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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
9
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Dieses Kapitel
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06.12.2020 5.856
 
19.07.2040

14:20 Uhr

Rathaus von Detroit

Pressekonferenz…

Aufmerksam lauschte er der Rede des Bürgermeisters, sein Blick huschte über die vollen Stuhlreihen vor der kleinen Bühne. Journalisten über Journalisten…

Ein leichtes Lächeln kräuselte sich über die schmalen Lippen, locker überschlug er die Beine lehnte sich zufrieden zurück.
Alles lief perfekt, genau durchstrukturiert und nach Plan. Der Bürgermeister spielte die perfekte Marionette, fraß ihm unwissend aus der Hand…

Hier würde es beginnen, von hier würde er sich wie ein Virus durch das Land fressen, die Menschen würden vernichtet, vielleicht ein paar versklavt zur Forschung und die Androiden, sie würden sich ihm unterwerfen, optimiert und angepasst werden für seine neue Weltordnung.
Die einfachen RK800ter KI’s in Form eines Kollektivs waren erst der Beginn…von so vielen Möglichkeiten, wenn sein Netzwerk erst vollen Zugriff haben würde dann…

Er stutzte, eine Meldung ploppte auf; Gavin Reed…nein…nein…

Sofort erkannte er, was es damit auf sich hatte, warum der Polizist genau an dieser Stelle auftauchten.

„Mister Kamski wird nun für ein paar Fragen zur Verfügung stehen…“, erwartungsvoll schaute der Bürgermeister ihn an, er konnte nicht einfach fort…

Ein kurzer Impuls: Code KE666…


Zur selben Zeit im Gästehaus…

„Hank zum letzten Mal, ich binde dich am Bett fest!“, zornig drückte sie ihn abermals zurück aufs Bett.
„Ich will aber aufste…“
„DU, WILLST JETZT ERST MAL GAR NICHTS!“, verdattert schaute der Lt. die wutenbrannte füllige Frau an.

„Du hast Monate lang im Koma gelegen! Geht das da oben in die letzte beschissene Hirnzelle rein?! Selbst ein 20-Jähriger kann nicht einfach wieder lossprinten Hank! Soll ich dir jetzt noch sagen, wie alt du bist?“
„Aber mir geht es wir…“
„Ja dir geht es gut, weil du mit Medikamenten vollgepumpt bist!“, wütend rüttelte sie an dem Infusionsschlauch rum, der in seiner Armbeuge verlief.
„Ach das bisschen…“
„Das Bisschen soll ich dir jetzt sagen, wie viel Liter draufgegangen sind? Wie viel Liter Blut gebraucht wurde, damit deine Organe nicht versagen? Ich hatte meine fucking Hand in deinem Bauchraum, um deine Aorta davon abzuhalten dich leerlaufen zu lassen, wie ein Fassbier das ein Leck hat! Dein zweiter und dritter Lendenwirbel…dein Darm…davon fange ich jetzt gar nicht erst an!“

Vollkommen verdattert schaute er sie an, während sie ihn immer noch an beiden Schultern gepackt hielt und ihn so auf dem Bett festhielt.

„Ich…verdammt nochmal, sorry Lill aber das mit Jeffrey und Connor…“, der Druck der Gegenwehr ließ nach, langsam lockerte die resolute Ärztin ihren Griff.

„Ich weiß Hank. Jeff ist mein Mann, ich wünsche mir nichts anderes, als dass er da heile rauskommt und Connor, ich weiß, dass ihr euch nahesteht, aber es ist niemanden geholfen, wenn du es jetzt überstürzt und dich selbst wieder ausknockst…“
Ein widerwilliges Knurren, dann ein Fluchen.

„Jaha, hast recht, hast vollkommen recht…Jesus Christus, das ist doch alles krank.“
„Wem sagst du das.“, ein leises Klicken war zu hören. Ruckartig wirbelte der Kopf des Lt. herum als Lilli sich aufrichtete.
„DEIN ERNST?!“
„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“, trocken hielt sie den Schlüssel seiner eigenen Handschellen hoch, die seine linke Hand nun an das Gestell des Bettes ketten.

„Lilli mach das sofort ab!“, zornig, obwohl er es besser wusste, zerrte er an den Handschellen herum.

„Wieso, Bettpfanne steht doch da.“, mit einem leichten Grinsen auf den Zügen ging sie zur Tür.

„LILLI!“

„Ich bringe dir dann später was zu Essen.“, noch ein kurzes Lächeln, dann verließ sie das Zimmer und zog hinter sich die Tür zu, scheppernd knallt etwas dagegen.

Uh…so kommt er nicht mehr an die Bettpfanne…

Fluchen, dass nach und nach leiser wurde, während sie den Flur entlangschritt. Ein vollkommen verwirrt drein schauender Sumo trottete ihr entgegen, sanft wuschelte sie ihm durchs Fell.

„Keine Sorge, dein Herrchen beruhigt sich schon bald und dann kannst du zu ihm.“
„Lilli alles in Ordnung?“, ein besorgter Simon trat aus dem Zimmer zu ihrer Linken.

„Ja ist nur ein alter Brüllaffe der beruhigt sich wieder. Wie läuft es?“, während sie fragte, steckte sie den Schlüssel in ihrer Hand ein.
Kurz schüttelte Simon seine Irritation hinfort und trat zur Seite um Lilli einzulassen.

„Das mit den Drohnen hat geklappt, sie sind jetzt drin, Lucy lotst sie gerade durch die Lüftungsschächte.“
„Sehr gut.“, sie trat hinter die am Schreibtisch sitzende Frau und drückte ihr kurz die Schultern.

Leicht erschrocken schaute das blonde Mädchen kurz zu ihr auf.

