Zäh wie Kaugummi

von Rainbow
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
02.05.2020
23.05.2020
4
20.221
35
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Dieses Kapitel
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23.05.2020 5.430
 
Meine lieben, treuen Leserinnen und Leser,

vielen Dank für euer Feedback! <3

Danke Jolie92 fürs Betalesen und Optimieren und überhaupt.

Viel Spaß mit…. ja, diesmal Drama, Sex und eher schmerzhafter Liebe in einem Kapitel.

Bin gespannt, was ihr sagt!

Liebste Grüße

Rainbow

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Kapitel 4 – Zweite Etappe – Klaas – 2011/2012

„Was machst du eigentlich über Weihnachten?“

Es war spät, mal wieder. Außerdem war heute der 21. Dezember und damit blieb nur noch eine gute Woche, bis das Silvesterspecial ausgestrahlt wurde. Und drei Tage bis Weihnachten. Während der größte Teil ihrer Redaktion seine Überstunden scheinbar ungesehen im Home-Office hochtrieb, hatte es sich etabliert, dass Klaas und Joko in ihrem Büro saßen, bis einer von ihnen, zumeist Joko, sich dafür verantwortlich fühlte, sie beide auf den Nachhauseweg zu schicken. Offenbar waren sie mittlerweile die einzigen, die keinen Grund zuhause sitzen hatten, um pünktlich zu gehen.

„Mh?“

„Was du machst, an den Feiertagen jetzt dann.“ Das war ja nun wirklich keine so schwierige Frage.

„Naja, feiern halt. Was man so macht“, antwortete Joko, biss sofort danach mit weit geöffnetem Mund von seinem Döner ab, weshalb Klaas sich nun endgültig sicher war, dass Joko seiner Frage auswich.

„Und mit wem? Fährst du zu deiner Familie?“

Joko kaute auffällig lange, sah nach einigen Augenblicken sichtbar resigniert zur Seite, als Klaas seinen fragenden Blick nicht von ihm abwandte. „Ach Mensch, Klaas“, seufzte er verärgert und trank einen Schluck Cola, offenbar immer noch in Vermeidungstaktik. „Nein, ich fahr nicht zu meiner Familie. Meine Familie ist nicht… Naja, wir sind keine Familie, wo man an Weihnachten nach Hause fährt oder so. Ich feier meist mit Freunden, letztes Jahr war ich bei Matti.“

Er bemerkte, dass Joko noch immer nichts zu seinen Plänen an diesem Weihnachten gesagt hatte, ignorierte es jedoch für den Moment. Tatsächlich sprach Joko deutlich seltener von seiner Familie als er selbst, aber so dezidiert aufgefallen war Klaas das noch nicht, immerhin war das bei vielen Kollegen ähnlich.

„Wusste nicht, dass deine Familie da eher nicht so ist.“

„Kann ja nicht jeder so ‘ne Beziehung haben wie du zu deiner Mama“, grinste Joko nun.

Klaas lächelte, dachte daran, wie traurig seine Mutter sein würde, wenn er ihr erzählte, dass es mit Nina aus war und er Weihnachten jetzt allein in Berlin verbrachte. Vielleicht sollte er sich doch noch einmal umentscheiden und spontan heimfahren.

„Hast immer noch nicht gesagt, waste dieses Jahr machst“, erinnerte er Joko dann und konnte fast in Echtzeit miterleben, wie dessen Geduldsfaden riss.

„Klaas, bitte lass den Scheiß“, sprach er ruhig, so kontrolliert, dass Klaas ganz genau wusste, dass er sich zurückhielt, nicht auszurasten. „Wir wissen beide, dass ich Weihnachten allein bin. Das gehört so ‘n bisschen dazu, wenn man ‘ne verkappte Schwuchtel ist, und ich kann nicht ganz erwarten, dass Leute wie Matti mich jedes Jahr einladen. Mir ist lieber, ich hab hier meine Ruhe, als dass ich mir bei meinem Vater irgendwelchen Dreck anhören darf. Für mich ist das okay. Ist nicht das erste Mal. Heißt aber auch nicht, dass ich groß Bock hab, drüber zu reden, was du vielleicht daran hättest merken können, dass ich das nicht jedem unter die Nase reibe.“

Klaas nickte langsam, versuchte den Schein aufrechtzuerhalten, dass er sein Abendessen aß, weil er an Jokos hektischem Blick sofort erkannte, dass ihm seine harschen Worte bereits Augenblicke später leidtaten. Er hatte schon gemerkt, dass Joko mindestens genauso von ihrer aktuellen Situation mitgenommen war wie er selbst, dass er oft angespannt wirkte, wenn er nicht gerade für den Rest der Redaktion den Spaßvogel spielte. Sicher hatte da auch sein kleiner Ausbruch vor zwei Tagen in Jokos Wohnung nicht gerade geholfen. Wobei, wenn er daran dachte, wie sein Freund ihn da angesehen hatte, als er vor ihm auf dem Wohnzimmerboden gekniet hatte… Vielleicht hatte das schon ein wenig geholfen.

