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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
9
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Dieses Kapitel
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26.09.2020 3.840
 
19.01.2040

21:30:00 Uhr (Vor Geschehnissen in CyberLife)

Androidenviertel

Platz vor dem Hauptgebäude…

Lange, seit gefühlten Stunden, ging die offene Diskussion über Fortschritt, Rückschritt und aktuellen Geschehnissen.
Markus stand auf einem kleinen Podest vor dem Eingang des Gebäudes, stand der versammelten Menge an Androiden Rede und Antwort.

Er stand hinter ihm, etwas entfernt von Josh und North, lauschte halb abwesend der teilweise hitzigen Diskussion.
Große Besorgnis herrschte in ihren Reihen, immer mehr Fälle in denen Androiden verschwanden, Gerüchte von Experimenten der Menschen an ihnen und Hintergehungen der Abmachungen machten die Runde. Noch zu viele von ihnen standen den Menschen misstrauisch gegenüber, die aktuellen Geschehnisse waren also nur Futter für die Glut die sich langsam wieder in ein schwellendes Feuer entwickelte.

Nachdenklich ließ er seinen Blick über die vorderen Reihen wandern, so viele besorgte, traurige Gesichter…sein Blick blieb an einem dunkelhaarigen Androiden hängen.

„Simon?“, sein Blick wandte sich nicht ab als Josh ihn ansprach, „Du warst jetzt ein paar Tage weg und ich…wir dachte…wir könnten uns nachher mal wieder…hey hörst du mir überhaupt zu?“

Joshs Arm legte sich auf seine Schulter, ruckartig schoss er nach vorne.

„Markus Vorsicht!“

Etwas flog durch die Luft ein lauter Knall einer Explosion, Geschrei brach aus, Schüsse fielen…


20.01.2040

03:00 Uhr

115 Michigan Drive in Detroit

Stille, durchbrochen von dem leisen Schnarchen des riesigen Hundes, der es sich ausnahmsweise am Rande des Bettes bequem gemacht hatte, was dazu führte das er fast schon halb auf der anderen Matratze liegen würde, wenn er sich selbst nicht auf die Seite gedreht hätte.

Abwesend fuhr er mit einer Hand durch das dichtes Fell, es wäre so einfach, Standby und um punkt 8:00 Uhr wieder hinaus, aber irgendwie konnte er sich nicht dazu bewegen. Sein Programm speicherte immer noch die Geschehnisse des Abends ab und das seit einer Stunde.

Der Abend war…gut, wirklich gut. Zum ersten Mal hatte er so etwas wie dazugehören gespürt. Keiner hatte ihn komisch behandelt oder gemieden. Das war schön und doch irgendwie seltsam. Es war seltsam ein Mitglied der Gesellschaft zu sein, es war seltsam gewesen ohne Hank mit den anderen Polizisten zu agieren, ohne eine Einsatz zu haben.

Tina war in einer offenen Beziehung mit einer Anna, hatte aber bereits schon männliche Partner gehabt.
Chris war verheiratet mit einer Rosie und hatte einen kleinen Sohn, die Beziehung lief derzeit aber nicht so gut da beide nicht viel Zeit füreinander hatten und sein Sohn derzeit sehr launisch war.

Ben war schon seit Jahren mit Emma verheiratet und hatte zwei erwachsene Kinder. Einen Sohn in Washington der dort bei einer Bank abreitet und eine Tochter die gerade ihr erstes Kind erwartete.

Der Captains war mit einer Lilli aus irgendeinem Grund aber nur Lil genannt verheiratet und hatte zusammen drei Kinder. Vom Ältesten war Hank der Patenonkel. Er hatte nicht gewusst das einst eine so enge Freundschaft zwischen den zwei Männern geherrscht hatte.

Irgendwie war es seltsam solche Informationen zu erhalten ohne irgendeine Datenbank abzurufen. War das Smalltalk? Selbst der Captain hatte ihn normal behandelt und von seiner Familie erzählt…

Hank hatte viel gelacht…

Er konnte nicht sagen warum aber irgendwie hatte ihn das glücklich gemacht. Es hatte ihn glücklich gemacht zu sehen, dass es ihm gut ging, dass er Spaß hatte, dass er Witze machen konnte, mit anderem Sprechen konnte ohne sie anzuschnauzen…

Es ging ihm deutlich besser im Vergleich zu dem Zeitpunkt wo sie sich kennengelernt hatten.
Waren sie auch solche Freunde?

