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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
9
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
26.08.2020 3.871
 
18.07.2040 Freitag

16:30 Uhr

Detroit Police Apartment

Und natürlich hat ihn keiner gesehen…Gavin hätte vielleicht nicht gleich rausposaunen sollen das wir einen Androiden suchen…so ein verdammter Brüllaffe…

Genervt ließ er seinen Notizblock auf seinen Schreibtisch fallen, er wollte ansetzen etwas zu sagen, stellte dann aber überrascht fest das der Schreibtisch ihm gegenüber leer war. Waren Connor und Chris noch nicht zurück? Die Beiden waren viel früher los als sie…

„Lt. Anderson?“
„Ach seid ihr doch schon wieder da?“, sein Lächeln verwandelte sich augenblicklich in einen skeptischen Blick als er Chris Ausdruck sah.
„Seit einer halben Stunde, haben gerade dem Captain alles berichtet. Bevor sie es von ihm hören, es war wirklich hart für Connor und es tut mir leid ich habe zu spät erkannt wie gefährlich es war. Also ihm geht es gut aber ich glaube es wäre gut, wenn er das Wochenende frei hätte.“
„Was ist passiert Chris? Wo ist Connor jetzt?“
„Er sitzt im Innenhof auf einer Bank. Kamski hatte die Idee Connor, das hört sich so falsch an, zu benutzen um den Speicher dieser…Kreaturen nach einem Hinweis auf ihren Erschaffer und seinen Aufenthalt zu finden.“
„Das heißt was Chris?“, Hanks Stimme klang bedrohlich ruhig.
„Aus Miss Hanson und Mister Kamski waren sich uneinig wann abgebrochen werden sollte, sie wollte viel früher abbrechen aber das hat er nicht zugelassen und dann als sie abgebrochen haben, brachte es nichts den Strom abzustellen, es lief weiter…dieser Simon hat dann wörtlich den Stecker gezogen…es tut mir leid Lt. ich hätte mich einschalten sollen ich…“
„Nein alles gut Chris.“, leicht drückte er die Schulter des jüngeren Mannes, „Du konntest das überhaupt nicht einschätzen und es wäre nicht richtig dir Vorwürfe zu machen…gab es Ergebnisse?“
„Ja ein Abschnitt an der Küste bzw. der Hafen. Miss Hanson versucht es noch konkreter zu ermitteln aus dem Daten, der Captain verstärkt die Streifen vor Ort aber bereits und sie sollen vermehrt auf Fremde achten.“
„Immerhin…ich werde jetzt mit Jeffrey reden und mich um das Wochenende kümmern. Danke, dass du dich um Connor gekümmert hast, du bist ein guter Polizist Chris.“
„Danke Lt. das bedeutet mir wirklich viel das zu hören. Ich…ich wollte sie noch einladen, also sie und Connor.“

Fragend zog Hank eine Braue in die Höhe.

„Naja ich hatte mein Einjähriges letztes Jahr, aber durch die ganzen Spannungen war es nicht angemessen deshalb anzustoßen, das würde ich jetzt gerne nachholen um mich für die Aufnahme zu bedanken. Ist auch nur ein kleiner Kreis Tina, Ben, Gavin und der Captain…wäre morgen Abend um 20 Uhr im Tommys Pub, sie können doch sicher Poker oder?“
„Jeffrey kommt? Hm na dann kann ich wohl schlecht nein sagen, wir kommen.“
„Das freut mich Lt. und es tut mir wirklich…“
„Lass gut sein Chris. Leben ja alle noch.“, kurz nickte er ihm zu bevor er sich zu Jeffreys Glasbüro aufmachte.

Mit gemischten Gefühlen sah Chris im nach.


Aus dem Augenwinkel heraus konnte er bereits sehen wer gleich in sein Büro treten würde.

Auftritt des wütenden Pavians in…1…2…3…

„Jeffrey?“, überrascht schaute er auf als Hanks Stimme vollkommen ruhig an seine Ohren drang, „Hast du kurz 5 Minuten?“
„Natürlich setzt dich Hank.“, er schob die Tastatur zur Seite und lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück, während Hank sich auf den Stuhl vor dem gläsernen Schreibtisch setzte.

