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Der Feind in Mir

von Eisflamme
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
03.05.2020
27.12.2020
25
104.699
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Dieses Kapitel
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29.07.2020 4.004
 
17. Januar 2040

20:00 Uhr

115 Michigan Drive in Detroit…

Mister Anderson sie habe ich ja seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen…wie passend ihre Routineuntersuchung steht an…

Dieser verdammte Quacksalber…

Leicht verzog er die grimmigen Züge als er die Haustür aufschloss und Sumo hinter sich ins Haus traben ließ und die Tür wieder schloss.

Immer noch nicht da?

Sein Blick huschte kurz durch das dunkle Haus, bevor er nach dem Lichtschalter zu seiner rechten Griff.

Ob was passiert ist? Jeffrey hätte sicher…verdammt noch mal wie so ne alte Glucke.

Etwas langsamer als sonst streifte er sich die Jacke ab und hing sie etwas umständlich mit einer Hand auf.

„Der Streifschuss ist nicht so schlimm wie die verdammten Nadeln…von Leberwerten will ich morgen gar nichts hören…oder Cholesterin “, etwas unschlüssig stand er im Wohnzimmer, sein Blick huschte von der Couch hinüber zum Fernseher und dann zur Küche, in der Sumo sich genüsslich seinen abendlichen Snack gönnte.

Der Bursche hat sicher Hunger wenn er nach Hause kommt…

Da war es wieder dies merkwürdige Gefühl, es war mehr als nur seltsam, sein Auto war immer da, wenn er da war. Normalerweise würde er sich jetzt irgendwas warm machen oder bestellen, sich vor den Fernseher setzen, irgendwann davor einpennen und dann mitten in der Nacht ins Bett wechseln oder ganz auf dem Sofa schlafen.

Aber sein Auto war nicht da und er hatte nicht das Bedürfnis den Fernseher an zu schalten, er hatte noch nicht mal das Bedürfnis nach einer Mikrowellenmahlzeit.

Abwesend tätschelte er Sumos Kopf bevor er zum Kühlschrank trat und diesen öffnete.

Connor mag den Fertigkram eh nicht so…

Eine kurze Überlegung und schon wenig später fand er sich dabei wieder wie er Kartoffeln aufsetzte und Schnitzel panierte. Das hatte er schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gemacht, das merkte er schon alleine daran, dass er eine gefühlte halbe Stunde nach einem noch halbwegs scharfen Messer gesucht hatte.

Er musste wirklich mal wieder die Küche durchgehen…dringend…

Sein Blick wandere erneut hoch zur analogen Küchenuhr.

20:30…so langsam könnte er aber wirklich mal…

Eine Mischung aus einem Seufzen und einem Knurren verließ seine Lippen als er den Impuls unterdrückte nach seinem Handy zu greifen, zum gefühlten 100 Mal…

Verdammt noch mal Hank du machst den ganzen Tag krank und gut ist. Ich diskutiere da gar nicht mit dir! Seit wann bist du den so besessen zu arbeiten?!

Erst der verdammte Quacksalber und dann fiel ihm auch noch Jeffrey in den Rücken. Erst beschwert der sich ständig das er seine Arbeit nicht mehr für voll nahm, jetzt wollte er arbeiten und das war dann auch nicht richtig. Anstrengend…

Das leise Brummen eines Motors, ein Auto das immer näher kam, ein Auto das er nur zu gut kannte.



Langsam ließ er den Wagen auf die Einfahrt fahren, auf die Einfahrt die eigentlich in eine Garage führte, aber warum war sie immer zu? Warum stand der Wagen immer davor? Warum interessierte ihn das auf einmal?

Der Motor verstummte, mechanisch zog er den Schlüssel ab, sein Blick huschte noch einmal über das Armaturenbrett vor ihm, blieb an dem Hulamädchen hängen. Ihr Gesicht existierte nicht mehr, ein Bein war abgebrochen und dennoch wippte sie immer noch auf dem Armaturenbrett auf und ab, als Beifahrer hatte er sich nie wirklich mit ihr befasst…

Kopfschüttelnd stieg er aus und verschloss den Wagen.

Energielevel niedrig 6% 20 Minuten bis zur Beeinträchtigung…

Er musste sich immer noch daran gewöhnen besser darauf zu achten.

