Loyalität und Liebe

von Reader313
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Little Creek Rain Spirit
29.04.2020
23.05.2020
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23.05.2020 1.279
 
Es waren die letzten Tage eines sehr heißen Juli, die Sonne schien hell und die Hitze war gnadenlos. Der Sommer war noch nie so unerträglich gewesen ... zumindest nicht für mich. Ich ging unter einem kleinen Baum in Deckung, um etwas Schatten zu suchen. Meine blauen Augen wanderten zu Little Creek und ich hoffte, dass er bald seine Arbeiten erledigt haben würde und wir ein schönes Bad würden nehmen können.

Im Moment war das Lakota Dorf voller Leben. Andererseits war das immer so, also nichts Neues für mich oder den Rest der Pferde, welche in der Nähe weideten, um unsere Menschen in ihrer Eile zu beobachten. Ich überflog den belebten Bereich, um einen Blick auf meinen Freund und Besitzer zu erhaschen. Er bemühte sich darum, drei beladene Körbe auf einmal zu heben und versuchte sie von einer Seite des Lagers zur anderen zu bringen. Als er bemerkte, dass er sich vielleicht etwas zu viel vorgenommen hatte, stellte er die Körbe ab, trocknete sich die Stirn und staunte über die Menge an Schweiß, die sich angesammelt hatte. Ich versuchte ein leises Schnauben beim Anblick meines unglücklichen Begleiters zu unterdrücken. Kein Wunder, dass dieses schreckliche, trockene Wetter auch ihm zusetzte.

Ich seufzte schwer und wusste, dass unsere menschlichen Freunde ihr Bestes gaben, um unsere Situation zu verbessern.

Vor ein paar Tagen hatte ich von Great Conquest gehört, dass der Stamm nur noch wenige Vorräte hat. Wir wurden größer. Weitere Pferde wurden eingefangen oder kamen hinzu und es wurden mehr Menschen geboren. Die Büffelherde war weiter weggezogen und das viel früher als wir dachten. Zudem steckte der Stamm mitten im Grasland mit wenig Nahrung fest. Ich hatte nicht bemerkt, wie schlecht es uns ging, bis ich den großen Häuptling der Lakota entdeckte, der auf Little Creek und einige seiner Freunde zuschritt. Sie unterhielten sich sehr bestimmt. Offensichtlich drehte sich das Gespräch um etwas ziemlich ernstes. Ich spitzte die Ohren und konzentrierte mich die längste Zeit auf sie. Ich konnte meinen Blick nicht von Little Creek oder dem weisen Häuptling lösen.

Ich war so konzentriert auf das Gespräch der Männer, dass ich nicht bemerkte, wie Great Conquest und Dawn auf mich zugetrottet kamen. "Hey Rain." Der Hengst begrüßte mich mit einem leisen Schnauben.

Ich blickte zurück und bestätigte nickend die Anwesenheit meiner Freunde. Weiterhin wachte ich neugierig über Little Creek, während er mit unserem Häuptling sprach. Als Great Conquest bemerkte, wo meine Aufmerksamkeit lag, sprach er.

"Er schickt uns auf eine Mission."

Was? Der große Lakota-Häuptling hatte endlich beschlossen, Little Creek und mich für eine Mission zu erwählen? Normalerweise schickte er nur die vertrauenswürdigsten Pferde und Reiter für solch wichtige Aufgaben. Bevor ich aufgeregt antworten konnte, kamen unsere menschlichen Freunde auf uns zu. Ich wieherte glücklich, als ich Little Creek vor seinen beiden anderen Gefährten schreiten sah.

"Rain", flüsterte er sanft und streichelte meine weiche, samtige Schnauze. Ich warf ihm einen bewundernden Blick zu, als sich die beiden anderen Reiter Great Conquest und Dawn näherten. Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf meinen vertrauenswürdigen Freund. "Endlich hat unser weiser Häuptling beschlossen, uns auf eine Mission zu schicken." Informierte er mich. Seine Stimme zitterte dabei fast vor Stolz.

Mein Herz begann höher zu schlagen. Ich wollte schon immer zeigen, wie wild und hilfsbereit ich für den Stamm sein kann und mein tapferer Besitzer ebenso. Das war unser Tag! Heute ... war unsere Chance endlich gekommen.

Ich stupste Little Creek voller Aufregung an und wollte, dass er fortfuhr.

Mein Freund lächelte, während das heiße, morgendliche Sonnenlicht auf seine schokoladenbraunen Haaren fiel. "Er hat uns ausgewählt, um den Versorgungswagen des Militärs zu überfallen. Wir werden von Long Knife auf Great Conquest und Singing Eagle auf Dawn begleitet. Wir werden endlich die Chance haben, uns zu beweisen, Rain. Und gleichzeitig können wir Nahrung für den Stamm zurückzubringen." Endete er mit einem entzückenden Strahlen.