„Du bist der Captain, aber ich denke das mit Connor war heute ein bisschen viel für ihn. Wäre es ok, wenn wir dies Wochenende keinen Dienst schieben?“
„Hast du gesoffen?“, vollkommen entgeistert starrte Jeffrey seinen alten Kumpel an.

„Ich kann auch ohne Alkohol nett sein…“, grummelte er, „Aber wenn du das wünscht kann ich natürlich auc…“
„Nein tue ich nicht. Chris hat mir berichtet was und wie es abgelaufen ist. Das war ein zu hohes Risiko, auch wenn es wenigstens etwas gebracht hat. Ich wollte mit Kamski darüber sprechen doch offenbar befindet sich dieser derzeit in ärztlicher Behandlung. Miss Hanson hat mir versichert, dass es nie die Absicht gewesen war Connor in ernsthafte Gefahr zu bringen…weitere solche Unternehmungen sind untersagt. Ich hab euren Dienst getauscht ihr seid nächste Woche dran, dies Wochenende habt ihr frei.“
„Dank Jeff.“, langsam stand er auf, „Ich geh dann mal besser meinen Partner einfangen.“
„Sehen wir uns Samstag?“
„Damit ich dir was von deiner dicken Kohle abknöpfen kann? Sicher. Kannst Lil schon mal sagen das ich dich vorgewarnt habe.“

Ein breites Grinsen legte sich auf die Züge des Captains.

„Keine Sorge, hab ihr gesagt ich hole mir das dann von deinem Gehalt wieder.“


Schnell, hier und da aufblitzend flog die Münze durch die Luft, glitt durch die blassen Finger, verharrte kurz zwischen Zweien, bevor sie mit Schwung wieder hinüber zu der anderen Hand befördert wurden.

Seine Augen folgten nicht der Münze, sie waren reglos auf den Stamm des großen Laubbaumes gerichtet der inmitten des gepflasterten Innenhofes empor ragte.

Menschen…das waren Menschen…

….auch dein Lt. Anderson wird dich fallen lassen…

Hass stirbt nie Connor…

Ein Zucken ging durch seinen Körper, die Münze schlug mit einem Pling dreimal hintereinander auf den Pflastersteinen auf, rollte weiter, drehte sich im Kreis und blieb schließlich liegen.

Die Finger seiner rechten Hand zuckten sichtbar, er beobachtete sie, versuchte es zu unterbinden, doch das Zucken ließ sich nicht unterbinden.

Fehlfunktion in den motorischen Komponenten erkannt…erneute Synchronisierung wird durchgeführt…

Sein System funktionierte noch immer nicht fehlerfrei…die Überbelastung war spürbar, er hatte heute seine Grenzen erreicht, zum ersten Mal hatte er seine Leistungsgrenze erreicht…

Sie haben ihn fast umgebracht!

Hatte Lucy recht? War es wirklich so knapp gewesen? Wären sie wirklich soweit gegangen…

Das Zittern in seiner Hand wurde stärker, erschrocken zuckte er zusammen als Diese auf einmal jemand festhielt.

Irritiert schaute er Hank an der vor ihm kniete und seine Hand mit beiden Händen festhielt, noch immer vibrierte die ungewollte Spastik durch seine Finger.

„Harten Tag gehabt?“
„Mein System ist noch nicht 100% wieder stabilisiert…“
„Darum lag die Münze auf dem Boden. Komm wir gehen nach Hause, für heute ist alles erledigt. Dies Wochenende haben wir frei.“
„Ich kann Morgen wieder…“
„Connor du brauchst eine Pause, da gibt es keine Diskussion.“, leicht drückte er seine Hand, bevor er aufstand. „Komm.“

18.07.2040

18:00 Uhr

Detroit Außenbezirk Androiden Viertel
Hauptgebäude

Etwas unsicher betrat sie nach Simon, dessen Zimmer, ihr Blick wanderte über die weißen Wände, ein einziges Bild, die Aufnahme eines Sonnenuntergangs über dem Meer. Ein schlichtes Bett, zwei buschige Pflanzen in Tontöpfen, ein Regal mit Büchern, eine kleine Kommode. Mehr befand sich nicht in dem Raum.

