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Der Sperling und das Rotkehlchen

von Hyggelig
GeschichteLiebesgeschichte / P18
Captain Jack Sparrow Gibbs OC (Own Character)
30.04.2020
19.07.2020
7
14.955
2
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08.06.2020 3.309
 
Alte Bekannte



Jack Sparrow war kein Mann, den man so leicht überrumpeln konnte. Dafür war er zu lange auf See gewesen, zu viel gereist und hatte zu viele seltsame Menschen kennengelernt. Doch dieses Mädchen, das es anscheinend sehr eilig hatte, zur Frau zu werden, hatte es geschafft, sein Interesse zu wecken. Seitdem er Elizabeth Swann und Will Turner, den neuen Herrn der See, zurückgelassen hatte, hatte es nichts und niemand mehr geschafft, ihn solch simple Emotionen empfinden zu lassen wie Neugierde, die Freude am Lüften eines Geheimnisses oder gar so etwas wie Lust. Und in diesem Moment, das Mädchen auf ihm sitzend und an seiner Hose herumwerkelnd, deren Brüste durch ihre Bewegungen leicht auf und ab wippend, empfand er eine tiefere Begierde für das Mädchen als sein Körper auszuhalten vermochte. Auch sie schien dies zu begreifen, als sie die Regung in seinem Schritt ertastete.
Nur zu gerne würde er es tun, oder sogar sie tun lassen, um seine Triebe zu befriedigen. Sollte er sie einfach fassen, auf das Bett drücken und sie nehmen? Oder sollte er ihr mit seiner Hose helfen und sie den Rest erledigen lassen? Ihrem festen Blick nach zu urteilen hatte sie ihre Entscheidung längst gefällt, sie würde es zulassen. Aber konnte er es? Natürlich hatte er im vergangenen Jahr Frauen gehabt. Keine davon konnte ihn befriedigen. Er war nicht mehr derselbe Mann wie früher.
Vielleicht waren es die ungewöhnlichen Umstände, vielleicht waren es die Sommersprossen auf ihren Wangen, aber er erkannte die Schönheit dieses Mädchens bereits als sie unten mit der Dirne gesprochen hatte. Ihre braunen, zurückgesteckten Haare sahen aus wie Seide, doch wie fühlten sie sich an? Einem inneren Impuls nachgebend zog er ihr die Klammer aus dem Haar, das daraufhin wie ein Vorhang über eine Seite ihrer Schulter hinabfiel. Seine rauen Finger bahnten sich ihren Weg entlang dieser weichen Seide. Der Duft von Seife und Parfum umnebelte ihn. Erst, als er den Impuls verspürte, seine Hand in ihren Nacken zu legen, kam er wieder zu sich.
„Langsam, Milady“
Er schob sie etwas zurück und hinderte ihre Hände daran, seinen Schritt durch die Hose hindurch weiter zu stimulieren, ansonsten würde er nämlich früher oder später einknicken und nachgeben. Er musste wieder an ihre Worte denken. "Sorgt gefälligst dafür, dass es blutet"? Das hatte ihm bisher noch keine Frau befohlen. Nun ja, abgesehen von Mary in Myanmar, aber das zählte nicht.  
„Was immer ihr hier vorhabt, daraus wird nichts.“
Sie stöhnte frustriert auf und fuhr sich mit beiden Händen in die nun offenen Haare.
„Es liegt nicht an euch, es liegt an mir“, beharrte er mit einem schrägen, beinah entschuldigenden Grinsen.
Das Mädchen gab einen Laut von sich der an das Schreien eines Kätzchens erinnerte.
