Himmelblau

GeschichteRomanze, Angst / P18
Ino Yamanaka Naruto Uzumaki Neji Hyuga Sakura Haruno Shikamaru Nara
03.05.2020
02.08.2020
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02.08.2020 3.549
 
Regenguss

Ino wusste sie würde nicht mehr lange gegen Inojin gewinnen, der sich immer vehementer gegen seinen Mittagsschlaf wehrte. Mit jedem Mal wurde es schwieriger, denn einerseits war Kaito da, der mit ihm in jeder freien Minute spielte und wenn Sai zum Mittagessen nach Hause kam, musste sie erst gar nicht versuchen ihren Sohn ins Bett zu stecken. Inojin liebte seinen Vater so sehr, dass er oftmals auch abends noch einmal aus dem Bett stolperte.

Sie schloss die Tür zu seinem Zimmer und atmete erleichtert auf. Jetzt hatte sie hoffentlich eine Stunde Zeit für sich und konnte in Ruhe einen Tee trinken und in ihren Zeitschriften blättern. Zum Glück musste sie sich heute nicht auch noch um den Blumenladen kümmern. Eigentlich wäre sie dafür zuständig gewesen, nur Inojin war heute mit leicht erhöhter Temperatur früher aus dem Kindergarten nach Hause geschickt worden.

Ihre Mutter war rettend eingesprungen, denn auch Choji und Karui hatten sich ausnahmsweise nicht um ihn kümmern können. Hinata wäre die nächste logische Wahl gewesen, aber nachdem man ihr für die restlichen Schwangerschaft strenge Bettruhe verordnet hatte und sie mit Boruto für einige Zeit in ihr Elternhaus zurück gekehrt war, wollte sie Hinata nicht auch noch damit belasten. Temari und Shikamaru vergnügten sich genauso wie Sakura in Sunagakure. Sicher wären Lee und TenTen auch begeistert gewesen sich Inojin anzunehmen, aber so gern sie die beiden auch hatte, so wusste sie nicht was Lee mit ihrem Kind anstellen würde. Er war eine Gefahr für jeden um sich herum.

Der Tee zog gerade in seine Kanne vor sich hin und sie warf ihre Beine auf den Hocker vor ihren Sessel, da klingelte das Telefon. Ino stöhnte auf. Sie hatte sich definitiv zu früh gefreut. Sie stand wieder auf und griff nach dem Hörer.
„Yamanaka Ino am Apparat?“
„Ino, ich bin es. Sakura.“
Sie wusste sofort, dass irgendwas passiert war, denn die Stimme ihrer Freundin hörte sich aufgeregt an.
„Was ist passiert?“
„Es gab gestern Nacht einen kleinen Zwischenfall.“


***


Shikamaru wusste nicht wen er mehr bemitleiden sollte als er noch einmal nach Neji gesehen hatte, der sich schon den ganzen Tag nicht aus seinem Zimmer traute. Die Nacht steckte ihm immer noch in den Knochen. Er hatte sich einfach nur einen schönen Abend mit seiner Frau machen wollen, doch es war vollkommen anders gekommen.

Ihm ging nicht aus dem Kopf was passiert wäre, hätten sie nicht durch das scheppernde Geräusch des Wasserkruges bemerkt, dass etwas bei Sakura passierte. Er war kurz davor gewesen an Temaris Schulter gelehnt einzuschlafen als das Klirren aus dem Raum ihnen gegenüber erklang. Er hatte sich nur schnell ein paar Klamotten übergeworfen und war in Kankuro hinein gerannt, der wohl offensichtlich auch noch wach war.

Er hatte zuerst anklopfen wollen, doch die Geräuschkulisse aus dem Schlafzimmer hörte sich zu ungewöhnlich an, dass er einfach hinein stürmte. Shikamaru war immer noch dankbar dafür, dass seine Shinobi-Sinne ihn nicht betrogen hatten. Kankuro hatte nur eine Sekunde früher geschaltet und Neji von Sakura herunter gezogen. Er wusste nicht worauf er achten sollte und war froh, dass Gaara – der sowieso selten in der Nacht mehr als zwei Stunden am Stück schlief – sich sofort um Sakura kümmerte.