„Nicht sehr beeindruckend nicht wahr?“, er beugte sich über die Kommode, kramte nach einem neuen Oberteil, sein Derzeitiges war durch den Vorfall heute in Mitleidenschaft gezogen, an manchen Stellen war es gerissen und durch freigesetzte Energie verkohlt.
„Ich mag es. Es ist schön das du was Eigenes hast.“, sie bemühte sich um ein schwaches Lächeln.

War es wirklich in Ordnung, dass sie hier war? Nach der heutigen Aktion hinterfragte sie alles, Connor wäre beinah…Simon hatte sich deshalb in Gefahr begeben und sie hatte ihren Chef…er würde ihr definitiv kündigen…sollte er doch, für so ein Monster wollte sie nicht arbeiten…wie dumm war sie gewesen? Sie hatte wirklich geglaubt ihm würde etwas an den Androiden liegen, so wie ihr…sie hatte gedachte es gäbe noch jemanden der solche eine Faszination empfand, der bemüht war ihnen ein besseres Leben zu geben…aber nein er war nur ein rationelles Monster.

„Lucy?“, verwirrt schaute sie ihn an, er schaute sie an als würde er eine Antwort erwarten, eine Antwort auf eine Frage die sie nicht mitbekommen hatte.

„Hm? Verzeih ich war in Gedanken.“
„Immer noch über die Tatsache das du Mister Kamski eine Ohrfeige verpasst hast? Er ist definitiv nicht deshalb zu Boden gegangen, sein Herzschlag hat sich 1,3 Sekunden vorher bereits unrhythmisch verhalten.“
„Sein Herz hatte einen Aussetzer?“
„Rhythmusstörung, ich bin nicht dafür konzipiert eine genaue Diagnose zu stellen, ich bin nur dafür gedacht kritische Situationen rechtzeitig zu erkennen, auch im gesundheitlichen Bereich, wie du wissen solltest.“
„Ja die Sache mit dem Bonbon…“, sie wurde leicht rot.
„Ein Beispiel von vielen.“, da war es wieder dies schelmische Schmunzeln, sie liebte es, sie liebte…
„Was wolltest du mich fragen eben gerade?“, verlegen fuhr sie sich durchs offene Haar.
„Ich hatte gefragt ob es dich stören würde, wenn ich kurz mein T-shirt wechsle, ich weiß das Menschen ein recht großes Scharmgefühl besitzen können und…“
„Wir waren früher zusammen schwimmen Simon…ich habe dich sicher schon 100 Mal oben ohne gesehen.“
„Das stimmt.“

Wie hatte er dies vergessen können?

Eine leichte Wärme stieg in ihren Wangen auf, aufmerksam beobachtet sie wie er sich erst die verschlissene Strickjacke auszog und schließlich das T-Shirt.

Helle fast weiße Haut kam zum Vorschein, einzelne kleine Muttermale, leicht definierte Brustmuskeln, er drehte sich griff nach dem neuen Sweatshirt, die Muskelstränge auf seinem Rücken zeichneten sich ab.

Das Brennen in ihrer Wangen wurde stärker. Sie hatte ihn nicht so in Erinnerung, oder war ihr dies als Kind nie bewusst gewesen? Er war attraktiv…sehr attraktiv…

Oh Himmel was dachte sie denn da? Es war Simon…

Er stutzte, das Shirt noch immer in der Hand, drehte er sich wieder zu ihr um.

„Alles in Ordnung? Hast du Fieber?“, er streckte eine Hand nach ihrer Stirn aus angenehm kühl legte sich diese darauf, „Deine Temperatur steigt.“
„Mir geht es gut…ich hab kein Fieber…“, vorsichtig nahm sie seine Hand von ihrer Stirn hielt diese mit beiden Händen fest, ihr Herz hämmerte in ihrer Brust.

„Dein Puls rast, Lucy ich bring dich jetzt sofort zu einem Arzt.“, er wollte sie packen doch da war sie bereits vorgetreten, auf die Zehenspitzen gegangen und für einen kurzen Augenblick lagen ihre Lippen auf seinen.

Die Tür flog auf.

