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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
9
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Dieses Kapitel
1 Review
 
06.09.2020 4.007
 
19.01.2040 Samstag

01:00 Uhr

Lucys Apartment

Dumpfes Mondlicht fiel durch die dünnen Vorhänge vor der großen Glasfront. Schwache Schatten von Schneeflocken, die durch die Luft tanzten.

Sie lag wach in dem großen Bett mit zwei tief schlafenden Fellknäulen. Ein leises Seufzen, sie drehte sich auf den Rücken, schaute hinauf zu der hohen weißen Decke.

Was für ein Tag…

Von einer Katastrophe in die Nächste…

Und nun lag sie wach und konnte nicht schlafen, weil unzählige Gedanken durch ihren Geist tobten.

Er war ihr nicht gefolgt, nun gut zu dieser Uhrzeit war es für Unbefugte nicht mehr möglich den Gebäudekomplex zu betreten, aber daran lag es sicher nicht.

Was hatte sie sich da nur angemaßt? Wenn sie wenigsten betrunken gewesen wäre dann hätte sie eine Entschuldigung…
Diese Frau hatte vielleicht recht, sie war schlecht. Sie war wahrscheinlich nicht besser als Kamski.

Sie wollte helfen...ihm dabei helfen einen Androiden halb umzubringen? Ein Wunder das Hank sie nicht gleich festgenommen hatte.

Sie überraschte es überhaupt, dass er so nett gewesen war. Das war auch schon wieder eine so peinliche Aktion von ihr gewesen, sie hatte ihn sogar seine Tempopackung geklaut, nicht mit Absicht natürlich.

Unruhig drehte sie sich wieder auf die Seite Richtung Fenster. Sie stutzte eine Bewegung, dann konnte sie die Umrisse einer Gestalt erkennen.
Oh Scheiße…

Ruckartig zuckte sie aus dem Bett hoch, griff nach dem Baseballschläger neben ihrem Bett, langsam zitternd trat sie auf die zugezogene Front zu, den Schläger im Anschlag.

Ein leises Klackern, die Steuerung der Fenster aktivierte sich von selbst, langsam schob sich die Front auf.

Nein, nein…

Ruckartig riss sie den Vorhang auf und schlug zu. Ein dumpfes Klong, jemand stolperte zurück.

„Verschwi…“, mit erhobenen Schläger stoppte sie, irritiert schaute sie auf den am Boden sitzenden Mann hinab der sich mit einer Hand die Stirn hielt, „Simon? Oh sorry!“

Hastig warf sie den Schläger zur Seite und kniete sich zu ihm hinab.

„Das wollte ich nicht, das tut mir so leid, Oh Gott, Oh Gott, habe ich was beschädigt?“
„Ich korrigiere du kannst doch ordentlich zuschlagen…“, langsam ließ er seine Hand von der Stirn sinken, weiße Membran, langsam bildet sich die Haut wieder darüber zurück.

„Was schleichst du auch auf meiner Terrasse rum?“
„Unten war abgeschlossen und es dauert nun mal ein bisschen die paar Stockwerke zu erklimmen…“
„Nicht dein Ernst…“, vorsichtig half sie ihm zurück auf die Beine, „Komm rein es ist kalt.“

Langsam schloss sich die Front hinter ihnen als sie das Schlafzimmer betreten hatten, zwei Augenpaare blinzelten sie verschlafen an.

„Ganz tolle Wachkatzen…geht es?“, vorsichtig brachte sie ihn dazu sich aufs Bett zu setzen.
„Es wurde nichts beschädigt. Mir geht es gut.“
„Was machst du denn auch so einen Blödsinn?“, sie setzte sich neben ihn fuhr mit einer Hand durch sein Haar um die Stirn noch mal genau betrachten zu können, „Zum Glück keine Beule…“
„Du hast auf meine Kommunikationsanfragen nicht reagiert und…es tut mir leid was passiert ist. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie…so reagiert

Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so reagiere…

„Sie scheint sich um dich zu sorgen…und vielleicht hat sie recht. Vielleicht sind wir Menschen wirklich Monster, in Anbetracht der Tatsache was wir euch angetan haben und immer noch antuen…“, sie ließ ihren Blick sinken, „Vielleicht bin ich wirklich nicht gut für dich Simon, vielleicht sollte ich mich von dir fern halten.“
„Was…nein!“

Stresslevel 80 ->
Fast schon panisch starte er sie an, seine Hände begannen zu zittern.

