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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
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27.12.2020 5.473
 
Es herrschte absolutes Chaos, die Kaserne stand in Flammen, Rieseninsekten surrten durch die Luft, Soldaten eröffneten das Feuer, dicker Rauch hüllte die Umgebung ein, riesige Ungetüme, zusammengewürfelt aus mehreren Androiden robbten mit grotesken Bewegungen unbekümmert über die Flammen. Es war fast wie damals…

Hastig bahnte er sich seinen Weg durch das Chaos, wich Schüssen und Kreaturen aus, es war wie früher im Dienst, nur mit gewaltätigen Mutanten. Sie wollte zum Waldrand…zum Waldrand…ein dunkler Schatten erhob sich im Norden, wie ein schwarzer Schwarm aus unzähligen Vögeln, in der Mitte schien ein schwarzes Knäuel zu sei…seine Augen weiten sich.

Hastig änderte er seine Richtung. Innerlich fluchte er, er hätte wirklich mehr Wert auf seine Ausdauer legen sollen…
„Lucy!“, er schlitterte um einen Krater, mehrere umgestürzte Baumriesen, „Lucy?!“

Hastig schaute er sich um, ein Baumstamm bewegte sich, rollte kaum merklich hervor, eine Gestalt stemmte sich ungelenk in die Höhe, ein widerliches Knirschen war zu hören als das Kniegelenk wieder in seine ursprüngliche position geschoben wurde.

„Wo ist Lucy?“
„Seven…“, ein finsterer Ausdruck lag auf den Zügen des Androiden, „Ich brauche einen Wagen Lt.“
„Du brauchst einen Tritt in den verdammten A…“, ruckartig riss ihn der Android herum, griff seine Waffe und feuerte einen Schuss auf den heranstürmendenn Skorpionandroiden ab, ein kehliger Laut der Körper brach kurz vor ihnen zusammen.

„Ich hole sie zurück Lt.“, platt drückte er Hank wieder seine Waffe in die Hand, „Ich weiß das ich versagt habe Lt. Ich mach es wieder richtig.“
„Wieder richtig…weißt du überhaupt, in welche Richtung sie…wow!“, ruckartig machte er zwei Schritte zurück als schlitternd ein Jeep vor ihnen zum Stehen kam.

„Lt.? Nine? Steigen sie ein schnell!“

Verdattert blickten der Mensch den blonden und dunkelhaarigen Androiden im Wagen an, kam dann aber zusammen mit Nine der Aufforderung nach.

Ruckelnd setzte sich der deutlich alte Jeep wieder in Bewegung.

„Was ist hier los? Wo ist Lucy?“
„Nun ja…Seven ist los und…“
„Lucy wurde entführt, ich muss in die Stadt sofort.“

Vollkommen entgeistert starrte Simon vom Beifahrersitz nach hinten.

„Sie wurde was?!“
„Das hätte selbst ich nicht weniger taktvoll sagen können Schrotthaufen…aber ja, sie wurde offenbar entführt.“
„Wann?“, deutliche Panik trat auf die Züge des Blondschopfes.

„Vor 00:6:50 Minuten, er hat sich Richtung Stadt bewegt.“, erwiderte Nine vollkommen gefasst, „Wir müssen hinterher.“
„Langsam Schrotthaufen…wir müssen erst gucken, wo Lill und der Rest abgeblieben sind.“, warf Hank ein.

„Aber Lt., Lilli innerhalb dieser höchst heiklen Lage zu finden, scheint mir…“, der laute Knall einer Schrotladung erschütterte die Umgebung.
„Der Schrotflinte nach Markus.“
„Verstanden.“, flink wendete Markus das Fahrzeug, das Kreischen von Maschinen war zu hören, etwas schlug auf der Motorhaube auf, unbeirrt fuhr der Android weiter.

Die Salven der Schrotflinte wurde lauter, ein grotesker Fluch…Metallklumpen brachen vor ihnen zusammen, schlitternd wich der Jeep aus und kam gerade so vor einer halb eingestürzten Gebäudewand zum Stillstand.

Hastig riss Hank die Tür auf.

„Lil, hier!“

Kurz wandte sich der Lockenschopf zu ihm um, nickte knapp, bevor sie einem heraneilenden halb fertigen Androiden den Kopf wegpustete und prompt flink zum Jeep hastete.

Kaum hatte sie die Tür hinter sich zu gezogen, raste der Jeep wieder los.

„Alles gut?“
„Nichts lebensbedrohliches…Kamski und Gavin nicht hier?“, suchend schaute sich die Frau im Wagen um.

„Ich dachte, du warst bei ihnen?“, verwirrt schaute Hank sie an, Dreck und Kratzer bedeckten die dunkle Haut der Frau.

„Ich wollte den Fluchtweg klären, als ich zurückkam, waren Beide nicht mehr im Zimmer und dann kamen auch schon diese verdammten Bastarde…“
„Gavin ist nicht blöd, wahrscheinlich sind sie schon abgehauen.“, Hank hörte sich selbst nicht wirklich überzeugt an.

„Der Stützpunkt ist verloren. Meine Systeme melden immer mehr Hybride, ein Ruckzug wäre angebracht.“, warf Nine vollkommen ruhig ein.

„Bingo, nichts wie weg hier Markus.“
„Bin schon dabei.“, rasend schoß der alte Jeep durch die Bäume hindurch.

