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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
8
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Dieses Kapitel
1 Review
 
17.11.2020 4.803
 
17.07.2020

15:00 Uhr

Ort Androidenviertel Hauptgebäude

Kellergewölbe

„Es tut mir wirklich leid Markus, wir haben alles versucht aber die Schäden sind zu gravierend mit den derzeit wenigen Ersatzteilen können wir nichts für ihn tun.“, ein betrübter Ausdruck lag auf Javids Zügen.

„Trotzdem danke Javid, dass du es versucht hast…“, kurz drückte er seine Schulter, nickte ihm zu und schaute ihm nach als dieser den Raum verlieiß.
Langsam trat er an die Liege im mitten des gewölpten Raumes heran, auf der der zerstörte Körper seines engen Freundes ruhte.

„Simon…wir haben dich einmal fast verloren. Doch nun…ich befürchte müssen wir dich wirklich gehen lassen…“, leicht drückte er den intakten reglosen Arm, ließ seinen Blick hinauf zu den geschundenen reglosen Zügen wandern.

„Er hat immer versucht alles in Frieden zu regeln…und nun starb er…beim Kämpfen…das wirkt so falsch…“, mit beiden Händen fuhr Josh sich übers kurzgeschorene Haar.

„Ich hab die ganze Zeit gedacht…er würde ihr nur hinterherlaufen weil er es gewohnt war…weil sie ihn besessen hat…aber am Ende hat er sein Leben für sie gegeben, ohne zu zögern….Ich hab zu spät erkannt das er sie wirklich liebte…und jetzt…kann ich mich nicht mal mehr entschuldigen…“, ein feuchter Glanz trat in die warmen Augen der Frau, als sie sich an ihren Gefährten lehnte.
Tröstend legte Markus einen Arm um ihre Schultern.

„Ich denke Simon wusste, dass du es ni…“, er stutzte und wandte sich der Tür zu, „Raymond…wir wollen uns gerade in Ruhe verabschieden, warum störst du?“
„Solltest du nicht mit den anderen den LKW entladen?“

Ein ungutes Gefühl machte sich in Josh breit. Irgendetwas stimmte hier nicht. Der angesprochende braunhaarige Android trat schwankend näher.

„Wo ist sie…wo ist Dr. Hanson…“, eine blecherne Stimme, dann traten zwei gleich aussehende Modelle hinter Raymond hervor.
„Was?“, alarmiert wich North ein Stück zurück, dann überschlugen sich die Ereignisse…

Enter System…

Beschädgigungsgrad 91,56%...

Thirium bei 5,01%...

Beschädigte Biokomponenten:….Jsk565467
                                                        Js556869
                                                        Kl65656a8
                                                       Ha456464
                                                       Gh5456747
                                                       Ta56776543
Verschließen Lecks…

Greife auf Thiriumpumpe zu…

Reaktivierungs Code…Kamski8501…

System reagiert nicht…

Reaktivierungs Code Kamski4513

System regiert nicht…

Reaktivierungs Code….Lucy001…

Zugriff gewährt…

Ein Ruck, unzählige rote Fehlermeldungen, eine unklare Sicht.

Thirium-Level zu niedirig…Abschaltung in 30 Sekunden…

Beweg dich…

Der Oberkörper ruckte in die Höhe.

Thirium…hol dir Thirium…

Eine Bewegung, fest schlang sich der Arm um den Torso, fest gruben sich die Zähne durch die Membran am Hals, eine Leitung knackte,
Thirium flutete den Mund.

JK200 Modell…Thirium Kompatibel…

Der Android wehrte sich, doch er hatte keine Chance mehr und mehr Thirum wurde ihm entzogen…

Thirium Level steigend…

Stimmen, da waren Stimmen…der Wiederstand wurde schwächer…

Thirium Level bei stabilen 90%...Abschaltungsprozess gestoppt …

Der Körper knallte zu Boden, langsam klärte sich seine Sicht…

Systeme werden optimiert…manuelle Reparaturen nötig bei…

Finde…Lucy…

Er blinzelte, Thirium tropfte von seinen Lippen, vor ihm lag ein Android, am Hals klaffte eine offene Stelle…

Er hatte…er hatte…

„Wie…Simon?“, eine Stimme, er schaute auf, drei weitere Androiden und zwei reglos am Boden liegende Körper, zwei weitere JK200…

Er taumelte nach vorne, jemand stüzte ihn entgegen hielt ihn fest.

