Opposite

von Yueliang
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 Slash
Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho
03.05.2020
01.06.2020
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03.05.2020 1.687
 
Für Minho beginnt dieser Morgen wie immer. Fünf Minuten nach dem Wecker klingeln, schaut seine Mutter ins Zimmer, ob er aufgestanden ist. Und wie immer liegt Minho noch im Bett, weswegen sie energisch in die Hände klatscht und ihrem Sohn kurzerhand die Bettdecke wegzieht. Dieser öffnet widerwillig die Augen. „Keine Lust“, murrt er und rollt sich zusammen. „Steh auf, sonst kommst du zu spät“, erwidert seine Mutter lachend ohne jegliches Mitleid und verschwindet wieder. In dem Moment miaut es neben Minhos Ohr. Offenbar hat sich eine der Katzen mit herein geschlichen und gleich darauf fährt eine raue Zunge über seine Wange, sodass er lachend die Augen öffnet und Dori erblickt. Die jüngste seiner Katzen blickt ihn auffordernd an und will offenbar bespaßt werden. „Tut mir leid Kleines, aber Papa muss zur Schule“, sagt Minho entschuldigend und hebt das Kätzchen hoch. Zufrieden schnurrend schmiegt sie sich in seine Arme. Allerdings setzt Minho sie gleich wieder behutsam auf seinem Schreibtischstuhl ab, damit er sich seine Schuluniform anziehen kann.

Interessiert betrachtet Dori diesen Vorgang. „Minho, bist du endlich aufgestanden?“, ruft seine Mutter aus der Küche. „Ja, komme gleich!“, antwortet er und verlässt sein Zimmer, gefolgt von einem vierbeinigen Schatten namens Dori. Seine Mutter lächelt, als sie das sieht. „Wenn sie könnte, würde sie mit dir zur Schule gehen“, meint sie und Minho reißt die Augen auf. „Sie soll sich unter so viele Idioten begeben? Das mache ich nicht mit! Wenn ich das zuließe, wäre ich ein schlechter Vater“, beharrt er und seine Mutter lacht. Soonie ist wohl durch den Lärm in der Küche angelockt wurden und schlängelt sich durch den Türspalt, um sich dann vorwurfsvoll maunzend vor den leeren Futternapf zu setzen. „Ja, ja, Papa bringt euch gleich Frühstück!“, sagt Minho und sucht das Trockenfutter. Er schüttelt die Packung und pfeift. „Doongie!“, ruft er seine dritte Katze. „Es gibt Frühstück! Beeil dich, oder deine Schwestern haben alles aufgegessen!“ Nacheinander füllt Minho die leeren Näpfe auf und begeistert stürzen sich Soonie und Dori auf ihr Frühstück. Von Doongie fehlt allerdings noch jede Spur. „Sie wird bestimmt wieder in ihrer Höhle schlafen. Lass sie nur, ich gebe ihr nachher was. Du solltest jetzt nämlich auch mal anfangen zu frühstücken“, mahnt Minhos Mutter und dieser setzt sich seufzend an den Küchentisch.

Während er isst, liest er sich noch einmal die Gleichungen durch, die sie gestern in Mathe behandelt haben. „Wie war dein letzter Test ausgefallen?“, fragt seine Mutter gespannt und Minho denkt nach. „Es sind 88 Prozent gewesen“, murmelt er schließlich und seine Mutter seufzt leise auf. „Wo lag das Problem?“, will sie wissen und Minho hebt nur die Schultern. „Du weißt, dass dein Vater und ich dir nicht das Tanzen verbieten wollen, aber versuch doch wieder dein A Niveau mit 96 Prozent zu erreichen. Wenigstens in Mathe und Koreanisch.“ Darauf verzieht Minho nur das Gesicht und schaut auf die Uhr. Wenn er pünktlich los machen will, sollte er sich jetzt wirklich beeilen. Hastig beendet er sein Frühstück und verschwindet anschließend ins Bad. Trotz seiner leichten Trödelei steht er schließlich punktgenau auf die Minute vor dem gegenüberliegenden Haus und klingelt. „Komme schon!“, ruft eine Stimme hinter der Tür und Minho grinst. Im nächsten Moment steht einer seiner besten Freunde vor ihm, mit einem Schuh in der Hand.