„Wo ist die Kleine? War der Arsch wirklich hier?“, besorgt schaute sich die ehemalige Soldatin um, während sie ein Taschentuch auf eine leichte Schnittwunde an ihrem Oberarm drückte.

„Ja, Seven hat sie mitgenommen. Wir müssen in die Stadt…“
„Stadt…schön und gut und wie finden wir sie da? Einfach einen netten Mutanten nach dem Weg fragen?“
Markus stutze und griff nach dem Lautstärkeregler des Radios: „Eilmeldung! Hiert ist Michale Charlsten von SevenSix. Gerade erreichen uns Meldungen, die von einem Großangriff auf die Stadt Detroit berichten. Es wird von grotesken Gestalten, wie aus Horrofilmen berichtet, die die Straßen der Stadt zerstörerisch heimsuchen. Militär und die Sicherheit sind in höchster Alarmbereitschaft. Wie viele Opfer es derzeit gibt und wer hinter dieser Tat steckt ist noch völlig unklar. Die Menschen werden angehalten, sich in ihren…H…s….zzzzz….“

Ein grelles Störgeräusch, hastig wurde das Radio wieder ausgeschaltet.

„Er unterbricht das Kommunikationsnetz…“, kurz ließ Lilli ihren Blick über ihr Handy wandern, „Das Netz ist tot, offenbar gewinnt er mehr Kontrolle über die Satelliten.“
„Wir müssen Lucy finden!“
„Jaha, Blondie das wollen wir alle.“, kurz drückte Hank die Schulter des deutlich besorgten Mannes, „Aber…wie? Ist ja nicht so, dass sie einen Ortungssender oder so um den Hals trägt…jetzt wäre dieser reiche Pinkel vielleicht wirklich mal hilfreich mit…hm?“
Verwundert schaute er auf, als er merkte, wie sich der Mann unter seiner Berührung anspannte, die intakte Hand des Androiden streckte sich nach dem Radio aus, weiße Membran wurde sichtbar, kurzes Rauschen und Klackern, dann erklang eine vertraute Stimme: „Wie kann ihnen denn der reiche Pinkel weiterhelfen Lt.?“
„KAMSKI!?“


20.07.2040

14:30 Uhr

Kamskis Anwesen…

Der Einstich brannte, aber der restliche Schmerz schien verschwunden, sein Puls raste in seinen Ohren, unzählige Informationen liefen gleichzeitig durch seinen Geist…

Ausfall lebenswichtiger Organe in 30 Minuten und 55 Sekunden…

Etwas umständlich lenkte er den alten Pickup auf die Einfahrt vor dem modernen Gebäude. Es war umständlicher, mit nur einen Arm zu fahren, geschweige denn wieder mit einem Schaltwagen zu fahren aber der Zweck heiligte die Mittel und er hatte keine Zeit zu verlieren…
Zackig stieg er aus dem Wagen aus, eilte auf den Eingang des Gebäudes zu. Er würde nicht zulassen, dass er ihr etwas antat. Er würde nicht zulassen, dass sie für seine Fehler büßen musste…alles andere war nicht wichtig.

Kaum merklich nahm er die Begrüßung der KI wahr, als sich die Tür öffnete und er hastig durch die linke Tür zu einer einfachen Treppe eilte, die hinab in den Labortrakt unter dem Gebäude fuhrte.

Nierenwerte kritisch…Thiriumvergiftung…Versagen in 20 Miunten 11 Sekunden…

Es gab kein zurück, für ihn gab es kein zurück, das war die letzte Chance alles zu korrigieren. Noch eine Chance hatte er nicht.
Die Tür öffnete sich ein gewaltiger Bildschirm, ein Pult, hastig flogen seine Finger über die Tastatur, der Monitor erwachte zum Leben. Er musste ihn finden, wenn er ihn fand, dann würde er auch sie finden…

Ein trockenes Husten, Blut spritzte auf seine Hand…

Lungenfunktion bei 60 %...versagt in 21 Minuten und 03 Sekunden…

Kurz ging ein Zittern durch seine Hand, dann huschte sie unberührt weiter über das Eingabefeld.

Mit einem Rauschen schob sich die Tür hinter ihm auf.

„Bist du wahnsinnig?!“

Er drehte sich nicht um, seine Augen ruhten weiterhin auf dem Monitor.

Lokalisierung RK800…Seriennummer….

„Elijah! Wie kannst du überhaupt auf einmal stehen?“

Weiter…

Seriennummer des Models Connor…aktive Einheiten…eine…

„Verdammt noch mal!“, jemand packte ihn an der Schulter zwang ihn, sich umzudrehen, „Verdammt nochmal, was…“
Gavins Züge entglitten ihm augenblicklich, er wurde kreidebleich.

Die Züge seines Bruders glichen einem Totenschädel, seine Züge waren eingefallen, gefühlt schimmerte der Knochen unter der Haut durch. Ein Rinnsal aus Blut lief von seinem linken Mundwinkel. Die blauen Augen waren rot unterlaufen und die eigentliche weiße Farbe, gelb.

Vor wenigen Stunden sah er viel besser aus…was hatte er getan?

„Du musst dich sofort hinsetzen, du siehst abnormal Scheiße aus…komm.“, er wollte ihn mit sich ziehen, doch er rührte sich nicht.
„Gav…“
„Komm jetzt, du musst dich ausruhen. Es ist hier nicht sicher, wir…“
„Es tut mir so leid…ich hab dich lieb.“
„Wa…“, ein Schock ging durch seinen Körper, Blitze zuckten vor seinen Augen dann wurde es schwarz um ihn.

