Des Rätsels Lösung

von Ririchiyo
GeschichteFamilie / P12
Elijah Kamski Gavin Reed RK900
30.04.2020
31.08.2020
15
16.349
4
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
30.04.2020 1.800
 
AN: Dies ist ein Beitrag zum Wettbewerb „Die Suche nach der Lösung“ von Mufterling, wobei diese kleine Geschichte vermutlich im gleichen Universum spielt wie „Rätsel-Wetten“, was damals mein Beitrag zum ersten Wettbewerb dieser Art war.



Rätsel 1


Reed seufzte, und griff nach seiner Kaffeetasse. Doch als er sie zu seinem Mund führte, und einen Schluck trinken wollte, war sie leer. Schon wieder?! Er hatte doch gerade eben erst Kaffee gekocht! Konnte dieser Tag eigentlich noch schlimmer werden? Nicht nur, dass er jetzt schon den siebten Tag diese Woche Überstunden machte, weil Connor und Hank zu blöd waren, ihre Fälle alleine zu klären – ehrlich, warum musste er jetzt auch noch Androiden-Fälle lösen, er hatte ehrlich besseres zu tun, egal ob er einen Androiden als Partner  hatte, oder nicht! –, jetzt hatte er auch noch Nachtschicht, und durfte Papierkram durchgehen. Konnte sein Alltag eigentlich noch langweiliger werden?
    „Hey, Blechbüchse, waru-“ Er brach ab, als er den Kopf in Richtung von Nines‘ Tisch drehte, und der Android nicht da war. So viel dazu, dass sie diesen Papierkram gemeinsam erledigten. Wo war der denn jetzt schon wieder? Wenn irgendwer hier alleine den Papierkram machen könnte, dann ja wohl der Android, immerhin brauchte der nicht mal richtig Schlaf!
    Er verzog das Gesicht, und erhob sich schließlich selbst. Sollte sein Papierkram doch sehen, wo er blieb. Ohne mehr Kaffee würde er bestimmt kein einziges weiteres Wort schreiben oder lesen. Immerhin hieß das eine kurze Pause. Und er war gerne bereit, eine Pause einzulegen. Gerne auch eine sehr lange.
    An der Kaffeekanne angekommen, war diese natürlich ebenfalls leer. Was hatte er auch anderes erwartet? Konnte in diesem Polizeirevier denn niemand Kaffee wenigstens so kochen, dass immer welcher da war?!
    Er lehnte sich gegen die Arbeitsfläche, während die Kaffeemaschine ihre Arbeit machte, und schloss  für einen Moment die Augen. Er wollte, dass diese verdammte Woche endlich endete. Oder besser der Monat. Ob sein Papierkram sich auflöste, wenn er einfach nicht zurückging? Schön wäre es. Aber so, wie er das kannte, würde es wohl nur mehr werden … so, wie das immer mit Arbeit war, wenn man sie liegen ließ.
    Neben ihm verkündete die Kaffeemaschine leise, dass sie jetzt fertig war, und Reed dachte ehrlich darüber nach, einfach nicht die Augen zu öffnen. Vielleicht konnte er sich einfach hier auf den Boden setzten, oder  vielleicht sogar an den Tisch, und erst mal eine Runde schlafen, und niemand würde mitbekommen, dass … aber ja, wem machte er eigentlich etwas vor? Natürlich wäre das dann der Moment, in dem Nines auf magische Art und Weise wieder auftauchen würde, und … vermutlich keine gute Idee.
    Also unterdrückte er das Bedürfnis, laut zu seufzen, und machte sich daran, den frischen Kaffee in seine Tasse zu fühlen. Der erste Schluck tat nicht viel, um ihn wacher zu machen, aber was nicht war, konnte ja noch werden. Und das würde es hoffentlich auch.
    Er schleppte sich zurück zu seinem Tisch, stellte seine Tasse wieder an ihren Platz, und wandte sich erneut seinem Computer zu. Natürlich war der Papierkram nicht weniger geworden. Im Gegenteil. Ein kleines rotes Symbol am unteren Rand seines Bildschirmes zeigte ihm eine neue Nachricht an. Noch mehr Zeug, das er bearbeiten sollte? Gab es denn niemand anderen hier, der auch was übernehmen konnte? Und überhaupt, wo war Nines? Warum war dieser verdammte Roboter immer noch weg?!
    Aber da konnte er wohl nicht wirklich etwas tun.
