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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
8
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Dieses Kapitel
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20.12.2020 3.042
 
20.07.2040

11:00

Ehemaliger Stützpunkt

Es war graumsam…es war ein grausames unangenehmes Gefühl. Er stand hilflos da, in diesem kleinen Raum, mit den zwei dreckigen Fenster, durch die Sonnenlicht auf das schlichte Bett fiel.

Er stand hilflos da, während er mit ansehen musste, wie die wenigen mühsamen Bissen einer trockenen Brotscheibe wieder ihren Weg zurück ans Tageslicht fanden…

„Das wird schon wieder…“, besorgt huschte der Blick der Bernsteinaugen über den Inhalt der Schüssel, es war gefühlt alles wieder retour gekommen, „Ich hole was gegen die Übelkeit, gleich wieder da.“

Flink huschte sie mit der Schüssel aus dem Raum.

Eine unangenehme Stille legte sich über den Raum, langes dumpfes braunes Haar hing ihm tief ins Gesicht, verbarg jegliche Züge, seine Körperhaltung war leicht nach vorne gebeugt. An seinem Arm zeichnete sich der Knochen ab, er war nie dick gewesen aber ihn so dürr zu sehen…

Was sollte er nur sagen? Was konnte er sagen…was würde es besser machen?

Unbehaglich räusperte er sich und fuhr sich über den Nacken.

„Elijah…ich…“, er räusperte sich erneut, normalerweise fiel es ihm nicht schwer zu reden.

„Er…hat mich…gebrochen…“, seine Stimme klang rau und kaum hörbar, nichts erinnerte an den einst so gestandenen Geschäftsmann.
„Jetzt laber doch nicht so eine Scheiße. Du kommst schon wieder auf die Beine und…“, er stoppte sich selbst als sich die Hand seines Bruders verkrampfte.

„Hey…“, impulsiv griff er die verkrampfte Hand.

Erschrocken zuckte der Mann zusammen und schaute zu ihm auf.

„Du bist ein eingebildetes Superhirn und so unausstehlich du auch sein kannst, du bist niemand der einfach so aufgibt Elijah. Er hat dich erwischt, dich verletzt, aber er hat dich nicht gebrochen…du kannst ihn verdammt noch mal aufhalten, du hast ihn schließlich erschaffen.“
Ein undeutsamer Ausdruck lag in den rotunterlaufenden Augen hinter den dicken Brillengläsern.

„Er ist viel schlauer als ich…Fleisch in etwas…“, er schauderte, „künstliches umzuwandeln…“
„Du hast es mitbekommen?“, Gavins Magen krampfte sich merklich zusammen, alleine die Vorstellung bewirkte das er fast würgen musste.
„Alles…ich war wach als…“, ein Zittern jagte durch seinen Körper und ruckartig wandte er sich von ihm ab, „Als…er mir den Schädel öffnete…als er mir das Implantat…“
„Fuck…fuck…“

Sein Herz hämmerte kräftig in seiner Brust, Wut und Entsetzen, er wusste nicht, was er mehr empfinden sollte.

Dieser kranke Bastard…

„Ich…lebe nur…deshalb…aber er hat das nur getan…um mich zu quälen…Ich war vollgedröhnt, ich weiß nicht was…kein Zeitgefühl…ständig Kälte, Schmerzen…und dann, dann wollte er sie…Ich hab das Implantat genutzt…um den PL600 wieder zu aktivieren…und…mehr konnte ich nicht tun…er wurde sauer und dann…der Arm…“, seine Stimme wurde leiser und leiser, dann brach sie ganz ab, das Zittern in seinem Körper wurde stärker. Die langen braunen Haare verbargen seine Züge, Gavin musste sie jedoch nicht sehen, um zu wissen, dass dort kein Lächeln saß.

Blanke Wut raste durch seine Adern. Keiner hatte das recht seinem Bruder soetwas anzutuen! Alleine die Vorstellung…es brach ihm das Herz…er würde dafür bezahlen…er würde ihn dafür zahlen lassen…er würde…

Ohne nachzudenken, setzte er sich auf den Bettrand und zog die zitternde Gestalt in eine Umarmung, fest drückte er ihn an sich, seine Augen brannten. Er wollte ihn beschützen, er wollte ihn vor allem beschützen.

Ein erstickter Laut, fest krallte sich die Hand in den Stoff seiner dunklen Jacke am Rücken.

