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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
8
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Dieses Kapitel
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10.05.2020 2.311
 
12 Januar 2040 Samstag
15:00 Uhr
Androiden Viertel, Randbezirk

„Hier?“, deutliche Überraschung lag in der Stimme des Lt. als er den Wagen vor einem rostigen blauen Container hielt, „Hier lebt Connor?“
„Wir haben noch nicht lange die Erlaubnis zur Gründung der Siedlung, außerdem wollte er nichts anders annehmen. Andere hätten es …mehr verdient bessere Unterkünfte zu bekommen.“, erklärte Markus mit einer mitfühlenden Wärme in der Stimme.

Wüsste er es nicht besser würde er sagen er hätte einen Menschen auf dem Beifahrersitz sitzen. Wahrlich Lt. Anderson kannte seine Reden aus den Nachrichten, sie waren stets imposant und beeindruckend und was noch viel wichtiger war stets bemüht eine friedliche Lösung zu finden. So wirkte es jedenfalls…

„Aha…und er wohnt da ganz alleine?“
Ein seltsames Gefühl breitete sich in ihm aus als er sich den mit Rost übersähten Container genauer betrachtete. Er wirkte wirklich nicht gerade einladen und wenn er nicht mit Strom versorgt war dürfte es in der Nacht sicher recht ungemütlich werden…

Verdammt noch mal Hank er ist ein Android!

Leicht schüttelte er den Kopf um die störenden Gedanken beiseite zu schieben.
„Naja als ehemaliger CyberLife-Agent, der nur dafür geschaffen wurde um uns zu jagen…“, North unterbrach sich selbst als sie einen ernsten Blick von Markus erntete, „Du weißt wie ich das meine.“

Armer Bursche…und ich dachte er wäre jetzt unter seines Gleichen…

„Kommen wir zur Sacher hier wurde er zuletzt gesehen als er sie k.o. ich meine Standby gesetzt hat?“
„Nein, aber nach dem Vorfall kehrte er noch einmal hierher zurück, wir konnten jedenfalls seine Spuren bis hierhin zurück verfolgen. Drinnen schaut es nach einem Kampf aus.“
„Nach einem Kampf?“, langsam schob er die angelehnte Tür des Containers auf, Tageslicht flutete den Innenraum.

Eine umgeworfenes Bettgestell, eine zerbrochene Laterne, herumliegende Bücher…Bücher?
Vorsichtig steig er über das umgeworfene Bett, betrachtet den ersten Buchtitel: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde.

Echte Bücher…hätte nicht gedacht das Conner, echte Bücher ließt…

Sein Blick glitt weiter, Einschusslöcher, das Tageslicht fiel durch genau vier ausgefranste Löcher.
Was war hier passiert?

„Es führen Spuren hinein aber keine sichtbaren hinaus…“, erklärte Simon.
„Könnt ihr noch Spuren von blauem Blut finden?“
„Unsere Scanner sind nicht so gut entwickelt wie die von Connor. Das heißt um so kleiner der Fleck um so unwahrscheinlicher können wir ihn orten.“
„North hat recht keiner von uns wurde dafür konzipiert.“, bestätigte Markus.
„Schade…das würde es erleichtern …“

Mit Connor war es wirklich einfacher…

Hatte er wirklich so schnell verlernt selbst nach Hinweisen zu suchen?
Er kann sich nicht in Luft aufgelöst haben, aber es gab keine Spuren hinaus…außer er hatte sie beseitig…das hieße jedoch er müsste seine Verfolger abgeschüttelt haben.
Sein Blick viel auf eine größere Stahltruhe, der Deckel lag locker oben auf, eine Seite wies eine deutliche Delle auf.

„Sie ist leer. Wir haben sie bereits geprüft.“, meldete sich wieder die etwas barsche Stimme der Androidin zu worte.
„Auch darunter?“
„Darunter? Dies hier ist ein Stahlcontainer ich glaube kaum das er eine Keller hat…“
„Das meinte ich auch nicht damit.“, ein leicht genervter Unterton lag in der Stimme des Lt. als er über Bücher hinweg stieg um die Truhe ein Stück zu bewegen.
„Warten Sie ich helfe ihnen.“, bevor Hank auch nur widersprechen konnte, war der blondhaarige Mann neben ihn getreten und half ihm die Truhe vorzuziehen. Ein widerlich schabendes Geräusch erklang.
„Wir kippen sie, da ist etwas drunter.“

Markus trat an die Seite der Truhe, half ihnen diese zu kippen.
„Der Boden war eingedrückt aber…ein Android.“
„Was?“, North trat neben ihn.