    Mit einem lauten Seufzen gab er sich geschlagen, und öffnete die Nachricht.
    Huh? Was war das denn? Das war bestimmt keine neue Information für irgendetwas. Auf jeden Fall nichts, dass er irgendwo einsortieren oder abheften konnte. Und der Absender sagte ihm gar nichts. Keine Mail hier aus dem Polizeirevier also. Merkwürdig.
    Er sah sich wieder um, aber Nines war noch immer nirgendwo zu sehen. Nur Wilson entdeckte er am anderen Ende des Raumes, aber sonst niemanden.
    Na gut, dann musste er die Mail eben einfach so öffnen. Und wehe, Nines hielt ihm später Vorträge darüber, dass man nicht einfach so irgendwelche unbekannten Mails öffnen sollte. Wäre er hier gewesen, hätte er ihn ja aufhalten können!
    Wobei er schon zugeben musste, dass er bei dem Betreff kurz zögerte. ‚Lust auf ein kleines Spiel?‘ Was sollte das denn heißen? Wollte sich jemand mit der Polizei anlegen? Irgendwelche Herausforderungen? Einer dieser Wahnsinnigen, die immer glaubten, dass sie jedem einen Schritt voraus waren, und die das auch beweisen wollten?
    Eventuell nichts, was er einfach so auf die leichte Schulter nehmen und ignorieren sollte, nur für den Fall.
    Also öffnete er die Mail, auch trotz des schlechten Gefühls und … was genau dachte wer auch immer sich eigentlich dabei?
    ‚Jedes Feld eines 5×5-Schachbrettes ist mit einem Springer besetzt. Alle 25 Springer sollen gleichzeitig einen für sie erlaubten Spielzug machen, sodass anschließend auf jedem Feld wieder eine Figur steht. Wie viele Möglichkeiten gibt es dafür?‘
    Was? Also das war keine übliche Nachricht von irgendeinem Psychopathen oder Ähnlichem. Das klang weder nach einer Warnung, noch nach einer Drohung, noch … nach irgendetwas anderem, mit dem er etwas anfangen konnte. Warum schickte ihm jemand so etwas? Was sollte er damit? Dafür hatte er wirklich keine Zeit. Er hatte auch so schon genug damit zu tun, alles unter Kontrolle zu bekommen, was sich bei ihm angesammelt hatte, und jetzt schickte ihm auch noch irgendwer Rätsel? Als ob er sich damit jetzt auch noch beschäftigen konnte! Und dann war es noch nicht einmal-
    „Ist alles okay bei Ihnen, Detective?“ An seinem Nachbartisch wurde ein Stuhl zurechtgerückt, und Reed sah auf.
    „Wo warst du?“ Von sich selbst war er es ja gewohnt, dass er versuchte, sich vor der Arbeit zu drücken, aber Nines? Der war doch normalerweise immer begeistert, wenn er irgendwas nützliches-
    „Ich hatte etwas mit Connor zu besprechen.“ Natürlich hatte er das. Was auch sonst? „Ist etwas vorgefallen, während ich weg war?“ Der Android neigte den Kopf zur Seite, und sah Reed aufmerksam an.
    Der seufzte. „Nein.“ Was genau sollte er darauf auch antworten. „Nur eine komische Mail, mehr nicht.“
    Nines bewegte sich keinen Millimeter, aber das LED an seiner Stirn wechselte für einige Sekunden die Farbe. Warum war er das Ding eigentlich noch nicht losgeworden? Connor auch nicht. Es war irgendwie merkwürdig, das LED immer noch andauernd vor sich zu haben … andererseits war es eine Sache, bei der Reed nicht mit Umstellungen leben musste, und es half ihm, den Roboter besser einschätzen zu können. Meistens. Jetzt gerade sagte ihm die geänderte Farbe rein gar nichts. Was genau tat-
    „Keine.“ Nines blinzelte, und setzte sich wieder gerade hin, eher Reed ein kleines Lächeln zuwarf.
    „Bitte?“ Wovon sprach er da? Was keine? Warum- Moment! „Hast du gerade meine Mails gelesen?!“ War daher das Leuchten gekommen? Weil er sich in Reeds Mailkonto gehackt und dort herumgestöbert hatte?!
    „Sie hatten darauf hingewiesen, dass Ihnen eine merkwürdige Mail-“
    „Ja!“, unterbrach Reed ihn. „Aber das heißt nicht, dass du anfangen sollst, meine Mails zu untersuchen! Schon mal was von Privatsphäre gehört?!“ Also echt!