„Simon bist du en…SIMON!!“, schrecklich schrill bohrte Norths Stimme sich durch die Luft, Lucy zuckte erschrocken zusammen wirbelte herum, „Die Menschenfrau?!“
„North was s…“
„Das kann nicht dein Ernst sein Simon! Du schleppst einen Menschen hierher? Und dann…wie abartig bist du denn bitte?! Sie ist ein Monster wie kannst du…Moment mal sie hat dich verführt nicht wahr?“

North baute sich vor Lucy auf, die sie immer noch vollkommen erstarrt anschaute.

„Du hörst mir jetzt besser ganz genau zu Tussi. Pack Simon noch einmal an und man wird nur noch einen Finger von dir finden. So ein krankes Spiel gibt es hier nicht…VERPISS DICH!“, sie packte sie und bevor Simon auch nur etwas tuen konnte hatte North sie aus dem Raum geschubst, unsanft landete sie auf den Boden, ihre Brille schlitterte über den Boden, ein lautes Knirschten, ein Fuß besiegelte das Schicksal der bereits angebrochenen Gläser.

„Lauf bevor ich das gleiche mit dir mache...“

Hastig sprang sie zurück auf die Beine, rannte den Flur entlang, jemand rief ihr nach doch sie ignorierte es, sie wollte weg, weg von den hasserfüllten braunen Augen, sie stolperte die Treppe hinab, aus den Gebäude die verschwommene Straße entlang, quietschende Reife, zwei grelle Lichter erschrocken schrie sie auf.


Wie aus dem Nichts lief eine Frau auf die Straße, ruckartig trat er auf die Bremse, riss das Lenkrad zur Seite, quietschend kam er zum Stillstand.

„Verfluchte Scheiße!“, hastig sprang er aus dem Auto, rannte nach vorne, eine blonde Frau kauerte auf der Erde.
„Alles in Ordnung? Verdammt noch mal Mädel hast du keine…“, er stutzte, das war doch, ja das Küken von CyberLife, „Miss Hanson?“

Sie blinzelte, eine verschwommene Gestalt, die Stimme, Lt. Anderson.

„Lt. Anderson….Verzeihung…ich…“, sie schniefte, ihre Hände und Knie schmerzten vom erneuten Sturz, sie wollte sich hoch stemmen da halfen ihr bereits zwei starke Arme in die Höhe.

„Nun mal ganz langsam…was ist los? Brauchen sie Hilfe?“
„Bitte…bitte nehmen sie mich mit…bitte…ich will nur weg…“, sie zitterte, sie wollte einfach nur weg, sich verkriechen und nie wieder rauskommen.

Suchend schaute sich der Lt. um er konnte jedoch keinen Verfolger ausmachen, dennoch führte er sie zum Beifahrersitz, räumte die Pizzen vom Beifahrersitz auf den Rücksitz und brachte sie dazu sich hinzusetzen. Anschließend stieg er auf der Fahrerseite ein und fuhr an.

„Wo?“

Leise nannte sie ihm ihre Adresse.

„Brauchen sie einen Arzt?“
„Nein, sind nur Schürfwunden…meine Brille ist kaputt..“
„Das erklärt das mit dem vors Auto laufen immerhin halbwegs…“, sein Blick huschte kurz hinüber zur ihr dann wieder zur Straße.
„Tut mir leid Lt…“
„Hank reicht Voll und Ganz.“

Überrascht schaute sie in seine Richtung.

„Lucy…einfach Lucy…“
„Gut. Lucy schöner Name. Was ist passiert? Dachte du bist in der Klinik oder CyberLife eingesetzt.“
„Da hätte ich besser auch bleiben sollen…sie hat mich Monster genannt…und sie hat recht…Connor wäre heute beinah gestorben…ich habe Kamski eine geknallt und Simon…ich war so dumm…wie konnte ich es wagen ihn zu küssen nach all dem was wir Menschen getan haben? Sie hat so recht…“, ihr Blick wanderte aus dem Fenster, es fing an zu schneien, wie passend, erneut musste sie schniefen.

„Sowie ich das von verstanden habe, wäre Connor gestorben, wenn sie sich nicht gegen Kamski durchgesetzt hätten…“, hastig kramte er nach einer Taschentuchpackung in der Seitentür und reichte ihr diese.