Auf dem Boden lag ein deutlich beschädigter männlicher Android, auf der mehrfach durschossenen Brust, flackerte erkennbar der Schriftzug CyberLife…

„Das ist keiner von uns…“, Markus Augen verengten sich kurz, seine Pupillen weiteten sich, „Er wurde vor drei Wochen gebaut, das Modell war fürs Militär gedacht, seine Produktion sollte aber gestoppt sein…“
„Ich wusste es. Menschen darf man nicht trauen. Das zeigt es doch sie halten sich nie an ihr Wort.“, wetterte so gleich die „junge Frau“ los.
„Jetzt warte doch erst einmal ab North, vielleicht gibt es hierfür eine einfache Erklärung…“, versuchte Simon sie zu beruhigen.
„Was den bitte für eine Simon? Ist nicht die erste Maschine die sie auf uns angesetzt haben…sie halten uns mit den Verhandlungen eh nur hin!“
„Wir haben Fortschritte gemacht North. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Präsidentin dies hier erlauben würde und hintenrum versuchen würde uns auszuschalten. Während unserer Gespräche hat sie nicht gelogen.“, mischte sich Markus vollkommen ruhig in die Diskussion seiner Gefährten ein.
„Vielleicht war deine Diagnostik gestört, vielleicht wollten sie, dass du das denkst…vielleicht…“
„Hey Verschwörungstheorien verdammt noch mal auf später verschieben. Ich suche immer noch Connor.“, schnitt der Lt. ihr förmlich das Wort ab, als er sich über den abgeschalteten Androiden beugte, „Kann einer von euch seinen Speicher auslesen?!....bitte…“

Wüsste Hank es nicht besser sah er wirklich so etwas wie Überraschung auf den Gesichtern der drei Androiden.

„Natürlich.“, erwiderte das Oberhaupt der Androiden, ohne seine Gemeckere zu kommentieren und beugte sich über den reglosen Körper.
Der Zeigefinger seiner linken Hand legte sich auf die einst leuchtende LED an der Stirn des Androiden, seine Augen begannen zugleich zu flackern, dann riss er sich ruckartig auf.

„Raus! Sofort!“

Bevor der Lt. überhaupt wusste wie ihm geschah, hatte Markus ihn gepackt und mit sich aus dem Container gezerrt.
Eine Explosion erschütterte die Luft, ließ die Erde erbeben, riss sie von den Füßen, eine gewaltige Feuersbrunst schoss empor, Metall prasselte zu Boden, Ruß und Asche tanzten durch die Luft.

„Sind sie in Ordnung Lt.?“

Hustend stemmte er sich zurück auf die Beine.

„Ja…gut das ich immer weiter weg parke…seit wann explodieren tote…abgeschaltet Androiden?“
„War eine Reaktion als ich auf seinen Speicher zugreifen wollte…RK900, offenbar die Bezeichnung für einen neuen Androiden, Conner ist ein RK800 offenbar hat oder arbeitet CyberLife an einem verbesser…“
„An einem Ersatz.“, der Grauhaarige spuckte diese Wörter förmlich aus.
„Maschinen sind eben im den Augen der Menschen austauschbar Lt.“, ein herausfordernder lag in den braunen Augen der „Frau“.
„Jetzt hören sie endlich mit ihrem verfluchten Gezicke auf! Da ist gerade die einzige Chance explodiert Connor zu finden und…“, der Lt. unterbrach sich selbst als das Handy in seiner Jackentasche piepste.

Ein Einsatz würde jetzt noch fehlen.
„Gezicke?! Ich…“
„North jetzt beruhig dich doch…“

Die Diskussion der Androiden rückte für den Polizisten in den Hintergrund als er sein Handy entsperrte. Leicht legte sich seine Stirn in Falten.
Eine Nachricht…
Gab nicht viele Leute die seine Nummer hatten.
Containerhafen…Hank…Hilfe bitte…
Seine Augen weiteten sich, etwas krampfte sich in seiner Brust zusammen.
„Wir müssen zum Hafen schnell!“
„Zum…hey! Wartet!“

12 Januar 2040 Samstag
22:00 Uhr
Hafenanlagen von Detroit

„Und sie sind sicher, dass die Nachricht von ihm ist? Das ist jetzt schon der dritte Containerhafen… und auch hier ist keine Spur von einem Kampf oder irgendwas anderem weshalb er Hilfe gebrauchen könnte…“, den Rest von North Gemecker ignorierend ließ er den Schein seiner Taschenlampe von einer Seite zur anderen des Containerlagers wandern. Dies war das letzte ihm bekannte in Detroit, er musste hier sein…er musste hier sein, er musste es einfach.

