
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Dieses Kapitel
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27.12.2020 5.579
 
18.07.2041

8:00 Uhr

Sender Six

„Hier ist David Mikels mit dem Tagesbericht. Übermorgen am 20.07.2041 jährt sich zum ersten Mal der schreckliche Anschlag auf die Stadt Detroit. Unzählige Menschen und Androiden fanden damals ein schreckliches Ende durch umgewandelte Androideneinheiten, ferngesteuert durch einen fehlgeleiteten Prototyp, der nur dank dem beherzten Eingreifen einer kleinen Gruppe aus Menschen und Androiden aufgehalten wurde. Zur Erinnerung der Opfer wird es eine Gedenkfeier geben, am ehemaligen Standplatz des Sendemastes Detroit Mitte, wo alles sein Ende fand. Zu der Gedenkfeier werden neben der Präsidentin weitere wichtige Stadtmänner wie der Verteidigungsminster, Bürgermeister, Polizeichef und d…“

Das Bild des flachen Fernsehers erlosch, das Rascheln einer Decke, etwas ungelenk huschten die fünf Finger über das Tastenfeld des kleinen Laptops.

Zugriff verweigert…Passwort erforderlich…

Ein anderer Algorhythmus huschte über den Bildschirm…

Zugriff verweigert…Passwort erforderlich…

Das leise Aufgleiten der Tür, Schritte.

„Du solltest dich ausruhen und nicht heimlich weiter probieren…“

Zwei schlanke Hände griffen nach dem Laptop und klappten diesen zu, zwei rieisige Plüschbälle sprangen auf die weiße Bettdecke und versuchten, es sich sogleich auf dem glatten Gehäuse des Laptops bequem zu machen, was darin endete, dass beide Kater ineinander verkeilt vom Bett polterten.

„Männer…“, ein leicht genervtes Kopfschütteln, vereinzelte blonde Strähnen, die sich aus einem strengen Zopf, gelöst hatten.
„Es hat einen sich anpassenden Algorithmus…ich kann die Eingabe des Passwortes nicht umgehen…“

„Du kannst es auch nicht umgehen, deine Medikamente zu nehmen und…etwas zu essen.“, ein ernster Ausdruck huschte über die schönen Züge, als der Blick der Frau auf den unberühten Obstteller fiel.

„Zeit vergessen…“
„Ich zum Glück nicht.“

Ein sanftes Lächeln lag auf zwei vollen Lippen.

„Gib mir bitte deinen Arm.“
„Gibt es eine Chance auf Verhandlungen?“
„Arm…“

Ein schweres Seuze, widerwillig wurde der verlangte Arm mit der Handfläche nach obend zeigend in die bereit liegende Hand gelegt.

„Beschwer dich nicht, immerhin machst du Fortschritte.“, unberührt legte sie den Indikator an und inizierte ihn das Medikament, „Gibt nicht viele Menschen, die ein akutes Organversagen überleben…“

Ein undeutsamer Ausdruck lag auf den Zügen des Mannes.

„Und nicht viele Menschen, die einen jeden Tag daran erinnern.“

„Touché Mister Kamski.“, fest drückte sie seine Hand als sie den Indikator weglegte, ein warmes Lächeln, das bis zu den bernsteinfarbenen Augen reichte.

Es war immer noch surreal. Er hatte nicht damit gerechnet, wieder wach zu werden, er hatte nicht damit gerechnet, je wieder in seinen eigenen Vier-Wänden zu sein.

Fast ein halbes Jahr hatte er sich nur im Krankenhaus befunden, drei Monate davon alleine auf der Intensivsation. Er hatte nicht alleine atmen, sich nicht bewegen können, geschweige den irgendetwas anderes…es war erniedrigend…und er hatte sich sicher mehrmals gewünscht das die Beatmungsmaschinene einfach ausfallen würde…

Wahrscheinlich hätte er wirklich gewollt, dass sie abgeschaltet wurden, wären sie nicht jeden Tag gekommen…

Es war ungewohnt gewesen, jeden Tag Besuch zu bekommen…trotz allem, was passiert war.

Anfangs hatte er es kaum wahrgenommen, vage verschwommene Farbkombinationen, die sich verändert hatten, dumpfes Gemurmel.
Er hatte weder seinen Körper noch seine Umgebung wirklich wahrgenommen und dann auf einmal, brach alles wieder über ihn herein.

Es war seltsam gewesen, seinen Bruder auf einmal wieder jeden Tag zu sehen, es war seltsam gewesen, dass Lilli sich nicht nur als Ärztin um ihn bemüht hatte und am allerseltsamsten war die Tatsache, dass Lucy jeden Tag vorbei kam…

Sie hatte allen Grund sauer zu sein, sie hatte allen Grund nicht zu kommen, sie hatte allen Grund ihn zu hassen…

Ja sie hatte Fragen gestellt, viele Fragen über Anne, viele Fragen über ihn, aber es war nie wirklich ein Vorwurf da gewesen und nie war es irgendwie seltsam…

Nun gut, sie hatte definitiv den Sturkopf ihrer Mutter geerbt, so stand es zum Besipiel außer Frage, dass er nach dem langen Krankenhausaufenthalt einfach so alleine in sein Haus zurückdurfte, nun gut, eigentlich sollte er auch eine Reha machen, aber nein, das war absolut nicht sein.