„Er ließ mich…glauben…ihr seid tot…es tut mir so leid…ich…bin schwach…“
„Hör auf so einen Schwachsinn zu labern…“, er hielt ihn immer noch fest, fixierte stumpf das kleine Fenster, dass er nur verschwommen hinter den Flüssigkeitsschleier sehen konnte, „Kaum einer hätte das überlebt…ich wünschte, wir hätten schneller gewusst…wenn ich gewusst hätte ich wäre…ich wäre früher gekommen…ich…“

Das Zittern ließ langsam nach, der Körper in seinen Armen schien sich nach und nach zu entspannen.

„Du hast mich gerettet Gav…danke.“

Überrascht weiteten sich seine Augen, ein kurzes Lächeln dann wischte er sich troztzig mit dem Ärmel über die tränennassen Augen und lehnte sich zurück.

„Wenn einer das Recht hat dich fertig zu machen, dann bin ich das und ich lass nicht nochmal zu das mir jemand dies verdammte Recht nimmt, also reiß dich zusammen.“
„Gav…“, der schwache Anflug eines Lächelns huschte über die blutleeren Lippen, „Die Wortwahl war…wirklich…hinreissend…“
„Erwarte nicht, dass ich hier irgendeine Schnulze loslasse.“, fest drückte er die Hand seines älteren Bruders, „Wag es bloß nicht, einfach so zu krepieren.“
„Einfach so zu krepieren, wie du es betitelst, wäre zu einfach für einen „Schlaukopf“ wie mich. Findest du nicht auch?“

Da zeigte er sich wieder, da zeigte sich der alte Elijah, er hätte nie gedacht ihn wieder zu sehen…

„Gut, jetzt wirst du wieder überheblich…“, ein leichtes Schmunzeln zog über Gavins Züge, ruckartig zog er seine Hand zurück, als die Tür etwas schwungvoll geöffnet wurde.

„Das gibt es doch nicht, Hank knüpft gerade den General auf und…ah die Tropfen wollte ich holen. Ist Nine in der Nähe ich glaube wir brauchen da etwas Manpower.“
„Was?“, verstäntnislos schaute die zwei Brüder die junge Frau an.

„Keine Ahnung, wollte Lil fragen wo die Medikamente sind und dann kloppen die Zwei sich da halb, Lil schreit nur rum und irgendwas von Säufer und Lügen…“, sie zuckte überfordert mit den Schultern.

„Der Alte macht doch wieder alles kaputt…wegen dem haben wir noch das Militär am Hals…“der Detectiv unterbrach sich selbst als er eine Bewegung aus dem Augenwinkel sah…


Ein fester Griff an den Schultern, prompt wurde er von dem am Boden liegenden Mann herunter gezerrt und mühelos mit einem ausgestreckten Arm gegen die Wand genagelt.

„Lt…das ist nicht förderlich für ihren Gesundheitszustand. Ihre Verletzung am Rückgrat ist schwerwiegend gewesen und hat sich noch nicht stabilisiert sie sollten besser…“
„Lass mich los du verdammter Schrotthaufen!“, zörnig versuchte der gestandene Mann die Hand von seiner Schulter zu schieben, „Deine Meinung kannst du dir sonst wo hinstecken!“

Unbewegt schauten ihn die grauen Augen an, keine Mimik zog über die Züge des Androiden.

„Derzeit halte ich es für ineffzient sie loszulassen, die Wahrscheinlichkeit einer emotinalen Tat liegt bei 99,99%.“
„Ich gebe dir gleich deine verdammten Prozente!“
„Verdammt noch mal Hank, Klappe!“, wütend eilte Lilli zu dem General und half ihn auf, hastig reichte sie ihn ein Taschentuch für die blutende Nase, „Es tut mir so leid Georg…Er ist noch ein bisschen angeschlagen und…“
„Schon gut Lilli…sein Verhalten macht die Sache aber nicht unbedingt glaubwürdiger…Ich schätze dich wirklich Lilli, aber ich kann dir nur nahelegen, hör auf zu versuchen, Jeff zu schützen und vielleicht kommst du so noch mit einer Bewährungsstrafe davon, wenn du nun ehrlich aussagst. Denk doch an deine Kinder sie…“
„Was?“, entsetzt starrte sie ihren alten Kammeraden an, „Du glaubst doch nicht wirklich…Georg, ich habe dich um Hilfe gebeten, nicht darum, dass du mir in den Rücken fällst!“
„Ich würde dir ja wirklich gerne glauben, aber Lilli, alles spricht im Moment nun wirklich gegen euch. Elijah Kamski, in Wahrheit ein Android, der sich nur als dieser ausgibt, also wirklich das…“

„Ist die Wahrheit…“, überrascht drehte sich Georg herum, seine Augen weiteten sich ruckartig.

