Sein letzter Kampf [Teil 2]

von Ortakh
GeschichteAbenteuer, Tragödie / P16
02.05.2020
23.05.2020
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23.05.2020 1.651
 
Die Menge jubelte mir zu. Tausende Zurufe und lautes Gegröle drangen an meine Ohren. Sie warteten auf einen Kampf. Auf meinen ersten Kampf. Ich stand hinter den Eisenstäben, die mich von der kreisförmigen Arena trennte. Gegenüber sah ich in die wilden Augen eines wirklich sehr großen Orks. Seine dunkelblaue Hautfarbe war schwer zu übersehen. Ebenso wie seine riesigen Zähne, die aus dem Mund springen zu wollen. Mir wurde gesagt, er hätte eine Streitaxt bei sich und würde damit mehr als nur gut umgehen können. Zur Sicherheit habe ich mir einen der vielen Bögen und einige Pfeile im Schlachthaus genommen. Nur, falls ich im Nahkampf nicht so erfolgreich sein sollte. Und für die Arenakämpfe waren diese Langbogen durchaus geeignet.

“Lasset den Kampf beginnen.”, schrie der Kommentator von den Rängen und der Jubel nahm noch einmal zu, als die Gitterstäbe durch ihren unterirdischen Mechanismus herabfuhren und uns der Weg zueinander geebnet war. Der Ork schrie mich an und rannte auf mich zu, seine Axt hoch über sich erhoben und mit beiden Händen fest umklammert. Ich vermutete, dass keiner der Krieger hier in der Arena außerhalb der Stadt jemals richtige Kämpfe gegen gut ausgebildete Soldaten ausgetragen hatte. Sie trainierten an Puppen und starren Trainingsgeräten. Niemand von ihnen hat auch nur einmal eine echte Schlacht miterlebt. Ich schon. Und genau das würde mein Vorteil sein.

Der Ork schlug mit seiner Axt geradewegs auf mich ein, doch konnte ich ohne Mühe mit einer Rolle zur Seite ausweichen und in der Drehung mit der Axt auf sein rechtes Bein zuschlagen. Es überraschte mich wenig, dass der Ork kaum Regung zeigte und er mit einem weiteren Hieb seine Waffe nach mir schwang. Doch er war generell zu langsam in seiner schweren Rüstung und der überaus klobigen Waffe. Gegen einen schnellen Krieger wie mich, der obendrein noch eine langjährige Ausbildung bei der Kaiserlichen Armee als Offizier genossen hatte, war seine einzige Chance mich zu überraschen und mit seiner ganzen Kraft niederzustrecken. Dafür jedoch war er nicht gut genug.

Ein weiteres Mal wich ich seinem Schlag aus, doch als ich dieses Mal hinter ihn gelangte, zielte ich mit der Klinge nicht gegen seine Beine, sondern gegen seinen unteren Rücken, der – im Gegensatz zum Rücken selbst – nur mit einem leichten Lederüberzug bedeckt ist. Der Schmerz muss überwältigend stark gewesen sein, als meine Kriegsaxt seine Haut durchschlug und seine Wirbelsäule an dieser Stelle spaltete. Er schrie laut auf, seine Beine gaben nach und er fiel längs auf den mit getrocknetem Blut besudelten Sandboden der Arena. Ich zog meine Axt aus der blutüberströmten Wunde und die Zuschauer schienen für einen Moment inne zu halten. Ihnen wurde scheinbar bewusst, dass in diesem Moment ein wehrloser Mann auf dem Boden lag und kurz davor war zu sterben. Dies jedoch befeuerte ihre Zurufe erneut und ich erlöste den armen Ork-Krieger von seinen Schmerzen.

