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Warum habe ich nicht auf dich gehört?

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Therion Tressa
29.04.2020
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„Ich kann auf mich selbst aufpassen. Verzieh dich.“ Schulterzuckend entfernte sich Therion von Tressa. Die junge Händlerin fluchte weiterhin vor sich hin und rappelte sich vom Boden hoch. Die anderen der bunt zusammengewürfelten Gruppe kümmerten sich um die Angreifer. Die Froschwesen liessen sich dieses Mal nicht verscheuchen oder von H'aanit beruhigen. Es waren gefährliche Zeiten angebrochen. Doch dies war in diesem Moment nicht das Problem der Reisenden.
„Tress! Weg da!“ Im letzten Augenblick zog Alfyn die junge Frau weg. Laut zischte das froschige Wesen vor Wut, da er Tressa nicht getroffen hatte. Seine Augen huschten zu Alfyn. Tressa, die sich kurz ihrem Retter dankte, suchte nach ihren momentanen Rivalen. Und dies waren nicht die amphibischen Kreaturen.
„Von Dieben und anderem Gesindel brauche ich, Tressa Colzione, keine Hilfe!“ Unbeeindruckt erwiderte Therion: „Das nächste Mal lasse ich dich sterben.“ Alfyn, der sich im selben Augenblick einen Ringkampf mit einem Gegner lieferte, schrie: „Verdammt nochmal, redet später! Diese Bastarde wollen jetzt eins auf Maul.“