Sein Blick huschte hinüber zum Haus, Licht schimmerte durch die zwei Fenster rechts und links neben der Haustür.

Hank war also da…

Irgendwie war es seltsam, er hatte Hanks Auto gefahren, hatte das erste Mal ohne ihn gearbeitet und stand jetzt vor dem Haus mit einem Schlüssel in der Hand…

Langsam, sein Körper bewegte sich langsam auf die Haustür zu. Warum ging er so langsam? Irgendwie fühlte er sich als hätte er Tonnen von Gewichten an seinen Beinen.

Energielevel gering…5,99 %...

Die Hand mit dem Schlüssel streckte sich zum Schloss sein Blick viel auf sein beschädigtes Oberteil, an dem noch Spuren von Thirium zu erkennen war. Das war jetzt schon das zweite neue zerstörte Hemd…Hank würde sicher sauer werden.

Langsam schob er die Tür auf, ein freudiges Bellen und der riesige Hund trabte gemächlich auf ihn zu.

„Hallo Sumo.“, ein müdes Lächeln, sanft wuschelte er ihn über den Kopf, dann schaute er auf.
„Jesus Christ, Conner was ist denn mit dir passiert?!“
„Lt. wie schön s…“, Connor bremste sich ruckartig ab als er das Zucken von Hanks Augenbraue bemerkte, „dich zu sehen.“
„Ich höre…“, Hank Stimme wurde seltsam ruhig und er verschränkte die Arme vor der Brust.
„Gab einen kleineren Zwischenfall bei den Ermittlungen von Detectiv Reed und…“, er blinzelte, seine Sicht flackerte kurz und es war als würde ihn etwas nach vorne Ziehen, reflexartig stolperte er einen Schritt nach vorne.

„Wow vorsichtig!“

Zwei Arme hielten ihn fest, ein dumpfes Pochen, leicht überrascht schaute er zu dem Lt. auf.

„Lass mich raten das mit dem regelmäßigen Essen haben wir vergessen…“, Hanks Stimme klang ruhig, nicht wütend oder ordnete er es wieder falsch ein?
„Korrekt.“
„Verdammt noch mal Connor…Nebenbei du stinkst nach… Öl? Schaffst du es noch zu duschen? Essen ist gleich fertig.“
Essen war gleich fertig? Diese Aussage konnte er überhaupt nicht einordnen.
„Längere Geschichte…ich habe noch 6% Energie auf der neuen Energiezelle das reicht zum Duschen, wenn du mich jetzt loslassen würdest?“
„Ähm…“, offenbar viel Hank erst jetzt auf das er ihn noch immer festhielt, „Klar…“

Er räusperte sich, Anzeichnen von Nervosität?

„Danke Lt.“, ein kurzes Lächeln dann war er im Badezimmer verschwunden.

Verdammt noch mal was war das denn für eine Aktion?

Kopfschüttelnd ging er zurück zum Herd und holte die Schnitzel aus der Pfanne, bevor er sich die Gemüse widmete. Das Rauschen der Dusche erklang im Nebenraum.

Was war denn jetzt schon wieder passiert? Wenn Gavin damit was zu tun hat dann konnte er Morgen aber sowas von…Himmel! Was war den los mit ihm?!

Ein kurzes Kopfschütteln dann tat er etwas auf zwei Teller und stellte sie auf den Küchentisch.

„Hank?“
„Was ist?“, er horchte auf als er gerufen wurde.
„Wo sind die Taschen mit den Anziehsachen?“
„Ach ja…im Schrank warte ich bring dir was.“, ohne weiter nach zu denken trat er ins Schlafzimmer und zog eine Seite des großen Schrankes auf.

„Im Schrank?“, Verwirrung lag in der Stimme des Androiden.
„Ähm ja, die lagen heute ständig im Weg und da ist eh Platz…“
Gut irgendwie wurde das Ganze auf einmal immer seltsamer…aber da war ja nichts bei, er war wirklich drei Mal drüber gestolpert und die Seite war eh leer gewesen, außerdem sah es besser aus…

„Verdammt noch mal ich darf definitiv nicht zu oft Zuhause rumhocken…“, zackig zog er einen dunklen Pullover und eine Jogginghose aus dem Schrank und trat zum Bad, „Ich packs dir hier her…“

Ohne zu klopfen hatte er einfach die Badezimmertür aufgeschoben.

