Follow Your Fire

von MiraiShu
GeschichteRomanze, Familie / P18 Slash
02.05.2020
23.05.2020
4
13.484
16
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Dieses Kapitel
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23.05.2020 3.437
 
4. Kapitel, in dem drei einer zu viel ist.

Als Fynn am nächsten Morgen wach wurde, lag er noch immer in Tailors Arm, den Rücken an seine Brust gedrückt. Ben lag vor ihm, das Gesicht zu ihm gewandt, die Augen aber noch geschlossen. Fynn entschied sich, ruhig liegen zu bleiben. Einen Moment konnte er die Nähe und die Wärme noch genießen. Sich vorstellen, was wäre, wenn er kein Prinz und Tailor ein bisschen freundlicher wäre. Er würde mit ihm schlafen…
Tailor war schließlich der erste, in den Bewegung kam. Er löste sich langsam von Fynn, gähnte leise und erhob sich dann. Kurz darauf ging die Badezimmertür auf und zu. Der Prinz seufzte leise, blinzelte und sah direkt in die Augen seines besten Freundes.
„Wieso tust du es nicht einfach?“, fragte Ben leise.
Fynn zog seine Bettdecke fester um sich. „Das weißt du genau“, flüsterte er zurück.
„Denkst du wirklich, er würde das an die Öffentlichkeit bringen? Wenn er es versucht, wird dein Vater sicher entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten.“
„Und mich enterben und wegjagen.“
„Das glaube ich nicht. Solange es keiner weiß, hat er dazu keine Veranlassung.“
„Erinnere dich, was er gesagt hat, als er rausbekommen hat, dass wir was hatten“, murmelte Fynn und Ben senkte sofort seinen Blick. „Ich kann das einfach nicht riskieren, Benni.“
Sie schwiegen sich eine Weile an, bis Benjamin noch immer mit gesenkter Stimme fragte: „Denkst du, Tailor wird lockerlassen?“
Würde er das? Tailor machte nicht den Eindruck von jemandem, der aufgab, wenn er etwas wollte. Ein Nein akzeptierte er scheinbar auch nicht, aber Fynn hatte auch nicht das Gefühl, dass Tailor zu weit gehen würde, wenn er seine Meinung wirklich deutlich machte. Nur konnte er das nicht, weil es nicht seine, sondern die Meinung seines Vaters war. Blieb also die Frage, warum sich Tailor ausgerechnet an ihn ranschmiss. Sein Interesse ging doch eindeutig über Freundschaft hinaus.
„Vermutlich will er einen Prinzen für seine Statistik“, murmelte Fynn schließlich. „Versuch du dein Glück, du bist eh nicht mehr lange hier.“
Ben sah ihn kritisch an, doch er bekam nicht die Möglichkeit weiter nachzufragen, denn Tailor kam zurück.
„Pyjama-Party?“, fragte er. Fynn setzte sich auf, sein Blick glitt über den Blonden, der noch immer sehr spärlich bekleidet war.
„Das Bad war besetzt“, erwiderte er, stand dann auf und lief mit einem kleinen Bogen an Tailor vorbei. Ben dagegen blieb sitzen, zog nur die Decke etwas höher über seine Brust. Tailor setzte sich wieder zu ihm, machte sich nicht die Mühe einer Decke. Er schien sich in dem warmen Zimmer auch nur in Shorts bekleidet sehr wohlzufühlen. Allerdings hatte er auch nichts, was er zu verstecken brauchte. Ben fiel auf, dass der Isländer noch etwas schlanker war als Fynn. Er hatte gestern bei der Pizza ganz schön zugelangt, offensichtlich Hunger gehabt. Der Gedanke machte den Briten traurig. Er selbst lebte zwar gut von seinem Gehalt, aber er kannte Menschen in seiner Wohnsiedlung außerhalb von London, denen es weniger gut ging. Die zuschlugen, sobald sie Essen aufgetischt bekamen, aber sonst eher wenig aßen. Den meisten fehlten die Mittel für regelmäßige, warme Mahlzeiten. Eine anstrengende Arbeit und körperliche Betätigung taten ihr übriges, damit kein Gramm Fett ansetzen konnte.
Ben wurde rot, als er bemerkte, dass er Tailor die ganze Zeit über angesehen hatte und sein Blick offensichtlich nicht unbemerkt geblieben war.
„Uhm… Verzeihung“, nuschelte er.
„Kein Problem. Solange dir gefällt, was du siehst…“, grinste der Blonde.
Ben nickte leicht. Es gehörte sich nicht, den jungen Mann auf seine Essgewohnheiten anzusprechen. Und Ben konnte nicht leugnen, dass er die Muskeln und das blonde Haar schön fand. „Sehr.“
„… Heute Abend schon was vor?“
Der Diener musste leicht grinsen, schüttelte den Kopf.
„Du wohnst im Moment hier, oder?“
„Ja, genau.“
„Dann also bei mir…“
Fynn hatte es erlaubt. Sein bester Freund hatte schon öfter theoretisches Interesse an Männern gehabt, dem er nie nachgehen würde. Ben war nicht ganz sicher, wie oberflächlich das Interesse an Tailor tatsächlich war, aber… Er hatte es erlaubt und er würde Fynn nicht damit kränken, ihm eine Romanze zu unterstellen, wo der Prinz keine Hoffnung hatte.
„Holst du mich ab?“, fragte er deshalb. „Hab von deiner Limousine gehört.“
Sie hatten sich schon gestern auf eine lockere Gesprächsform geeinigt und Ben war aufgefallen, dass Tailor einen wirklich sehr kollegialen Umgang hatte und keine gehobenen Gesprächsformen pflegte.
Tailor grinste ihn an. „Klar. Nach der Uni, so um vier?“
Ben stimmte zu.