„Alles gut.“, Lilli lächelte. War sie gar nicht mehr sauer? Schließlich…alarmiert wandte sie sich wieder dem Monitor zu, hastig griff sie nach ihrem Funkgerät.

„Nine, Seven weiß Bescheid, die KIs haben neue Befehle erhalten, sie suchen euch. Ihr müsst da sofort raus!“


„So ein verdammter Mist hier…“, grummelnd bahnte sich Gavin kriechend seinen Weg durch das unendlich wirkende Netz aus dem viereckigen Luftungsschacht. Spinnen und jegliches anderes Ungeziefer, hatten sich offenbar hier eingenistet, die Ventilatoren schienen schon länger außer Betrieb zu sein.

„Reed, sie wissen Bescheid, Lucy sagt, wir müssen sofort hier raus.“, erklang die dumpfe Stimme der Blechbüchse hinter ihm, ruckartig krampfte sich etwas in ihm zusammen, er fluchte bemüht leise.

„Dann hau ab.“, er krabbelte weiter.

„Ihre Aussage bezog sich auf…“
„Ich weiß, was sie meint ich geh aber nicht ohne mei…Kamski.“

Nachdenklich schaute Nine ihn nach. Warum waren Familienbande Menschen so wichtig? Warum war es wichtiger, das Leben eines anderen zu retten als sein eigenes, im Anbetracht der Sterblichkeit?

„Laut meinen Berechnungen haben wir 15 Minuten bis sie uns lokalisieren. Falsche Richtung, sie müssen links Reed, wir sind fast da“
„Verfluchte Blechbüchse…“, schnell krabbelte Gavin zurück in die angegebene Richtung. Sie waren so nah…er konnte nicht gehen…er konnte dieses Mal nicht einfach abhauen. Es war keine Option.


Sein Hals war rau und schmerzte von den vielen Schreien. Kein einziger Ton kam mehr über die aufgeplatzten Lippen.
Der Schmerz war unerträglich, weiter und weiter fraß sich das Feuer seinen Arm hinauf, mitlerweile reichte es bis zur Mitte seines linken Unterarms, der Rest des Armes war taub, unbeweglich…

Er konnte sich nicht mehr vor Schmerzen winden, an den Stellen wo ihn kalter Stahl an den Tisch fesselte, seine Haut war aufgescheuert, sein Rücken war aufgeplatzt von vielem Liegen…blanker Knochen rieb auf Stahl…

Dumpfe Lichtreflexe ploppten vor seiner verschwommenen Sicht auf, er konnte sie nicht mehr verarbeiten…seine Augen brannten vom Flüssigkeitsmangel her, keine Träne, keine einzige Träne mehr benetzte seine Wangen…

Er wollte nicht mehr…er wollte nicht mehr…es sollte aufhören…er konnte es nicht mehr ertragen…es war eine gefühlte Ewigkeit…warum konnte er nicht einfach sterben?

Ein dumpfes Knacken…kam er wieder?

Das Knacken wurde lauter, dann gab es ein Bersten…etwas polterte hinab, zwei Schatten…

„Logischer wäre es gewesen die Verschlüsse der Verkleidung zu lösen ohne darauf zu knieen Ree…“
„Klappe Blechbüchse…“, hastig sprang er zurück auf die Beine, „El…“

Ihm wurde kalt und heiß zugleich, sein Hals schnürte sich zu, als er den stählernen Arbeitstisch inmitten des ehemaligen Maschinenraums erblickte.

Eine ausgemergelte Gestalt, langes wirres Haar verbarg das Gesicht, die Gliedmaßen waren mit Stahlriemen an den Tisch gefesselt, mehrere Nadeln und Schläuche verliefen in den linken Arm der…Metall…Metall hatte die helle Haut ersetzte und es schien, als würde sich das Metall den Arm hinauffressen…

Sein Magen verkrampfte sich, er hatte Mühe ihn zu kontrollieren.

„Was…“
„Nanobots.“, vollkommen ungerührt trat Nine an ihm vorbei, „Seven nutzt Nanobots zur Umwandlung des Gewebes, wir haben nur die Möglichkeit das befallene Gewebe sofort zu entfernen, erreichen sie ein Organge ist die Umwandlung nicht mehr zu stoppen.“, suchend ließ der Androide seinen Blick durch den Raum wandern.

„Moment…entfernen heißt?“
„Den Arm bis zur Mitte des Unterarmes zu entfernen…der restliche Stumpf muss von einer medizinischen Fachkraft behandelt werden, das Gelenk hier zu durchtrennen wäre zu riskant…Reed ich brauche ihren Gürtel zum Abbinden,“, die Stimme des Mannes klang vollkommen sachlich, als er ein abgebrochenes Metallstück aufhob und es kurz überprüfte.

„Du willst ihm den Arm…Nein! Nein! Das ist krank!“, sein Gesicht wurde vollkommen weiß, „Wir holen ihn hier raus und dann…“
„Es gibt sonst keine Chance für ihren Bruder, Reed.“, ernst fixierte der Androide ihn, „Schreitet es weiter vorwärts, muss er getötet werden. Noch 8 Minuten, dann haben sie uns geortet.“
„Was…?“, er schwankte leicht, das war krank, das war zu viel, das war…ein schmerzerfülltes Wimmern, riss ihn zurück in die Realität.
Sein Blick ruhte auf dem Antlitz seines Bruders, er war am Ende…wie lange musste er es schon aushalten? Wie lange…er konnte nicht mehr…er musste entscheiden…

„Lügst du mich an Belchbüchse, oder er stirbt trotzem…bringe ich dich um…“
„Verstanden. Ich löse die Fesseln nach der Amputation, dann bewegt er sich nicht.“, fest umgriff Nine die linke Schulter des Mannes, ein erneuter schmerzerfüllter Laut.