Schnurrend liess sich Linde, H'aanits tierische Begleiterin, von der Händlerin streicheln. Abseits sitzend dachte Tressa über das Geschehene nach. Der Streit ist nicht nur wegen des überraschenden Angriffes eskaliert. Nach dem Kampf bekam sie eine Standpauke von Cyrus und Ophilia. Dies war verständlich und nicht der Grund, weshalb sie vorübergehend nicht am Lagerfeuer sass. Im Augenblick konnte Tressa nicht in der Nähe eines Diebes sein. Langsam legte sich Linde hin und starrte ins Gebüsch. H'aanit gab dem Schneeleopard stumm ein Zeichen, das sie bei Tressa bleiben soll.


~~~



Geschäftig liefen die Leute hin und her. Heute war Markttag in der Stadt, die für seine grosse Arena bekannt und geliebt war. Olberic, der hier eine kleine Berühmtheit war, versuchte sich unauffällig zu benehmen. Er war erleichtert, dass dies gelang. Die Gruppe setzte sich in ein Wirtshaus. Primrose zog die Blicke der Anwesenden auf sich, besonders die der Männer. Ophilia sprach einige Worte mit dem Wirt, der die Augenbraue mürrisch wegen des Schneeleoparden hob. Alfyn winkte seine Freunde zu sich, wild mit der anderen Hand auf einen dunkeln Holztisch klopfend. Breit grinsend setzte er sich hin und legte eine Karte auf den Tisch. Nachdem jeder einen Platz gefunden hatte, ergriff Cyrus das Wort: „Meine geschätzten Verbündeten und Mitreisenden, wir sollten unsere nächsten Schritte mit Bedacht wählen.“ Zustimmend nickte Olberic und ergänzte: „In der Tat. Doch mich dünkt, es müssen noch Wichtiges besprochen werden.“


Der frische Wind tat Tressa richtig gut. Mit schnellen Schritten lief sie durch den Markt und beobachtete das fröhliche Treiben. Es erinnerte sie an ihre Heimat. Bei einem Marktstand mit Fischen und Meerestieren blieb sie stehen. Der Verkäufer musterte Tressa mit freundlichem Interesse.
„Junges Fräulein, du kennst dich mit Fischen aus.“
„Gut erkannt! Mir macht niemand was vor. Ob bei Fischen oder anderen Gegenständen. Mein Herr, ich würde Ihnen raten, die Krabben zusammen mit diesem Wein …“, geschwind griff die junge Frau in ihre Tasche und zog eine kleine Flasche heraus“, … zu verkaufen.“
Der ältere Mann legte den Kopf schief. Er kannte diesen Wein. Doch wie kam die Kleine zu einem Exemplar? Vielleicht könnte sie …?



Leise gähnte Ophilia. Die Besprechung ging länger als gedacht. Sie konnte verstehen, dass Tressa und Therion sich die Füsse vertreten gingen. Sie dachte sich schon, dass Tressa den Markt nicht versäumen wollte. Ein kleines Lächeln huschte der Klerikerin über das Gesicht und sie dankte ihrem Gott Aelfric, für seinen Schutz. Primrose streckte sich und murmelte: „Es wäre an der Zeit, sich zu entscheiden. Ziehen wir weiter oder ruhen uns aus.“ Bevor einer ihrer Gefährten reagieren oder sie die Frage lauter stellen konnte, platzte die Händlerin, wild mit einer alten Karte wedelt, in die Runde.
Das Fluchen des Wirtes ignorierend. Sie stiess einen Stammgast um, der sich lautstark über die dumme Gans beschwerte.
„Wer möchte mir helfen, einem ergrauten Weltenbummler einen Herzenswunsch zu erfüllen?“, fragte die Hinzugekommene hastig. Da niemand augenblicklich reagierte, knallte sie die vergilbte Karte auf den überfüllten Tisch. Aufgeregt erzählte Tressa um was der Händler bat. Oder versuchte es, da sie begeistert von seiner Lebensgeschichte war.

Seine Kindheit verbrachte er als Sohn eines reissenden Trödlers. Später war er Schiffsjunge auf einem Handelsschiff, bis er sein Glück als Schätzjäger versuchte. Da traf er ein Mädchen, schöner als jede Kostbarkeit. Sie trafen sich heimlich und er wollte sie mitnehmen in seine Heimat. Das Schicksal war jedoch gegen das junge Liebespaar. Vor Kummer nahm sie sich das Leben und er reiste wieder zurück.
„Meine Liebe, wir wären dir Höchstverbunden, wenn du die Güte hättest, zum wichtigen Teil deiner Erzählung zukommen.“
„Der Professor hat dieses Mal recht. Tressa, was ist das für eine Karte?“

Tressa holte tief Luft. Ertappt entschuldigte sie sich, nicht ohne Therion einen bösen Blick zuzuwerfen. Cyrus, der sie ebenso unterbrach, bemerkte dies und wollte dazu was anmerken. Primrose verhinderte dies auf anmutige Art. „Sag nichts“, flüsterte die Tänzerin direkt in Cyrus Ohr.
Die Händlerin bemerkte das nicht. Gerade überzeugte sie Ophilia bei der Aktion mitzumachen. Auch Olberic stimmte zu, als Begleiter mitzukommen.
„Warum willst du einem dir Unbekannten einen solchen Gefallen tun?“
„DIR erkläre ich dies mit Sicherheit nicht!“
Therion schwieg, während er auf die Karte schaute. Eine richtige Antwort erwartete er nicht und da er keine Kinderfrau war, konnte jeder der Gruppe tun, was ihm in den Sinn kam. Ohne ein Wort zu sagen, verliess er das Wirtshaus.
„Dieser … dieser …“, Tressa suchte ein Begriff, was ihre Verachtung genug beschrieb, ohne zu unanständig zu klingen. Primrose, die sich nun köstlich amüsierte, legte eine Hand auf die Wange der jungen Frau. „Auch ich werde dich begleiten. Mit Ophilia und Olberic werden wir siegreich sein.“


~~~



Die Schatzkiste war zum Greifen nahe. Vorsichtig guckte Tressa über eine spärliche Felswand, die wie ein natürliches Gatter den Abgrund zäumte. Wenn die Karte stimmte, und Tressa zweifelte keinen Augenblick daran, lag der Schatz tief versteckt unter einem Steinhaufen. Sie könnte hinab flitzen, im Steinhaufen wühlen und dem alten Mann die Erinnerung an seine alte Liebe zurückbringen.
Wäre da nicht das Untier.

