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Opposite

von Yueliang
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho
03.05.2020
01.06.2020
10
16.757
9
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31.05.2020 1.529
 
Nach dem Kuss sind beide kurz verlegen, aber Jisung scheint noch etwas auf der Seele zu liegen. „Ich würde gerne mit euch allen reden. Kannst du sie irgendwie überreden hierher zu kommen?“, fragt er unsicher und Minho sucht sofort sein Handy. Er ignoriert die Tatsache, dass es schon später Abend ist, was getan werden muss, muss einfach getan werden und er schreibt die anderen an. Minho lässt bewusst das Detail weg, dass Jisung bei ihm ist. Der erste, der klingelt, ist Chan. Kein Wunder, wenn man gegenüber wohnt. Jisungs Anwesenheit überrascht ihn nicht, er wirkt schlichtweg nur neugierig. Als nächstes trudelt Changbin ein, der ja nur ein paar Straßen weiter wohnt. Ihn überrascht Jisung dann schon mehr. „Okay wow, wie kam es denn dazu?“, fragt er grinsend und setzt sich auf Minhos Schreibtischstuhl. Jisung senkt verlegen den Blick. Felix und Hyunjin kommen als nächstes und etwa fünf Minuten später dann Seungmin und Jeongin.

„Hat das irgendeinen tieferen Grund, dass du so einen Alarm schlägst, Hyung?“, will Seungmin wissen und verdreht die Augen. „Ich war gerade am Lernen.“ „Glaub ihm kein Wort, du hast ihn sicher nur beim Drama schauen gestört“, verbessert Hyunjin grinsend. Kaum erblickt er Jisung auf Minhos Bett, wird sein Gesichtsausdruck ernst. „Jinnie, ein bisschen mehr Freude kannst du auch zur Begrüßung an den Tag legen“, zieht Changbin ihn auf. „Jisung-hyung!“, ruft Jeongin erfreut und will diesem zur Begrüßung um den Hals fallen, hält dann aber in seiner Bewegung inne und setzt sich betrübt neben Seungmin auf den Teppich. Jisung lächelt schwach. „Seit wann bist du so auf Körperkontakt aus? Früher mochtest du das überhaupt nicht, wenn wir dich knuddeln wollten“, meint er leise und Jeongin schneidet eine Grimasse. „Ich sehe einen meiner besten Freunde nach Jahren wieder und du verlangst, dass mich das kalt lassen soll?“, murrt er.

„Okay, würde mir jetzt bitte mal jemand erklären, was hier los ist?“, ruft Hyunjin, sichtlich genervt. „Ich muss mit euch reden. Es gibt da etwas, was ihr wissen solltet“, fängt Jisung an und seine Stimme zittert. Sofort kehrt Stille in Minhos Zimmer ein, was diesen beeindruckt. Sonst ist nicht so einfach Ruhe unter diese Chaoten zu bringen. „Ich weiß, ich habe damals nicht mehr auf eure Nachrichten und Anrufe reagiert, dass hatte aber einen Grund. Ich wollte euch nicht vorspielen müssen, dass alles okay sei“, erklärt Jisung und schluckt hart. „Was ist passiert?“, entfährt es Felix schockiert. „Als ich vierzehn geworden bin, hat mein Vater angefangen sich seltsam zu verhalten. Er hat mich immer mit so einem Blick angesehen, als würde er mir jeden Moment die Klamotten vom Körper reißen wollen“, spricht Jisung weiter und presst die Lippen zusammen.

„Irgendwann hat er das wahr gemacht. Meine Mutter war noch auf Arbeit und wir waren alleine zu Hause. Ich war in meinem Zimmer und habe Hausaufgaben gemacht, als er mich zu sich gerufen hat. Ich habe mir natürlich nichts dabei gedacht, komisch wurde es nur erst, als er die Tür hinter sich zugeschlossen hat. Er hat angefangen mich zu küssen und als mich wehren wollte, hat er mich geschlagen.“ Jisung verstummt und kneift die Augen zusammen. Minho greift nach seiner Hand und drückt diese. „Du musst nicht weiter sprechen, ich denke, wir wissen, worauf das hinaus läuft“, sagt er leise und die anderen sehen Jisung schockiert an. Dieser versucht die Blicke zu ignorieren und redet weiter: „Es blieb nicht nur bei dem einen Mal. Er hat es immer wieder getan. Er hat mich unter Druck gesetzt, dass ich niemanden etwas verrate. Ich musste meine Mutter anlügen. Ich habe mich so benutzt und leer gefühlt, ich wusste nicht mehr wohin. Also habe ich angefangen mich selbst zu verletzten, damit ich wenigstens etwas fühle. Einmal habe ich zu tief geschnitten und die Wunde hat sich entzündet. Meine Mutter mich ins Krankenhaus gebracht und ab da kam alles raus. Ich habe dem behandelnden Arzt von meinem Vater erzählt und er hat eine Untersuchung angeordnet, wo dann der sexuelle Missbrauch festgestellt wurde. Meine Mutter ist aus allen Wolken gefallen, als ich ihr endlich die Wahrheit gesagt habe.