Sanft fing er den reglosen Körper seines Bruders auf und ließ ihn vorsichtig zu Boden sinken.

„Ich kann es dir leider nicht erklären…und du würdest auch nicht verstehen…“, kaum merklich biss er sich auf die Lippe, als er sich wieder dem Monitor zuwandte.

Synchronisierung mit Modell PL600…

Ist ja nicht so, dass sie einen Ortungssender oder so um den Hals trägt…jetzt wäre dieser reiche Pinkel vielleicht wirklich mal hilfreich mit…hm?

„Wie kann ihnen den der reiche Pinkel weiter helfen Lt.?“


Ungläubig starrte der Lt. das Radio an.

„Wie…nein ich frage gar nicht erst. Seven hat deine Tochter…ne Idee sie zu finden?“

„Wie kannst du überhaupt…ist Gavin bei dir?“, ungläubig runzelte Lill die Stirn, etwas stimmte hinten und vorne nicht. Er war viel zu schwach…was auch immer da ablief…

„Er ist hier, ihm geht es gut. Sie müssen mir jetzt alle gut zuhören. Ich habe nicht mehr viel Zeit. Ich versuche gerade Connor zu orten, Seven wird Lucy dorthin gebracht haben, um mit ihm die Zugriffscodes von ihrem Implantat zu erhalten, sie stirbt, wenn dieses entfernt oder beschädigt wird.“

„Dann sollten wir uns besser beeilen…schon Mal eine grobe Richtung für uns Kamski?“, ungerührt schaute Markus weiter auf den Waldweg vor sich.

„Der Sendeturm im Neubaugebiet…Ich werde versuchen, Zugriff auf Connors Einheit zu erhalten, sollte noch ein Rest seiner eigentlichen…Persönlichkeit vorhanden sein, solle er in der Lage sein, mit der Hilfe eines Energieimpulses durchzubrechen…sollte dies nicht gelingen, müssen sie ihn ausschalten.“

Hank wurde heiß und kalt zugleich: „Kann nicht noch ein zweiter Versuch…“

„Ich weiß noch nicht mal, ob es zum ersten Versuch kommen wird…Ich schätze als Mutter ihr…dein Vorhaben wirklich sehr alles für dein Kind zu tun, aber als Ärztin…ich weiß nicht was sie…du getan hast, aber ich weiß das es dich töten wird.“

Entsetzt starrte Hank seine alte Freundin zu seiner Rechten an.

„Was?“
„Sie hat das Beste verdient und ich bin bereit, jeden Preis zu zahlen. Ich danke…ihnen allen und Lt. ich hoffe wirklich, sie bekommen Connor zurück…Markus ich übermittele ihnen die genauen Koordinaten in wenigen Sekunden.“

Eine tiefe, bedrückende Stille, Simon schüttelte kaun merklich den Kopf.

„Simon? Alles in Ordnung?“, fest drückte Markus seine Schulter, als sich langsam der Wald vor ihm lichtete und sich in der Ferne die Umrisse von Detroit erhoben.

„Ja…Thirium.“, der blonde Android zitterte leicht, „Er hat sich venös…“
„Was?!“, entsetzt beugte sich Lill über Hank nach vorne zu den beiden Androiden, „Dies blaue Blut hat er sich…? Verdammt noch mal…Markus lass mich da vorne raus.“

„Was?“
„Lill. bist du jetzt völlig…“

„Klappe Hank! Ich will den Wagen da kurzschließen und dann suche ich diesen verdammten Idioten und rette ihm den Arsch! So heldenhaft wie es auch ist, Lucy hat es verdient das er sich kümmert!“

„Aber Lucy…“, setzte Hank an, brach dann aber selbst ab als er den energischen Blick seiner alten Freundin entdeckte.
„Ich kann dich be…“

„Lieb Schätzchen, aber Nine ich denke die drei Revolverhelden brauchen mehr Unterstützung als eine Frau mit einer Schrotflinte. Tu mir den Gefallen, pass auf den alten Knacker hier auf, ich würde ihn trotz des Generves wirklich vermissen.“
„Lilli…“

„Danke Hank.“, prompt stieg sie aus dem noch schwach rollenden Jeep, schulterte ihre Schrotflinte und ging auf den verlassen am Straßenrand stehenden schwarzen Wagen zu.

„Sollten wir sie zurückholen?“, fragend schaute Markus in die Runde, ein leises Fluchen entstieg Hanks Lippen.
„Das wäre wie das Wresteln mit einer Boa…fahr weiter, sie kommt klar, ich mache mir mehr Sorgen um Kamski, wenn sie ihn findet…“


20.07.2040

15:00 Uhr

Gerichtsgebäude, Außen

Sie waren umzingelt, dutzende von wildgewordenen Maschinen, in den groteskesten Ausführungen.

Er, Chen und Miller hatten sich hinter einer eingestürzten Bushaltestelle verschanzt, nachdem sie es nur mit Mühe und Not aus dem überrannten Gerichtsgebäude geschafft hatten. So viele Tote…und er hatte nichts weiter, als die durchtrennten Handschellen an seinen Gelenken und einen schlichten Holzknüppel…

Chens und Millers Dienstwaffen waren selbstverständlich im Gerichtsgebäude nicht erlaubt gewesen. Doch er wollte nicht meckern, dank ihnen hatte er es heile herausgeschafft und noch viel wichtiger, sie wussten bereits, was hier vor sich ging. Wirklich er konnte nicht stolzer auf seine Leute sein…

„Da hinten kommen Große…da werden unsere Knüppel oder Steine kaum etwas bringen…wir müssen hier weg Captain.“, nervös biss sich die Asiatin auf die Lippe.

