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Opposite

von Yueliang
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho
03.05.2020
01.06.2020
10
16.757
9
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7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
01.06.2020 2.253
 
Leider ist dieses Projekt schon zu Ende. Aber ich arbeite schon an dem nächsten MinSung Projekt, irgendwie habe ich Gefallen an diesem Shipping gefunden. *-*
Vielen lieben Dank an alle, die hier rein gelesen, eine Empfehlung da gelassen oder die FF favorisiert haben.
Und vor allem vielen Dank an die Reviews von
Lonelylife
BTS Lover


******************



einen Monat später

Natürlich ist nicht alles so, wie vor drei Jahren. Es ist unmöglich an einen früheren Zustand anzuknüpfen, wenn so viel geschehen ist. Nachdem die anderen wissen, was Jisung widerfahren ist, haben sie Verständnis für sein anfangs abweisendes Verhalten. Dieser hat nach wie vor gute und schlechte Tage. An den guten Tagen kann er fröhlich und unbeschwert sein, dass vieles sich wie früher anfühlt. Wiederum an den schlechten Tagen überkommen Jisung seine Erinnerungen und die negativen Gefühle, die für lange Zeit sein ständiger Begleiter waren. Minho hat gelernt damit umzugehen und weiß mittlerweile, wie er Jisung aus diesem Loch herausholen kann. Sie geben ihm alle Zeit und Jisung gelingt es mehr und mehr sich wieder auf seine Freunde einzulassen und sie nicht komplett auszusperren.

Mittlerweile hat Jisungs Mutter einen neuen Freund, den sie bei ihrer neuen Arbeitsstelle kennen gelernt hat. Für Jisung ist es schwierig, ihn zu akzeptieren, weswegen er viel Zeit bei Minho verbringt. Dieser ist für ihn da, selbst mitten in der Nacht. Oft kann Jisung wegen Alpträumen nicht schlafen oder weil seine Gedanken ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. In solchen Momenten ruft er Minho an und sie telefonieren miteinander. Da der Ältere meist total verschlafen ist, redet er irgendwelchen Blödsinn, doch Jisung hilft das ungemein einfach nur seine Stimme zu hören. Manchmal schläft Jisung gleich ganz bei Minho, was viel effektiver ist. Langsam gewöhnt er sich auch wieder an Berührungen und zuckt nicht jedes Mal weg, wenn man ihn umarmen möchte. Nur bei Minho hat er keine Probleme, seine Berührungen und Annäherungen lässt er problemlos zu.

Es gibt noch etwas, was Minho über Jisung erfahren hat. Als er diesen bei sich besucht hat, ist ihm der kleine Stapel an Notizbüchern auf seinem Schreibtisch aufgefallen und er ist neugierig geworden. Auf die Frage hin, was das sei, hat Jisung geantwortet: „Ich habe lange Zeit sehr wenig mit anderen gesprochen. Also habe ich meine Gedanken als Lyrics aufgeschrieben.“ Minho hätte sich gerne einiges davon durchgelesen, aber Jisung war zu unsicher und der Ältere hat ihn nicht weiter gedrängt. „Was grinst du so? Triffst du dich gleich mit Jisungie?“, reißt ihn Hyunjins Stimme aus den Überlegungen. Minho lächelt sich selbst in dem großen Spiegel an und nickt. „Deswegen verschwinde ich jetzt, er wird wohl schon warten“, sagt er und Felix schmollt.

„Hyung, du kannst uns nicht verlassen!“, jammert er. Minho ist mit den beiden Jüngeren wieder im Tanzstudio und die letzten zwei Stunden haben sie sich eine neue Choreografie erarbeitet. Jetzt ist er aber mit Jisung verabredet. „Die Prioritäten unseres Hyungs haben sich geändert“, seufzt Hyunjin theatralisch. „Macht euch nur darüber lustig“, grummelt Minho. „Viel Spaß euch beiden“, grinst Felix noch, als der Ältere nach draußen verschwindet. Vor der Eingangstür des Tanzstudios wartet Jisung auf einer kleinen Mauer sitzend. Als er Minho sieht, rutscht er herunter und geht auf ihn zu. „Und wie war es?“, fragt er, worauf der Ältere lachend abwinkt. „Mir tun alle Knochen weh, aber das kommt wohl davon, dass ich in letzter Zeit so selten tanzen war“, erwidert er belustigt und sieht den Jüngeren abwartend an.