Ohne mich weiter um das Publikum zu kümmern und mich im Ruhm feiern zu lassen verließ ich diesen Platz und lief durch die Tür in das Schlachthaus des blauen Teams zurück. An der großen Tränke wusch ich mir das Blut von der Klinge und der Rüstung ab. Du hast diesen Mann getötet. Mir war von Anfang an klar, dass dies zwangsläufig passieren musste und es ist mit Nichten so, dass ich noch niemals jemanden getötet hätte. Ich denke da nur an den Bürgerkrieg in Himmelsrand, der erst in rund 30 Jahren ausbrechen wird, an die Kalte Insel, an die dunkle Bruderschaft in Valenwald. Noch nie hat es mich wirklich derart gestört jemanden umgebracht zu haben. Doch dieses Mal war es anders. Es war weder im Krieg, noch war ich im Zwist mit diesem Mann. Ich kannte noch nicht einmal seinen Namen.

Unten wurde ich von Tyrr mit feierlicher Laune erwartet. „Großartig, Waldläuf … Bosmer. Hier habt ihr Eure Belohnung.“, rief Tyrr mir zu und gab mir einen kleinen, klirrenden Beutel mit meinen 50 Septimen darin. Das war ein Anfang, nur fehlen mir trotzdem noch 370 Gold, um mir den Vulkanglasbogen kaufen zu können. Und so bestritt ich an diesem Tag noch weitere 4 Kämpfe.

Einmal sogar musste ich gegen zwei Bosmer antreten. Eine von ihnen versuchte aus der Distanz mit Pfeil und Bogen zu treffen und die andere griff mit ihrem Stahlschwert direkt an. Ein Pfeil traf mich im Oberschenkel und riss mich zu Boden. Doch zum Glück war es mir dennoch möglich gegen die Schwertkämpferin anzutreten, ohne einen weiteren Schuss abzubekommen. Letzten Endes besiegte ich beide, ging siegreich zurück und nahm meine Belohnung. Doch mit dem Pfeil im Bein musste ich einen Tag aussetzen, nachdem mich der Heiler versorgt hatte.

In der Nacht schlief ich sehr unruhig. Zu wissen, dass ich einen Sprung in die Vergangenheit gemacht hatte, machte es nicht einfacher. Es war falsch hier zu sein und ich musste schnell wieder nach Hause. Alles, was ich in dieser Welt tat, würde die Zukunft verändern; zum Guten oder Schlechten.

Kaiserstadt, 19. der letzten Saat, 4Ä170


Am nächsten Morgen wachte ich mit Schmerzen im Bein auf, unfähig aufzustehen. Unter solchen Umständen war es mir unmöglich einen Kampf zu bestreiten. Ein weiterer Gladiator kam zu mir und setzte sich auf das Laken neben mich.
„Schmerzt Euer Bein immer noch?“, fragte er. Es war Orlak Gro-Tok. Der Ork kämpft nun seit mehreren Wochen mehrmals täglich um Ruhm und Ehre in der Arena. Er hat sich bereits ein kleines Haus in der Stadt gekauft und ist nah dran, der nächste Großmeister zu werden. Mit seinen beiden Kriegsäxten dürfte er der beste Krieger innerhalb dieser Mauern sein.
„Ja leider. Könntet ihr vielleicht den Heiler holen? Ich muss zumindest aufstehen und laufen können, um zu kämpfen.“ Er tat, um was ich ihn gebeten hatte und nur wenig später kam der aus Hochfels stammende Heiler. Dieser gab mir einen Trank zur schnelleren Genesung und sprach einen Heilzauber auf meinem Bein aus.

„Es sollte bald besser werden. Ich würde Euch allerdings empfehlen, heute Vormittag noch keinen Kampf anzutreten. Solltet Ihr danach schmerzfrei stehen und laufen können, könnt Ihr auch wieder in die Arena hoch.“ Gesagt, getan. Ich wartete bis zum Mittagessen und meldete mich anschließend bei Tyrr zum nächsten Kampf an. Auch wenn ich keine oder kaum mehr Schmerzen hatte, fiel mir das Laufen dennoch schwer und ich würde mich auf meine Schließkünste mit dem Bogen verlassen müssen.

„Also gut, Waldelf. Euer nächste Gegner ist ein flinker Dunkelelf. Er hat wie ihr nur eine leichte Rüstung, aber er ist eben sehr schnell auf den Beinen.“, warnte er mich und sah prüfend an mir herab. „Viel Glück.“ Dann ging ich den gebogenen Weg zur Arena empor. Hinter der Tür erwartete mich bereits das tosende Gejaule des Publikums und sobald wir die Gitterstäbe erreicht hatten, begann der Kommentator wieder eine seiner Reden zu schwingen.