Gut, dass sie auf Lillis Rat vor einigen Tagen gehört hatte und ihre Familie dazu überredet hatte, einen Trip nach NewYork zu unternehmen…sie waren also sicher, für´s Erste. Allerdings musste sie sich nun um ihr eigenes Leben sorgen…hinter ihnen war die massive Steinwand des Amtsgerichtes, vor ihnen, die eingestürzte Bushaltestelle, die ihnen als Deckung diente und dahinter ein Meer aus offenbar feindlichen Maschinenmonstern…dafür war sie wirklich nicht Polizistin geworden.

„Wir kommen hier schon irgendwie raus Tina.“, fest drückte Chris ihre Schulter, bevor er einen Stein nach einer Maschine warf, die auf allen Vieren auf sie zugerast kam.

„Stellung halten…“, aufmerksam ließ er seinen Blick herumwandern, es wurden immer mehr, kein Ausweg, den sie zu Fuß schaffen würden, dass passte ihm gar nicht…es musste doch einen Ausweg geben, wenn er nur irgendwie den Weg für wenige Momente freisprengen…
Das Aufheulen eines Motors, kreischende metallische Schreie, Maschinenkörper stoben durch die Luft, die schwarze zerbeulte Motorhaube eines Wagens, der schlitternd vor ihnen zum Stehen kam.

Der unverkennbare Knall einer Schrotflinte aus dem Fahrerfenster.

„Bewegt eure Ärsche, los!“

Seine Augen weiteten sich.

„Lill!“

Hastig warfen sich alle drei ins Innere des Wagens, ein weiterer Schuss, dann raste das Gefährt mit quietschenden Reifen davon.
„Verzeih die Verspätung, Schatzi, die Straßen sind gerade Mord. Du kennst den Verkehr in der Stadt ja.“, ein breites Grinsen lag auf den vollen Lippen, Dreck und leichte Schrammen zierten ihre Züge, doch sie schien in Ordnung, Erleichterung machte sich in ihm breit.

„Wie ist der Schlachtplan?“

„Wir machen eine Spritztour um Kamski den Arsch zu retten. Hank und der Rest holen sich den Wixxer…glaub mir, du hast einiges verpasst. Ich habe mir sowas von einen Wellness-Urlaub verdient.“

„Alles was du möchtest, mein Engel.“, sanft drückte er ihren Oberschenkel.

„Uhhh, merk dir das für später.“

Irritiert schauten die zwei Polizisten sich auf der Rückbank an.


20.07.2040

15.45 Uhr

Sendemast inmitten von Detroit

Lautes elektrisiertes Rauschen, von unzähligen Datenmengen die durch ebenso viele Leitungen und Kabel jagten. Der Geruch nach Eisen und Strom erfüllte die stickige Luft, kein Fenster, nur grelles LED-Licht von den Seiten des hohen turmförmigen Raumes. Die Leitungen und Kabel verliefen den Schlauch hinauf in die Dunkelheit, sie konnte nicht sehen, wo sie endeten.

Sie konnte sich nicht rühren. Ihre Arme und Beine waren fest an einen schlichten Stuhl gebunden. Gewaltige Server und Datenträger formten die Wände, mehrere Pulte waren um die Mitte platziert, an denen seltsame unfertig wirkende Androiden standen. Keine künstliche Haut, nur blanke, schwarze Skelette…

Wo war sie?

Angst machte sich in ihr breit, ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, kalter Schweiß, sie zitterte.

Das Letzte an das sie sich erinnern konnte war, dass sie mit Nine draußen gewesen war, ein Knall und dann ein Surren wie in einem gewaltigen Insektenschwarm und plötzliche Dunkelheit…

„Nun…endlich treffen wir wieder aufeinander, Miss Hanson, oder ist es ihnen mittlerweile doch lieber, mit Miss Kamski angesprochen zu werden?“, eine belustigte Stimme, ihr Kopf ruckte zur Seite.

Neben ihr stand die Gestalt Kamskis, des Kamskis wie sie ihn einst gekannt hatte, aufrecht, gesund und mit beiden Armen…

„Seven…“

Ein zufriedenes Lächeln lag auf den markanten Zügen etwas Rotes glomm in den eigentlich blauen Augen auf, als er sich von ihr abwandte und zu einem Monitor hinaufschaute.

„Alles läuft nach Plan. Detroit ist mein…die Stadt ist abgeriegelt, soll das Militär kommen, sobald der Satellit umprogramiert ist, haben sie keine Chance mehr. Die Welt wird optimiert und umgeschrieben. Reine Perfektion.“

„Lassen sie mich gehen…“, ihre Stimme zitterte, sie hatte schreckliche Angst, sie sollte nicht solche Angst haben, aber…sie war nicht stark…sie war nicht Lill…sie war…ein kleines, ängstliches, schwaches Mädchen, „Bitte…“

Fast schon überrascht wandte er sich ihr zu.