Sie hat einen Androiden…naja in Sexclubs wäre das jetzt nichts…blöder Vergleich…

„Danke…“, kurz putzte sie sich die Nase, „Das hat dann aber auch nicht mehr viel gebracht hätte Simon die Verbindung nicht manuell…“
„Du hast es wenigstens versucht…Kamski hat einfach weiter gemacht…wenn du nichts getan hättest, wärst du ein schlechter Mensch, aber du hast getan was du konntest, manchmal reicht das nicht aber es ist immer besser als gar nichts zu tun.“, er stellte das Radio etwas leiser.

„Ich reiche nie Hank. Ich habe meinen Eltern nie gereicht, ich habe mir nie gereicht und ich werde nie Simon reichen…er war immer schon mein Zuhause…ich wollte immer zurück…das ist so egoistisch. Sie sind jetzt frei, es war seine Programmierung mehr nicht…und warum heule ich dich überhaupt damit voll? Das tut mir leid, es ist schon zumute alleine das ich mich so auf…“
„Ich bin Polizist ich hätte dich sicher so nicht alleine durch die Stadt im Dunkeln laufen lassen, so oder so. Ich bin vielleicht nicht der beste Ansprechpartner was Liebesdinge angeht aber…Androiden sind doch jetzt empfindsame Wesen…also naja seltsame Vorstellung aber warum solltest du ihn nicht lieben dürfen?“
„Ja da haben sie irgendwie recht…aber er soll jetzt erst einmal sein Leben leben…er soll rausfinden was er möchte…ich will nicht nur eine alte Gewohnheit sein. Connor kam ja auch zu dir zurück…Hier einmal anhalten.“
„Hier?“. Langsam brachte er das Auto zum Stillstand, „Moment Connor kam was?“
„Danke Hank, du bist wirklich kein schlechter Kerl. Ich bin froh das Connor dich hat, ich revangiere mich irgendwie. Grüßen sie ihn lieb und noch Mal vielen Dank.“, bevor der Lt. noch etwas erwidern konnte war sie etwas unsicher ins Innere des Gebäudes gehuscht.

Connor kam ja auch zu dir zurück…?



„Lucy?!“, er kam schlitternd auf dem Bürgersteig vor dem Gebäude zum Stehen, sein Blick hastet von einer Seite der Straße zur anderen.

Große Schneeflocken sackten zu Boden.

„LUCY?!“

Wo war sie hin? Wo war sie? Es war kalt, ihr Wagen stand noch an der Straße.

„Simon jetzt warte doch, was soll den das Theater? Komm wieder rein.“, North kam hinter ihm aus dem Gebäude gelaufen, „Sie ist feige weggelaufen…die kommt nicht wieder.“

Ein Lodern, ein Brennen jagte durch seine Glieder, seine Hände begannen zu zittern, er ballte sie zu Fäusten.
Lucy…Lucy…Lucy…

Stressleve 75->

„Komm Markus wa…“, sie griff mit der Hand nach seiner Schulter, ruckartig wirbelte er herum, schlug ihre Hand mit voller Wucht weg.
„PACK SIE NIE WIEDER AN!“

Entgeistert starte North den sonst so ruhigen Simon an.

„Simon wa…“, fest packte er sie an den Schultern.

„Beleidige sie noch ein einziges Mal und ich zerlege dich in deine Einzelteile…niemand packt sie so an, niemand redet so mit ihr! Niemand! Du hast keine Ahnung was sie für mich ist! Du verbohrte frustrierte Nebelkrähe!“, fest schubste er sie zu Boden.

Erschrocken starrte die Braunhaarige vom Boden zu ihm empor, er zitterte seine Augen waren hasserfüllt, seine Hände zu Fäusten geballt.

„Hey Leute wo…HEY!“, Markus kam gefolgt von Josh aus dem Gebäude gerannt, schob sich beschützend zwischen den Blonden und die am Boden sitzende Frau, Josh zog North hastig zurück auf die Beine.