„Was tut ihr denn da?!“, entsetzt starrte Lilli zur Tür des Raumes, in der niemand anders stand, als der mehr als nur angeschlagene Elijah Kamski, gestützt von niemand anders als Gavin Reed und knapp dahinter stand eine Lucy die brav den Infusionsbeutel am Ständer hielt, „Seid ihr total bekloppt? Er gehört ins Bett und…sofort hinsetzen.“

Hastig griff sie nach einem Stuhl und half Gavin, seinen Bruder darauf zu verfrachten.

„Tut mir leid Ma’am aber er ließ sich nicht aufhalten…“
„Vielleicht, aber hilft es auch, unsere Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Mister Flatsch…darf ich vorstellen, Elijah Kamski, Gründer und CEO von CyberLife.“, ein provozierend freundliches Lächeln lag auf den Lippen der jungen Blondine, die zur Linken des deutlich angeschlagenen Mannes stand.

„Mister Kamski? Aber…“, die Züge des eben noch so starken Generals waren ihm total entglitten, wie eine Erscheinung starrte er sie an.“
„Alles was Miss Fowler und Lt. Anderson…“, Kamskis Blick huschte kurz hinüber zu dem Lt. der sich offenbar beruhigt hatte, bevor er seinen Blick wieder auf das Militäroberhaupt wandern ließ „…versucht haben ihn zu erklären, ist wahr Mister Flatsch. Die Welt steht vor einer Katastrophe, deren Außmaß weit größer ist als die Sicherheit der USA und uns läuft die Zeit davon. Der RK700 ist dazu ausgelegt, sich selbst weiterzuentwickeln und zu optiemieren, in jeder Minute, die wir hier verstreichen lassen, lernt er dazu…Seine Zerstörung ist unsere einzige Chance, wenn er erst Zugriff auf das Satelitennetz von CyberLife hat, haben wir verloren.“

Kaum merklich zuckte Lucy zusammen.

Die Zugangscodes fehlten Seven…die Zugangscodes, die sich in ihrem Kopf befanden…natürlich…wie konnte sie das übersehen haben?

Sie…sie war…

Eine Hand legte sich beruhigend auf ihre Schulter, sie zuckte erschrocken zusammen.

Lill…

Der General starrte den schwer angeschlagenen Mann mit purem Entsetzen an, dann griff er nach seinem Handy und wählte eine Nummer…

„Cleves? Verbinde mich sofort mit dem Verteidigungsminister, wir haben einen Code Red…“


20.07.2040

13:00

Gerichtsgebäude

Etwas stimmte nicht…sie war nicht hier…sie war über 15 Minuten zu spät…das war nicht ihre Art…Sie war immer fünf Minuten zu früh da und das seit über 25 Jahren…

Sein Blick huschte weiter über die Besucherränge, er erkannte Chen und Miller und ein paar andere Polizisten aber nirgendwo eine Spur von seiner Frau…

Ein beklemmendes Gefühl machte sich in ihm breit und das lag nicht an den viel zu engen Handschellen die seine Hände zusammenhielten. War ihr etwas passiert? Was war mit den Kindern?

Zweifel machte sich in ihm breit, er bekam es kaum mit, als sie aufstehen mussten, als der Richter den Saal betrat, er bekam es kaum, mit als der erste Zeuge aufgerufen wurde.

Sie war nicht da, seine Frau war nicht hier, er hatte sie so lange nicht gesehen, glaubte sie ihm nicht mehr? Wenn er doch nur mit ihr hätte reden können…das Geständnis war ein Trick…es stimmte nicht, nur das wollte ihn niemand mehr glauben…er wusste nicht, wie er das gemacht hatte. Keine Substanzen waren nachweisbar gewesen…das war unmöglich er erinnerte sich an den Einstich…

Sein Blick hob sich als niemand anderer als der falsche Kamski in den Zeugenstand gerufen wurde, ein siegessicheres Lächeln lag auf seinen Zügen und für wenige Augenblicke blitze ein roter Funken in den blauen Augen auf.


20.07.2040

13:30 Uhr

Alter Militärstutzpunkt

Das hatte sie noch nie miterlebt, innerhalb von wenigen Minuten, Stunden hatte sich die alte Kantine in einen Kommandoraum verwandelt. Immer mehr Militärleute mit offensichtlich wichtigen Posten, tummelten sich im Raum.

Sie stand wie versteinert am Rande des Raumes neben Nine, den das Ganze nur wenig zu beeindrucken schien. Genau so wie Lil…
Routiniert bewegte sie sich zwischen den ganzen wichtigen Männern und Frauen, gab Befehle breitete Karten aus und unterhielt sich mit Generälen und Offizieren, als würde sie dies jeden Tag tun.