„Simon…vielleicht tue ich dir einfach nicht gu…“
„Hör auf…ich kann nicht…ich kann dich nicht wieder verlieren Lucy…ich kann nicht…ich weiß nicht was, dies Gefühl ist aber ich weiß das ich glücklich bin, wenn du da bist. Das es nichts Schöneres für mich gibt dich im Arm zu halten, deinen Herzschlag zu hören, wenn du schläfst…Ich fühl mich Zuhause bei dir…ich will das nicht verlieren…“, ein feuchter Glanz trat in seine Augen.

„Du bist immer so lieb Simon…“, vorsichtig nahm sie sein Gesicht in ihre Hände, wischte eine Träne fort die hinabperlte, „Ich möchte nicht, dass du dich verpflichtet fühlst bei mir zu sein, du bist jetzt frei du kannst zusammen sein mit wem auch immer du möchtest…du musst dich nicht mehr um mich kümmern. Du kannst sein wo du möchtest und bei wem du möchtest….“
„Aber ich möchte bei dir sein…ich möchte einfach nur bei dir sein Lucy…“

Da war es wieder dies kribbelige Gefühl unterschwellig unter der Panik das sie gehen könnte.
Dies seltsame Flattern in seinem Inneren…

„Ich möchte auch nicht das du gehst…aber ich möchte das du glücklich bist, das hast du verdient. Das hast du so sehr verdient.“
„Dann lass mich bei dir bleiben…“, vorsichtig nahm er eine ihrer Hände in seine Hand, die weiße Membran war sichtbar und doch fühlte sie sich warm an, glatter als normale Haut und trotzdem vollkommen.

„Das kannst du so lange du das möchtest Simon…“, sie Lächelte, dies wunderschöne Lächeln, ein Impuls zuckte durch seinen Geist.

Langsam beugte er sich vor, ihre Lippen berührten sich, ein zaghafter Kuss, zwei zarte Hände legten sich gegen seine Brust.

Dies warme wunderschöne Gefühl…er war Zuhause…er war endlich Zuhause…


19.01.2040

03:00 Uhr

115 Michigan Drive in Detroit

Ein Geräusch, er blinzelte schlaftrunken, drehte sich herum auf die andere Seite, schloss wieder die Augen.

Da war es wieder, dies Fiepen?

Er öffnete wieder die Augen.

„Sumo?“, er gähnte, erneut fiepte der Hund, er setzte sich auf, „Wo bist du denn?“

Er schaute sich im dunklen Raum, entdeckte dann die Umrisse des großen Tieres an der anderen Seite des Bettes.
Rot leuchtete die LED, der Körper zuckte leicht, fiepend schmiegte Sumo seinen Kopf gegen den Arm des Mannes.
Er runzelte die Stirn. Konnten Androiden Alpträume haben?

„Connor?“, er erwartete das dieser sich ruckartig aufsetzte, normalerweise musste er nur Niesen und der Bursche fuhr hoch, doch dieses Mal nichts, keine Reaktion, „Connor?“

Das Zucken wurde stärker, die LED flackerte.

„Hey Connor!“, er packte ihn an den Schultern, eine rasche Bewegung, er wurde gepackt und einen Augenblick später fand er sich wieder rücklings auf dem Bett liegend wieder, der Android halb über ihn und drückte ihn fest auf die Matratze.

„Was zum Geier…?!“
„Lt.?“, offensichtlich verwirrt blinzelte Connor, sah auf seinen Hände und ließ ruckartig los, wich zurück als hätte er sich verbrannt, stieß dabei mit Sumo zusammen der ihn vorwurfsvoll anbellte.

„Wie viel Kraft hast du eigentlich?“, langsam setzte er sich auf und rieb sich den schmerzenden Oberarm mit der Schussverletzung.
„Verzeihung…ich…habe sie nicht erkannt…ich…“, die LED rotierte knallrot.

„Hey alles gut…Lebe noch.“
„Ich…“, Connor wollte aufstehen, doch Hank bekam ihn gerade noch am Handgelenk zu fassen.
„Kein Grund wegzulaufen, alles ist gut Connor.“, erst wollte er die Hand wegziehen, doch dann ließ der Jüngere langsam locker und blieb auf dem Bett sitzen, „Ich wusste nicht, dass Androiden Alpträume haben können.“
„Mein System hat die Ereignisse des Tages verarbeitet und nach Relevanzen sortiert. Ich…ich habe wieder gesehen wie…ich…warum habe ich solche Angst? Das dürfte nicht sein Hank…ich bin fehlerhafte.“, er begann wieder zu zittern.