Kankuro davon abzuhalten sich sofort um Neji in Form von Prügel zu kümmern, war mindestens genauso schwer gewesen, wie sich selbst davon abzuhalten seinen Freund eine zu verpassen. Nur Nejis panischer Blick und die offensichtliche Betroffenheit hatten ihn nachdenklich werden lassen. Er seufzte als er die Tür zu dem Zimmer betrat, dass er mit Temari bewohnte.

Sie lag auf dem Bett und hielt einen schlafenden Shikadai im Arm. Er warf seine Jacke achtlos zur Seite und legte sich einfach neben seine Familie. Er konnte jetzt auch eine Runde Schlaf gebrauchen. Kakashi hatte ihn um eine Einschätzung gebeten, wie er weiter verfahren sollte. Seiner Ansicht nach, war es besser Neji erst einmal gründlich psychologisch zu durchleuchten bevor er wieder als Anbu arbeiten konnte, wenn überhaupt.

Temari sagte nichts als er sie an sich zog und einen Kuss auf ihre Schläfe drückte.
„Sieht so aus als wäre unser Urlaub vorbei“, sagte sie leise um ihren Sohn nicht zu wecken.
„Ich hätte mir nicht gewünscht das er so endet“, murmelte er, schon vom Schlaf vollkommen übermannt. „Hast du mit Sakura geredet?“
„Ja.“
Sie lehnte sich näher an ihm. Zu gerne wäre er einfach liegen geblieben und erst am nächsten Tag wieder aufgestanden.
„Und wie geht es ihr?“
„Ich glaube sie ist noch tief erschüttert. Sie weiß nicht ob sie Neji sehen will.“
Er machte einen zustimmenden Laut.
„Neji ist auch vollkommen durch den Wind. Ich glaube ich hätte mich schon hoffnungslos betrunken.“
„Mir ist zumindest danach“, gab sie zu. „Es muss absolut schrecklich sein. Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen. Vor allem Sakura...“

Sie musste nicht ausführen was genau sie meinte. Jeder wusste wie sehr Sakura nicht nur gelitten hatte, weil sie entgegen jeder Logik Sasuke geliebt hatte. Ihr Leben war ständig von unerwiderter Liebe geprägt gewesen und als sie endlich all das hatte, was sie sich erträumte, war ihr das genommen worden. Neji hatte das Loch in ihrem Herzen wieder gefüllt. Jeder der sie zusammen sah, wusste wie glücklich nicht nur er, sondern vor allem Sakura war. Jetzt so einen Übergriff zu erleben, würde sie in ein Loch zurückwerfen.
„Wir dürfen Naruto nichts davon sagen. Sonst ist Neji ein toter Mann.“
„Du willst Naruto belügen?“
Temari klang erstaunt.
„Nein, aber Sakura soll selbst entscheiden, was sie ihm erzählt und auch wann.“ Er gähnte. Es wurde immer schwerer sich zu konzentrieren.
„Schlaf ein wenig. Spätestens in einer Stunde macht Shikadai dich sowieso wach.“
„Ich würde nicht darauf zählen.“

***


Neji wusste nicht wohin mit seinen Gefühlen. Er saß schon seit Tagesanbruch in seinem Zimmer und starrte an die Wand ihm gegenüber. Momoka vorbei gekommen und hatte ihn untersucht. Sie war nicht sehr redselig gewesen, sondern hatte ihn gründlich psychologisch durchgecheckt.

