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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
9
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Dieses Kapitel
1 Review
 
15.09.2020 4.242
 
19.07.2040

16:00 Uhr

CyberLife Tower

„Du solltest dich ausruhen, das ist unverantwortlich…Elijah ich bringe dich je…“

Mit einer Handbewegung ließ er sie innehalten, bevor seine Finger wieder über die Tastatur vor ihm glitten. Ein Schlauch für Sauerstoff führte von einem Rucksack hinauf zu seiner Nase.

„Mir läuft die Zeit davon Chloe. Ich will tuen was ich kann bevor…Ich kann nicht zulassen das eine meiner Kreationen soviel Schaden anrichtet, ich kann nicht zulassen das, sie sie gefährdet.“
„Du musst nicht sterben, warum ergreifst du nicht die Möglichkeit? Rede doch einfach mit i…“
„Chloe ich will das nicht weiter ausdiskutieren!“, leicht zuckte sie zusammen.

„Elijah…aber…“
„Das ist meine Entscheidung, bitte akzeptiere sie.“
„Akzeptieren?“, sie machte eine Schritt nach vorne, „Wie soll ich akzeptieren, dass du stirbst? Nur weil du zu stolz bist um…“
„Was weißt du schon?!“, zornig wirbelte er zu ihr herum, „Was weißt du schon von dem Gefühl der Schuld? Was weißt du schon vom Verssagen? Gar nichts…also schreib mir nicht vor was ich zu tun habe dummes Kind…“

Ihre Augen weiteten sich, ein Glanz, hastig wandte sie sich ab und verließ den Raum. Er schaute ihr nach, den Impuls unterdrückend ihr nach zu gehen. Es war nicht das erste Mal das er jemanden von sich stieß, es war nicht das erste Mal das er jemanden bewusst verletzte, es war nicht das erste Mal das er alleine war…

Erschöpft ließ er sich zurück auf den Stuhl sinken, sein Blick wanderte zum Bildschirm, ein Balken war zur Hälfte gefüllt noch ein bisschen und er würde eine genaue Position haben.

Sie Monster!

Er schloss die Augen, da war es wieder das Bild der blonden wütenden jungen Frau, verschwamm mit den Umrissen von…

„Ob das wirklich dein verdammter Ernst ist?!“, erschrocken zuckte er hoch, ein überraschter Ausdruck.
„Was willst du hier Gavin?“
„Das fragst du noch? Scheiße siehst du aus.“, der glühende Zorn in seinen Adern wurde schwächer.

Dunkle Ringe lagen unter den blauen rotunterlaufenden Augen, seine Züge waren eingefallen, ein Schlauch führte zu seiner Nase, die braunen Haare waren zu einem unsauberen Zopf zusammengefasst.
Er kannte dies Bild, er kannte das Bild des Todes.

„Wüsste nicht das dich das was angeht…“
„Im Gegensatz interessiere ich mich dafür, wenn jemand aus meiner Familie stirbt…wo warst du als Vater starb? Zu beschäftigt an deinen Puppen zu basteln?“, seine Hände ballten sich leicht zu Fäusten.

„Ja genau das war es Gavin nichts anders.“

Er schaute ihn finster an, doch da lag etwas in den sonst so arroganten Blick, etwas das ihn stutzen ließ.

„Bist du wirklich ein so kaltes Arschloch?“
„Akzeptiere es Gavin, dein großer Bruder ist ein gefühlskalter Mensch der nur auf Profit aus ist. Wenn du mich dann jetzt weiter arbeiten lassen würdest? Du stiehlst mir meine wertvolle Zeit.“, er wandte sich von ihm ab, kaum merklich biss er sich auf die Lippe als Gavin seine Züge nicht mehr sehen konnte.

„Dreh dich gefälligst nicht wieder einfach weg!“, seine Stimme halte durch den kleinen Raum, „Du bist abgehauen! Dich hat Vaters Tod kalt gelassen und auch Mutter war dir egal, du hast mich allein mit der Scheiße gelassen!“
Kamskis Hände ballten sich leicht zu Fäusten.