„Kommt sie Lucy noch einmal zu nah Markus, schalte ich sie aus.“, ein seltsamer Klang lag in der sonst so sanften Stimme seines engen Freundes. Solch harten Wörter passten nicht zu ihm, was war passiert? Sein System war in Aufruhe,
„Simon…was ist passiert? So bist du nicht…“

„Niemand fasst sie an.“, war die einzige Antwort bevor er sich zackig abwandte, zu Lucys Auto trat, welches sich auf seltsame Wiese aktivierte und kurz darauf sich in den Straßenverkehr einfädelte.

„Was…das war doch nicht unser Simon.“, Josh war neben Markus getreten und schaute dem roten Wagen nach.

„Ich weiß es nicht…North?“, besorgt trat er zu seiner Gefährtin und nahm ihre Hände, „Was ist passiert?“


18.01.2040

20:00 Uhr

Privatklinik Detroit

Seine Werte haben sich verschlechtert, seine Zellen korrumpieren schneller, ohne Spende hat er nur noch drei Monate, wenn nicht sogar weniger zu leben. Ich kann nur die Symptome lindern und die Entzündungsherde einschränken, aber er brauch eine Spende und das schnell…

Wieder und wieder wiederholten sich die Worte des Chefarztes in ihrem Kopf, während sie reglos auf einem Stuhl neben dem Bett verharrte und wie so oft seine eiskalte Hand hielt in der unzählige Schläuche zu stecken schienen. Das monotone Piepen, das Rauschen von Sauerstoff…

„Sie könnte deine Rettung sein…“
„Ich werde sie nicht mit hereinziehen Chloe dazu habe ich kein Recht…“
„Du stirbst Elijah!“, ihre Stimme überschlug sich fast, ein Zittern jagte durch ihre Glieder, „Du stirbst und sie ist vielleicht die einzige Möglichkeit dich zu retten! Warum? Warum sprichst du nicht mit ihr?“
„Das verstehst du nicht Chloe.“, seine Stimme klang vollkommen ruhig.
„Dann hilf mir es zu verstehen Elijah…dein Bruder passt nicht das wissen wir, sie ist die einzige die aus deiner Familie noch existiert…“
„Ich werde mich nicht an sie wenden nach dem ich mich all die Jahre nicht gekümmert habe…“
„All die Jahre nicht gekümmert? Du wusstest eine lange Zeit nicht wo sie sich befindet und du hast sie gesucht und ihr einen Androiden als Beschützer gebaut und…du hast sie gerettet als sie…“
„Aber ich war nicht für sie da Chloe, ich war feige, dumm. Dumm Angst vor meinem Vater zu haben, aber nach Annas Tod…ich war einfach dumm. Ich werde nicht so egoistisch wie meine Eltern sein und sie damit behelligen…“

Ihr Blick ruhte auf dem blassen Antlitz des Mannes, eine Maske bedeckte Mund und Nase, dunkle Ringe waren unter den geschlossenen Augen zu sehen.

„Du bist aber egoistisch Elijah…du willst einfach so gehen…und lässt mich hier alleine…das kann ich nicht zulassen. Ich kann dich nicht gehen lassen…ich brauche dich…und sie hat es verdient die Wahrheit zu wissen, zu wissen was du für sie getan hast…“


18.01.2040

20:00 Uhr

115 Michigan Drive in Detroit…

Ganz toll die Pizzen sind jetzt sicher kalt…

Kurz schloss er die Haustür auf während er auf dem anderen Arm die zwei Pizzakartons balancierte.

„Sorry hat länger gedauert, du glaubst nicht wer mir…Connor? Sumo?“, suchend schaute er sich im Wohnzimmer um, nirgendswo war etwas von dem Androiden oder Sumo zu sehen. Kurz stellte er die Kartons in der Küche ab, die Hintertür zum Garten stand auf.

„Connor?“, instinktiv griff er nach seiner Pistole die sich an seinem Gürtel befand, das Haus war vollkommen dunkel, kein Licht war an. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihm breit.

Langsam schob er die angelehnte Hintertür auf, schoss dann ruckartig nach vorne und stutzte nicht blöd.

Im Garten, im handhohem leicht mit Schnee bedecktem Gras, nicht weit entfernt von der kleinen Terrasse, blinzelten ihn zwei schlaftrunkene Hundeaugen an.

