Drachenblut - Die Gewöhnung (Band 2)

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
29.04.2020
29.05.2020
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23.05.2020 1.531
 
Kapitel 32

Rei nickte ihm zu und bat Liron, immer wieder nach Elgatos zu sehen und ihm Arzneimittel zu bringen, aber auch dafür zu sorgen, dass sein Zimmer immer warm war.

Das bedeutete für Rei selbst noch mehr Stress, denn er hatte keinen, der nachts auf Quinn aufpassen konnte.

Liron nickte und würde sich darum kümmern. "Braucht Ihr sonst noch etwas?", fragte Liron und meinte damit nicht an Essen.

"Regelmäßig Essen, Waschschüssel und Arznei für mich im Moment. Und komme immer wieder, falls wir etwas brauchen", sagte er nach kurzem Nachdenken.

Liron nickte. "Sehr wohl", sagte er und warf Quinn ein Lächeln zu, bevor er den Raum mit Elgatos verließ.

Frustriert seufzte er auf und blickte an die Decke. Gerade ging alles schief. Wie sollte er seiner Arbeit so nur nachkommen?

"Es ist in Ordnung, wenn Ihr mich eine Weile ankettet, um Eure Arbeit zu machen", sagte sie leise, denn sie hatte verstanden, dass es Elgatos nicht gut ging.

Rei schüttelte den Kopf. "Nein. Falls dir etwas passiert und es dir nicht gut geht, ist niemand da, der dir helfen kann", bemerkte er bestürzt.

"Ich werde schon eine bis zwei Stunden durchhalten", sagte sie leise. "Ihr könnt ja dennoch ab und an nach mir sehen."

Seufzend warf er ihr einen Blick zu. "Quinn, so einfach ist es nicht. Wenn es Schwierigkeiten gibt, kann es sein, dass ich mehrere Stunden weg bin. Ich kann nicht einfach mal kurz nach dir sehen. In dieser Zeit kann es dir sehr schlecht gehen oder dir etwas passieren", erklärte er kalt. Für sie war es vielleicht in Ordnung, aber nicht für ihn. Rei nahm seine Pflicht sehr ernst.

Quinn senkte den Blick, während sie mit der Gabel den Fisch von den Gräten entfernte, damit sie diesen essen konnte. Es war das erste Mal, dass Liron so etwas gebracht hatte sie das gefiel ihr gut.

"Gibt es denn eine andere Möglichkeit?"

Nachdenklich wirkte Rei, bis er den Kopf schüttelte. „Nein. Ich lasse keinen der anderen Männer zu dir", meinte er ernst.

"Und wenn ich Euch begleite?", fragte sie leise.

Ein bitteres Schnauben erklang. „Sei nicht albern. Du wirst gar keine Kraft haben, dich dort aufzuhalten. Und sich vor den Wahnsinnigen zu beschützen, die dir wohl an den Leib wollen, kannst du auch nicht", meinte Rei. Er klang nicht so, als würde er Späße machen.

"Und wie wollt Ihr dann Eure Aufgaben schaffen?", fragte sie leise.

„Keine Ahnung. Genau das ist das Problem", gab er widerwillig zu. Wahrscheinlich gab es deshalb auch keine Frauen auf Barafu.

"Das tut mir leid", meinte Quinn niedergeschlagen, aß aber trotzdem den Fisch langsam.

Er stand wirklich vor einem Problem. Würde er Quinn mit in die Kerker nehmen, würde sie wissen, welche Art von Drachen sich dort aufhielten. Sollten er oder sie angegriffen werden, musste Rei zuallererst den Drachen aufhalten und zähmen, bevor er Quinn helfen konnte. Würde sie zusammenbrechen, weil sein Blut dazu führte, konnte er nicht einfach die anderen ignorieren, denn diese würden garantiert versuchen, ihn anzugreifen.

Aber niemand sonst konnte sich mit ihnen anlegen.

Vielleicht musste er doch in den sauren Apfel beißen und einen der Männer beauftragen.

Das ging auf der anderen Seite auch nicht. Rei wusste, dass sie die Hilflosigkeit von Quinn ausnutzen und sich an ihr vergehen würden.

Das Einzige, was ihm blieb war zu hoffe , dass in der Zeit nichts geschehen würde. Zumindest solange Elgatos krank war.

"Und was wird nun passieren?", fragte Quinn leise.

„Ich weiß es nicht", gestand er ehrlich. „Könnte ich einem anderen vertrauen, dich nicht anzufassen, würde ich jemanden holen."

Quinn wirkte nachdenklich und hoffte, dass Rei etwas einfiel. Sie selbst konnte es kaum einschätzen.

Schweigsam blickte Rei noch immer an die Decke. Er wirkte gestresst und niedergeschlagen. Alles brach gerade über ihn herein.

"Und wenn Ihr die Gewöhnung verschiebt?", fragte sie leise. Nicht, weil sie es wollte, aber weil es vielleicht die einzige Möglichkeit war.

"Nein. Dann müssen wir wieder von vorne anfangen", sagte er streng. Das würde alles nur noch mehr herauszögern. Das konnte er sich nicht leisten.

"Dann bleibt nur die Möglichkeit, dass Ihr mich hier lasst, oder mitnehmt", sagte sie leise.

Missmutig grummelte Rei und seufzte ergeben. Alles ging schief. Warum konnte es nicht einfach so wie davor sein?