„Geh…jetzt…“
„Wieso damit du in Ruhe verrecken kannst?! Wie war das noch mal? Du passt auf mich auf? Du bist immer für mich da? War das alles nur eine Lüge? Du warst der Stolz der ganzen Familie und das ist dein Dank?!“
„Der Stolz?“, sein Körper zitterte, „Oder ehr der Ochse an ihrem verdammten Karren?“

Verwirrt schaute er ihn an.

„Ich wollte nicht das du erfährst wie unsere tollen Eltern wirklich waren Gavin, ich wollte deine Welt nicht zerstören. Deshalb bin ich gegangen. Sie haben beide bekommen was sie verdient haben.“
„Was verflucht noch mal sagst du da…“
„Erinnerst du dich an Anna?“

Kurz runzelte der Detectiv die Stirn.

„Anna…Anna Lorsen? Unsere Nachbarin? Jetzt weiß ich an wen mich dein blondes Betthäschen erinnert…“
„Ja Anna Lorsen, dann erinnerst du dich auch an ihr plötzliches Verschwinden nach Washington? Sie ist tot.“
„Was? Ihre Eltern und sie sind doch nur weggezogen, weil ihr Vater einen neuen Job angenommen hatte, woran soll sie denn gestorben sein?“
„Autounfall, ihr Vater verlor auf regennasser Straße die Kontrolle, die ganze Familie starb. Ein tragischer Unfall. Ein tragischer Weg des Schicksals.“
„So ist leider manchmal das Leben.“
„Nein, es war Mord, kaltblütiger Mord ich fand die Beweise dazu bei niemand anderem als Vater selbst, auf seinem Rechner.“
„Was…nie im Leben, Vater und ihr Vater waren befreundet. Außerdem warum sollte er?“, unglaubwürdig schaute er seinen Bruder an.
„Anna hat ein Kind bekommen.“
„Ein Kind? Sie war gerade mal 16…Moment…“, Gavins Augen weiten sich, „Du und Anna ihr…“

Ein schwaches Nicken.

„Ein Mädchen, sie lag auf der Intensivstation wegen einem angeborenem Herzfehler, sie waren auf den Weg ins Krankenhaus, die Bremsen haben versagt…aber das Wrack war so ausgebrannt das es nicht mehr möglich war Hinweise auf Fremdeinwirken zu finden…“
„Wenn es diese Beweise gab oder gibt, warum bist du nicht zur Polizei?“
„Er hat gedroht sie ebenfalls zu töten…“
„Seine Ekeltochter?“
„Schlechter unehelicher Einfluss auf sein Zugpferd…aber ein gutes Druckmittel…ich hatte also keine Wahl. Auf sein Drängen entstand CyberLife, für reinen Profit…CPO mit 16 und in Wirklichkeit nur eine Puppe.“
„Du hast doch Wahnvorstellungen…“, Gavins Gesicht war kreidebleich, er wich einige Schritte zurück, „Irgendwas hat dir das Hirn zerfressen…du redest von unserem Vater…und Mutter hätte nie zugelassen…“
„Ich bin durchaus noch in der Lage klar zu denken Gavin, ich wusste das du mir nicht glauben würdest, also geh und leb dein Leben ich habe zu tun…“, er wandte sich von ihm ab.

Gavin zögerte, dann schüttelte er hastig den Kopf und verließ das Labor fluchtartig.

Der ist verrückt! Vollkommen verrückt!


19.01.2040

20:00 Uhr

Hanks Haus

Leise wurde die Haustür aufgeschoben, eine große braune Hundenase, dösig trottelte das riesige Kalb mit leicht wedelnden Schwanz ins Wohnzimmer, schaute leicht verpeilt auf, als er sein Herrchen auf dem Sofa sitzen sah.

„Was?“, erst als Hank sprach bellte der Rüde einmal kurz und schmiegte sich dann freudig gegen ihn, „Trottel…“
Mit einem leichten Schmunzeln wuschelte er ihm durchs Fell.

„Verzeihung es hat etwas länger gedauert. Ich habe Lucy und Simon noch…“, setzte der Android an sich zu erklären, während er die Leine ablegte seine Jacke auszog, perplex brach er ab, als er sich zu ihm umdrehte.