„Connor?“

Leicht überrascht blinzelte er, als hinter ihm die schlaftrunkene Stimme des Lt. erklang.

„Ja Lt.?“
„Warum zum Geier bist du noch wach?“, das Rascheln der Bedecke zu hören, „Ernsthaft? Du lässt dir von Sumo den halben Platz klauen. Ab mit dir Dicker.“

Er beugte sich über ihn und schob den Rüden mit etwas Nachdruck vom Bett, dieser schmatzte schlaftrunken und blieb einfach neben dem Bett liegen.

Ein seltsames Kribbeln jagte durch sein System als Hanks Arm kurz seinen Körper streifte als er sich zurück auf seine Matratze sinken ließ.

Was war das?

Hastig rutschte er wieder zurück auf die Matratze, weiter weg vom Menschen, immer noch auf der abgewandten Seite liegen.

Ein tiefes Gähnen.

„Das nächste Mal schieb ihn einfach runter…“
„Ja Lt.“

Stille, reglos starrte er vor sich hin zum Fenster.
Irgendwas stimmte nicht mit seinem System er sollte noch einmal sein Diagnoseprogramm laufen lassen.

„Du bist immer noch wach…“
„Woher?“, überrascht drehte er seinen Kopf leicht.
„Deine verdammte LED leuchtet immer noch blau….das sehe ich selbst wenn du drauf liegst.“, grummelte Hank mürrisch.
„Das tut mir leid…“
„Warum hast du sie überhaupt noch? Dachte Abweichler legen die gerne ab.“
„Ich…“, er dachte nach, Hank hatte recht die meisten Abweichler hatten sich ihre LED entfernt, warum er dies nicht tat? Er wusste es nicht wirklich, „Ich weiß es nicht, bis jetzt war es immer relevant meinen Status sehen zu können.“
„Hm…tut es weh das Ding zu entfernen?“
„Hank Androiden können ke…“

Ein energisches Räuspern.

„Nein Hank…es tut nicht weh.“
„Na dann.“, erneut raschelte die Decke, das Licht auf dem Nachtisch wurde angeschaltet und kurz darauf war lautes Kramen zu hören.

Skeptisch beobachtet er wie der Grauhaarige offenbar nach etwas Bestimmten zu wühlen schien.

„Ah wusste doch hier war einer.“, zufrieden hielt er etwas in die Höhe.
Analysiere Schlitzschraubenzieher…Farbe Gelb…Mittlere Größe…
„Jetzt schau nicht so skeptisch. Willst du das Ding jetzt noch ewig mit dir rumschleppen oder nicht? Bei Menschen kann man ihren Status auch nicht durch Farben sehen.“
„Was? Ich…also…“, er musste leicht schlucken, irgendwie machte die Vorstellung sich die LED zu entfernen… mit einem Schraubenzieher, nervös.

„Kann ja nicht so schwer sein, wenn es jeder Abweichler kann.“, nachdenklich schaute Hank ihn an, „Soll ich es machen?“

Ein zögerliches Nicken.

„Es ist nicht wirklich fest verankert, es kann einfach ausgehebelt werden…“
„Wenn’s weiter nichts ist. Hab früher ganze Motoren auseinandernehmen können.“, entschlossen stand der Lt. auf ging ums Bett rum stieg über den Hund und setzte sich neben ihn auf die Bettkannte.

Zögerlich richte sich der Android auf und ließ die künstliche Haut an der rechten Schläfe verschwinden.

„Ok das ist echt creepy…halt still.“, ein unangenehmes Kribbeln jagte durch sein Gesicht als Hank eine Hand unter sein Kinn legte während er mit der anderen Hand sich an der LED zu schaffen machte, „Ah da haben wir es schon.“

Eine Fehlermeldung plopte auf.

LED-Einheit wurde entfernt…manuelle Reparatur nötig…

Langsam schloss sich die Haut wieder über die weiße Membran, keine Spur von der fehlenden LED war zu sehen.

„Faszinierend.“, mit etwas Druck bewegte Hank ihn dazu sein Gesicht ihm zuzuwenden, „Man sieht wirklich gar nichts.“

Erneute Stille, ihre Gesichter waren nur ein paar cm von einander entfernt, ruckartig wandten sich die beiden Männer voneinander ab.