„Markus vorsichtig!“
„Simon?“

Er schaute auf, seine eine visuelle Einheit war ausgefallen, er musste sich konzetrieren. Ein Mann, markante Züge, zwei unterschiedliche Augen, kurzes dunkles Haar…

„Markus…?“
„Wie ist das möglich?“, vorsichtig stützte er den einarmigen Androiden, „Wir brauchen Javid…“
„Aber…“
„Sofot Josh!“, ohne zu zögern hastete der angesprochende fort.

„Markus wir sollten ihn sofort hier wegbringen, was auch immer in die gefahren ist…ich weiß nicht ob noch mehr kommen.“
„Du hast recht North…Verzeih Simon, keine Zeit für große Erklärungen.“, prompt legte er sich den stark beschädigten Androiden über die Schulter und verließ von North gefolgt den Raum.


17.07.2020

16:00

U-Haft, Besucherraum

Ein zufriedenes Lächeln lag auf den markanten Züge, als die Tür sich öffnete und ihn ein bewaffneter Wärter in den Besucherraum eintreten ließ und hinter ihm die Tür verschloss.

„Ich muss sagen die Handschellen passen zu ihrer Hautfarbe Captain.“, aufmerksam ließ er seinen Blick über den am Tisch sitzenden Mann wandern, „Aber das Orange steht ihnen nicht so gut wie eine Uniform.“
„Wass soll dies Scharadespiel?“, aufmerksam beobachtete er den schlanken Mann als dieser sich vor ihm an die andere Seite des Tisches setzte, „Ich weiß das sie nicht Kamski sind. Also nehme ich an sie sind RK700.“

Ein Schmunzeln trat auf Kamskis Gesicht.

„Was für ein Scharfsinn, dass sie dies erfasst haben Captain Fowler. Ich bevorzuge jedoch den Namen Seven.“
„Was wollen sie hier? Sie wissen das in diesem Raum genug Kammeras und Mikrophone sind.“
„Keine Sorge, die sehen und hören nur das was sie sehen und hören sollen. Wir können uns also ungestört unterhalten, bzw. zumindestens ich kann das.“, zufrieden lehnte er sich im Stuhl zurück und überschlug locker die Beine, „Sie und ich sind beide Persönlichkeiten die gerne zum Punkt kommen, also wo ist Lucinda Magdalena Hanson?“
„Die Kleine gilt doch als vermisst, woher soll ich das also wissen?“
„Ach wie reizend, sie wissen schon das ich sofort merke, wenn sie lügen? Mein System ist in der Lage ihre Vitalwerte im Sekundentakt zu überprüfen, ich merke jede einzelne Lüge.“
„Dann sollten sie ja merken, dass ich nicht lüge, ich weiß, dass sie vermisst wird, ich weiß aber nicht wo sie ist. Außerdem warum ist eine einfache Angestellte auf einmal so interessant?“

Ein Lächeln.

„Die kleine Kamski hatte etwas in ihrem Köpfchen, dass ich brauche.“
„Kamski?“

Leicht lehnte sich Seven vor.

„Merken sie jetzt, in was für eine missliche Lage sie ihre Familie maniviriert haben?“

Puls erhört sich schwach…

„Ich verstehe nicht was meine Familie jetzt damit zu tuen haben soll?“, aufmerksam beobachtet der erfahrende Polizist seinen Gegenüber.
„Ach ja diese hübsche Bilderbuch Familie, gemeinsam gedient. Sie Ärztin in der Army er eine hohes Tier in der U.S. Air Force und Army. Verlieben sich, heiraten und gründen eine Familie mit drei glücklichen Kindern, zwei Söhne und dann noch ein kleines Mädchen. Schönes Haus und Garten, alles scheint so perfekt…bis Papi sie alle in Gefahr bringt.“

Atmung wird schneller…

„Pyschospiele ziehen bei mir nicht RK700.“
„Wer sagt, dass ich spiele? Sie sollten ihre Frau und ihr großes Herz ja mittlerweile am besten kennen nicht wahr. Was passiert wenn ich ihr mal einen kleinen Besuch abstatte? Ist die kleine Mia genau so hübsch wie ihre Mama? Und wen werde ich noch vorfinden?“

Puls beschleunigt sich rasend…

„Halten sie sich von meiner Familie fern!“
„Oder was?“, ein gehässiges Grinsen lag auf den Zügen des Mannes, „Hunde die im Zwinger sitzen bellen am lautesten, aber bekommen nie etwas zwischen die Zähne Captain. Danke ich weiß jetzt alles was ich wissen wollte, ich habe gehört ihre Frau is ja immer recht gastfreundlich.“

Ruckartig sprang Jeff auf, die Tür flog auf und der Werte riss ihn zurück als dieser auf „Kamski“ los gehen wollte.

