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Opposite

von Yueliang
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho
03.05.2020
01.06.2020
10
16.757
9
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Dieses Kapitel
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30.05.2020 1.584
 
Die restliche Schulwoche kommt Jisung nicht mehr zur Schule  und Minho ist fast drauf und dran zu ihm nach Hause zu gehen, um zu überprüfen, dass es ihm gut geht. Aber er tut es nicht. Stattdessen trifft er sich viel mit den anderen, geht mit Hyunjin und Felix tanzen, um auf andere Gedanken zu kommen. Und es hilft. Am Wochenende treffen sie sich alle zu siebt und gehen an den Han River, wo sie das schöne Wetter genießen. Zusammen spielen Fußball oder albern einfach nur herum, dass vorbeigehende Leute ihnen befremdete Blicke zu werfen.

Erst am Abend kommt in Minho der Gedanke auf, wie es wäre, wenn Jisung mit von der Partie sein würde. Und dieser Gedanke wird immer lauter und drängender. Seufzend greift er nach seinem Handy und schreibt Chan eine Nachricht: Spontane Idee: Kann ich bei dir übernachten? Ich finde sonst keine Ruhe bei mir. Während er auf eine Antwort wartet, füttert er seine Katzen. Sein Handy vibriert und der Ältere hat geantwortet. Minho entsperrt den Bildschirm und liest: Mein Bett und die Snacks warten auf dich! Ein breites Lächeln legt sich auf Minhos Lippen. Der Australier ist echt süß. „Mama, ich übernachte bei Chan-hyung!“, ruft er durch die Wohnung, während er hastig alle benötigen Sachen zusammen sucht. „Viel Spaß und macht nicht zu lange“, verabschiedet sie ihn, als Minho die Haustür hinter sich zu zieht und rüber zu seinem älteren Freund geht.

Es hat wirklich geholfen bei Chan zu übernachten, denkt Minho zufrieden am kommenden Montag, als er das Wochenende revuepassieren lässt. Und sei es einfach nur deswegen, mit dem Älteren über Jisung zu sprechen. Zwar hat er nichts davon erzählt, was er über dessen Vater weiß und auch nichts von den Wunden an seinen Armen, aber er musste einfach über Jisung sprechen. Den jetzigen und über den von vor ein paar Jahren. Auch heute ist Jisung nicht zur Schule gekommen, berichtet Changbin, als sie sich in einer Pause treffen. Ein leeres Gefühl macht sich in Minho breit. Was ist, wenn er jetzt gar nicht mehr wieder kommt? Aber bevor er in Trauer verfallen kann, lenkt Felix ihn mit einer Frage ab. „Wundervoll, das wir heute noch eine Zusatzstunde aufgebrummt bekommen haben“, murrt Chan und auch Minho ist nicht sonderlich begeistert darüber. Regulär hätten sie kurz vor siebzehn Uhr Schulschluss. Allerdings wurde der Japanisch Kurs für ihre Klasse nach hinten verlegt und somit müssen sie bis achtzehn Uhr bleiben.

„Wieso muss das ausgerechnet ein Pflichtkurs sein?“, jammert Chan und Minho lacht leise auf. „Komm, du tust so, als wäre es eine Strafe. Dabei bist du einer der Besten in diesem Fach.“ „Aber jede überflüssige Minute, die ich in diesem Gebäude verbringe, ist verlorene Lebenszeit!“, stellt der Ältere klar und Minho kann nur den Kopf schütteln. Manchmal dramatisiert Chan alles ein wenig zu viel. Doch irgendwann ist ein Ende in Sicht und erleichtert packen alle ihre Sachen zusammen. An so einem schönen Tag so lange in der Schule zu hocken, ist wirklich eine Folter. Chan schnappt sich Minhos Handgelenk und rennt mit ihm nach draußen. „Hyung“, lacht der Jüngere, „jetzt mach nicht so schnell!“ „Freiheit!“, jubelt Chan, als sie über den Schulhof gehen und er hakt sich bei Minho unter. Sein zufriedenes Grinsen weicht allerdings gleich einem ernsten Ausdruck.