„Wenn ich gewusst hätte, dass ich von all ihren Kunden ausgerechnet den erwische, der kein Interesse an Frauen hat, dann hätte ich…!“
„Nein, nein, nein!“, beteuerte er, wild mit den Händen fuchtelnd, „ganz im Gegenteil! Ich würde nur allzu gerne wissen, was sich unter diesem Stoff verbirgt“, er berührte sacht den Ausschnitt ihres Unterkleides, „doch leider habe ich die starke Vermutung, dass eure Willigkeit nicht etwa daher rührt, dass ihr euch bei meinem Anblick die Kleider vom Leib reißen wollt, sondern daher, dass ihr eurem Ehemann entwischen möchtet“
Ein frustriertes Stöhnen später war sie aufgesprungen und tigerte im Raum auf und ab, tief in ihrem eigenen Kopf gefangen. Jack glaubte beinah sehen zu können, wie sie eine Idee nach der anderen abwägte, nur um sie daraufhin schnell wieder zu verwerfen. Irgendwann schien sie zu resignieren, schnappte sich die offene Flasche Rum, die neben dem Bett stand, ließ sich neben Jack nieder und setzte die Flasche an ihre Lippen. Aufmerksam beobachtete er wie ein Schluck nach dem anderen ihren Hals hinunterfloss. Im Trinken hatte sie jedenfalls Übung.
„Und ich dachte immer, Piraten nehmen sich was sie kriegen können.“ Sie schüttelte langsam den Kopf, den Blick stur geradeaus gerichtet.
„Piraten suchen sich ihren eigenen Vorteil. Sagen wir mal ich nehme mir jetzt tatsächlich, was ich kriegen kann… dann habe ich danach ein ziemliches Problem, nicht wahr? Eure Hände sehen nicht so aus als hätten sie jemals etwas anderes als einen goldenen Löffel gehalten, also seid ihr keine Magd. Und das Kleid, das ihr so achtlos abgeworfen habt, wie viel hat das wohl gekostet?“ Er hob es vom Boden auf und spielte mit der feinen Spitze des Saums. „Wer kann sich diesen Prunk leisten? Nur die großen Tiere der Royal Navy. Ihr seid also die Gattin eines hochrangigen Soldaten. Und ich kann wirklich keinen rachsüchtigen Ehemann auf meiner Fährte gebrauchen. Klar soweit?“
„Ich bin niemandes Gattin. Ich werde niemals heiraten, soviel ist sicher.“ Ein weiterer Schluck spülte ihre Kehle hinab. „Ehe ich morgen diesen Bund eingehe, ertränke ich mich. Das würde wenigstens ewige Ruhe bedeuten.“
Jacks Augenbrauen schossen in die Höhe. „Ah, also ist die Dame noch nicht verheiratet, das vereinfacht die Sache natürlich.“
Innerhalb eines Herzschlags hatte er ihr die Flasche abgenommen, ihren Oberkörper mit dem Unterarm nach hinten in die Kissen gedrückt und sich auf sie gesetzt. In einer Hand hielt er lässig den Rum, die andere lag auf dem Mädchen. Mit großen Augen starrte sie ihn an, als er sich leicht nach vorne beugte und ihr ins Ohr flüsterte: „Einem Piraten ein Angebot zu machen ist nur dann eine gute Idee, wenn man wirklich bereit dazu ist, es auch zu Ende zu bringen.“
Er besah sich jede Reaktion in ihrem Gesicht, doch außer Überraschung erkannte er nichts, nicht einmal Angst. Um seine Theorie zu testen schob er mit einer Hand ihr Unterkleid nach oben, dabei streifte er absichtlich mit seinen Fingerkuppen über die weiche Haut ihrer Waden und dann sogar über den Ansatz ihres Schenkels. Überraschung wandelte sich zu Entschlossenheit, sie sah ihm weiterhin in die Augen. Wie weit könnte er gehen, bevor sie ihn panisch von sich stieß? Frauen aus dem Adel bekamen von klein auf stets die schauderhaftesten Piratengeschichten erzählt. Unter keinen Umständen würde sich dieses Mädchen wirklich von einem Piraten entjungfern lassen. Sie würde schon noch einknicken und erkennen, dass das nicht ihr bester Einfall gewesen war.
Als er den letzten Tropfen Rum austrinken wollte, griff blitzartig eine kleine, zarte Hand danach und entriss sie ihm.
„Das steht ja wohl eher mir zu!“, protestierte sie ehe sie die Flasche in einem Zug leerte. Das Mädchen gefiel ihm immer besser, wie er amüsiert feststellen musste.