Momoka hatte auch direkt eine Diagnose dagelassen, die ihn absolut nicht beruhigte. Sie sagte etwas von posttraumatischen Stress und wie ihn seine Arbeit wahrscheinlich zu dem Punkt geführt hatte an dem er nun im Schlaf anfing Menschen zu würgen. Er hatte es nicht weiter kommentiert. Sicher würde er in Konoha noch einmal gründlich untersucht werden. Sobald man ihm dem Stempel aufdrückte, dass er verrückt war, konnte er seine Karriere als Shinobi an den Nagel hängen. Man würde sicher versuchen ihn irgendwie zu beschäftigten, doch auf Papierarbeit im Hokageturm hatte er keine Lust.

Er war frustriert. Früher hatte er immer gedacht, er würde nur wieder gesund werden müssen damit er all seine Träume und Wünsche erreichen konnte. Nun jedoch spielte ihm seine Psyche einen Streich.

Die Tür wurde ohne ein Klopfen aufgerissen und Kankuro trat ein. Er trug ein Tablett mit Essen. Auch wenn er offiziell frei herumlaufen konnte, hatte er nicht vor dies zu tun. Er wollte Sakura sehen, sich ihr aber nicht aufdrängen. Neji war so verloren wie noch nie in seinem Leben.

„Bist du bald damit fertig in Selbstmitleid zu baden?“ fragte Kankuro als er das Essen abgestellt hatte.
„Was ist eigentlich dein Problem?“ gab Neji zurück und merkte wie er wieder wütend wurde.
„Du hast jemanden verletzt der mir sehr wichtig ist. Sakura ist nicht irgendjemand. Ich habe ihr mein Leben zu verdanken. Sie war da als meine Schwester Hilfe gebraucht hat. Außerdem hat sie dabei geholfen Gaara zu retten.“
„Ich war auch auf dieser Mission dabei falls du dich erinnerst.“
Kankuro verschränkte die Arme.
„Willst du dich jetzt an so Kleinigkeiten aufhängen? Ich bin nicht gerade gut aufgelegt.“
Er schüttelte den Kopf und senkte den Blick.
„Ich möchte Sakura sehen“, sprach er leise.
„Und was hält dich davon ab?“
Kankuros Stimme war mit einem Mal sanfter als vorher. Als hätte er Mitleid mit ihm.
„Sie wird mich trösten wollen. Mir sagen, dass es nicht meine Schuld war.“ Er schluckte und ballte die Fäuste. „Aber das will ich nicht. Sie soll nicht mich trösten müssen.“

Das Bett senkte sich herab als Kankuro sich neben ihn setzte. Eine Hand fand sich auf seiner Schulter wieder.
„Hör zu, Neji“, begann er. „Du kannst sie nicht daran hindern so zu sein. Sakura sorgt sich um die Menschen die sie liebt. Sie möchten wissen, dass es ihnen gut geht. Deshalb nimm es hin wie ein Mann.“
Neji fühlte sich als würde er ersticken als er ausatmete. Es war alles so schwer. Sich einzugestehen Schwächen zu haben.
„Mir bleibt wohl nichts anderes übrig.“
Kankuro gab ihn einen Klaps auf den Rücken.
„Wenn es dir hilft, kann ich dabei bleiben.“
„Das würde mir wirklich helfen.“

***


Es war ungewohnt im Hyuga-Komplex zu wohnen. Nicht nur war dieser sehr weit entfernt von dem Haus, dass er eigentlich mit Hinata bewohnte, sondern er fühlte sich ständig beobachtet. Sein Schwiegervater ließ sie weitestgehend in Ruhe, doch da war noch die Tatsache, dass jeder dort über ein Buyakugan verfügte. Naruto konnte sich nicht vorstellen dauerhaft hier zu wohnen. Er wollte natürlich nur das Beste für Hinata und es war einfach sicherer. Ihre zweite Schwangerschaft hing am seidenen Faden. Also würde er auch hinnehmen für die nächsten Monate hier zu wohnen, wenn es sein musste.