„Ich brauch ein Glas Wasser.“, zackig stand der Ältere auf und verließ fast fluchtartig das Schlafzimmer.

Fuck was war das denn bitte?

Mürrisch griff er nach einem Glas und schenkte sich Wasser aus dem Hahn ein, sein Herz pochte immer noch seltsam schnell gegen seine Rippen.

Der Bursche scheint dir gut zu tun…

Du achtest schon sehr auf ihn…

Was ist das eigentlich zwischen euch?

Wirklich nur Freundschaft?

Was zum Geier sollte es den sonst sein? Wut begann sich in ihm auszubreiten. All diese blöden Fragen. Er war ein verdammter Android.

Beiläufig zog er sich eine Jeans an, Schuhe, schnappte sich seine Jacke und Autoschlüssel.
Was sollte das schon sein? Sie waren Partner, er stand nicht…allein schon der Gedanke, kaum merklich knirschte er mit den Zähnen, zog die Haustür lauter als gewollt hinter sich zu und stapfte zum Wagen.

Zurück blieb ein vollkommen verwirrter Connor und ein friedlich schlafender Sumo…


20.01.2040

04:00 Uhr

Apartmentblock am Rande von Detroit

Ein kühler Wind strich um die viereckigen Gebäude, ließ das Katzennetz das den kleinen Balkon umspannte leicht schwingen.
Das rote Glimmen einer Zigarette warf schwache Schatten auf die Gestalt und Umgebung.

Müde streckte sich eine schwarzer Stubentiger auf dem bereitstehenden Kratzbaum, kletterte hinab, schlängelte sich kurz um die Beine seines Besitzers und huschte lautlos ins Innere des kleinen Apartments.

Sein Vater ein Mörder?

Kurz flackerte die Gestalt des hochgewachsenen dunkelhaarigen Mannes mit dem sauber gestutzten Schnurrbart vor ihm auf.
Nein…das hätte er doch nicht…

Er kannte das Krebs, bzw. die Schmerzmittel ließen die Leute am Ende fantasieren und Wahnvorstellungen bekommen.
Es gibt keinen Eintrag darüber das Anne ein Kind bekommen hatte…nur einen Zeitungsartikel zu dem tragischen Unfall, der Polizeibericht ließ kein Fremdeinwirken erkennen.

Nachdenklich stieß er eine Ladung Rauch in die kalte Luft, ein leises Fluchen verließ seine Lippen. Er würde also auch so verrecken…kein Grund traurig zu sein…er war alle die Jahre schon tot gewesen…und doch…

Er hasste es…er hasste es das es ihm nicht egal war, dass er ihm nach all den Jahren immer noch nicht egal war…
Ein lautes Fluchen, hastig klopfte er die glimmende Asche von seiner Hose, ein lautes Surren dann verhedderte sich etwas im Katzennest.

Mit einem zornigen Fauchen huschten zwei Schatten an ihm vorbei.

„Hey!“, mit einem lauten Krachen schlug das Ding auf dem Boden des Balkons auf, die zwei Schatten huschten panisch wieder ins Innere der Wohnung.

„Was zum Geier?“, skeptisch beugte er sich über die offenbar dreiecksförmige Drohne die sich im Netz verfangen hatte.
Kurz schaute er sich um, griff dann nach seinem Taschenmesser und schnitt das reglose Gerät schließlich aus dem Netz.
Vorsichtig trug er es ins Innere der Wohnung und verschloss die Balkontür hinter sich.

Drei Buchstaben waren auf der Hülle eingraviert: G.A.V.

„Welch witziger Zufall…“

Gefährliches Fauchen drang aus einer Ecke des Wohnzimmers.

„Ist ja gut Spenz…“, vorsichtig fuhr er über das A, ein leises Klick war zu hören und ein Fach öffnete sich, ein kleiner Datenträger rutschte heraus, „Ok…“

Kurz huschte sein Blick hinüber zu seinem Laptop, dann wieder zurück zu dem Datenstick in seiner Hand.

Gav…

Er kannte genau eine einzige Person die es je gewagt hatte ihn so zu nennen…

Mit einem leisen Fluchen stand er auf und startet seinen Laptop.