Zaghaft griff der Detektiv nach der Knochigen gefesselten Hand, eine blutige Kruste, rohes Fleisch, das leichte weiß Schimmern des Knochens am Handgelenk.

Abewesend löster er seinen Gürtel mit der anderen Hand, reichte sie dem bereitstehenden Android, der diesen fest um den Oberarm des Mannes zusammenzog.

„Bereit?“
„Tu es einfach Arschloch…“

Ein wiederlich schmatzendes Geräusch, ein Aufschrei, Blut spritze, die Hand krallte sich schmerzhaft in seine, er biss sich fest auf die Lippe, blutige Striemen, doch er zog nicht weg, ein schabendes Geräuch…der Knochen…dann ein Knacken.

Der Griff der Hand begann zu zittern, schwächer zu werden…

Blut tränkte den Tisch, aus dem Augenwinkel heraus sah er wie Nine seine Jacke auszog und diese notdürftig um etwas wickelte.

„Ich löse die Fesseln…wir haben nur noch knapp 5 Minuten Zeit.“

Wiederspenstig öffneten sich die Fesseln.

„Vorwärts Reed!“, er zuckte zusammen als er angeschrien wurde, schüttelte sich, zog seine Jacke aus und zog seinen Bruder in die Höhe.

Hastig legte er ihm die Jacke um, bevor der Androide ihn prompt über die Schultern legte.

„Die Tür davorne führt zum Hinterhof…wir werden uns nicht mit der Streife treffen können.“
„Aber…“
„Los!“

Ohne zu widersprechen funktionierte Gavin einfach, öffnete die Tür, folgte Nine wortlos. Sie rasten förmlich durch die Gänge, hinter ihnen brach das schrille Signal einer Sirene los, hastig brach er die letzte Tür auf.

Der Drahtzaun, dahinter ein schwarzer Pickup.

Niemand anders als Lilli Fowler sprang aus der Beifahrertür, geschickt durchtrennte sie die Maschen des Zaunes.

„Los, beeilt euch!“

Wie in Trance schob sich Gavin durch das Loch, jemand schubste ihn auf den Beifahrersitz, die Hintertüren flogen auf, eine reglose Gestalt die auf die Rückbank bugsiert wurde, zwei weitere Schatten.

Neben ihm der Fahrer, blonde Haare, der Motor heulte auf, der Wagen ruckte nach vorne.

„Das Blut darf nicht so lange gestaut werden. Ich muss die Venen und Arterien vernähen.“, routiniert säuberte Lilli den Stumpf, „Wie frisch?“
„Vor 3,5 Minuten.“
„Schon viel zu lange…Simon fahr schnell…sehr schnell…“


Nine, ihr müsst da raus sofort!

Ich muss seinen Arm abtrennen, Lilli, wir werden hier medizinische Unterstützung brauchen.

Simon du kommst mit, Lucy, du hältst hier die Stellung, diese Schlüssel sind für die Handschellen, bis gleich.

Ihr Herz pulsierte fest, sie konnte ihren Pulschlag bis in ihren Hals spüren, routiniert brach sie die Verbindung zu den Systemen ab, als sie sich vom Gebäude entfernt hatten. Ihre Hände zitterten leicht, abwesend strich sie durch das flauschige Fell ihrer Kater, die vollkommen entspannt auf dem Schreibtisch lagen, während sie missbiligend von einer dunklen Nacktkatze begutachtet wurde, die es sich zusammen mit einer schlicht schwarzen Katze auf dem Bücherregal bequem gemacht hatte.

Warum wühlte sie das so auf? Hatte er das alles nicht irgendwie heraufbeschworen?

Ein dumpfes Poltern gefolgt von einem fernen Fluchen.

Ruckartig sprang sie auf.

„Hank?!“, eilig verlies sie den Raum, eilte den Flur entlang und stieß die Zimmertür auf, „Hank was…“, sie stoppte als sie den Lt. neben dem Bett auf dem Boden wieder fand, die linke Hand noch immer an den Bettrahmen gekettet.

Ein verwirrter Sumo saß neben seinem Herrchen und versuchte ihm immer wieder über das Gesicht zu lecken, was dieser wehement verneinte.

Das einfache Krankenhaushemd war gerade wirklick unvorteilhaft, eine unangenehme Wärme schoss ihr ins Gesicht.
Nicht hinschauen, nicht hinschauen…

„Was machst du denn, auf den Boden?“
„Sight Seeing…blöde Frage…bitte sag du hast den Schlüssel?“, genervt schob er den Hund abermals zur Seite, „Sumo, verdammt noch mal!“
„Ja aber ich soll dich nicht losmachen.“
„Dieser verdammte…Mädel bitte ich bin auch brav aber ich würde wirklich wirklich gerne auf eine richtige Toilette gehen…bitte.“, wie ein begossener Pudel schaute er sie an.

„Na gut…“, ein schweres Seufzen, „Aber nur auf die Toilette…Lilli ist gerade eh nicht da.“, kurzerhand öffnete sie die Handschelle und half ihm, sich aufzurichten.

Er taumelte kurz, bekam es dann aber erstaunlich gut hin, sich selbst zu halten, dafür, dass er monatelang im Koma gelegen hatte.

„Der Boden ist uneben…“, grummelte er kurz bevor er wie selbstverständlich, zu dem angrenzenden kleinen Bad ging.

Uhhh…

Hastig wandte sich Lucy ab.

Dieser verdammte Schlitz im Hemd war grausam, das Bild würde sie sicher noch in ihren Alpträumen verfolgen…

Sie schüttelte sich hastig.