Ein bisschen Eifersucht würde nicht schaden. Sollte er diese Wette doch verlieren, so hatte er zumindest ein bisschen was davon gehabt. Keinen Prinzen, aber Benjamin war attraktiv und unter der anständigen Fassade konnte sich einiges verstecken…
„Was hast du mit ihm gemacht?“, fragte Fynn, der aus dem Bad zurück war. Gleich darauf war Benjamin aufgesprungen, um seinen Platz einzunehmen und sich zu kleiden.
„Was soll ich gemacht haben? Ich hab mich ganz normal mit ihm verabredet.“
„Was?! Warum?!“
Tailor setzte sich auf, zog die Augenbrauen hoch. „Ich hab mich mit ihm verabredet“, wiederholte er langsamer. Der Prinz sah ihn mit großen Augen und leicht roten Wangen an. „Weil ich ihn mag. Was regst du dich so auf? Du willst mich doch nicht.“
Einen Moment sahen sie sich schweigend in die Augen. Tailor wackelte provokant mit den Augenbrauen, woraufhin Fynn schnaubte und in seinem Ankleidezimmer verschwand. Tailor grinste leicht. Er hatte nicht damit gerechnet, dass es so einfach war, die richtigen Knöpfe bei Fynn zu drücken. Desinteresse konnte er ihm jetzt jedenfalls nicht mehr vormachen.

Fynn erschrak, als die Tür zu seinem Kleiderschrank geöffnet wurde. Er hatte sich gerade komplett ausgezogen, stand jetzt mit dem Rücken zu Tailor.
„Hallo?! Ich will mich umziehen!“
„… Hübscher Hintern.“
„Raus hier!“ Wo war Albert, wenn man ihn wirklich brauchen konnte? Er war immer noch ein Prinz. So was sollte ihm nicht passieren!
Doch Tailor trat sogar noch näher an ihn. Sie berührten sich nicht, doch Fynn bekam eine Gänsehaut, konnte Tailors warmen Atem an seiner Schulter spüren.
„Ein Wort würde reichen, Fynn“, hauchte er leise. Fynn lief es heiß und kalt den Rücken herunter. Doch im nächsten Moment verschwand Tailors Wärme wieder.
„W-Was?“
„Dann würde ich ihn nicht treffen und bei dir bleiben.“
Fynn biss sich auf die Lippe. „Ihr seid erwachsen, also macht doch, was ihr wollt!“
Dann war er wieder allein im Zimmer.
Fynn schloss seine Augen. Es war so unfair! Er kannte Tailor doch erst seit drei Tagen. Sie lernten sich kennen, aber sie hatten wenig miteinander zu tun, sie waren sich nichts schuldig und sie gehörten einander nicht. Und doch… Er würde sofort alles mit dem Isländer machen, wenn er könnte. Aber Tailor verstand es nicht und er würde es auch nie verstehen. Er wusste nicht, was es bedeutete, ein Royal zu sein. Ein schwuler Prinz, der das Leben lebte, das für ihn bestimmt war. Nicht das, was er gerne hätte. Seit seiner Geburt hatte es einen Plan gegeben und an dem war nicht zu rütteln. Nicht einfach so. Erst recht nicht für eine einfache Affäre… Ben war ein Risiko gewesen. Die Erfüllung eines Traumes, ein Ausprobieren. Sie hatten gemeinsam ein Luftschloss gebaut, ein Kartenhaus. Und das war krachend über ihnen zusammengebrochen. Jetzt schnappte Tailor sich Ben. Zwei Männer, mit denen er nicht oder nie wieder sein durfte. Egal, was er wollte…