Die freigewordene Hand nutzte er nun dazu, um die schmalste Stelle ihrer Taille zu erkunden. Die andere schob weiterhin langsam, aber stetig ihren Rock nach oben. Er beobachtete jede ihrer Regungen ganz genau. Als er seine Fingerspitzen federleicht über die Haut ihres Dekolletés wandern ließ, schloss sie die Augen. Ein Schauer durchlief ihren Körper und so sehr er sich auch einreden wollte, er sei durch Lust entstanden, wusste er doch, dass es ein Schauer des Ekels gewesen war. Sie wollte ihn nicht. Sie wollte das hier nicht. Aber noch weniger als ihn wollte sie ihren zukünftigen Ehemann. Vermutlich glaubte sie, der feine Herr würde sie nicht mehr wollen, nachdem sie ihre Jungfräulichkeit an einen dahergelaufenen Piraten verloren hatte. Deshalb das Blut. Sie brauchte einen Beweis dafür. Cleveres Mädchen.
Um es noch ein wenig mehr auszureizen nestelte er am Bund seiner Hose, doch auch darauf reagierte sie weder mit einem Aufschrei noch mit anderem Gezeter. Tatsächlich wehrte sie sich kein bisschen, sie würde es wirklich über sich ergehen lassen. Etwas aus der Fassung gebracht starrte er auf sie hinab. Das Mädchen hatte Eier. Sie würde tun, was auch immer nötig war. Eine Welle des Respekts überschwemmte ihn.
Ein Knall erschütterte das ganze Haus. Ihre Augen flogen auf, ihr Körper drehte sich instinktiv Richtung Tür und eine starre Panik ergriff von ihr Besitz.
Ihre riesigen Augen hefteten sich augenblicklich wieder auf Jack.
„Los! Tut es endlich, ich flehe euch an, bitte!“ Das Ende ihres Satzes war eher ein Kreischen geworden, sie packte ihn bei den Schultern und zog ihn zu sich herab, ohne länger zu fackeln riss sie an seiner Hose und schob sie ein Stück herunter, bevor Jack auch nur reagieren konnte.
Versuchte sie gerade ihn zu vergewaltigen? Zählte das? Jack wusste es nicht genau, aber er wusste, dass er es nicht tun konnte. Erstens und hauptsächlich natürlich nur, um seinen eigenen Hals zu retten und zweitens, eher hintergründig auch deshalb, weil sie es den Rest ihres Lebens bereuen würde.
Mit einem kräftigen Ruck löste er sich von ihr und taumelte weg vom Bett. Als er die Verzweiflung in ihrem Blick registrierte zweifelte er daran, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Polternde Schritte drangen von den Treppen zu ihnen hoch.
Das Mädchen sprang auf, ihre Haare flogen dabei wild um ihr Gesicht, sie sah sich hektisch im Zimmer um, bis ihr Blick Jacks Schwert fixierte.
„Gebt es mir“, forderte sie ihn mit ausgestreckter Hand auf.
„Was habt ihr damit vor, Schätzchen? Euch umzubringen wird euch auch nicht nützen.“
Sie starrte eindringlich in seine Augen, dann bückte sie sich ungalant hinab zu ihrem Kleid und holte eine überraschend filigrane Pistole hervor. Zum ersten Mal bemerkte er das Grün ihrer Iris. Er glaubte, die See starre ihm direkt ins Herz, bevor er realisierte, was sie im Begriff war zu tun.
Sie richtete den Lauf nicht etwa auf sich selbst, sondern auf ihn, der daraufhin schlaksig die Arme in die Luft reckte. „Eine Lady will mich dafür erschießen, sie nicht angerührt zu haben. Es gibt ja für alles ein erstes Mal, nicht wahr?“, schmunzelte er.
„Gebt mir das Schwert“, erklang ihre Stimmer erneut mit Nachdruck. Er warf es ihr zu und sie schnappte sich problemlos den Schaft.
Ein weiteres Poltern und einzelne Wortfetzen waren von der anderen Seite der Tür zu vernehmen. Der Name „Margarete“ fiel mehrmals.
Jack hatte sich zu sehr ablenken lassen, denn als er sich wieder dem Mädchen zuwandte sah er nur noch, wie sie sein Schwert unter ihren Rock geschoben und zugestochen hatte, ihr Gesicht schmerzverzerrt. Entsetzt machte er einen Schritt auf sie zu. Erst, als sie das Schwert wieder hervorholte verstand er, dass sie sich in den Oberschenkel geschnitten hatte, nichts weiter. Sie warf ihm das Schwert wieder zu.