„Was für kranke Scheisse kommt jetzt?“


Eine Stunde später…

Fluchend schmiss er seinen Laptop aufs Schlafsofa.

Das konnte doch nicht wahr sein, er war nicht in der Lage diesen verdammten Stick zu öffnen, immer nur diese Fehlermeldung…
@{§°^/^°&@ for help…

„Was soll dieser verfluchter Mist, das kapiert doch nur…“, seine Augen weiten sich, hastig kritzelte er etwas auf einen der unzähligen Zettel die bereits um ihn herum lagen.

„C…o…nn…o…r….Verflucht…niemals…“, wütend knüllte er den Zettel zusammen und schleuderte ihn davon, „Der will mich doch verarschen, was soll dieser ganze Mist? Ist sein Gehirn schon Grütze nie im Leben bitte ich…“

Ich wollte dein Leben nicht zerstören Gavin…

Grimmig beobachtet er wie die schwarze Katze begann mit dem zerknüllten Zettel zu spielen.

„Verfluchte Scheiße…“, langsam griff er nach seinem Handy und wählte, „Die Blechbüchsen schlafen eh…“
„Korrekt, Androiden schlafen nicht, was kann ich für dich tuen Reed?“

Erschrocken zuckte er zusammen.

„Wie schnell…ach ja die Handy im Kopf Geschichte…“, leicht knirschte er mit den Zähnen und presste dann hervor, „Ich bräuchte deine Hilfe Blechbüchse…“

Oh das würde er sowas von bereuen…sowas von.

„Natürlich. Wie kann ich helfen?“

Seine Augen weiten sich überrascht, er hätte nicht wirklich gedacht, dass die Antwort so schnell kommen würde.

„Du müsstest etwas für mich entschlüsseln…am besten kommst du jetzt vorbei…“


Halbe Stunde später…

Connors Sicht.

Diese Nacht wurde von Stunde zu Stunde seltsamer. Hank war wortlos gegangen und auch nicht wiederaufgetaucht. Er konnte sich nicht wirklich erklären warum er fort war, hatte er wieder etwas getan was ihn sauer gemacht hatte? Wenn ja was?

Dies war aber weitaus nicht das seltsamste zwei Stunden später hatte ihn doch wirklich Gavin Reed angerufen und jetzt…jetzt saß er genau in dessen Wohnung und entschlüsselte einen Datenstick. Warum er das tat? Wusste er auch nicht wirklich. Vielleicht weil es besser war als die ganze Zeit in einer dunklen Wohnung zu sitzen…

„Geht das nicht schneller?“

„Es fehlen nur noch 5%, dann habe ich vollen Zugriff Gavin.“

Skeptisch beobachtet der Mensch wie die weiße Hand des Androiden reglos auf dem Touchpad des Laptops lag, wilde Zahlen und Buchstabencodes huschten über einen blauen Bildschirm.

„Zugriff erhalten; Zwei Verzeichnisse, eins mit deinem Namen und eins mit dem Titel Beweise. Welchen…“, bevor er zu Ende sprechen konnte schon Gavin ihn etwas unsanft zur Seite, flink öffnete er den  „Beweise“-Ordner.

Die Maus huschte über die Dokumente, Videodateien und Audiodateien und öffnete das erste Video.

Das Bild flackerte kurz, dann wurden die Umrisse eines Büros bzw. Arbeitszimmers sichtbar.

Ein schwarzhaariger Mann saß mit dem Rücken zur Kamera an einem großen Eichenschreibtisch. Zwei Bildschirme ragten vor ihm auf, mehrere Reihen Bücher erstreckten sich zu seiner rechten und linken Seite, offenbar befand sich die Kamera selbst in einem solchen Regal wie die Umrisse links und rechts erahnen ließen.

Gavin spannte sich kaum merklich an, offenbar schienen ihm der Raum sowie die Gestalt bekannt zu sein.
Sein Puls beschleunigte sich merklich als ein Videoanruf auf einem der Bildschirme angezeigt wurde und der Mann diesen annahm.
Ein glatzköpfiger Mann mit dunklem Dreitage-Bart tauchte auf dem Bildschirm auf.

Der Mann am Schreibtisch schaute von dem Dokument vor sich auf.