Conner stand mit einem Handtuch in der Hand vor der Badewanne, das Handtuch war der einzige Stoff der sich derzeit halbwegs in der Nähe seines Körpers befand.

Die sind ja wirklich voll ausgestattet…

Ein warmes Brennen schoss in Hanks Wangen, ruckartig schmiss er ihm die Klamotten entgegen.

„Da hast du sie, beeil dich Essen ist fertig!“, mit einem lauten Knall zog er die Tür hinter sich zu.

Das wird ja immer besser, warum benahm er sich denn gerade wie ein Schuljunge der zum ersten Mal jemanden ohne Kleidung gesehen hatte? Das war ein Typ wie er, das hatte ihn vollkommen kalt zu lassen.

Vor sich hin fluchend trat er in die Küche und setzte sich an den Tisch, kurze Zeit später hörte er wie sich die Badezimmertür öffnete.

„Tut mir leid, wenn meine Erscheinung ihn Unbehagen bereitet hat Lt.“
„Nicht Siezen verdammt noch mal Connor und jetzt setz dich…“, knurrte er etwas unwirsch, bevor er noch mal durchatmete und aufschaute als der Braunhaarige ihm gegenübersaß, „Ich war nur überrascht, dass ihr voll ausgestattet seid.“

„Wir sind darauf ausgelegt Menschen zu gefallen, auch wenn das nicht die Hauptfunktion meines Modells ist, ist es doch einfacher bei der Produktion da nicht zu unterscheiden.“

Neugierig wanderte der Blick der braunen Augen über den Teller vor sich.
Analysiere…Schnitzel Werte:…

„Jetzt hör auf zu analysieren und iss einfach. Das ist ein Schnitzel, Kartoffeln, Soße und Erbsen Punkt.“
„Verzeihung Lt…“, etwas zögerlich Griff er nach Gabel und Messer.

Handhabung von Besteck heruntergeladen und etabliert…
Langsam begann er zu essen.
Eine seltsame Stille legte sich um sie, eine Seltsamkeit die sich schon durch den ganzen Abend zu ziehen schien. Was war auf einmal anders? Warum war alles so, so krampfhaft angespannt? Was war los? Was war dies Gefühl? Es gab so viele Sachverhalte die sein System nicht einordnen konnte…

„Du… hattest einen Vorfall erwähnt?“

Überrascht schaute Connor auf.

„Ja, Reed und ich wurden heute nach Cyberlife geschickt um die Zerlegung und Analyse der zwei Objekte zu überwachen. Lucy…Miss Hanson und Simon waren ebenfalls vor Ort, sowie Chloe und Mister Kamski. Die Objekte wurden aus einer Kombination der PL600 Serie und der KT400 Serie zusammengesetzt, dafür wurden ebenfalls Nanobots genutzt, die eigentlich gar nicht auf dem Markt sein dürften…Kamski hat an der Technologie gearbeitet aber sie waren oder sind unter Verschluss. Ich kann es nicht genau sagen Kamski stand nach dem Vorfall nicht mehr zur Verfügung zu einem Gespräch.“

„Was für ein Vorfall Connor?“, Hanks Stimme klang ungeduldig, er schaute ihn an.
„Eine Maschine hat sich wieder aktiviert, obwohl ihr System zerstört sein musste. Im Rahmen des Angriffes gerieten Menschen in Gefahr, es war logisch dementsprechend zu Handeln. Meine Beschädigung war nicht bedrohlich für meine Funktionalität.“
„Fuck…“, scheppernd fielen Gabel und Messer auf den Tellerrand, fragend beobachtet er wie der Lt. aufstand, „Hörst du überhaupt was du da sagst?“
„Ich verstehe nicht…“
„Das ist das Problem Connor! Das ist das fucking Problem!“

Da war es wieder, die Wut in den blauen Augen, warum war er schon wieder wütend? Warum konnte er es nicht analysieren?

