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Die Hundemarke

von JaliceTo
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Angora Benny Chef Dr. Martin Trine Willy
02.05.2020
02.05.2020
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Die Hundemarke





Ein wehleidiges Fiepen entfuhr dem kleinen Kobold und er unterbrach das Spiel mit dem schönen roten Ball. Etwas tat ihm fürchterlich weh und das kleine aufgedrehte Fellbündel hatte jedes Interesse an dem schönen Spielzeug verloren.

Besorgt durch das Fiepen des neusten Mitgliedes der Horsleand Ranch liefen auch Chef, Trine und Angora zu Kobold und während die selbstsichere Katze sich darüber lustig machte, dass Kobold mit dem Fiepen nicht aufhören wollte - trat Trine näher an den kleinen Hund heran - in der Hoffnung irgendwas tun zu können.

"Das kommt davon, wenn du so oft hinter dem Ball hinterher rennst - versteh einer diese Hunde - uns Katzen würde es nicht im Traum einfallen", kam es gehässig von Angora und Trine versuchte einen Blick auf die Vorderpfote die Kobold angehoben hatte zu werfen und zu verstehen, warum der kleine denn so schlimme Schmerzen hatte.
"Das ist nicht fair Angora - ihr Katzen seid einfach zu Faul zum Ball spielen. Hast du dir weh getan Kobold? Was ist denn passiert?", erwiderte Trine und nur langsam gelang es Kobold seinen Freunden zu erklären, warum er am fiepen war und was genau ihm Schmerzen zusetzte.

"Ich wollte nur dem Ball hinterher laufen und bin mit der Pfote umgenickt - jetzt tut sie ganz doll weh - das habe ich doch nicht mit Absicht gemacht", winselte Kobold und schielte zu Angora hinüber.
"Natürlich nicht - so wie ihr Hunde nicht absichtlich auf meinen Schwanz tretet, wenn ich im Weg stehe. SO schlimm kann es doch nicht sein hm?", erwiderte Angora und verstand das ganze Drama nicht wirklich. Als Tier auf einer Ranch vertritt man sich manchmal die Pfote - oder im Fall der Katze bekommt man den Schwanz eingeklemmt - auch keine schöne Erfahrung. Aber diese jungen Hunde waren so wehleidig.
"Zeig mal her Kobold - vielleicht hast du dich nur vertreten", sprach Chef nun und der Hofhund warf einen genaueren Blick auf die kleine Pfote von Benny´s zweitem Hund.

Es hat eine Weile gedauert, bis er das zweite Haustier seines Menschen akzeptieren konnte. Nachdem Kobold in Benny´s Leben getreten war und die gesamte Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen hat, war Chef nicht um das Gefühl drum herum gekommen, von seinem Menschen abgeschrieben worden zu sein. Unwichtig und nutzlos zu sein und das man ihn mit einem jüngeren Hund ersetzt hatte. Er war in Depressionen verfallen und das Benny sich mehr um das kleine Fellknäul gekümmert hatte, brachte den Stein ins Rollen das Chef die Lust am Leben verloren hatte.

Glücklicherweise hatten sowohl die Menschen als auch die Tiere gelernt, ein gesundes Gleichgewicht zu finden und nun war eine gute Freundschaft zwischen Chef und Kobold entstanden. Der ältere Hund hatte dem jüngeren Hund das Spuren lesen beigebracht und das Aufnehmen einer Fährte anhand des Geruchs und auch wenn vor Kobold noch eine ganze Menge Arbeit lag, so hatte der Hund genügend Ehrgeiz um sein Ziel zu erreichen und Chef freute es, dass er ihm etwas beibringen konnte. Ein weiterer positiver Punkt war, dass Benny beiden Hunden die Aufmerksamkeit und Zuneigung schenkte, die sie verdient hatten und so brauchte sich niemand ausgeschlossen und vernachlässigt fühlen.

"Du scheinst dir während des Stolperns beim Rennen eine deiner Krallen eingerissen zu haben - wir sollten damit zu Benny oder Will gehen - sie wissen was zu tun ist Kobold", erklärte der Collie dem jüngeren Hund und die eingerissene Kralle des kleinen Tieres sah gar nicht gut aus.
"Ich nehme meinen Kommentar zurück Kobold - das ist ein Grund so wehleidig zu sein - mach am besten das was Chef sagt, ich habe da vorne bei dem Gewächshaus eine Maus gesehen, die es wagt in mein Reich einzudringen - ihr entschuldigt mich doch bestimmt ja?" - und schon war Angora fort um der Maus zu zeigen, dass sich niemand ohne Konsequenzen in ihr kleines Königreich wagen kann.
"Chef hat Recht Kobold - die Menschen wissen bestimmt, was man wegen der eingerissenen Kralle tun kann", sagte Trine bestätigend und während Chef laut bellend auf die Situation aufmerksam machte, half Trine ihrem kleineren Freund dabei, ohne größere Schmerzen weiter voran zu kommen.