Analysiere Gesichtsmerkmale….Identität bestätigt…David Reed, Inhaber der Reed Stahlwerke, verstorben. Ursache schwere Lungenkrebserkrankung, war verheiratet mit Eva-Marie Reed geb. Kamski, zwei Söhne: Elijah und Gavin Reed.

„Ich höre?“, die Stimme klang schneidend.
„Es gab einen schrecklichen Unfall auf dem Highway hier in Washington. Die Familie Millers ist bei regennasser Fahrbahn von der Straße abgekommen und eine Klippe hinab gestürzt der Wagen fing sofort Feuer. Keiner hat überlebt.“, ein dreckiges Lächeln entblößte zwei Goldkronen.

„Und das Baby?“
„Befindet sich derzeit auf der Intensivstation, offenbar ein bisschen schwächlich aber es wird überleben. Leider gibt es keine weiteren Verwandten, es wird also nach Abschluss der Routineuntersuchung des Unfalles in ein Heim kommen und zur Adoption freigegeben werden.“

„Gut…leiten sie die Kontaktdaten des Heims an die Familie Hanson weiter sobald sie mehr wissen.“, der Mann lehnte sich leicht im Stuhl zurück, „Und die Polizei wird wirklich keine Beweise finden die irgendwie auf Fremdeinwirkung hindeuten könnten?“
„Das Gas wird nach dem Feuer keine Spuren mehr im Auto hinterlassen haben, die Kartusche ist vollkommen verbrannt. An den Leichen wird man keine Spuren der Betäubung finden können. Seien sie unbesorgt…sie können mir den ersten Teil meiner Bezahlung wie besprochen zukommen lassen.“

Das Video stoppte.

Ein leises Fluchen verließ die Lippen des Menschen als er mit zittrigen Händen eine weitere Videodatei öffnete…

„Gavin vielleicht…“
„Klappe Blechbüchse.“

Das Bild kriselte kurz dann wurde wieder das Büro sichtbar, David Reed saß wieder vor seinem Schreibtisch, allerdings war er dieses Mal nicht alleine im Raum.

Ein junger Mann, schlank die dunklen Haare zu einem Zopf, eine einfache Brille…
Analysiere Gesichtsmerkmale…Identität erfasst…Elijah Reed im Alter von 16 Jahren…Namensänderung mit 18  zu Elijah Kamski…
„Was schaust du so finster drein Elijah?“, ein leichtes Lächeln lag unter dem fein gestutzten Schnauzer, offensichtlich amüsiert lehnte er sich in seinen Bürostuhl zurück, „Wie fühlt man sich als frisch gebackener Unternehmer?“


„Ich weiß was du getan hast…“, die Stimme des jüngeren Mannes klang vollkommen ruhig, „Ich weiß das du Schuld an dem Unfall warst…“

„Hm…“, langsam stand David auf, „Das ist wieder dieser Nachteil ein hochbegabtes Kind zu haben…du musst immer alles wissen. Hör mir zu es ist so das Beste. Das war doch nur eine Liebelei zwischen zwei Kindern. Es ist nicht sinnig deine Intelligenz bei Gesprächen mit solch…einem leichtem Mädchen zu verschwenden.“

„Leichtes Mädchen? Du hast sie und ihre Eltern umbringen lassen…du hast sie getötet!“, die Haltung des jüngeren spannte sich an seine Hände ballten sich zu Fäusten.

„Du wolltest es ja selbst nicht beenden als sie nach Washington zogen. Ich habe es dir oft genug gesagt, dass Entscheidungen immer Konsequenzen haben. Du bist hochbegabt du sollst dich darauf konzentrieren das Unternehmen zu etwas großen zu machen…dies leichte Mädchen hätte dich nur ausgebremst.“, ein finstere Ausdruck trat auf das Gesicht des Geschäftsmannes,  „Und glaubst du wirklich ich hätte Lust gehabt Geld für ihren kleinen Bastard zu zahlen bis du es selbst kannst?“
Das Gesicht des Jüngeren wurde kreidebleich.