„Gib mir ne Sekunde“, meint Chan und Minho schaut auf seine Armbanduhr. „Die ist jetzt um“, grinst er, worauf der andere ein genervtes Geräusch von sich gibt. „Ich mache jetzt los, bis heute Nachmittag!“, ruft er nach drinnen und eine Stimme antwortet etwas auf Englisch, was Minho sowohl akustisch, als auch aufgrund mangelnder Vokabelkenntnisse nicht versteht. „Neue Woche, neues Glück“, grinst Chan und zieht die Tür hinter sich zu. „Glück? Was für Glück? Wieder in die Schule zu gehen?“, hakt Minho skeptisch nach. „Naja, du könntest dort oder auf dem Weg dorthin deine große Liebe treffen“, sinniert der Ältere von beiden verträumt, erntet aber nur ein genervtes Aufstöhnen dafür. „Ach, du hast doch keine Ahnung“, zieht Chan ihn auf. An der nächsten Straßenkreuzung steht ein dunkelhaariger Junge mit Kopfhörern auf den Ohren und ist total in seine eigene Welt versunken. „Ich traue mich ja gar nicht ihn in die Realität zurück zu holen“, seufzt Chan, während Minho weniger Mitleid zeigt und Changbin auf die Schulter schlägt, sodass dieser erschrocken zusammenfährt und beinahe sein Handy fallen lässt. Als er erkennt, wer es ist, legt sich sein finsterer Blick und er verdreht die Augen.

„Hyung, spinnst du?“, brummt er und setzt die Kopfhörer ab. „Reg dich ab, du hast ja keinen Herzinfarkt erlitten“, grinst Minho, während der Jüngere aufgebracht vor sich hin grummelt und seine Kopfhörer vorsichtig im Rucksack verstaut. „Aber ich hätte fast einen bekommen!“, hält er schmollend dagegen. „Hast du eigentlich überhaupt Schulbücher eingepackt?“, fragt Chan argwöhnisch, als er den Inhalt von Changbins Rucksack sieht. Dieser schaut ihn empört an. „Dann würden meine neuen Kopfhörer kaputt gehen!“, ruft er entsetzt und Chan bedenkt ihn mit einem strengen Blick. „Es hat auch keiner verlangt, dass du diese sündhaft teuren Dinger mit in die Schule nehmen musst“, wirft er Changbin vor und dieser stöhnt auf. „Ja, Mama, ich werde daran denken!“ Den Rest des Weges unterhalten sie sich über völlig banale Dinge, die ihnen in den Sinn kommen. Nach zwanzig Minuten Fußmarsch taucht der bekannte Gebäudekomplex zu ihrer Rechten auf und Minho seufzt vernehmlich auf. „Und das meine Herren, ist ein Geräusch der Motivation!“, ertönt eine lachende Stimme. Einer ihrer Freunde ist hinter ihnen aufgetaucht und gesellt sich zu der kleinen Gruppe.

„Hyunjinnie, wie war dein Wochenende?“, fragt Chan neugierig und der Angesprochene verzieht das Gesicht. „Langweilig. Ich konnte nicht tanzen, weil ich für diesen dämlichen Test heute lernen musste“, beschwert er sich. „Nicht nur du!“, brummt Changbin und verdreht die Augen. „Ah, hier kommt unser Rest!“, stellt Minho fest und deutet auf das Eingangstor am anderen Ende des Hofes. Kurz darauf ist die kleine Gruppe um drei weitere Personen größer geworden. Seungmin und Felix wirken ebenfalls nicht sonderlich motiviert, während Jeongin alle anderen erfreut begrüßt. „Was für einen Test müsst ihr denn schreiben?“, will Chan wissen. „Koreanische Geschichte. Unser ganzer Jahrgang schreibt heute“, erklärt Changbin düster und Felix schaut beklommen in die Runde. „Ich habe das Gefühl nichts mehr zu wissen“, murmelt er. „Das habe ich auch meist und dann kommt immer was Gutes dabei raus“, versucht Seungmin ihn zu beruhigen und Hyunjin verdreht die Augen. „Du lernst sowas auch schnell! Bei mir sickern geschichtliche Daten sofort wieder aus dem Gehirn raus“, beklagt er sich.