***


Eine halbe Stunde später waren Will, Benny, Chef und Kobold im Wartezimmer der nächst gelegenen Tierklinik weil Dr. Martin auf einem größeren Einsatz bei einer Ranch in einem anderen Staat war, wo seine Hilfe gebraucht wurde und Benny wollte keine Zeit verlieren, da er deutlich sah wie schlecht es Kobold ging und mit einer eingerissenen Kralle war nicht zu spaßen. So hatte er sich Chef, der unbedingt mit wollte und eben Kobold geschnappt und sich von Will zur nächsten Stadt fahren lassen, wo eine große Tierklinik war und nun saßen die vier in einem großen Wartezimmer mit den unterschiedlichsten Kleintieren.

All diese fremden Geruch und die Angst, welche die anderen Haustiere wieder spiegelten, machten Kobold noch mehr Angst und er versteckte sich hinter Chef, der sich entspannt auf den Boden gelegt hatte und sich von all dem Trubel nicht mehr aus der Ruhe bringen lies.
"Dir wird nichts passieren - dafür passe ich auf dich auf Kobold", sagte Chef zu dem jüngeren Tier und bekam ein leises Dankeschön von Kobold als Reaktion. Natürlich konnte Chef die Angst, die im Wartezimmer deutlich zu riechen war auch hören - doch der Collie wusste das solange seine Menschen anwesend waren, weder ihm noch Kobold etwas passieren würde.

"Mach dir keine Sorgen Benny. Eine eingerissene Kralle hatte Chef doch kurz nach seinem 4 Geburtstag schon einmal. Er musste eine speziellen Verband tragen nachdem die kaputte Stelle gerichtet worden war und durfte nicht so viel herum laufen - Kobold wird es gut gehen", versuchte Will das besorgte Gesicht seines Cousins etwas aufzuheitern.
"Schau doch, selbst Chef beschützt Kobold - Dr.Martin hat diese Tierklinik empfohlen und in ein paar Wochen wird es Kobold besser gehen", sagte Will und als Benny hinunter zu dem Stuhl sitze, unter dem Chef es sich mit Kobold gemütlich gemacht hatte, erschien ein kleines Lächeln auf den Lippen des Reiters - sein Cousin und Chef würden schon darauf achten, dass Kobold nichts passieren würde - Benny konnte nur hoffen, dass diese eingerissene Kralle wirklich nichts schlimmes war.


***


"....kommen Sie in einer Woche noch einmal vorbei, dann wechseln wir den Verband und wenn der kleine Kobold sich etwas schont, wird es ihm bald besser gehen"

Benny und Will bedankte sich beim behandelnden Tierarzt der, bevor die kleine Gruppe das Behandlungszimmer verließ, sowohl Chef als auch Kobold einen Hundekeks gab, und ihnen ein aufmunterndes Lächeln schenkte. Benny hatte Kobold auf den Arm genommen und Will hatte die Leine die an Chef´s Halsband befestigt war in der Hand und sie sollten noch an der Rezeption ihre Telefonnummer hinterlassen, falls es Rückfragen geben sollte.

Es war eine kleine Schlange an der Rezeption und als Benny die Telefonnummer aufschrieb, gab Kobold ein leises Bellen von sich. Er wollte nur fort von diesem lauten Ort mit all den fremden Tieren und zurück nach Hause auf die Ranch.

Chef schüttelte sich einmal und als ein kleines Mädchen, das kaum älter als 7 Jahre sein konnte, ganz nervös am Jackenärmel seiner Mutter, die eine kleine Box mit zwei Meerschweinchen in den Händen hielt, wusste Chef nicht warum, er aber lauschte in die Richtung da dieses kleine Mädchen immer wieder in die Richtung von Benny deutete und sich anfingen Tränen in ihren Augen zu bilden.

"Mama! Mama - er ist zurück gekommen. Da - da vorne - Daddy hat gelogen"
"Liebling du täuscht dich bestimmt. Vielleicht sieht er nur aus wie dein Welpe hm? Und genau weil Daddy uns beide angelogen hat, wohnt er auch nicht mehr bei uns"
"Aber Mama sein Bellen war genauso und bestimmt hat der große Junge ihn gefunden?"