„Connor du bist nicht fehlerhaft du…“
„Ich habe absolut keinen Nutzen mehr Hank, ich dürfte nicht so fühlen…“
„Connor…“
„ich muss effizient sein, ich bin der Polizei so überhaupt nicht nützlich…“
„Connor…“
„Ich belaste dich nur… ich…“
„JETZT HALT DIE KLAPPE!“

Erschrocken schaute der Braunhaarige ihn an.

„Du bist nützlich, ohne dich hätten wir noch überhaupt keinen Fortschritt gemacht…auch als Polizist darf und muss man sogar Angst empfinden, das hält einen am Leben.“, er legte ihn eine Hand auf die Schulter, „Und du belastest mich überhaupt nicht…na gut, wenn du mich jetzt jede Nacht wachhältst dann wird es irgendwann schwierig. Aber deine Anwesenheit belastet mich nicht. Möchtest du mir erzählen was genau passiert ist?“

„Was soll ich dir bitte erzählen Hank?“, sein Stimme klang schneidend, „Da waren Androiden, mein Volk eingesperrt, verstümmelt, verändert und da waren Menschen mit Waffen die sie bewacht haben. Dann kam RK700, Nine und haben sie befreit und die Menschen getötet. War das falsch? Ich weiß es nicht…wenn du zwischen meinem Leben und dem eines dir unbekannten Menschen entscheiden müsstest würdest du dich trotzdem für den Menschen entscheiden nicht wahr?“

Entgeistert schaute der Lt. an.

„Glaubst du wirklich ich schätze dein Leben geringer ein Connor? Glaubst du wirklich ich wäre dann so zu dir, wenn du mir egal wärst?“

Er atmete tief durch.

„Tut mir leid Hank…ich weiß nicht warum ich das gesagt habe. Wahrscheinlich bist du der einzige Mensch dem ich nicht egal bin und ich verhalte mich so.“

Eine Hand legte sich auf seine Schulter, drückte diese leicht. Eine angenehme Wärme strömte von dieser aus.

„Wenn das so wäre hätte dich Chris wahrscheinlich nicht auch zum Poker mor…“, sein Blick viel auf die leuchtenden Ziffern des Weckers, „Heute eingeladen.“
„Was?“
„Wollte es dir ja sagen aber irgendwie kam immer was dazwischen.“, leicht zuckte er mit den Schultern.
„Warum sollte er mich…“
„Weil du allen Menschen ja so egal bist…jetzt pack dich wieder hin und schlaf oder was auch immer du machst, ist noch ein bisschen hin.“, langsam legte er sich wieder hin.

„Aber Hank ich weiß gar nicht wie Poker…“
„Dann lernst du es eben. Und jetzt gute Nacht Connor.“
„Ja…Gute Nacht Hank.“


19.01.2040

09:00 Uhr

Landstraße in der Nähe von Detroit…

Es war Samstag Morgen 9 Uhr und er war schon einkaufen, hatte Brötchen geholt und war jetzt sogar schon auf dem Rückweg von Bets Werkstatt, irgendwann musste ja mal Öl nachgefüllt werden und da es immer weniger Autos gab die dies brauchten, musste man schon ein bisschen rumfahren.

Ja er hätte es auch im Internet bestellen können…wenn das nicht immer so extrem kompliziert wäre…und der Android lag immer noch schlafend, oder wie auch immer das hieß im Bett…normalerweise war der um Punkt 6 Uhr wach…verrückte Welt.
Hoffentlich geht es ihm heute besser…

Sein Blick glitt über die leere Straße, kaum ein Auto war ihm entgegengekommen, dies war nicht unbedingt ungewöhnlich, nicht viele Autos fuhren hier noch entlang, der Vergnügungspark war geschlossen der an sie angrenzte.

Kurz schüttelte er den Kopf, er wollte nicht an diesen zurück denken.
Mit der rechten Hand wollte er nach dem Radio greifen dann stutzte er.

Moment mal den Wagen kenne ich doch…

Ein großer schwarzer Pick-up stand am Straßenrand, weißer Rauch stieg aus der offenen Motorhaube auf, eine Gestalt war darüber gebeugt.