„Oh, H'aanit könnte uns in dieser Situation mit Sicherheit helfen“, sprach die Klerikerin und lugte zwischen dem Steinhaufen, den schmalen steinigen Weg und dem dösenden Untier hin und her. Primrose runzelte die Stirn. In ihrem Kopf begann sich Stück für Stück eine Erkenntnis aufzudecken, welche der Händlerin nicht gefallen würde. Ein leises Therion hauchte die Frau und ein wissendes Lächeln zierte ihr Gesicht. Auf die unausgesprochene Frage Ophilias erwiderte Primrose: „Es wird sich bestimmt im passenden Augenblick aufklären.“
Ungeduldig trippelte Tressa hin und her. Versprochen ist versprochen! Diese Schatzkiste war nicht alleine wegen seines Inhaltes wertvoll. Die Goldmünzen und Schmuckstücke besassen gewiss einen hohen Wert.
Sie brachte mir das Geschmeide ihrer Ahnen und das Mitgift. Ja, kleine Dame. Das Mitgift von ihrer Verlobung. Versprochen war sie und doch entflammte unsere Liebe.
Von plötzlicher Entschlossenheit beseelt, winkte die Händlerin ihre mitgekommenen Gefährten zu sich. „Primrose, du kannst doch bestimmt diese gigantische Echse ablenken. Der Kerl sieht nicht gerade als aus, als wäre flink.“ Die Tänzerin nickte. „Bitte geh nicht alleine. Lass mich dich begleiten.“ Ophilia legte eine Hand auf Primroses Schultern, bevor sie ernst zu Tressa sah. „Du möchtest dein Wort halten und das ehrt dich. Aber überstürze deine Schritte nicht.“ Das die Händlerin sich und jemand anderem der achter Gruppe nichts Beweisen musste, verschwieg Ophilia lieber.
„Ich weiss, ich weiss. Keine Sorge Phili.“ Langsam wurde Tressa ein wenig wütend. Sie fühlte sich nicht ernst genommen. Der bis jetzt schweigende Olberic räusperte sich. „Das Untier kann ich alleine auf Trab halten. Ihr sucht den dem verschollen Kästchen.“
Obwohl Tressa einen anderen Plan geschmiedet hatte, stimmte sie zu. Sie wollte diese Sache schnell hinter sich bringen. Ausserdem war es wirklich kalt in der Höhle.


~~~



Für diesen Moment hat sich die ganze Mühe gelohnt. Die Augen des ergrauten Abenteuers weiteten sich, ein ungläubiges Lachen erklang. „Wie…? Bei allen Göttern. Kleines Fräulein, du bist nicht nur mutig, sondern auch rechtschaffen.“ Mit zitterten Händen griff der Mann nach der Schatzkiste. Schmutzig. Abgesplittert. Jedoch für den Mann das allerschönste Schmuckkästchen der Welt.
Von der Freude angesteckt, strahlte Tressa auch. „Tressa Colzione hält immer ihr Wort. Zufriedene Kunden sind mein grösster Lohn“, antwortete sie und umklammerte die Hände ihres Gegenübers. „Die Liebste kann ich nicht zurückbringen. Jedoch lebt sie im Herzen weiter.“
„Junge Dame, aus dir wird eine grossartige Händlerin werden.“
Die Tränen rannen seine Wangen hinunter. Schnell wischte er sie weg und murmelte eine Entschuldigung.