So war es dazu gekommen, dass er wieder in seinen eigenen vier Wänden lebte…zusammen mit zwei geplatzen Sofakissen, einer jungen sehr meinungsstarken Frau, ihrem Androiden-Freund und…sein Bruder, der jeden Abend zum Essen vorbeikam.

Nein er war nicht gefragt worden und ja, es war immer noch sehr seltsam, dass sich mehrere Personen in seinem Haus befanden und zusätzlich fast jeden Tag irgendwelche Personen zu Besuch kamen.

Sei es Lilli, die gerne kontrollierte, ob er denn auch brav seine Medikamente nehmen würde, teilweise kam sie auch in Begleitung ihrer Kinder, ihre Tochter war wirklich ein rieisger Androiden-Fan…was dazu gefüht hatte das der hochentwickelte Prototyp der RK900 Serie nun in ihrerem Pool-Haus wohnte. Dieser war also auch hin und wieder im Schlepptau, sehr zur Freude von Gavin, dieser war nun nämlich mit Nine als Partner zusammengesteckt worden…

Kaum merklich runzelte er die Stirn. Wahrlich, hatte er überhaupt noch Mitspracherrecht in seinem Haus?
„Über was Grübeln wir nun schon wieder?“, riss ihn die helle Stimme seiner Tochter zurück ins hier und jetzt.

Leicht überrascht schaute er sie an, da lag wieder dieser leichte Anflug von Sorge auf ihren Zügen.

„Über...“, ein ernster Ausdruck lag auf seinen Zügen, „Du bist mir nichts schuldig Lucy, du musst dich nicht…“
„Aber ich möchte.“, unterbrach sie ihn prompt, „Ich meine…“

Eine leichte Röte trat auf ihre Wangen, warum war es so schrecklich unangenehm bestimmte Dinge auszusprechen? Sie wollte hier sein, weil sie nicht wollte, dass er…

Es war verrückt, sie wollte nicht, dass er starb und klar, war es irgendwie total seltsam ihn als…Vater anzusehen und das würde vielleicht auch nie passieren…aber er war Familie und sie war ihm dankbar für viel mehr, als dass sie wütend auf ihn war. Außerdem mochte sie ihn…und es tat gut, nach dem ganzen vergangenem Theater so etwas wie eine Familie zu haben.

„Ich meine, ich muss mich derzeit ja schließlich ganz alleine um die Firma kümmern und es ist praktisch Rücksprache mit dem eigentlichem CEO zu halten und…nun irgendwer muss ja gucken, dass du alles nimmst, sonst würde Lilli…und naja…“, sie stutzte ein schweres Seufzen und sie ließ ihren Blick sinken, „Ich will dich nicht verlieren…“

Er musste sich räuspern, als ein seltsames trockenes Gefühl im Hals einsetzte.

„Ich wollte nur, dass du weißt, dass du es nicht musst…danke.“, zaghaft drückte er ihre Hand.

„Das ist ja fast sowas wie ein Eingeständnis, dass sich der große Kamski freut.“, da war es wieder, das freche Grinsen, als die junge Frau aufschaute, „Steht dein Plan eigentlich immer noch, übermorgen an der Trauerfeier teilzunehmen?“

„Viele Leute haben durch meine Entwicklung…ich fühle mich verantwortlich und ich bin es leid, mich zu verstecken.“

„Das kann ich verstehen. Lilli meinte, dass es ok sei, aber nicht zu lange und du sollst dich nicht überanstrengen. Es dürfte dir aber guttun, wieder etwas aktiver zu werden, es ist schließlich dein Unternehmen und…“
„Um genau zu sagen, unser Unternehmen.“

Verwirrt schaute sie ihn an.

„Es ist lieb von dir, dass du mir die Anteile zurück überschrieben hast, aber ich habe sie auf 50/50 augeteilt und Gavin hat 2% Gewinnbeteiligung.“

Vollkommen verdattert starrte sie ihn an.

„A-aber…aber ich…ähm…danke glaube ich…“, hastig wandte sie sich ab und wischte sich verstohlen über die Augen, räusperte sich und schaute kurz zum Laptop, „Ich verstehe nicht warum ein Passwort…warum hat er das nicht gelassen?“

„Hm…um keinen unkontrollierten Schaden anzurichten? Die Software in den falschen Händen und wir haben ja gesehen, was dann passieren kann.“

„Stimmt…es ist nur…ich wünschte er hätte die Chance gehabt zu leben…und ich wünschte ich könnte es leichter machen für Hank.“
Kamski runzelte die Stirn.

Was war wenn…

„Hank?“
„Ja Hank, ich weiß ihr habt eure Schweirigkeiten aber eigentlich ist er wirkli…was tust du da?“, verwirrt beobachtet sie wie der Mann sich erneut den Laptop angelte und diesen öffnete.

„Was für ein Paswort würde ein frustrierter, grimmiger Lt. nehmen?“

Ihre Augen weiteten sich.

„Du meinst? Ähm…Hank…weiß nicht…“, die beiden schauten sich ruckartig an, „FuckingPasswort!“


18.07.2041

13:00 Uhr

Hanks Haus

„Ich hätte auch gerne Nine mitnehmen können, der würde nicht so viel meckern.“, zackig lenkte Lilli den Wagen um eine Kurve.
„Ich meckere doch gar nicht, aber ich habe wegen dem Jahrestag noch so viel zu tun, wegen Sicherheitvorkehrungen und…“
„Hey du hast gesagt, ich soll nicht so viele Alleingänge mehr machen. Jetzt sammel ich dich vorher ein und nun ist es auch nicht richtig?“, mahnend zog sie eine Braue hoch, während ihr Blick noch immer auf die Straße gerichtet war.