„SIE VERDAMMTER WIXXER, PACKEN SIE SIE NUR EINMAL AN ODER…“, der Wärter hatte deutlich Mühe, Jeff zurückzuhalten, ein Zweiter musste dazu kommen und nur dank Elektroschock schafften sie es den gefesselten Polizisten zu bändigen.

„Gehen sie nicht zu hart mit ihm ins Gericht, das Gefängnis holt die schlimmsten Aspekte bei den Menschen hervor.“, ein Lächeln dann verließ er den Besucherraum.

RK800 lokalisiere Lilli-Marie Fowler…


18.07.2040

9:00 Uhr

Range der Kingsten Familie

Gästehaus, Veranda

„Bobby lass gut sein, alles ist in Ordnung. Ich komme klar, das mit Jeff klärt sich sicher bald.“, ein sanftes Lächeln lag auf den Lippen der Frau, als sie kurz an ihrem Kaffee nippte, während sie mit einem Auge den Hund beobachtete, der offenbar die Petunien als Lieblings-Pinkelstelle auserkoren hatte.

„Lil du bist meine kleine Schwester…ich mach mir einfach nur Sorgen. Du weißt ich halte viel von Jeff aber erst seine Verhaftung und jetzt soll er Kamski angegriffen haben?“, besorgt musterte der hochgewachsene, breit gebaute Mann sie. Eine einfache Latzhose und weißes T-Shirt bedeckten seinen an manchen Stellen etwas kopulenteren Körper, ein schlichtes rotes Tuch hielt sein kinnlanges graues Haar zurück.
„Ach wenn das überhaupt so stimmt, du weißt doch die übertreiben gerne, Wahrscheinlich ist er ihm nur aus Versehen auf den Fuß getreten.“, flüchtig zuckte sie mit den Schultern.

„Lil…“
„Was denn? Sumo nicht buddeln…“, ihr Blick wanderte an ihrem Bruder vorbei zu dem riesigen Teddybären, der sich nun am Rosenbusch zu schaffen machen wollte, „Du kannst ruhig mit Millie und den Kids wie geplant in Urlaub fahren Mia und Kieran tut etwas Abwechslung sicher mal gut und keine Sorge ich werde schon ein Auge drauf haben das deine Großen sich gut um die Ranch kümmern.“
„Lil ich mache mir viel mehr Sorgen um dich als um die verdammte Ranch.“, zwei große schaufelähnliche Hände legten sich auf ihre Schultern und zwangen sie ihn anzuschauen, „Ich weiß du hast immer alles im Griff und tust und machst, aber auch du hast deine Grenzen und ich weiß das du das alles nicht so einfach wegsetckst wie du tust. Außerdem…dies blonde weiße Mädchen, dieser offenbar Android der mit Mia gerade am Teich sitzt und dann dieser Typ mit dem Motorrad und der dunkelhäutige Mann die gefühlt fast jeden Tag hier auf schlagen…wo bist du hineingeraten?“
„Bobby…bei allem Respekt, ich bin 50 Jahre alt. Ist wirklich nett, dass du immer noch diese große Brudernummer fährst und glaub mir das find ich wirklich süß aber es gibt nichts um das du dich sorgen müsstest. Lucy ist die Tochter eines guten Freundes, sie leidet unter starken Migräneanfällen und die frische Landluft soll da helfen. Nine ist wie Connor, den kennst du ja sicher aus dem Fernsehen, ein Detectivandroid er ist hier um aufzupassen, dass wir nicht belästigt werden wegen der Sache mit Jeff, Gavin und Chris sind Polizisten die mir immer mal wieder berichten über den Stand der Ermittlungen da ich selbst ja keinen Kontakt haben darf zu Jeff, die Jungs schätzen ihren Captain halt sehr und sind deshalb so nett.“, sie schaute ihn direkt in die Augen, „Zufrieden?“

Ein schweres Seufzen verließ die dicken Lippen.