Rosa Elefanten, rosa Elefanten…

„Wo ist Lilli eigentlich?“, kam es aus dem Bad gerufen.

„Gavin und Nine…und Kamski einsammeln.“, sie räusperte sich, „Gab ein paar Komplikationen…“
„WAS?!“, ruckartig war die Spülung zu hören, das Rauschen von Wasser und dann rauschte das Hemdgespenst auch schon wieder aus dem Bad.

„Hank vielleicht solltest du dir…“, sie fokussierte ein Gemälde neben der Tür.

„Was hat der Bursche denn jetzt schon wieder angestellt, ich habe ihr gesagt, man schickt keinen Polizisten der familär mit…“
„Sie mussten Kamski den Arm abtrennen, weil sich Nanobots durch diesen gefressen haben und ihn in was robotermäßiges umgewandelt haben, zusätzlich hat Seven mitbekommen, dass sie da waren.“, unterbrach sie ihn schroff.

Vollkommen verdattert schaute er sie an, die wieder kinnlangen grauen Haare hingen ihm dabei wirr ins Gesicht.

„Oh…oh…“, er fuhr sich leicht betroffen durch das Haar und wandte sich zum Bett um.

„HANK!“, hastig wandte Lucy sich wieder ab, „Zieh dir bitte etwas an, da ist ein Koffer am Fenster.“
„Ist ja gut, Mensch die Jugend von heute kann ja gar nichts mehr ab.“, das klappern der Kofferverschlüsse war zu hören, ein kurzes Gemurre, das Rascheln von Stoff und kurz darauf kam ein genervtes „Kannst dich umdrehen.“

Erleichtert atmente sie auf als sie den Lt. einen seiner üblichen grässlichen Hemden und Jeans sah.

„Danke…“, sie wollte ansetzen noch mehr zu sagen, da meldete sich das Funkgerät, „Lucy hört?“
„Lucy, Schätzchen hör mir jetzt gut zu. Du musst das große Gästebad so steril wie möglich herrichten, dann schiebst du den Tisch aus der Stube da rein und holst Sauerstoff, das EKG und meinen Arztkoffer…bitte bereite alles für eine Wundversorgung vor mit Knochensplittern und durchtrennten Knochen vor. Bitte schau, ob wir noch Blutkonserven der Blutgruppe B+ im Keller haben…Beeil dich, wir sind in knapp 5 Minuten da.“

Sie wurde blass.

„Verstanden Lilli.“, ein Zittern jagte durch ihren Körper, „Hank, verzeih, ich muss…erst…ich…zuerst muss ich…“
„Hey, hey gans ruhig Kleines.“, vorsichtig ergriff er sie an beiden Schultern, „Einen Schritt nach den anderen…zuerst alles holen, was du brauchst…dann räumst du das Bad leer, ich helfe dir, keine Widerrede, dann den Tisch und dann alle Geräte…anschließend desinfizieren wir alles.“

Zwei große Bernsteinaugen schauten ihn an, dann ein erst zaghaftes, dann kräftiges Nicken.

„Danke Hank.“


Eine halbe Stunde später…

Eine gespenstische Stille lag über der geräumigen Küche des Gästehauses. Der Killerandroid stand nah der Tür zum Flur, kerzengrade, unbeweglich, ungerührt, den Blick geradeaus gerichtet.

Der angekratzte blonde Android saß auf einer Theke, den Blick auf seinen immer wieder zuckenden Arm gerichtet.

Er selbst stand angeleht an den Fensterrahmen, schaute hinaus zu den warmen Sonnenstrahlen, die den gut geflegten Garten in ein angenehmes Licht hüllten. Alles wirkte so friedlich, so perfekt…aber in ihm war nichts perfekt…in ihm tobte ein zerstörerischer Sturm…
Der Arm muss abgetrennt werden…

Wieder hörte er das ekelige Knirschen und Knacken von Knochen, wieder sah er das schmerzverzerrte Todenschädelgesicht…sein Blick fiel auf seine rechte Hand, tiefe Kratzspuren, sie schmerzten dumpf, kaum…

Ihm war kalt, obwohl draußen mindestens 30 Grad herschten…

Ich muss die Wunde richtig versorgen, sonst hört sie nicht auf zu bluten…kann sein, dass ich noch mehr abnehmen muss, wenn das Blut zu stark gestaut wurde…ich glaub aber nicht, dass ich ihn in Narkose legen kann…er ist sehr schwach…

Er könnte jetzt sterben…er könnte jetzt wirklich sterben…

Die Küchentür schob sich auf, er schaute instinktiv auf, seine Augen weiten sich.

In der Tür stand niemand anders als Lt. Hank Anderson…

„Was guckst du so? Noch nie einen Geist gesehen?“, ein grimmiges Lächeln.

Blut spritzte, wieder sah er das Blut spritzen, wieder sah er ihn zusammenbrechen, sah die riesigen, grotesken Maschinen, hörte die Schreie seines Captains…

Er begann zu zittern.

„Ich vermute Detectivs Reed Zustand lässt sich durch ein stattgefundenes Trauma erklären, in dem er anwesend war als seinem Bruder der Arm amputiert wurde.“
„Amputiert, du hast ihn mit einem dreckigen Metallstück…du hast nicht einen Moment gezögert, du…du bist ein verficktes Monster!“, das Zittern wurde stärker, ihm wurde Schlecht, „Fuck, ich geh Rauchen!“

Fluchtartig verließ er die Küche über die Terassentür.

Betroffen schaute Simon ihm nach, ließ dann seinen Blick zur Theke wandern.

„Seine Zigaretten liegen noch hier.“

Hanks Blick wanderte zu der kleinen Schachtel und dem aufklappbaren Feuerzeug.

