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Loyalität und Liebe

von Reader313
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Little Creek Rain Spirit
29.04.2020
11.07.2020
8
10.038
 
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28.06.2020 1.483
 
Es war ein ruhiger und erholsamer Sommernachmittag. Das Zwitschern der Vögel war stets zu hören und die fröhlichen Stimmen der Menschen um mich herum beruhigten mein Herz. Es war ein perfekter Moment in meiner Heimat. Meinem zu Hause, wo ich hingehörte. Die lebhafte Atmosphäre im Dorf versäumte es nie, all mein Leid zu lindern. Und obwohl Little Creek und ich vor wenigen Tagen einer großen Gefahr ausgesetzt waren, schien das alles längst vorbei zu sein und der Vergangenheit anzugehören. Im Moment weidete ich neben einigen Stuten, welche ebenfalls dem Dorf angehörten. Die Nachmittage waren die Stunden der Freizeit und der Ruhe, vor allem für die Pferde. Wie immer waren unsere menschlichen Freunde noch mit ihrem Trubel beschäftigt. Glücklicherweise hatte Little Creek an diesem Morgen viel Zeit mit mir verbracht, doch dann beschloss er, den Mustanghengst im runden Pferch zu besuchen. Ich hatte keine Ahnung was sie taten. Höchstwahrscheinlich versuchte mein Besitzer diese wilde Kreatur zu zähmen.  

Ich würde lügen, würde ich nicht zugeben, dass ich langsam ... eifersüchtig wurde. Zwei Stunden waren vergangen, seit Little Creek losgegangen war, um nach diesem Hengst zu sehen. Was machten sie dort so lange? Egal wie sehr ich mich bemühte positiv zu denken, ich konnte dem unangekündigten Mustang, der so mysteriös in mein Leben raste, einfach nicht trauen. Ich seufzte frustriert. Immer wieder dachte ich an ihn! Warum?! Warum hatte er solche Macht über mich ... über uns? In letzter Zeit begann Little Creek sich um ihn zu kümmern. Ich wollte nicht seine zweite Wahl sein! Wenn dieser hartnäckige Hengst dachte, er würde ihn mir stehlen können ... Nun, ich würde dafür sorgen, dass er wusste, wer hier das Sagen hat. Und Nerven hat er! Noch vor einem Tag beschloss er, mich mit seinem stolzen Auftritt zu beeindrucken und für sich zu beanspruchen. Herumtänzeln und sein gutes Aussehen zeigen. Nach mir rufen und meine Anwesenheit fordern, als wäre er ein Alfa. Für wen hielt er sich eigentlich?

Mein bitterer Gedankengang wurde unterbrochen, als ein bestimmtes graues Pferd mich höflich begrüßte. Ich sah auf und richtete meine blauen Augen auf den hübschen Hengst. Bestimmt! Dieser Mustang war nicht besser als Great Conquest. Wenn jemand meine Aufmerksamkeit verdienen sollte, sollte es das mutige Kriegspferd sein, das unsere menschlichen Krieger so tapfer in die Schlacht führt. Er ist genau wie mein verstorbener Vater. Ich lächelte ihn an, als er auf mich zu trottete.

"Hallo, Schöne!" Wieherte er und umkreiste mich mit hochgehaltenem Schweif

"Conquest!" Ich erwiderte die Begrüßung mit einem freundlichen Schnauben. "Hallo."

Die Augen des grauen Hengstes leuchteten vor Aufregung, als mein Blick ihm neugierig folgte. Ohne Zweifel war er gutaussehend und es war offensichtlich, dass Great Conquest mich seit einiger Zeit den anderen Stuten bevorzugte. Ich hatte andere Dorfpferde tratschen und über viele falsche Dinge spekulieren hören. Ich studierte seine männliche und starke Figur und die drei Hufeisen, welche auf seine Schulter gemalt waren. Es war exquisit. Great Conquest war ein ehrenwerter Hengst und alle Stuten wollten, dass ihre Fohlen von ihm gezeugt wurden. Er würde einen perfekten Partner abgeben ... für jeden.

"Möchtest du spazieren gehen?" Er legte den Kopf zur Seite und deutete auf das Flussufer.

Ich blieb plötzlich stehen und schlüpfte aus meiner traumhaften Welt. Ich starrte ihn mit nach vorne gerichteten Ohren an, ein verwirrter Ausdruck auf meinem Gesicht. "Was?"

Great Conquest spiegelte meinen Blick wider, als er mich mit einem Fragezeichen ansah.

Die Erkenntnis traf mich. Der Vorschlag war klar! Er hatte Gefühle für mich! Jede Dorfstute wusste, dass ein Hengst, der Sie bat, privat mit ihm zu spazieren, bedeutete, dass er Sie als Partner mochte und Pläne für die Zukunft hatte. Jede andere Stute wäre jetzt hin und weg gewesen, sich ihm anzuschließen. Doch warum war ich es nicht? Was ist passiert?

Ich sah mich um und bemerkte verblüffte Blicke der Stuten in der Nähe, einschließlich Dawn. Ich starrte zurück auf das besorgte Gesicht Great Conquests. Nein, er war wunderbar. Er war perfekt. Sein Reiter und Little Creek waren gute Freunde aus Kindertagen. Sie hatten oft über Conquest und mich gesprochen. Little Creek hatte mehr als einmal erwähnt, dass er eines Tages gerne kleine Fohlen haben würde. Und sie hatten erkannt, wie sehr Conquest mir zugeneigt war. Aber was war mit mir? Wollte ich das? Und warum nicht?! Zu meinem größten Schock kam mir die Gestalt des Buckskin Mustangs in den Sinn und ich schüttelte meinen Kopf. Warum!? Warum habe ich an diesen unhöflichen und stolzen Hengst gedacht? Er war hier, um meinen Little Creek zu stehlen, nicht wahr?