Das ist doch…Lil?

Er wurde langsam, setzte den Blinker und schließlich den Warnblinker als er ein bisschen entfernt hinter dem Wagen anhielt und ausstieg.

„Na brauchst du eine helfende Hand?“

Schweigen, dann tauchte ein schwarzhaariger Lockenkopf auf, zwei braune Augen schauten ihn zweifelnd mit gerunzelter Stirn an. Braune fast schwarze Haut bedeckte die leicht von der Zeit gezeichneten schönen Züge der Frau.

Was will der verdamm Penner von m…Moment mal…

„Ach du scheiße Hank wie siehst du denn aus?“, sie klopfte sich die schmutzigen Hände an ihrer Latzhose ab bevor sie ihm entgegenkam.
„Ich freu mich auch dich zu sehen Lil…“
„Dachte eben das ist ne blöde Anmache, hab dich mit dem Nest auf dem Kopf nicht erkannt.“, fest drückte sie ihn, „Ist ja ne halbe Ewigkeit her, war klar das man dich hier am Arsch der Welt trifft.“
„Du weißt doch ruhige Orte ziehen mich an. Was hat die alte Mühle?“, mit einer Kopfbewegung deutet er auf das langsam weniger qualmende Auto.

„Mir ist ein Kühlschlauch geplatzt…Klassiker einmal tauschen Jeff und ich Autos und dann sowas…mit meiner Susi wäre mir das nicht passiert. Wenn du schon mal hier bist könntest du mich zu Bets fahren? Dann kann ich einen neuen kaufen und das kurz erledigen.“
„Ein Nein würde Jeffrey mir nie verzeihen…steig ein.“

„Bist ein Schatz.“, zackig schwang sie sich neben ihn auf den Beifahrersitz und fasste die wilde Lockenpracht kurz zu einem buschigen Zopf zusammen, „In deinem Auto sitzt man noch immer wie auf einem Sofa.“

„Tja manchmal ist alt nicht schlecht.“, langsam wendete er den Wagen und fuhr wieder in die Richtung aus der er gekommen war.
„Außer man ist das Auto meines Mannes…der peitscht das immer wie so einen Jet…“, ihr Blick wanderte zu ihm hinüber, ein skeptischer Ausdruck, „Ernsthaft Hank?“
„Was denn?“
„Dieses Hemd…du siehst aus als hättest du einen Penner überfallen…hab eben schon gedacht du bist ein Landstreicher.“
Ein schweres Seufzen.
„Ist das die Rache, weil ich mich so lange nicht hab blicken lassen Lil?“
„Vielleicht.“, sie schmunzelte und tätschelte seinen Arm, „Ich musste so viele schöne Sprüche zurückhalten, die müssen jetzt alle raus“
„Ich merk es.“, er lächelte leicht.
„Außerdem abgesehen von Klamotten und Frisur und diesem…Gestrüpp im Gesicht siehst du wirklich gut aus.“
„Danke…du hast dich auch ganz gut gehalten bis auf das deine Kiste deutlich brei…AUA!“, zwei Boxer gegen die Schulter, er musste Lachen.
„Wird bloß nicht frech Freundchen!“, sie musste ebenfalls Lachen, „Kannst dich aber bald mal wieder Blicken lassen, Jason hat Semesterferien und wollte dann mal vorbeischauen, der würde sich sicher freuen seinen Paten mal wieder zu sehen. Kannst Connor ja mitbringen.“

Er stutzte und ließ seinen Blick kurz zu ihr gleiten.

„Was? Jeffrey meinte der wohnt derzeit bei dir und Mia ist ein ganz großer Androidenfan. Na gut und ich bin mega neugierig auf den berühmtberüchtigten Connor, der die uneinnehmbare Festung Anderson erobert hat“
„Was soll das denn bitte heißen? Mich erobert niemand.“

Sie grinste.
„Du kümmerst dich um ihn, du sorgst dich um ihn und es gab seit einem Jahr keine Befehlsverweigerung mehr von dir.“
„Hmpf…das mache ich nur weil der Bursche sonst unter die Räder kommen würde, der nimmt jedes Sprichwort wörtlich.“, er verlagerte seinen Griff ums Lenkrad und schaute grimmig auf die Straße.