„Hey, lass meine telefonische Nachhilfe nicht umsonst gewesen sein!“, droht Seungmin. Jeongin verfolgt die Debatte gespannt. Als einziger aus ihrem Freundeskreis geht er noch auf die Mittelschule, welche im Nebengebäude liegt. „Wir sehen uns heute Nachmittag Hyungs“, verabschiedet er sich schließlich, richtet seinen Rucksack und geht davon. „Wie gerne würde ich jetzt nochmal in der letzten Klasse in der Mittelschule sitzen“, murmelt Hyunjin neidvoll und sieht dem Jüngsten nach. „Niemand hat gesagt, dass das erste Oberschuljahr so anstrengend wird.“ „Doch, ich“, hält Minho dagegen und legt Hyunjin einen Arm um die Schultern. „Und es wird im zweiten sogar noch besser!“, strahlt er. Dafür erntet er nur einen bösen Blick. „Kommt, lasst uns reingehen. Wir schreiben gleich die ersten beiden Stunden“, drängelt Felix. Langsam leert sich der große Schulhof immer mehr. Im Gang trennt sich die kleine Gruppe.

Chan und Minho müssen nach links, während der Rest die Treppen hoch geht. Die beiden Älteren wünschen ihnen viel Erfolg. „Der nützt mir nichts, ich brauche eine göttliche Fügung, um das zu überstehen!“, ruft Felix ihnen noch lachend zu und ist dann verschwunden. Minho und Chan folgen dem Strom an Schülern, die sich auf ihre Klassenzimmer verteilen. Bei ihrem Raum angekommen, ist noch keine Spur von einem Lehrer, dabei ist es kurz vor Stundenbeginn. Der Geräuschpegel ist recht hoch, offenbar tauschen sich alle über ihr Wochenende aus. Chan und Minho steuern ihren gemeinsamen Tisch in der Wandreihe an und packen ihre Sachen aus. „Weißt du noch, als wir letztes Jahr diese Tests geschrieben haben?“, erinnert sich Minho und der Australier nickt. „Wir waren so panisch“, lacht er leise vor sich hin. „Und dann haben wir echt gut abgeschnitten.“ „Außer ich in Naturwissenschaften“, brummt Minho, doch Chan macht eine wegwerfende Handbewegung. „Man muss nicht alles können“, meint er aufmunternd.

Zur selben Zeit nehmen auch Changbin und Hyunjin ihre Plätze ein. Die Anspannung unter den Schülern im Raum ist beinahe greifbar. Dieser Test macht viel von der Gesamtnote aus, dementsprechend hat ihr Lehrer auch Druck ausgeübt. Nervös kaut Hyunjin sich auf seiner Unterlippe herum, bis Changbin ihn anstößt. „Lass das lieber, sonst verschönerst du den Testbogen noch mit deinem Blut“, sagt er grinsend. Hyunjin fährt sich gestresst durch seine braunen Haare und wippt unruhig auf dem Stuhl herum. „Allein dein Anblick macht mich schon nervös“, stellt Changbin fest und schnaubt belustigt auf. „Hoffentlich geht es Felix und Seungmin im Nebenzimmer besser.“ Kaum betritt Herr Cho die Klasse, verstummen sämtliche Gespräche und alle Augen richten sich auf die Mappe in der Hand ihres Lehrers. „Okay, ihr wisst, was dieser Test bedeutet. Ich hoffe, dass ihr euch über die letzten Wochen ordentlich vorbereitet habt und akzeptable Ergebnisse erreicht“, sagt er ernst.

Changbin und Hyunjin tauschen einen Blick miteinander aus. „Ihr habt 120 Minuten Zeit. Jeder achtet auf seinen Test oder ich bin gezwungen die Sitzordnung zu verändern.“ Herr Cho geht durch die Reihen und verteilt die Arbeitsbögen umgedreht vor jedem. Als er das Zeichen zum Aufdecken gibt, kommt Bewegung in die vorher erstarrten Schüler. Hyunjin atmet tief durch und liest die erste Aufgabe. Nachdem die zwei Stunden um sind, haben sie fünfzehn Minuten Pause, ehe der Unterricht regulär weiter geht. Erschöpft bettet Hyunjin seinen Kopf auf die Tischplatte, während Changbin sein Handy aus dem Rucksack hervorkramt. „Felix und Seungmin haben auch überlebt“, verkündet er, als er die Nachricht liest, welche Felix gerade in ihre gemeinsame Kakao Talk Gruppe geschrieben hat. „Hm“, brummt Hyunjin mit geschlossenen Augen. „Ich habe keine Kraft um mich zu freuen.“ „Jinnie, wir haben nur einen Test geschrieben und keinen Krieg geführt“, kichert Changbin und piekst dem Jüngeren in die Wange, worauf dieser seine Hand wegschlägt. „Wir haben Krieg mit Geschichtsdaten geführt!“, hält Hyunjin dagegen.
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