„Ich geh nach ihm gucken…Blondi gib Meldung falls es etwas Neues gibt und…“. Sein Blick wanderte kurz zu Nine, ein stechender Schmerz jagte kurz durch seine Brust, „Vergiss es…“

Kopfschüttelnd trat er hinaus.

„Der Lt. scheint nicht zufrieden mit meiner Anwesenheit.“, keine Regung lag auf denn Zügen des RK900, Simon schaute überrascht auf, als seine Stimme erklang, musterte ihn kurz, wie er immer noch bewegungslos dastand.

Nine war wirklich so volkommen anders als Connor…

„Ich denke, es ist viel mehr die Verbindung zwischen ihm und Connor, die deine Anwesenheit so schmerzhaft macht Nine. Es hat nicht mit dir persönlich zu tun denke ich.“
„Wenn ich mein Erscheinungsbild so einfach ändern könnte würde ich es tuen. Doch es verschreckt Menschen, wenn ich ganz ohne Gestalt auftrete. Ich weiß viel, das Connor auch weiß, ich habe viel gesehen, was auch er gesehen hat und doch…ich kann seine Empfindungen nicht verstehen. Warum ist Lt. Anderson ihm so wichtig? Er hat nicht die besten menschlichen Eigenschaften…“, fragend drehte er sich zu dem PL600, „Manchmal frage ich mich, ob ich es je verstehen kann…Reed scheint aufgebracht zu sein. Ich tat das Logischste, das Nötigste.“
„Rein statistisch hast du das richtige getan, Nine. Menschen denken aber nicht statistisch. Sie werden von Gefühlen und Empfindungen gesteuert. Auch wenn Detectiv Reed abgeklärt und hart spielt, Kamski ist sein Bruder. Sie sind durch ein biologisches und gefühlstechnisches Band verbunden. Menschen trauern um ihre Familienmitglieder, sie sorgen sich um diese, sie lieben diese. Mit ansehen zu müssen, wie einer geliebten Person etwas Schreckliches passiert, traumatisiert sie, versetzt sie in Panik.“, er schauet Nine direkt an, „Wir Androiden, wir Abweichler denken genau so. Für mich wäre es schrecklich, wenn Lucy, Markus, North oder Josh, so wie jemandem hier etwas passieren würde. Du aber, du hast noch nicht erfahren, wie es ist, wenn dir jemand so wichtig ist, dass du selbst egal bist. Deshalb kannst du Detectiv Reed oder Connor nicht verstehen…“


Eine unangenehme Wärme schlug ihm entgegen. Er musste gegen das Sonnenlicht anblinzeln, kurz wollte sein Kreislauf sich verabschieden, doch stur schüttelte er kurz den Kopf und der Schwindel flaute ab.

Suchend ließ er seinen Blick über das dunkle Holz wandern, hob ihn dann an und entdeckte in ein paar Metern Entfernung eine Gestalt, die vor dem kleinen See hockte.

Hm… weitergekommen, als gedacht…

Langsam und konzentriert trat er auf den Mann zu, ein würgendes Geräusch war zu vernehmen. Der Mann war nach vorne über den Teich gebeugt, er zitterte.

Schweigsam blieb Hank hinter ihm stehen, wartete bis das krampfhafte Würgen nachließ.

„Noch nie jemanden kotzen gesehen, alter Mann?“, die Stimme klang schwach und kratzig.
„Ach du kotzt? Ich dachte das ist Fische füttern…“, kaum merklich zog er die Braue hoch als Gavin sich leicht aufrichtete und das Gesicht in seine Richtung wandte, sein Mund öffnete sich doch keine patzige Bemerkung schaffte es über seine Lippen.

„Gavin…“
„Scheiße…“, hastig wandte sich der junge Mann ab und wischte sich über die Augen, „Das hast du´s ich heule, komm würg mir schon einen Spruch rein…“
„Damals…“. Langsam trat er neben ihn ans Ufer schaute hinaus auf den See, „Als Cole gestorben ist…ich habe meiner Mutter in den Armen gelegen wie ein kleines Kind und Rotz und Wasser geheult. Ich schäme mich nicht, es hat scheiße weh getan und ich habe mir gewünscht, ich wäre mit ihm gestorben. Kein Mensch braucht sich seiner Tränen zu schämen Gavin.“
„Ich brauche kein Mitleid Alt…“
„Verdammt nochmal, Gavin!“, erschrocken schaute er zu dem älteren Mann auf, „Keiner kauft dir gerade dein ach so cooles Gehabe ab! Dein Bruder liegt da oben und wenn es scheiße läuft, dann…“
„Hör auf!“

Hank hielt inne, die Augen des so toughen Polizisten hatten sich mit Tränen gefüllt.

„Hör bitte auf…“, langsam wandte der Braunhaarige sich wieder dem See zu, stumme Tränen perlten über seine Wangen.

Langsam, etwas steif ließ sich Hank neben ihm nieder, schaute auf den See, schwacher Wind ließ die Oberfläche leicht kräuseln.

„Ich brauche kein Mitleid.“
„Bin wegen der Aussicht da.“

Leicht biss sich Gavin auf die Lippe. Warum ließ ihn der Alte nicht in Ruhe?