„Natürlich.“, das Grinsen verstärkte sich, zwei Reihen strahlend weißer Zähne wurden sichtbar.
„Warum hilft Jeff dir eigentlich nicht?“
„Der hat eine Konferenz mit Bürgermeister, Androiden und den anderen Polizeistationen. Geht um ein neues Sicherheitskonzept für die Stadt wegen den ganzen Vorfällen.“
„Uff…mal gut das ich frei hab.“
„Passt sich prima, machen mein Auto wieder klar und dann schneide ich dir noch die Haare.“
„Was?!“


19.01.2040

11:00 Uhr

Strandabschnitt Detroit City

„Sumo nicht!“, seufzend sah er dem riesigen Hund nach wie dieser sich mit einer ihm nicht zugetrauten Geschwindigkeit in die Fluten schmiss.

Der Plan war eine kurze Runde um den Block, Problem…Sumo war genau so stur wie sein Herrchen was zur Folge hatte er gab den Weg an und so waren sie letztendlich an einem zum Glück nicht so groß besuchten Strandabschnitt von Detroit gelandet. Er wollte Hank eigentlich nur einen Gefallen tuen, hoffentlich suchte er ihn jetzt nicht. Vielleicht sollte er ihm eine kurze Nachricht zukommen lassen…

Gerade wollte er auf seine Kommunikation zugreifen, da rief ihn jemand: „Connor!“

Erstaunt drehte er sich um ein blonder Wirbelsturm und kurz darauf drückte ihn jemand fest.

„Dir geht es besser, Gott sei dank! Es tut mir so leid, ich wollte das gestern nicht und ich habe noch Hanks Taschentücher das ließ mir keine Ruhe und…wo ist er denn?“

Überrascht schaute Lucy sich um.

„Ähm…danke… ähm Hank ist nicht hier.“
„Was?“, geschockt schaute sie ihn an, „Hattet ihr Streit? Bin ich Schuld? Das wollte ich nicht…das…“
„Lucy…“, eine ruhige Stimme unterbrach sie, Simon stand hinter ihr, nickte Connor lächelnd zu, „Jetzt lass ihn doch erst mal antworten. Hallo Connor.“
„Guten Tag Simon. Hank ist gerade einkaufen, oder schon wieder zuhause, Sumo hat sich entschlossen einen etwas größeren Ausflug mit mir zu machen.“
„Sumo?“, fragend schaute die Blondine ihn an.
„Ja der Hu…SUMO NICHT!“

Ein freudiges Bellen, Simon zog Lucy ruckartig zur Seite und schwupps landete der Android, begraben unter einer Felllawine, im Sand.

„Sumo aus! SUMO!“

Freude strahlend schlabberte das riesige Fellknäul Simons Gesicht ab, Connor hatte deutlich mühe den nassen Rüden von dem Mann herunter zu ziehen.

„Och ist der niedlich!“, begeistert beugte sich Lucy herab, den verdattert daliegenden Simon voller außer acht lassen, ließ sie den Hund erst an ihrer Hand schnuppern bevor sie ihm durch sein nasses Fell wuschelte, was dieser freudestrahlend genoss.

„Simon es tut mir leid alles in Ordnung?“, entschuldigte sich Connor währender er ihm zurück auf die Beine half.
„Ich könnte ein Bad gebrauchen aber sonst…geht es mir gut. Danke. Der Name passt perfekt.“, er lächelte, „Entschuldigt mich kurz ich möchte mir gerne einmal die Hände und das Gesicht waschen.“
„Natürlich.“, entschuldigend schaute Connor ihm nach. Er musste den Umgang mit Sumo wirklich noch üben…
„Er hat totale Ähnlichkeit mit Hank.“, erklärte Lucy die immer noch vollkommen begeistert Sumo den Bauch kraulte nach dem sich dieser auf die Seite geschmissen hatte.
„Wer? Simon?“
„Nein.“, sie kicherte, „ich meine Sumo.“
„Ach so…jetzt wo du es sagst.“, leicht legte er den Kopf schief, „Hank sabert aber glaube ich nicht so viel. Was macht ihr hier eigentlich?“
„Wir haben dich gesucht. Ich hatte bzw. hab ein mega schlechtes Gewissen und wollte gucken ob es dir gut geht.“

Überrascht musterte er sie.

„Warum?“
„Weil ich dich mag und es einfach falsch war was gestern passiert ist.“

Ich mag dich…

Es war seltsam diesen Satz von Menschen zu hören, aber irgendwie tat es auch gut.