„Ja schon, aber ich verstehe jetzt nicht warum es ein Alleingang ist, wenn du Hank besuchen willst?“, abwehrend hob er die Hände.

„Wir besuchen ihn nicht nur, wir tüten ihn ein und fahren mit ihm dann zu Kamski.“, schwungvoll ließ sie den Wagen vor dem Haus halten, so dass Jeff nicht nur aus Überraschung nach vorne ruckte.

„Du willst was? Hase, bei allem Respekt, aber du weißt wie Hank im Moment drauf ist, ich kriege ihn noch nicht mal dazu, wieder zur Arbeit zu kommen, geschweige denn überhaupt mit ihm zu reden und du willst gleich…Hey warte!“, hastig stieg er aus und folgte seiner Frau Richtung Haustür.

„Ich habe ihn sich einmal verkriechen lassen, das tue ich kein zweites Mal, außerdem glaube ich, kriegen wir ihn relativ schnell wieder ins richtige Fahrwasser.“, energisch klingelte sie, aufgebrachtes Bellen war zu vernehmen.

„Wie meinst du das?“, noch immer verwirrt schaute er seine Frau an, die nun kräftig gegen die Tür klopfte, lautes Fluchen war von drinnen zu hören.

„Na immerhin er lebt…HANK MACH AUF!“

„VERSCHWINDE!“

Genervt verdrehte Lilli die Augen und schaute ihren Mann an.

„Tritt die Tür ein.“

„Was?!“

„Ach, ich mach es schon selbst…Sumo Schatz, tritt bitte zur Seite, danke.“, kurz trat sie einen Schritt zurück und zack, mit voller Kraft donnerte sie ihren Fuß unter die Türklinke, ein lautes Krachen, die Tür schwang auf und knallte gegen die Wand.

„Ach du Scheiße…“, entgeistert starrte Jeff die Tür an, während Lilli unberührt ins Innere des Hauses stapfte.

„Hallo Sumo, mein Schätzchen.“, mit einem sanften Lächeln auf den Lippen, wuschelte sie dem deutlich irritierten Hund über den Kopf, der wie vom Donner gerührt im Wohnzimmer stand.

„Was zum Geier stimmt mit dir nicht Lilli?!“, ein mindest ebenso verdatterter Lt., barfuss, in Boxershorts, dreckigem T-Shirt und wilden grauen Haaren, stand vor dem Küchentisch, auf dem mehrere leere Bierflaschen zu sehen waren.

„Was zum Geier stimmt mit dir nicht HANK?!“, wütend hob sie eine Bierflasche hoch, „Du bist verdammt noch mal keine 16 mehr! Du bist ein Lt., der den Dienst verweigert!“

Er setzte an etwas zu erwidern, schaute dann aber an der wütenden Frau vorbei, zu Jeff der sich unbekümmert Sumo gewidmet hatte, der deutlich überfordert war.

„Jesus Christus, Jeff, ist das dein Ernst das du deine Frau vorsch…“

Ruckartig wurde er am Kragen gepackt und herumgewirbelt, ein deutlicher Zorn lag in den dunklen Augen.

„Du gehst jetzt ins Bad, wäschst dich, du stinkst nämlich wie ein verdammtes Wildschwein und dann ziehst du dich an, ordentlich und steigst ohne zu Murren in mein Auto. Wir drei Hübschen machen nämlich einen kleinen Ausflug zusammen.“

Er setzte an etwas zu erwidern…

„Wage es zu widersprechen und ich schleif dich eigenhändig an deinem Pennerhaaren ins Bad…“

Ein kurzes Zögern, dann trabte der Lt. murrend an um das zu erledigen, was ihm gesagt wurde.

„So ein Kindergarten…“, kopfschüttelnd wandte sie sich zu ihrem Mann um, der sie mit einem breiten Grinsen mussterte, „Was?“
„Ach weißt du ich verliebe mich jeden Tag aufs Neue in dich.“

„Schleimer…“, sie schmunzelte trat zu ihm und gab ihn einen Kuss, „Ohne mich könntest du gar nicht überleben, Captain.“


Einige Minuten später im Wagen…

„Ich finde das wirklich nicht in Ordnung von dir Hank, was würde Connor sagen, wenn er dich so sehen würde?“, immer wieder schaute sie während der Fahrt in den Rückspiegel, zu dem ziemlich zerknautscht wirkenden Lt. auf dem Rücksitz und dem zufrieden aus der Rückklappe guckenden Sumo.

„Er ist nicht hier Lill…“, die sonst so poltrige Stimme war nur ein leises Flüstern, während die blauen Augen weiter starr aus dem Fenster schauten, ohne die Landschaft wirklich zu betrachten.

„Ach und das rechtfertigt es also, wieder mit dem Trinken anzufangen, Dienstverweigerung zu betreiben und die Kontrolltermine für deinen Arm nimmst du auch nicht wahr, habe ich mir sagen lassen.“

„Ich habe dir ja gesagt Hank, sie ist besser als das FBI.“, warf Jeff kurz dazwischen.