Tailor war runter in die Küche gegangen, war nur kurz auf Albert gestoßen, der ihm gesagt hatte, wo er Kaffeepulver und Tassen fand. Der nächste, der in die Küche kam, war Ben. Shorts auf den Hüften und ein Handtuch um die Schultern. Grinsend versicherte er ihm, dass es die nackte Version erst heute Abend geben würde, wenn Tailor sich denn Mühe gab.
„Wo ist unser Prinz?“, fragte Tailor schließlich, reichte Ben eine Tasse frischen, schwarzen Kaffee.
„Wo hast du ihn zuletzt gesehen?“
„In seinem Kleiderschrank.“
Ben seufzte. „Dann ist er vermutlich weg.“
„Weg?“ Tailor sah ihn ungläubig an. Albert kontrollierte die Treppe. Fynn war also höchstens das Fenster geblieben.
„Er macht so was, wenn er keinen Bock auf einen Leibwächter hat…“
„Oder auf mich“, murmelte Tailor.
Zu seiner Überraschung seufzte der Diener tief. „Du machst es ihm ganz schön schwer.“
„Ich mache es ihm leicht!“, widersprach Tailor. „Aber er will ja nicht über seinen Schatten hüpfen.“
„Es ist nicht sein Schatten, sondern der seines Vaters. Er-“ Ben verstummte wieder, sah auf seine Tasse und trank einen Schluck. Tailor wusste, dass er den Satz nicht beenden würde. Nicht beenden durfte.
„Sein Vater würde es ja nicht erfahren. Nicht mal Albert, wenn wir es richtig anstellen.“
„Und wenn du es in der Schule jemandem erzählst? Jemand es irgendwie mitbekommt? Es muss nur ein Gerücht sein, aber die Klatschpresse leckt sich die Finger nach solchen Schlagzeilen.“
Tailor biss sich auf die Lippe. Er hatte sich keine Gedanken darum gemacht, wie verschwiegen David war oder eben nicht. Er wusste, dass er Nelly im Zweifelsfall absolut vertrauen konnte. Sie hatte ein besseres Feingefühl für diese Dinge. Aber bei David? Er würde nicht mit einer verlorenen Wette prahlen, aber vielleicht würde er versuchen die Pein der Niederlage damit zu überspielen, sich mit den Informationen zu profilieren…
„Und es geht nicht nur um die Presse“, fügte Ben schließlich hinzu. „Es geht auch um ihn. Es ist nicht leicht für ihn, immer einen kleinen Brocken zugeschmissen zu bekommen, aber das ganze immer nur von weitem sehen zu dürfen. Er will damit abschließen, nachdem… Nun ja.“
Es war deutlich, dass jetzt weniger der Diener als der beste Freund sprach. Tailor seufzte. Entweder hatte er also ohnehin keine Chance, weil Fynn stur bleiben würde. Oder er musste ihn in einem schwachen Moment erwischen…
„Wie war es mit ihm?“
Ben sah auf, die Augen groß wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Es blieb kein Zweifel, dass er nicht wusste, was Tailor meinte, dennoch fragte er: „Was?“
„Wenn er je was mit einem Mann hatte, dann definitiv mit dir. Er ist nicht blind und nicht doof. Ich im Übrigen auch nicht.“
Sie sahen sich in die Augen, bis Ben den Blick zum Boden senkte und leise seufzte. „Es war unglaublich schön.“
„Liebst du ihn?“