Sie war so unglaublich stark…wenn sie es doch auch nur wäre. Sie hatte solche Angst…solche verdammte Angst. Er wollte sie, sie war der Grund, dass hier alle in Gefahr waren…wäre es besser sie würde gehen? Weg von hier? Oder sollte sie sich ihm gleichstellen, vielleicht würde alles besser, wenn er hatte, was er wollte…

„Mein System meldet mir, dass deine Werte von der Norm abweichen, laut meiner gespeicherten Daten deutete dies auf Angst hin.“
Ertappt schaute sie zu dem viel größeren Androiden auf, der immer noch reglos geradeaus starrte.

„Ich…denke, dass die nächsten Stunden sehr riskant sein werden und ja das macht mir Angst Nine. Ich wünschte ich könnte…ich könnte irgendwas tun…“, ein nachdenklicher Ausdruck legte sich auf ihre Züge, „Ich glaube ich brauche etwas frische Luft.“
„Dann begleite ich dich. Es scheint nicht logisch, sich im Moment alleine draußen zu bewegen.“

„Danke Nine…“, ein schwaches Lächeln huschte über ihre Lippen.


Aufmerksam huschte der Blick der blauen Augen über die durch das aufgestellte Kopfteil des Bettes aufrecht sitzende Person, seine Augen waren geschlossen. Er musste sich eingestehen, der eingebildete Fatzke konnte wirklich etwas aushalten und er musste zugeben, ohne seine Aussage wären sie nicht weitergekommen, noch dazu hatte er sowohl Lil als auch ihn selbst vor dem Knast bewahrt…passte ihm überhaupt nicht, dies zuzugeben aber er hatte ihnen wirklich den Arsch gerettet.

„Wie lange wollen sie jetzt noch dastehen und mich anstarren Lt?“

Erschrocken zuckte er leicht zusammen, als die Stimme des CEOs erklang.

„Sagen sie doch einfach, dass sie wach sind verdammt noch mal…“, ein genervtes Schnauben, langsam trat er näher, als der Mann sich etwas ungelenk die Brille aufsetzte. Musste umständlich sein, plötzlich alles nur mit einem Arm zu machen…

Wie funktioniert das denn, wenn er auf die Toi…

Er schüttelte leicht den Kopf, nein daran wollte er wirklich nicht denken.

„Was wollen sie Anderson? Ich weiß, dass sie nicht aus Mitleid hier sind.“, skeptisch betrachtete er ihn.

„Erstens, ich kann sie immer noch nicht wirklich leiden, aber dass was ihnen passiert ist wünsche ich keinem und es tut trotz allem gut, sie arrogantes Arschloch wiederzusehen, schon alleine, weil sie das der Kleinen und dem zweiten kleinen Arschloch schuldig sind. Zweitens danke für den Jesus Auftritt, sie haben Lilli und mir da den Arsch gerettet, das erkenne ich an und drittens, warum ich auch hier bin, wissen sie etwas über Connor?“, grimmig verschränkte er die Arme vor seiner Brust.

„Sie können so reizend sein…“, kurz atmete er tief durch, „Ich habe Connor ein einziges Mal gesehen…und es tut mir leid, ihnen das zu sagen, aber da war nicht mehr viel von dem Connor, den wir kennen. Er wird von 700 als Netzwerk verwendet, zur Datenverarbeitung, Steuerung der Einheiten Überbringung von Informationen, Analysierung von Daten und dem Zugriff auf Satellitennetzwerke…wie ein super Überwachungssystem. Er hängt an einem gewaltigen Kabel und Datensträngen, ich weiß nicht, was passieren würde, wenn er davon getrennt würde…Ich weiß nicht, ob noch ein Hauch eines Bewusstseins da ist…“

Die grimmigen Züge des Lt. entglitten ihm, sein Gesicht schien jegliche Farbe zu verlieren.

„Wissen sie, wo er sich befindet?“
„Es tut mir leid…er hat mich nichts sehen lassen, was auf irgendeinen Ort schließen ließ. Es könnte ein Serverraum sein, ein Sender, ein Labor…vom Aufbau her, kann ich auf nichts schlie…“

Ein stechender Schmerz jagte durch seinen Kopf, Bilder ließen die Umgebung des Zimmers verschwinden…

Ein Gerichtssaal, er stand in der Mitte vor ihm, das Richterpult, ein Mann im besten Alter in schwarzer Robe, zu seiner Rechten die Geschworenen auf ihren Bänken, links hinter ihm ein Tisch, zwei Männer, den einen konnte er deutlich als Captain Jeffrey Fowler erkennen, der andere Herr musste sein Anwalt sein, hinter ihnen erstreckten sich die Reihen von Besuchern…

Sein Körper bewegte sich von alleine, zwei Arme….