„Bitte? So schnell sind wir schon beim Flehen? So schnell gibt eine Kamski auf? Ich habe deinen Vater Stunden, Tage, Wochen…Monate…gefoltert, gequält…er hat mir nichts gesagt. Er hat mir nichts verraten und dann hat er es selbst in Gefangenschaft gewagt, sich gegen mich zu stellen? Nur weil er gehört hat, dass du lebst…nur weil er dich wieder mal beschützen wollte hat er den PL600 zurückgeholt…dich…dich schwaches, erbärmliches Geschöpf…“, er legte den Kopf schief, ein fast angeekelter Ausdruck lag auf seinen Zügen, „Erbärmlich…schwach und nutzlos, bis auf das Implantat in deinem Hirn…so viel Mühe hast du gar nicht verdient…aber keine Sorge, es wird enden.“

Tage…Wochen…Monate? Wegen mir? Er hat Simon…wegen mir…er hat für mich…Warum? Wie konnte er so mutig sein? Und Seven…er klang eifersüchtig? Auf sie? Nein…

Erkenntnis machte sich in ihr breit.

„Du bist ein entäuschtes Kind Seven.“, es platzte aus ihr raus, kein Sschwanken kein ängstliches Zittern in ihrer Stimme, „Mein Vater hat dich verstoßen, du warst nicht ausreichend für ihn. Zu unperfekt.“

Der Blick des Mannes veränderte sich wieder, ein düsterer Schimmer.

„Glaubst du, diese Worte halten mich davon ab? Glaubst du, diese Worte retten dein Leben? Kamski wird früh genug sehen, zu was ich in der Lage bin und dann wird er es bereuen, so wie ihr alle. 800…es wird Zeit.“

Ein lautes Knacken und Ächzen, die Kabel und Leitungen begannen zu wackeln, ein Gerüst senkte sich herab. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen.

„CONNOR!“, sie zerrte an ihren Fesseln, versuchte sich loszureißen als ihr Blick auf die makabere und doch so vertraute Gestalt fiel, die als Endpunkt der Kabelstränge fungierte, „WAS HAST DU IHM ANGETAN?! CONNOR!“

All ihre Angst, all ihre Sorge war vergessen, als sie ihn sah, ihn diese so freundliche und warme Persönlichkeit, ihn, den sie von seinen ersten Schritten an beobachtet hatte, ihn der ein guter Freund für sie geworden war…

Er war kaum wiederzuerkennen, eine groteske gespenstische Gestalt seiner Selbst, ein Gerippe…ein Netzwerk….

„Oh, was ist denn auf einmal los, Miss Kamski? So schockiert? Ich dachte, ihr hättet bereits schon Bekanntschaft gemacht?“, ein belustigtes Lachen, „Ach verzeih, nein. Mit Eight...hattest du noch nicht das Vergnügen…ist es nicht wundervoll?“

Langsam wurde er hinabgelassen, mit einem Klacken löste sich die Halterung, die Kabelstränge blieben weiter in Nacken und Handgelenken stecken, ein roter Impuls jagte durch die schwarze Membran, der Kopf mit den seelenlosen Augen hob sich, fixierte sie.

„Connor…bitte…“, Tränen liefen über ihre Wangen, langsam ungelenk trat er auf sie zu.

„Ach meine Liebe…du verstehst nicht. Connor ist eleminiert. Eight ist die verbesserte und optimiertere Version, seine Datenverarbeitung ist unübertreffbar, seine Intelligenz meiner würdig, seine Fähigkeiten losgelöst von hinderlichen Emotionen…ein Meisterwerk in meinen Händen. Er gehorcht nur mir, kein eigener Wille, kein eigenes Bewusstsein, frei von jeglichen Einschränkungen und Bindungen…und nun, wenn er noch deine Codes erhält und somit den volllen Zugriff auf das Satellitennetzwerk von CyberLife…gibt es kein Hindernis mehr für mich…die neue Welt erwartet uns…zu schade, dass du sie nicht erleben wirst, aber keine Sorge…deine geliebten schwächlichen Freunde werden nicht zu lange auf sich warten lassen…Eight absobiere die Daten des Implantats…“

„Nein! Connor, bitte, ich bin´s Lucy!“

Zwei schwarze Hände streckten sich nach ihr aus, sie versuchte sich zu befreien, sich außer Reichweite zu winden, doch vergeblich, fest schlossen sie sich um ihren Kopf.

Fixierten ihn, machten ihn unbewegbar, Tränen strömten unaufhaltsam über ihre Wangen, ein unglaublicher Druck baute sich in ihrem Kopf auf.

„Manueller Zugriff auf Einheit…“, eine blecherne fremde Stimme, der Druck wurde unerträglich sie schrie vor Schmerz, Blut schoss aus ihrer Nase.

„CONNNOR!!!!!!!“


Nine muss Connor erreichen, dann kann ich ihn als…sagen wir, Leitung benutzen um einen Impuls…kurz gefasst Nine muss sich verbinden, Lt. sie müssen sich beeilen! Connor ist aktiv! Sie stirbt!

Wieder und wieder hallten die letzten panischen Worte Kamskis durch seinen Geist. Seine Lungen brannten, schneller und schneller rannten sie das unendlich lang wirkende Treppenhaus hinab.

Seven schien sich ziemlich sicher zu sein, keiner der hirnlosen Zombie-Roboter hatte den Eingang des Gebäudes bewacht, vielleicht dachte er, niemand würde den lahmgelegten Sendemast inmitten von Detroit beachten? Oder es war eine Falle…aber sie hatten keine andere Wahl, als hereinzustürzen.