Ben biss sich auf die Lippe. Ob er Fynn liebte? Natürlich liebte er ihn. Wie könnte er nicht? Fynn hatte ein gutes Herz. Er hatte auch die kühle Fassade eines Prinzen, aber er war ein netter Mann. Er war hübsch, er war intelligent und hatte Humor. Er war ein kleiner Dickkopf und manchmal auch echt verbohrt. Aber Ben kannte ihn auch schon seit Jahren. Trotz ihrer unterschiedlichen Positionen waren sie die meiste Zeit über auf Augenhöhe. Ja, er liebte ihn. Er hatte ihn schon auf jede erdenkliche Weise geliebt und das würde auch nie aufhören. Auch nicht, wenn das romantische Interesse letztlich schwand. Also nickte er.
„Und du willst trotzdem mit mir…?“
Ben musste lachen. „Ich wollte mit dir keine Beziehung auf immer und ewig. Aber gegen ein bisschen Spaß und Ablenkung ist nichts zu sagen, oder?“
„Gut. Dann sind wir uns einig“, nickte Tailor.
Wenn in ein paar Tagen schon rumging, dass Tailor mit dem Diener des Prinzen geschlafen hatte, dann wusste er immerhin, dass er Fynn zu hundert Prozent von Tailor abraten sollte. Aber aus irgendeinem Grund vertraute er dem Blonden. Er hatte ein gutes Gefühl bei ihm. Es war ein bisschen wie bei Fynn selbst. Er hatte eine unfreundliche Hülle, aber es steckte etwas Weiches und Warmes darunter. Die Frage war nur, was genau es bei Tailor war und warum er sich trotzdem wie ein Arsch verhalten konnte. Jedenfalls war es das, was Fynn ihm schon am Telefon deutlich gesagt hatte.
„Pass ein bisschen auf Fynn auf, wenn ich wieder weg bin, ja?“
Tailor lächelte leicht. „Mache ich. Versprochen.“
„Und versuch, ihm nicht das Herz zu brechen.“
„Er lässt mich ja sowieso nicht. Also, wer bricht wem das Herz?“

Und irgendwie klang das ernster als es hatte klingen sollen.

Fynn tauchte nicht in der Uni auf. Als Tailor wieder bei dem Haus ankam, wusste auch Ben nicht, wo er hin war. Allerdings war Albert verschwunden. Er hatte ihn also geortet und aufgesucht. Fynn war also nicht mehr allein, aber Ben sah nicht so aus, als würde das seinen Prinzen weniger einsam machen. Also sollte er sich auf Tailors Gepäckträger und sie fuhren gemeinsam los. Tailor hatte da so einen Verdacht, wo sie ihn finden konnte…
Tatsächlich lehnte Fynn wieder an den Zaun der Ponykoppel gelehnt. Albert saß auf der anderen Seite des Weges auf einem Stein und beobachtete die Umgebung. Er erhob sich, als sich das Fahrrad näherte, blieb dann aber stehen, als er die beiden Passagiere erkannte. Auch Fynn sah auf, verzog sofort das Gesicht.
„Zu eurem Date geht es bestimmt nicht hier lang.“ Er spuckte das Wort beinahe aus.
Tailor sah ihn überrascht, auch ein bisschen erschrocken an, bevor er hilfesuchend zu Ben sah. Der junge Mann war abgestiegen, ging auf seinen besten Freund zu.
„Hey…“
Doch Fynn schob ihn von sich. „Was wollt ihr noch?“
„Ich hab doch gesagt, ein Wort würde reichen“, warf Tailor ein.
Fynn schenkte ihm einen eisigen Blick. „Gut, ich hab ein Wort. Verschwinde!“
„Dann beschwer dich nicht!“
„Tu ich gar nicht. Ich komm allein klar, wie sonst auch. Ich brauche auch einfach mal meine Ruhe!“
Tailor brummte etwas auf Isländisch, sah dann wieder zu Ben. „Gehen wir?“
Die beiden Briten sahen sich an. Fynn zuckte schließlich mit den Schultern und Ben nickte. Es war eine Art der wortlosen Kommunikation, wie sie nur wirklich gute Freunde zu Stande brachten. Ben umarmte ihn kurz, stieg dann wieder auf den Gepäckträger. Tailor würde nicht fragen, was sie sich gesagt hatten! Wenn Fynn beleidigt sein wollte, dann war das sein Problem. Er würde sich kein schlechtes Gewissen machen lassen. Wenn es dafür nicht schon zu spät war.