"Rain?" Great Conquest brachte mich einmal mehr in die Realität zurück.

"Oh, tut mir leid." Antwortete ich mit einem leichten schaudern. "Das wäre großartig. Lass uns gehen." Ich beruhigte ihn mit vor Eifer funkelnden Augen.

Seine Gesichtszüge hellten sich sofort auf und wir gingen los, um etwas Einsamkeit zu suchen. Ich konnte einige der Stuten missbilligend schnauben hören.

Wir verließen den Lärm des Lakota Dorfes und begannen stattdessen über die wunderschönen Landschaften in der Nähe zu wandern. Es war wirklich wunderbar, die Pracht der Natur um uns herum zu sehen. Wir hielten eine Weile inne, um alles mit einem tiefem Atemzug aufzunehmen. Great Conquest beugte sich vor und fing an, an meinem Widerrist zu knabbern. Ich scheute zur Seite, beschämt dass ich nichts dabei fühlte.

"Geht es dir gut?" Fragte der graue Hengst und sein Gesicht wurde besorgt.

Bevor ich eine Antwort geben konnte, ertönte plötzlich ein lautes, gewalttätiges und sehr aggressives Wiehern aus dem Pferch. Sofort drehe ich den Kopf und spitzte die Ohren. Dann folgte ein Knall und ein wütender, beinahe drohender Schrei eines Hengstes. Ich hob meinen Kopf und sprang vor, nur um den wilden Mustang zu entdecken, der meinen Little Creek mit einem Todesblick taxierte. Dieser lag kaum ausserhalb des Pferches hilflos und entsetzt am Boden. Wütend donnerte ich sofort zu dem rüden Hengst. Ich wieherte ihn in Rage an und stellte mich vor meinen wehrlosen Menschen. Meine Ohren lagen flach auf meinem Kopf, meine Nüstern bebten und ich schnaubte vor Aufregung. Ich verengte meine blauen Augen und starrte ihn an. Niemand legt sich mit meinem Besitzer, meinem Beschützer, meinem Freund, meiner einzigen Familie an ... NIEMAND!

Mit einem erschrockenen und verwirrten Blick musterte mich der Buckskin-Hengst. Er war offensichtlich ziemlich schockiert zu sehen, wie ich nicht nur wie ein verliebter Jährling mit einem Menschen spielte, sondern ihn auch so leidenschaftlich verteidigte. Es herrschte Stille, als ich ihn weiter mit meinem Blick durchbohrte. Alles schien innezuhalten. Unsere Augen noch immer auf den jeweils anderen gerichtet, erstarrten auch alle um uns herum und waren sprachlos. Nach einigen Sekunden fand der Hengst wieder zu sich und sein Gesicht verhärtete sich ein wenig. Er verdrehte die Augen und zu meiner Überraschung zog er sich zurück und wandte sich leise murmelnd ab. "Stuten."

Ich schnaubte verärgert. "So ist es besser." Ich dachte bei mir und sah meinen Menschen an, um sicherzustellen, dass es ihm gut ging. Dieser lag mit einem amüsierten Lächeln auf dem Boden. Ich stiess ihn liebevoll an und er streichelte mich sanft. "Meine Rain, was würde ich ohne dich tun, Mädchen?"

Great Conquest stand etwas entfernt mit einem beeindruckten Ausdruck. Zwei von Little Creeks menschlichen Freunden, einer von ihnen Conquests Reiter, kamen auf ihn zu. "Sieht so aus, als ob deine Stute diejenige ist, die seinen wilden Geist zähmen wird."

Little Creek lachte über die Idee, doch ich brachte schnaubend mein Missfallen zum Ausdruck.

In dieser Nacht, als ich mich zur Ruhe begeben wollte, kam mein menschlicher Freund, um mir eine gute Nacht zu wünschen. Wie immer streichelte er mich und sprach mit seiner sanften Stimme zu mir. Ich hörte aufmerksam zu und wollte nichts versäumen, was er mir sagen wollte. "Mein Mädchen, ich danke dir für heute. Du bist wirklich das beste Pferd, das ich mir wünschen kann." Ich wieherte leise, glücklich über die freundlichen Worte meines Besitzers.

"Aber sei nicht zu sauer auf den Mustang." Sagte er und bemerkte, dass meine Ohren bei dessen Anblick in der Ferne zurückklappten. "Es ist nicht seine Schuld, dass er Menschen nicht vertraut. Er wurde schrecklich behandelt und ist es nicht gewohnt, von zu Hause fort zu sein." Fuhr Little Creek mit einer Stimme fort, die so voller Mitleid und Empathie war, dass mir dieser grobe Hengst langsam leid tat. "Ich fürchte, die einzige, die diesen wilden Geist besänftigen kann ... bist du." Beendete er, während er mein Gesicht streichelte.

Ich wieherte protestierend bei diesem Vorschlag, doch schon ziemlich bald brachten mich Little Creeks süße Bitten und Beharrlichkeit dazu, einzuwilligen. Ich seufzte innerlich. Er hatte die Macht über mich! In Ordnung, in Ordnung ... Ich würde sehen, was ich tun kann. Die Vorstellung, die meiste Zeit mit diesem wilden Geist zu verbringen, brachte mich dazu, irritiert die Augen zu verdrehen.

Warum ich?!
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