Er hatte gerade Hinatas Lieblingsschokolade eingekauft und wollte den Weg nach Hause antreten, da kam ihm Ino entgegen gelaufen. Sie schien ihn gesucht zu haben, denn sie hob die Hand und deutete ihm stehen zu bleiben.
„Gut, dass ich dich treffe, Naruto.“
„Hey, Ino. Ist es was Wichtiges? Ich sollte schon längst zu Hause sein.“
„Wir können gerne in deine Richtung gehen.“
Neugierig folgte er ihr als sie sich umdrehte.

Sie liefen eine ganze Weile still nebeneinander her. Naruto musste nun wirklich wissen, was los war. Ino und er sahen sich eher selten. Natürlich hatten sie durch ihre Kinder regelmäßigen Kontakt, doch mit Shikamaru aus dem ehemaligen Team 10 war er bedeutend besser und länger befreundet. Doch er würde auch ihr sein Leben anvertrauen.
„Kannst du mir nun verraten was du willst?“ fragte er schließlich ungeduldig.
„Du musst mir eines versprechen, Naruto. Wenn ich dir jetzt etwas erzähle, darfst du erst wieder was sagen, wenn ich zu Ende gesprochen habe.“
Er nickte. Nun war alarmiert. Irgendwas sagte ihm, dass es um Sakura ging. Sie war derzeit in Suna. Doch bis jetzt hatte er sich keine Sorgen um sie gemacht. Nicht nur waren Shikamaru und Temari bei ihr, auch Gaara und Kankuro, sowie Kakashi-sensei und Neji.
„Ist etwas mit, Sakura-chan?“
Ino schenkte ihm ein schiefes Lächeln.

***


Sie hatte nach dem Telefonat mit Sakura eine Weile gebraucht um zu registrieren was ihre beste Freundin ihr gerade gesagt hatte. Ihr erster Impuls war es gewesen sofort nach Suna aufzubrechen. Sie wusste nicht, ob sie Neji schlagen oder anschreien wollte für die Dinge, die er Sakura angetan hatte. Dann hatte Sakura jedoch angefangen zu weinen und Ino musste sich darauf konzentrieren sie zu verstehen.

Sie selbst wusste leider nur zu gut wie es war mit jemanden zusammen zu sein, der traumatisiert war. Wie oft sie nachts wach geworden war, weil Sai schlafwandelte. Einmal hatte er sie mit einem Kunai angegriffen und nur ihrer Clantechnik war es zu verdanken, dass nichts passiert war. Sie wusste daher allzu gut, wie Sakura sich fühlte. Vor allem nachdem sie mehr als genug schlimme Erlebnisse durch gemacht hatte. Noch einmal dabei zuzusehen wie Sakura zerbrach, konnte sie nicht. Sie war so froh ihre Freundin wieder zu haben. Die starke Frau, welche mit einem Schlag ein metertiefes Loch in den Boden rammen konnte und dabei nur ihren kleinen Finger brauchte.

Also ließ sie Sakura einfach reden. Sie hörte ihr zu. Wie sie sich Sorgen um Neji machte und doch so viel Angst vor ihm darin mitschwang. Sakura stand noch unter Schock. Sie musste sich alles von der Seele reden. Ino hatte fast eine halbe Stunde nur zugehört bis Sakura sie schließlich gebeten hatte Naruto Bescheid zu geben.

Es würde eine Mammutaufgabe werden Naruto daran zu hindern nicht wütend zu werden. Neji war nicht irgendjemand. Hinata war seine Cousine. Er trainierte Boruto. Außerdem war er auch mit ihm befreundet. Ino wollte eigentlich nicht diejenige sein, die schlechte Nachrichten überbrachte, aber sie wusste weshalb Sakura ihr diese Aufgabe aufgetragen hatte. Wenn sie in ein paar Tagen nach Konoha zurückkehrten, würde sich Naruto hoffentlich beruhigt haben und Neji nicht sofort umbringen wollen.