„Ist das nicht Jisung?“, fragt er überrascht und deutet auf eine Person, die am Eingangstor steht. Schwarze Lederjacke und dunkle Haare? Ja, kann nur Jisung sein, denkt Minho und nickt überrascht. „Was macht er denn hier?“, murmelt Chan verwundert und als sie näher kommen, geht Jisung entschlossen auf sie zu. „Können wir reden?“, fragt er an Minho gewandt und dieser schaut ihn wie vom Donner gerührt an. Der Jüngere beißt sich nervös auf der Unterlippe herum, ehe Minho schnell nickt. „Klar, können wir“, versichert er und Jisung wirkt erleichtert. Zu dritt machen sie sich auf den Weg und die Stimmung ist auf einmal leicht angespannt. „Bis morgen“, verabschiedet sich Chan. Er schaut Jisung stirnrunzelnd an und geht dann zu seinem Haus rüber. „Hier hat sich nichts verändert“, stellt Jisung erstaunt fest und Minho kann nur nicken. Du dafür zu sehr, denkt er traurig und schließt die Haustür auf.

Seine Eltern sind beide noch auf Arbeit, dafür begrüßt Dori ihn wie jeden Tag. Als sie Jisung wittert, verharrt sie und betrachtet die fremde Person skeptisch. „Du hast eine neue Katze?“, fragt Jisung überrascht und Minho hebt Dori hoch. „Sie ist meine jüngste. Ihr Name ist Dori“, erklärt er und ein kleines Lächeln legt sich auf Jisungs Lippen. Minho glaubt nicht richtig zu sehen, versucht aber seine Freude zu zügeln. „Und was ist mit Soonie und Doongie?“, will der Jüngere wissen, während Minho Dori wieder auf den Boden absetzt. „Die sind zu faul, um mich zu begrüßen“, grinst er. Die beiden gehen in Minhos Zimmer, wo Jisung anfängt auf und ab zu gehen. „Kannst du dich bitte setzen? Du machst mich sonst nervös“, seufzt der Ältere und Jisung fährt sich mit einer Hand gestresst durch die dunklen Haare, nimmt seine Wanderung aber wieder auf. Schweigen herrscht im Raum. „Warum warst du nicht in der Schule?“, fragt Minho schließlich, da er es nicht mehr aushält und erhält nur ein Schulterzucken.

„Musste mir mit ein paar Dingen klar werden“, brummt Jisung und der Ältere stellt sich ihm in den Weg. „Setz dich hin“, sagt er deutlich. „Du treibst mich mit deinem Hin und Her Gerenne sonst in den Wahnsinn.“ Zerknirscht nimmt Jisung mit Minho auf dessen Bett Platz, doch seine Anspannung ist deutlich zu merken. „Hey, es ist alles gut“, versichert Minho und lächelt sanft. Jisung reibt sich über die Augen und sammelt sich einen Augenblick. „Weißt du, dass du mich damals unglaublich verletzt hast?“, fängt er an und wird erstaunt angesehen. „Wie habe ich dich verletzt?“, hakt Minho nach und der Jüngere lächelt bitter. „Als du mit Kim Dahyun in einer Beziehung warst. Hyung, ich war in dich verliebt und bin es immer noch“, erklärt Jisung und sieht ihn offen an. Minho klappt der Mund auf und will etwas erwidern, Jisung schüttelt aber sofort energisch den Kopf.