„Weiß deine Familie eigentlich davon?“

Joko schenkte ihm einen „Meinst du das Ernst?“-Blick, hatte sofort begriffen, welchen Punkt Klaas da ansprach, doch dieser konnte sich gerade nicht so ganz zurückhalten und blickte nur auffordernd zurück. Irgendwie tat es gut, mal nicht derjenige mit dem Drama zu sein, und eigentlich sollte Joko es doch langsam gewöhnt sein, dass er neugierig war bei diesem Thema, wenn sie schon einmal darüber sprachen.

„Nicht explizit. Aber ich war halt mit Zwölf oder so nicht gerade viel anders als heute, mit dem Unterschied, dass das heute hipster und cool ist und mit Zwölf war’s eher… nicht ganz so geil.“

„Heißt sie vermuten’s, wissen’s aber nicht?“

„Wahrscheinlich. Wir reden da nicht so. Meinem Vater reicht’s schon, dass ich Fernsehen mach und, noch schlimmer, Mode, da hat er genug, worüber er sich aufregen kann. Da braucht’s nicht mal ‘n Outing. Sowas geb ich mir halt ungern an Weihnachten. Gerade jetzt.“

Klaas zögerte einen Moment als er das hörte. „Hast du auch das Gefühl, dass es irgendwie nicht besser, sondern schlimmer geworden ist seit Paradise?“

„Ich frag mich manchmal, ob ich’s nur träume, dass wir wieder ‘ne Show haben.“

„Ich glaub manchmal, wenn ich aufwach heißt es ‚Alles nur Spaß, was sollen wir mit euch zwei Affen?‘.“

„Schläfste deshalb so schlecht?“

„Glaub schon. Mein Kopf schaltet nicht ab, sobald’s dunkel ist krieg ich meine Gedanken nicht aus.“

„Ich penn zurzeit vor’m Fernseher. Das hilft. Probier das mal.“

___

„Was machst du hier?“

„Na, das nenn ich mal ‘ne feierliche Begrüßung“, lachte Klaas und entschied, dass er hereingelassen wurde, ging an Joko vorbei in seine Wohnung. Es war das dritte Mal, dass er innerhalb einer Woche hier war. Das erste Mal war er hier gewesen, um Joko die Schuld an seiner gescheiterten Beziehung zu geben und in seinem Wohnzimmer einen geblasen zu bekommen, das zweite Mal, um am 22. gemeinsam nervös die Kommentare zu ihrer Ausstrahlung mitzuverfolgen und dann am Sofa einen gehetzten Handjob zu kriegen, nachdem Joko ihm sein Handy weggenommen hatte.

„Ich dachte, du bist gestern nach Oldenburg gefahren?“

„Ja, offensichtlich nicht, oder?“

Er streifte seine Schuhe und Jacke ab, ließ beides im Flur. „Ich hab ‘ne Flasche Wein dabei, dann können wir wenigstens den festtäglichen Schein bewahren, dass wir uns heute nicht einfach nur die Birne wegsaufen.“

Joko stand noch immer wie versteinert neben der Wohnungstür, hatte es gerade mal geschafft, sie wieder zu schließen.

„Du hast gestern Nachmittag noch Thomas gesagt, dass du fährst.“

Er seufzte. „Kann sein, ja. Keine Lust auf irgendwelche Diskussionen oder Fragen wegen Nina oder so.“

„Aber warum bist du nicht…?“

„Wäre zu viel gewesen“, erklärte er mit einem Schulterzucken. „Gestern hin, Montag wieder zurück, das mit Nina erklären müssen, Fragen, wie’s mit der Show läuft. Dachte mir, wenn du Weihnachten allein hinkriegst, krieg ich’s dreimal hin.“

Klaas sah, wie sein Freund auf seine letzten Worte hin zwar mit einem Grinsen begann, das sich jedoch nicht lange hielt und zu diesem merkwürdig seligen Lächeln wurde. Er konnte fast mitverfolgen, wie Joko einen nahezu schüchternen Ausdruck bekam, ihn jedoch versuchte, wegzuwischen, und dann mit etwas zu viel Vehemenz nach dem Jutebeutel mit der Weinflasche griff.

Er hatte genau gesehen, wie sehr es seinen Freund freute, ihn glücklich machte, dass er hier war. Er konnte sich den Gedanken nicht verkneifen, dass er selbst wohl für Joko die erste Wahl war, mit der er diesen Abend verbringen wollte. Aber sie hatten beide eben keine Wahl und damit war es irgendwie völlig egal, dass es für Klaas nicht dasselbe war.

„Ich hab halt aber keinen Weihnachtsbaum oder so“, plapperte Joko fröhlich aus der Küche, in der er als Biertrinker ganze drei seiner eigenen Schubladen öffnen musste, um einen Korkenzieher zu finden.

Klaas grinste. „Kann ich mit leben, solang du Weingläser hast.“

„Schau mal da drüben im Schrank.“

Er begann, Jokos Küche zu durchsuchen, schmunzelte darüber, dass sein Freund sehr wohl jedes Küchengadget der Welt besaß, jedoch offensichtlich nicht zwingend von deren Existenz wusste. Außerdem hatte er da verdammt teure Rotweingläser, die er wahrscheinlich noch nie benutzt hatte.