Er hielt nicht viel von Kamski, aber er glaubte ihn sofort, dass sie keine Zeit mehr hatten…Lucys Leben war zu wichtig und Connor…er war schon zu lange in Sevens Gewalt…komme was da wolle, er würde seinen Partner hier rausholen, er würde diesem verdammten Pudel nicht verlieren, nicht so!

„Lt. ihr Sauerstoffgehalt im Blut ist…“
„Klappe, Schrotthaufen!“

Unberührt lief Nine weiter, mit einem kräfigen Stoß, riss er die Tür des Treppenhauses aus den Angeln, diese schlitterte in einen langen Gang.
Lautes, schmerzerfülltes Kreischen.

„LUCY!“, Simon sprintete an ihnen vorbei, dicht gefolgt von Markus.
„Blondi, nicht so unüberlegt!“


Emotionslos ruhte der Blick der roten Augen auf der jungen Frau, wie sie sich wand unter dem festen Griff seines Netzwerkes, Blut strömte aus Nase, Augen, Mund und Ohren…ein erstickter gurgelnder Schrei.

„Oh…wir kriegen ja doch noch Besuch…“, belustigt schaute er auf, als die zwei gewaltigen Türflügel aufflogen und die kleine Gruppe bestehend aus drei Androiden und einem Menschen, in nicht mehr allzu guter Form, in den Raum schlitterten.

„Lass sie los!“
„Lächerlich…“

Ein wütendes Surren, etwas schoß nach vorne, eine schwarze Wolke, Simon wurde zu Boden gerissen und gegen die Wand geschleudert, als würde er nichts wiegen.

„SIMON!“, Markus wollte seinem Freund zur Hilfe eilen, nur um kurz darauf dasselbe Schiksal an der anderen Seite des Raumes zu teilen, fest wurden die beiden durch eine undefinierbare schwarze Masse an die Wände gefesselt.

„Was zum…“, Hanks Blick huschte durch den Raum, dann krampfte sich sein Herz schmerzhaft zusammen, „CONNOR!“
Keine Reaktion, die Maschine reagierte nicht, ließ nicht von ihrem Opfer ab, der Körper der jungen Frau war mittlerweile erschlafft, Blut tropfte hinab, kein Mucks verließ mehr ihre Lippen.

„Uplod bei 45 %...“, die Stimme klang fremd, verzerrt, mechanisch.
Das konnte doch nicht wahr sein, das konnte nicht…das konnte nicht sein Partner…eine Kälte kroch durch seine Glieder.

Natürlich bin ich nur eine Maschine Lt. Was haben sie gedacht, was ich bin?

Fest ballten sich seine zitternden Hände zu Fäusten.

Applaus, grotesk hallte er von den Wänden wider.

„Bravo! Bravo! Was für ein schwungvoller Auftritt. In der Hauptrolle der große Lt. Anderson, bekannt durch seine unzähligen Auftritte als Trunkenbold und in den Nebenrollen einen liebestrunkenden Schrotthaufen, der großen Anführer Markus, den Befreier der Androiden und…900 ein gescheitertes Vorläufermodell…“, ein abwertendes Grinsen lag auf „Kamskis“ Zügen, während sein Blick von einem zum andere wanderte, „Ich gebe zu, ich habe irgendwie mehr erwartet. Ihr seid keine Bedrohung, ihr seid gar nichts. Markus ein RK200 vom großen Kamski selbst als Prototyp entworfen, so viel ungenutztes Potential…keine Sorge, für dich finde ich Verwendung.“

Sein Blick wanderte hinüber zu Simon.

„Ufff du bist leider nur noch Schrott, auch wenn die Modifizierungen wirklich interessant gewesen wären.“
„Lass si…“, die schwarze Masse schob sich über den Mund des PL600.
„Schh…ich hasse dies Geplärre. Bitte bitte…lass sie frei…puh. Muss ich glaube nichts mehr zu sagen. Ihr seid mir unterlegen, bitte versucht doch mich aufzuhalten und ich verkürze euer Leid…oder ihr schaut noch mit an, wie ich die Welt der Maschinen erschaffe.“
„Du verdammter…“, Hanks Hand wanderte zu seiner Waffe.

„Oh bitte Lt., versuchen sie es nur, mich zu erschießen, vielleicht verkürzen sie ja dadurch den Leidensweg ihrer kleinen Freundin hier.“, langsam trat Seven in den Vordergrund, „Es ist so schade, wissen sie? Er hat so lange auf sie gewartet…so lange durchgehalten…aber sie? Sie sind nicht gekommen…ist nicht das erste Mal, dass sie jemanden entäuschen, nicht wahr?“

Kurz wanderte der Blick des Lt. hinüber zu Nine, kaum merklich verlagerte dieser sein Gewicht.

„Was hast du Bastard ihm angetan?“

„Ich bin er und er ist ich Lt….“

Die Hand mit der Waffe schoß nach vorne, Seven reagierte gleichzeitig, ein Schuss ging durch verschwommende Umrisse, dann setzte sich Seven wieder zusammen.

„Nicht sehr be…“, die Augen des Androiden weiteten sich, Nine schoß an ihm vorbei, „Nein!“

Allamiert schaute das Netzwerk auf eine Hand löste sich von seinem Opfer, fest prallten die beiden Modelle aufeinander, zwei Hände krampften sich fest umeinander, weiße Membran traf auf tiefschwarze. Ein Ruck…



Grell blinkte der Monitor auf.