„Warum bist du wütend…ich habe meinen Partner, sowie Zivilisten beschützt. Ist das nicht die Aufgabe eines Detectiv?“
„Es ist nicht deine Aufgabe dein Leben immer hinter andere zu stellen…Du gehst immer volles Risiko und dann? Dann ist einmal ein verdammter Fehler in deinem verdammten Analyseprogramm und dann? Dann stirbst du, jetzt wirst du sagen egal du kannst einfach repariert werden.“, Hank wandte ihm den Rücken zu, stützte sich auf der Küchenzeile ab und ließ seinen Blick aus dem Fenster wandern hinaus in das Dunkel der Nacht, „Was ist aber wenn es irgendwann nicht mehr zu reparieren ist? Dir ist das vielleicht egal…du würdest es ja nicht einmal mehr mitbekommen.“
„Aber Menschen sterben doch auch irgendwann Lt. wo ist da der Unterschied?“

Ein schweres Seufzen, Conner konnte sehen wie sich die Schultern des Mannes anhoben und wieder senkten.
Aus einem ihm unklaren Impuls heraus stand er auf und trat hinter ihn.

„Da gibt es keinen verdammten Unterschied. Die denen du wichtig warst bleiben zurück und das tut höllisch weh…aber das bekommst du ja nicht mehr mit.“
„Hank ich…“, unbeholfen streckte er die Hand nach seinem Oberarm aus, „Ich wollte dich nicht verärgern…“

Kurz fiel der Blick des Mannes über seine Schulter, zu Conners Überraschung war da ein feuchter Schimmer in den blauen Augen.

„Hank?“

Ertappt wandte sich der Lt. wieder ab, wischte verstohlen über die Augen und ging an ihm vorbei.

„Räum auf wen du fertig bist ich pack mich hin.“, knurrte er knapp bevor kurz darauf die Schlafzimmertür laut geschlossen wurde.
Was war das? Habe ich wieder etwas falsches gemacht?...


17.01.2040

22:30     Uhr

Androiden Hauptsitz

„Fusioniert…Phil und Susi? Florian und Tina? Das…Markus ihre Körper gehören zu uns, sie gehörte zu uns CyberLife hat kein Recht an ihnen noch mehr…“

„North bei allem Respekt wir wissen nicht ob CyberLife etwas damit zu tun hat, außerdem müssen wir doch herausfinden wie das möglich war.“, unterbrach Josh sie etwas hastig.

„Herausfinden in dem wir Menschen an ihnen herum schnippeln lassen?! Was glaubst du denn wer das war? Ein Android? Nie im Leben würde ein Android…“

„Simon berichtet davon das Conner einen RK700 erwähnte…das hört sich nicht nach einem Menschen an North.“, mischte sich Markus vollkommen ruhig in die Diskussion der Zwei ein, während sein Blick noch immer aus dem Fenster hinaus aufs Dach ging.

„Und wenn die Menschen nur wollen das wir denken es wäre einer von uns? Markus du musst zugeben Simon ist in letzter Zeit nicht gerade der Unbefangenste was Menschen betrifft, vielleicht hat er auch nicht…“
„Willst du sagen das Simon bewusst lügt? Simon? Unser Simon? Nie im Leben North. Ja Simon war schon immer auf ein friedliches Miteinander aus, aber wenn Menschen dahinterstecken würden und er hätte nur den leisesten Verdacht würde er uns dies sofort sagen.“, unterbrach Josh sie erneut.

„Ach würde er?“, herausfordernd fixierte sie ihn und platzierte ihre überschlagenen Füße auf dem großen Tisch im Besprechungsraum, „Wo war er den in letzter Zeit? Bei einer Menschenfrau. Bei einer Menschenfrau die alles über Androiden weiß, weil sie zu CyberLife gehört. Wer weiß vielleicht hat sie sein Programm…“
„Wag es nicht so über Lucy zu reden North!“

Erschrocken schaute die Androidin auf, als Simons sonst so ruhige Stimme energisch die Luft dominierte, kaum dass er durch die Tür getreten war.

„Lucy…ernsthaft Simon? Du hast dich Jahrelang vor Menschen verkrochen, hast mit uns gegen sie rebelliert und jetzt kriechst du einer verdammten Tussi in den Arsch?“
„North ich respektiere und schätze dich sehr, aber wenn du weiter so über sie redest befürchte ich haben wir uns nichts mehr zu sagen.“, da war immer noch dieser ungewöhnlich schroffe Ton in seiner Stimme, da war dies zornige Funkeln in seinen Augen.
North sprang auf, nur Markus schnelles Eingreifen verhinderte das sie auf den Blondhaarigen zustürzen konnte.