„Was guckst du denn jetzt wie so ne Kuh wenn’s donnert?“
„Ich…ähm…“

Hanks Haare waren deutlich kürzer…
Analyse…Deckhaar 10 cm…Durchstufung bis auf 2 cm…Scheitel zur rechten Seite…Bart um 20 % zurück gestutzt….
Seine Analyseprogramm ratterte die Daten hinunter, aber irgendwie war da etwas anders. Sein Aussehen…

„Du warst bei Friseur?“
„Würde es ehr als Nötigung von Lil bezeichnen, aber ja ich Ergebnis ist das gleiche. Komm mach dich fertig wir wollen los.“, langsam stand Hank aus und Griff nach seiner Jacke.

Lil?

Kaum merklich runzelte Connor die Stirn. Wer war Lil?

„Jetzt beweg dich Connor.“
„Ja Lt….“

Skeptisch schaute Hank ihn an.
Lil…Lil…
Seine Gedächtnis raste aber nein er konnte sich nicht erinnern das Hank diese Lil je erwähnt hatte. Auf dem Polizeirevier gab es 15 Frauen die mit dem Namen L anfinden….9 davon mit Li…3 mit Lil…eine in der Gerichtsmedizin Lilana Ge…

„Connor willst du dir nichts anderes anziehen? Oder was wird das hier jetzt?“

Verwirrt schaute er ihn an.

„Natürlich Lt.“

Kopfschüttelnd schaute der Mensch ihm nach.
Was war denn nun schon wieder mit ihm los?


19.01.2040

20:30

Tommys Pub

„Und du meinst wirklich Hank, unser Hank taucht hier auf? Ich meine ja nur ich will dich nicht enttäuschen Chris aber die Wahrscheinlichkeit das Fowler hier auftaucht ist schon gering aber Hank…“, fragend zuckte die Asiatin mit den Schultern bevor sie erneut an ihrem Bier nippte, „Vielleicht hat Gavin ja dann ganz um sonst abgesagt.“
„Ich glaube nicht das Gavin abgesagt hat wegen Hank oder Connor…er hat sich heute so spontan einen halben Tag freigenommen, seltsamerweise nachdem ich ihm von dem Einsatz gestern erzählt habe…“, ein leises Seufzen verließ Chris Lippen, „Wahr vielleicht doch einfach eine dumme Idee als einfacher Streifenpolizist zu erwar…“

Die Tür des kleinen Pubs schwang auf, ein korpulenterer grauhaariger Mann trat gefolgt von zwei weiteren Männern ein.

„Da muss man auch erst mal drauf kommen Tommys Pub und ich dachte die ganze Zeit Jimis…“
„Träume ich? Ist das Hank? War er beim Friseur?“, flüsterte Tina erschrocken neben ihm auf der U-förmigen Bank am Tisch saß.
„Entweder das…oder wir haben einen neuen Kollegen…obwohl so ein Hemd spricht dann doch mehr für Hank…“
„Ja Ben bei so ähnlichen Namen…gut das wir dich gefunden haben“, ein Schmunzeln blitzte zwischen dem gestutzten Bart hervor, bevor die Truppe am Tisch ankam, „Nabend Entschuldigung für die Verspätung aber wir mussten erst den verirrten Ben einfangen.“
„Einfangen? Ich habe gedacht ich werde entführt, hättest mich ja vorwarnen können das du zum Friseur gehst.“, gab Ben mit einem breiten Grinsen zurück, bevor er sich neben Tina auf die Bank setzte die dadurch gezwungener Maßen ein zwei cm weiter rutschen musste, „Wenn Connor nicht dabei gewesen wäre hätte ich gedacht es ist eine Falle. Guten Abend übrigens.“
„Weil dich auch jemand freiwillig entführen würde…na jetzt setz dich schon.“, mit einem leichten Stubser bugsierte er Connor auf die Bank, so dass er zwischen ihm und Chris saß.

„Chris schön das ihr gekommen seid. Gavin hat leider kurzfristig abgesagt, wohl irgendwas Privates.“
„Oh wie Schade.“, ein leises Räuspern von Hank.
„Gib zu Hank das mit der Tür damals war Absicht.“, Tina musste schmunzeln bevor ihr Blick rüber zu Connor wanderte, „Kennst du die Geschichte schon?“

Verwirrt schaute der Android sie an.

