03. Mai: Der Schritt zur Normalität [by Sira-la]

OneshotAllgemein / P12
Diego Hargreeves / Nr.2 / The Kraken
03.05.2020
03.05.2020
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Tag der Veröffentlichung: 3.5.
Zitat: „Tja, wisst ihr, so gerne ich auch noch hierbleiben möchte, ich möchte noch viel lieber gehen.“ (Hör mal, wer da hämmert)
Titel der Geschichte: Der Schritt zur Normalität
Autor: Sira-la
Hauptcharaktere: Diego
Nebencharaktere: Klaus
Pairings: //
Kommentar des Autors:
Hi,
Eigentlich wollte ich bei dem Jahreskalender-Projekt ja in einem anderen Fandom teilnehmen. Aber als ich bei diesem Zitat das Schreiben begonnen habe, kam mir Diego dazwischen und naja, dahin war der ursprüngliche Plan.
Viel Spaß beim Lesen
Sira

Der Schritt zur Normalität
Diego sah sich in seinem Zimmer um. Dann auf den Koffer, der auf dem Bett lag. Er hatte alles Wichtige eingepackt, da war er sich ziemlich sicher. Und falls er etwas vergessen hatte, konnte er ja jederzeit herkommen und es holen. Er war ja nicht weit weg. Aber er war weg und das war die Hauptsache. Er war jetzt siebzehn Jahre alt und er fand, dass das ein gutes Alter war, um von Zuhause auszuziehen.
Bestätigt wurde sein Vorhaben durch den Aushang im Fenster des Boxstudios ein paar Straßen weiter. Hausmeister war zwar jetzt nicht unbedingt sein Traumjob, aber es war ein Anfang. Und von dort aus konnte er ja weitersehen. Am liebsten würde er ja zur Polizei gehen, aber er war sich ziemlich sicher, dass er dafür einen normalen Schulabschluss brauchte. Den musste er jetzt erst einmal nachholen. Aber hier, in diesem Haus, würde ihm das kaum gelingen. Deshalb hatte er sich in dem Boxstudio beworben. Und als er erfahren hatte, dass es dort ein freies Zimmer gab, extra für den Hausmeister, es war ihm wie ein Wink des Schicksals erschienen und er war wirklich froh, dass er den Job bekommen hatte.
Er warf einen letzten Blick auf den schmalen Koffer unter seinem Bett. Seine Messer würde er hierlassen, zumindest fürs Erste. Er brauchte sie nicht als Hausmeister, da war er sich sehr sicher. Auch seine Anzüge ließ er hier. Er hatte sich extra neue Kleidung gekauft, Shirts und bequeme Hosen. Es gab so viel Auswahl und er verstand jetzt, warum Allison es liebte, shoppen zu gehen. Das nächste Mal würde er allerdings ohne sie gehen. Sollte sie doch Luther mit ihrem „Probier dieses, probier jenes“ nerven. Ein Großteil der Sachen war auch viel zu bunt gewesen. Aber immerhin besaß er jetzt andere Dinge als die Anzüge, die Dad für angemessen hielt.
Auf die Eröffnung, dass Diego ausziehen würde, hatte er mit einem strengen Blick reagiert. „Ich verbiete es, Nummer zwei“, war das Einzige, was er dazu gesagt hatte.
Diego wusste nicht genau, was ihn an diesem Satz am meisten gestört hatte, aber er wusste, dass er es sich nicht verbieten lassen würde. Er war jetzt siebzehn Jahre alt und es war völlig normal, dass man in diesem Alter eine eigene Wohnung suchte. Zumindest ging Diego stark davon aus. Seine Erfahrung mit Normalen beschränkte sich auf die Missionen und selten mal Filme. Das würde er ändern müssen.
„Diego?“
Er sah auf. Sein Bruder stand in der Tür, schmal und blass und mit zitternden Fingern. „Was ist denn, Klaus?“
„Wo gehst du hin?“
Er bedeutete Klaus, reinzukommen und die Tür zu schließen. „Ich ziehe aus“, verkündete er dann. Er hatte es seinen Geschwistern noch nicht gesagt. Es war ihm einfacher erschienen, sie dann vor vollendete Tatsachen zu stellen.
„Wann?“ So wie Klaus ihn jetzt ansah, bebende Unterlippe, die Augen weit aufgerissen, hatte er sich da eventuell geirrt.
„Heute.“
„Aber du kannst nicht ...“ Klaus sah ihn entsetzt an. „Du kannst doch nicht einfach gehen.“
„Tja, weißt du, so gerne ich hierbleiben möchte, ich möchte noch viel lieber gehen.“ Diego zwang sich ein Lächeln ab.
Klaus schüttelte heftig den Kopf. „Du kannst uns doch nicht einfach hier lassen.“
Diego war sich nicht sicher, ob Klaus mit ‚uns‘ nur sich selbst meinte oder alle Geschwister. Es war manchmal schwierig, mit ihm zu sprechen.
„Können wir mitkommen?“
„Das geht nicht“, sagte Diego. „So viel Platz ist nicht in meiner Wohnung.“ Jetzt gerade bedauerte er das. Seine kleinen Brüder brauchten ihn, das sah er in diesem Moment ganz deutlich. „Du kannst mich besuchen kommen“, fügte er hinzu. „Wann immer du willst.“ Aber er konnte nicht mehr hierbleiben. Er hielt es in diesem Haus einfach nicht mehr aus. Er zog Klaus in eine schnelle Umarmung, dann verließ er das Zimmer. Es war Zeit, dass er auf eigenen Beinen stand. Seine Geschwister würden das irgendwann verstehen. Und vielleicht würden sie seinem Beispiel sogar folgen. Klaus ging kaputt in diesem Haus, ebenso Ben. Vanya war hier sowieso fehl am Platz und er an ihrer Stelle wäre schon längst verschwunden. Der Einzige, der sich hier wirklich wohlfühlte, war Luther. Diego schnaubte, während er seinen Koffer die Treppe runterschleppte. Luther würde ihn vermutlich auch in hundert Jahren nicht verstehen. Aber das war auch nicht nötig.
Er konnte tun, was er wollte. Und Diego wollte heute einfach die Entscheidung eines normalen Siebzehnjährigen treffen. Seine neue Wohnung wartete auf ihn.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Manchmal ist es eben normal anders zu sein als von einem erwartet wird. Sira-la hat das in diesem Oneshot sehr gut dargestellt. Das Zitat hat dazu perfekt gepasst.

Eure lula-chan
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