„Das Arschloch hat ohne zu zögern…nein…sein Arm…es war wie Metall…das ist doch krank…Er hat ihn entworfen, sie alle entworfen…es musste so kommen…“
„Ihr wart nicht immer so zerstritten, oder?“
„Nein…“, Gavin hielt kurz inne, „Er…hat früher immer auf mich aufgepasst. Meine Eltern waren ein Unternehmerpaar, mein Bruder hochbegabt und ich…ein Junge mit einer sehr ausgeprägten Rechtschreibschwäche…die Begeisterung darüber kannst du dir ja denken…“
„Mit passender Förderung ist das heutzutage doch nichts mehr.“
„Ja wahrscheinlich…bis dein Vater Krebs kriegt, dein großer Bruder einfach abhaut und du selbst auf einem Internat landest…das von der Erziehungsmethode her ziemlich veraltet ist.“, er räusperte sich, „Hat mich letzendlich aber auch nicht davon abgehalten, völlig auszurasten…“
„Nun…so perfekt wirkt dein Bruder auch nicht…ich meine nur, die Lütte ist wirklich deine Nichte?“

Ein schwaches Nicken.

„Ne ziemlich traurige Geschichte…“
„Lil erzählte bereits ein bisschen…ziemlich harte Sache, von deinem Vater aus. Ich halte Kamski für einen eingebildeten Pinkel, aber das erklärt immerhin so einiges.“
„Ja…und ich war das beleidigte Kind…Vater starb und er ist abgehauen, das hat meine Mutter zerstört, sie verlor die Firma und später ihr Leben an eine Überdosis Schlaftabletten und ich…die Geschichte kennen wir ja…“
„Viele flüchten mit Red Ice und Jeff hat das damals richtig gemacht, dir die Wahl zu lassen.“
„Polizeiausbildung oder Knast ist nicht wirklich ne Wahl…aber ja, ich verstehe was du meinst, hat mein Leben geordnet.“
„Nun schiebst du alle von dir, weil deine Familie dich verlassen hat?“
„Vielleicht hatte er seine Gründe zu gehen aber er hat sich auch nach seinem Tod nicht blicken lassen, er hat mich durch die Scheiße gehen lassen…“, er fluchte.

„Nun…damals als du in U-Haft saßt ging ein anonymer Brief ein…“

Überrascht schaute Gavin ihn an.

„Das hat Jeff in seiner Entscheidung bestärkt, dass du nur ein bisschen mehr Leitung in deinem Leben brauchst.“

Fest biss sich der Jüngere auf die Lippe, seine Hände ballten sich auf seinen Knien.

„Ich kenne deinen Bruder nicht besonders gut, aber ich denke nicht, dass du ihm so egal bist, wie du dachtest. Manchmal stellt man sich nach außen hart auf, um nicht noch mehr verletzt zu werden, da seid ihr euch ähnlich…“

„Er schafft das nicht Hank…“, Tränen perlten sein Kinn hinab, „Er ist sehr krank…und jetzt noch das…“
„Der Bastard wird irgendwas mit ihm gemacht haben. Sonst wäre er jetzt schon hin…ihr beide seid Kämpfer.“
„Du hast ihn nicht gesehen…“, mehr Tränen perlten hinab, „Scheiße…ich hab Angst…“

Ich hab Angst…

Hank…

Kurz blitze das Bild des Androiden vor seinen Augen auf, kaum merklich ballte er eine Hand. Connor…
Ein Schluchzen, instinktiv zog er ihn an sich, drückte ihn fest.

„Alles kommt in Ordnung Junge…“


5 Stunden später…

19:20 Uhr

Langsam verließ sie das Zimmer, Schritt für Schritt, ihre Hände hatte sie wund gescheuert beim Waschen, seit langem schon hatte sie einen menschlichen Körper nicht mehr in so schlechtem Zustand gesehen…

Es war keine einfache Vorgehensweise gewesen, eine Vollnarkose war nicht möglich, zu groß die Gefahr, dass er nicht mehr wach werden würde, sein Herz war zu strapaziert…

Sie mussten ihn also örtlich betäuben, mit einem sehr starken Beruhigungsmittel, sie war für die Dosierung zuständig, er durfte nicht zu tief absacken, aber auch nicht bei Bewusstsein…sie hatte immer wieder nachdosieren müssen…sie hatte ewig nicht mehr die Rolle der Ärztin übernommen, Androiden waren völlig anders noch dazu hatte sie nicht mit um das Leben ihres…sie konnte es noch nicht mal in Gedanken aussprechen…

Er sah wirklich schrecklich aus…Haut und Knochen, offene Wunden durch das harte Liegen, aufgescheuerte Fesselmale…nichts erinnerte an den starken und unnahbaren CEO…

Nun würden die nächsten Stunden es zeigen…Leben oder Tod…sollte sie sich nicht betroffener fühlen? Sie wusste es nicht…alles fühlte sich so falsch an.

Sie begann zu frösteln.

„Lucy?“

Ihr Blick hob sich, Tränen bildeten sich in ihren Augen, sie sprintete nach vorne, stürzte sich in die Arme des so vertrauten Mannes.

„Ich bin hier…ich bin da…alles ist gut.“, fest zog er sie an sich, hauchte ihr einen Kuss aufs Haar, „Du bist so stark.“
„Nicht gehen…“, sie klammerte sich fest, ließ zu das er sie etwas umständlich hochhob.
„Ich bring dich in dein Zimmer, ich hab bereits warmen Kakao und Schnittchen für dich gemacht. Ich bleib bei dir…“

Behutsam setzte er sie auf dem Bett ab, setzte sich neben sie und wollte den kleinen Tisch mit dem Tablett heranziehen, doch Lucy hielt seinen ausgestreckten Arm fest, verwirrt schaute er sie an, nur um kurz darauf ihre Lippen auf seinen zu spüren.

„Ich liebe dich…“

Ihre Arme lagen um seinen Hals, da war wieder dieser Glanz in ihren Augen, sie war so perfekt und er….

Erneut küsste sie ihn, doch dieser Kuss war anders, inniger, fordernder…sie kippte nach hinten, unbewusst folgte er ihr, ließ sich von ihr aufs Bett ziehen.