„Zu mir oder zu dir?“ „Zu mir, ich muss dir was zeigen“, antwortet Jisung und er klingt angespannt. Auch sein Blick zeigt das deutlich und Minho ist verunsichert. Er wirkt wieder so, wie am Anfang. Schweigend laufen sie nebeneinander, bis es Minho zu blöd wird. „Kann ich dich mal was fragen? Du musst nicht antworten, dass ich eigentlich eine dämliche Frage“, sagt er verlegen kichernd. „Frag ruhig“, erwidert Jisung und hebt die Augenbrauen, „so dämlich, wie Hyunjins oder Felix‘ Fragen kann es nicht sein.“ Minho lacht auf und zupft dann an Jisungs Jackenärmel. „Wieso trägst du jeden Tag diese Jacke? Seit wir uns wieder gesehen haben, hast du sie an. Dabei haben wir Sommer.“ Jisung antwortet nicht gleich und Minho hat schon die Sorge, ihn verärgert zu haben, als der Jüngere leise aufseufzt.

„Meine Mutter hat sie mir gekauft“, antwortet er schließlich und kickt einen Stein weg. „Das war am Tag, als das Urteil über meinen Vater gefällt wurde. Meine Mutter war so erleichtert, dass all das endlich ein Ende hatte und sie hat mir gesagt, dass sie mir ein Geschenk machen will. In einem Outlet Store habe ich diese Lederjacke gesehen und sie hat mir so gut gefallen, dass ich meine Mutter gebeten habe, sie mir zu kaufen. Irgendwie ist das eine Art Schutzpanzer, ich fühle mich mächtig, wenn ich sie anhabe. Für lange Zeit wurde ich von meinem Vater unter Druck gesetzt und fühlte mich schwach. Aber an diesem Tag habe ich gewonnen und wenn ich diese Jacke anhabe, fühle ich mich nicht ganz so machtlos“, erklärt er und seine Wangen röten sich. „Ist irgendwie ein dummer Grund“, nuschelt er und weicht Minhos Blick aus. „Nein, das klingt irgendwie total logisch“, meint dieser und lächelt dann. „Außerdem steht sie dir gut.“

Das lässt Jisung noch weiter erröten und Minho legt einen Arm um seine Schultern. Als sie bei Jisung zu Hause ankommen, ist die Anspannung des Jüngeren wieder da. Minho macht es sich auf Jisungs Bett bequem und dieser reicht ihm einen Briefumschlag. „Du kannst es ruhig lesen“, meint der Jüngere und seine Hände haben sich zu Fäusten geformt. Minho überfliegt den Absender und seine Augen weiten sich. „Das ist ja-“, setzt er an und Jisung nickt. „Ein Brief von meinem Vater aus dem Gefängnis“, vollendet er den Satz. Minho zieht ein Blatt Papier heraus und liest es sich aufmerksam durch. Sonderlich lang ist der Brief nicht. Jisungs Vater bittet, ihn um ein Gespräch und das er ihn sehen möchte, weil das seine letzte Chance ist. Mit gemischten Gefühlen lässt Minho den Brief sinken. „Was hast du jetzt vor?“, fragt er ruhig und der Jüngere schnaubt auf. „Als ob ich dem nachkomme“, knurrt er. „Vielleicht würde es aber helfen“, entgegnet Minho vorsichtig. Darauf verdreht Jisung die Augen.

„Ich habe geahnt, dass du das sagen wirst. Ich hätte es dir nicht zeigen sollen.“ Entschlossen zieht er Minho den Brief, samt Umschlag aus den Händen und wirft ihn auf seinen Schreibtisch. „Jisungie, ich weiß, dass du mit ihm nichts mehr zu tun haben willst, aber du brauchst mir nicht weißmachen, dass es für dich komplett abgeschlossen ist. Denn das ist es nicht“, sagt Minho bestimmt und er wird böse angesehen. „Bist du neuerdings Psychologe?“, faucht Jisung und springt auf. „Nein, aber ich kenne dich einfach gut genug, um zu wissen, wenn dich etwas wirklich zu schaffen macht. Vielleicht hilft dir dieses Treffen endgültig abzuschließen.“ „Woher willst du das wissen?“, schreit Jisung aufgebracht und funkelt den Älteren zornig an. „Du wurdest noch nie von deinem Vater sexuell missbraucht!“