Quinn atmete tief durch. "Ist es wirklich nötig, dass Ihr so lange wegbleibt?", fragte sie. Vielleicht konnte er die Zeiten auch kürzen.

"Quinn ...", begann er gequält, weil die Fragen ihm gerade nicht halfen. "Ich kann nie sagen, wie lange etwas dauern wird. Es kann in einer Stunde vorbei sein oder einen ganzen Tag dauern", fügte er hinzu und legte seufzend seinen Kopf auf den Händen ab, um nach draußen zu starren. Viel war dort nicht zu erkennen, denn es war bereits dunkel geworden.

Die junge Frau zuckte mit den Schultern. "Dann ist es so", meinte sie leise. "Vielleicht sterbe ich in der Zeit, vielleicht auch nicht. Ich kann Euch nicht Euer ganzes Leben hier kaputt machen." Ihre Worte waren versuchtgleichgültig hervorgebracht, doch das kleine Bisschen Angst, dass darin mitschwang, war nicht zu überhören.

Abwinkend machte er eine kurze Handbewegung. "Ich kann auch jemanden holen, der auf dich aufpassen soll, falls es dir nichts ausmacht, wenn derjenige über dich herfällt", erwiderte er genauso gleichgültig. Wenn das ihr Wunsch war, konnte er das auch tun.

"Gibt es wirklich niemanden?", fragte sie leise. "Was ist mit Liron?"

Liron war ein guter Koch und freundlich. Aber Rei vertraute ihm nicht genug, dass er Quinn in Ruhe lassen würde. Sie hatte einen begehrlichen Körper, weshalb die Männer ihr auch so hinterher starrten.

"Wäre es einen Versuch wert?", fragte sie leise.

Langsam nickte Rei. "Sollte er sich an dir vergehen und ich bin nicht da, dann tut es mir leid. Es gibt keine Garantie", erklärte er.

"Dessen bin ich mir bewusst", meinte Quinn leise und nachdenklich. Sie wollte eigentlich bei Rei bleiben, doch es schien, als würde nichts anderes möglich sein.

Mit einem Ruck stand Rei auf und ging an das Feuer, um sich davor niederzulassen. Er wollte nicht mehr darüber nachdenken. Zumindest nicht in diesem Moment. Die Müdigkeit war präsent und er kämpfte bereits dagegen an, nicht einfach einzuschlafen.

Zusammengesunken saß der Wächter vor dem Feuer und hatte die Augen geschlossen, während die Hitze ihn umhüllte. Irgendwas musste er doch tun können.

"Was die Nacht betrifft ...", begann Quinn leise und vorsichtig. "Ihr könnt Euch zu mir legen, dann werdet Ihr wach, sollte es mir nicht gut gehen oder ich versuchen zu fliehen", schlug sie vor.

Bitter lachte Rei auf. Noch nie hatte Quinn ihn in irgendeiner Form lachen gehört. "Danke für das Angebot, aber das ist strengstens untersagt", erklärte er, ohne sich zu ihr umzudrehen.

"Ich habe Euch nicht dazu eingeladen, mit mir zu schlafen oder mich unsittlich zu berühren", sagte sie nüchtern. "Es ist nichts anderes, als würdet ihr mich festhalten, damit ich nicht wegrennen kann."

"Quinn", sagte Rei und klang dabei, als würde er versuchen, sich zu beherrschen. "Es geht nicht um das, sondern dass ich mich als Wächter in kein Bett einladen darf, in dem eine Frau schläft. Auch nicht, wenn es ums einfache Schlafen geht. Selbst wenn du am Rand liegst", erklärte Rei ruhig. Sie konnte das nicht wissen, weshalb es ungerecht wäre, seinen Unmut an ihr auszulassen. "Es ist meine Pflicht, auf dich aufzupassen und nicht neben dir zu schlafen."

"Das wird nur nicht gehen, wenn Ihr gar nicht schlaft", meinte Quinn leise.

"Richtig", bestätigte er nickend. Noch immer saß er mit dem Rücken zu ihr gewandt und ließ sich das Gesicht erwärmen, obwohl es an den Wunden brannte. "Ich muss wachbleiben, damit ich eingreifen kann, falls etwas mit dir ist oder du versuchst, zu fliehen."

"Aber das werdet Ihr nicht ewig durchhalten", meinte sie leise.

"Das ist mein Problem und nicht deines", sagte er ernst. Rei konnte nur hoffen, dass er solange durchhielt, bis Elgatos wieder in Ordnung war.

"Vielleicht", sagte sie leise. "Aber auch die Männer können Eure Müdigkeit ausnutzen", sagte sie ernst. "Dann könnte es durchaus mein Problem werden."

"Selbst wenn ich müde bin, kommen sie nicht gegen mich an", bemerkte Rei. Die Männer konnten keine Magie einsetzen, er hingegen schon.

Quinn seufzte leise. "Das Angebot steht trotzdem", meinte sie leise.

Rei war nahe dran, das Angebot anzunehmen. Doch so gern er es wollte, er konnte es nicht. "Und wie erklärst du es dann dem Höchsten, dass der Wandler im Bett seiner zukünftigen Frau geschlafen hat? Auch wenn nichts passiert, wird er es nicht glauben. Dass Harri sich an dir vergangen hat, wird sowieso noch ein Nachspiel haben", murmelte er missmutig.

"Wieso sollte er es wissen?", fragte Quinn leise. "Werdet Ihr es ihm schreiben?"
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