„Bitte, unterbrich mich nicht. Das alles zu sagen, ist nicht einfach für mich“, sagt er eindringlich und Minho hält seine Fragen zurück, auch wenn es ihm schwer fällt. Diese Neuigkeit haut ihn fast um. Jisung blickt einen kurzen Augenblick ins Leere, ehe er weiter spricht. „Am Anfang wollte ich das Gefühl nicht wahrhaben, ich wollte mich nicht in meinen besten Freund verliebt haben. Das war so verkehrt. Dann bist du mit Dahyun zusammen gekommen und mein Umzug ist näher gerückt. Ich habe mich nicht getraut etwas zu sagen, ich wollte unsere Freundschaft nicht zerstören. Du warst mir wichtig, Hyung. Dann sind wir nach Kuala Lumpur gezogen und die Zeit der Skype Gespräche ist eingetreten. Ich bin fast verrückt nach Sehnsucht zu dir geworden, ich habe deine Nähe so vermisst, es hat mich fast verrückt gemacht. Dann kam allerdings ein Vorfall“, bei diesen Worten presst Jisung die Lippen zusammen und Minho ahnt, welchen er andeutet. „Ich konnte und wollte euch nicht mehr sehen. Ich wollte euch nicht vorspielen, dass es mir gut geht.“

Kurz schweigt er und runzelt die Stirn. „Wieso habt ihr es nicht weiter versucht? Das hat mich so sauer gemacht“, stellt er klar und jetzt kann Minho nicht länger neben ihm sitzen und schweigen. „Du hast auf nichts mehr reagiert!“, platzt es verärgert aus ihm heraus. „Natürlich haben wir dann irgendwann unsere Versuche aufgegeben, das ist doch logisch.“ Beschämt senkt Jisung den Kopf. „Bist du noch mit Dahyun zusammen?“, fragt er dann zaghaft und Minho lacht perplex auf. Dieser Themenumschwung verwirrt ihn gerade. „Reden wir jetzt über meine Beziehung mit Dahyun oder darüber, dass du den Kontakt zu uns abgebrochen hast? Oder über beides?“, will er wissen und seufzt vernehmlich auf. Sichtlich überfordert hebt Jisung die Schultern. „Ich weiß es nicht, mir geht zu viel durch den Kopf“, murmelt er und spielt nervös mit seinen Händen.

„Frag mich mal“, brummt Minho, ehe er genervt aufstöhnt. „Um auf deine Frage zu antworten: Nein, ich bin nicht mehr mit ihr zusammen“, sagt er und Jisung fährt ruckartig auf. „Ich war damals ziemlich verwirrt und Dahyun hat mir ihre Gefühle gestanden. Dann kam halt eins zum anderen“, gesteht Minho verlegen. „Wieso warst du verwirrt?“, will Jisung verblüfft wissen. „Wegen dir“, erwidert der Ältere ehrlich und wirft Jisung einen kurzen Blick zu. „Ich war nämlich auch in dich verliebt und bin es auch jetzt noch. Aber auch ich wollte unsere Freundschaft nicht zerstören und habe nichts gesagt. Als du dann umgezogen bist, habe ich mir das jeden Tag vorgehalten, dass ich es nicht getan habe. Dahyun hat irgendwann natürlich gemerkt, dass mein Interesse nicht unbedingt bei ihr liegt. Sie hat es ziemlich mit Fassung getragen und wir sind im Guten auseinander gegangen.“

Jisung sieht den Älteren entgeistert an. Er hat mit vielem gerechnet, aber nicht mit sowas. „Hätten wir einfach mal miteinander geredet, wäre wohl vieles anders gekommen“, murmelt er und Minho rutscht zu ihm. „Hyung, was hast du vor?“, stammelt Jisung mit großen Augen. „Etwas, was ich schon die ganze Zeit tun wollte und eigentlich längst überfällig ist“, wispert dieser und legt seine Lippen auf die des Jüngeren. Der Kuss dauert nicht lange, doch für beide ist es ein unglaubliches Gefühl. Als Minho von Jisung ablässt, fasst dieser sich an die Lippen. Seine Wangen röten sich. „Endlich, hast du mal wieder etwas Farbe im Gesicht“, meint Minho zufrieden und zum ersten Mal seit langem, lächelt Jisung aufrichtig. Und genau dieses Lächeln liebt Minho so sehr an ihm.
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