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Gonzo Dackelmops, Sami und die Flaschenpost. Oder: Gespräche mit einem Hund über Gott und die Welt. Und über Frauen.

von Catweazle
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Sami Osala
03.05.2020
11.04.2021
30
67.334
20
Alle Kapitel
282 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
 
03.05.2020 1.628
 
Hallo!

Wie ihr schon dem Titel und auch der Kb entnehmen könnt steht diesmal Sami im Mittelpunkt. Und natürlich Gonzo Dackelmops, der hoffentlich euer Herz erobern wird. Gonzos Gedanken entspringen selbstverständlich lediglich meiner Fantasie, also nicht zu ernst nehmen. ;)

Ich hoffe ihr Lust auf eine Story die einfach nur etwas fürs Herz ist.
Ein wenig Ablenkung von einem nicht alltäglichen Alltag.
Nichtsdestotrotz poste ich sonntags ...

Gute Unterhaltung!
Liebe Grüße
Cat
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Kapitel 1:     Eine ungewöhnliche Beute


„Na los, Gonzo, hol das Stöckchen!“ Sami holte weit aus und schleuderte das Holzstück von sich, indem er es kraftvoll nach vorne warf. Begeistert stürmte Gonzo los, bremste dann so abrupt, dass er die Schnauze wie ein Pflug durch den Sand schob und eine Rolle vorwärts vollführte. Sami lachte laut auf, es sah aber auch urkomisch aus wie Gonzo sich jetzt wieder auf seine vier Beine stellte und ganz benommen schüttelte. Dann erinnerte er sich wieder an seinen Auftrag von Herrchen. Mit wehenden Ohren und dem Stöckchen im Maul lief er stolz zu Sami zurück.

„Das hast du fein gemacht, gaaaanz toll“, lobte Sami, „dafür hat der Dackel auch eine Belohnung verdient!“ Dass Gonzo gar kein Dackel war interessierte Sami dabei herzlich wenig. Irgendwann einmal hatte er sich einen Spaß daraus gemacht das zu sagen und hatte damit große Empörung bei einem anderen Hundebesitzer hervorgerufen, der meinte, es wäre unverantwortlich, dass jemand der nicht den Unterschied zwischen einem Dackel und einem Parson Russell Terrier kennen würde überhaupt einen Hund halten dürfte. Sehr interessant fand Sami es aber auch, wie selbstverständlich es andere Leute dafür immer wieder hinnahmen, wenn sie nach der Rasse fragten und er mit ernster Miene erklärte, es würde sich um einen reinrassigen Dackelmops handeln.

Gonzo Dackelmops war immer dabei, egal wo Sami auch war, jede Tour begleitete er, und dass er nicht mit auf die Bühne kam grenzte fast schon an ein Wunder. Aber selbst bei einem Auftritt wartete Gonzo dann ganz geduldig im Backstagebereich auf sein Herrchen, mit dem er die Vorliebe für Stöckchen teilte.
Diesmal aber gönnten sich beide Erholung vom stressigen Alltag. Sami war über 500 Kilometer an die Küste gefahren, wo er stundenlange Spaziergänge mit seinem vierbeinigen Freund unternahm und über sein Leben nachdachte, während ihnen der Wind um die doch sehr unterschiedlich aussehenden Ohren wehte.
Er war glücklich, er liebte seinen Job in der Band und die Jungs waren einfach super, dennoch fehlte da etwas. Jemand. Eine Frau der er seine ganze Liebe schenken konnte. Natürlich war es nicht schwierig für ihn eine Frau kennenzulernen, als Drummer von Sunrise Avenue war er sehr begehrt, vermutlich hätte er sogar wie Quasimodo aussehen können und die Frauen hätten ihn gewollt, aber von oberflächlichen Beziehungen hatte Sami die Nase voll. Er suchte nach etwas ganz anderem. Beständigkeit. Ein gemeinsames Leben mit einer Partnerin. Vielleicht auch mal Kinder. Ja, bestimmt sogar. Allerdings war es nicht einfach die richtige Frau zu finden. Die Meisten mit denen er zu tun hatte waren Karrierefrauen die genau so einem Leben entfliehen wollten. Windelwechseln stand eben nicht mehr hoch im Kurs. Verdenken konnte er es aber auch keiner Frau, er selbst hatte schließlich auch ein abwechslungsreiches Leben.