Nachdem sie ihre Ansprache beendet hatte, schaute Naruto sie erst mit offenem Mund an, dann verzog sich sein Gesicht vor Wut.
„Er hat Sakura-chan gewürgt? Dieser Mistkerl! Ich bringe ihn um!“
Ino hielt ihn an der Schulter zurück als er sich umdrehen wollte um zum Tor nach draußen aufzubrechen.
„Genau das sollst du nicht tun. Meinst du Sakura würde es gut finden, wenn du Neji verprügelst?“
„Das ist mir egal!“ stieß er aus und stieß ihre Hand weg. „Niemand darf Sakura-chan weh tun!“
Sie merkte sofort wie Kuramas Chakra sich sammelte. Egal wie erwachsen er geworden war, aber Sakura war sein wunder Punkt.
„Bitte, Naruto. Denk nach. Meinst du nicht Sakura kann das selbst regeln? Sie ist nicht allein.“
Er presste den Atem stoßweise heraus.
„Sakura-chan hat so viel gelitten, Ino“, sagte er traurig. „Sie soll endlich glücklich sein.“
„Sie ist glücklich“, erwiderte Ino. „Jeder von uns hat doch seine Probleme. Hast du nicht auch Alpträume?“
„Ja“, gab er zu. Seine Anspannung verschwand aus seinem Körper. „Und mir tut auch Neji leid.“
Ino war erleichtert, dass sie zu ihm durchdrang.
„Dann schauen wir am besten wie ihr den beiden helfen können.“

***


Es war wahrscheinlich besser wenn er sich nicht weiter einmischte. Shikamaru hatte erst lernen müssen, dass er nicht die ganze Last der Welt auf seinen Schultern abladen konnte. Daher kommentierte er auch nicht als Kankuro mit Neji in Sakuras Zimmer ging. Sie konnten sich nicht ewig ausweichen. Sie mussten reden und das noch bevor sie zurück nach Konoha gingen. Er hatte kurz überlegt Temari zu bitten sich auch dazu zu setzen, doch sie war genauso wie er eigentlich im Urlaub. Außerdem war es einfach herzerwärmend dabei zuzusehen wie Shikadai fröhlich lachte als er von seiner Mutter durch das Wohnzimmer gejagt wurde.

Kakashi saß in eines seiner Bücher vertieft auf dem Sofa und schien das wilde Treiben um ihn herum nicht wahrzunehmen. Er würde gleich zu einer Besprechung aufbrechen und Shikamarus Anwesenheit war auch gefordert. So blieb er einfach im Türrahmen stehen und erfreute sich an den kleinen Dingen des Lebens.
„Shikamaru?“
Er drehte sich zu Momoka um, die ihn angesprochen hatte.
„Ja, wie kann ich dir helfen?“
„Ich glaube ich habe Fortschritte bei Erforschung des Gifts gemacht. Und ich kann gerade weder Kankuro, noch Sakura darüber unterrichten.“
Shikamaru hob eine Augenbraue. Ihm war nach all dem Trubel vollkommen entfallen, weshalb Sakura überhaupt in Suna war. Sie hatte ein Gift untersuchen wollen.
„Ist es sehr wichtig?“
Sie nickte.
„Es wäre vielleicht gut, wenn wir auch Hokage-sama dazu holen.“

Nur wenig später befanden sie sich in dem Gewächshaus in dem Sakura zusammen mit Kankuro und Momoka ihre Forschung betrieben hatte. Er kannte jeden Winkel in Suna auswendig. Lange Zeit hatte er schließlich nicht nur hier gearbeitet, sondern teils auch gelebt. Momoka bat sie durch das Mikroskop zu schauen. Zuerst tat Kakashi dies, dann Shikamaru. Er konnte nichts Besonderes entdecken.
„Was könnt ihr sehen?“
„Einen grünen Fleck“, bemerkte Kakashi.
„Richtig“, kam es von Momoka. „Schaut noch Mal hin, wenn ich nun Chakra generiere.“
Sofort ging Shikamaru ihrer Aufforderung nach. Er sah nicht nur wie der grüne, nasse Fleck sich bewegte, sondern sich zu Spitzen formte. Kakashi nahm kurz darauf seinen Platz ein.
„Was hat das zu bedeuten?“ fragte Shikamaru.
„Dass die verstorbene Zivilistin mit Absicht vergiftet wurde.“