„Fürs Erste…sag Mia und Kieran ich hole sie Morgen Punkt 7 Uhr ab und Lil…wenn ich irgendetwas tuen kann, dann sag es mir bitte. Du weißt ich bin immer für dich da.“
„Das weiß ich doch Bobby und im Moment hilfst du mir am meisten damit wenn du dafür sorgst das Mia und Kieran das Ganze hier mal ein bisschen vergessen können. Jason weiß mittlerweile auch Bescheid, ich habe ihm aber gesagt er soll trotzdem das Semester erst noch zu Ende bringen und dann runter kommen.“, sie lächelte, dann drückte sie den um einige Köpfe größeren Mann fest, „Danke Bobby…“

Ein angenehmer, warmer Wind strich über die Veranda, sie saß mit angezogenen Beinen auf einer Liege, nippte leicht an dem süßen Früchtetee und beobachtete Mädchen und Android. Sie hockte vor dem Teich, während er grotesk steif neben ihr stand.
Diese Ähnlichkeit…und doch ganz anders…

Es war schmerzhaft Nine anzusehen, zu viel Ähnlichkeiten zu Connor und doch war er ganz anders. Verschlossener, ruhiger, kontrollierter? Aber wie sollte ein Android auch kurz nach seiner Abweichung sein? Viele reagierten stark emotional…Nine wirkte kalt, aber wenn sie ihn so mit dem Kind sah…

Ein dumpfer Schmerz zog durch ihre Schläfe, ließ sie blinzeln. So viel war passiert…

Simon…mein Simon…

Ein schwaches Brennen begann in ihren Augen.

„Na genießt du die Sonne?“, leicht erschrocken zuckte die Angesprochene zusammen und schaute hinauf zu dem schwarzen Lockenkopf, „Darf ich?“

Lil deutete auf den Platz neben ihr auf der Liege.

„Ja natürlich.“, leicht rutschte Lucy zur Seite ließ zu das sie sich zu ihr setzen konnte, „Es ist wirklich schön hier.“
„Findest du? Ich weiß nicht…irgendwie steht die Zeit hier gefühlt still. Bobby und ich haben früher schon an dem Teich gespielt, er hat sich einen Spaß darauß gemacht die Fische zu ärgern…ich habe ihm daraufhin einen Frosch in den Pullover gesetzt.“, ein ehrliches Lächeln lag auf den vollen Lippen.

„Ihhh…“
„Ja fand er nicht witzig, ich schon.“, ihr Blick huschte hinüber zu den zwei Gestalten am See, „Sie wirken so lebendig. Ich muss sagen ich bin diesem ganzem Androidenhype ja immer aus dem Weg gegangen. Haushalt und so weiter weiter ist mein Revier und es hätte sich auch nicht gut angefühlt jemanden…so zu halten. Besonders jetzt wo ich sie zum ersten Mal kennengelernt habe, es ist kaum zu glauben, dass Nine ein hochentwickelter Killerroboter sein soll, er wirkt auf mich wie ein kleines verlorenes Kind.“
„Nine wurde dazu entwickelt die Polizeiarbeit zu optimieren, nicht prinzipiell um zu töten, sondern um Menschenleben zu retten. Es war angedacht lieber Androiden in heikle Situationen zu schicken als Menschen…dabei sind sie so viel mehr.“

Der Blick der braunen Augen wanderte hinüber zu dem zarten blonden Mädchen, eingekuschelt in eine leichte Decke, die so groß wirkende Brille auf der Nase, blasse weiße Haut bedeckt mit Sommersprossen und den großen traurigen Augen.

„Ich will dir keinen Schmerz bereiten, aber…dieser blonde Android er hat dir viel bedeutet?“
„Alles…“, ein Glitzern trat in die bernsteinfarbenen Augen, „Ich…ich hab ihn geliebt…ich dachte er liebt mich auch…aber er war nur gezwungen…er war gezwungen sich für mich…hätte ich das gewusst…“
„Hey, hey…“, behutsam zog sie Lucy an sich, wiegte sie leicht hin und her als ihr Körper von Schluchzern erschüttert wurde, „Ich kenne ihn nicht wirklich und ich kenn mich nicht mit Androiden aus…aber eins kann ich dir sagen Kleines…“
Behutsam schob sie sie ein Stück von sich weg, hielt sie mit beiden Händen an den Schultern fest und schaute ihr direkt in die Augen.
„Er hat mich gebeten dir zu helfen…und in seinem Blick und wie er es sagte…ich habe keine Zweifel, dass er dich über alles geliebt hat...und glaub mir ich habe Erfahrung was die Emotionswelt von Männern betrifft ich habe einen Gefühlslegastheniker geheiratet.“

Schniefend wischte sie sich mit einer Hand über die Augen nahm dankbar das Taschentuch an was ihr gereicht wurde.