„Wein eigentlich okay für dich? Kannst auch Bier trinken, ich krieg die Flasche auch allein leer.“

„Hast schon recht, sollten das bisschen feierlich machen, ich probier zumindest mal. Geschenke hab ich auch keine übrigens.“

„Genau, hätt jetzt absolut erwartet, dass der Herr Winterscheidt unter seinem Baum sitzt und sich selber Geschenke macht.“

„Lustig. Aber auch sonst so, ich mach jetzt normal auch nicht so weihnachtliche Sachen. Groß essen oder so. Ich hab ‘n paar Steaks und Tiefkühlgemüse, das wär mein Plan gewesen.“

Wieder musste Klaas schmunzeln, während er Joko die Weinflasche abnahm, die er nicht geöffnet bekam. Es hatte ja etwas leicht Herzerweichendes, dass sein Gegenüber seine weihnachtlichen Erwartungen nicht enttäuschen wollte.

„Wenn du mir eins von den Steaks machst, bin ich ein glücklicher Weihnachts-Klaas.“

Joko sah ihn an, während Klaas den Korken aus der Flasche zog. „Das find ich gut. Weihnachts-Klaas“, sprach der Blonde dann fast einen Funken zu leise, um nicht emotional zu sein, und Klaas konnte nur für einen kurzen Moment seinen Blick erwidern, weil das, das war wieder dieser Blick, der so überhaupt nicht versteckte, dass Joko sich gerade nichts Besseres vorstellen konnte, als hier bei ihm zu sein, und auch wenn Klaas das unangenehm hätte sein sollen, irgendwie fühlte es sich so gut an, das zu spüren, dass es fast zu viel war.

Ein paar Stunden später war es dunkel und Klaas war absolut dankbar, gerade nicht allein in seiner Wohnung zu sitzen. Zum Glück schneite es nicht auch noch, um die Stimmung noch weihnachtlicher zu machen, doch allein die Angespanntheit seines Umfelds, der Medien, seiner Kollegen hatte irgendwie auf diesen Moment abgezielt und es war so überwältigend wenig überwältigend, dass er vermutlich vor lauter Selbstmitleid gestorben wäre. Statt allein zu sein, lag er nun jedoch auf Jokos Bett, der gerade zwischen seinen Beinen kniete und noch immer so wahnsinnig gute Dinge mit seinen Fingern, seiner Zunge, seinem Mund anstellte, dass das Wort überwältigend vielleicht doch gar nicht so unpassend war.

„Gott, ich…“, brachte Klaas über seine Lippen, ohne eine wirkliche Ahnung zu haben, was er sagen wollte. Joko konnte das einfach so verdammt gut, dass es ihm scheinbar wortwörtlich sein Hirn wegblies. Und mit seinem Hirn seine Selbstkontrolle, stellte er fest, als Joko sich etwas aufrichten wollte und er selbst fast reflexartig und unkontrolliert mit den Hüften nach oben stieß.

„Fuck, sorry“, versuchte er, sich durch den dichten Nebel an Erregung zu entschuldigen, und sah in Jokos etwas zu weit aufgerissene Augen. Auf dessen feucht glänzenden Lippen bildete sich ein Grinsen, bevor er sich wieder nach unten beugte, Klaas‘ Schwanz in seine Hand nahm und von Neuem mit seinen Lippen umschloss, dann jedoch regungslos blieb. Bis er Klaas‘ Hände aus der Bettdecke löste und an seinen Kopf legte.

Der begriff selbst in seinem intelligenzgeminderten Zustand, was Joko ihm da gerade nahelegte und verlor tatsächlich jeglichen Funken Kontrolle, als er seine Hände in Jokos Haaren vergrub und begann, in seinen Mund zu stoßen.

Scheiße, war das geil. Er konnte selbst kaum glauben, was er da tat, und obwohl es Joko war, musste er herabsehen und konnte nicht anders, als das einfach unverschämt heiß zu finden.

Ungehalten stöhnte er und spürte, wie sich Schweiß auf seiner Stirn bildete und zeitgleich die Spannung in seinem Unterleib sich fast unerträglich zuspitzte. Ein letzter rationaler Teil von ihm wollte ihn noch darauf aufmerksam machen, dass es auf einem ganz anderen Level unverschämt war, Joko einfach in den Mund zu spritzen, doch dieser hatte ja selbst vor ein paar Tagen noch abgewehrt, als Klaas ihn vorgewarnt hatte. Also ergab er sich der Situation, die einfach so unerträglich geil war, und stieß noch einige Male nach oben, bis er aufgebäumt in Jokos Mund verharrte und kam.

Fröhliche Weihnachten.

Himmel. Es dauerte, bis Klaas wieder weit genug in der Realität angekommen war, dass er seine Umwelt wahrnahm. Das war schon wieder so eine verdammt geile Situation gewesen, die er vor Joko noch nie erlebt hatte. Er war immer davon ausgegangen, dass das nicht besonders angenehm war, deshalb hatte er sowas noch nie mit einer seiner Freundinnen ausprobiert, und irgendwie war es das sicher auch, wenn man da so gar nichts machen konnte, sich irgendwie selbst auslieferte – und trotzdem hatte Joko es ihm angeboten.