„Die Geschichte?“

Ein leises Seufzen verließ die Lippen des Lts.

„Es war ein reines Versehen, dass ich Gavin die Tür vor den Kopf geknallt habe…und dass er sich die Nase dabei gebrochen hat…“, er räusperte sich, „Nicht, dass er es nicht verdient hätte.“
„Und deshalb war er mehre Wochen krankgeschrieben und nicht dienstfähig…“, brummte eine tiefe Stimme, ruckartig schaute die kleine Gruppe auf.

„Captain schön das sie es einrichten konnten.“, Chris wollte aufstehen doch Fowler hielt ihn zurück.

„Entspannen sie sich Chris, ich bin nicht im Dienst.“, kurz nickte der Hüne in die Runde, bevor er sich auf dem einzigen Stuhl am Tisch niederließ, „Wie ich sehe kann meine Frau noch immer gut mit der Schere.“
„Ja wenn Haare da sind kann sie das.“

Chris Blick wanderte kurz hinüber zu Tina, dann wieder zurück zu den zwei Männern.

Lil…Lilli Marie Fowler…die Frau des Captain, da war Hank gewesen?

„Na dann wir sind hier um Poker zu Spielen, mit Poker meine ich Poker und nicht Texas Hold‘em Regeln sind allen bekannt?“

Hanks Blick wanderte kurz zu Connor dann wieder zu Jeff.

„Vielleicht noch mal eine kurze Zusammenfassung bin ein bisschen eingerostet…“


19.01.2040

21:30 Uhr

Hauptquartier CyberLife

Sie hatte versprochen keine Alleingänge mehr zu machen, Simon war zu einer Besprechung gerufen wurden. Das hieß nichts Gutes, wahrscheinlich gab es wieder vermisste Androiden, vielleicht war es falsch gewesen den heutigen Tag verstreichen zu lassen ohne etwas wirklich Produktives zu tun.

Aber es hatte gutgetan, vollkommen normal durch die Stadt zu streifen, Eis zu essen, sich mit Connor und Simon zu unterhalten so als wären sie schon ewig befreundet. Über vollkommen normale Themen, ein vollkommen normaler Tag, voll Lachen und Unbeschwertheit. Vom Beginn dem Aufwachen in Simons Armen, das scheue Händchenhalten in der Öffentlichkeit…es war so neu und doch vertraut…war es falsch? War es richtig?

Konnte Liebe je falsch sein? War das Liebe? Richtige Liebe?

Nachdenklich betrat sie den Forschungsbereich, folgte dem schwach beleuchteten Korridor.

Ja sie liebte ihn, schon immer, aber liebte er sie auch so? Wusste er überhaupt schon wirklich was es bedeutet zu lieben? Zweifelte sie jetzt ernsthaft an dem Mann der mehre Stockwerke an einem schneereichen Tag zu ihr hinauf geklettert war? Im Dunkeln?
Leicht schüttelte sie den Kopf, stutzte dann überrascht als sie sah das in einem der Büros Licht brannte.

Um diese Uhrzeit dürfte keiner mehr Arbeiten, bis auf die Sicherheitsdrohnen und zwei, drei Wachleute die aber vermehrt im Produktions- und Lagerbereich vertreten waren.

Sie zögerte kurz, griff nach der schweren Taschenlampe die sie an ihrem Gürtel befestigt hatte.
Vorsichtig trat sie an die offenstehende Tür heran mit einer Hand die Taschenlampe erhoben bereit zum Zuschlagen, vorsichtig lugte sie um die Ecke und…

„Die Taschenlampe ist nicht nötig, sie können auch ohne kräftig genug zuschlagen.“

Erschrocken zuckte sie zusammen, am Schreibtisch saß niemand anders als der CEO von CyberLife höchstpersönlich, er saß mit dem Rücken zu ihr aber auf dem großen Bildschirm konnte sie sich selbst sehen wie sie in der Tür stand.