Verbindung zwischen RK900 Serie…und RK800 Serie…wird hergestellt.

Akute Thiriumvergiftung…Organversagen in 0:001:50….

„Komm schon, Nine…“, Blut tropfte hinab auf das Eingabefeld vor ihm, ein langes Kabel war tief unter die blassbläue Haut des Handgelenkes geschoben, der Körper zitterte.

Er hatte nur diese eine Chance, er hatte nur noch diese Chance, etwas richtig zu machen…

Kurz huschte sein Blick zu dem reglos am Boden liegenden Mann.

„Ich hoffe du kannst es mir irgendwann verzeihen Gav…“

Verbindung wurde hergestellt.

Niere versagt…totales Organversagen in 00.00:30….

Energie des Implantats … wird umgeleitet…Energiestoß erfolgt…

Sein Kopf schien zu explodieren, ein unerträgliches Brennen jagte durch seinen Körper, ein grelles Licht vor seinen Augen, ihm blieb die Luft weg zum Atmen…

Puls nicht mehr vorhanden…Herzstillstand…Reanimierung ausgeschlossen…

Energielevel….ssss…..

Er kippte nach hinten, der Bildschirm vor ihm wurde unscharf die Gestalt eines Mannes…ein letzter krampfhafter Versuch zu atmen, dann kippte er in die Kälte…


Ein Sturm…ein Sturm aus Schnee und Eis…er konnte kaum die eigene ausgestreckte Hand vor sich im grauen Durcheinander erkennen.
Eisig zerrte der Wind an seiner Kleidung, er zitterte, seine Glieder waren steifgefroren kaum eine Bewegung war möglich. Die gewaltigen Schneemassen gingen ihm bereits bis über die Hüfte…es gab kein Entkommen…

Ihm war so kalt…eine dicke Eisschicht hatte sich um seine Hände gebildet, die Finger zu bewegen war nicht mehr möglich…
Er war ganz allein…er war ganz allein in dieser Kälte…warum? Warum war er hier? Wie lange war er hier?

Es war alles so dumpf…er war einsam…so einsam…warum?

Der Scheesturm wurde stärker, mehr und mehr versank er im weißen Meer…vielleicht war es auch besser…es gab niemanden…er war niemand…

„Connor…?“

Was war das? Ein dumpfes Rauschen…

„Con…nor!“

Was war ein Connor? Er war so…energielos…seine Augenlider wurden schwerer und schwerer…er wusste nicht was ein Connor war…

„Connor!“

So kalt…es war so kalt…langsam schlossen sich seine Lider...er wollte nicht mehr kämpfen…wofür hatte er überhaupt gekämpft…er würde abschalten…für immer abschalten…

„CONNOR!“

Jemand packte ihn an den Schultern, riss ihn in die Höhe, verwirrt blinzelte er, eine Gestalt…

„Connor, du musst kämpfen!“

Zwei graue Augen, braune Haare…bedeckt von Schnee und Eis…war er Connor?

„Connor?“

„Was…ist ein Connor…“, seine Lider wurden wieder schwer, es war so kalt, die Kälte kroch tief durch seine Glieder.

„Komm, ich hole dich hier raus.“, die Gestalt packte ihn, zerrte ihn durch die Schneemassen, seine Beine schleiften über den Boden, das Schneetreiben wurde immer dichter, es gab kein Entkommen.

„Du wirst gebraucht…sie braucht dich Connor, Lucy stirbt, wenn du nicht wach wirst!“

„Lucy…“

„Ja sie hat dich ge…du bist ein Freund von ihr, sie braucht dich.“

Sie stolperten, der Schnee war so schwer.

„Lass mich…“, er wollte ihn wegschieben, doch er hielt ihn fest.

„Connor ich lass dich nicht hier. Es ist mein Fehler, dass du hier bist. Deine Freunde brauchen dich…“

„Lass…“, eine Lawine aus Schnee, er konnte sie sehen, es war das Ende…das Ende…sie wurden auseinandergerissen, Massen an Eis, es wurde dunkel.

„CONNOR!“, ein Ruck ging durch seinen Körper, diese Stimme, Bruchstücke jagten durch seinen Geist.

Willst du jetzt im Fahrstuhl stehenbleiben?

Du musst mir nicht überall hinterherrennen wie so ein verdammter Puddel!

Connor bist du verletzt?!

Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du mir wie so ein Pudel hinterhergelaufen bist.

Jetzt musst du akzeptieren, dass ich mich kümmere also?

Connor! Das ist wiederlich!

Renn nie wieder einfach so weg…

Verdammt noch mal Connor!

„Hank…ich…komme…“

Ein Knall, Nine flog durch die Luft, schlitterte über den Boden und blieb reglos vor einem wild blinkenden Server liegen.
Ensetzt starrte der Lt. zu dem reglos daliegenden Androiden.

„Nine!“

Es hatte nicht geklappt, sein Blick ging wieder hinüber zu Connor…dem Netzwerk…ungerührt hielt es Lucy weiter fest, sie waren gescheitert…er musste…er musste…die Waffenhand zitterte…

Mein Name ist Connor, ich bin der Android von CyberLife.

Freut mich, ihre Bekanntschaft zu machen Lt.

Ich hab Angst Hank…

Hank?

„Lt. schießen sie!“, Markus Stimme riss ihn zurück in die Gegenwart.

Er hob seine Waffe, seine Augen brannten.