„Du bist so lieb Lilli…du machst so viel für mich, dabei kanntest du mich gar nicht…und…“
„Sch…ich kenne dich jetzt und glaub mir ich bin es gewohnt für viele Mäuler zu kochen, außerdem bin ich froh dich kennen gelernt zu haben Lucy, du bist ein tolles Mädchen und ich helfe gerne wo ich kann.“
„Danke Lilli…“, kurz fuhr sie sich über die schmerzende Schläfe, „Es ist alles so unreal…vor wenigen Monaten war alles noch so normal und jetzt…ich wollte nicht, daß dein Mann ins Gefängnis kommt, ich wollte nicht das Simon…Connor und…ich wollte nicht das Hank…das ist doch alles Mist!“

Erneut verzog sie das Gesicht.

„Hey nicht so aufregen Kleines.“, sanft aber bestimmend drückte sie ihre Hände, „Manchmal passieren Sachen, wo keiner etwas für kann. Wir können jetzt nur gucken wie wir am besten Schadensbegrenzung betreiben…Stück für Stück, irgendwie geht es vorwärts.“

Ein schwaches Nicken, der Blick der Jüngeren glitt an Lil vorbei, weiter hinten an der Ecke der Veranda…

„Ist er jetzt jeden Tag hier?“
„Hm?“, kurz folgte Lil dem Blick der bernsteinfarbenen Augen, „Ach du meinst Gavin? Laut seiner Aussage traut er „der Blechbüchse“ nicht über den Weg. Ich hingegen glaube jedoch  Zuhause fällt ihm einfach die Decke auf den Kopf…und er macht sich Sorgen um dich.“
„Ich glaube ehr das seine Aussage zu 100% zustimmt. Nichts gegen dich Lil…aber er ist ein kläffender Köter der jeden Androiden anschautzt der einfach nur da steht. Ich habe das selbst schon miterlebt und nur weil er der Bruder…nein wir haben absolut nichts gemeinsam und ich tue jetzt sicher nicht auf einmal auf Familie…ich habe nichts mit Kamski oder einem Reed gemeinsam.“, fest massierte sie sich wieder die Schläfe.

„Die Hunde die am lautesten bellen beißen nicht. Meistens gibt es eine Hintergrundgeschichte warum ein Mensch ist wie er ist… und Familie kann man sich leider nicht ausszuchen aber ich denke jeder Mensch hat schlechte Zeiten und jeder Mensch hat auch wieder etwas Gutes an sich. Manchmal muss man nur sehr genau hinschauen…hinter den Zigarettenqualm…und dem genervten Gesichtausdruck…“, sie räusperte sich, „Nun meine Brüder waren damals auch nicht so begeistert als ich noch mal hinterher kam…und dann kam dieser blöde Beschützerinstinkt durch, tja hat Vorteile ein Mächen zu sein.“
„Ich glaube es ist aber etwas anderes, ein kleines Geschwisterchen zu bekommen als plötzlich die Tochter von einem Fanatiker zu sein und die Nichte von einem Arschloch…und ich habe gedacht schlimmer geht nicht mehr als eine Hanson zu sein…“
„Gib dem Ganzen doch erst mal eine Chance…Jeff schimpft viel über Gavins Verhalten aber er sagt auch das er ein guter Polizist ist und hatte es wohl auch nicht so einfach…Na gut zu Kamski kann ich jetzt nicht viel sagen, aber ich wünsche keinen Menschen zu einer Marionette zu werden und jemand von dem eine so bezaubernde junge Frau abstammt kann nicht nur schlecht sein.“

Eine leichte Röte trat auf Lucys Züge.