Ein durchsichtiger Schlauch führte von ihm zu einer Tasche, war das Sauerstoff?

„Wer weiß…was tuen sie da?“, langsam trat sie ein ließ die Taschenlampe nur etwas sinken.

„Das Signal von RK700 zurückverfolgen, bzw. eingrenzen.“, ein schwerer Atemzug, „Sie hatten recht. Ich war zu fixiert auf das Erreichen von Ergebnissen das ich wirklich riskiert habe das Connor ernsthaft zu Schaden kommt.“

Überrascht starrte sie ihn an.

Entschuldigte er sich gerade wirklich bei ihr? Elijah Kamski der Mann des Jahrhunderts entschuldige sich bei ihr? Sie hatte jetzt eigentlich mit einer harten Diskussion, oder einem glatten Rauswurf gerechnet.

„Sie…sie sind nicht sauer?“, sie räusperte sich leicht, „Ich meine ich weiß das ich Recht habe. Ich bereue die Ohrfeige jetzt auch nicht, nicht dass sie das denken aber gut das sie immerhin wissen das es mie…nein Scheiße war es absolut Scheiße.“
„Ich hätte es auch in einem gewählteren Wortlaut verstanden…was machen sie überhaupt hier?“, ein kurzes Husten, er schaute sie immer noch nicht an, ein Taschentuch wurde in einem Papierkorb geschmissen. Waren das Spuren von Blut?

„Eigentlich wollte ich das machen was sie gerade machen…bei allem Respekt sie gehören sie nicht ehr in ein Bett? In ein Krankenhausbett?“, sie befestigte die Taschenlampe wieder an ihrem Gürtel und trat neben ihn.

Es war wirklich Sauerstoff, der Schlauch führte zu seiner Nase, sein Gesicht war noch blasser als sonst, dunkle Ringe unter den Augen.
Wo war Chloe? Sie konnte sich nicht vorstellen das die Androidin ihn so arbeiten lassen würde…

„Da werde ich noch früh genug landen.“, gab er als knappe Antwort wieder ohne von dem Bildschirm vor ihm aufzuschauen.
Leicht verengte sie die Augen, schob die etwas klobige Ersatzbrille zurecht.

„Sie sind schwer krank richtig?“, ihre Augen weiteten sich, „Deshalb waren sie so verbissen…“
„Ich weiß wozu er in der Lage ist…ich weiß wie gefährlich er ist und ich habe ihn erschaffen. Ich möchte nicht von dieser Welt gehen mit dem Wissen das er unkontrolliert da…“, er wurde von einem Hustenanfall unterbrochen.

Kurz schaute Lucy sich um, griff nach der Wasserflasche und goss neues Wasser in das bereit stehende Glas und reichte ihm dieses.

„Trinken sie erst mal…“

Seine Hand zitterte leicht, als er wortlos das Glas entgegen nahm und ein paar Schlucke nahm.

Er tat ihr leid…die ganze Wut war auf einmal fort, ausgetauscht durch tiefes Mitleid. Vor ihr befand sich kein eingebildeter Schnösel, sondern ein totkranker Mann…gab es den niemanden in seinem Leben der sich um ihn sorgte?

„Alleingänge bringen sie aber auch nicht weiter, das ist unnötige Kraftverschwendung.“, sie nahm ihn das Glas wieder ab und stellte es zurück auf den Tisch, „Was für eine Diagnose haben sie?“

„Diagnose? Es gibt keine wirkliche…meine Stammzellen zerstören sich gegenseitig, ist der Preis fürs unvorsichtige Rumexperimentieren mit Substanzen um in der Lage zu sein künstliches Leben zu erschaffen.“, ein schwaches Lächeln lag auf den blutleeren Lippen, „Ist es nicht faszinierend? Meine größte Errungenschaft bringt mich um.“

„Wenn es einen Spender gäbe, könnten die Zellen ausgetauscht werden. Haben sie ihre Familie…“
„Ich brauche jetzt keine Auflistung von Möglichkeiten Miss Hanson, ich habe mich damit abgefunden und gerade gibt es größere Probleme als mein…“, er brach ab, sein Blick viel auf dem Überwachungsmonitor, „Was wollen sie hier?“
Alarmiert drehte sich Lucy fast zeitgleich mit ihm um.