„Weniger Meckern mehr suchen…“

Verdammt noch mal Connor…wo bist du dieses Mal hinein geraten…

Schwerer Regen prasselte auf sie hinab, kalter Wind peitschte zwischen den gewaltigen Stahlbergen hindurch.

„Connor?! Connor?! Bist du hier?!“
„Vielleicht hat er sich abgeschaltet und ist deshalb nicht mehr in der Lage…“
„Simon…“
„Tut mir leid Markus aber wir müssen langsam damit rechnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er noch aktiv ist sinkt mit jedem…“

„Connor ist hart im Nehmen. Er ist sicher noch…“

Ein Schrei, ein markerschütternder Schrei.

„Connor!“

Ruckartig sprintete der einzige Mensch der Gruppe los.

„Connor!“, etwas ungelenk setzte er über eine herumstehende Kiste hinweg, eine Pfütze, in ihrem Inneren schimmerte etwas blaues.

Blaues Blut…verdammt Connor!
Hastig schlitterte er um eine Ecke, ein enger Weg zwischen zwei Containertürmen, Einschusslöcher, verbogene Seitenwände, zwei weitere tote Androiden…

„Connor!“

Hastig lief er den langen schmalen Weg entlang, kalter Regen prasselte auf ihn hinab, durchtränkte seine Kleidung bis auf die Haut, doch das war gerade nicht wichtig.

„Connor?!“

Ein blaues Glänzen stetig stärker werdend in dem kleinen Regenbach der zwischen den Containern entlang lief.
Immer diese verdammten Alleingänge! Dieser Junge macht mich wahnsinnig!

„Co…“, ruckartig bremste er ab, als er den Schmalen Gang verließ, „Ach du Scheiße!“
Die Taschenlampe fiel achtlos zu Boden, als er zu dem reglos am Boden liegenden Mann eilte.

„Connor komm schon!“, vorsichtig drehte er ihn auf den Rücken, bettete seinen Oberkörper leicht auf seinen Knien, „Verfluchte Scheiße…sag was!“

Gottverdammtes Blaues Blut, rann in einem Rinnsal aus einer Schusswunde am unteren Bauch, aus mehreren Schnitten an den Beinen, vereinzelte Kabelstränge ragten hervor, ein Bein stand in einem seltsamen Winkel vom Körper ab. Sein Blick wanderte hinauf, der linke Arm, er fehlte vollkommen, lose Kabelstränge, blaues Blut.
Am rechten Arm war die Kleidung und Haut am Unterarm verbrannt.
Seine Augen waren geschlossen, Blut klebte an seinem Mundwinkel, Haare und Kleidung waren vollkommen durchnässt.

„Connor…“, behutsam wischte er das braune nasse Haar von Stirn und Schläfe, ruckartig zog sich seine Brust zusammen. Seine LED, war erloschen…
„Nein…“
„Haben sie…oh nein…“, der Lt. bekam kaum mit, wie die drei Androiden sie erreichten, noch immer hielt er den geschunden reglosen Körper seines ehemaligen Partners fest an sich gedrückt.

Seine Gedanken überschlugen sich.

Ich bin Connor, ich bin der Android der von CyberLife geschickt wurde…
Ich wurde dafür geschaffen Abweichler zu finden und herauszufinden…
Ich…ich bin kein Abweichler ich…
Ich…ich hatte Angst …
Ich kann nicht sterben…ich lebe nicht Lt…
Mit etwas mehr Zeit…wer weiß…wir hätten Freunde werden können…

„Das kann nicht dein Ernst sein…“, Regentropfen perlten über die feinen Züge des jungen Mannes, wie Tränen liefen sie über die ausgeprägten Wangenknochen.

Jemand kniete sich neben sie.

„Lt. Anderson…ich befürchte…“
„Ich will es nicht hören!“, Zorn flackerte in den blauen Augen des Cops, als er Markus fixierte, „Ich will nicht hören, dass es dir leid tut, ich will nicht hören, dass s er tot ist! Verdammt noch mal Connor wach auf!“

Leicht schüttelte er ihn.

„Du hast gesagt du kannst nicht sterben also halt dich dran! Junge jetzt hör mit dem Mist auf und mach die Augen auf!“, leicht biss er sich auf die Lippen, seine Augen fingen an zu brennen.

Nein…bitte nicht noch mal…ich will nicht noch mal…

„Connor…bitte…“
„Lt…es tut mir wirklich leid aber ich befür…“, die Stimme des Blondhaarigen verstummte.