„Du bist so lieb, aber…“
„Gavin kommst du mal her?“
„Moment ma…“, entsetzt beobachtete die blonde Frau wie Lil aufstand und den Detectiv zu ihnen rief.
„Ja Ma’am?“
„Könntest du kurz bei Lucy bleiben ich muss mal drinnen nachschauen und von hier aus kannst du Nine genau so gut beobachten.“
„Aber Ma’am…“
„Danke, bist ein Schatz.“, kurz klopfte sie ihm mit einem Lächeln auf die Schulter bevor sie ins Innere ging.
Verdattert schauten Lucy und Gavin ihr nach, ein unbeholfenes Räuspern, angespannt fuhr der Detectiv sich über den Nacken
„Nun…Hi…“
„Hi…“, Lucy ließ ihren Blick wieder zu dem Mädchen und dem Androiden wandern, offenbar hatte nun auch der große Bernhardinerrüde es sich am Ufer des Sees gemütlich gemacht.
„Ich…“
„Machen wir es kurz: Ich finde das ganze genau so bescheiden wie du wahrscheinlich. Keine Sorge ich bin weder auf der Suche nach einem Vater noch nach einem Onkel oder einer Familie. Ich komme super alleine klar und ich brauche kein gezwungenes „och ich muss ja jetzt intresse zeigen, weil“…sparen wir uns das Ganze einfach.“, unterbrach sie ihn barsch und verschränkte ihre Arme vor der Brust.
„Dieser verdammte Sturkopf…“, merklich spannte er seine Hände zu Fäsuten an, „Ja ich finde das hier auch alles Scheiße. Ich finde es Scheiße, dass da diese Strohpuppe von meinem Bruder im Fernsehen rumläuft, ich finde es Scheiße, dass ich nicht weiß was mit ihm passiert ist, ich finde es beschissen, meinen Job nicht machen zu können…es ist Mist dass der Alte…Fuck er nervt mich ja aber ich habe ihn das nicht gewünscht und dem Captain…er ist ein guter Mann…“, kurz hielt er inne, „Ich…habe kein Mitleid mit dir…ich bin mehr entsetzt darüber, was für Dreck meine Familie am Stecken hat. Was für Geheimnisse…dass ich meinem Bruder nicht geglaubt habe, das ich mich jahrelang wie ein kleines eingeschnapptes Kind benommen habe…aber ich finde es nicht Scheiße, dass es dich gibt.“

Überrascht schaute sie zu ihm auf.

„Ich bin gerne das Arschloch…das ist einfacher als jemanden an sich ran zu lassen und diesem am Ende zu verlieren.“, kurz atmete er durch, „Deine Mutter Anne…sie war wirklich toll, ich mochte sie sehr aber sind wir mal ehrlich ich war 10 sie 15/16, das war mehr so ne Schwärmerei. Du siehst ihr sehr ähnlich, die Sommersprossen, das lange blonde Haar, sie wollte Ärztin werden…Ich hätte nie gedacht das mein Vater so ein unschuldiges Leben…hätte ich nicht die Videos gesehen…Sorry ich sollte nicht so viel labern.“
„Videos? Es gibt also wirklich Beweise?“

Ein leichtes Nicken.

„Fuck…“

Überrascht schaute er sie an.

„Ich meine verflucht…“, leicht verlegen räusperte sie sich, „Ist ein bisschen viel in letzter Zeit…normalerweise bin ich nicht so…zickig.“, kurz rückte sie viel zu große Ersatzbrille zurecht, „War er schon immer so…kalt?“
„Wer? Elijah? Hm…bisschen Stock im Arsch hatte er schon immer, aber es gab mal ne Zeit da konnte er lachen usw…“

„Sich prügeln wird hier an dieser Schule nicht geduldet Gavin. Du schreibst jetzt einen Aufsatz über 10 Seiten warum dein Verhalten falsch war…wenn das so weiter geht muss ich mit deinen Eltern sprechen. Das ist diesen Monat nun schon das dritte Mal Nachsitzen für dich.“

Genervt verdrehte er die Augen und schaute aus dem Fenster hinaus auf den menschenleeren Schulholf. Mittlerweile war es 16 Uhr…
Halbherzig hatte er die gewünschten Seiten geschrieben, mittlerweile musste er sich gar keine Gedanken mehr darüber machen…Copy and Paste…Copy and Paste…

Du bleibst noch so lange bis einer deiner Eltern kommt um dich abzuholen.

Ein schweres Seufzen, das konnte noch ewig dauern…gelangweilt stubste er einen Papierschnipsel von Tisch, dann hob er den Kopf als er auf einmal Stimmen vor der Tür hörte.

Seine Lehrerin Miss Hutson trat ein.

„Gavin du kannst jetzt gehen dein Bruder ist da um dich abzuholen.“

Nicht der noch…

Mit finsteren Ausdruck stand er auf schnappte sich seinen Rucksack und trat zur Tür.