„Markus?“, verwirrt schaute sie den Androiden an, sie hatten doch eine Besprechung…unmöglich konnten sie nach einer halben Stunde schon fertig sein…

„Verzeihen sie die Störung Miss Hanson, Mister Kamski.“, ein Lächeln lag auf den Zügen des Androiden, „Aber es gibt ein paar wichtige Dinge zu besprechen.“


19.01.2020

22:00 Uhr

Tommys Pub

„Du spielst wirklich gut Connor.“, ein ehrliches Lächeln lag auf Chris Zügen während er mit dem Rücken am Tresen lehnte.
„Kannst dir die Regel runter laden was?“, ein leichtes Schmunzeln lag auf Bens Zügen bevor er sich erneut an den Nüssen bediente die auf den Tresen standen.

„Mein Modell ist dafür designt jederzeit nötige Daten oder Informationen aus den unterschiedlichsten Datenbanken abzurufen…“, er stutzte als Chris, Ben und Tina ihn fragend ansahen, „Kurz ja könnte ich, tue ich aber nicht weil ich es Hank vorher versprochen habe es nicht zu tun, weil es Schummeln wäre.“

„Wenn ich das könnte…uh arme Anna sie würde ständig gegen mich verlieren. Kannst nur du das Connor oder auch andere von euch?“, neugierig schaute Tina ihn von ihrem Barhocker an.

„Jedes Modell hat seine eigenen Funktionen und Eigenschaften die extra für seinen Aufgabenbereich geschaffen wurden. Es gibt sicher Androiden mit ähnlichen Eigenschaften.“
„Wünschte ich könnte mir meine Eigenschaften aussuchen…“, ein schweres Seufzen dann nahm Chris einen erneuten Schluck von seinem Bier, „Das würde es einfacher machen Joel zu verstehen…“
„Mensch der Junge ist 2 ½ in dem Alter hab ich gefühlt nie verstanden was meine Tochter wollte, tue ich heute wo sie erwachsen ist sogar immer noch nicht wirklich in manchen Dingen verstehe ich nicht warum sie sauer wird?“, leicht zuckte Ben mit den Schultern bevor er sich noch ein Nuss angelte.

„Ich glaube das ist wirklich so ein Männer Problem, wir Frauen senden eigentlich immer recht eindeutige Signale.“
„Natürlich…Connor ich warne dich schon mal vor, wenn eine Frau je zu dir sagt passt schon…dann passt sowas von gar nichts und du solltest laufen.“, ein leichtes Grinsen lag auf Chris Zügen bevor er an seinem Bier nippte.

„Aber die Aussage passt schon bezieht sich doch darauf das alles passt. Warum sollte eine Frau dies sonst sagen?“, Connor schaute deutlich verwirrt drein.

„Oh glaub mir dann passt gar nichts. Ich bin letztens nach Hause gekommen, Emma saß schon am Küchentisch, ich sage mal so der Blick war schon Warnung genug aber als ich fragte wie ihr Tag war kam : Passt schon…und dann brach die Hölle los…“
„Ich bin mir aber sicher das deine Frau einen triftigen Grund hatte, nicht wahr Detektiv?“

Ein leises Seufzen auf die Aussage der jüngeren Frau.

„Ja…hab ihr vergessen zu sagen das die neue Gefriertruhe an dem Tag kam…sie hat also dem Lieferboten mit Quarkmaske, Lockenwicklern und Bademantel öffnen müssen…“

Chris verschluckte sich an seinem Bier als er los prusten musste.

„Autsch…merkt dir das Connor so machst du eine Frau sauer…“

Ein kühler Wind strich über den Bürgersteig, das Licht der Straßenlaternen beschien den grauen Asphalt, vereinzelte Schneereste türmten sich hier und da. Die gedämpfte Geräuschkulisse des Pubs strömte durch leicht gekippte Fenster nach draußen.

Der Geruch von Tabak lag in der Luft.