Ich hatte einfach keine Kraft mehr ihr noch länger etwas vorzuspielen. Ich dachte, sie würde mich als Lügner darstellen und das ich meinem Vater etwas anhängen will, aber sie hat mir jedes Wort geglaubt. Sie hat nicht gezögert und meinen Vater angezeigt, der gleich am nächsten Tag von der Polizei in Untersuchungshaft genommen wurde. Er hat natürlich alles abgestritten und ich sollte kommen, um auszusagen und die Vorfälle zu schildern. Es war, als würde ich alles noch einmal durchleben. Aber nach einigem Hin und Her hat er gestanden. Meine Mutter und ich sind zurück nach Südkorea gezogen, erst nach Incheon und dann sind wir wieder nach Seoul gekommen. Hier hat auch der Prozess gegen meinen Vater stattgefunden. Er wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, da ich zu dem Zeitpunkt schon über dreizehn Jahre alt war.“ „Was spielt das für eine Rolle?“, braust Chan auf, sodass alle erschrocken zusammen fahren. „Sexueller Missbrauch ist sexueller Missbrauch, egal wie alt man ist!“

Jisung reibt sich nur müde über sein Gesicht. „Wieso hast du nichts gesagt? Wieso musstest du den Kontakt zu uns abrechen? Ich wäre sofort nach Malaysia geflogen und hätte dich zu uns geholt!“, ruft Hyunjin, während ihm Tränen über die Wangen rennen. „Ich wollte euch da nicht mit rein ziehen“, erwidert Jisung hilflos. „Ich bin einfach auf mein Leben nicht mehr klar gekommen.“ Bei diesen Worten streift er sich die Lederjacke ab und krempelt die Ärmel seines schwarzen Hoodies hoch. „Jisung, was zur Hölle?“, ruft Changbin entsetzt, als er die vielen Wunden und Narben an dessen Unterarmen sieht. Auch ihm steigen Tränen in die Augen, die er versucht herunter zu schlucken. Jeongin schnieft laut und Seungmin legt einen Arm um seine Schultern. „Ich bin nicht mehr die gleiche Person, wie vor drei Jahren“, sagt Jisung leise und betrachtet seine Arme. „Dieser Jisung existiert mehr. Ich will das euch nicht antun.“ „Wenn du glaubst, dass wir dich alleine lassen, dann irrst du dich gewaltig“, sagt Minho ruhig und streicht über Jisungs Hand.

Dieser senkt den Kopf und schluckt mehrmals. Dann durchbricht sein Schluchzen die Stille sofort zieht Minho ihn an sich. Er sieht zu Chan und dieser nickt verstehend. Schweigend deutet er den anderen an, dass sie gehen sollten. Jeongin streicht kurz über Jisungs dunklen Haarschopf. „Ich habe dich vermisst, Hyung“, sagt er leise und Tränen rollen seine Wangen herab. Sanft schiebt Seungmin ihn mit sich nach draußen. Jisung schluchzt darauf nur erstickt auf. Changbin scheint nur äußerst widerwillig gehen zu wollen. Schmerzerfüllt schaut er seine beiden ältesten Freunde an, worauf Minho ihm versucht aufmunternd zu zulächeln. „Wenn etwas ist, du weißt. Ein Anruf genügt“, sagt Chan zum Abschied und schließt die Tür hinter sich, nachdem er Hyunjin und Felix mit nach draußen gescheucht hat. „Jisungie, wir würden dich nie damit alleine lassen. Erst recht nicht, wenn du so etwas aushalten musstest. Wir halten zu dir, ganz egal, was passiert ist“, sagt Minho leise und wiegt den Jüngeren in seinen Armen hin und her. Dieser schweigt einen Augenblick.

„Hyung, ich weiß nicht, was ich tun soll! Ich weiß nicht, was ich fühlen soll. Ich kann nicht mehr!“, bricht es schließlich aus Jisung heraus und sein Körper schüttelt sich unter einem Schluchzen. „Wir sind deine Freunde, wir würden niemals aufhören zu dir zu halten. Und ich liebe dich, ganz gleich, was passiert ist. Zusammen schaffen wir das, du musst da nicht mehr alleine durch. Du hältst dich für eine Enttäuschung oder denkst es wäre besser, wenn wir uns von dir fernhalten, aber du brauchst uns und wir brauchen dich“, sagt Minho und seine Stimme bricht kurz. Er kann den Jüngeren einfach nicht so zerstört sehen. „Ich hasse diese beschissene Situation“, flüstert Jisung und schaut mit Tränen in den Augen auf. Behutsam streicht Minho über seine Wange. „Ich bin da, ich lasse dich nicht mehr alleine. Nie wieder“, sagt er leise.

Und diese Aussage ist es, die Jisung völlig zusammen brechen lässt. In Minho kommt die Frage auf, wie lange der Jüngere seine Emotionen schon in sich verschlossen und niemanden mehr an sich heran gelassen hat. Jisung klammert sich haltsuchend an ihn und sein Körper wird in regelmäßigen Abständen von einem Schluchzen gekrümmt. „Ich hab euch so vermisst“, wimmert er irgendwann und Minho drückt ihm einen Kuss auf den Kopf. „Ich weiß, Jisungie, wir dich auch“, sagt er leise und reibt dem Jüngeren über den Rücken. Nach einer Weile hat Jisung sich etwas beruhigt und fährt sich mit dem Ärmel über seine nassen Wangen. „Tut mir leid“, murmelt er beschämt und Minho schüttelt lächelnd den Kopf. „Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest“, versichert er und reicht Jisung ein Taschentuch, damit dieser sich die Nase putzen kann. Seine Augen sind deutlich geschwollen und rot, aber er wirkt erleichtert, als wäre eine riesengroße Last von ihm abgefallen. Sanft streicht Minho über Jisungs schwarze Haare und der Jüngere lehnt sich an ihn. „Wir müssen nichts überstürzen. Die anderen werden sicher verstehen, dass du Zeit brauchst. Und ich gebe dir auch alle Zeit, die du brauchst“, verspricht Minho und Jisung nickt leicht, bevor er sich zu Minho beugt und ihm einen Kuss auf die Lippen drückt. „Danke“, flüstert er erleichtert.
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