Ein zittriger Laut kam von ihren Lippen, ehe sie sich auf das Bett stürzte und versuchte, das dunkle Rinnsal, das an ihrem Bein hinablief, aufzufangen. Sie verteilte das Blut strategisch, sodass ihr Unterkleid sich langsam rot färbte, genau an der Stelle ihres Schritts. Auch das Bettlaken blieb nicht verschont.
Das ohrenbetäubende Krachen im nächsten Moment, gefolgt vom Zersplittern der Tür, ließ beide ihre Köpfe herumschnellen. Ein Mann, ein Rotrock, betrat das Zimmer. Jacks erste Reaktion war das Verbergen seines Schwertes.
„Miss Robin, was“, der Mann stockte, schockiert von dem Anblick, den man ihm bot. „Was habt ihr getan, Maggie?“ Ehrliches Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er war ein attraktiver Mann Mitte zwanzig. War das etwa ihr Verlobter? Er sah von Jack zu ihr hin und her, dann auf ihren blutgetränkten Unterleib. „Und dann auch noch mit einem Piraten?“
„Was für eine Wahl hatte ich denn, Christopher? Richards treues Weib zu werden? Ihm für immer gefügig und Untertan?“ Die Worte spuckte sie geradezu aus, so sehr widerte sie diese Vorstellung an.
„Maggie, Richard wird euch beide hängen lassen, versteht ihr das denn nicht? Ihr müsst von hier verschwinden, bevor er-“
Doch es war zu spät. Ein weiterer Mann, gekleidet in der Uniform eines Admirals, gefolgt von einem ganzen Geschwader anderer Rotröcke, schritt erhobenen Hauptes in den Raum. Margaret war aufgesprungen und auf die entgegengesetzte Seite des Raums zurückgewichen, Jack war das einzige, das sie und den Mann in Uniform voneinander trennte. Er überblickte die Szenerie recht schnell, sein Gesicht war keine Sekunde aus der Fassung geraten. Durch nur eine Handbewegung seinerseits traten zwei weitere Soldaten ein.
„Schließt die Tür“
Seine Stimme war tief und hatte einen angenehmen Klang, doch die Härte darin war so unerschütterlich, dass es Margarete graute. Selbst Jack trat einen Schritt zurück. Dass er die Tür schließen wollte konnte kein gutes Zeichen sein. Wollte er die beiden direkt hier und jetzt hinrichten und es danach wie einen Kampf aussehen lassen?
„Ich spüre hier eine leichte Spannung in der Luft“, setzte Jack an und wedelte mit seinen Händen herum, „aber ich möchte gleich klarstellen, dass es sich nur um ein großes Missverständnis handelt“
Er legte seine Hände wie zum Gebet aneinander, um fortzufahren, doch der Eindringling, ein Mann von gut sechzig Jahren, überging ihn einfach.
„Je mehr ihr euch sträubt, desto schlimmer fällt eure Strafe aus“
Noch immer keinerlei Regung auf seinem Gesicht, nicht einmal Wut. Nichts.
„Seht mich an!“, rief Margarete mit einem zufriedenen Ausdruck auf ihrem Gesicht, „Ich habe mich einem anderen hingegeben. Noch dazu einem Piraten! Meine Unschuld verloren. Ich bin nicht länger das Kind, das behütet fernab jeglicher Verführungen lebt. Ich habe eure Regeln gebrochen und ich werde dafür Sorge tragen, dass jeder auf dieser Insel davon erfährt, dass jeder erfährt, dass ich mich eher von einem Piraten habe schänden lassen als von euch!“
Ihre Stimme war verzerrt, ihre Glieder angespannt. Sie starrte ihn aus verengten Augen an.