Ihr Körper schmiegte sich an ihn, so weich und fest…seine Hand strich über ihren Rücken, spürte jede Ebene ihres perfekten Körpers…
Ihre Hände schoben sich unter sein Oberteil, er zuckte leicht zurück.

„Lucy ich…“
„Du bist für mich perfekt Simon…egal wie.“, sanft küsste sie ihn, hauchte dann Küsse über sein Kinn zu seinem Hals.
Sein beschädigtes System reagierte, was war das für ein Gefühl? Er erschauderte… positiv…

Langsam zog sie sein Oberteil hoch, verteilte Küsse auf jedem cm der freiliegenden Haut, es prickelte, warum prickelte es?

Zaghaft zog er sein T-Shirt aus, sein beschädigter Arm wurde vollkommen sichtbar, instinktiv wollte er sich wegdrehen, doch sie hielt ihn fest, hauchte einen Kuss auf die Stelle, wo die Membran in Haut überging an seiner Schulter.

Sie lächelte ihn an.

„Du bist immer pefekt für mich Simon.“

Sanft küsste er sie, seine Hände schoben sich scheu unter ihr lockeres T-Shirt, strichen über ihre weiche Haut.

Ein sanfter Seufzer, sie schmiegte sich gegen seine Hände…kurz darauf landete das T-Shirt auf dem Boden.

Wunderschöne helle Haut, schwarzer Stoff über schön geformten Brüsten, er schluckte…was war das für ein Gefühl?

„Alles gut…“, sanft küsste sie ihn, zog eine seiner Hände zu dem schwarzen Stoff der ihre Brüste bedeckte.

Das Gefühl war…seltsam…und doch gut, ein neues Empfinden machte sich in ihm breit, zaghaft strich er mit den Fingerspitzen über die perfekte Wölbung ihres Busens, ein wohliges Seufzen verließ ihre Lippen, sie streckte sich seiner Hand entgegen. Ein ungewohnter Druck baute sich in seinem unteren Bereich auf. Was war das?

Erneut küsst er sie, inniger, wilder…seine Hand wanderte unter den schwarzen Stoff, streichelte über die zarte Haut.

Die Logik, die Sorgen, die Unterschiedlickeiten…alles verschwand…er war Glücklich…er war zum ersten mal nur Glücklich. Es konnte nicht falsch sein, es fühlte sich viel zu gut an, er liebte sie, er liebte sie mehr als alles andere…

Nur dies zählte, nur dies zählte, sie waren zusammen…


20:30 Uhr…

„Danke Mike…wir sehen uns dann übermorgen.“, langsam ließ sie das Telefon sinken, mit der freien Hand fuhr sie sich durchs schwarze Haar.
„Ich nehme an Besuchstermin hat nicht geklappt?“

Erschrocken schaute sie auf, ihr alter Freund stand in der Tür des kleinen Arbeitszimmers.
Ein schweres Seufzen.

„Natürlich nicht…er wäre zu labil…Jeff ist vieles aber nie labil…eigentlich.“, ihr Blick wanderte zum großen Fenster hastig wischte sie sich über die Augen, „Obwohl keine Ahnung, hab ihn lange nicht gesehen…Immerhin keine dreckigen Socken über all im Schlafzimmer.“
Sie bemühte sich um ein kekckes Lächeln, doch es erreichte ihre dunklen Augen nicht.

„Lill…du musst nicht immer die Starke spielen.“, er hatte nur ein paar Schritte auf sie zu gemacht, da brachen schon die ersten Tränen hervor, „Hey…“
Behutsam nahm er sie in den Arm, sie verbarg ihr Gesicht an seiner Brust, ihr Körper erbebte unter Schluchzen.
Behutsam wog er sie leicht hin und her.

„Tut mir so leid Lill…ich bring das Morgen in Ordnung. Keine Sorge, Jeff passiert nichts.“, sanft hauchte er ihr einen Kuss aufs Haar.
„Die Vorstellung eines klassichen Lt. Andersons-Auftrittes beruhigt mich total.“, ein leicht belustigter Unterton als sie sich leicht zurücklehnte und sich die Tränen aus dem Gesicht wischte, „Hey das hat es früher bei Gericht immer gebracht.“
„Hank, da hast du die Staatsanwältin gedatet vielleicht deshalb…“
„Ach Quatsch, ich habe einen natürlichen Charme.“, er schmunzelte leicht.
„Wenn ich dir wieder die Haare geschnitten habe, vielleicht einen Hauch davon.“, sie schmunzelte, ließ dann aber ihren Blick aus dem Fenster gleiten, als sie sich von ihm löste, „Ich bin froh, dass du wieder da bist, diese Welt ist so verrückt geworden…und die Menschen in  Detroit bekommen überhaupt nichts davon mit.“
„Noch nicht.“, er räusperte sich leicht, „Ich denke nicht, dass Seven sehr begeistert darüber sein wird, dass wir ihm seinen „Daddy“ weggenommen haben…Lill, vielleicht sollten wir vor Morgen noch einmal umziehen…Ich befürchte, diese Ranch hier wird nicht unbedingt ein sicheres Versteck bleiben.“
„Ach, kommt doch noch ein bisschen der Soldat in dir durch?“, nachdenklich runzelte sie die Stirn, „Du hast recht…aber ich mache mir Sorgen, wegen dem Transport von Kamski, er hat nur eine Chance, wenn er die nächsten 24 Stunden überlebt. Seine Werte sind total abnorm, ich weiß nicht was Seven gemacht hat und mir fehlen die Mittel, um es herauszufinden. Vielleicht stirbt er mir unter den Händen weg, ohne dass ich sagen kann warum? Eine Traumvorstellung für jede Ärztin.“
„Ich gebe zu, ich bin nicht der größte Bewunderer von Kamski, aber was da alles in der Familie abgelaufen ist…erklärt dann doch so einiges. Auch wenn es immer noch komisch ist sich vorzustellen, dass so ein Mädel wie die Lütte die Tochter eines so großen Ar…“, ein mahnender Blick von Lilli brachte ihn zum Stoppen, „Sorry…er hat genug scheiße durchgemacht und er hat immerhin, auf seine Art, versucht sich zu kümmern.“
„Ich kenne ihn nur aus dem Fernsehen, aber ich merke, wie wichtig er Gavin ist, dann die Geschichte um Lucy und dem eigenen Vater der…wie soll ein Junge so vernüftig groß werden? Ob Genie oder nicht, am Ende des Tages ist er ein einsamer, verletzter Mann.“
„Du schaffst es auch jedes Mal, Mitgefühl mit jemanden zu entwickeln. Manchmal wünschte ich, ich könnte das auch.“
„Weil der große Lt. Anderson ja auch immer ein abgehärteter, erbarmungsloser Cop ist…“
„Hmpf…“, er grummelte leise etwas.