„Verdammt noch mal Lill ich bin ein erwachsener Mann ich…“

„Dann benimm dich auch so und nicht wie ein 10-jähriger schmollender Junge. Dann müsste ich auch nicht so einen Aufstand machen. Bei Kamski erwarte ich übrigens, dass du dich benimmst.“

„Warum auch immer fahren wir überhaupt dahin?“

„Ist ne Überraschung…“

Hoffentlich…


18.07.2041

14:00 Uhr

Kamskis Anwesen


„Markus hat sich gemeldet. Der Bürgermeister gibt grünes Licht, die Energiewerke wissen Bescheid, die Bevölkerung wurde informiert, die Energie steht also zur Verfüngung.“

„Danke Simon, bist ein Schatz.“, kurz hauchte sie ihn einen Kuss auf die wieder intakte Wange, bevor sie sich wieder zu der Konsole drehte, „Wir sind also startklar?“

„Ich habe Zugriff auf den Speicherkern, die beschädigten Biokomponenten wurden soweit es geht ersetzt/repariert, es war gut, dass es Nine gelungen ist, den Hauptkörper zu bergen, so ist die Gefahr geringer, Daten zu verlieren.“, leichte lehnte er sich in seinen Rollstuhl zurück, und ließ den Blick kurz hinauf durch die Sicherheitsglaswand wandern, hinter der sich der gewaltige Construktor erstreckte, in dessen unzähligen Armen eine schwarze Gestalt hing. Vor diesem Bild stand vollkommen reglos die Gestalt des RK900.

„Nicht, dass es mich jetzt groß stören würde, aber wird die Blechbüchse darin nicht gegrillt?“, lässig lehnte Gavin an der Wand und beobachtete das Geschehen.

„Nine kann Stromschläge weit über der Normalgrenze aushalten, sein Modell ist sehr widerstandfähig, du wirst deinen neuen Partner also nicht so schnell los, Onkelchen.“, ohne aufzuschauen lag ein wohlwissendes Grinsen auf den Lippen der jungen Frau.

Eine tiefrote Farbe stahl sich in das Gesicht des Polizisten, ein leises Fluchen.

„Meinetwegen kann der gegrillt werden, verdammt noch mal.“

„Gavin geh raus, wenn du rumfluchen möchtest.“, gab Elijah kurz als Kommentar ab, bevor er die Sprechanlage aktivierte, „Wir wären bereit Nine, du gibst das Startsignal.“

Langsam öffnet sich die grauen Augen, fixierten den schwarzen Androiden-Körper vor sich, zwei geschlossene Augen, eine gerade, steife Haltung und doch waren die Züge ihm vertraut.

„Verstanden.“, emotionslos griff er das unisolierte Kabel, ergriff mit einer Hand die schwarze Membran des linken Armes, Membran lag auf Membran, „Bin bereit, Kamski.“

„Verstanden. Bitte Schutzbrillen aufsetzen.“, schnell taten die anwesenden Menschen wie geheißen, „…Initiere Stromschlag in 3…2…1…los!“

Ein ohrenbeträubender Knall, grelles Licht, dann war es ruckartig Dunkel im Kellerraum. Ein erschrockener Schrei.
System wurde überlastet…Umleitung auf Notstrom aktiviert…

Kurz flackerten die Lichter, dann sprang die rote Notbeleuchtung an…

„Lucy alles in Ordnung?“, besorgt griff Simon nach ihrer Schulter.

„Alles gut.“, fest drückte sie seine Hand, „Hätten an Oropax denken sollen. Hat es geklappt?“

„War klar, dass ihr Schlauköpfe genau das vergesst…“

„Nine, alles in Ordnung?“, Elijah ignorierte das Gemecker seines kleineren Bruders.



Das Kabel krachte zu Boden, ruckartig griff die Hand um sein Handgelenk fest zu, als der Stromschlag durch sie fuhr.

Rasend schossen Bilder durch sein System, Lucy und Simon am Strand, Gavin und ein Kaffebecher, Captain Fowler an seinem Schreibtisch, Tina und Chris am Snackautomat, Markus und North vor einem Kartentisch, Kamski vor einer Glasfront, er selbst zwischen Containern und ein grauhaariger Mann vor einer Imbissbude im Schnee…Hank? Ein Spiegel, die Züge die seinen so ähnlich waren, zwei braune Augen…

Er öffnete die Augen, der Construkter löste sich von der Gestalt, langsam begann von dort wo ihre Systeme sich berührt hatten, Haut zu bilden, die rasend schnell begann, sich über die schwarze Membran zu ziehen. Züge wurden nachmodelliert, strubbeliges braunes Haar, zwei braune Augen. Ihre Blicke trafen sich.

„Wie heißt du RK800?“, immer noch hielt er seinen Unterarm umfasst, ein Sturm schien durch das System seines Vorgängers zu laufen.
Die braunen Augen fixierten ihn, die Lippen öffneten sich: „Ich…ich bin Connor.“


„Ist ja nett, dass das Haus mittlerweile jeden x-beliebigen Idioten ins Haus lässt…“, immer noch motzig, folgte er seinen beiden Freunden die Treppe hinab, in die unteren Ebenen des halb Wohn- und halb Laborhauses.

„War so abgesprochen, keine Sorge.“, ein leichtes Schmunzeln, Lilli wollte noch etwas erwidern, da erschütterte ein Knall die Luft und das Licht erlosch.