„Mein Kind“, tadelt er sie reglos, „glaubst du denn wirklich, ich würde eine wie dich nicht zähmen können? Konzepte wie Unschuld bedeuten mir nichts. Du magst dich zwar dagegen sträuben, doch eines Tages wirst du mir dankbar dafür sein, dich nach all deinen Eskapaden noch geheiratet zu haben. Was für ein Ehemann wäre ich denn, wenn ich dir nach dieser Schande auch noch das schenken würde, wonach du dich so sehnst, die Freiheit? Oder gar den Tod? Deine Erziehung ist nun mir übertragen und früher oder später wirst du dich mir fügen, egal welche Mittel ich dafür aufwenden muss. Und wenn ich jeden Strick und jedes Messer aus deinen Gemächern entfernen lassen, jedes Fenster zumauern und jede Tür abschließen muss, um deinen Geist zu brechen.“
Einige Momente verstrichen, in denen niemand sich rührte.
Jack jedoch durchbrach die Stille sogleich wieder: „Aber das wird ja gar nicht nötig sein, denn eigentlich ist ja nichts passiert! Ich habe sie nicht angerührt, Ehrenwort!“ Die zum Schwur erhobene Hand erinnerte an die eines Kindes, ebenso wie sein treuer Augenaufschlag, doch der Admiral würdigte ihn nicht einmal eines Blickes.
„Tötet den Piraten“, kommandierte er seine Männer.
„Sind wir da nicht etwas zu voreilig?“, warf Jack beschwichtigend ein, doch als der erste Soldat auf ihn zustürmte, zog er sein Schwert und parierte dessen Schläge. Er wich nach hinten aus, in Richtung des Mädchens, das einem Nervenzusammenbruch nahe war. Der junge Soldat, Christopher, beobachtete das Geschehen nur mit zusammengepressten Lippen und gesenkten Brauen, so als würde die Situation ihm selbst körperliche Schmerzen bereiten.
„Die Sache lässt sich doch viel besser klären bei ein paar Gläschen Rum?“, versuchte Jack immer noch, zu argumentieren, „Denkt ihr nicht, dass unsere gute Maggie hier vielleicht…“
„Schneidet ihm die Kehle durch!“, unterbrach der Admiral seinen Vortrag, wodurch auch die anderen Männer vortraten, um sich Jack zu stellen. Das Mädchen hatte sich augenscheinlich aus ihrer Starre lösen können. Sie griff geistesgegenwärtig nach der Rumflasche auf dem Boden und schlug sie am Bettpfosten kaputt.  Den Flaschenhals umklammert, stellte sie sich neben Jack.
Ihr war sehr wohl bewusst, dass eine Flasche nicht viel ausrichten konnte, doch sie würde nicht nur tatenlos herumstehen.
„Selbst ihr richtet euer Schwert auf mich?“
Ihre Worte richteten sich an den jungen Mann, der ein so gequältes Gesicht zog als stünde er in Flammen, ließ den Arm jedoch nicht sinken.
Als die Männer angriffen, verteidigte sich Jack geschickt, wand sich unter dem Arm des einen hindurch und stach präzise auf den anderen ein, doch es waren zu viele, um den Kampf zu gewinnen. Selbst das Mädchen hatte einen Mann mit seiner eigenen Waffe niederstrecken können, ohne dabei die Flasche aus der Hand zu legen.
Der Admiral stand nur da, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, ohne Bedenken das Schlachtfeld im Blick behaltend. Er schien auf etwas zu warten, doch auf was wurde Margarete erst klar, als er plötzlich sein Schwert zog und es an Christophers Hals setzte.
Jede Bewegung stoppte abrupt. Alle Kämpfenden schienen wie Eisstatuen einzufrieren.
„Gib dich geschlagen oder sei verantwortlich für seinen Tod.“
Die Rumflasche fiel zu Boden, Glassplitter verteilten sich überall im Raum.
In ihrem Kopf raste es, auch Jack schielte unschlüssig zu ihr hinüber.
Sie fühlte ihren eigenen Herzschlag im Inneren ihres Schädels.
„Du wirst mich morgen ehelichen, ganz gleich, was du dir von dieser Szene erhofft hast. Gib auf oder wir werden danach noch einer Beerdigung beiwohnen müssen. So oder so wirst du mir nicht entgehen.“
Jegliche Farbe wich aus ihrem Gesicht. Keiner der Soldaten regte sich, sie schienen bereits an die  Skrupellosigkeit ihres Admirals gewöhnt zu sein.