„Ich dachte das hätte Lil dir ausgetrieben.“, skeptisch beobachtet er wie sein alter Freund an seiner Zigarre zog.
„Hin und wieder ist mir das noch gestattet.“, brummte der dunkelhäutige Mann, kurz darauf waren zwei Reihen weiße Zähne zu einem Grinsen zu erkennen, „ Ich dachte auch du würdest dir die Haare noch bis zum Arsch wachsen lassen.“
„Gib zu das war eine Falle…“, ein verächtliches Schnauben unterstrich die Aussage des Lt.
„Hättest ja nicht anhalten müssen. Lil hat dich außerdem lang genug in Ruhe gelassen.“

Leicht verdrehte der Grauhaarige die Augen.

„Ich habe nie gesagt das man mich in Ruhe lassen soll…“
„Gefühlt mindestens 5 mal täglich…“, unterbrach Jeff ihn, „Aber es ist schön zu sehen, dass du endlich wieder aus deinem Schneckenhaus rauskommst, dann hat es ja damals was gebracht dich mit Connor zusammen zu stecken.“

Entgeistert starte ihn der Lt an.

„Moment mal…du sagtest kein anderer Cop…du verdammter Arsch…“, grimmig wandte er seinen Blick ab ließ ihn wieder hinüber zum Pub wandern durch dessen große Fenster ein guter Blick auf den Tresen möglich war an dem immer noch die kleine Gruppe stand und sich offenbar prächtig zu unterhalten schien, „Danke…“
„Immer wieder gerne…ihr kommt gut zurecht?“
„Wenn er nicht gerade versucht sich umzubringen für irgendwem dann ja.“
„Erinnert mich an einem jungen Soldaten den ich immer aus dem Schussfeld ziehen musste…“
„Das war ein, zwei Mal…“
„Ja aber du hast dich immer zu sehr aufgeopfert und das ist gefährlich, kein Leben ist weniger Wert.“
„Ja Papa…“, leicht verdrehte Hank die Augen, „Deshalb versuch ich ihn ja an der kurzen Leine zu halten aber der Bursche ist wie so ein hyperaktiver Pudel… zack liegt er vor der nächsten Kugel.“
„Ist für Androiden eben noch nicht selbstverständlich als Lebendig angesehen zu werden. Warum bist du eigentlich so….bemüht um ihn?“
„Bemüht? Er ist mein Partner ich möchte nicht das ihm was passiert, wie jeder andere Polizist auch.“

Leicht runzelte Jeff die Stirn, zog noch einmal kräftig an seiner Zigarre bevor er wieder zum Sprechen ansetzte.

„Und deshalb wohnt dein…Partner…bei dir?“
„Ja tut er weil…Moment mal wo willst du rauf hinaus?“, misstrauisch schaute er den Captain an, „Du spielst jetzt nicht auf das an was ich denke?“
„Was?“, unschuldig zuckte der breitschultrige Mann mit den Schultern, die unter einem schwarzem Mantel verborgen lagen, „Ich soll euch nur zu einem Barbecue einladen, kannst Nein sagen dann hast du Lil spätestens morgen am Hals….“
„WAS ZUM?!“


19.01.2040

22:30 Uhr

Hauptquartier CyberLife

„Sie sind nicht Markus…“, ein überraschter Ausdruck huschte über das Gesicht des Androiden.
„Miss Hanson ich verstehe nicht wie sie darauf kommen? Mein Modell ist eine Einzelproduktion. Mister Kamski selbst hat mich entwickelt.“

Ein kritischer Ausdruckt trat auf das Gesicht des CPOs.

„Ja genau deshalb sind sie nicht Markus, der richtige Markus ist auf einer Besprechung die gerade jetzt standfindet.“, Lucys Hand schloss sich erneut um die Taschenlampe, im Augenwinkel sah sie wie Kamski aufstand und den Schlauch für den Sauerstoff abnahm, „Die Tatsache das nur Nanobots dazu in der Lage sind eine solch realistische Nachbildung zu formen lässt mich darauf schließen, dass sie Seven sind?“

Ein zufriedenes Lächeln trat auf die Züge des Androiden.