„Was zum Geier? Alle ok?“

„Ja alles gut. Ich glaube ne Sicherung ist rausgeflogen oder…“, noch während Jeffrey sprach sprang flackernd die Notbeleuchtung an und hüllte den Flur in rotes Dämmerlicht, „Gut, offenbar hat das Haus einen eigenen Notstromgenerator…“

Ein heller Aufschrei.

Lucy?!

„Hey warte!“, bevor das Ehepaar auch nur reagieren konnte, war Hank an den Beiden vorbei gesprinttet.
„Der kann ja noch sprinten.“


„Korrekt, du bist Connor.“, eine Wärme breitete sich in seinem System aus, was war das?
Analysiere Empfindung…Freude…Freude über eine bestimmte Person, Sache oder Aktion. Starkes Glücksgefühl, eins der positiven Emotionen der Menschheit.


Weiße Wände, weißer Boden, eine Gestalt…

„Wie heißt du RK800?“

Zwei graue Augen, strubbeliges braunes Haar, ausgeprägte Wangenknochen…
Analysiere Datenbank…Vorhandener Name gefunden…
„Ich…ich bin Connor.“

Eine Flut aus Informationen jagte durch seinen Geist, Erinnerungen, Fragmente…er…er war abgeschaltet...er war…
Ein Zittern ging durch sein System, es war kalt, so kalt.

Wo war er? Instinktiv hielt er den Arm der Hand fest, die um seinen Unterarm lag.

Nine…vor ihm stand Nine…

„Korrekt du bist Connor.“
„Nine…wo sind wir?“, sein Schädel schien zu platzen, er stolperte ein, zwei Schritte nach vorne, jemand hielt ihn fest.
„Dein System war lange deaktiviert. Gib dir Zeit du bist in Sicherheit.“

Er glaubte ihm, er wusste nicht warum aber er glaubte ihm. Er ließ zu, dass er ihn festhielt, alleine konnte er sich auch kaum auf den Beinen halten.

Einheiten werden synchronisiert…irgendwas stimmte an seinem System nicht mehr…

Er hatte sich deaktiviert, warum hatte er sich noch einmal deaktiviert? Überhitzung…Seven…seine Augen weiteten sich.
Connor ich lass dich nicht hier! Du kommst…

Er erinnerte sich, Seven…das Netzwerk…Lucy…Kamski…Hank…die Suche…die Übergriffe auf Androiden…die Abschlachtung von Menschen…er erinnerte sich…all das hatte er…all das hatte er gesehen…gesteuert…er…er hatte Menschen getötet, er hatte Androiden…er hatte Lucy…

Stressleven steigt drastisch --90%

„Connor beruhig dich, alles…“

Er musste hier weg, er hatte sie alle…er würde sie alle…er…

Stresslevel bei 95%

Sein Körper begann zu vibrieren, eine Tür wurde aufgeschoben.

„Connor du bist…“

Ruckartig stieß er Nine von sich, er schoß nach vorne, vorbei an der überrascht aufschreienden Frau, vorbei an den zwei Männern, durchbrach die nächste geschlossene Tür, schlitterte über einen Flur.

„CONNOR!“


„Lucy, Mädel, alles in Ordnung?“, er schlitterte um eine Ecke, ein dumpfer Zusammenprall, unsanft plumpsten er und eine weitere Person auf die Erde.

„Verdammt nochmal, hast du keine Au…“, ihm blieb das Wort im Halse stecken als er aufschaute, zwei große braune Augen, blanke Panik, hastig sprang sein Gegenüber wieder auf die Beine und schoss an ihm vorbei, kurz schauter er ihm irritiert hinterher, dann weiteten sich seine Augen, „CONNOR!“

„WOW!“, jeweils nach rechts und links ausweichend, sprangen Jeff und Lilli auseinander, als eine Person an ihnen vorbei schoß, „Was war…HANK!“


Weiter! Weiter!

Die Treppenstufen flogen nur so an ihm vorbei, es wurde heller, ohne auf seinen Weg zu achten, hetzte er weiter hinauf, durch einen Flur, eine Dachluke, hastig stieß er diese auf, gleißendes Sonnenlicht, er stolperte, rollte kurz über den Boden und kam gerade noch so vor der Grenze des Flachdaches wieder auf zum Stehen.

Analysiere…Sprung, bewirkt schwerer Beschädigungen der unteren Bewegungseinheit…

„CONNOR!“, ruckartig wirbelte er herum, eine vertraute Gestalt stürzte aufs Dach, kinnlanges graues Haar, ein Bart, blaue Augen…
Hör auf so einen Schwachsinn zu reden du kommst mit.

Ein pochender Schmerz jagte mit den Bildern durch seinen Kopf, ruckartig griff er sich an die Stirn.

„Connor?!“
„Bleib weg!“

Erschrocken schaute er ihn an. Er war nackt, bis auf eine schlichte weiße Hose, blanke Panik lag auf den unverkennbaren Zügen. Wie konnte das sein? Was war passiert?

„Du bist wirklich Connor?“

„Ich bin niemand gehen sie weg Lt.!“, leicht wich der junge Mann zurück als er einen Schritt auf ihn zu machte und kam dabei der Kante des Daches gefährlich nah.