Resignation breitete sich langsam in ihrem Körper aus. Die zuvor angespannten Schultern sackten herab, die geballten Fäuste lockerten sich, selbst ihre Haltung wurde gekrümmter. Als ihr Kopf langsam auf ihre Brust sank, war jedem klar, wer diesen Kampf gewonnen hatte.
Einen Fuß setzte sie vor den anderen, gemächlich, als sei sie auf dem Weg zu ihrer eigenen Hinrichtung.
Fieberhaft überlegte sich Jack, wie er dieser Situation entkommen, sich selbst und eventuell auch ihr das Leben retten könnte. Doch wie es aussah würde es diesmal schon schwer genug werden, seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, da konnte er nicht auch noch ein Anhängsel gebrauchen. Trotzdem fühlte er eine Art Verbundenheit zu diesem Mädchen, das sich opfern wollte, um ihren Freund zu retten. Ein Admiral, der seine eigenen Soldaten als Pfand eintauschte, verdiente diesen Titel nicht.
Und da sagte man immer, Piraten seien die Halunken.
Doch welche Konsequenzen gäbe es schon für den Admiral. Welcher seiner Soldaten würde sich freiwillig gegen ihn stellen. Das Risiko war zu hoch. Sollte er den Jungen tatsächlich töten, würden sie es vermutlich Jack selbst in die Schuhe schieben, dem Piratenschurken, der praktischerweise im Raum gewesen war.
Nur noch wenige Schritte bis sie Richard erreichen würde. Den Blick noch immer gesenkt, jegliches Leben aus ihr gewichen.
Abrupt bückte sie sich und griff nach ihrem blutbeschmierten Brautkleid, das auf dem Boden lag. Der Überraschungseffekt war auf ihrer Seite, denn noch bevor irgendeiner der Männer reagieren konnte, hatte sie nach der Pistole unter ihrem Brautkleid gegriffen und sie auf den Admiral gerichtet.
Dessen Lippen verzogen sich kaum sichtbar zu etwas, das einem Lächeln ähnelte, doch noch bevor er zum Sprechen ansetzen konnte, löste sich ein Schuss aus der Pistole.
Die Kugel war zu schnell, um sie zu sehen. Einen Herzschlag später breitete sich etwas Dunkles auf der Brust des Admirals aus.
Jack zögerte keine Sekunde länger, stieß zwei der abgelenkten Männer aufeinander, sodass sie zu Boden stürzten und rammte den Knauf seines Schwerts durch das Fenster. Margarete erwachte durch das Klirren der Scherben zu neuem Leben und rannte auf den Piraten zu, welcher sich gerade das Bettlaken schnappte, es um den schweren Bettpfosten warf und nun beide Enden in den Händen hielt. Ohne darüber nachzudenken schlang er den Arm um ihre Taille und sprang.
Margarete schrie nicht und behielt die Augen offen während des Falls. Sie klammerte sich an den Mann, der ihr keine Stunde zuvor noch wie ein Schurke vorgekommen war, sich nun aber als ihr einziger Verbündeter herausgestellt hatte.
Als das Laken sich gestrafft hatte, ließ der Pirat es los. Sie stürzten noch wenige Meter in die Tiefe, ehe sie relativ unbeschadet auf dem harten Pflaster der Gasse aufkamen.
Er rannte los, sie stürmte ihm blindlings hinterher. In welche andere Richtung sollte sie schon fliehen? Sie hatte heute alles verloren. Ihre Familie, ihr Zuhause, ihren engsten Freund.
Doch eine einzige, essentielle Sache hatte sie an diesem Tag zurückgewonnen: ihre Freiheit.


AN: Da ich leider einfach nicht damit klarkomme in Präsens zu schreiben und mich währenddessen immer wieder selbst ermahnen muss, nicht wieder ins Präteritum zu verfallen, habe ich dieses Experiment jetzt aufgegeben und werde diese Geschichte deshalb im Präteritum weiterschreiben. Das war wohl nichts :D
Nächste Woche werde ich das nächste Kapitel online stellen. Lieben Dank an alle Reviewer, euren Input schätze ich sehr!
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