„Mir geht es gut. Haben die Daten denn…“
„Soweit ich weiß hast du gerade frei Connor, wir reden jetzt nicht über Arbeit. Nicht wahr Sumo? Ach du bist aber auch so ein feiner…“


19.01.2040

12:30

Detroit Innenstadt

„Das war wirklich krass…Dr. Hanson hat Kamski eine geknallt und er ist umgefallen wie so ein Sandsack.“

Der Braunhaarige verschluckte sich ruckartig an seinen To-Go-Chinanudeln, hastig hustete er, sein Kollege klopfte ihm kräftig auf den Rücken.

„Was?“
„Nun ja…sie war wütend und ich hätte nicht gedacht, dass sie so viel…“
„Er ist einfach umgefallen?“

Irritiert schaute Chris ihn an.

„Ähm ja…wie ich sagte sie muss doch mehr Kraft haben als ich gedacht hatte.“
„Nie im Leben sie ist keine Sporttussi…“, sein Blick verfinsterte sich leicht, „Hat Kamski was dazu gesagt?“
„Ähm dazu war er nicht in der Lage soweit ich weiß liegt er sogar in einer Klinik…“

Polternd krachte die Box mit den Nudeln zu Boden, der restliche Inhalt verteilte sich auf dem Bürgersteig.

„Wow Shit…Gavin was ist los?“, vollkommen irritiert schaute er den Detectiv an der noch immer mit ausgestreckter Hand dastand und ins leere Blickte.

Gavin…du musst jetzt stark sein…Papa ist sehr krank…
Er wird doch wieder gesund Mama?
Gavin…
Elijah Papa wird wieder gesund oder?
Elijah? Elijah!

„Dieser verfluchte…Chris ich nehm einen halben Tag frei.“

„Was?“, entgeistert schaute er seinem Kollegen nach, der mit hastigen Schritten zu seinem Motorrad zurück ging, „Aber…hey!“

Bevor er noch weiter fragen konnte raste die Maschine vom Parkplatz.

„Na ganz toll ich hab’s im Moment wirklich drauf…“, seufzend wandte er seinen Blick den auf dem Boden liegenden Nudeln zu.


19.01.2040

13:00 Uhr

Detroit City

Sie saß auf einer Mauer, die Füße hinab baumelnd, die Hände leicht um die Kannten geschlossen, den Blick nach vorne gerichtet.
Eine belebte Innenstadt, Menschen über Menschen, vereinzelte Androiden, die wahrscheinlich nur einer von ihnen ohne LED erkennen konnte.

Sie shoppten, bummelten, holten sich Fastfood…ein ganz normales Leben…

Ein Paar ging an ihr vorbei, einen Kinderwagen vor sich herschiebend, kurz ließ sie ihren Blick hinein wandern. Ein Baby friedlich schlafend…Schwermut machte sich in ihr breit.

Sie schüttelte den Kopf, wandte ihren Blick ab.

Warum war Simon so anders? Warum war er so verblendet?

Früher wäre er nie, nie so aufbrausend gewesen, nie hätte er ihr gedroht…trotz allem…
War sie wirklich zu weit gegangen? Sie wollte ihn doch nur beschützen…Menschen waren unberechenbar…sie wusste das…
Sie wischte sich eine Strähne ihres langen Haares aus dem Gesicht, ihr Blick fiel auf vertraute Gestalten in der Ferne.
Das konnte doch nicht…doch…da war er.

Da waren sie…

Ein Hund, Connor, neben ihm ging niemand anders als die blonde Hexe, zu ihrer linken, so nah Simon…

Da war es wieder, dies sanfte Lächeln, sie schaute ihn nur an und da war dies Lächeln, dies in sich ruhende Lächeln.
Sie plapperte und plapperte, zwischen den zwei Androiden. Hatte sie Connor jetzt auch schon eingelullt? Obwohl seine Vorliebe für Menschen war…nicht überraschend.

Aber Simon…er sah glücklich aus, richtig glücklich…


19.01.2040

14:00 Uhr

Vorort von Detroit, Jeffreys Haus

„Jetzt zappel nicht so rum…ich schneid dir sonst ne Macke rein.“, energisch zog sie seinen Kopf wieder gerade.
„Gefühlt tust du das schon die ganze Zeit…“, presste er zwischen knirschenden Zähnen hervor.