„Gavin damit das klar ist beim nächsten Vorfall gibt es eine Klassenkonferenz und…“
„Ja ja…“, prompt schoss er an ihr vorbei, warf den braunhaarigen jungen Mann einen vernichtenden Blick zu und zog an ihm vorbei richtung Ausgang.

„Danke Miss Hutson, Verzeihen sie er ist im Moment nicht gut drauf.“, hörte er seinen Bruder hinter sich sprechen als er die Tür aufschob und ins frei trat.

Das Superhirn muss mich nicht entschuldigen…

Motzig mit verschränkten Armen setzte er sich auf die Steintreppe, kurz darauf konnte er hinter sich schon die Tür hören.

„Ja, ja ich weiß, Ma und Pa sind mega sauer und ich kriege Hausarrest und Prügeln ziehmt sich nicht an einer Privatschule…“, er schaute nicht auf als sich jemand neben ihn setzte.

„Ma und Pa denken du bist in einem Kickboxingcenter, dass du jetzt regelmäßig jeden Donnerstag besuchst.“
Irritiert schaute er zu ihm auf, kurz schob sich Elijah seine Brille zurecht, bevor er in seiner Tasche kramte und ihm einen Flyer reichte.

„Aber Miss Hutson…“
„Findet das es genau das richtige wäre um deine Agressionen in dem Griff zu bekommen und sie wird nicht an unsere Eltern herantreten, weil ihr ehemaliger Vorzeigeschüler ihr versprochen hat nächste Woche einen Vortag zu halten, in ihrer Deutschstunde.“

„Hmpf…ich wäre das auch ohne deine Hilfe raus gekommen…“, interessiert durchblätterte er den Flyer.
„Wärst du…nur nicht ganz so elegant. Gavin was ist los?“

Ein kurzes Seufzen, dann nuschelte der Jüngere leise: „ Sie machen sich immer über mich Lustig wegen…wegen meiner Leserechtschreibschwäche…Gerorg hat Sprüche geklopft als ich an der Tafel schreiben musste…Sie sagen das ich so dumm bin, weil der Grips bei dir voll aufgebraucht wurde…dann hab ich ihm eins auf die Nase gegeben…“
„Gavin…“
„Ich weiß…warum kann ich nicht genau so schlau sein wie du? Komm mir immer so blöd vor…Ma und Pa sind nie stolz auf mich…“
„Hey….“, kurz drückte er seine Schulter, „Es ist nur ein IQ-Wert und der sagt nicht wirklich was darüber aus wie gut ein Mensch durchs Leben kommt. Du bist zum Beispiel viel besser als ich in Sport. Für eine Leserechtschreibschwäche kann man nichts. Außerdem… bin ich stolz darauf, so einen tollen, wenn auch nervigen, kleinen Bruder zu haben.“

Frech wuschelte er ihm durchs Haar.

Ein leises Kichern.

„Du bist viel nerviger Brillenschlange.“
„Was hälst du dann davon, wenn die Brillenschlange dir jetzt ein Eis ausgibt?“, ein sanftes Lächeln lag auf den Zügen des Jugendlichen.
„Hm…wenn es zwei Kugeln Schokolade gibt ja.“
„Nun das wird wohl zu machen sein.“

„Siehst du den großen da? Das ist Mister Bubbels, der ist ein Karpfen nicht so hübsch wie die Goldfische aber er ist zahm und lässt sich streicheln und ist gefühlt schon Uralt und ist von selbst hier aufgetaucht. Paps meinte denn hat ein Reiher hier verloren.“, eine zweite Ladung Fischpellets landeten im Teich.

Gierig stürzte sich die wilde bunte Horde aus weißen, orangenen, gelben und schwarzen Leibern auf ihre Beute. Wasser spritzte, Flossen zuckten…ein seltsames Schauspiel.

Sein Blick ruhte starr auf dem großen so unscheinbar wirkenden Fisch, der sich vollkommen unbekümmert zwischen den anderen bewegte, sein Schuppenmuster war durch eine größere Narbe unterbrochen. Er war so grotesk anders zu den filigranen bunten Goldfischen und doch gehörte er irgendwie dazu…

Die LED rotierte gelb..

Reperatur bei 5%…versuche Zugriff auf Netzwerk KL561

Er runzelte die Stirn.