Etwas unsicher, ob alles in Ordnung war, zwang Klaas sich, seine Augen zu öffnen und seinen Arm von seinem Gesicht zu schieben. Joko lag neben ihm auf dem Bett, atmete noch immer genau wie er selbst etwas schwerer, sah jedoch nicht gerade traumatisiert aus. Ganz im Gegenteil, Klaas sah da in seinem Schritt sehr eindeutig, dass Joko das gerade ebenfalls gut gefunden hatte, und er war sich unsicher, ob er erleichtert war oder ob es ihm unangenehm war, dass er selbst seinen Freund derart anturnte.

Wie schon an den zwei anderen Abenden, die er hier verbracht hatte, verabschiedete Joko sich allerdings kurz später mit einem leisen „Gleich wieder da“ und ließ einen noch immer erschöpften Klaas in seinem Bett zurück. Einen erschöpften Klaas, dessen Neugierde davon jedoch geweckt wurde. Beim ersten Mal hatte er sich nicht so viel dabei gedacht, beim zweiten Mal hatte er sich schon ein wenig gewundert, aber jetzt, jetzt hatte er gerade auch aufgrund seines eigenen letzten Gedankens eine gewisse Ahnung, warum Joko ging.

Er hatte keine Tür zuklappen gehört und auch die Schlafzimmertür hatte Joko nicht mit genug Schwung hinter sich zugeworfen, dass sie eingerastet wäre, also tappte er leise zur Tür und schielte in den dunklen Gang. Nirgendwo in der Wohnung war Licht. Er verharrte für einen Moment, strengte sich an, ob er von irgendwo etwas hörte – und tatsächlich. Langsam trat er näher zur Badezimmertür und versuchte, im Dunkeln etwas zu erkennen.

Auf dem Boden vor der Badewanne saß eine Gestalt, ganz offensichtlich Joko, und Klaas konnte allein anhand des Rhythmus der Bewegungen ganz schnell erkennen, was er da machte. Joko holte sich offensichtlich gerade einen runter darauf, dass Klaas gerade seinen Mund gefickt hatte.

Das war ein so eigenartiger Gedanke und allein die fremd und intensiv klingende Formulierung ließ ihn gleichzeitig etwas schlecht, fast peinlich berührt fühlen und irgendwie war das trotzdem… scharf. Dass es Joko nicht nur angeturnt hatte, sondern ihn gleich so sehr anmachte, dass er sich anfasste. Klaas wandte seinen Blick ab, um nicht am Ende erwischt zu werden, konnte sich jedoch nicht dazu bringen, sofort zurück ins Schlafzimmer zu gehen. Nicht, dass er es darauf anlegen wollte, aber irgendwie faszinierten die leisen Geräusche ihn. Joko war fast vollkommen still, stöhnte nicht, sondern atmete nur hektisch etwas lauter. Klaas war da anders, sogar wenn er es sich selbst machte.

Für einen Moment fragte er sich, ob Joko wirklich gerade an ihn, an das, was sie eben gemacht hatten, dachte, fragte sich, ob Joko gleich wohl ganz klischeehaft mit seinem Namen auf den Lippen kommen würde. In der Realität kam Joko tatsächlich kurz später, doch statt Klaas‘ Namen kam ein leises, fast etwas schmerzverzerrt klingendes Geräusch von ihm, während sein lauter Atem stockte. Das war etwas, was so gar nicht zu der lauten Persönlichkeit seines Freundes passte, allerdings so wahnsinnig gut zu dem Kerl, der noch ein paar Stunden zuvor fast schüchtern vor ihm gestanden hatte, dass Klaas mulmig zumute wurde.

Schnell tappte er zurück ins Schlafzimmer, schloss die Tür wieder genauso wie zuvor bis auf einen kleinen Spalt, um Joko ja nicht wissen zu lassen, dass er ihn beobachtet, belauscht hatte. Klaas‘ Herz klopfte vor Aufregung ein wenig schneller, er wusste, dass er da gerade etwas Komisches getan hatte und so ganz konnte er sich auch nicht erklären, warum. Wohl Neugierde.

Wenig später hörte er, dass Joko die Klospülung betätigte und musste schmunzeln. Ja, genau, Winterscheidt. Dieser schlurfte zurück ins Schlafzimmer und ließ sich dann neben ihn aufs Bett fallen, offenbar auch von seinem Orgasmus mitgenommen. Klaas wunderte sich fast ein wenig, dass er das bei den letzten zwei Malen nicht so deutlich bemerkt hatte.