Minho schluckt seinen Ärger herunter, denn der Jüngere wird unfair. Doch er hat gelernt auf Jisungs Wut nicht mit seiner Wut zu reagieren, stattdessen versucht er ruhig und sachlich zu bleiben. „Nein, Jisungie, das wurde ich nicht“, entgegnet er und sieht den aufgebrachten Jisung offen an. „Und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie sich das anfühlt und was es aus einem macht. Aber er ist trotz allem dein Vater und du bist sein Sohn. Glaubst du nicht, dass es irgendeinen Grund geben muss, dass er dich um so einen Gefallen bittet? Er wird schließlich wissen, dass du nicht gut auf ihn zu sprechen bist.“ Plötzlich lässt Jisungs Zorn nach, wie er eben aufgekommen ist. Er sinkt neben Minho auf das Bett und schaut zu Boden. „Ich habe Angst“, gesteht er schließlich kläglich. „Wovor?“, möchte der Ältere wissen und streicht über Jisungs Rücken.

„Davor, das ich das nicht packe“, erwidert dieser mit brüchiger Stimme. „Und wenn ich mitkomme?“, schlägt Minho vor. „Das würdest du tun?“, ruft Jisung fassungslos und der Ältere grinst schief. „Für dich würde ich sogar in die Hölle gehen. Warum fangen wir nicht mit einem Gefängnis an?“, erwidert er und hat im nächsten Moment einen aufgelösten Jisung in seinen Armen. „Schscht, ich habe versprochen, dass ich dich nicht alleine lasse“, wispert Minho und streicht Jisung die Tränen von den Wangen. Der Tag kommt, an dem Minho mit Jisung und dessen Mutter zum Gefängnis fährt. Auf der Fahrt dorthin, sagt Jisung kein Wort und der Ältere hält die ganze Zeit seine Hand. „Ich glaube, ich kann das nicht“, presst Jisung panisch hervor, aber Minho drückt seine Hand. „Ich weiche nicht von deiner Seite“, versichert er und der Jüngere nickt. Allerdings dauert es eine ganze Weile, bis es soweit ist.

Die Besuchsgenehmigung wird überprüft, Jacken werden kontrolliert und dann müssen sie im Warteraum Platz nehmen, bis sie in den Besuchsraum dürfen. Jisung rutscht die ganze Zeit nervös auf seinem Stuhl herum und als sie aufgerufen werden, verlässt auch das restliche bisschen Farbe sein Gesicht. „Ich warte hier“, sagt Frau Han und versucht zu lächeln. Minho greift nach Jisungs Hand und sie folgen dem Beamten, der voran geht. Da sie beide bereits sechzehn sind, muss kein Elternteil mit in den Besuchsraum kommen. Nur ein Tisch mit drei Stühlen herum steht hier, sonst nichts weiter. „Halt mich bitte fest, ich kippe sonst um“, wispert Jisung, als sie auf den zwei Stühlen auf der einen Seite Platz nehmen. Minho greift nach seiner eiskalten Hand und in dem Moment öffnet sich die vergitterte Tür zu ihrer Rechten und Jisungs Vater kommt herein.

Das ist der Mann, mit dem ich auch einen Teil meiner Kindheit verbracht habe, denkt Minho und kann es nicht fassen. Ein Beamter bleibt mit im Raum und Jisungs Vater blickt Minho erstaunt an. „Minho? Lee Minho? Nicht zu fassen, wie erwachsen du geworden bist“, entfährt es ihm und der ältere Mann wendet sich Jisung zu. Dieser hat den Blick auf die Tischplatte gesenkt. „Ich weiß, dass es keine Entschuldigung für meine Taten gibt und ich denke, du willst sie auch nicht hören“, sagt er leise, worauf Jisung nur ohne aufzusehen nickt. „Meine Strafe ist verdient, kein Vater sollte seinem Sohn so etwas antun. Ich werde deinen Abschluss nicht erleben oder wie du an eine Uni kommst, wie du deinen Weg gehst. Diese Chance habe ich mir selbst verbaut und das ist die größte Bestrafung für mich.“