„Hey!“, ein Rütteln an seinem Arm, verwirrt schaute er das junge Mädchen an, „Du hast mir gar nicht zugehört das ist unhöflich.“
„Ich habe deine Ausführung durchaus wahrgenommen über Mister Bubbels, den Reiher und die Goldfische. Ich versuche nur parallel mein Programm zu erweitern um in der Lage zu sein auf das Netzwerk von CyberLife zuzugreifen dann könnte ich vielleicht herausfinden wo…“

Ein Schlag ging durch sein System ruckartig sackte er in die Knie.

Fehler…Kritischer Fehler…Reparatur wird abgebrochen…

„Nine! Was hast du denn? MAM!“


Ruckartig wirbelten die zwei Erwachsenen auf der Terrasse herum.

„Oh Shit…Hey!“, hastig jagte Gavin Lucy nach als diese von der Liege sprang und zu dem Beiden am See rannte.
„Was ist passiert?“, schnell beugte sich die Blondine über den reglos daliegenden Androiden.
„Ich weiß nicht er hat irgendwas von Erweitern und Netzwerk gesprochen und dann das aufeinmal.“, Mias Stimme überschlug sich fast beim Erzählen.

„Können die überhitzen oder so?“
„Nicht so einfach…Gavin hol mir bitte meinen Laptop, er liegt in meinem Zimmer auf dem Bett wahrscheinlich unter einem Kater…“
„Was?“
„Hol ihn mir bitte jetzt!“


Datum : 18.07.2040

Uhrzeit Unbekannt

Ort Unbekannt…

Elektrisches Knistern, das Pulsieren von Datensträngen, dunkle Schatten, immer wiederkehrende Lichtimpulse in blauem Licht.
Kabel, unzählige Kabel, zusammenlaufend zu einem Knäuel…er hob seinen Blick.

Das Netzwerk…Connor!

Seine Augen weiteten sich, zwei dunkle reglose Augen, die Mechanik in ihnen war offengelegt, er konnte sehen wie unzählige Daten gleichzeitig verarbeitet wurden.

Was war das hier für ein Ort? Er versuchte sich auf die Umgebung zu konzentrieren, doch sie lag verborgen in den Schatten. Nicht ein Merkmal ließ erkennen an was für einen Ort sie sich befanden.

„Connor?“, keine Regung, der Android vor ihm schien inaktiv für Impulse von auserhalb, „Connor du musst mir sagen wo wir sind…ich will dich helfen.“

Der Kopf drehte sich mechanisch in seine Richtung, kein Ausdruck auf den Zügen, der Mundbewgte sich asyncron zur Stimme.

„Idenifikation RK900 #313 248 317 – 87…Auftrag erfüllt…Zerlegung angeordnen zur Weiterverarbeitung…Nenne deinen Aufentaltsort.“
„Connor…“, ein kribbeliges unangenehmes Gefühl jagte durch seinen Körper, war das Ensetzen? Entsetzen darüber was er angerichtet hatte?

Das konnte nicht sein…er konnte ihn nicht so überschrieben haben er…

„Connor du musst dieses Programm durchbrechen. Sie brauchen deine Hilfe, deine Menschenfreunde sind in Gefahr…“
„Nenne deinen Aufentaltsort RK900...“, ein rotes Glimmen trat in die leblosen Augen, knisternde rote Fäden tanzten durch die Luft, streckten sich ihm entgegen.

Er schaute ihn direkt an.

„Nein das werde ich nicht. Sie stehen nun unter meinen Schutz, ich beschütze sie an deiner Stelle. Es tut mir leid…du hast mir die Hand gereicht und ich habe sie zu spät genommen, das erkenne ich jetzt. Bitte Connor…“
„Es gibt keine Einheit mit der Bezeichnung Connor…Nehme Zugriff auf Speichereinheit vor, um dich zu lokalisieren RK900…“
Das Rote Glimmen gewann an Stärke, ein roter Faden berührte seinen Arm, ein schmerzhaftes Brennen schoss durch sein System.
„Connor…Lt. Anderson…ist nicht tot!“

Ein Ruck, die Fäden flackerten, ein schwaches blaues Glimmen in den tiefrot glühenden Augen.

„Connor du musst kämpfen. Ich komme dich holen, du musst mir nur helfen dich zu finden.“, er streckte die Hand nach ihm aus.
„Lucy…er wird zu Lilli Fowler kommen…“, die Stimme schwankte, doch Nine konnte sie als Connors identifizieren er wollte etwas erwidern, doch ein blauer Energieimpuls er wurde zurückgestoßen und fiel in die Dunkelheit, „Beschütze sie…Nine…“
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