„Bleibst du eigentlich?“

„Was meinst du?“

„Ob du hierbleibst, heute. Ist ja schon spät und der Wein… Weiß nicht, ob du noch fahren solltest.“

„Willst du, dass ich bleibe?“

Als Joko nicht antwortete, sah Klaas zu ihm herüber, sah seinen Freund auf der Seite zu ihm gedreht liegen und so offensichtlich mit sich selbst kämpfen, dass er ein wenig bereute, gefragt zu haben. Dann war da ein vorsichtiges Nicken und Joko sah ihn mit diesem Blick an und er konnte nicht anders, als die Situation mit einem dummen Kommentar aufzulockern und zu bleiben.

___

Klaas hätte nicht gedacht, dass er das jemals sagen würde, aber Joko und er hatten so etwas wie eine Routine miteinander gefunden. Nachdem sie das Silvesterspecial hinter sich gebracht hatten, war die befürchtete Eskalation vollständig ausgeblieben, was keinem von ihnen beiden dabei half, aus dem Dauerzustand der erwartungsvollen Anspannung auszubrechen. Was jedoch sehr wohl dabei half, waren die Abende, die sie gemeinsam verbrachten, nun, wo sie das Level an Überstunden Stück für Stück hinabschraubten und beide eine Beschäftigung brauchten, um nicht allein zuhause den Verstand zu verlieren.

Oftmals fuhr Klaas direkt nach der Arbeit zu Joko. Das bereits etablierte gemeinsame Abendessen verschoben sie vom Büro auf Jokos Couch und paarten es damit, seine Playstation zu reaktivieren oder alle DVD Boxen in seinem Besitz von vorne bis hinten durchzuschauen. Tatsächlich half Fernsehen ausgesprochen effektiv dabei, Klaas‘ Gedanken zu beruhigen, meist war er schon allein davon entspannt genug, dass er auf den zweiten Teil des Abends, der wahlweise auf der Couch oder in Jokos Bett stattfand, fast hätte verzichten können – wenn es nicht so verdammt gut gewesen wäre.

Er verzichtete also nicht, hatte Joko auch an diesem Abend nicht abgewiesen, als er ihn auf dem Rückweg vom Badezimmer im Flur abgepasst und stumm kommuniziert hatte, dass er mit ihm ins Schlafzimmer wollte. Also lag Klaas auf seinem Bett, nackt, weil in Jokos Welt irgendwie eine Selbstverständlichkeit dahinter lag, dass sie auf dem Sofa kurze, intensive, aber bekleidete Momente teilten, er ihn im Bett jedoch nackt, und zwar vollständig nackt, wollte. In Klaas Welt hingegen befanden sie sich in einem eigenartigen Verhältnis, in dem Joko objektiv gesehen sehr viel weniger von dieser Routine zwischen ihnen hatte als er und daher – wenn Joko ihn so wollte, sollte er ihn so haben.

Es überraschte ihn manchmal, dass sein Freund es auch nun nach einigen Wochen noch schaffte, ihr eigentlich nur aus Blowjobs und Handjobs bestehendes Repertoire an sexuellen Handlungen abwechslungsreich zu gestalten. Gerade beispielsweise lag Joko neben ihm, bewegte seinen Daumen und Zeigefinger in einem engen Ring über die Spitze seines Schwanzes und spielte währenddessen mit seiner Brustwarze, saugte, leckte, biss hin und wieder genau so fest zu, dass es bis hinab in seine Hoden zog und er nicht verhindern konnte, dass er stöhnte. Joko hatte schnell gemerkt, dass er da eine Schwäche hatte, allerdings hatte er das noch nie so intensiv genutzt wie heute Abend und ihm wurde fast etwas schwindlig davon, wie sehr sich noch dazu die Hand an seinem Schwanz ähnlich anfühlte, wie wenn er sich selbst anfasste, und doch gleichzeitig so völlig anders.

Klaas kam stöhnend auf seinen Oberkörper, eine Hand in Jokos Haare vergraben, damit er ja nicht auf die Idee kam, aufzuhören, während er durch die letzten Wellen seines Orgasmus‘ glitt, spürte, wie die Hand auf seinem Schwanz genau den richtigen langsamen Rhythmus fand, bevor sie ihn losließ. Das musste er ja ganz objektiv zugeben, es hatte schon etwas, wenn das Gegenüber sich derart gut mit der männlichen Physis auskannte.

Wie immer legte er in voller Entspannung einen Arm über seine Augen und genoss das Gefühl der Schwerelosigkeit solange es nur ging, während Joko kommentarlos mit einem Taschentuch über seine Brust strich. Tatsächlich konnte er sich gerade nur schwer vorstellen, diese Routine nicht zu haben. Die Arbeit war einfacher geworden, der Druck weniger, nachdem er so regelmäßig einen Ausgleich fand, um sich zu entspannen und loszulassen.

Ebenfalls wie immer bewegte Joko sich kurz später neben ihm. Er hatte aufgehört, anzumerken, dass er gleich wiederkommen würde, nachdem auch das Teil der Routine geworden war, die keiner von ihnen beiden thematisierte. Klaas hatte jedoch vor einiger Zeit begonnen, etwas mehr darüber nachzudenken. Er war sich bewusst, dass sie hier ein sehr unausgeglichenes Verhältnis miteinander teilten, er hatte da keine Illusionen und wusste, dass der Grund dafür ausschließlich bei ihm lag. In den allermeisten Situationen störte ihn das auch zugegebenermaßen nicht so sehr, es war ja nicht so, dass Joko danach fragte oder er ihn zu etwas zwang. Aber in diesen Momenten, in denen Joko ins Bad ging, da fiel es ihm besonders auf und er spürte, dass er diesen Moment nicht mochte. Deshalb hatte er auch bereits an jedem anderen Tag in dieser Woche mit sich selbst gehadert, doch er hatte den Moment, ihn zurückzuhalten, jeden Tag verpasst.