„Habt ihr wirklich geglaubt…ich bemerke nichts Elijah?“, zwei rote Augen glommen auf, ein Tosen und Bersten, Glasssplitter regneten herab, Menschen schriehen auf unzählige geflügelte Ungetüme, Schüsse...Blut spritzte…dann blitze eine Gestalt mit rot leuchtenden Augen vor ihm auf.

„Ich hole sie mir jetzt!“


„Puls ist bei 178, stark steigend…es könnte ein Schock sein ich initiere…“

Das Bild vor seinen Augen brach zusammen, die Umrisse des Raumes traten wieder in den Vordergrund, eine Frau mit schwarzen Locken, ruckartig richtete er sich auf.

Blut schoss aus seiner Nase.

„Er ist hier!“
„Vorsicht!“, hastig wurde ihn eine Schüssel vorgehalten, „Wer ist hier?“

Die verschwommenen Gestalten von Gavin und Hank tauchten an seinem Sichtfeld auf.

„Lucy…er holt sie er…“

Eine Explosion erschütterte das Gebäude, laute Rufe, Schüsse, Schreie…etwas schien ganz und gar nicht zu stimmen.

„Hank, komm sofort zurück!“


Ausdruckslos beobachtete er die junge Frau, wie sie sich offenbar nervös immer wieder durch die Haare fuhr und sich leicht auf der unteren Lippe herumkaute.

Ihr Puls und Blutdruck waren deutlich erhöht und ihre Kerntemperatur lag etwas über den Durchschnitt.
Mögliche Handlungsarten werden analysiert…

„Wie geht es dir eigentlich damit, Nine, das Hank dich so beleidigt hat?“

Überrascht schaute er sie an.

„Lt. Andersons Aussagen wurden von einem emotionalen Ausbruch herbeigeführt, mein Protokoll sagt mir, dass diese nicht aussagekräftig sind.“

„Also hat es dich nicht verletzt? Ich meine es war schon nicht schön, was ich auf dem Flur gehört habe…“
„Ich…“, kurz runzelte er die Stirn „Nein, es war nicht schön, aber ich erinnere ihn an Connor und ich weiß, dass er mir die Schuld daran gibt, damit hat er recht.“
„Was? Nein.“, unglaubwürdig schaute sie ihn kurz an, bevor sie ihren Blick wieder zu der kleinen bunten Wildblumenwiese wandern ließ, die sich am Fuße des Waldrandes erstreckte, „Du hast daran keine Schuld Nine. Das weiß Hank auch, ich glaube es ist nur, er und Connor standen…stehen sich sehr nah. Sie waren Partner und haben schon recht viel zusammen durch und ich denke, er gibt sich mehr die Schuld daran, dass er nicht da war. Du ähnelst Connor vom Aussehen, aber vom Charakter her seid ihr zwei total unterschiedlich.“
„Wie…wie ist Connor?“
„Wie Connor ist? Uh, das könnte Hank wahrscheinlich wirklich besser zusammenfassen, aber ich versuche es.“, nachdenklich rückte sie ihre Brille zurecht, „Connor ist eine sehr nette und freundliche Persönlichkeit, er ist immer bemüht alles richtig zu machen und es gefühlt anderen recht zu machen. Er ist sehr mutig und dann irgendwie auch so verletzlich…ich kann es nicht erklären, manchmal ist er wie ein kleiner Welpe, den man einfach nur beschützen möchte. Dabei kann er sich sehr gut alleine verteidigen. Ich glaube er wirkt so unsicher, weil er selbst gerade erst anfing zu leben…ich vermisse ihn…er hat so eine liebe Seele.“
„Eine Seele?“, vollkommen verwirrt schaute er sie an.

Seele Definition: Die Gesamtheit die das Denken und Empfinden eines Menschen ausmacht. Kurz zusammengefasst die Psyche…
Wie konnte ein Android wie er eine Seele haben? Hatte er eine Seele? Würde er je in der Lage sein so zu empfinden? Für ihn war immer noch alles dumpf und schwer nachzuvollziehen…

„Jedes lebende Wesen hat eine Seele Nine, du auch.“, ein Lächeln lag auf ihren vollen Lippen.
„Ich…aber…“, er unterbach sich selbst, seine Sensoren erfassten etwas, ruckartig schubste er Lucy nach vorne, etwas durchdrang seine Brust, riss ihn zurück und ließ ihn gegen einen der Baumriesen krachen.

„NINE!“
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