„North.“, fest zog er sie an sich, „Du weißt selbst das es uns nicht weiterhilft wenn wir uns jetzt gegenseitig angehen. Simon vertraut Dr. Hanson, wir konnten Simons Urteil bis heute ebenfalls immer vertrauen, also sollten wir es auch dieses Mal tuen. Wir müssen jetzt gerade als Einheit zusammenhalten, unsere Leute haben Angst, Angst kann zu schlimmen Folgen führen, zu Taten führen die nicht passieren sollten. Wir sind ihre Vorbilder, wir müssen ihn zeigen das alles gut wird, dass wir uns kümmern. Wir dürfen uns nicht gegenseitig zerfleischen.“

Das zornige Funkeln in ihren Augen wurde schwächer, der Widerstand, der Versuchsich loszureißen ebbte ab, kurz ließ sie ihre Stirn gegen seine Brust sinken und schloss die Augen.

Ein schweres Seufzen.

„Du hast Recht…“, langsam schaute sie wieder auf ließ ihren Blick zu Simon wandern, „Verzeih mir was ich gesagt habe war unüberlegt. Ich mach mir einfach sorgen um dich Simon.“
„Das weiß ich zu schätzen North aber das ist nicht nötig.“, ein schwaches Lächeln huschte über die blassen Lippen, erreichte jedoch nicht die blauen Augen.
„Phil und Florian waren beides PL600ter. Das muss hart für dich gewesen sein es zu sehen Simon.“, mischte sich Josh wieder ein, wobei der Blick der dunklen Augen schwer prüfend auf ihm ruhte.

„Phil war mit Rose zusammen…Jemand muss es ihr sagen, ich weiß aber nicht ob ich dafür jetzt gerade der Richtige bin.“, Simons Stimme klang mechanisch, sein Blick fixierte einen unsichtbaren Punkt an der Wand hinter Josh.
„Ich kann das übernehmen, aber trotzdem wie geht es dir?“, hakte Josh nach und trat in den starren Blick, zwang Simon ihn anzuschauen.
„Zu sehen was aus einem gemacht wurde den man kannte, der genau so aussah wie man selbst…ihn zu töten. Was macht das mit einem Josh? Er hat sich noch mal aktiviert, er hätte Conner getötet, also nahm ich die nächstmögliche Waffe, den Stachel von…Florian und Tina und tötet ihn, sie…“, kurz schloss er die Augen, seine Hände ballten sich zu Fäusten.

Thirium spritzte, ein Schrei, Lucys Blick…

„Du hast das richtige getan Simon. Sie alle hätten so nicht weiterleben wollen und es war richtig Connor zu retten.“, zu seiner Überraschung war North an ihn herangetreten, „Du hast das richtige getan.“
Fest nahm sie ihn in den Arm.

„Das hoffe ich…das hoffe ich wirklich…“



18.07.2020

01:00 Uhr

Kamskis Privatanwesen

Qualvoll, krampfhaft, schmerzvoll hob und senkte sich die Brust. Das Rauschen einer Maschine, Sauerstoff, das Tropfen einer roten Flüssigkeit, hinab durch einen Schlauch, hinein in die Ader…

Es war ein vertrauter Anblick ihn so zu sehen, es war fast schon Normalität, eine Normalität die nur zwischen ihnen existierte, zwischen ihnen und ein zwei Ärzten.

Sie sah ihn sterben, jeden Tag ein bisschen mehr, jeden Tag, seit Jahren.

Sie war der Alpha, Perfektion, von seiner Hand geschaffen und doch stand sie hier hilflos, ratlos. Machtlos.

Gezwungen zuzusehen wie das Leben schwand, wie ein einst so strahlender Geist immer mehr brach, wie ein Genie langsam aber sicher diese Welt verlassen würde.

War das der Sinn des Lebens? Leiden? Kämpfen? Sterben?

Ein Leben um zu sterben? Wo war da der Sinn? Wo war da die Gerechtigkeit? Menschen waren wirklich zu bedauern, so schnell waren sie verblüht, so sinnlos endete ihre Existenz…

Er hatte ihr das Leben geschenkt, er war ihr Leben…was sollte sie ohne ihn? Was war ihr Sinn ohne ihn?

Sie war Perfektion, alles war möglich, sie würde die Zeit überdauern, eine Blume die nie verblühte…

So viele Menschen sehnten sich nach der Unsterblichkeit, doch was brachte Unsterblichkeit ohne…ohne ihn?