***




Sakura sah verängstigt aus als sie ihn erblickte. Nie hatte sie ihn so angeblickt. Er war tief getroffen davon. Sie sollte keine Angst vor ihm haben. Er hatte ihr geholfen über ihre Trauer hinweg zu kommen und sich wieder dem Leben zuzuwenden. Stattdessen schien sie in seiner Anwesenheit angespannt zu sein und bereit jederzeit aufzuspringen.

Kankuro hatte sich neben ihr auf dem Bett positioniert und es gefiel ihm überhaupt nicht wie sie sich näher an ihn drückte. Eigentlich war das nicht Kankuros Aufgabe oder sein Revier. Nur konnte Neji Sakura das auch nicht verübeln. Sie sollte sich sicher fühlen und wenn er gerade dafür sorgte, dass sie das nicht tat, wollte er es ihr nicht übel nehmen, Kankuros Unterstützung anzunehmen.

„Ich glaube es wäre nicht schlecht, wenn einer von euch mit dem Reden anfängt“, meinte Kankuro.
Neji öffnete den Mund. Er wollte sich zuerst entschuldigen. Das war ihm am Wichtigsten. Sakura hob die Hand um ihn zu stoppen.
„Ich möchte keine Entschuldigung hören, Neji“, sagte sie Ernst. „Ich weiß, dass es dir leid tut.“
Er biss sich auf die Lippe und er verlor sich in ihren grünen Augen. Sie sollte ihn nicht so ansehen; verständnisvoll und mit so viel Liebe.
„Ich möchte mich trotzdem bei dir entschuldigen. Denn es tut mir unendlich leid.“
„Du kannst doch nichts dafür.“ Sie stand auf und ging auf ihn zu. „Wir stehen das gemeinsam durch.“
Als sie ihre Hand zu seiner ausstreckte, wollte er zurück schrecken. Schließlich ließ er sie gewähren. Sie drückte sanft zu.
„Ich lass euch allein“, murmelte Kankuro und ging aus dem Raum.
Er konnte die Tränen nun nicht länger zurückhalten und zog sie in seine Arme.

***


Eigentlich wartete er nicht am Tor auf die Ankunft seiner Freunde. Früher hatte er zwar Hinata abgeholt, doch das war anders. Jetzt wollte er Sakura abfangen bevor sie ihm entwischte. Er hatte die letzten Tage die Füße still gehalten und mit Hanabi geredet. Naruto wollte seine Frau nicht damit belasten, dass es ihrem Cousin nicht gut ging. Seine Schwägerin hatte dem sogar zugestimmt.

Da Neji seines Wissens nach dafür eingeteilt war als Anbu die Rückreise des Feuer-Daimyo zu begleiten, hatte er nur jetzt die Chance in Ruhe mit Sakura zu reden. Sie würde ihm noch einmal alles erzählen müssen. Denn er wollte wirklich wissen, dass es ihr gut ging und sie nicht nur so tat. Sakura war sehr gut darin sich selbst und vor allem andere zu belügen. Sie wollte andere nicht nerven oder sie mit ihren Problemen belästigen. Eines der wenigen Dinge, die Naruto die Sasuke jemals vorgeworfen hatte. Sicher, sie hatte sich vorher schon mehr darum gesorgt andere glücklich zu sehen als ihr eigenes Glück zu suchen, aber Sasukes früheres abweisendes Verhalten hatte dazu geführt, dass sie noch mehr in diese Verhaltensweise eingetaucht war.