Nicht heute jedoch. Bevor Joko das Bett verlassen konnte, griff Klaas nach seinem Arm und hielt ihn fest. Etwas erschrocken und vor allem verwirrt sah sein Freund ihn an. Jetzt kam der eigentlich schwierige Teil und Klaas bereute ein wenig, dass er den Mut gehabt hatte, das hier zu beginnen. Aber jetzt war es auch schon zu spät.

„Wenn du magst, kannst du hierbleiben. Also… dafür.“

Das einzige Licht im Raum war Jokos Schrankbeleuchtung, die gerade genug hergab, dass Klaas mitverfolgen konnte, wie rot sein Gegenüber wurde. Er konnte nicht glauben, dass Joko der Meinung gewesen war, dass nicht klar war, was er da jedes Mal tat. Wahrscheinlich hatte er nur nicht erwartet, dass Klaas es thematisieren würde, und das machte es doch um einiges expliziter und er konnte schon verstehen, dass es Joko peinlich war.

„Sicher?“

„Wenn du magst?“

Anstelle einer verbalen Antwort rutschte Joko zurück ans Kopfende und legte sich wieder neben ihn. Das war Antwort genug. Klaas spürte, dass er jetzt fast schon gespannt war, was passieren würde. Er hatte ja viel Neues mit Joko erlebt, aber das hier war nochmal ein wirklich ganz anderes neu.

Dieser schien zum Glück auch nicht ganz zu wissen, was er mit der Situation anfangen sollte, traute sich dann jedoch, seine Jogginghose herabzuschieben, und Klaas fokussierte all seine Wahrnehmung darauf, dass sein Freund wohl den ganzen Abend keine Unterwäsche getragen hatte, statt darauf, dass er seinen steifen Schwanz sehen konnte. Das funktionierte allerdings nicht sonderlich gut. Ihn so zu sehen war etwas völlig anderes, als sich nebenbei beim Umziehen einmal einen abschätzenden Blick zuzuwerfen. Hirnrissiger weise musste er an die Diskussion über Blut- und Fleischpenisse denken und entschied, dass Joko wohl eher in die letzte Kategorie gehörte, da hätte er damals beim Duschen gar nicht so beeindruckt sein müssen.

„Sicher, dass das okay ist?“

Etwas überrascht sah er auf. Klaas wollte gar nicht wissen, wie sein Gesichtsausdruck gerade ausgesehen haben musste, dass Joko ihn jetzt so verunsichert ansah.

„Sicher.“

Dann war es wohl sogar für einen verunsicherten Joko zu viel des Wartens und er griff in seinen Schritt. Mit derselben Faszination wie damals an der Badezimmertür beobachtete Klaas, wie Joko sich anfasste. Kein großes Herumspielen, nichts von der langsamen Annäherung, die er ihm üblicherweise gab, sondern pure business. Konnte er verstehen, war ja auch etwas anderes, bei einem selbst.

Wie auch damals gab Joko kaum ein Geräusch von sich, atmete jedoch mit der Zeit immer hektischer, bis er irgendwann seine Bewegungen langsam stoppte und seinen Kopf zu Klaas wandte. Der tat sein Bestes, nicht ertappt auszusehen, dass er Joko so schamlos beobachtet hatte, versuchte, seinem Blick standzuhalten.

„Kann ich… Darf ich dich anfassen?“

Das hatte er doch schon zu genüge getan, oder?

„Nicht irgendwie, du weißt schon. Ich mag dich nur… anfassen.“

Langsam nickte Klaas, obwohl er keine wirkliche Ahnung hatte, was Joko sich da vorstellte. Der schien jedoch eine sehr klare Vorstellung zu haben und drehte sich mit einem Mal ein klein wenig zu ihm. Klaas spürte eine eigenartige Nervosität in sich aufkommen und das, wo Joko doch der absolut Letzte sein durfte, dessen Berührungen ihm irgendwie unbekannt oder unangenehm waren. Dann sah er Jokos linke Hand auf seiner Brust, spürte seine Finger auf seiner Haut und, obwohl das jetzt nicht zwingend bequem aussah, irgendwie passte das auf eine ganz seltsame Art und Weise. Es war als spürte er Jokos Bedürfnis, ihn anzufassen, ihm nah zu sein, auf jedem Millimeter Haut, der ihn berührte.