~~~



„Darf ich rekapitulieren? Heute trafst du einen dir fremden Mann. Dieser erzählt eine rührselige Erzählung. Überwältigt, da es um einen Kaufmann gleich wie dich selbst geht, beschliesst du zu handeln. Die Gefährten Ophilia, Primrose sowie Olberic begleiten dich unaufgefordert.“
„Sie war erfolgreich und hat den Schatz gefunden. Ohne eine Gegenleistung zu verlangen.“
Alfyn hielt Tressa nur mit Mühe zurück Therion den Bierkrug ins Gesicht zu schleudern. Ruhig fasste Cyrus weiterhin das Vorgefallene zusammen. Der Tumult störte ihn nicht im Geringsten.
„Linde, sieh dir dies an. Wir Menschen können unsere Empfindungen nicht zügeln und doch werden Tiere als Bestien betitelt.“ Linde schnurrte und stellte die Ohren auf. „Tress beruhig dich verdammt nochmal!“, rief Alfyn und drückte sie wieder auf den Stuhl zurück. Es war immer noch das gleiche Wirtshaus, in der die Gruppe rastete.


Der Wirt maulte freilich ab und zu, drohte sie rauszuwerfen. Allerdings bestellten sie genug Getränke und wollten sich Zimmer mieten. Ausserdem hatte der Wirt Olberic, den neuen Champion, erkannt. Und er war kein solcher Unmensch eine Schwester des Ordens der heiligen Flamme vor die Türe zu schicken. „Was ist nun wieder los?“, murmelte der Wirt. Der Stammgast klopfte auf die Theke, um die Aufmerksamkeit seines Freundes zubekommen.
„Die Kleine war wohl frech. Es geht um irgend ne Karte und nen Gefallen. Das passt wohl nicht jedem.“ Der Wirt verzog das Gesicht. Als hätte er das nicht auch mitbekommen.
„Immerhin is was los.“ Der Wirt war sich sicher, dass sein Freund sich lieber die Tänzerin und andern Mädchen ansah.


„Ich entschuldige mich.“ Diese einfachen Worte löste die greifbare Anspannung. Tressa und Therion gaben sich die nicht nur symbolisch die Hand. „Ich bin zu weit gegangen“, gab die Händlerin jetzt auch zu, ergänzte kleinlaut „du bist mein Verbündender. Gleich, wer du bist.“
Therion legte den Kopf schief. Er musterte lange sein Gegenüber. „Ist noch was?“ Die Frage schwebte im Raum. „Du hast dich wohl zu früh entschuldigt“, gab der Dieb zur Antwort.

Verwirrt blickte Tressa ihn an. „Weshalb? Wolltest du mitkommen? Machst du mir zum Vorwurf, ohne Belohnung wiedergekommen zu sein? Sprich jetzt!“
Langsam glitt Primrose vom Schoss Olberics, auf dem sie ungefragt Platz genommen hatte. Sie Schritt zu Therion, vorbei an den dumm dreinblickenden Alfyn. Ihre Hand legte sie auf die Schultern des jungen Mannes. „Sag es Ihr.“


~~~



Wie lange sass Tressa vor dem Wirtshaus? Niemand aus der Gruppe konnte es hinterher genau sagen. Die Wahrheit hätte die Händlerin dieses Mal lieber nicht erfahren.
Therion war nicht mitgekommen auf die Suche, weil es ihm gleichgültig war. Er hatte vernünftige Gründe. Ihm war diese Angelegenheit merkwürdig vorgekommen, deswegen spionierte er dem alten Kaufmann nach.
„Ich bin auf einen Betrüger hereingefallen! Und er hat mich noch verspottet! Therion hörte, wie er mich eine leichtgläubige Göre nannte. Dieser …!“

Vielleicht hätte sie Therion zuhören sollen? Das der Alte das Untier nicht erwähnte, hätte sie stutzig machen sollen. Das er ihr die Karte einfach so gab genauso. Primrose durchschaute den Trick früher.
Aber weshalb sagte sie es ihr nicht? Weil sie sich bockig benahm? Therions Hilfe rigoros ablehnte?

Tressa wollte es nicht erfahren. Sie nahm ihr geliebtes Tagebuch aus der Tasche, atmete tief durch und fasste sich einen Entschluss.
Ihren Verbündeten stets zu vertrauen. Sogar dem listigen Halunke Therion.
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