Chef beobachtete wie das kleine Mädchen ihre Mutter flehend anschaute und die Frau mit ihrer freien Hand nach der Hand ihrer Tochter griff und etwas zögerlich auf Will zuging. Doch - etwas war seltsam, denn das Mädchen hatte an ihrem Handgelenk etwas dass ausschaute wie eine Hundemarke - nur war es als Anhänger in einem schmalen Halsband und - Chef schnüffelte erneut in der Luft und wenn er sich nicht täuschte, konnte er Kobolds Duft von dieser Marke ausgehend erkennen - konnte das möglich sein?

Der Collie hätte zu gerne mitbekommen, was Will mit der Frau besprochen hat, doch die beiden Meerschweinchen die sich in der Box befanden, schienen eine Konversation mit dem Collie führen zu wollen und da Chef sehr gut erzogen war, antwortete er natürlich.
"Gehört der kleine Hund zu dir?", fragte eines der Meerschweinchen.
"Ja - er gehört zu der Ranch auf der ich lebe und er hat sich eine Kralle eingerissen", erklärte Chef und spitzte die Ohren um das, was diese kleinen Tiere mit ihrer hohen Stimme sagten besser verstehen zu können.
"Das tut weh - ist mir auch einmal passiert - danach durfte ich nicht mit meiner Schwester durch das tolle große Gehe laufen. Wie heißt der kleine Hund denn? Unser kleiner Mensch Hannah hatte auch mal so einen Hund", sagte das eine Meerschweinchen.
"Ja aber der ist weg gelaufen vor knapp 3 Monaten - hast du das schon vergessen?", erwiderte das andere Meerschweinchen quickend.
"Aber der sieht fast genauso aus wie der Welpe von Hannah", konterte das andere Meerschweinchen.
"Sein Name ist Kobold - aber ich rieche das die Marke am Armband eures Menschenmädchens sehr stark nach Kobold riecht", erwiderte Chef nachdenklich und gab ein leisen Fiepen von sich. Das war wirklich sehr eigenartig und wenn das, was die Meerschweinchen sagten wahr sein könnte - müssten die Menschen sich nun genauer unterhalten.

"Ich habe denen unsere Telefonnummer von der Ranch gegeben - was ist denn hier los Will?",  Benny hatte sich mit Kobold auf dem Arm wieder zu Will gedreht und schaute nun ganz überrascht zu dem Mutter-Kind Duo.

"Das hier sind Ms.Sanders. Sie wollte mit ihrer Tochter Hannah und deren beiden Meerschweinchen zu einem Routine Termin in die Tierklinik und sie glauben, dass Kobold - der ausgesetzte Hand von Ms.Sanders Ex-Freund sein könnte", erklärte Will und Benny schüttelte nur langsam den Kopf.

"Es tut mir Leid, aber ich habe Kobold bei einem Ausritt mit meinem Pferd alleine im Wald gefunden. Er hatte weder eine Hundemarke noch ein Halsband um und seine Pfoten waren verdreckt. Wir haben in unserer Gegend herum telefoniert und nachgefragt, aber niemand hat ihn als vermisst gemeldet - Kobold lebt nun schon seit drei Monaten mit uns auf der Pferderanch Horseland", erklärte Benny vorsichtig und dann trat Hannah einen Schritt näher auf Benny und Kobold, der das Geschehen unsicher beobachtete zu - die Tränen waren nun deutlich im Gesicht der Siebenjährigen zu sehen und sie hatte ihr Armband mit der Hundemarke abgenommen, um es Benny zu zeigen.

"Ich glaube du hast meinen Welpen gefunden. Als Mama und ich Grandma besucht haben, war mein Daddy für ein Wochenende alleine mit meinem Welpen. Als wir wieder nach Hause gekommen sind - lag sein Halsband und seine Hundemarke auf dem Tisch und Daddy hat gesagt - mein kleiner Koda wäre weg gelaufen im Park. Mama hat später gesagt, dass Daddy ihn ausgesetzt hat - weil er Koda nicht lieb hat - ich habe auch ganz viel nach Koda gesucht - ihn aber nirgendwo finden können - das ist seine Hundemarke mit seinem Namen", erklärte die kleine Hannah und als die Hundemarke ein klimperndes Geräusch von sich gab - blickte Kobold zu dem kleinen Mädchen ein seltsames Gefühl beschlich ihn - dass er sie schon einmal irgendwo getroffen hatte. Erst aber als Hannah den Namen Koda sagte, erinnerte Kobold sich an einen Erwachsenen der ihn damals raus aufs Land gefahren und in der Wildnis ausgesetzt hatte. Ein leises Bellen entfuhr Kobold und er erkannte nach einigen Sekunden sein Mädchen - seine Hannah.