Jokos Daumen streichelte ein paar Mal fast gedankenverloren über seine Brust, bevor sein Freund begann, seine andere Hand wieder zu bewegen. Plötzlich spürte er die Bewegungen von Jokos rechtem Arm zwischen ihnen noch intensiver und das machte es fast schwer, zu atmen. Immer wieder bemerkte er, wie sich die Hand auf seiner Brust ein wenig mehr an ihm festhielt, wieder lockerließ und er war sich nicht sicher, wo er hinsehen sollte, wechselte unruhig von den Fingern, die sich in an ihn klammerten, zu den Fingern, die sich an Joko klammerten.

„Gott, ich fass dich so gern an“, flüsterte Joko entrückt wohl mehr zu sich selbst als zu Klaas, der sich so daran gewöhnt hatte, diese Dinge von ihm zu hören, dass es sich irgendwie nicht einmal so verrückt anfühlte, dass Joko sich dabei einen runterholte.

Deutlich schneller als er üblicherweise im Badezimmer brauchte, begannen die Finger auf seiner Brust sich dann mit einem Mal in seine Haut zu bohren, als Joko neben ihm erstarrte und sein T-Shirt vollspritzte. Klaas sah, dass er seine Lippen fest zusammengepresst hatte, hörte ein leises, viel zu hohes Aufseufzen von ihm, bis Joko offensichtlich nicht mehr genug Luft bekam und den Mund öffnete, keuchte.

„Fuck“, kommentierte er dann, während er etwas ruckartig seine Hand von Klaas‘ Brust zurückzog, lachte vermutlich größtenteils in einer Übersprunghandlung, denn es hörte sich fast nervös an in Klaas‘ Ohren. „Ich glaub, ich brauch ‘n frisches T-Shirt.“

Klaas sah ihm dabei zu, wie sein Gegenüber etwas umständlich sein T-Shirt auszog, in einem Versuch, sich kein Sperma ins Gesicht zu schmieren, und er musste lächeln. Joko war eindeutig nervös und als er sich zurück neben Klaas sinken ließ, berührten sich mit einem Mal ihre nackten Oberarme und Klaas registrierte, dass sie sich generell gerade etwas sehr nahe waren. Joko hatte zwar seine Hose wieder hochgezogen, doch er selbst lag noch immer nackt neben ihm und sie berührten sich und hatten beide ihre Köpfe in Richtung des anderen gedreht und sie waren sich nah. Er spürte, wie sein Herz schneller zu klopfen begann, größtenteils, weil er sah, wie Jokos Blick immer wieder seine Augen verlor und herab auf seine Lippen fiel.

Oh shit. Das war überhaupt keine gute Idee.

Sein Herz klopfte noch schneller und er sah genau, dass Joko trotz etwas Zögern näherkam und es war offensichtlich, dass er ihn küssen wollte. Gar keine gute Idee.

Shit, das alles war gerade echt eine richtig üble Schnapsidee gewesen und Joko war so nah, dass Klaas seinen Atem im Gesicht spüren konnte.

Er wandte seinen Kopf in Richtung der Zimmerdecke, blickte starr auf die Lampe, die über ihnen hing. Nur im Augenwinkel sah er, wie Joko sofort verharrte, bevor er von ihm abrutschte, die wohnte Distanz zwischen sie brachte.

„Sorry“, nuschelte sein Freund mit dünner Stimme, doch Klaas hörte ihn neben dem lauten Rauschen und dem Klopfen seines Herzens gar nicht. Das hier war eine wirklich verdammt miese Idee gewesen.

___

„Hättest du eigentlich mal wieder Lust, vorbeizukommen?“

Klaas hatte es ja eigentlich schon seit Tagen erwartet, dass die Frage kommen würde. So schnell sie entstanden war, so schnell hatte er ihre Routine auch schon wieder beendet und es war bereits über zwei Wochen her, dass er das letzte Mal bei Joko zuhause gewesen war. Zwei Wochen, seit Joko ihn versucht hatte, zu küssen, und er eigentlich eh schon viel zu spät begriffen hatte, dass ihr eigenartiges Verhältnis so nicht weitergehen konnte.

Jetzt im Nachhinein fand Klaas es fast hirnrissig, dass er derart lange verdrängt hatte, dass es weder für ihre professionelle, noch für ihre persönliche Beziehung besonders schlau war, dass er die Tatsache, dass Joko Interesse an ihm hatte, ausnutzte. Am Ende des Tages war es ja nichts anderes gewesen, er hatte es ausgenutzt, dass er wusste, dass Joko ihn mochte, ihm nah sein wollte. Er hatte sich mit sexuellen Gefälligkeiten über seine Trennung von Nina hinweggetröstet und das war ein kompletter dick move gegenüber Joko, der sich in den letzten anderthalb Jahren mehr als nur korrekt verhalten hatte, ihn niemals unter Druck gesetzt, niemals etwas von ihm erwartet hatte.

Es war ja kein Wunder gewesen, dass er in dieser Nähe zwischen ihnen etwas anderes gesucht hatte als Klaas.

Das hatte er davon. Nun stand Joko an ihrer Bürotür, hatte sich offenbar endlich dazu überwunden, ihn darauf anzusprechen, bevor er nachhause ging. Klaas wurde ein wenig übel bei der Vorstellung, ihm das alles am Ende auch noch erklären zu müssen.

