I’ll find my way to you

GeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
DI Gregory Lestrade Dr. John Watson Mycroft Holmes Sherlock Holmes
01.05.2020
01.08.2020
11
8.762
4
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Dieses Kapitel
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18.07.2020 1.011
 
10 (B/P)ride

„An etwas Blauem wird es heute ganz sicher nicht mangeln“, grinste Molly, während sie den Vorgang wieder vor das bodentiefe Fenster zog und ihrer Observation beendete.

Sie sperrte die Sonnenstrahlen aus, die dem Meer an Gästen auf der Wiese vor dem Haus weiterhin gnadenlos auf den Kopf schienen.

Es war eine unerwartete Freundschaft gewesen und doch hatte sie dazu geführt, dass die Pathologin an diesem Tag als Vertraute der Braut fungierte, somit als Zeugin, Friseurin und Managerin auftrat, mit der sich auch eine Horde dekorierter Polizisten nicht anlegte.

„Fehlt nur noch etwas Neues“, fuhr sie fort, ihre imaginäre To-do-Liste aktualisierend.

Die Braut biss genüsslich in einen Donut, einem Klischee ihres Berufes, dem sie sich nicht zu entziehen versuchte. Die bunte Auswahl ihrer Favoriten stellte ein Geschenk ihres Zukünftigen dar. Das Schicksal hatte es gut mit ihr gemeint, sie sich ausgerechnet in einen Bäcker verliebt.

„Was ist mit dem Alten?“, fragte Sally, die nicht wie in jedem Liebesfilm in einem bodenlangen weißen Kleid, bewaffnet mit einen Glas Sekt und einer Horde hysterischer Brautjungfern im Rücken vor einem ausladenden Spiegel stand, um ihr Abbild zu bewundern.

Stattdessen hing die Jacke ihrer Uniform auf halb acht über einem Stuhl, sie selbst auf einem gemütlichen Sessel, die Beine über der Lehne baumelnd. Ihr Verlobter war der erste gewesen, der ihre Entscheidung bezüglich der Kleiderfrage unterstützte und der Einzige, der nicht danach fragen musste, warum sie nicht von einem Cinderella-Moment träumte.

„Neben dir auf dem Weg zum Altar“, grinste sie, den Wechsel von grauen zu weißen Haaren, ähnlich dem Farbwechsel der Blätter im Verlauf der Jahreszeiten, auf dem Kopf der Person kommentierend, die als Brautvater fungieren würde.

Sallys Eltern waren beide leider bereits verstorben.

„Das ist dann wohl mein Stichwort“, meinte Greg, der geräuschlos eine der großen Flügeltüren geöffnet hatte, um einzutreten.

Mollys allgegenwärtiges Grinsen verbreiterte sich ob seines pünktlichen Erscheinens. Greg war indes einfach schlau genug, sich an den Zeitplan seiner eigenen Frau zu halten.

Er trug ebenfalls Uniform, etwas das schon viele Jahre nicht mehr vorgekommen war, ihm heute aber durchaus angemessen erschien.

„Hey Boss“, strahlte Sally ihm entgegen, einladend auf die Schachtel mit den Donuts deutend.

„Das werden wir ja noch sehen“, murmelte er halblaut vor sich hin und schüttelte den Kopf.

Sie hatte sich ihre Sporen außerhalb von London, teilweise sogar fernab des Vereinigten Königreichs verdient, war gewachsen und dann wegen der Liebe zurückgekehrt, nachdem sie zuvor nicht viel Glück auf dem Gebiet vorweisen konnte.

Sally klärte die Fronten mit Sherlock und John, war dann Gregs Einladung gefolgt, wieder ein gemeinsames Ermittlerteam zu bilden. Er wusste nicht genau wie aber über die Jahre hatte sich die Anspannung ihres verkrampften aber bemüht höflichen Umgangs miteinander gelöst und auch wenn sie wohl nie Freunde werden würden, lernten sie, einander zu respektieren.