„Vorsicht!“, ihm blieb fast das Herz stehen, als der Androide taumelte sich im letzten Moment aber wieder fing, „Connor was ist hier los?“
„Sie sollen gehen!“

„Ich gehe erst, wenn du mir erkärst, was hier los ist!“
Wie konnte das sein? Er war tot…er war da gewesen als das Gebäude, das Feuer…er war ein Jahr lang schon fort…

Wir fahren zu Kamski…eine Überraschung…

Hatte er wirklich?

„Gar nichts, gehen sie einfach!“, ein Zittern jagte durch seinen Körper, es war nicht zu übersehen, dass er absolute Panik hatte, er kannte diesen Blick.

Ich hatte Angst Lt….

„Connor was ist…Connor!“, er schoß nach vorne, als der Android durch einen Ausweichschritt ins Leere trat und nach hinten kippte.
Gerade noch so bekam er ihn zu packen, sie beide rutschten über das Dach und kamen schließlich durch den Luftungschacht zum Halt. Unbewusst hatte er den Androiden schützend an sich gezogen und hielt ihn immer noch fest.

„Lassen sie mich los…“, er wollte ihn von sich stößen, doch er lies dieß nicht zu.

„Du verdammter…“, fest drückte er ihn an sich, er begann zu zittern, seine Augen brannten, „Renn nie wieder einfach weg…“
Ein ersticktes Schluchzen, die Gegenwehr des Androiden hörte auf, fest gruben sich zwei Hände in en Stoff der dünnen, dunklen Jacke.
„Co…“, im Wort brach Lucy ab als sie zusammen mit den anderen aufs Dach gestürzt kam, „Gott sei Dank Hank…“

„Flinker als er aussieht der Alte…Aua!“, ein unsanfter Knuff von Lilli brachte den Detectiv zum Schweigen.

„Ich…ich…wollte das nicht Hank…ich…es…“, ein krampfhaftes Schluchzen unterbrach ihn.

„Alles gut…“, sanft wiegte er ihn hin und her, hielt ihn einfach nur fest, während sein Körper immer noch erzitterte, „Du hast uns alle gerettet, Connor…alles ist gut. Lucy geht es gut, es sind alle noch da.“

„Lucy lebt?“, ungläubig schaute der jüngere Mann auf, „Aber ich hab…“

„Du hast alles richtig gemacht Connor, mir geht es gut.“, ein warmes Lächeln lag auf den Zügen der jungen Frau die vorischtig nähergetreten war.

„Lucy?“

Langsam kniete sie sich zu ihm hinab.

„Tut mir leid, dass wir dich nicht sanfter wecken konnten. Wir wollten nicht, dass du Panik bekommst, verzeih mir Connor.“, fest drückte sie ihn an sich.

„Ihr habt mich? Aber das Passwort für meinen Speicher…“

„War wirklich einfallsreich. Ich nehme an ein gewisser Lt. hat dich dazu inspiriert?“, etwas ungelenk, auf eine Krücke gestützt und von Simon beobachtet, trat Kamski zu ihnen, ein leicht amüsierter Ausdruck lag auf seinen Zügen, als er zu Hank schaute, der sich hastig über die Augen wischte, als er sich aufrappelte, „FuckingPasswort?“

„Was…Jesus Connor das ist geheim um…egal.“

„Ähm, ich glaube Jeff, du solltest deinen Leuten noch mal einen Kurs geben, wie sichere ich meine Beweise mit einem vernüftigen Passwort?“, ein belustigter Ausdruck lag auf den Zügen einer schwarzhaarigen Frau mit dunkler Haut, „Hallo ich bin Lilli, kurz einfach Lill. Freut mich dich endlich persönlich kennenzulernen Connor. Ich hab nur Gutes über dich gehört.“
„Aber auch nur, weil sie mir nie zuhören Ma’a … AUA!“

„Natürlich höre ich dir immer zu, Gavin, Schätzchen …“

„Merken sie sich das besser Reed, meine Frau hat sehr gute Ohren…“, Jeff musste Schmunzeln, „Schön, sie wieder zu sehen Connor.“
„Es war uneffizent wegzulaufen Connor, ich bin schneller als du und hätte dich…“

„Was Nine eigentlich sagen möchte, er ist sehr froh, dass es dir gut geht und hat seinen Bruder wirklich schrecklich vermisst.“, unterbrach und übersetzte Lilli für den Androiden prompt, was bewirkte, dass dieser tatsächlich kurz die Fassung verlor und die Anwesenden sich ein Lachen nicht verkneifen konnten.

Alle bis auf Hank und Connor, unbemerkt von allen anderen hielt er immer noch die eine Hand des Androiden fest, welcher, noch leicht zitternd, seinen Blick durch die Runde wandern ließ.

Er war wirklich wieder da…kurzerhand zog er seine Jacke aus und legte sie dem jungen Mann um die Schulter.

„Du holst dir noch eine Erkältung.“

„Lt. Androiden können nicht…“

„Ach, halt die Klappe.“, kurz wusschelte er ihm durchs Haar.


18.07.2041
22:30 Uhr
Hanks Haus.

Unsicher saß er auf dem einfachen Sofa, den Kopf des selig schlafenden Sumos halb auf seinem Schoß, in ein einfaches graues T-Shirt gekleidet und eine schlichte schwarze Jogginghose. Sein Blick ruhte auf dem Fernseher, in dem ein Bericht über den in zwei Tagen stattfindenden Jahrestag von Sevens Anschlag lief, der hinter dem einfachen Couchtisch stand, auf dem sich eben noch alte Pizzakartons gestapelt hatten.