„Sie sind wirklich schlau Miss Hanson, das haben sie offenbar von ihrem Vater.“, kurz huschte der Blick der zweifarbigen Augen hinüber zu Kamski dann zurück zu der jungen Frau, „Aber auch er ist nicht unfehlbar nicht wahr?“

Ein verwirrter Ausdruck trat auf das Gesicht der Blondine.

„Mein…Erzeuger starb, vor ein paar Jahren, er war nicht wirklich schlau.“
„Oh…“, erneut huschte der Blick des Androiden hinüber zu Kamskis, „Elijah Kamski der Mann des Jahrhunderts, Schöpfer einer neuen Rasse und voller Geheimnisse. Ich dachte du hast mehr Schneid Elijah.“
„Lass sie aus dem Spiel Seven…“
„Ich verstehe nicht…was…“, leicht ließ sie ihren Blick hinüber zu Kamski wandern, wobei sie die Taschenlampe in ihrer Hand etwas sinken ließ.

„Hat er es ihnen wirklich nicht gesagt?“, ein allwissendes Grinsen trat auf „Markus“ Züge, bevor er sich wieder Kamski zuwandte, „Hast du wieder nicht den Mut gehabt es durchzuziehen?“
„Es reicht…“
„Was meint er damit?“, ein seltsames Kribbeln setzte in ihrem Hinterkopf ein, „Was haben sie mir nicht gesagt.“
„Na traust du dich Elijah? Oder ist sie für dich auch nur ein gescheitertes Objekt wie ich?“, ein flackern trat in die zweifarbigen Augen, „Ihre Hochbegabung Miss Hanson beruht auf einem mutierten Chromosom…durch Vererbung. Weder Miss Hanson, noch Mister Hanson haben dies, auch in keiner vorigen Generation der Familie.“

Ihre Augen weiteten sich leicht.

„Es reicht, du hast deine Manipulationsspielchen perfektioniert wie ich sehe. Was willst du wirklich hier?“, kaum merklich musste sich Kamski an dem Schreibtisch abstützen.

„Mir fehlen ein paar Funktionen…die hole ich mir jetzt!“

Ruckartig brachen Markus Züge zusammen eine Gestalt schoss nach vorne.

Ein Schrei, ein Handgemenge, zwei Gestalten, Lucy wurde zur Seite gezogen, jemand wurde auf einen Tisch geschmettert, Holz splitterte.

„Deine Erfolgschancen sind 0% PL600…“, ein gleichgültiger Ausdruck lag auf dem Gesicht des RK900, während er mühelos den blonden Androiden zwischen den Trümmern des Tisches zu Boden drückte.

„SIMON!“

Nines Blick huschte kurz hinüber zu Lucy die mühsam von Kamski zurück gehalten wurde, dann wieder zu dem Mann am Boden.

Analysiere…Stimmfrequenz…aufgebracht, Menschliche Emotion Besorgnis …

Warum…

„Haut ab!“
„Nicht ohne dich!“, ruckartig riss sich die Frau los, die Taschenlampe erhoben.
„Nicht!“

Ein erneuter Schrei, Lucy flog durch die Luft knallte hart gegen eine Wand und rutschte reglos an dieser hinab.

„Diese Aktion war Sinnlos es gab eine  0% Erfolgschance…“,emotionslos beobachtet Nine wie Kamski sich über die reglose Frau beugte, eine Blutlache sickerte langsam über den Boden, „Eure Eliminierung wird nun fortgesetzt…“

Erneut wandte er sich dem Mann zu den er immer noch an dem Boden fesselte.

Error…Error…Error…Widerspruch Programmierung…

Simons Körper begann zu zittern, seine Augen waren weit aufgerissen, starrten auf den reglosen Körper seiner Lucy.

Sie war verletzt, schwer verletzt, da war Blut, viel Blut…sie brauchte Hilfe…sie würde sterben…sie durfte nicht sterben…
Er war zu stark, er hatte keine Chance, er konnte nicht zu ihr, er konnte sie nicht retten, sie würde sterben, sie würde sterben…

Das Zucken wurde stärker.

Primärziel beschützten…Lebenzeichen kritisch…Zugriffscode Kamski0506….

Ein Energieimpuls raste durch sein System ein Ruck und die Welt schien sich rot zu färben…
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