***


Eine Woche später hatten Benny und Will die Gewissheit das es sich bei Kobold eigentlich um den Welpen Koda handelte.

Das Tier war damals, als Ms Sanders mit Hannah ihrer Großmutter übers Wochenende besucht hat, von Hannahs Vater auf dem Land in einem Waldstück ohne Halsband ausgesetzt worden, weil der Mann das Tier nicht leiden konnte und seiner Tochter hatte er, als sie von dem Wochenendausflug wieder nach Hause gekommen war, einfach erzählt, dass Koda fortgelaufen war. Natürlich war Ms Sanders schnell hinter die Wahrheit gekommen, hatten den Mann und mittlerweile ihren Ex-Freund aus der gemeinsamen Wohnung geworfen und leider war eine gemeinsame Suche mit Hannah nach dem Welpen, sowie das Anrufen des örtlichen Tierheims erfolglos. Die Marke und das Halsband hatte Hannah behalten und auch wenn sie ihre beiden Meerschweinchen lieb gewonnen hatte und sich gut um sie kümmerte, so hatte sie ihren Koda nie vergessen.

Will und Benny hatten sich die Adoptionspapiere von Kobold per Mail zukommen lassen und auch einige Fotos die eindeutig bewiesen, dass er der Hund der kleinen Familie Sanders war und auch wenn alle sich auf Horseland an Kobold gewöhnt und ihn ins Herz geschlossen hatten - so wussten sie was die richtige Entscheidung war, die nun getroffen werden musste.

Kobold würde zu seinem kleinen Menschenmädchen ziehen, dass sich gut um ihn kümmern würde und bald würden sie auf Horseland eintreffen.

"Ich werde dich ganz schrecklich vermissen Kobold - ich will nicht das du fort gehst. Wir sind doch so gute Freunde geworden", sagte Trine traurig und kuschelte sich neben ihren kleinen Freund, der mittlerweile keinen Verband mehr um die Pfote tragen musste, ins Gras.
"Auch wenn du mir manchmal den letzen Nerv geraubt hast - so wird Horseland ohne dich anders sein Kobold - aber ich bin froh das du deinen kleinen Menschen namens Hannah wieder gefunden hast", sprach Angora in einem gleichgültigen Tonfall, doch die grünen Augen der ganzen spiegelten Wehmut wieder. Auch wenn das stolze Tier so etwas niemals zugeben würde
"Du wirst uns allen fehlen Kobold - aber du wirst an Hannah´s Seite sein und mit ihr gemeinsam aufwachsen, dann kannst du ihr all das zeigen, was du in den letzten drei Monaten gelernt hast", sagte Chef und stupste Kobold liebevoll und aufmunternd an. Chef würde ihn auch vermissen - aber es gab nichts schönes wenn Tiere mit ihren Menschen, die sie vermisst hatten und liebten wieder vereint wurden.

"Ich werde euch auch ganz doll vermissen - ihr seid doch auch meine Familie geworden - auch wenn ich mich auf Hannah freue", schniefte Kobold und als sie in der Ferne eine Autotür zu knallen hörten wurde es ernst.

"Auf Wiedersehen Kobold" - sprachen Chef, Angora und Trine und begleiteten ihren Freund noch bis zum Auto, wo der kleine Hund sich freute Hannah und ihre Mutter zu sehen - doch die Trennung viel nicht nur den Tieren schwer - denn auch die Menschen und vor allem Benny taten sich schwer damit - Kobold gehen zu lassen - aber es war zum Wohl des kleinen Tieres.

"Leb Wohl Kobold - ähm ich meine Koda. Und vergiss uns nicht ja?" - Benny streichte den kleine Hund über seinen Kopf und Kobold schleckte ihm - wie zu alten Zeiten einmal über die Wange, ehe er auf dem Arm der kleinen Hannah im Auto verschwand und in ein neues Leben startete.


***


Die Wochen zogen ins Land und das Leben auf Horseland war ohne das aufgedrehte kleine Fellknäul sehr anders. Sie würden sich wohl oder über daran gewöhnen müssen, den kleinen Welpen nicht erneut zu Gesicht zu bekommen. Chef hatte daran zu knabbern und um sich abzulenken, legte er sich ins weiche Gras unter das geöffnete Küchenfenster und war gerade dabei - etwas vor sich hindösen zu wollen - als er Benny´s aufgeregte Stimme hörte.

"Will? Ms.Sanders hat mich gerade angerufen und die kleine Hannah will ab nächste Woche einmal wöchentlich Reitstunden nehmen - hier auf Horseland - und sie wird Koda mit sich bringen. Ist das nicht toll?"



Das Ende
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