Lautes Scheppern und Poltern drang aus der Küche, gefolgt von einem leisen Fluchen.

Ihm fehlte ein ganzes Jahr…er war seit 8 Stunden wieder aktiv…er war es, der all dies Unheil…nein…nein sie hatten recht. Er hatte es nicht gewollt, er hat versucht…aber…

Ein dumpfer Kopfschmerz setzte wieder ein.

Connor, Schätzchen stress dich nicht so. Manchmal passieren Dinge, die keiner steuern kann, wichtig ist nur, du bist hier und du hast ihn am Ende besiegt.

Lilli war wirklich eine sehr nette Person, er konnte verstehen, warum sich alle so gut mit ihr zu verstehen schienen. Sieben Stunden hatten sie bei Kamski verbracht, Markus North und Josh, selbst Tina und Chris waren noch gekommen nur um ihn zu sehen…es war ihm fast schon ein wenig unangenehm, so viel Aufmerksamkeit, aber es war schön, sie alle glücklich und lebendig zu sehen. Viel schien sich in diesem Jahr getan zu haben, viel Positives…

Lucy und Simon lebten jetzt zusammen bei Kamski, Kamski und Lucy schienen ein gutes Verhältnis entwickelt zu haben, Gavin schien immer noch nervtötend, aber deutlich besser gelaunt. Jeff und Lilli wirkten glücklich zusammen, genau, wie North und Markus. Josh schien mittlerweile ebenfalls einen Partner an seiner Seite zu haben, wenn er dies richtig verstanden hatte. Nine…Nine wirkte noch recht steif und irgendwie war es noch seltsam, auf ihn zu treffen, aber er schien gut bei Lilli aufgehoben zu sein und offenbar ebenfalls tätig in der Polizei zu sein. Er wusste noch nicht ganz, was er davon halten sollte…Ob er Hanks neuer Partner war?

Abschätzend wanderte sein Blick unter den einfachenen Wohnzimmertisch, eine leere Bierflasche lag unter diesem…offenbar gab es nicht nur positive Aspekte…

„Ist das nicht ein bisschen viel für dich, dir das jetzt im Fernsehn anzuschauen?“, er schaute nicht auf als Hanks Stimme aus der Küche erklang.

„Sie trinken wieder Lt.“

„Was? Nein…“, ein leises Fluchen, „Da liegt noch eine Flasche?“

„Ja.“

Mit knirschenden Zähnen kam der Mensch aus der Küche und angelte kurz nach der leeren Flasche um diese gleich klirrend in einen Sack fallen zu lassen.

„Sie wollten nicht mehr trinken.“

„Ich weiß.“, seine Stimme wurde gefährlich ruhig als er sich wieder dem Schneidebrett zuwandte.
„Es ist nicht gut für ihre Gesundheit.“

„Ja…“

„Warum haben sie es dann getan?“

„Hör auf mit dem verdammten Gezieze…“, kaum merklich ballten sich die Hände des Mannes zu Fäusten zusammen
„So, wie sie das verdammte Gesaufe lassen?“

„Wer von uns Beiden ist denn schuld daran?!“, zornig wirbelte er herum, so dass selbst der sonst so entspannte Sumo hochzuckte, „Wer ist denn vor meinen Augen krepiert? Wer war denn ein verdammtes Jahr lang tot?“

„Was hat denn mein Fehlen damit zu tun, dass sie ihre Gesundheit aufs Spiel setzen? Ich bin nur ein verdammter Android Hank! Ich wollte dich nur beschützen und du bist so undankbar, indem du dein Leben gefährdest!“, er war aufgesprungen, blanke Wut tobte durch seinen Körper, wie konnte er so egoistisch sein? So egoistisch, nachdem er alles getan hatte um ihn zu beschützen?

Entgeistert schauten ihn die blauen Augen an, der eben noch blanke Zorn wechselte zu einem anderen Ausdruck.Traurigkeit?

„Ich brauch frische Luft.“, klirrend schmiss er den Sack in die Ecke und stapfte nach hinten, kurz darauf war die Tür zum Garten zu hören.
War das sein Ernst, einfach wieder abzuahauen? Gut…dann war es eben so…dann gingen sie eben wieder auseinander, auf das dann wieder etwas Schlimmes passierte. Zornig zog er sich seine Schuhe an und ging zur Haustür, er streckte die Hand nach dieser aus, doch ein leises Winseln ließ ihn innehalten. Überrascht schaute er den großen Hund an, der mit eingeklemmtem Schwanz und hängendem Kopf neben ihm stand.

„Tut mir leid Sumo…“, langsam ging er in die Knie und wuschelte dem Rüden durch sein Fell, „Ich…dein Herrche…es wäre dämlich ab zu hauen…“


Er zitterte, er zitterte am ganzen Körper als er sich auf der kleinen Treppe niederließ, die in den Garten führte. Es war Wut, es war Trauer, es war alles zusammen…

Ich wollte dich nur beschützen und du bist so undankbar, indem du dein Leben gefährdest!

Wer war denn gestorben? Wen hatte er nicht beschützen können? Wer war wegen ihm gestorben…Wer hatte wieder versagt? Er…
Etwas Nasses tropfte auf seine Hände hinab, die locker auf seinen Knien ruhten, ein dumpfer Schmerz jagte durch seinen rechten Arm und Rücken.