„Gib her, Gonzo.“ Wieder schleuderte Sami das Stöckchen von sich das diesmal im seichten Wasser landete. Ohne zu zögern lief der Hund ins kühle Nass. Entgegen Samis Erwartung kam er aber nicht sofort wieder zurück sondern schwamm hinaus. „Gonzo! He, was soll das? Komm zurück!“ Sami stieß auf seinen Fingern einen schrillen Pfiff aus der für Gonzo als Befehl galt, sofort zu Herrchen zurückzukehren. „Komm zurück, aber sofort!  Alarmstufe rot!“, brüllte er los und ließ erneut den Pfiff erklingen.
Diesmal reagierte der Hund, kam zurück gepaddelt, im Maul seine Beute. Sami ging näher ans Wasser, aus der Entfernung in der er sich befand konnte er nicht erkennen was Gonzo da erbeutet hatte. Inzwischen hatte der Terrier das Ufer erreichte und schüttelte sich, dass die Tropfen nur so aus seinem weißen Fell flogen, dann trottete er brav auf sein Herrchen zu. Jetzt erkannte Sami auch die Plastikflasche.
„Pfui, Gonzo! Das ist ja unglaublich was die Leute so ins Wasser werfen!“, schimpfte er. „Als wenn die Weltmeere nicht schon genug verschmutzt wären!“
„Wau!“, bellte Gonzo, der die Flasche nun abgelegt hatte, zustimmend. „Mit einem weiteren „Wau“, stupste er die Flasche mit der Schnauze an und schob sie näher zu Sami.
„Ja, ja, ich nehme sie schon mit und entsorge sie.“ Sami bückte sich und hob die Flasche auf. Erst jetzt bemerkte er, dass etwas in der Flasche steckte, und zwar ein zusammengerollter Zettel. Das gab es doch nicht, er hatte eine Flaschenpost gefunden! Das heißt, eigentlich hatte Gonzo sie gefunden ...
„Wollen wir das mal lesen, ja?“
„Wau!“

„Dann setzen wir uns am besten da drüben auf diesen Felsbrocken.“ Sami stapfte los und Gonzo lief aufgeregt neben ihm her. Auf dem Stein sitzend drehte Sami die Flasche auf während Gonzo brav vor ihm hockte und gespannt zu ihm aufsah. Das Papierröllchen in der Flasche war zusätzlich mit Frischhaltefolie umwickelt. Da hatte wohl jemand gewollt, dass die Nachricht nicht durch das eventuelle Eindringen von Wasser  unleserlich werden konnte. Sami entfernte die Folie und rollte das Papierstück auseinander.

„Lieber Finder dieser Flaschenpost. Gonzo, damit bist du gemeint“, sah er seinen Hund an. „Ich freue mich sehr darüber, dass du meine Flaschenpost gefunden hast. Es wäre wunderbar, wenn du mir antworten würdest. Tja, das dürfte schwierig werden, ich denke der Schreiber wird dein Wauwau nicht verstehen. Mein Name ist Aili und ich suche auf diese ungewöhnliche Weise einen Mann. Bis jetzt ist mir das nicht gelungen, aber vielleicht bist du ja der Flaschengeist der zu mir passt.“ Amüsiert lachte Sami auf. „Solltest du Interesse haben dann melde dich doch, ich lasse dir eine E-Mail Adresse da unter der du mich erreichen kannst. Du darfst dich aber auch melden wenn du diesbezüglich nicht interessiert bist. Ich würde gerne erfahren wie lange die Flaschenpost unterwegs war, von wem, wo und unter welchen Umständen sie gefunden wurde. Herzliche Grüße, Aili.“ Zum Schluss folgte noch die E-Mail Adresse. Samis Augen suchten nach dem Datum. Drei Monate, das war nicht all zu lange her.