Ich wieherte vor Glück. Wir hatten beide schon seit langer Zeit auf diesen Moment gewartet. Little Creek war mittlerweile zwanzig Jahre alt. Das entspricht etwa einem vierjährigen  Pferd. Es war an der Zeit, dass wir beide den Stamm mit unserem Mut und Charisma ehrten. Außerdem würde ich Zeit mit zwei meiner besten Freunde, Great Conquest und Dawn, verbringen.

Meine kristallblauen Augen wanderten vom grauen Hengst mit den drei auf die Schulter gemalten Hufeisen zu der hellen Kastanienstute neben ihm. Auch Dawn war total aufgeregt. Es war auch ihre erste Mission. Sie schnaubte mich an und ging nervös auf und ab.

Little Creek sprach einen Moment mit den beiden Reitern Long Knife und Singing Eagle. Die drei gestikulierten mit den Händen und entschieden etwas. Dann drehte er sich zu mir um, packte meine Flachsmähne und schwang sich schnell auf meinen Rücken. Als die anderen beiden auf die Pferde stiegen, tänzelte ich an Ort und Stelle und wollte unbedingt unsere erste Mission antreten. Sobald alle bereit waren, machten wir uns auf den Weg zum Versorgungswagen.

Es schien ewig zu dauern, bis wir unser Ziel erreichten. Ein grosser Wagen, beladen mit Essen, Decken, einigen Waffen und allem anderen, was diese Menschen so für notwendig hielten. Wir stoppten und Little Creek tauschte einige Worte mit seinen zwei Gefährten. Danach stieg er von mir ab und sagte mir, ich solle mit Conquest, Dawn und ihren Reitern im Schutz des Waldes bleiben. Er ging alleine voran und mein Blick folgte ihm mit leichter Sorge. Etwas tief im Inneren sagte mir, dass dies kein sicherer Ort war. Little Creek schlich sich leise zum Wagen und streckte vorsichtig die Hand aus, um die Hintertür zu öffnen. Er sah sich um, um sicherzugehen, dass er allein war. Seine Hand berührte den Griff des Wagens. Es gab eine Pause. Als ob etwas furchtbar schief gehen würde.

Zu meiner großen Erleichterung gelang es Little Creek, die Tür zu öffnen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Beruhigend nickte er uns zu, bevor er hineinsprang. Ich drehte mich zu Dawn um und meine Augen funkelten. "Er wird Erfolg haben." Wieherte sie und schnaubte glücklich. "Du wirst sehen, wir werden nur ..."

Sie wurde von Great Conquest unterbrochen, der sie mit einem nervösen Schnauben unterbrach. Ich hob den Kopf und konzentrierte mich auf den Versorgungswagen.

Plötzlich tauchten zwei Soldaten hinter dem Wagen auf und sprangen auf Little Creek zu. Mein Little Creek. Mein Freund. Mein Reiter. Mein Besitzer. Mein Mensch! Er wurde grob ergriffen und in den Dreck geworfen. Ohne an irgendetwas anderes zu denken, wollte ich zu einem verzweifelten Schrei ansetzen, wurde aber von Great Conquest zum Schweigen gebracht.

"Bleib ruhig oder sie werden uns auch bekommen. Dann werden wir ihn nicht retten können." Sagte er mir in einem durchdringenden Ton, als ich zu protestieren versuchte.

Ich starrte den dunkelgrauen Hengst mit einem offensichtlichen Zorn an, aber er war entschlossen, mich zu beschützen. Und anscheinend waren es auch die beiden Reiter. Sie beobachteten schweigend die herzzerreißende Szene vor uns und zuckten nicht einmal eine Sekunde lang zusammen. Mein Blick folgte wieder Little Creek, als Dawn mich leise schnaubend zu beruhigen versuchte. Ich versuche mir einzureden, dass wir meinen menschlichen Freund früh genug würden retten können. Zögernd und mit Unsicherheit stiess ich Luft durch meine Nüstern aus. meine Augen verließen nie den Anblick Little Creeks, welcher in Richtung einer riesigen hölzernen Festung gezogen wurde.

Zerrten ihn die Männer in den Tod? Mein Körper zitterte bei diesem Gedanken. Ich seufzte verzweifelt und meine Augen weiteten sich, als ich sie verschwinden sah. Zum ersten Mal seit einer Weile fühlte ich die gleiche Angst, die ich an dem Tag hatte, als meine arme Mutter starb. Ich ließ traurig den Kopf hängen und musste feststellen, dass dies vielleicht das letzte Mal war, dass ich meinen fürsorglichen zweibeinigen Freund sah.
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