„Seid Ihr bereit, diese beiden Gladiatoren gegeneinander kämpfen zu sehen? Der eine schnell wie der Blitz und der andere erlahmt durch seinen letzten Kampf.“ Die Rufe des Publikums wurden lauter und die Menge tobte sichtlich. Niemand mehr saß auf seinem Platz. Alle wollten diesen Kampf sehen.

Ich zückte meinen Bogen und nahm einen Pfeil aus dem Köcher. Der Dunkelelf würde versuchen meinen Pfeilen auszuweichen und so zu mir zu gelangen. Er wusste, dass ich ihm in einem direkten Kampf Auge um Auge unterlegen wäre. Selbst mit meinem Wissen und meinem Können würde ich große Probleme haben, ihm entgegenzutreten.
Dann senkten sich die Eisenstäbe und wir liefen in die Arena. Den Bogen bis zum Äußersten gespannt zielte ich auf den noch weit entfernten Mann. Ich atmete einmal lange ein und konzentrierte mich. Mein Blick war fest auf seine Brust fixiert. Dann ließ ich die Luft aus meiner Lunge entweichen und beruhigte meine Arme. Ich schoss den Pfeil durch die Luft und dieser erzeugte ein lautes und pfeifendes Geräusch. Der Dunkelelf konnte jedoch ausweichen und rannte nun im Zickzack auf mich zu. Mir schwand die Zeit.

Schnell zog ich einen weiteren Pfeil aus dem Köcher, spannte den Bogen und schoss erneut, doch auch dieses Mal verfehlte er sein Ziel. Mir blieb gerade noch Zeit einen letzten Pfeil abzuschießen. Einen letzten Versuch den Elf zu verletzen. Und auf einmal sah ich meine Chance.

Ich wartete bis er nur noch ein paar Schritte vor mir war und ging dann einen großen Schritt auf ihn zu. Auf diese Weise konnte ich ihn in seiner Schlagbewegung stören. Überrascht wich er aus und versuchte mir seitlich seinen Dolch in die Flanke zu rammen, doch bevor er dies tun konnte, nahm ich meinen Pfeil und stieß diesen ihm stattdessen frontal in seinen Bauch. Direkt darauf spannte ich den Bogen und schoss ihm einen weiteren Pfeil in die Brust, während er noch mit den Schmerzen zu kämpfen hatte.

Er fiel auf den sandigen Boden und lag regungslos dort. Mein Pfeil hatte ihn direkt ins Herz getroffen und unter ihm begann sich bereits eine große Blutlache zu bilden. „Der steht nicht mehr auf.“, dachte ich mir und verließ die Arena ein letztes Mal. Ich hatte nun genug Gold verdient, um mir den Vulcanglasbogen kaufen zu können und würde jetzt keinen Fuß mehr in das Schlachthaus setzen, wenn er nicht zwingend sein muss.

Ich nahm die Belohnung von Tyrr an, ging durch die Tür des Schlachthauses und auf direktem Weg in den Marktbezirk. Der Verkäufer begrüßte mich mit seinem fröhlichen Lächeln, wie ich es vor zwei Tagen bereits von ihm gewohnt war.
„Ich wusste, Ihr würdet wiederkommen.“ Natürlich wusste er das. Ich hatte es ja auch versprochen.

„Allerdings. Und ich würde den Bogen gern kaufen.“ Entschlossen betrat ich den Laden mit all seinen Waffen und Rüstungen und legte ohne lange zu verhandeln meinen Goldbeutel mit den 420 Septimen auf den Tisch zwischen uns. „Das ist Eure Bezahlung für den Bogen.“ Der Verkäufer nahm den Beutel an sich und holte den Bogen hinter seinem Tresen hervor. Da war er. Der Vulcanglasbogen. Eine der besten Fernkampfwaffen, die es zu kaufen gab. Die vielen Kämpfe hatten sich gelohnt und jetzt musste ich mein neues Ziel ins Auge fassen. Vireane.
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