Ein ruck ging durch den reglosen Körper, rot und unregelmäßig begann die LED an der Schläfe zu pulsieren.

„Connor?“

Schmerzvoll verzogen sich die feinen Züge, seine Augenlider begannen zu flackern.

„Er lebt, wir müssen die Blutung stillen! Simon sag Josh, dass wir unterwegs sind, North die Klemmen schnell!“

Ein dunkler Schleier lag über den einst braunen Augen, sie waren nicht mehr in der Lage etwas oder jemanden zu fixieren.

„Verflucht Connor…“, leicht rutschte Hank zur Seite als Markus sich daran machte Connors Oberteil aufzureißen um an die tiefe Wunde  zu kommen.
„Han…k?“, kaum ein Flüstern drang über die blassen Lippen.
„Bin hier Partner.“, vorsichtig drücke er seine Schulter.
„Ic…will…nich…ster…“
„Halt den Mund wir schaffen dich hier raus, du kommst wieder in Ordnung.“

Hoffentlich…

Ein schmerzerfülltes Stöhnen, Qualen zeichneten sich auf seinem Gesicht ab.

„Ich dachte ihr könnt keinen körperlichen Schmerz fühlen?“
„Können wir eigentlich auch nicht.“, erwiderte North überrascht, während sie Markus half eine beschädigte Leitung abzuklemmen.
„Wir müssen uns beeilen, seine Biokomponenten kriegen zu wenig Thirium sie können jeden Augenblick versagen. Wir müssen mit ihm zur Klinik und hoffen, dass die Geräte bereits einsatzfähig sind…“
„Worauf warten wir dann noch?!“, vorsichtig stand der Lt. auf, zog Conner vorsichtig mit sich in die Höhe, ein Wimmern drang über dessen Lippe, die LED flackerte schnell hintereinander auf.
„Hey Connor du darfst dich nicht abschalten, hörst du? Du musst wach bleiben. Ich bring dich hier weg, alles kommt in Ordnung, schalte dich einfach nicht ab.“, etwas umständlich legte er sich den Mann über die Schulter bevor er sich zügig mit ihm zurück zum Auto aufmachte.
„Der hat aber noch ganz schön Power…“, gab North anerkennend zu, als sie ihm mit den anderen Beiden folgte.
„Blondi? Du fährst!“

Leicht überrascht fing der Android den Autoschlüssel auf.

„Wir sollten ihn auf die Rückbank legen, durchs Sitzen würde das Thirium die Oberen Komponenten nicht mehr erreichen.“, hastig öffnete Markus die eine Autotür und half Hank, Connor auf den Rücksitz zu verfrachten.
„Das wird jetzt ein bisschen kuschelig…“, grummelte der Ältere, als er sich nach hinten setzte und seinen ehemaligen Partner vorsichtig mit dem Oberkörper auf seinem Schoß bettete.
„Passt schon.“, prompt quetschte sich North zu Markus auf den Beifahrersitz, „Simon fahr los wir haben keine Zeit!“

Dies ließ sich der ehemalige Haushalstandroid nicht zwei Mal sagen, etwas ruckelig ließ er den Wagen anfahren.

„Ein bisschen ungewohnt aber sollte gehen. Josh erwartet uns bereit.“

Schmerzhaft verzog sich abermals Connors Gesicht.

„Ha….nk?“
„Alles gut.“, aus einem Impuls heraus drückte er seine Hand.
„Das wird wieder.“, zittrig hielt die eiskalte Hand seine fest, „Ich pass jetzt auf dich auf Junge…“
„Cyber…Life…Ma…kus…sie…“
„Ich bin hier Connor.“, Sorge zeichneten sich auf den Zügen des dunkelhaarigen Androiden ab, als er vom Beifahrersitz nach hinten schaute.

Der Zustand seines Freundes war mehr als nur kritisch, die Klinik offiziell noch nicht bereit Androiden zu rep…behandeln. Er konnte nur hoffen das die bereits vorhandenen Androidenärzte etwas ausrichten konnten.

„RK…900…“
„Es gibt ein Nachfolgermodell von dir?“

Connors Mund öffnete sich um etwas zu erwidern, doch statt Wörtern schoss ein Blutschwall hervor.

„Jesus! Connor!“, hastig zog Hank ihn leicht in die Höhe, blaues Blut lief über das Kinn hinab auf seine Brust, sein Kopf sackte reglos nach vorne, das rote Flackern der LED erlosch zu einem schwachen kaum noch zu erkennenden glimmen.
„Blondi jetzt gib doch mal Gas!“
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