    „Ich dachte nur, Sie hätten vielleicht gerne die Antwort zu Ihrem Rätsel.“
    Oh bitte. „Ich kenne die Antwort zum Rätsel.“ Immerhin war es offensichtlich, dass es keine Möglichkeiten dafür gab! 25 Felder hieß je 13 und 12 weiße, und ein Springer musste nach seinem Zug immer auf der anderen Farbe landen, und für die dreizehnte Figur gab es kein entsprechendes Feld, also war es unmöglich, die Figuren so ziehen zu- Aber darum ging es ja auch überhaupt nicht!
    „Warum haben Sie sich dann über die Mail beschwert.“
    Oh Gott. Für einen Androiden war Nines wirklich manchmal zu dumm. „Ich habe mich nicht beschwert, sondern dich lediglich auf die Mail hingewiesen, weil du gefragt hast. Und die Mail ist nicht wegen dem Rätsel komisch-“ Wobei, doch, das eventuell auch, aber das war nicht das größte Problem daran. „-sondern weil ich nicht weiß, wer sie geschrieben hat!“ Wenn er das wüsste, wäre es sicher um einiges leichter, auch das Rätsel einzuordnen, also-
    „In diesem Fall kann ich Ihnen eventuell behilflich sein.“ Nines lächelte wieder, und Reed verdrehte die Augen, als das LED erneut gelb zu leuchten begann. Versuchte Nines wirklich gerade, die Daten zu verarbeiten und zurückzuverfolgen, damit er herausbekam, woher die Mail kam? Das  würde doch Stunden- Oder auch nicht.
    Nines blinzelte wieder. „Ich fürchte, ich bin nicht in der Lage, genau herauszufinden, woher die Mail kommt, oder wer sie geschickt hat, aber ich konnte zurückverfolgen, dass sie über Cyberlife nach hier weitergeleitet worden ist, also-“ Der Android brach ab, als Reed laut seufzte und die Augen verdrehte.
    „Also ist es vermutlich ziemlich sicher, anzunehmen, dass die Nachricht von Elijah kommt“, beendete er den Satz selbst. „Schon klar.“ Was auch sonst? Warum genau war er darauf nicht sofort gekommen? Wer sonst schickte ihm dumme Rätsel?
    Er wandte sich wieder seinem Rechner zu, und schloss das Mailprogramm. Darauf würde er jetzt bestimmt nicht antworten. Vielleicht morgen oder so. Oder nächste Woche. Oder vielleicht auch nie. Auf jeden Fall nicht jetzt.
    „Haben Sie sich wieder mit  ihm gestritten?“
    „Nein.“ Er schnaubte. Er hatte jetzt einfach weder Kraft noch Zeit dafür, so einfach war das. „Und selbst wenn, wüsste ich nicht, was es dich angehen sollte.“ Er schüttelte den Kopf, und öffnete wieder eine der zahlreichen digitalen Akten, die noch immer auf Vervollständigung warteten. Davon gab es einfach viel zu viele. Wie sollte er das denn jemals schaffen?
    Er griff nach seiner Kaffeetasse, und nahm einen großen Schluck.
    Dann sah er zu Nines hinüber, der ihn noch immer aufmerksam ansah. Wobei gerade wirklich nicht der Zeitpunkt dafür war. „Wie wäre es, wenn du auch mal mithilfst?“, wollte er wissen.
    Nines nickte nur einmal knapp. „Sicher“, bestätigte er, wobei er erstaunlich gut gelaunt klang. Wie kam es, dass er auch bei all diesem Chaos offensichtlich noch Spaß daran hatte? Oder es ihn wenigstens nicht störte? „Möchten Sie mir vielleicht einige Ihrer Fälle überlassen, damit es schneller geht?“
    Und zu jedem anderen Zeitpunkt hätte Reed Nines dafür verflucht, dass dieser offenbar der Meinung war, die Arbeit schneller als Reed machen zu können – warum sonst wollte er noch mehr Fälle übernehmen, als ohnehin schon? –, und sich schon alleine deswegen aus Protest geweigert, diese Hilfe anzunehmen, aber nach sieben Tagen, die er beinahe nur mit dem nötigsten an Schlaf überstanden hatte, war er eigentlich nur noch dankbar für die Unterstützung. Er wollte endlich ins Bett, und endlich mal so richtig frei haben!
Review schreiben