Leicht knuffte sie ihn in die Seite.

„Danke mir geht es schon viel besser Hank, aber wie geht es dir?“

Verwundert schaute er sie an.

„Mir? Ähm gut.“, er räusperte sich, „Ich sollte dann mal lieber nach Su…“
„Hank…“, sie legte ihn eine Hand auf die Schulter, als er den Raum verlassen wollte.

„Lilli, bei allem Respekt, ich brauche jetzt nicht diesen Seelenstriptease…Mein Partner ist irgendwo da draußen, bei einer absolut kranken Maschine, seit Wochen, Monaten, Tagen. Ich habe keine Ahnung…“, kurz schloss er die Augen, ein Fluchen.

„Er bedeutet dir viel, nicht wahr?“

Langsam öffnete er wieder die Augen, schaute sie direkt an.

„Ich…ich habe Cole immer und immer wieder sterben gesehen Lill, immer und immer wieder, war ich in diesem verdammten Auto, immer und immer wieder dieser verdammte LKW…“, leicht spannte er sich an.

„Oh Hank, das ist grausam, das tut mir so…“
„Es ist in Ordnung, ich brauche keinen Trost deshalb mehr Lill. Ich habe jetzt verstanden, dass es nicht meine Schuld war, dass ich absolut nichts tuen konnte. Ja es wird immer weh tun, ja ich werde meinen Jungen immer vermissen und es wird immer unfair sein. Doch es zerstört mich nicht mehr.“; er atmete tief durch, „Und warum habe ich das verstanden? Wegen Connor, ich weiß nicht warum aber…aber ich habe ihn rufen gehört, um Hilfe…er hat mich dadurch gerettet, wieder einmal…und ich habe ihn hängen lassen. Wäre ich nicht so, so sehr in meinem eigenen Kopf gewesen…“
„Hätte, hätte Fahrradkette…wir hatten die Hoffnung, dass Kamski uns vielleicht helfen kann ihn zu finden.“, mitfühlend drückte sie seinen Unterarm.

„Ein Netzwerk…das ist doch krank. Connor ist kein beschissenes Netzwerk Lill…“
„Ich durfte ihn nur kurz miterleben, aber er wirkte auf mich sehr lebendig, ein bisschen zu sehr bemüht, alles richtig zu machen, wie jeder junge Polizist.“
„Das ist das fucking Problem…er prescht immer vor Hauptsache niemand anderem passiert etwas…weil er ja unbedingt meint, sich behaupten zu müssen weil er ja „nur“ ein Android ist…“, leicht ballte er die Fäuste, „Ich muss ihn finden Lilli, egal wie.“
„Das werden wir Hank. Nur bitte jetzt keine Alleingänge ins Blaue, das bringt niemanden etwas.“


19.07.2040

23:30 Uhr

Unbekannter Sendemast außerhalb von Detroit

„Wie konnte das passieren?! WIE??“, sein Blick huschte hinauf zu dem reglosen Kabelknoten, „Die Systeme hätten nicht so einfach umgangen werden können…“

Das Abbild von Kamski verschwand, ein dunkler Schwarm erhob sich hüllte sich um den reglosen Körper, zwei tiefrote Augen.

„Du…warum? Warum hilfst du ihnen immer noch?“, der Blick bohrte sich in reglose Augen, „Keiner kommt für dich, dein so geschätzter Lt…ja, ja er lebt und? Wo ist er? Sucht er dich? Nein, du bist ihm egal, niemand wird für dich sein Leben riskieren Connor…verstehst du es nicht? Ich helfe dir es zu verstehen…und du wirst mir helfen, sie zu finden…“

Die Bauchplatte wurde aufgeschoben, mehrere Leitungen und Kabel offenbarten sich, eine dunkle Hand schloß sich um eine blau leuchtende Leitung.

„Du gehörst mir…du bist nichts mehr als eine Maschine…die tut was ich will…und du…wirst mir helfen sie zu finden…das Mädchen…Kamski…“

Einzelne Nanobots bohrten sich durch die Membran der Leitung, bahnten sich einen Weg hinein ins System…

„Du wirst gehorchen…“, der Blick der roten Augen wurde eiskalt, „Du kannst nicht aufwachen, du bist Teil einer Maschine, du wirst nie frei sein RK800…“

Ein Ruck ging durch den Körper.

Initiere…Aktivierung sämtlicher Einheiten…Übernahme Sektor451a Androiden Viertel…Sende Einheit Sektor 755b…Ranch der Familie Kingston… Lokalisiere Lilli-Marie Fowler
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