Sie brauchten nicht lange bis sie bei Tailors Wohnhaus ankamen. Es war ein größeres Gebäude mit vielen kleinen Wohnungen, in einer Siedlung nicht weit von der Uni. Tailor schloss seine Fahrrad in einer Reihe anderer an, sah dann fast unsicher zu Ben.
„Erwarte nichts großes…“
Er hatte nicht darüber nachgedacht, dass auch Ben den Palace kannte und wahrscheinlich im Personaltrakt schlief. Auch ihm würde Tailors Wohnung wie ein Schuhkarton vorkommen. Wobei die Bezeichnung gar nicht so fehlgegriffen war… Doch Ben lächelte nur, folgte ihm ins Haus. Tailors Finger zitterten leicht, als sie vor seiner Wohnungstür standen und er öffnete. Dahinter verbargen sich zwölf Quadratmeter Wohnung und ein zwei Quadratmeter großes Bad. Wenn er in der Dusche stand, konnte er gleichzeitig am Waschbecken Zähne putzen. Im Zimmer selbst befand sich links ein Kühlschrank, ein Backofen und Herd und ein kleiner Tisch. An der einen Wand stand ein kleiner Kleiderschrank mit zwei Türen, davor ein schmales Bett. Mitten in den Raum war ein abgelegenes Sofa gequetscht. Geräumig war es wirklich nicht und viel Platz zum Laufen blieb auch nicht. Es hatte schon einen Grund, warum Tailor niemals Besuch einlud. Aber die Miete war absolut niedrig…
„Das… ist meine Rümpelkammer“, murmelte er. Die Vorhänge waren vor das Fenster gezogen und auf dem Sofa lagen noch ein paar Klamotten. Ben schien sich nicht daran zu stören und Tailor hätte ihm kaum dankbarer sein können, als er sich einfach auf das Bett fallen ließ und ihn angrinste.
„Und jetzt…?“
Tailor schloss die Tür hinter sich. „Jetzt… haben wir zwölf Quadratmeter ganz für uns allein…“ Er kletterte über Ben. Sie konnten nicht nebeneinander auf der schmalen Matratze liegen, aber das würde auch nicht nötig sein…
Tailor sah zu Ben herab, hielt aber inne. Sie wollten es beide, nicht wahr? Ben beantwortete die stumme Frage ebenso nonverbal. Er hob den Kopf, drückte seine Lippen auf Tailors. Der Isländer schloss seine Augen, seufzte leise.
Es war ein erstes Kennenlernen ihrer Körper. Sie küssten sich langsam, ließen ihre Hände unter ihre Oberteile und über die warme Haut streichen. Ihre Zungen fanden sich und es war, als wäre bei Ben ein Schalter umgelegt. Der Kuss wurde stürmisch und er zerrte an Tailors Shirt.
Der Blonde grinste leicht, zog es sich über den Kopf, bevor seine Lippen wieder gefangen wurden. „Lange… her… hm?“
„Viel zu lange!“, keuchte Ben, legte die Hände auf Tailors Hintern und zog ihre Becken gegeneinander. Tailor stöhnte leise, brachte aber wieder etwas Platz zwischen sie beide. Er öffnete erst Bens Hose, dann seine eigene. Der Brite war der erste, der nackt in den Laken lag. Tailor erhob sich, holte Kondome und Gleitgel aus dem Kleiderschrank, ließ dabei seine Hose und Shorts auf den Boden fallen. Er krabbelte wieder über Ben, küsste ihn kurz. Die Frage, welche Position der junge Mann wollte, erübrigte sich, als er die Beine weit spreizte, erwartungsvoll zu Tailor aufsah. Das würde er sich nicht zwei Mal sagen lassen!
Sein letztes Mal mochte eine Weile her sein, aber entweder Ben hatte sich vorbereitet oder er war hart im Nehmen. Tailor besann sich zur Geduld, als er den ersten Finger in den Älteren eindringen ließ, übersäte seine Brust mit leichten Küssen. Doch Benjamin forderte ihn schon bald zu mehr und so vergingen nur wenige Minuten, bis er drei Finger in ihm bewegte.
„Bin eben kein Anfänger“, keuchte Ben grinsend. „Bei Fynn musst du mehr aufpassen.“
Tailors Herz stolperte. „Dazu wird es ja nie kommen“, murmelte er. Das hier war nicht der richtige Moment, um darüber nachzudenken! Er hatte einen nackten, attraktiven und obendrein sehr willigen Mann unter sich!
„Wer weiß…? Er weiß ja nicht, was er verpa-aaah!“ Ben stöhnte auf, als Tailor seine Prostata streifte und der Isländer grinste. Thema beendet. Er wollte den Briten sprachlos. Gedankenverloren. Sie sollten jetzt beide nicht an den Prinzen denken… Ben schloss seine Augen, wölbte sich ihm entgegen.
„Lass mich nicht warten…“
Tailor strich noch einmal über die empfindliche Wölbung, zog seine Finger dann aber zurück und ein Kondom über.
„Bitte“, murmelte Ben, sah ihn aus dunklen Augen und mit halbgesenkten Lidern an. Wer war Tailor, diesem Anblick zu widerstehen? Er drang langsam in den warmen, willigen Körper ein. Er wollte jede Sekunde von diesem Mann auskosten… Bens Arme schlangen sich um ihn, dann auch seine Beine. Sie stöhnten beide leise, dann etwas lauter, als Tailor den ersten ruckartigen Stoß machte.
Ben wurde mit jeder Minute ungehaltener. Es war so verdammt gut nach so einer verdammt langen Zeit! Tailor war leiser, hatte die Augen geschlossen und stützte sich neben Bens Oberkörper ab. Er zog schließlich sein linkes Bein etwas hoch, um tiefer in ihn stoßen zu können. Seine Hand schloss sich um Bens Erektion, bewegte sich im gleichen Rhythmus. Ben war absolut verloren. Sein Körper reagierte auf jede Berührung, den Hautkontakt, die Reibung, Tailors Keuchen, die heiße Luft zwischen ihnen.
Er wimmerte leise. „Kann… nicht mehr…“
Mehr als ein „Komm!“ brauchte es nicht, um ihn über die Klippe zu schubsen. Er kaum mit einem lauten Stöhnen über Tailors Hand und seinen Bauch, bekam in seinem Rausch kaum mit, wie Tailor ebenfalls kam. Leiser, sanfter.