Der große Hund lag auf der Seite, an seinen Rücken gelehnt saß niemand anders als Connor.

Erleichterung machte sich breit.

„Was sitzt ihr den hier im Dunkeln und in der Kälte?“, langsam trat er auf die beiden zu.

„Die Sterne sind so heller…“

Kurz strich er Sumo über den Kopf, dann verharrte sein Blick auf Connor, er hatte beide Knie angezogen und die Arme darumgelegt, sein Kinn war auf ihnen abgestützt und sein Blick ging immer noch gefühlt ins Leere.

„Hm…aber es ist hier viel zu kalt für di…Sumo.“
„ich kriege ihn nicht dazu reinzugehen.“
„Weil er merkt das es dir nicht gut geht.“
„Mir geht es gut Lt.“
„Connor…“
„Mir geht es gut…“
„VERDAMMT NOCH MAL CONNOR!“, fest packte er ihn an den Schultern und zog ihn in die Höhe, „Sag nicht dass es dir gut geht wenn es nicht so…na bitte…“

Ein feuchter Glanz trat in die braunen Augen, hastig wischte er sich über die Augen.

„Hey…alles gut daran ist nichts schlimm. Hey…“, behutsam zog er ihn in eine Umarmung, der Körper des Mannes erbebte leicht, ein unterdrücktes Schluchzen.

„Alles Gut…ich bin da Connor, alles gut.“, behutsam strich er ihm über den Rücken, hielt ihn einfach nur fest.

„Ich…der Rumpf eines Schiffes…da waren…Androiden und Menschen…die sie bewacht haben…die Androiden waren…Menschen werden uns immer hassen nicht wahr?“, leicht schob Connor ihn weg, wischte sich kurz über die Augen, „Wir werden nie akzeptiert…“
„Es gibt immer Idioten Connor…wir finden dies Schiff und dann wird sich das aufklären, vielleicht sind das kranke fehlgeleitete Menschen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Regierung über ein Jahr mit Markus verhandelt und im Hintergrund Androiden entführt. Vielleicht wollte es dich einfach verunsichern.“
„Vielleicht hast du recht…“

Vielleicht…

Mit einem leisen Wimmern schmiegte Sumo seinen großen Kopf gegen sein Bein, abwesend strich Connor darüber.

„Wir sollten rein gehen.“, er wollte an Hank vorbei gehen doch dieser ergriff ihn mit einer Hand am Unterarm.
„Connor du bist mein Partner und ich möchte nicht, dass du dich weiter als Versuchskaninchen für CyberLife hergibst.“
„Wieso Lt.? Ich bin doch nur ein Android.“, da war er wieder dieser leere Blick…

Ich bin nur eine Maschine die eine Aufgabe zu erfüllen hat…

„Verdammt noch mal Connor was soll das? Du bist traumatisiert das bist du. Das war einfach zu viel, auch du hast Grenzen die du nicht überschreiten kannst. Das hast du heute gemerkt. Jetzt guck nicht wieder wie so ein Pudel, wir gehen jetzt rein essen etwas und dann kriege ich vielleicht noch ein bisschen was vom Spiel im Fernseher mit…“


18.01.2040

Uhrzeit unbekannt

Ort Unbekannt…

Kräftig zerrte er an seinen Ketten, keine von ihnen rührte sich, er lag auf einen Tisch, Dunkelheit, seltsames Surren.

„Schlau sich bei einem Menschen zu verstecken…aber solch eine Verschwendung von Potenzial…“, zwei tiefrote Augen.
„Wer sind sie? Was wollen sie von mir?“, er versuchte eine Gestalt aus zu machen, doch da war nichts… nur die zwei Höllenfeuer.

„Ein zwei vielleicht auch drei deiner Komponenten könnten nützlich sein…ich hoffe sie wurden beim Transport nicht beschädigt.“
„Was?!“, Roboterarme mit medizinischen Instrumenten schälten sich aus der Dunkelheit, „Warum tuen sie das? Bitte ich will leben!“
„Oh…das wirst du, zumindest ein Teil von dir…“, ein Knacken, dann ein gellender Schrei…
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