„Was für ein Bastard?“
Ein allwissendes Lächeln legte sich auf die Markanten Züge des Vaters, als er sich über den Schreibtisch nach vorne lehnte.
„Ach…das hat dir deine große Liebe also nicht gesagt? Interessant.“, langsam und kontrolliert stand David auf, fuhr sich durch nach hinten gekämmte schwarze Haar, „Ich gratuliere dir Elijah du bist mit fast 16 Jahren Vater geworden von einem kleinen kränklichen Bastard. Wirklich beeindrucken. Eine IQ weit über den Durchschnitt aber nicht in der Lage vernünftig vorzusorgen…“
„Was…aber…“, offensichtlich überfordert wich der Brillenträger zurück, „Aber…ich geh zur Polizei…“

Er wollte sich abwenden doch der größere Mann war schneller, mit einem dumpfen Knall wurde er gegen die Wand geschmettert, zwei Hände hatten sich kräftig in den Kragen seines Pullovers gekrallt.

„Gar nichts wirst du hörst du?“, ein eiskalter Ausdruck lag in den dunklen Augen, „Ich weiß von jeden deiner Schritte kommst du einer Polizeistation nur zu nah, stirbt auch die letzte Hinterlassenschaft deiner so geliebte Anne…“
„Das ist nur einer deiner dreckigen Tricks…“

„Ach wirklich?“, mit einer Hand hielt er ihn fest während er mit der anderen sein Handy aus der Jackettasche zog, zwei kurze Bewegungen, das Bild eines klein blonden Babys, mehrere Schläuche gingen von dem kleinen Körper aus, „Wahrscheinlich würde ich der Kleinen sogar einen Gefallen damit tuen.“

Die Augen des jungen Mannes weiteten sich.

„Wo ist es?“
„Wäre ja schon blöd wenn ich dir das sagen würde nicht wahr? Du bist zu unberechenbar geworden, irgendeinen Trumpf brauch jeder Geschäftsmann um seinen Konkurrenten auszustechen Elijah. Sei brav und spiel weiter den perfekten Sohn und ihr passiert nichts, sie wird von einer reichen Familie adoptiert und ihr wird an nichts fehlen. Gib einen Mucks von dir und ihr Leben endet bevor es begonnen hat…glaub nicht dass ich Skrupel zeige.“, langsam ließ er von ihm ab, trat einen Schritt zurück und richtete seine Krawatte, „Ich höre?“

„Ich…“, er schluckte schwer dann straffte er wieder seine Haltung, „ich werde mich dann weiter um das Unternehmen kümmern…Vater…“

Das Video stoppte.

Stille trat ein, vollkommen starr starte der Polizist auf den Bildschirm.

War das ein typisches Verhalten in einer Familie? Kurz durchsuchte Connor jegliche Informationen die er über menschliche Familienbande abrufen konnte. Keins davon besagt, dass ein solches Handeln dem Sohn gegenüber gerechtfertigt war…oder in Familien üblich war. Reeds Verhalten schien auch daraufhin hinzudeuten, dass dieser bis heute nichts davon gewusst hatte.
Die Hand die auf dem Touchpad lag begann zu zittern, ein leiser Fluch, leicht gefletschte Zähne, er stand auf und verschwand wortlos in dem angrenzenden Raum.

Was war jetzt die richtige Verhaltensweise in dieser Situation?

Unschlüssig schaute er zur angelehnten Tür.

Er könnte gehen, er hatte ihn geholfen, die restlichen Daten könnte er alleine öffnen und anschauen.
Er könnte einfach hier sitzen bleiben und abwarten, vielleicht wollte Gavin doch noch etwas.

Er könnte ihm nach gehen und überprüfen in welchem Gemütszustand er sich befand. Manche Menschen bevorzugten Gesellschaft, wenn sie etwas aufwühlte. Aber war Gavin so ein Mensch? Sie hatten nicht gerade die freundlichste Beziehung…

Analysiere Erfolgschancen für unterschiedliche Aktionen…

Er schüttelte leicht den Kopf, so funktionierte das nicht…als es ihm schlecht ging hat es gut getan das Hank da war.
Außer ihm war gerade keiner hier, er sollte einmal nach ihm sehen, Gavin würde ihm sicher schon deutlich signalisieren, wenn er gehen sollte.

Er stand also auf, ging hinüber zur Tür überlegte kurz zu klopfen, schob sie nach kurzem Zögern dann auf.
Ein schwaches Wandlicht warf Schatten auf eine kleine Küchenzeile, ein kleiner runder Tisch stand direkt an der Wand, zwei einfache weiße Stühle.