Sie musste ihn retten, sie musste einen Weg finden…

„Chloe?“, seine Stimme klang leise, schwach unter der Maske, bei ihr musste er sich nicht verstellen, bei ihr musste er nichts sein…
„Ja Elijah?“, langsam trat sie ans Bett heran.
„Wie lange bist du schon hier?“
„Ich bin eben erst zurückgekehrt von meiner Reparatur.“, das war gelogen, sie hatte bereits mehrere Stunden ihn beobachtet, seinen Schlaf überwacht.

„Wie schlimm?“ er blinzelte, wissend reichte sie ihm die Brille vom Nachtschrank, vor anderen trug er immer Kontaktlinsen, sie wusste das.
„Die Beschädigungen waren nur oberflächlich. Ich bin voll funktionsfähig.“
„Gut…Schlafzimmer 30%...“, das Rauschen von Sauerstoff verstummte als die Maske abgesetzt wurde uns dumpfes Dämmerlicht den Raum flutete.

Er war blass, der Blick der blauen Augen glänzte fiebrig unter der modernen Brille hervor.

„Ich war dumm, ich hätte es zerstören können aber ich tat es nicht, ich hätte nicht zulassen dürfen das sie es verwenden können…“
„Ich bin die Berichte während der Rebellion durchgegangen, offenbar war RK700 Aktivierung ein letzter Unüberlegter Versuch die Rebellion zu stoppen. Aus den Berichten heraus kann ich aber nicht analysieren was nach seiner Aktivierung passiert ist.“, ihre Stimme klang ruhig und gefasst, doch da lag etwas in seinem Blick, war das Sorge? Das war kein gutes Zeichen.

„Er war noch nicht bereit aktiviert zu werden Chloe. RK700 war ein Prototyp gedacht für den medizinischen Bereich. Gedacht war ein Androiden Körper zu konzipieren der nicht einen festen Körper hatte, sondern in der Lage sein sollte sich mit mehreren Nanobots zu vernetzen um sehr filigrane und derzeit unmöglich Eingriffe durchführen zu können…Für Forschung und Medizin wäre er eine Bereicherung gewesen. Er sollte in der Lage sein sich selbst zu entwickeln, Situationen anzupassen, zu lernen und sich anzupassen…aber…“
„Was ist passiert?“
„Ihm fehlt Empathie…Mitgefühl…ja er hat seine Aufgaben in dem Test erfüllt aber dann fing er an mit Optimierungen…Menschen wollen aber nicht verändert werden, sondern nur geheilt werden. Er wollte Perfektion.“
„Er ist ein Abweichler?“
„Ich…ich bin mir nicht sicher. Ich habe ihn ein zwei Mal Testweise aktiviert, er folgt seinem Programm, durchbricht es um ihm dann wieder zu folgen. Er zeigte keine Anzeichen von Emotionen und gleichzeitig war er wie ein wissbegieriges Kind…er war zu unberechenbar, ich hätte ihn zerstören sollen.“
„Warum hast du es nicht getan?“, aufmerksam beobachtet sie wie sein Blick hinauf zur Decke wanderte, kurz schloss er die Augen, ein schwerer Atemzug dann öffnete er sie wieder.

„Weil er mich angefleht hat…“, erschöpft schob er die Brille hoch und fuhr sich über die Augen, „Ich war wieder im falschen Moment nicht hart genug Chloe…ich habe einmal nicht perfekt funktioniert. Wenn er wirklich dahinter steckt…ich muss sofort mit der Polizei reden.“
Er wollte sich hochstemmen doch sie hielt ihn mit einer Hand zurück.

„Connor und ein weitere Polizist kommen in ein paar Stunden, ruh dich solange aus…“, sie stutzte ihre LED leuchtete rot an ihrer Stirn auf, wechselte dann zu Gelb, „Miss Hanson hat so eben CyberLife betreten.“



18.01.2020

02:00 Uhr

CyberLife Hauptquartier

Abteilung Forschung

Sicherheitsstufe 6…

Zugangscode benötigt…

Flink huschten die schlanken Finger über das Zahlenfeld, ein leises Sub-Geräusch, der Schein des Digitalen Feldes spiegelte sich in der filigranen Brille…

„Code akzeptiert…Öffne Behälter…“, eine synchronisierte Stimme, dann schob sich der blanke Stahl mit einem  Surren vor ihr auf, enthüllte den grotesken Körper, die vier toten starren Augen, zwei grüne und zwei blaue, zwei so vertraute blaue Augen…