„Ist ja schon ein bisschen her, dass du… Ich meine nur, weil ich den zweiten Teil von Portal gekauft hab, da hattest du den ersten Teil doch so gefeiert. Könnten wir zocken.“

Natürlich wollte Joko mit ihm zocken, er hatte sicher keinerlei Interesse daran, diesen anderen Teil ihrer Beziehung fortzusetzen und fragte deshalb. Jetzt wurde Klaas wirklich mulmig im Bauch. Es hatte etwas so Schmerzhaftes, zu sehen, wie Joko sich dazu zwang, einen belanglosen Anfangspunkt vorzuschlagen, um das zwischen ihnen wiederzubeleben, weil es einfach so völlig offensichtlich war, dass er sogar diese seltsame Art der Nähe zwischen ihnen genossen hatte und er sie vermisste, sie wiederhaben wollte. Klaas hatte da echt richtig Scheiße gebaut.

„Ich glaub, das ist nicht so die beste Idee“, zwang er sich also auch, sich am Gespräch zu beteiligen. Joko stand noch immer angespannt vor der Bürotür und sah ihn an, sein Blick sehr geschult neutral.

Er musste da jetzt echt einen guten Weg heraus finden. Zum Glück hatte er einen Plan.

„Erinnerst du dich an die kleine Schwarzhaarige, die Olli bei der Comedy Gala letztens angeschleppt hat? Eva?“

Joko nickte, zog seine Stirn für einen Moment ein wenig kraus, schien sich jedoch selbst sofort wieder in einen neutralen Ausdruck zu zwingen.

„Wir haben uns den Abend über ja ziemlich gut verstanden, waren letztes Wochenende dann auch zusammen was trinken. Ich glaub, das könnte vielleicht was Ernstes werden, nicht gleich, aber vielleicht… naja, ich glaube, da sollten wir nicht mehr…“

„Oh“, kam Jokos einzige Reaktion, eine Sekunde zu spät, um zu verstecken, dass die Information ihn traf, und dann senkte er auch noch seinen Blick und Klaas spürte, wie seine Brust sich zusammenzog.

Fuck, er hatte nie gewollt, dass sie sich soweit in diese Sache hineinritten, dass er Joko wehtun musste.

„Das freut mich, das zu hören“, log dieser, ohne ihn anzusehen, vergrub seine Hände in den Hosentaschen. Klaas spürte, dass er selbst den Atem für einen Moment angehalten hatte. Das war fast unerträglich und es tat ihm beschissen leid.

„Du weißt, dass ich dir…“, Joko stockte einen Moment, sah doch wieder zu Klaas auf und versuchte, seinen Blick zu halten. „Ich hoff, dass das was wird. Ich will ja, dass es dir gut geht, nach Nina und so.“

„Danke, Joko.“

Es war unerträglich und am liebsten wollte er Joko anpflaumen, dass er gefälligst ein besserer Schauspieler sein sollte, dass er ihm nicht so sehr zeigen sollte, wie sehr es ihm wehtat. Klaas dachte schon, dass er die nächstbeste Lösung bekam, als Joko sich zum Gehen wandte und die Tür öffnete, doch genauso schnell hörte er sie schon wieder schließen, ohne dass sein Freund den Raum verlassen hatte. Der trat stattdessen angespannt einen Schritt auf ihn zu und Klaas tat sich mit einem Mal schwer, seinen Blick abzuwenden.

„Ist es, weil ich dich letztens küssen wollte?“, fragte Joko leise und jetzt gab er sich gar keine Mühe mehr mit dem Schauspielern und wenn Klaas zuvor schon gedacht hatte, sehen zu können, was Joko fühlte, wollte er sich jetzt am liebsten übergeben, so schwer drückte sein schlechtes Gewissen auf seinen Magen. Kein Wort bekam er raus.

„Wenn ja, dann tut mir das wirklich leid. Ich war da… Ich war da einfach nicht ganz da, geistig. Ich wollt dir damit nicht zu nahe treten. Ich versprech dir, dass das nicht nochmal passieren würde.“

War der Scheißkerl eigentlich ein verdammter Masochist? Klaas hatte doch einen so schönen Ausweg für sie gefunden, warum konnte er das nicht einfach annehmen und ihnen beiden das hier ersparen?

„Ich kann auch danach wieder ins Bad gehen oder gar nicht… Ich…“, wieder stockte Joko in seinem Satz, schien mit einem Mal selbst davor zu erschrecken, was er da gesagt hatte.

Es war vernichtend, wie sehr, wie offensichtlich er Klaas wollte und dieser konnte nicht ertragen, dass Joko so wenig auf seinen eigenen Stolz gab, ihn gerade fast anzuflehen, dass er diese absolut ungesunde Sache zwischen ihnen nicht aufgeben sollte.

Klaas schwieg, weil es nichts auf der Welt gab, was er dazu sagen konnte und wahrscheinlich hätte er nicht einmal genug Stimme für eine Reaktion gehabt.

„Sorry“, flüsterte Joko dann, strich sich nervös seine Strähne hinters Ohr. „Ich geh besser.“
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