Er beschloss zu seiner Pension zurückzugehen und sich sofort an seinen Laptop zu setzen, um dieser Aili zu antworten. Was für eine Frau musste man sein wenn man einen Mann per Flaschenpost suchte? Vermutlich eine verzweifelte Frau. Vielleicht eine Vogelscheuche die so hässlich war, dass niemand sie wollte. Dann würde ihr aber auch kein Flaschengeist helfen, weil der sich vor Schreck wahrscheinlich gar nicht aus seiner Flasche wagen würde. Oder sie hatte Kinder und suchte nun nach jemandem der ihrem Nachwuchs ein Papa sein konnte. Nun ja, ein Kind, oder auch zwei, waren akzeptabel, aber bei mehreren wäre es dann doch nicht so wirklich das was er suchte, schließlich wollte er eine Frau die auch noch Zeit für ihn hatte. Eine Vogelscheuche ging aber definitiv nicht. Natürlich waren Geschmäcker verschieden, während Samu den klassischen Typ bevorzugte stand er eher auf Frauen die etwas niedliches an sich hatten, so wie Meg Ryan. Jedenfalls vor ihrer sogenannten Schönheitsoperation.

Sami betrat sein Zimmer. Es war nicht besonders komfortabel, aber hier waren Hunde ebenso gern gesehene Gäste wie Menschen. Außerdem störte es ihn nicht wenn er hier nicht die Annehmlichkeiten hatte die er von seiner Wohnung her gewohnt war, es erinnerte ihn immer wieder daran woher er kam und das auch er nur mit Wasser kochte.
Gonzo machte es sich auf dem Elchfell bequem, Sami auf dem Bett. Er stopfte sich das Kopfkissen in den Rücken und wartete darauf, dass der Laptop einsatzbereit war. Ein kurzer Check seiner E-Mails zeigte drei Nachrichten an. Nachricht Eins stammte von Mikko.

>Sami, am  20. findet ein Benefizkonzert statt. Trotz deines Urlaubs bitte ich um deine Anwesenheit. Sollte ein WIRKLICH wichtiger Hinderungsgrund bestehen erwarte ich sofortige Information an mich. Da ich aber – außer einem Sterbefall oder einem kurzfristigen Unfall – nichts sehe was Anlass genug wäre fortzubleiben, freue ich mich auf die Bestätigung dieser Mail nebst Zusage. Mikko.

Das war mal wieder so 'ne typische Mikko-Mail. Trockener als staubendes Heu.
Sami öffnete die Samu-Nachricht.

>Hey Kleiner. Mikko hat bei einem Benefizkonzert zugesagt. Echt 'ne tolle Sache. Ist für kranke Kinder, das ist wichtiger als dein Urlaub. Was macht Gonzo? Ich vermisse ihn, wenn ich alleine an einen Baum pinkeln muss. Hapa

Okay, auch das war typisch. Typisch Samu.
Die dritte Mail kam von seiner Mutter.

>Sami, ich habe erfahren, dass du Urlaub hast. Kommst du Zuhause vorbei? Papa und ich vermissen dich. Tante Enna hat am 20. Geburtstag, da würdest du die Gelegenheit haben außer deinen Geschwistern auch deine Onkeln, Tanten, Cousinen und Cousins wiederzusehen. Melde dich bitte bei mir damit ich planen kann wen ich wo unterbringe. Alles Liebe mein Junge, Mama.

„Uff!“, stöhnte Sami. „Tante Enna hat am 20. Geburtstag, kapiert Gonzo? Wie schade, dass ausgerechnet da das Benefizkonzert stattfindet, wo ich mich doch sooo gefreut hätte die bucklige Verwandtschaft wiederzusehen. Schade, wirklich schade“, grinste er und machte sich daran die Antworten zu tippen. Anschließend kam die Nachricht dran die an Aili gehen sollte.

>Hallo Aili.
Heute hat Gonzo deine Flaschenpost gefunden. Gonzo ist mein Hund und des Schreibens nicht mächtig, deshalb übernehme ich das jetzt mal für ihn. Er hat die Flasche im Wasser gefunden als wir am Strand von Kalajoki spazieren waren. Für gewöhnlich leben wir in Helsinki, aber ich wollte mal so ganz weit weg sein von den Menschen die mich nerven, die ich aber trotzdem liebe. Ich weiß nicht, ob ich der Flaschengeist bin nach dem du suchst, aber ich bin solo. Ebenso wie Gonzo. Vielleicht kann man ja in Kontakt bleiben, um sich irgendwann ein wenig zu beschnuppern?
Es grüßen dich Gonzo (2 Jahre) und Sami (36 Jahre)


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