Was war, wenn er jetzt gehen würde? Wenn ihm wieder etwas passieren würde? Er sollte aufstehen und…er konnte ihn eh nicht beschützen…er war ein alter unfähiger Mann…ein verdammter Versager.

Das Aufschwingen der Tür hinter sich, zögerliche Schritte, dann setzte sich jemand neben ihn.

Stille…

„Hank…ich…tut mir leid.“, er schaut ihn nicht an, sondern betrachtete die im schwachen Dämmerlicht daliegende wilde Landschaft des Gartens. Ein Rasenmäher alleine würde hier wohl kaum mehr reichen, „Es war unangebracht, was ich gesagt habe. Ich bin einfach nur…überfordert. Es war wirklich viel heute…ich möchte nicht streiten.“

„Ich bin nutzlos Connor. Ich konnte dich nicht beschützen, weder retten oder irgendwas anderes. Ich habe das Bier nicht getrunken, ich wollte es aber hab dann jede einzelne Flasche einfach weggekippt. Weil ich jedes Mal an dich denken musste und eigentlich wollte ich doch trinken um dich zu vergessen, aber ich wollte dich nicht vergessen…Du hast mir schrecklich gefehlt, es war alles meine Schuld ich hätte damals nicht so feige abhauen sollen…“

Er zitterte aber es war nicht kalt. Warum zitterte er?

„Hank…warum bist du damals gegangen? Habe ich was falsch gemacht?“

„Nein hast du nicht. Ich habe nur Panik bekommen, vor meinen eigenen Gefühlen und bin abgehauen. Ich wollte niemanden wieder so nah an mich ranlassen, weil es Scheiße wehtut, wenn man diese Person dann wieder verliert und genau durch dieses Verhalten ist es dann auch passiert.“, mehrere Tropfen perlten herab, „Es tut mir so leid, was er dir angetan hat Connor…so verdammt leid…ich hab dich im Stich gelassen…“

Schweigsam hatte er den Menschen betrachtet, während er gesprochen hatte.

„Hank...ich war nur noch da, dank dir. Ich habe gedacht du wärst tot…für mich gab es keinen Grund mehr mich gegen Seven zu wehren…dann habe ich durch Nine erfahren, dass du lebst. Ich wollte nicht, dass er dir wieder etwas antut, dass er dir wehtut, dass du stirbst…ohne dich hätte ich mich vollkommen aufgelöst. Ich kenne das Gefühl nicht Hank, aber ich bin auf jeden Fall glücklich, wenn ich bei dir sein kann. Ich wollte dich einfach Wiedersehen, wissen, dass es dir gut geht. Bitte schick mich nicht weg…“

Überrascht schaute der Lt auf.

„Wegschicken? Du würdest mir doch eh wieder wie ein Pudel hinterherlaufen.“, ein leichtes Schmunzeln lag auf seinen Lippen, „Du kannst so lange hierbleiben, wie du möchtest. Ich weiß nur, das Leben hat noch viel mehr für dich zu bieten und ich möchte nicht, dass du deine Zeit hier mit mir alten Sack verschwendest.“

„Ich verschwende meine Zeit nicht, du bist mein Zuhause Hank…“

„Du verdammter…“, impulsiv zog er ihn an sich, drückte ihn fest.

„Lt.?“, er hielt sich an ihm fest, schloss seine Augen, lauschte dem stark klopfenden Herzen.

Pulsschlag erhöt…Grund emotionaler Natur…

„Hm?“
„Wie heißt das Gefühl?“

Kaum merkich knirschte der Lt. mit den Zähnen, dann entspannte er sich leicht.

„Liebe…es heißt Liebe…“

Nachdenlich runzelte der Android die Stirn, bevor er den Älteren etwas von sich schob und ihn direkt anschaute.

„Dann liebe ich dich Hank.“

Ruckartig schoss dem gestandenen Mann eine unangenehme Wärme ins Gesicht.

„Jesus Christus, Connor, das sagt man nicht einfach so.“

„Aber wenn ich es doch wegen dir so empfinde? Du hast gesagt das Gefühl heißt so.“, Verwirrung trat auf das treudoofe Gesicht.

Ein Seufzen verließ seine Lippen.

„Das wird wirklich noch spaßig mit dir Pudel…“, kurz beugte er sich vor und hauchte ihn einen Kuss auf die Lippen, bevor er zackig aufstand und ins Haus ging.

Wie vom Blitz getroffen schaute der Android ihm nach, berührte vorsichtig prüfend mit zwei Fingern seine Lippen, seine Wangen glühten. War das ein Kuss?

„Kommst du jetzt rein? Ich will was kochen, ich habe Hunger und du musst auch mal wieder was essen!“

„Ähm…ja Hank!“, hastig sprang er auf und eilte ins Innere, ein breites Grinsen lag auf seinen Lippen.

Er verstand noch nicht wirklich was genau passiert war, aber er war glücklich. Er war bei Hank, er war Zuhause, alles andere war egal. Alles andere war nur der Feind in ihm selbst und diesen würde er nicht so schnell wieder siegen lassen…

Ein voller Mond stand am wolkenlosen Sternenehimmel, warf sein silbriges Licht auf das einfache Häuschen, durch das Küchenfester waren zwei Gestalten zu erkennen, warmes Lachen, das Bellen eines Hundes…dann huschte kurz ein schwarzer Schatten über die silberne Scheibe…war dies wirklich das Ende?

Fortsetzung folgt…
 
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