Greg selbst würde in den frühzeitigen Ruhestand gehen, während Sally ein neues Kapitel Yard-Geschichte schrieb. Er hatte in der Mitte der Karriereleiter verweilt, statt sie weiter nach oben zu klettern und somit die Chance gehabt Sherlock vor Ort im Auge zu behalten.

Sie sah ihn fragend an, doch er ging nicht darauf ein, baute sich stattdessen zu voller Größe vor ihr auf, im Versuch die Autorität zu vermitteln, die der Situation angemessen war. Auffällig umständlich fischte er eine kleine blaue unbeschriftete Box aus den Untiefen seiner linken Jackentasche. Sally blieb der nahe liegende Witz darüber, dass er zu spät sei, sie theoretisch bereits einen Ring am Finger hatte, der praktisch durch den Verlobungsklunker vertreten wurde, im Hals stecken.

„Still gestanden“, meinte Greg und folgte dann der eigenen Anweisung, was Sally dazu veranlasste sich in atemberaubender Geschwindigkeit kerzengerade vor ihm aufzustellen.

Er öffnete die Box in seiner Hand, nahm vorsichtig etwas hinaus.

„Ich gratuliere zur lang verdienten Beförderung und präsentiere Detective Chief Inspector Sally Ba-“

„Niemals“, verkündete Sally, wobei sie Greg rigoros das Wort abschnitt und vor Schreck über die eigene Reaktion eine Hand vor den Mund schlug.

Ihr Gegenüber wirkte verwirrt über diese Wende der Geschehnisse, die er nicht vorhersehen hatte. Sein entgeisterter Blick veranlasste sie zu einer längeren Erklärung.

„Ich werde Donovan beibehalten. Ich habe keine Brüder und somit würde der Name einfach aussterben und denkst du wirklich ich weiß nicht, wie die anderen mich hinter meinem Rücken nennen? Donut-Donovan oder DD, wenn ich in der Nähe bin. Schmeichelhaft. Wenn es ihnen aber auch nur ein kleines Bisschen dabei hilft mit dem Stress, dem wir täglich ausgesetzt sind, etwas besser umzugehen, ist es das doch auf jeden Fall wert. Meinst du nicht? Wer bin ich, da den Spielverderber zu geben und die schöne Alliteration kaputtzumachen.“

Ihre Kollegen würden die Kameradschaft untereinander in Zukunft noch weiter zu schätzen lernen, agierten sie doch sehr bald unter der Aufsicht von Sallys wachsamen Augen.

„Okay, dann also DCI Sally Donovan“, fuhr Greg mit einem stolzen Lächeln auf den Lippen fort, bevor er ihr die nagelneue Marke ansteckte.

Sie salutierten, warfen dann alle Formalitäten über Bord und fanden sich in einer herzlichen Umarmung wieder. Mollys blitzschneller Reaktion zum Dank war der Moment in einer Reihe von Bildern verewigt, die nun als stumme Zeugen herhielten.

„Den Wettpool bezüglich des Namens habe ich vor der Tür noch unter Anwendung von ehrlicher Polizeiarbeit konfisziert. Nehmt ihn einfach mit auf eure Hochzeitsreise oder keine Ahnung kauft euch einen Pool“, ließ Greg sie wissen, ein Bündel Scheine statt eines Kaninchens unter seinem Hut hervorzaubernd.

Ein Klopfen an der Tür informierte sie darüber, dass alles für den Einmarsch der Braut bereit war. Ein ihnen wohlbekannter Violinist gab sich die Ehre, die Braut musikalisch zum Altar zu begleiten. Greg war es ohnehin schon viele Jahre gewohnt nach dessen Pfeife zu tanzen.

Molly zupfte zwinkernd einen imaginären Schleier zurecht, half der Braut-to-be dann in ihre Jacke und reichte ihr die zeremonielle Kopfbedeckung. Die ersten Töne einer anschwellenden Melodie sorgten dafür, dass sich drei paar Füße automatisch in Bewegung setzten.

„Auf geht’s“, brachte Sally die Situation auf den Punkt.

„Zu Befehl, Boss“, lächelte Greg, hakte sich bei ihr unter und konzentrierte sich folgend darauf einen Fuß unfallfrei vor den anderen zu platzieren.
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