Er hatte nie daran gezweifelt, dass Sasuke sie aufrichtig geliebt hatte. Er hatte seine Taten bereut. Mehr als er je zugeben mochte. Nur wenn Sakura unsicher war, verängstigt und verletzt kroch sie wieder zurück in ihren Schutzpanzer und versuchte die Leute um sich herum auszublenden. Naruto ließ sich jedoch davon nicht aufhalten.

Schon bald kam eine Gruppe Shinobi in Sichtweite. Allen voran liefen einige Anbu und stellten sicher, dass dem Hokage nichts passierte. Direkt dahinter befand sich Kakashi, der gerade in eine Unterhaltung mit Shikamaru vertieft war. Sogar Kankuro war mit dabei und das überraschte ihn. Er wich selten von Gaaras Seite. Als er sah wie er sich mit Momoka unterhielt, kam in ihm ein Verdacht auf.

Sakura lief nicht weit entfernt neben Temari, die Shikadai auf dem Arm trug. Der Anbu der hinter ihnen lief erkannte Naruto sofort. Es war Neji. Seine Maske war ihm nur allzu bekannt. So oft hatte er sie in Sakuras Wohnung gesehen. Er konnte sie gar nicht verwechseln. Das war mehr als irritierend. Er sollte doch den Daimyo begleiten. Naruto sah seinen Plan bröckeln, da entdeckte Sakura ihn.

Sie blieb stehen. Er sah wie sie ihn abwartend anschaute. Anscheinend rechnete sie damit, dass er irgendwas unüberlegtes tat. Sakura hatte sich wohl entschieden dem vorzubeugen und rannte auf einmal in einem mörderischen Tempo auf ihn zu.
„Naruto, schön dich zu sehen.“
Alle anderen rund herum schienen von ihrer Handlung vollkommen überrumpelt zu sein und schauten sie verdattert an. Es war absolut untypisch für Sakura so sprunghaft zu sein.
„Hey, Sakura-chan.“
„Komm, wir gehen zu Ichiraku.“
Damit zog sie ihn mit sich.

***


„Ich wollte Neji nichts tun“, wiederholte er zum dritten Mal als sie ihre Mahlzeit beendet hatten und er ihr vorgeschlagen hatte sie nach Hause zu bringen. „Aber ich musste mit dir reden.“
„Dann hättest du mich heute Abend in meiner Wohnung aufsuchen können.“
„Damit du die Tür nicht aufmachst?“
Sakura hielt inne und hörte auf nach ihrem Schlüssel zu suchen.
„Wie meinst du das, Naruto?“
Er schaute sie Ernst an.
„Das machst du immer so, Sakura-chan. Nach Sasukes Tod hat dich keiner von uns für Wochen gesehen. Und jeder Versuch dich zu erreichen hat zu nichts geführt.“
Sie stampfte mit dem Fuß auf.
„Weil ich niemanden sehen wollte, verdammt!“ Nun war sie wütend. „Ich habe um Sasuke und mein Kind getrauert. Da war es mein gutes Recht dies so zu tun, wie ich es für richtig halte.“
„Du hast dich fast umgebracht.“
Er hatte das nicht sagen wollen, doch seine Zunge war wieder einmal schneller als sein Verstand.
„Geh, Naruto. Ich brauche keine Belehrung von dir.“
„Nein, Sakura-chan. Bitte nicht. Es tut mir leid.“
„Das ist mir gerade egal. Ich habe keine Zeit mir Vorwürfe von dir anzuhören.“ Sie kam mit ihrem Gesicht näher an seines heran. „Ich habe meine eigenen Probleme.“
„Bist du böse auf mich?“
„Ich bin müde.“ Sie schloss die Tür auf und schlüpfte in den Hausflur. „Wir können morgen weiter reden.“
Dann knallte sie die Tür vor seiner Nase zu.
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