Jisungs Vater atmet tief durch. „Du wirst mich nie wieder sehen müssen, das verspreche ich dir. Ich werde meine Strafe hier absitzen und dann nach Amerika gehen.“ Wegen dieser Worte hebt Jisung den Kopf und macht große Augen. „Ich wollte dich gerne ein letztes Mal noch sehen“, sagt sein Vater und lächelt schmerzhaft. „Du bist das Beste, was ich je erreicht habe. Und es tut mir so unendlich leid, was ich dir in den letzten zwei Jahren angetan habe.“ Jisung beißt sich auf die Lippe, Tränen schimmern in seinen Augen. „Pass auf dich auf“, bringt er nur hervor und sein Vater lächelt. „Viel Glück, Jisung-ah.“ Ein Beamter kommt rein und deutet auf die Uhr. „Die Zeit ist um!“, sagt er streng und Jisungs Vater erhebt sich schwerfällig. Minho und Jisung sehen ihm nach, bis die vergitterte Tür hinter ihm zugeschlagen ist. „Komm, lass uns gehen“, raunt Minho dem Jüngeren zu und dieser setzt mechanisch einen Fuß vor den anderen.

Als sie wieder draußen vor dem Gebäude stehen, schaut Frau Han die beiden an. „Was werdet ihr jetzt tun?“, fragt sie und zieht ihren Autoschlüssel hervor. „Spazieren gehen“, antwortet Minho entschlossen und Jisungs Mutter lächelt. „Achte gut auf ihn.“  Ohne jedes Ziel läuft Minho los, Jisung folgt ihm widerstandslos und irgendwann kommen sie in einem kleinen Park an, wo sie sich auf eine Bank setzen. Jisung schlingt seine Arme um den Älteren und vergräbt sein Gesicht an dessen Halsbeuge. Irgendwann spürt Minho, wie diese Stelle nass wird. Offenbar weint der Jüngere lautlos. „Ich bin so stolz auf dich“, flüstert Minho und streicht seinem Freund durch die Haare. Ein ersticktes Schluchzen entfährt diesem. „Ich dachte, ich müsse jeden Moment zusammen brechen“, lacht er zittrig und zieht die Nase hoch.

„Wieso denn, du trägst doch deinen Schutzpanzer“, versucht Minho ihn aufzumuntern und Jisung betrachtet seine Lederjacke. „Vielleicht bist du auch jetzt mein Schutzpanzer geworden“, murmelt er und der Ältere legt den Kopf schief. „Du bist süß, weißt du das?“, grinst er schließlich und legt spontan seine Lippen auf die von Jisung. „Ich liebe dich, Minho-hyung“, flüstert dieser nach dem Kuss. Der friedliche Moment wird von Minhos Handy unterbrochen. Seufzend zieht er es hervor und liest die eingetroffene Nachricht. „Von Chan-hyung. Er fragt, ob wir uns mit den anderen treffen wollen. Hyunjin und er haben ein tolles Café ausfindig gemacht.“ Abwartend schaut er Jisung an und dieser nickt sofort. „Ich bin dabei, das brauche ich jetzt“, sagt er und fährt sich ein letztes Mal über die Augen.

Chan hat ihm einen Standort geschickt und somit fahren Minho und Jisung mit dem Bus in Seouls Innenstadt. „Hier müsste es sein“, murmelt Minho irgendwann ratlos und dreht sich suchend im Kreis. Jisung stößt ihn kichernd an und deutet auf das Neon Schild über ihren Köpfen. STAY leuchtet der Name in Gelb über ihnen. „Da sind sie ja!“, ruft Changbin begeistert, als er die beiden Neuankömmlinge durch die Tür kommen sieht. Sofort nehmen die anderen sie fröhlich in Empfang und Minho lehnt sich entspannt zurück. Jisung wirkt unfassbar gelöst und das macht den Älteren von beiden glücklich. Er weiß nicht wie, aber sie werden das schaffen. Das wichtigste ist, dass er seinen Jisung wieder hat.
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