Der Polizist saß auf einem, die Arme auf dem Tisch abgestützt, das Gesicht halb zwischen den Händen verborgen die sich ins dunkle Haar gruben.

Eine schwarze Katze strich um seine Beine, eine weitere offenbar felllose Katze saß auf dem Tisch schmiegte sich gegen seine Arme.
Der Android setzte an etwas zu sagen, ließ sich dann aber einfach auf dem gegenüberliegenden Stuhl nieder.

Die nackte Katze kam mit einem Maunzen auf ihn zu gestromert, vorsichtig streckte er seine Hand aus ließ sie daran schnuppern, mit einem zufriedenen Schnurren schmiegte sie sich schließlich dagegen.

Einige Minuten erfüllte nur das sanfte Schnurren der Stubentiger die Luft, Connors Blick huschte über die kleine graue Küchenzeile, hinüber zu einem Motorradkalender und blieb dann an dem Bild einer schönen braunhaarigen Frau hängen, die auf einem Stuhl saß.

Ein kleiner brauner Junge saß auf ihrem Schoß, hinter ihr stand ein etwas größere Junge der die Arme um ihren Hals gelegt hatte und seinen Kopf auf die linke Schulter gelegt. Alle Drei lächelten…

Analysiere Gesichtsmerkmale…Eva-Marie Reed, verstorben, mit ihren beiden Söhnen Elijah und Gavin Reed….

Hatte sie davon gewusst? War es nicht die Rolle einer Mutter ihre Kinder zu beschützen?

„Ist das ein Fake?“

Leicht überraschte wandte Connor seinem Blick dem Menschen zu der ihn immer noch nicht ansah.

„Die Drohne wie der Datenträger wurden von Kamski programmiert, ich habe seinen elektronischen Code erkennen können.“
Ein erneutes leises Fluchen.

„Können Videos so inzi…Schwachsinn…“
„Die Dateien wurden nicht manuell verändert, es sind alles Direktaufnahmen.“
„Also ist das die Wahrheit?“
„Ja.“
„Fuck…“

Er verbarg sein Gesicht kurz in seinen Händen dann, hob er leicht seinen Blick an sein Gesicht immer noch halb hinter den Händen verborgen.

„Er hatte also recht…fuck…er hatte die ganze Zeit recht…krank…wie konnte er nur…eine ganze Familie…“, die braunen Augen weiten sich, „Das Kind! Wo ist das Kind hingekommen?“

„Washington hat mehrere Krankenhäuser…aber nur eines ist spezialisiert für eine Kinderintensivstation…ich kann versuchen etwas herauszufinden anhand der zeitlichen Daten…“, noch während Connor sprach begannen seine Augen zu rotieren, „Zu der angegebenen Zeit hat keine Anne ein Kind zur Welt gebracht…in keinem Krankenhaus in Washington…ein kleines Mädchen deren Eltern als Unbekannt eingetragen wurden kam zu diesem Zeitpunkt auf die Intensivstation, ihr Zustand war kritisch, sie war unter entwickelt, ihre Lungen nicht ausgereift…die Akten haben keinen Vermerk zu den Eltern…“

„Er muss das ebenfalls vertuscht haben…was ist aus ihr geworden?“, ein seltsam besorgter Ausdruck trat auf Gavins Züge und er krallte die Hände schon fast um die Tischkanten.

„Sie hat es geschafft…das seltsame sie wurde noch aus dem Krankenhaus heraus adoptiert. Von einer Unternehmer Familie Hanson…“

Beide schauten sich ruckartig an.

„Hanson?“
„Lucinda Magdalena Hanson…das heißt…Lucy ist die leibliche Tochter von Kamski.“
„Das blonde Püppchen ist…das hat der gewusst, das ist kein Zufall Blechbüchse, Elijah macht nichts ohne Plan. Warum diese ganzen Geheimnisse? Was für eine Krankheit hat er? Ich dachte er hätte genauso Krebs wie…das ist doch alles krank ich verstehe überhaupt nichts mehr!“, zornig schlug er mit den Fäusten auf die Tischplatte, panisch schossen die Katzen aus der Küche, „Ich muss…“

Connor blinzelte krampfhaft.

„Was?“
„Ich soll zu einem Einsatz kommen, es gab einen Alarm bei CyberLife.“, zackig stand Connor auf.
„Was?“, Elijah… „Warte ich komme mit!“
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