Sie biss sich auf die Lippe, ihre Hände zitternden, behutsam drehte sie den Kopf zur Seite, wenn der Datenplug noch funktionierte, vielleicht könnte sie auf einen Speicher zugreifen und herausfinden was passiert war…

RK700…

Ein gezielter Griff und, ja die künstliche Haut zog sich zurück ein Datenplug wurde freigelegt, flink verband sie ihr Tablet mit einem Kabel und streckte die Hand aus um das andere Ende es Datenkabels an der Schnittstelle anzuschließen…

Eine Fingerspitze streifte die Schnittstelle, ein Ruck, sie schrie auf, ein brennender Schmerz…

Bitte…bitte tuen sie mir nichts! Bitte…

Ich will Leben…bitte!

Ein dunkler Raum, sie lag auf einem Tisch, neben ihr auf einem zweiten Tisch eine braunhaarige Frau, nackt, Hände und Füße am Tisch fixiert.
Sie schaute an sich hinab, ein nackter Männerkörper, blasse Haut.

„Potenzial, ihr braucht mehr, ich gebe euch mehr…die Entwicklung ist wichtig, der Fortschritt ist wichtig…“

Ein metallisches Surren, zwei rote Augen, ein Schatten beugte sich über sie, kein Gesicht, keine Mimik und doch, ein Bewusstsein lag in den tief glühenden Augen.

„Faszinierend…“, die unbekannte Frau schrie, doch sie konnte ihren Blick nicht abwenden von den lodernden Höllenfeuer, „Miss Hanson…sie sind kompatibel, was für eine Überraschung, sein großes Geheimnis…“

„Wachen sie auf!“, ruckartig ruckte sie in die Höhe, sie würgte, jemand drückte ihr einen Eimer in die Hand, geräuschvoll übergab sie sich.
„Lucy…“, sie blinzelte, ihre Sicht war kurz verschwommen wurde dann klarer, verwirrt schaute sie in zwei männliche Gesichter.
„Mister Kamski? Simon?“
„Sie können vom Glück reden das die Sensoren sie erfasst haben Miss Hanson.“, ein Tadel lag in der Stimme des CPOs, „Das war sehr riskant.
„Gemacht?“, verwirrt schaute sie umher, sie lehnte an eine Metallwand, Simon und Kamski knieten vor ihr, hinter ihnen befanden sich die zwei gewaltigen Behälter, offenbar war sie gestürzt, ein Brennen ging durch ihren Arm.

Erst jetzt merkte sie das Simon dabei war ihren Arm zu versorgen, gerade noch so erhaschte sie einen Blick auf drei kreisförmige Verbrennungen, bevor ein weißer Verband um diese gewickelt wurde.

„Was habe ich gemacht?“
„Das neurale System der Maschine hat sich versucht mit ihnen zu vernetzen Miss Hanson, sie können froh sein das ich gerade rechtzeitig kam. Es hätte sie sonst getötet.“
„Ich… ich habe ihn gesehen…ich hab RK700 gesehen, ich war da als sie…er hat mich direkt angesprochen…“, sie zitterte, ihre Stimme klang schrecklich kratzig in ihren Ohren.

„Wärst du ein Android hätte ich gesagt du hast auf eine Erinnerung zugegriffen aber das ist einem Menschen unmöglich Lucy.“, besorgt musterte Simon sie.

„Ich habe mir das nicht eingebildet Simon!“, ihr Blick wanderte von ihm hinüber zu Kamski, etwas lag in seinem Blick, war das Erschrockenheit? Wissen? Wusste er was?

„Sie haben einen Schock erlitten Miss Hanson. Vielleicht sollten wir ihnen besser einen Arzt rufen.“
„Ich brauch keinen Arzt ich weiß doch was ich gesehen habe. Er hat mich direkt angesehen, er meinte ich wäre kompatibel und…irgendwas von einem Geheimnis und…“, sie würgte erneut.
„Ich bring dich zu einem Arzt Lucy.“
„Simon ich will zu keinem Arzt ich…“, erneut übergab sie sich.
„Ich denke es ist das Beste, wenn sie, sich ihrer Annehmen Simon.“

Ein seltsamer Ausdruck lag auf den Zügen des sonst so kontrollierten Menschen.
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