Sie blinzelten sich an, grinsten beide.
„Das… danke!“, platzte es schließlich aus Ben heraus.
Tailor musste lachen. „Mit Vergnügen!“ Er zog sich langsam aus Ben zurück, richtete sich auf, um das Kondom zu entfernen. Ben seufzte. Das war das blöde nach dem Sex. Das seltsame Gefühl zwischen seinen Beinen…
Tailor wischte ihn mit einem Taschentuch einigermaßen sauber, bevor sie sich Brust an Brust in das Bett quetschten, Ben mit dem Rücken zur kalten Wand. Doch die Abkühlung war nicht unwillkommen. Sie küssten sich langsam, fast zärtlich und Tailor begann durch Bens Haare zu streichen, seinen Nacken zu kraulen. Der Ältere schnurrte leise, schmiegte sich an ihn.
„Willst du mich wieder nach Hause bringen oder bleibe ich hier?“, fragte er schließlich. Weil sich die Pflicht nicht für immer ignorieren ließ. Nicht die Pflicht des Dieners, sondern die eines besten Freundes. Fynn hatte nicht glücklich ausgesehen und so langsam fragte Ben sich, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Was, wenn Fynn doch schon mehr Gefühle hatte? Was, wenn er ihm jetzt etwas weggenommen hatte? Der Sex war fantastisch gewesen. Tailors Flirterei war definitiv keine leere Versprechung. Aber hatte ihm das wirklich zugestanden?
„Wie du willst…“, murmelte Tailor. „Wenn es dir zu eng ist, kann ich auch auf das Sofa gehen.“
„Ach, darum geht es nicht“, seufzte Ben.
„Wegen Fynn?“
Er nickte. „Ich mache mir Sorgen. Ich weiß ja nicht mal, ob er zu Hause ist.“ Albert würde bei ihm sein, aber Albert war nicht wie er. Er war Bodyguard. Er behielt die emotionale Distanz stets bei und das musste er auch, wenn er sich nicht von seinem Job ablenken lassen sollte. Er hatte es schon schwer genug mit dem aufmüpfigen Prinzen, der so viel lieber alleine war.
„Ich fahre mit dir“, beschloss Tailor schließlich. „Aber noch nicht jetzt.“ Er presste einen Kuss gegen Bens Schulter und der Diener musste lächeln. Dagegen hatte er keine Einwände…
Einige Minuten später war er in Tailors Armen eingedöst.
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