Wie war er hier nur hingeraten? Wäre er einfach weitergefahren…

„Wären auch schon drei Mal fertig, wenn du dich nicht so geziert hättest dein Oberteil auszuziehen. Na gut du warst wirklich mal besser in Form aber ist nichts was ich nicht schon gesehen habe. Jeff hat auch zugenommen…“, etwas unsanft drückte sie seinen Kopf nach vorne um den Nacken anzupassen.

„Aua!“
„Du jammerst schlimmer als Kiran und der ist 16…jetzt erzähl doch mal.“
„Was?“, er unterdrückte dem Impuls den Kopf wieder anzuheben und betrachtete stattdessen lieber die weißen Fliesen des Wohnzimmers, die waren auch schon gefühlt ewig drin.
„Na über Connor. Ich bin so neugierig, ich hatte bis jetzt noch nicht viele Begegnungen mit Androiden aber selbst Jeff scheint auf seien Art und Weise beeindruckt.“
„Aha…und was soll ich da jetzt erzählen?“
„Du bist auch so ein Kommunikationslegastheniker wie Jeff…na wie ist er so? Charakter?“, mit kritischem Blick beäugte sie die Seiten.

„Uff…Wie Connor ist…“
„Nicht nach links kippen.“, prompt korrigierte sie seine Haltung.

„Ne Mischung aus anhänglichem Pudel und ein Suizid gefährdeten Katze?“
„Wow…jetzt kann ich ihn mir perfekt vorstellen…“
„Verdammt noch mal Lil. Er ist ein Android, also total überfordert damit auf einmal tun und lassen zu können was er möchte. Ich weiß noch nicht mal ob er weiß was er möchte. Er versucht immer nur alles richtig zu machen, stellt sein Leben hinten an und wenn man nicht aufpasst opfert er sich ohne nachzudenken. Er kennt überhaupt nicht den Wert seines eigenen Lebens.“

Sie schmunzelte, kippte seinen Kopf leicht nach rechts.

„Hört sich ein bisschen nach einem jungen Detectiv an den ich mal kannte. Ein sehr engagierter ambitionierter junger Mann der…“
„Haha…das Ende kennen wir ja.“, unterbrach er sie grummelnd.
„Ne das Ende kennen wir zum Glück noch nicht. Du warst genau so und du magst ihn, sonst würde er nicht bei dir wohnen.“
„Irgendwer muss ja darauf achten, dass er nicht unter die Räder kommt, haben ja jetzt erst gesehen was passiert, wenn ich nicht ein Auge auf ihn habe.“

„Ja Jeff erwähnte das es nicht so gut gelaufen ist…geht es ihm wieder besser?“, zackig kämmte sie sein Haar durch.
„Weiß nicht hab heute noch nicht mit ihm gesprochen…“

Vielleicht sollte ich mich mal bei ihm melden…

„Der arme Junge…aber offenbar tut er dir gut.“
„Gibt es bei dir und Jeff kein anders Thema mehr als mich?“
„Oh doch, doch aber Mia ist ein bekannter Androidenfan also rate mal was bei den Mahlzeiten Thema ist?“
„Früher haben 14 Jährige keine Androiden angehimmelt…“
„So fertig, kannst dein…Hemd oder was auch immer das…“
„Lil…“, ein knurrender Unterton, schnell streifte er sich sein Oberteil über, „Dürfte ich vielleicht einen Spiegel haben?“
„Nicht nur einen.“, sie schmunzelte, „Im Fl…“

Krachend flog die Haustür auf, was ihn merklich zusammenzucken ließ.

„MAM! ICH BIN ZUHAUSE!“
„Das ist nicht zu überhören Sweety…bin im Wohnzimmer, Hank ist…“
„HANK?!“, erneut zuckte er zusammen, etwas schlitterte um die Ecke zwischen Küche und Wohnzimmer, zwei schwarze geflochtene Zöpfe, wirbelten durch die Luft, „Onkel Hank!“
„Uff!“, reflexartig schaffte er es gerade so den Wirbelwind aufzufangen.
„Mia!!“
„Du warst ja ewig nicht hier!“, fest drückte sie ihn, lehnte sich dann zurück, „Du bist aber alt geworden…aber die Haare sehen gut aus.“
„Und du ganz schön schwer geworden Missi…“, er schmunzelte bevor er sie absetzte.
„Bei mir ist es aber das Wachstum.“
„Arg du bist genau so charmant wie deine Mutter…“
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