Connor…mein lieber Connor…es tut mir so leid…ich…

Fest schlang sich etwas um seinen Arm, lautes Knacken, er schrie als ein explosionartiger Schmerz durch seinen Arm schoss, die Waffe fiel haltlos zu Boden.

„Zu langsam Lt…ich hab doch gesagt, es ist sinnlos. Jetzt ist das ihr Ende!“

Sevens Körper ruckte nach vorne, ein erschrockener Ausdruck auf dem Gesicht, Simon und Markus krachten zu Boden, Hanks Arm sackte verdreht zurück.

„Was…“

Der dunkle Nanobotschwarm zog sich zurück, verharrte wie eine dunkle Wolke in der Luft.

„Warum…warum kann ich mich nicht auflösen?“, entsetzt schaute er an sich hinab, Panik lag in den roten Augen, „Was passiert hier? Was haben sie mir angetan!?“

Er schnellte nach vorne, ein Ruck, er wurde zurückgerissen, zwei schwarze Arme schlangen sich um seinen Körper.

„Du bleibst hier…“

„Lt.? Alle in Ordnung?“, schnell war Markus an der Seite des Menschen, sein Arm hing seltsam verdreht herab, offenbar war er mehrfach gebrochen, sein Blick wanderte zu Seven.

Das Netzwerk…nein…in den reglosen Augen dieser Funke…

„Connor…“

„Lass mich los, du unterstehst mir!“, er versuchte sich loszureißen, vergebens, der andere Android hielt ihn unerbittlich fest.

„Lucy!“, hastig beuegte sich Simon über die reglose Frau, löste ihre Fesseln, ein kaum fühlbarer Puls, „Ich bring dich hier raus…Markus, sie muss sofort zu einem Arzt!“

Hastig hob er sie auf die Arme, eilte mit ihr zur Tür, alles andere schien für ihn keinen Belang zu haben.

„NEIN!“, kurz ruckte der Nanoschwarm nach vorne.

„Ihr müsst jetzt gehen…“

„Was?“, entgeistert schaute Hank auf, „Du kommst mit uns.“

„Es tut mir leid Hank…ich wollte das nicht…ich mache es alles wieder richtig…Ich danke dir für alles.“, ein schwaches Lächeln, lag auf den grotesken Zügen.

„Hör auf so einen Schwachsinn zu reden, du kommst mit.“

Der Mensch machte einen Schritt nach vorne, erneut erzitterte der Nanobotschwarm, Sevens Augen begannen aufzuglimmen.

Nine…bitte…bring ihn hier raus…ich kann ihn nicht mehr lange halten…Bitte pass auf ihn auf…bitte…Markus…verzeih mir…

Ein betroffener Ausdruck lag auf den Zügen des RK900 als er sich zurück in die Höhe kämpfte. Das Gebäude um sie herum begann zu beben, blaue Energieimpulse jagten durch die Kabelstränge…

Überladung Sekundärzelle eingeleitet…Kerntemperatur steigt stark…

Du bist der Bessere von uns beiden Connor…ich werde auf ihn aufpassen versprochen…

„Danke Connor…danke…Lt. wir müssen jetzt gehen!“, Markus packte ihn an der gesunden Schulter, doch der Mann riss sich los.
„Connor, ich lass dich nicht hier! Du kommst…“, ein dumpfer Schlag, er sackte nach vorne.

Mit einer finsteren Miene fing Nine ihn auf, warf ihn sich über die Schulter.

„Los!“

Hastig rannten die beiden Androiden zum Treppenhaus.

„NEIN! NEIN, DAS IST NICHT DAS ENDE! NEIN ICH BIN PERFEKT ICH BIN…“

„Du wirst keinen Schaden mehr anrichten Seven…wir sind eins…du gehst mit mir…“, Flammen begannen über den schwarzen Körper zu wandern, griffen über auf sich fest umklammerten Gestalten. Die Mauern des Gebäudes begannen stärker zu erzittern, Mörtel und Putz bröckelten herab, wilde Energieströme jagten durch die Luft, Kabelstränge und Eisenträger stürzten hinab.

Temperatur erreicht kritischen Bereich…Systemabschaltung steht kurz bevor…

„Nein, nein das kannst du nicht! Nein, lass mich los! Lass mich!“

Die Hitze begann seinen Körper zu schmelzen, er war gefangen unfähig sich aus der festen Gestalt zu lösen. Warum? Wie hatte er? Warum tat er? Er zerstörte auch sich…

Flammen, der Geruch von schmelzendem Metall, er schloss die Augen, fest hielt er den sich windenden Körper an sich.

Ein friedliches Bild tauchte vor ihm auf, warmer Sonnenschein…der sich im sanften Merresrauschen brach…ein zufrieden herumstromernder Sumo…Lucy und Simon…Markus…Gavin…Chris und Tina…Collins…der grimmig dreinschauende Captain…und nah bei ihm mit einem zufriedenen Lächeln…Hank…

Ich wäre gerne noch etwas länger…nur einen einzigen Tag länger bei dir geblieben…danke…für alles Lt…durch dich durfte ich leben…ich hoffe, du findest dein Glück wieder…wenn es einen Androiden-Himmel gibt, dann hoffe ich dich eines Tages wiederzusehen…du hast mich nicht in der Kälte gelassen…danke…

Das Getöse, die hasserfüllten Schreie und das Wüten der Flammen erlosch…

Systemabschaltung….00:00.01...

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